Große Weihnachts-Freikartenaktion beim Kickers-Heimspiel am Samstag gegen Wacker Burghausen

Geschenke verteilt der Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers in diesem Jahr schon fünf Tage vor Weihnachten: Die Blauen laden am kommenden Samstag, 20. Dezember 2008, zu einem kostenlosen Besuch ihres Heimspiels gegen den SV Wacker Burghausen (GAZI-Stadion, Spielbeginn ist um 14 Uhr) ein – und zwar alle Besitzer eines italienischen Automobils der Marken Fiat, Lancia und Alfa. In der Halbzeitpause wird ja bekanntlich der FIAT Panda in der Sonderedition „Believe in Blue 2.0“ von Auto Palazzo verlost.

Weiterhin gilt dieses Angebot auch für alle Kickers-Fans, die im Dezember Geburtstag haben.
Mitzubringen ist als Nachweis für das erste Kickers-Angebot lediglich ein dementsprechender Fahrzeugschein, die Dezember-Geburtstagskinder benötigen für ihren Gratis-Eintritt einen gültigen Personalausweis oder ein anderes amtliches Dokument. An der Kasse 11 (Kassenanlage Süd im GAZI-Stadion) werden von 12 Uhr an diese Gratis-Tickets vorgehalten. Diese gelten im Übrigen ausschließlich für die Stehplatzbereiche, jede teilnahmeberechtigte Person bekommt nur eine Eintrittskarte.

Offizielle Homepage

Presse zu SC Paderborn – Stuttgarter Kickers (2:0)

Eine Niederlage, die Mut macht

Der Kickers-Trainer Edgar Schmitt ist trotz des 0:2 in Paderborn zuversichtlich

STUTTGART. Vier Minuten haben beim 0:2 in Paderborn gefehlt, dann wären die Stuttgarter Kickers diese Saison erstmals ohne Gegentor geblieben. „Das war eine unglückliche Niederlage“, sagte der Trainer Edgar Schmitt, der zudem mit dem Schiedsrichter haderte.

Von Joachim Klumpp

Der Reporter des Westdeutschen Rundfunks hatte für den Vorbericht zur Partie SC Paderborn gegen Stuttgarter Kickers die Statistik bemüht, und zwar in Form der Gelben Karten, bei denen die Schwaben mit 46:34 Verwarnungen den internen Vergleich anführen. „Hart gegen zart“, lautete demzufolge das Motto für das Drittligaspiel.

Wobei sich die Partie mit umgekehrten Vorzeichen präsentierte. Denn eine gewisse Härte brachte zunächst einmal Paderborns Matthias Holst ins Spiel, der mit einem Ellenbogencheck den Kickers-Verteidiger Marcus Mann im Gesicht erwischte, allerdings hinter dem Rücken des Schiedsrichters. Der übersah dann auch noch ein elfmeterreifes Foul an Orlando Smeekes (plus Rot?), so dass Edgar Schmitt meinte: „Wenn ich etwas von einem verdienten Sieg höre, muss ich das durch glücklich ersetzen“, sagte der Kickers-Trainer. „Klar hatte Paderborn mehr Spielanteile, aber das war ja gewollt.“

Die Kickers setzten beim Spitzenreiter auf Konter – durchaus mit Erfolg. Allerdings nur in der Entstehungsgeschichte, im Abschluss vergaben Michael Schürg (zweimal) und Thorsten Reiß. „Bevor Paderborn das 1:0 macht, müssen wir schon in Führung gehen“, sagte Schmitt. Dennoch kein Vorwurf an seine Spieler, mit einer kleinen Ausnahme: „Vielleicht müssen wir in manchen Situationen noch mehr Wille zum Sieg zeigen.“ Das ist nicht neu: gelegentlich fehlt die Effektivität. Genau das war am Samstag der Unterschied. Paderborns Torjäger Frank Löning zum Beispiel traf mit seiner ersten Chance in der 86. Minute, die Kickers bei gleich mehreren nicht. Der Manager Joachim Cast erkannte: „Deshalb sind die Erster und wir 19.“

Und auf einem Abstiegsplatz werden die Kickers definitiv auch in der Winterpause stehen, ehe es am 9. Januar wieder mit dem Training losgeht. Mit neuen Spielern? „Nur wenn wir jemand abgeben können“, betonte der Manager zum wiederholten Male. Potenzielle Kandidaten – wie der Stürmer Sokol Kacani – dürften darüber bereits informiert sein. Allerdings wird es nicht so einfach werden, einen Abnehmer zu finden; das zeigt das Beispiel Markus Ortlieb, der vor einem Jahr gehen sollte – und sich inzwischen wieder einen Stammplatz erkämpft hat.

Trotz der Niederlage ist dem Kickers-Trainer vor der Zukunft nicht bange: „Wir haben uns kontinuierlich gesteigert, wir stehen hinten immer besser, und vorne haben wir unsere Qualitäten.“ Deshalb lässt sich Schmitt auch nicht durch die Konkurrenz verrückt machen, bei der vor allem Jahn Regensburg seit dem Trainerwechsel eifrig gepunktet hat und Werder Bremen II gestern durch den 2:0-Sieg gegen Düsseldorf die rote Laterne wieder an die Kickers abgegeben hat. „Wir schauen nur auf uns – und wollen in der Rückrunde neu durchstarten“, sagte Schmitt, auch wenn die erhofften 17 bis 18 Punkte zur Winterpause nicht mehr möglich sind.

Dafür wollen die Kickers nächsten Samstag zum Auftakt der Rückrunde das Spiel gegen den Abstiegskonkurrenten Burghausen unbedingt durchziehen, wobei hinter der Austragung ein Fragezeichen steht. „Wir werden alles unternehmen, damit gespielt werden kann“, sagte der Manager Cast, der sich bereits heute mit der Stadt in Verbindung setzen will, um auszuloten, wie der Platz geräumt werden kann. Denn von alleine wird der Schnee ebenso wenig schmelzen wie der Punkteabstand zu den Nichtabstiegsplätzen.

SC Paderborn: Jensen – Wemmer (69. Güvenisik), Holst, Mohr, Schuppan (78. Halfar) – Fischer – Brandy (74. Krecidlo), Alushi, Lindemann – Löning, Kumbela.

Stuttgarter Kickers: Salz – Steinle, Mann (74. Kettemann), Ortlieb, Härter – Traut (78. Reiß), Deigendesch, Rosen, Gentner – Smeekes, Schürg (64. Gambo).

Stuttgarter Zeitung

Günstiger Sturmpartner gesucht

Kickers unterliegen in Paderborn 0:2 – Angriffsschwäche ein großes Problem

Stuttgart – Die Stuttgarter Kickers haben bei Tabellenführer SC Paderborn 0:2 (0:0) verloren. Die Partie zeigte deutlich auf, warum die Blauen am Ende der Tabelle stehen – und welche Probleme sie dringend lösen müssen.

VON STEFAN KLINGER

Als Edgar Schmitt am Sonntag vor seine Mannschaft trat, machte er das, was er in den vergangenen Wochen schon so oft hat tun müssen: Er spendete Trost. „Wer sich die DVDs vom ersten Spiel und vom Spiel in Paderborn anschaut, der sieht, dass zwischen beiden Leistungen Welten liegen“, sagte der Kickers-Trainer. Das Team spielt immer besser – aber noch nicht gut genug.

In Paderborn zeigten die Blauen fast 90 Minuten eine gute Leistung. Im Angriff überzeugte vor allem Orlando Smeekes. Er bereitete noch vor den Gegentreffern seinem Sturmpartner Michael Schürg zwei – gelinde gesagt – sehr gute Chancen vor. Was wäre gewesen, wenn . . .?

Wer die Niederlage jedoch allein mit Pech erklärt, macht es sich zu einfach. Schürg vergab nicht zum ersten Mal eine klare Chance. Den Kickers fehlt ein zweiter starker Stürmer neben Orlando Smeekes. „Michael Schürg ist ein großes Talent. Aber er kam aus der Oberliga und ihm fehlt in entscheidenden Situationen einfach noch ein bisschen die Kraft, um sie zu nutzen“, sagte Trainer Schmitt, „in drei Monaten wird das anders aussehen.“

Punkte hat der Tabellenletzte aus Stuttgart nur wenige – und Zeit, damit sich Talente entwickeln können, noch viel weniger. In Paderborn wechselte Schmitt Bashiru Gambo für Schürg ein. Gut möglich, dass der Mittelfeldspieler im immens wichtigen Heimspiel gegen Burghausen am Samstag von Anfang an als zweiter Stürmer aufläuft. Eine langfristige Lösung kann jedoch nur ein Neuzugang sein. Ein Spieler wie Aalens Andreas Mayer, der sich beim VfR zuletzt nicht mehr wohl fühlte. „Er ist sicher ein interessanter Spieler. Aber ihn können wir nicht bezahlen“, stellte Schmitt klar.

Selbst wenn der bei den Kickers in Ungnade gefallene Angelo Vaccaro oder die kaum eingesetzten Sasa Janic und Jörn Schmiedel die Blauen verlassen, müsste Mayer massive finanzielle Abstriche hinnehmen. Zudem dürfte es schwer werden, überhaupt einen Abnehmer für die Kickers-Spieler zu finden. Und die Granden der Blauen, deren Team noch kein Spiel ohne Gegentor absolvierte, beklagen noch ein ganz anderes Problem. „Wir brauchen dringend mehr Stabilität in der Abwehr“, sagte Schmitt – und machte dann das, was er zuletzt schon so oft hat tun müssen: Er wies auf die prekäre finanzielle Lage des Clubs hin.

Stuttgarter Nachrichten

Kickers wieder Letzter

Drittligist verliert mit 0:2 beim Spitzenreiter SC Paderborn

Stuttgart (red) – Die Stuttgarter Kickers haben zum Abschluss der Hinrunde der dritten Fußball-Liga beim Spitzenreiter SC Paderborn mit 0:2 (0:0) verloren. Nach der zehnten Saisonniederlage rutschten die „Blauen“ wieder auf den letzten Tabellenplatz ab.

„Das lief sehr unglücklich und war am Ende eine unverdiente Niederlage“, erklärte Kickers-Coach Edgar Schmitt und sprach damit die entscheidenden Schlussminuten an, die die Kickers – wie schon so oft in dieser Saison – auf die Verliererstraße brachten. Nach 85 Minuten stand es trotz guter Chancen auf beiden Seiten immer noch 0:0 und alles deutete auf eine überraschende Punkteteilung hin. Doch dann schlugen die Favoriten vor 7944 Zuschauern gleich doppelt zu. Erst brachte Stürmer Frank Löning mit seinem elften Saisontreffer die Gastgeber in Führung (86.). Anschließend verwandelte Sercan Güvenisik einen umstrittenen Foulelfmeter zum 2:0-Endstand (90.+2). Verteidiger Moritz Steinle soll den Stürmer zu Fall gebracht haben.Damit sind die Kickers neben Werder Bremen II die einzige Mannschaft, die in der Hinrunde auswärts sieglos blieb. Schmitt verliert dennoch nicht den Mut: „Wir machen weiter, wir werden es schaffen. Davon bin ich felsenfest überzeugt, weil das, was wir mittlerweile spielen, nach Fußball aussieht.“ Stuttgarter Kickers: Salz -Steinle, Mann (74. Kettemann), Ortlieb, Härter – Traut (78. Reiß), Deigendesch, Rosen, Gentner – Schürg (64. Gambo), Smeekes.

Eßlinger Zeitung

Geduldig an den Sieg geglaubt
Löning und Güvenisik treffen beim 2:0-Erfolg über Stuttgart für den Herbstmeister
VON HARTMUT KLEIMANN

Paderborn. Kein schlechtes Vorbild, das SCP-Torwart-Trainer Zsolt Petry in der Woche beanspruchte, um schwere Spiele gegen Kellerkinder wie die Stuttgarter Kickers zu meistern. Manchester United gegen FC Sunderland habe er sich angeschaut. Im Stadion Old Trafford endete dies vor 75.400 Zuschauer durch ein Tor des Serben Nemanja Vidic knapp mit 1:0 für den Favoriten, erzielt in der ersten Minute der Nachspielzeit.

Was den Ungar dabei so begeisterte, war das geduldige Spiel von Manu gegen ein mauerndes und wenig mitspielendes Team aus Sunderland. So müsse auch der SCP auftreten, „und nicht gleich nervös und ungeordnet spielen, wenn mal kein frühes Tor gelingt.“ Wie Recht er mit diesem Beispiel haben sollte, wurde dem früheren ungarischen Nationalkeeper wohl auch erst nach der Partie bewusst, denn die junge Garde des SCP nahm sich das Team von der Insel bewusst oder unbewusst zum Vorbild. „Wir haben geduldig gespielt und nie die Linie verloren“, lobte auch Trainer Pavel Dotchev nach dem mühsamen 2:0-Arbeitssieg über den Tabellenvorletzten.

In den 90 Minuten zuvor hatte der gebürtige Bulgare wieder einen gewissen Teil seiner nur noch rar vorkommenden dunklen Nuancen seiner fast völlig ergrauten Kopfbehaarung eingebüßt. Trotz einer guten Umsetzung der Vorgaben „haben wir aber wieder zu viele Chancen vergeben“, haderte er mit der Abschluss-Schwäche seiner Akteure. Ein frühes Tor hätte natürlich vieles einfacher gemacht, aber leicht machte es die beste Offensive der Liga dem eigenen Anhang auch gegen die schwächste Abwehr aller 20 Drittligisten nicht.

Selbst als Frank Löning mit seinem 11. Saisontreffer in der 86. Minute für Erleichterung im Stadionrund sorgte, war der Dreier noch nicht sicher. Aber in der Defensive stand Kasper Jensen wie ein Fels in der Brandung und verdiente sich vom Trainer ein Sonderlob, weil gerade Spiele gegen Teams aus der unteren Tabellenregion „für Torhüter oft die schwierigsten sind.“ Aber über 90 Minuten „voll da zu sein“ mache einen guten Torwart aus. „An dieser Stelle muss ich ein Riesenkompliment machen“, war auch Dotchev bewusst, dass der Däne im Paderborner Tor in manchen Szenen hellwach war und Ball und späteren Sieg festhielt.

Sonderlob also für den einen, dafür schrammte ein anderer ganz knapp an einer richtigen Standpauke vorbei: Sercan Güvenisik. Der Türke ist im Moment mit acht Toren der einzige Offensive, der noch der Spur von Frank Löning folgt, aber die erste Minute der Nachspielzeit war nun wirklich nichts für schwache Nerven und wirkte bei Dotchevs bereits erwähntem Haupthaar wie ein hochprozentiges Bleichmittel. Nur noch ein Stuttgarter Abwehrspieler sah sich den heranstürmenden Güvenisik und Löning gegenüber.

„Güve musste eigentlich quer spielen. Das wäre einfacher und richtiger gewesen“, beschrieb Dotchev noch einmal die Szene vor dem entscheidenden Strafstoß. Der Spieler selbst wollte nach dem Schlusspfiff die ganze Aufregung nicht so recht verstehen. Er sei bei der 1:1-Situation sehr schnell unterwegs gewesen, “ – und was ich wollte, hat dann auch ganz gut geklappt.“

Güvenisik versuchte es nämlich auf eigene Faust und Steinle tat ihm den Gefallen und spielte Foul. Dann durchbrach der 28-Jährige zu allem Übel auch noch ein festgeschriebenes Gesetz, dass der Gefoulte nie selbst zum Elfmeterpunkt schreiten soll. Güvenisik aber wollte sein Tor, packte sich entschlossen den Ball und netzte ein. „Ende gut, alles gut“, sagte Dotchev kurz und knapp, fügte aber hinzu, dass er seinem Spieler in gleicher Situation und einem Spielstand von 0:0 „ganz bestimmt etwas anderes gesagt hätte.“

Neue Westfälische

Die Konkurrenz ausgetanzt
Dotchev-Elf nach 2:0-Sieg Herbstmeister der 3. Liga
VON HARTMUT KLEIMANN

Paderborn. Da bleibt für irgendwelchen Aberglauben nun wirklich überhaupt kein Spielraum mehr, denn der SC Paderborn 07 hat sich mit seinem 13. Saisonsieg am 13. Dezember 2008 die Herbstmeisterschaft in der eingleisigen 3. Fußball-Liga gesichert. Vor knapp 8.000 Zuschauern besiegten die Domstädter den Tabellenvorletzten Stuttgarter Kickers mit 2:0-Toren.

Verdient, aber auch ein bisschen glücklich, denn die Ostwestfalen beherrschten die Schwaben mehr oder weniger über 90 Minuten, hatten aber in der einen oder anderen guten Szene der Gäste auch viel Dusel und das Können ihres Torhüters Kasper Jensen auf der Habenseite. Wie schon viele andere Gegner zuvor suchten auch die Stuttgarter ihr Heil zunächst in der Defensive. Zwei Viererreihen ließen den Platzherren im Mittelfeld zwar viel Raum, dann aber wurde es sehr eng. Und lange Zeit fehlten der auf drei Positionen veränderten Paderborner Elf die guten Ideen gegen Stuttgarter Kompaktheit. Wie in Burghausen wurden zudem gute Chancen erst einmal fahrlässig vergeben.

Für Gelbsünder Markus Krösche rückte Karsten Fischer ins defensive Mittelfeld, der Ex-Cottbuser Sebastian Schuppan für Sören Halfar auf die linke Verteidigerposition und Dominick Kumbela ersetzte im Angriff Sercan Güvenisik, der dennoch später entscheidend ins Spiel eingreifen sollte.

Kaspar Jensen reagierte glänzend

Bei winterlichen Temperaturen fror den SCP-Fans vor der Pause der Torschrei gleich mehrfach ein. Aber Schuppan (3., Kopfball), Fischer (7. Distanzschuss) und Kumbela (43., nach Flanke Schuppan) kamen über die Rolle eines Hoffnungsträgers für das Führungstor nicht hinaus. Es hätte aber auch gut 0:1 stehen können, wenn der nicht immer souveräne Schiedsrichter Daniel Siebert in der 31. Minute auf den Punkt gezeigt hätte. Bei Florian Mohrs Abwehrversuch gegen den schnellen Holländer Orlando Smeekes war die Hand nämlich draußen.

So hofften die Fans auf Besserung im zweiten Abschnitt. Und die Partie wurde interessanter und spannender, denn auch Stuttgart hatte nach schnellen Kontern seine Möglichkeiten. Nach Meinung von Trainer Edgar Schmitt ausreichend, „um das Spiel hier zu gewinnen.“ Wäre da nicht Kasper Jensen im Paderborner Tor gewesen, der nicht viel zu tun hatte, aber in der 53. und 63. Minute glänzend gegen Michael Schürg reagierte und damit überhaupt erst den späten Sieg ermöglichte.

Die Gastgeber selbst traten nach dem Wechsel in der 58. Minute wieder positiv in Erscheinung. Da scheiterte Jens Wemmer am zweiten Pfosten mit einem Kopfball am guten Manuel Salz, nach der anschließenden Ecke hämmerte Schuppan im Fünfmeterraum den Ball freistehend über das Tor. Die Zeit verrann, und Dotchev musste reagieren. Für Wemmer kam Güvenisik in die Partie und der Druck der Hausherren stieg.

„Das Tor musste zwangsläufig irgendwann fallen, wenn der Gegner müde wird und Fehler macht“, gab Trainer Dotchev die Hoffnung auf den Sieg in den 90 Minuten nie auf. Die Fans aber mussten lange warten. Dann die erlösende 86. Minute. Alushi traf mit einem satten Schuss aus rund 25 Meter nur die Querlatte, aber der bis dahin unauffällige Frank Löning war mit dem Kopf zur Stelle und schaffte die Erlösung. Vier Minuten später foulte Moritz Steinle den enteilten Güvenisik, der selbst vom Punkt zum 2:0 vollendete.

Neue Westfälische

Der SC Paderborn bleibt durch späte Tore Tabellenführer
Güvenisik macht den Deckel drauf

Der SC Paderborn hat tapfer kämpfende Stuttgarter durch zwei späte Tore besiegt. Zunächst staubte Löning zu seinem elften Saisontreffer ab, Güvenisik setzte in der Nachspielzeit noch einen drauf. Der Zweiliga-Absteiger rehabilitierte sich somit für die Niederlage in Burghausen und ist mit zwei Punkten Vorsprung vor Union Herbstmeister.

SCP-Coach Pavel Dotchev nahm im Vergleich zur 0:2-Pleite in Burghausen – der ersten Niederlage nach zuvor fünf Siegen in Serie – drei Änderungen an seiner Startformation vor: Schuppan spielte für Halfar linker Außenverteidiger, Fischer ersetzte den Gelb-gesperrten Kapitän Krösche im defensiven Mittelfeld und im Angriff erhielt Kumbela den Vorzug vor Güvenisik. Kickers-Trainer Edgar Schmitt baute seine Anfangself nach dem 3:2-Erfolg im Kellerduell gegen Werder Bremens Zweite auf einer Position um: Der junge Gentner erhielt nach seiner Einwechslung gegen Werder erneut eine Chance und kam für den an einer Fußverletzung laborierenden Landeka im Mittelfeld zu seinem Startelf-Debüt.

Der Tabellenführer aus Ostwestfalen fand gut in die Partie und näherte sich durch einen Fischer-Schuss dem Tor der Stuttgarter erstmals gefährlich an (8.). Kurz darauf musste Kickers-Keeper Salz bei einem Lindemann-Versuch seine Klasse beweisen (10.). Im weiteren Spielverlauf agierte das Dotchev-Team weiter feldüberlegen, doch der finale Pass und letzte Konsequenz fehlte oft. Die „Blauen“ aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt konzentrierten sich zunächst auf die Organisation des eigenen Defensivverbundes. Bei vereinzelt vorhandenen Konteransätzen fehlte den Schmitt-Schützlingen die Passgenauigkeit. Kurz vor dem Halbzeitpfiff hatten die Schwaben dann noch einmal Glück, als Kumbela das Kickers-Gehäuse nur knapp verfehlte (43.).

Zu Beginn der zweiten Hälfte hatten die Gäste aus Degerloch die Möglichkeit, in Führung zu gehen. Doch Schürg scheiterte nach schönem Zusammenspiel mit Smeekes an SCP-Keeper Jensen (53.). Ab Mitte des zweiten Durchgangs riss dann der Zweitliga-Absteiger wieder das Ruder an sich und setzte den Stuttgarter Defensivverbund zunehmend unter Druck. Folgerichtig kamen die Paderborner zu guten Möglichkeiten durch Wemmer (58.), Schuppan (59.) und Kumbela (72.). Die Schmitt-Elf sah sich zunehmend einem Powerplay des SCP ausgesetzt und agierte selbst bei Konteransätzen zu ungenau. Nichtsdestotrotz sah alles nach einem überraschenden Punktgewinn der Stuttgarter und dem Verlust der Tabellenführung für Paderborn aus, doch Löning, der nach einem Alushi-Lattentreffer abstaubte (86.) und der eingewechselte Güvenisik, der in der Nachspielzeit einen Foulelfmeter verwandelte (90+1.), machten den Kickers einen Strich durch die Rechnung.

Der SC Paderborn ist am kommenden Samstag zum Rückrunden-Auftakt Gastgeber für Fortuna Düsseldorf. Die Stuttgarter Kickers empfangen am gleichen Tag Wacker Burghausen im heimischen Gazi-Stadion auf der Waldau.

Kicker

StN: Liquidität nur bis Februar sicher – Landekas Einsatz in Paderborn ungewiss

Kickers vor hartem Winter

Stuttgart – Was viele befürchteten, ist nach einer Präsidiums- und Aufsichtsratssitzung nun gewiss: Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers steht finanziell – gelinde gesagt – vor einem harten Winter. Die Zahlungsfähigkeit ist nur bis Ende Januar gesichert.

VON STEFAN KLINGER

3:2 gegen Werder Bremen II, den letzten Tabellenplatz verlassen und in der ersten Halbzeit eine sehr gute Leistung gezeigt. Bei aller Freude über den vergangenen Sonntag verliert Kickers-Trainer Edgar Schmitt aber nicht den Blick für die Realität – und sehnt sich nach Verstärkungen. „Es ist doch klar, dass ein Trainer diese in unserer Situation haben möchte“, sagt Dirk Eichelbaum.

Ob es die aber auch geben wird, kann der Präsident der Blauen noch nicht beantworten. In einer Sitzung haben Präsidium und Aufsichtsrat nun den finanziellen Rahmen abgeklopft. Das Fazit: „Grundsätzlich wollen wir nur jemanden verpflichten, wenn uns ein Spieler verlässt“, sagt Eichelbaum.

Denn deutlich wurde bei diesem Gespräch auch: Weil im Januar keine Heimspiele stattfinden, steht der klamme Club vor einem sehr harten Winter. „In der einnahmelosen Zeit geht es uns nie gut. Aber im Januar gibt es keinen Liquiditätsengpass“, sagt Eichelbaum, „und dann müssen wir sehen, wie es sich weiterentwickelt.“

Zumindest die Leistungskurve des Teams zeigt schon jetzt nach oben. „Die ersten 45 Minuten gegen Bremen waren das Beste, was wir je geboten haben“, freut sich Edgar Schmitt. Umso bitterer wäre es da auch, wenn der Kickers-Coach, dessen Platzverweis gegen Bremen ohne weitere Konsequenzen bleibt, in der Partie am Samstag bei Tabellenführer SC Paderborn (14 Uhr) seine Startelf verändern müsste.

Der Einsatz von Josip Landeka ist aber fraglich. Er hatte sich gegen Bremen eine starke Fußprellung zugezogen. Ob der Mittelfeldspieler im letzten Auswärtsspiel des Jahres aufläuft, entscheidet sich erst am heutigen Freitag. Zumindest das gestrige Training, das Schmitt wegen des Neuschnees auf einen 40-minütigen Lauf reduzierte, absolvierte Landeka komplett. Fällt er aus, rückt der für ihn gegen Bremen eingewechselte Thomas Gentner nach. Den zuletzt gesperrten Angelo Vaccaro und Bashiru Gambo bleibt so und so zunächst nur der Platz auf der Ersatzbank.

Stuttgarter Nachrichten

Reise in die Vereinsgeschichte: Die Stuttgarter Kickers in Budapest und Wien 1920

Nach dem Sieg gegen Bremen II hier auch der 2. Teil aus der Reihe „Zeitreise in die Vereinsgeschichte“.

Dieses Mal habe ich mir ein echtes Schmuckstück herausgezogen. Ein Schmuckstück, dass vielleicht auch den derzeitigen Politikern im Stuttgarter Gemeinderat vorgelegt werden sollte. Denn das was die Herren und Damen Entscheidungsträger von den Kickers heute halten, das war nicht immer so. Aber Werte und Traditionen sind heutzutage wohl nicht mehr gefragt.

Wir reisen zurück ins Jahr 1920. Nachdem das Kickers-Stadion im ersten Weltkrieg zum Anbau von landwirtschaftlichen Erzeugnissen genutzt wurde und die Revolution in Deutschland beendet ist, beginnt der Wiederaufbau. Die Kickers holem mit Dori Kürschner einen absoluten Top-Trainer vom MTK Budapest und feiern die Wiedereröffnung ihres Stadions mit einem Privatspiel gegen MTK Budapest. Kürschner soll das ungarische Fußballspiel – damals führend in Europa – auch bei den Kickers umsetzen. Von der Jugend bis hin zur ersten Fußballmannschaft soll dies auch später den Verein prägen. Zum Anschauungsunterricht begeben sich die Kickers an Ostern 1920 auf große Reise nach Österreich-Ungarn. „Reise in die Vereinsgeschichte: Die Stuttgarter Kickers in Budapest und Wien 1920“ weiterlesen

Vorberichte SC Paderborn – Stuttgarter Kickers

Fischer muss sich nicht verstecken
Defensivstratege steht gegen Kickers vor seinem dritten Saisoneinsatz in der Startelf
VON WERNER SCHULTE

Paderborn. Eiseskälte über der Rasenfläche ließ den Kader des SC Paderborn gestern Morgen in den Kraftraum des Sportzentrums flüchten. Schließlich will der Drittligist am Samstag im Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers wieder die eines Spitzenreiters würdigen Muskelspielchen präsentieren.

„Solche Spiele, wie zuletzt in Burghausen passieren, dürfen aber eigentlich nicht passieren“, ließ Karsten Fischer die jüngste 0:2-Niederlage in Bayern noch einmal Revue passieren. Ansonsten war der Mittelfeldstratege beim gestrigen Training noch besser gelaunt als sonst. Schließlich hat ihm der Cheftrainer fürs 19. Saisonspiel wieder einen Platz in der Startelf reserviert. Mit Markus Krösche muss der gelbgesperrte Stamm-Sechser einmal aussetzen, für ihn rückt „Fischi“ jetzt ins defensive Mittelfeld. Auf diesen Einsatz freut er sich „riesig“, denn allzu oft ist der 24-Jährige in der laufenden Saison noch nicht in den Genuss gekommen, von Beginn an auf dem Feld stehen zu dürfen.

Lediglich zwei Begegnungen schlagen für ihn über die volle Distanz zu Buche (in Düsseldorf und Berlin), acht Mal wurde Fischer ein- und ein Mal ausgewechselt. Dabei hatte sein ursprünglicher Traum, in Pavel Dotchevs neuer Elf „dauerhaft als Stammspieler aufzulaufen“ im Zuge der Saison-Premiere in der Düsseldorfer LTU-Arena nahezu maßgeschneidert begonnen.

Beim 4:1-Auftakterfolg über den Konkurrenten vom Rhein kickte Fischer 90 Minuten. Drei Minuten nach der Halbzeitpause vollstreckte er auf Vorarbeit von Dominick Kumbela gar zur zwischenzeitlichen Paderborner 3:1-Führung. Anschließend kickte ihn jedoch eine Fußverletzung, die sich über sechs lange Wochen hinzog, aus der Startformation. Eine Zwangspause mit Folgen also, „denn die Mannschaft gewann dann ja erst mal pausenlos und der Trainer hatte keinen Grund zu wechseln“, sagt der Defensivstratege, der sich aber auch in der Offensive recht wohlfühlt.

Treffsicher ist er allemal, denn als der SCP am 11. Spieltag mit 2:3 bei Union verlor, traf Fischer während seines zweiten Saisoneinsatzes über 90 Minuten ebenfalls ins Schwarze. Bei diesen beiden Toren ist es bis dato geblieben. „Wenn ich mich sportlich weiterentwickeln möchte, dann muss auch spielen“, ohne eine solche Einstellung sei er als Profi wohl Fehl am Platze, zeigt sich Fischer weiter in Angriffslaune. Dass er „ein Kandidat für die erste Elf ist“, darf er jetzt am kommenden Samstag mal wieder unter Beweis stellen. Allerdings rechnet auch Fischer mit starker Stuttgarter Gegenwehr, „denn die haben schließlich Bremen zuletzt mit 3:2 besiegt.“

Neue Westfälische

StZ: Der Verteidiger Moritz Steinle hilft bei den Kickers-Profis aus

Eine Variante auf Zeit

STUTTGART. Moritz Steinle hat am Sonntag überraschend sein Comeback für den Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers gegeben. Doch der Verteidiger betont: „Mein Studium geht vor.“

Von Joachim Klumpp

Am Ende war auch Moritz Steinle etwas ratlos: Als er gefragt wurde, warum im Spiel gegen Werder Bremen II nach der Pause so ein Einbruch (3:2 nach 3:0) kam, antwortete er: „Das wüsste ich auch gerne. Vielleicht muss ich länger dabei sein, um es zu verstehen.“ Dem Mann kann geholfen werden. Zumindest die zwei Partien bis zur Winterpause zählt der 25-Jährige zum Kader, der ersten Mannschaft wohlgemerkt. In der zweiten (Oberliga-)Mannschaft war der Verteidiger schon, seit er im Sommer seinen Rücktritt vom professionellen Fußball verkündet hat und sich lieber der beruflichen Karriere widmet. An der Fachhochschule in Stuttgart-Vaihingen studiert er Verpackungstechnik.

Am vergangenen Donnerstag dann meldete sich der Cheftrainer Edgar Schmitt – zwecks Beförderung, Steinle absolvierte noch rasch zwei Trainingseinheiten; in diesem Zeitrahmen ist das auch künftig denkbar. Den Rest der Woche übt er abends bei der zweiten Mannschaft. Für ihn kein Problem. „Am Sonntag war der Klassenunterschied nicht so groß“, sagt Steinle. „Vielleicht ändert sich das ja, wenn stärkere Gegner kommen.“ Wie zum Beispiel am nächsten Samstag der SC Paderborn. Nach dem Auftritt gegen Bremen spricht alles dafür, dass Steinle erneut als Verteidiger auflaufen wird. „Er hat seine Sache gut gemacht“, sagte Edgar Schmitt – und zog in dieses Resümee auch gleich noch den eingewechselten Thomas Gentner (ebenfalls zweite Mannschaft ) mit ein.

Diese Nominierungen waren nach zwei Niederlagen wohl ein Zeichen: so geht“s nicht weiter. Und vielleicht auch schon ein Signal für den Rest der Saison, falls es mit den erhofften Verstärkungen in der Winterpause nichts wird. Denn das ist nach wie vor offen: „Erst einmal müssen wir jemand aus dem aktuellen Kader abgeben“, betont der Kickers-Manager Joachim Cast, „vorher geht nichts.“ Und wenn etwas geht, ist die Frage auf welcher Position: Innenverteidigung oder doch rechte Seite, wo zuvor weder Benedikt Deigendesch noch Thorsten Reiß überzeugten?

Steinle, schon seit 1990 ein Blauer, dürfte jedenfalls keine Dauerlösung sein. „Das Studium hat Priorität“, betont er – und dort stehen im Februar Prüfungen an, so dass der Spieler selbst in der zweiten Mannschaft (für die er übrigens nach einem Drittligaeinsatz nur zwei Tage gesperrt ist) kürzertreten müsste. „Wenn das oben zur Regel werden sollte, muss man sich Gedanken machen“, so Steinle – auch über das Gehalt. Zum Einsatz am Sonntag meinte er nur: „Die Punktprämie wird es geben, mehr wohl nicht.“

Stuttgarter Zeitung

Presse zu Stuttgarter Kickers – Werder Bremen II

3:2 – wieder zittern bis zum Schluss

Die Stuttgarter Kickers schaffen es auch gegen Werder Bremen II nicht, ohne Gegentor zu bleiben

STUTTGART. Leuchtende Augen hat man bei den Stuttgarter Kickers gestern vergeblich gesucht. Und das trotz des zweiten Saisonsiegs in der dritten Liga. „Die Freude hält sich in Grenzen“, sagte der Manager Joachim Cast nach dem 3:2 (3:0) gegen Werder Bremen II.

Von Joachim Klumpp

In der Halbzeit war alles froh gelaunt. Die Mitglieder von Präsidium und Aufsichtsrat stimmten sich mit Kaffee und Kuchen auf eine vermeintlich geruhsame zweite Hälfte ein – und in Anbetracht der 3:0-Führung gegen Bremen II möglicherweise sogar auf einen Kantersieg. Nichts da. Wieder einmal machten sich die Stuttgarter Kickers das Leben selbst schwer und mussten nach zwei Gegentoren innerhalb von fünf Minuten nach Standardsituationen durch Granskov-Hansen (50.) und Andersen (55.) um den zweiten Saisonsieg zittern. Bis zum Schlusspfiff des Schiedsrichters Schempershauwe, der zwischendurch auch noch den Trainer Edgar Schmitt auf die Tribüne geschickt hatte, weil der sich nach einem Foul an Josip Landeka (Prellung) beim Linienrichter beschwerte.

Von oben musste der Trainer vor 2500 Zuschauern verfolgen, wie seine Mannschaft zwar nicht mehr in ganz große Schwierigkeiten geriet, weil auch der Gegner unterstrich, warum er mitten im Abstiegskampf steckt. Aber er sah, wie seine Mannschaft mal wieder die Ordnung verlor, und das in einem Spiel, in dem die Kickers zunächst einmal alles richtig gemacht hatten.

Bereits nach 120 Sekunden lief Orlando Smeekes alleine auf den Torwart zu, spielte diesem aber den Ball in die Hände. Doch zwei Minuten später drückte der Niederländer den Ball per Kopf über die Linie zum 1:0. Wiederum vier Minuten danach war es der Sturmpartner Michael Schürg, der nach einem Freistoß das 2:0 markierte. Und in der 23. Minute schließlich schloss Smeekes eine Gemeinschaftproduktion der beiden Angreifer zum 3:0 ab. Womit die vor allem in der Abwehr desolaten Gäste noch gut bedient waren. „In der ersten Hälfte waren wir überhaupt nicht auf dem Platz“, sagte der Werder-Trainer und Exprofi Thomas Wolter, der in der Pause ein paar entsprechende Worte an sein Personal richtete. Dagegen hat der Kollege Edgar Schmitt die Mannschaft „gelobt – aber das war wohl nicht so gut“.

Denn irgendwie schienen sich die Spieler ihrer Sache zu sicher. Als Bremen nach dem Wechsel etwas mutiger agierte und prompt zweimal zum Erfolg kam, nahm das Unheil fast wieder seinen Lauf. Ob das nur auf die angebliche Unerfahrenheit (Schmitt: „Wir haben viele Spieler aus der Oberliga“) zurückzuführen ist, sei einmal dahingestellt. Denn auch der Gegner (Durchschnittsalter 20,6 Jahre) hatte nicht gerade die geballte Ladung Erfahrung auf dem Platz.

„Nach vorne haben wir auf jeden Fall Qualität bewiesen“, sagte Schmitt, der Smeekes sämtliche Freiheiten ließ und ihn von Defensivaufgaben befreite. Der Holländer nutzte seine Chance, erstmals unter Schmitt 90 Minuten zu spielen und war vom Gegner nie in den Griff zu bekommen. „Wir hätten aber so gerne einmal zu null gespielt“, fügte Schmitt an, der auf der rechten Abwehrseite Moritz Steinle aus der zweiten Mannschaft reaktivierte und später auch noch Thomas Gentner (den Bruder des Bundesligaprofis) zu seinem Drittligadebüt kommen ließ. Warum der Einbruch folgte? „Das wollte ich auch mal fragen“, antwortete Steinle. „Vielleicht muss ich länger dabei sein, um das zu verstehen.“ Zumindest bis zur Winterpause gehört der 25-Jährige nun zum Kader.

Stuttgarter Kickers: Salz – Steinle, Mann, Ortlieb, Härter – Traut (90. Kettemann), Rosen, Deigendesch, Landeka (57. Gentner) – Schürg (82. Tucci), Smeekes.

Werder Bremen II: Mielitz – Stallbaum, Andersen (71. Dreyer), Schmidt, Perthel (38. Kempe) – Feldhahn – Diekmeier, Ronneburg (28. Schiller), Artmann – Granskov-Hansen, Oehrl.

Stuttgarter Zeitung

3:2 – Zittersieg für die Kickers

Nach 3:0-Führung verlieren die Blauen gegen Werder II völlig die Ordnung

Stuttgart – Eines war nach dem 3:2 (3:0) der Stuttgarter Kickers gegen Werder Bremen II jedem klar: Wenn die Blauen gegen diesen Gegner, bei diesem Spielverlauf wieder nicht gewonnen hätten, wäre die Hoffnung auf den Drittliga-Klassenverbleib auf den Nullpunkt gesunken. So aber geht der Kampf in die nächste Runde.

VON JÜRGEN FREY

Manager Joachim Cast sprach aus, was alle dachten: „Wenn wir diesen Sieg nicht nach Hause geschaukelt hätten, hätte man wohl das Licht ausknipsen können.“ Natürlich war auch bei ihm die Erleichterung über den dreifachen Punktgewinn zu spüren, doch die Nachdenklichkeit, die in seinen Worten mitschwang, überwog bei weitem.

Der Grund war der Verlauf der zweiten Halbzeit. Wie aus dem Nichts kam Werder durch Andreas Grankov-Hansen (50.) und Niklas Andresen (55.) auf 2:3 heran – und sorgte dafür, dass dieses Kellerduell doch noch völlig unnötig zu einer Zitterpartie für die Kickers wurde. Woher diese plötzliche Orientierungslosigkeit rührte? Über die Beantwortung dieser Frage zerbrachen sich nach diesem nasskalten Dezember-Sonntag die Macher in Degerloch den Kopf. „Manche Spieler nahmen es nach dem 3:0 zu locker und verloren jede Aggressivität“, sagte Cast. „Das war typisch für uns, jeder machte plötzlich wieder einen Schritt zu wenig“, schimpfte Innenverteidiger Marcus Mann. Stürmer Michael Schürg sprach von „purer Angst“. Und Trainer Edgar Schmitt drückte sich gewohnt blumig aus: „Wenn bei uns irgendwo ein Maulwurf rausschaut, herrscht sofort die totale Unordnung.“

Darauf hatte in der ersten Halbzeit nichts, aber auch wirklich gar nichts hingedeutet. Die Blauen drückten vom Anpfiff weg aufs Tempo, kombinierten hervorragend – und das vor der Pause überragende Sturmduo nutzte die Chancen: Orlando Smeekes (4./23.) und Schürg (8.) trafen. Die ungeahnten Glücksgefühle sorgten für wahre Jubelarien auf der Haupttribüne des Gazistadions. Allerdings machte es die Truppe von Trainer Thomas Wolter den Blauen in dieser Phase auch einfach. Besonders auffallend: Im Mittelfeld und in der Viererkette der Bremer fehlte jegliche Staffelung. Von Drittligareife war der im Schnitt 20,6 Jahre junge Talentschuppen von der Weser so weit entfernt wie seine Profitruppe vom Gewinn der Champions League.

Bleiben noch zwei Dinge, die es zu erwähnen gilt. Bei den Kickers zeigte der überraschend aus der zweiten Mannschaft reaktivierte Moritz Steinle rechts in der Viererkette eine gute Leistung. Und Trainer Edgar Schmitt konnte seine Verbannung auf die Tribüne wegen Meckerns auch nach dem Schlusspfiff noch nicht verstehen: „Ich habe mich über die Verletzung meines Spieler Landeka aufgeregt. Ich fordere einfach mehr Fingerspitzengefühl von den Schiedsrichtern, es geht um Arbeitsplätze.“

Oder anders ausgedrückt: Die Nervenschlacht im Kampf ums Überleben in der dritten Liga geht weiter.

Stuttgarter Nachrichten

Diesmal das glücklichere Ende

Die Stuttgarter Kickers zittern sich beim 3:2 gegen Werder Bremen II zum zweiten Saisonsieg

Stuttgart – Erste Hälfte hui, zweite pfui – aber am Ende zählen nur die drei Punkte: Die Stuttgarter Kickers haben das Kellerduell der dritten Fußball-Liga für sich entschieden. Nach dem knappen 3:2-(3:0)-Heimsieg gegen Werder Bremen II gaben die „Blauen“ die Rote Laterne wieder an die Gäste ab und verkürzten den Abstand zu einem Nichtabstiegsplatz auf vier Punkte.

Von Beate Wockenfuß

Unter die Freude über den zweiten Saisonsieg mischte sich ein großes Maß an Fassungslosigkeit. „Dass wir auf einmal so die spielerische Linie verloren haben, ist mir ein Rätsel“, wunderte sich Moritz Steinle, der zum ersten Mal seit dem 16. Mai wieder für die erste Mannschaft der „Blauen“ auflief. Der Außenverteidiger war im Sommer wegen Studiumsverpflichtungen ins Oberliga-Team gerückt und feierte nun ein starkes Comeback. Während die Kickers in den ersten 45 Minuten drückend überlegen waren, mit gutem Kombinationsspiel und Zweikampfstärke begeisterten und durch Treffer von Orlando Smeekes (4.), Michael Schürg (7.) und erneut Smeekes (22.) frühzeitig für vermeintlich klare Verhältnisse gesorgt hatten, drohten sie den bereits sicher geglaubten Sieg im zweiten Abschnitt leichtfertig aus den Händen zu geben – wie schon so oft in dieser Saison.„Das Spiel war wieder typisch für uns“, meinte Abwehrchef Marcus Mann kopfschüttelnd. Denn die Mannschaft verlor mit Wiederanpfiff völlig die Ordnung und ein Doppelschlag innerhalb von fünf Minuten brachte Werder heran. Zunächst traf Andreas Granskov-Hansen (50.), Niklas Andersen (55.) verkürzte auf 2:3 (55.). „Da habe ich gedacht, das Thema hatten wir doch schon mal“, kommentierte Trainer Edgar Schmitt gewohnt salopp. Er musste die anschließende Zitterpartie wegen Meckerns von der Tribüne aus verfolgen und sah, mit wie viel Mühe die Kickers den Vorsprung über die Zeit retteten. „Wir hätten so gerne einmal zu Null gespielt“, haderte der Trainer. Und Manager Joachim Cast kündigte an: „Wir hatten Glück, dass wir das Spiel rumgebracht haben, aber darüber wird noch zu reden sein.“

statistik

Stuttgarter Kickers: Salz – Steinle, Mann, Ortlieb, Härter – Traut (90.+1 Kettemann), Deigendesch, Rosen, Landeka (58. Gentner) – Schürg (81. Tucci), Smeekes.

Werder Bremen II: Mielitz – Ronneburg (28. Schiller), Schmidt, Andersen (71. Breyer), Stallbaum – Feldhahn – Diekmeier, Artmann, Perthel (38. Kempe) – Oehrl, Granskov-Hansen.

Schiedsrichter: Schempershauwe (Hildesheim).

Zuschauer: 2500.

Tore: 1:0 Smeekes (4.), 2:0 Schürg (7.), 3:0 Smeekes (22.), 3:1 Granskov-Hansen (50.), 3:2 Andersen (55.).

Gelbe Karten: Schürg / Andersen, Stallbaum, Schmidt, Kempe, Feldhahn.

Beste Spieler: Steinle, Smeekes / Oehrl, Diekmeier.

Eßlinger Zeitung

Stuttgarter Kickers Pink Smeekes: Doppelpack mit Salto
Orlando Smeekes: Doppelpack mit Salto

Akrobatische Einlage in pinkfarbenen Schuhen: Seinen Treffer zum 1:0 feierte Kickers-Torjäger Orlando Smeekes mit einem perfekten Überschlag

Es geht doch! 3:2 im Kellerduell gegen Werder Bremen: Die Stuttgarter Kickers haben sich erstmal vom letzten Platz in der 3. Liga verabschiedet.

Mann des Tages: Orlando Smeekes (26), der zum ersten Mal – wie Bayern-Star Franck Ribéry – in pinkfarbenen Schuhen auflief und die Kickers mit zwei Treffern auf die Siegesstraße schoss.

4. Minute: „Pink“ Smeekes köpft das 1:0, feiert das Tor mit einem astreinen Salto. 22. Minute: Nach Schürgs Treffer (8.) schiebt Smeekes ein zum 3:0. Diesmal bleibt er aber am Boden, feiert ganz entspannt mit den Kollegen.

Smeekes: „Die erste Hälfte war die Beste seit ich hier bin – aber danach mussten wir ganz schön zittern…“ Wie wahr: Bremen kam durch Hansen und Andersen (50./55.) ran, aber die Kickers kämpften sich zum Sieg. (hh)

BILD

Schmitt auf die Tribüne – Werder II seit 13 Spielen ohne Sieg
Doppelpack von Smeekes

Die Stuttgarter Kickers bezwingen in einem turbulenten Spiel die Amateure von Werder Bremen mit 3:2. Die Zuschauer sahen dabei zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten. In der ersten Hälfte waren die Kickers klar tonangebend, im zweiten Durchgang riss jedoch der Faden bei den Schwaben. Bremen setzte zur Aufholjagd an, aber ohne Erfolg. Für Werder II war dies die vierte Niederlage in Folge und das 13. sieglose Spiel in Serie.

Kickers-Coach Edgar Schmitt musste nach der 1:3-Pleite in Aalen auf die Gelb-rot-gesperrten Vaccaro und Gambo verzichten. Sie wurden durch Rosen und Smeekes ersetzt. Zudem gab er Mann, der nach abgesessener Rot-Sperre wieder mitspielen durfte, und Steinle den Vorzug vor Reiß und Rapp. Bremens Trainer Thomas Wolter hingegen tauschte im Vergleich zum 2:2 gegen Burghausen auf drei Positionen: Zwischen den Pfosten durfte Mielitz anstelle von Pellatz ran, darüber hinaus kamen Ronneberg und Stallbaum, der seine Gelb-rot-Sperre abgeleistet hatte, für Bargfrede und Holsing.

Die Stuttgarter Kickers zeigten von Beginn an, wer Herr im Hause war. Bereits nach zwei Minuten kam Orlando Smeekes zu einer guten Möglichkeit, aber der Niederländer scheiterte mit seinem Heber an Bremens Keeper Mielitz. Kurz darauf überwand er den Werder-Schlussmann dann doch: Landeka hatte eine Schürg-Flanke von rechts noch an die Unterlatte geknallt, doch Smeekes stand goldrichtig und erzielte per Kopf die Führung (4.). Nur vier Minuten später folgte der nächste Streich. Lendekas Freistoß aus rund 30 Metern wurde von Smeekes per Kopf auf Schürg verlängert. Dieser bedankte sich und drückte das Leder aus kürzester Distanz über die Linie.

Die Hanseaten zeigten sich geschockt und mussten in der 22. Minute den nächsten Rückschlag hinnehmen: Bremens Schlussmann Mielitz konnte einen Schürg-Schuss aus spitzem Winkel nicht festhalten, Smeekes war erneut zur Stelle und staubte zum 3:0 ab. Danach schalteten die Kickers einen Gang zurück, hatten dabei aber leichtes Spiel gegen harmlose Bremer.

In der Halbzeit fand Werders Coach Thomas Wolter anscheinend die richtigen Worte, denn seine Mannschaft zeigte im zweiten Durchgang ein anderes Gesicht und startete eine Aufholjagd. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff landete eine Ecke bei Granskov-Hansen, der mit einem Drehschuss verkürzte. Kurz darauf machte es Andersen richtig spannend. Artmann brachte einen Freistoß zum 20-Jährigen, der sich mit dem 2:3 bedankte (54.).

Für den Stuttgarter Trainer, Edgar Schmitt, war das zu viel. Er regte sich lautstark auf, weswegen er von Schiedsrichter Stefan Schempershauwe auf die Tribüne geschickt wurde (58.). Werder hatte die Oberhand und sorgte vor allem über Standards für viel Unruhe im schwäbischen Strafraum. So zwang Granskov-Hansen nach einem Artmann-Freistoß Kickers-Keeper Salz zu einer Parade (74.). Die Kickers waren nun angeschlagen, konnten sich am Ende aber doch noch über die Zeit retten.

Die Stuttgarter Kickers reisen am kommenden Samstag zum Spitzenreiter nach Paderborn. Bremen empfängt am Sonntag die Fortuna aus Düsseldorf.

Kicker

Werder II wie ein Abstiegskandidat
Drittligist liegt beim 2:3 bei den Stuttgarter Kickers schon nach 22 Minuten mit 0:3 in Rückstand
Von Stefan Freye

BREMEN. Nun ist es wieder der 20. Tabellenplatz. Nach der enttäuschenden 2:3 (0:3)- Niederlage bei den Stuttgarter Kickers hat Werder II erneut die Rote Laterne in der 3. Fußball-Liga übernommen. Eine bittere Situation. Schlimmer war es in der laufenden Saison noch nie.

Zwar waren die Bremer bereits vor dem gestrigen Spieltag schon mal auf dem letzten Rang platziert gewesen. Aber eine Leistung wie in Stuttgart hatten sie bisher nicht gebracht. Die Kickers – am gestrigen Morgen selbst noch Schlusslicht der Liga und entsprechend verunsichert – hatten jedenfalls wenig Mühe, die Gäste zu überrennen. „Wir haben in der ersten Hälfte gespielt wie ein Abstiegskandidat“, musste Thomas Wolter einräumen. In der vierten Minute der Rückstand, nach sieben Minuten das 0:2, und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, bereits nach rund 22 Minuten der dritte Gegentreffer.

Und zwar in einem Spiel, dessen besondere Bedeutung allen Bremern bewusst gewesen sein muss. Woran es lag, dass gleichwohl eine schauderhafte Leistung folgte, wusste Thomas Wolter zwar direkt nach der Partie nicht: „In keiner Weise nachzuvollziehen“. Aber auch der Trainer fand, dass es eigentlich nur zwei Motive als Begründung für die schwache Startphase geben könnte: Entweder war der Druck auf seine Spieler zu groß, waren sie überfordert mit der nervlichen Anspannung des Kellerduells. Oder aber sie ließen sich blenden von den guten, jedoch erfolglosen Auftritten gegen Paderborn und Burghausen. Diese Partien hatten beim Trainer jedenfalls die Hoffnung geweckt, dass „wir einen Schritt weitergekommen sind“.

Nach dem Spiel in Stuttgart sprach Thomas Wolter dagegen von einem „enormen Rückschritt“. Bis auf Dominik Schmidt, der sich in der Viererkette vergeblich gegen die Übermacht der Kickers stemmte, fand kein Spieler zu seiner Normalform. Auch nicht in der zweiten Hälfte, als die Aufholjagd gestartet wurde. Zwei Mal brachte Kevin Artmann einen Freistoß vor das gegnerische Tor, Granskov per Drehschuss und Andersen hießen die Abnehmer. Doch statt nach dem Anschluss weiter zu machen im Stil der Anfangsminuten der zweiten Hälfte, fiel Werder II wieder in den alten Trott zurück. Dass seine Mannschaft in dieser Situation „von ihrem Spiel abgekommen“ war, stellte für Thomas Wolter ein weiteres Rätsel dar.

Weser Kurier