Kickers bezwingen den Kehler FV mit 3:0

Die U23 der Stuttgarter Kickers hat am Sonntag Nachmittag den Kehler FV mit 3:0 (1:0) geschlagen und hält damit weiterhin Anschluss ans obere Mittelfeld. Nach dem fünften Saisonsieg kommt das Team von Björn HInck nunmehr auf auf 16 Zähler und einen sehr guten Torverhältnis von 24:17 Toren. Dazu trug auch die Begegnung gegen den badischen Oberliga-Neuling bei.

Wie schon in der vergangenen Woche, beim 3:1-Sieg in Villingen, kamen die Degerlocher zu einem frühen Tor. Schon in der achten Spielminute gingen

die Degerlocher in Führung. Marco Tucci drückte den Ball aus kürzester Distanz über die Torlinie, nachdem ihm Sandro Abruscia den Ball nach einer hohen Flanke auf den Fuss legte. Die „Blauen“ spielten dnach weiter nach vorne und in der 18. Spielminute war Kickers-Stürmer Mijo Tunjic nur durch eine Notbremse zu stoppen. Björn Stiefel sah darauf hin die Rote Karte, der SVK fortan mit einem Mann mehr auf dem Platz.

Zunächst hätten die Stuttgarter Kickers das Ergebnis auch noch verbessern können, erst durch Mijo Tunic und dann durch einen Freistoss von Michele Rizzi, bis zur Halbzeit blieb es aber bei der Ein-Tore-Führung für die Stuttgarter.

Nach der Pause spielten die Badener trotz Unterzahl munter mit, das 2:0 für die U23 in der 59. Minute bedeutete aber dann schon die Vorentscheidung. Michele Rizzis Flanke von der linken Seite fand genau den völlig alleine stehenden Mijo Tunjic und der brauchte den Ball nur noch einnicken. Gleich danach nochmal eine gute Gelegenheit für den 20jährigen Stürmer, aber der Kehler Torwart konnte im letzten Moment retten.

Den Schlusspunkt setzte in der 72. Spielminute der eingewechstelte Eugen Schneider, dessen Schuss abgefälscht wurde und so unhaltbar für Keeper Kornmaier im Tor landete – 3:0. Für Schneider das erste Tor der Saison, für seine Mannschaft der zweithöchste Saisonsieg vor heimischen Punblikum.

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Vorberichte Kickers Offenbach – Stuttgarter Kickers

Dritte Liga, elfter Spieltag

Der Lokalrivale Stuttgarter Kickers muss morgen beim Namensvetter aus Offenbach antreten – und hofft mal wieder auf den ersten Saisonsieg, im mittlerweile elften Anlauf. Dazu beitragen soll indirekt auch ein gemeinsames Abendessen, das am Dienstagabend der komplette Vorstand plus Aufsichtsrat mit den Spielern in Degerloch abgehalten hat. „Das war ein Dankeschön dafür, dass die Mannschaft das Derby noch gedreht hat“, sagt das Präsidiumsmitglied Dieter Wahl, „aber auch ein Signal, dass es langsam Zeit wird für die ersten drei Punkte.“

Ausgerechnet in Offenbach? Dort wird es ein Wiedersehen mit Mirnes Mesic geben, der vor der Saison auch gerne zu den Stuttgarter Kickers gekommen wäre, was dem Extrainer Stefan Minkwitz gut ins Konzept gepasst hätte. Doch der Wechsel scheiterte aus finanziellen Gründen. Im Falle des neuen Chefcoachs ließ sich bei den Blauen aber eine finanzielle Lösung finden. „Der Verein hat in Edgar Schmitt sicher einen guten Nachfolger gefunden“, sagt selbst Minkwitz.

Nach vier Wochen Urlaub auf Mallorca blickt Minkwitz, dessen Vertrag bis zum 30. Juni 2009 läuft, jetzt nach vorne: „Ich habe nicht vor, mich auf die faule Haut zu legen.“ Solange es keine Angebote (auch aus der Regionalliga oder Oberliga) gibt, will sich der 40-Jährige bei anderen Vereinen fortbilden: mögliche Kandidaten sind der SC Freiburg und Borussia Dortmund. Ob er sich am Dienstag die Partie der Stuttgarter gegen Union Berlin anschaut? „Eher nicht“, sagt Minkwitz, „ich denke, das wäre noch zu früh.“

Stuttgarter Zeitung

Kickers: Nur die Ruhe bewahren
Trainer Schmitt sieht Aufwärtstrend – Präsidium wünscht Sieg in Offenbach

Stuttgart – In Offenbach soll am Samstag der Knoten endlich platzen: Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers sehnt den ersten Saisonsieg herbei – dafür greifen Präsidium und Aufsichtsrat schon einmal in die Trickkiste.

VON JÜRGEN KEMMNER

Zehn Spiele, vier Punkte, kein Sieg. Schlusslicht, es fehlen fünf Punkte auf die Nichtabstiegsränge. Manch einen im blauen Haus kitzelt Ungeduld, auch Präsidiumsmitglied Dieter Wahl würde sich über einen Dreier in Offenbach am Samstag (14 Uhr) freuen wie ein Knirps über das letzte fehlende Bild im Pannini-Sammelalbum. „Gegen den VfB II war“s ein gefühlter Sieg“, sagt er, „jetzt kann nicht mehr viel zu einem richtigen Erfolg fehlen.“ Präsidium und Aufsichtsrat haben in die Trickkiste gegriffen: Am Dienstag waren die Mitglieder mit Team und Trainerstab beim Abendessen – Kennenlernen und Stärken der Zusammengehörigkeit. „Für uns war“s genauso interessant wie für die Spieler“, sagt Wahl, „außerdem wollten wir mit der Aktion ein Zeichen setzen: Jetzt sind bald die ersten drei Punkte fällig.“

Trainer Edgar Schmitt lässt sich von solchen Vorgaben nicht verrückt machen. „Wir steigern uns, wir halten die Ordnung länger“, sagt der Trainer, der sich am Donnerstag gedanklich offenbar so intensiv mit der Partie in Offenbach beschäftigt hatte, dass er die Pressekonferenz verschwitzte. Im Kampf gegen den Abstieg lautet seine Devise: Nur die Ruhe bewahren. Der 45-Jährige ist überzeugt, dass der erste Saisonsieg nicht mehr fern ist – die drei Spiele gegen die starken Teams Kickers Emden (1:1), FC Bayern II (3:3) und VfB II (4:4) hätten einen deutlichen Trend hin zum Besseren gezeigt. „Jetzt ein Dreier wäre auch fürs Selbstvertrauen großartig“, sagt er. Vielleicht würden Wahl und seine Kollegen die Mannschaft dann noch mal zum Essen einladen.

Stuttgarter Nachrichten

Spielinfos: Anstoß: 25.10.2008 14:00
Stadion: Bieberer Berg

Schiedsrichter:

Kickers Offenbach: Die Defensivabteilung hat sich stabilisiert, in der Offensive hat Boysen mit Morys, Baier und Becker noch drei Alternativen.

Stuttgarter Kickers: Trainer Schmitt hält am 4-4-2 fest. Smeekes soll zunächst wieder auf die Bank, in der Abwehr könnten statt Rapp auch Härter oder Ortlieb spielen.

Aufstellung

Kickers Offenbach
Wulnikowski – D. Damm, M. Heitmeier, Hysky, Kokocinski – A. Huber, St. Haas – Zinnow, Fröhlich, Tosunoglu – Mesic; Trainer: Boysen

Stuttgarter Kickers
Salz – Deigendesch, Mann, Rapp, Landeka – Traut, Rosen, Gambo, Reiß – Schürg, Vaccaro; Trainer: Schmitt

Kicker

StZ: Kickers: Gespräche mit Malchow

Mehrere Modelle sind denkbar
STUTTGART (ump). Nach der Entlassung des Trainers Stefan Minkwitz vor inzwischen einem Monat ist bei dem Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers personell zunächst einmal etwas Ruhe eingekehrt. Gestern gab es dann das schon länger erwartete Gespräch zwischen dem neuen Chefcoach Edgar Schmitt, dem Manager Joachim Cast und dem ehemaligen Co-Trainer Alexander Malchow, in dem die Vereinsvertreter ihre Vorstellungen über eine weitere Zusammenarbeit ausgeführt haben. „Es gibt verschiedene Bereiche, die durch Alexander Malchow abgedeckt werden können“, sagt der Manager, ohne konkret zu werden. Darunter dürfte der Scouting- oder auch Nachwuchsbereich fallen. Eine Entscheidung ist aber noch nicht getroffen worden, Malchow selbst wollte sich nicht näher dazu äußern. „Er wird sich jetzt in Ruhe seine Gedanken machen“, sagt Cast, der bis Anfang nächster Woche mit einer zufriedenstellenden Lösung für alle Seiten rechnet.

Bis dann, genauer gesagt am Dienstag, werden die Kickers auch eine Stellungnahme an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) wegen der Spielunterbrechung im Derby am vergangenen Freitag gegen den VfB II abgeben müssen. „Das haben wir ja erwartet, und es wird auch eine größere Sache“, sagt Cast, da alle Beteiligten – also auch Polizei und Ordnungsdienst – ihre Sicht der Dinge darlegen werden. In seinem Zusatzbericht habe der Schiedsrichter aber zumindest schon einmal darauf verwiesen, dass die Stuttgarter Kickers während des Spiels alle erforderlichen Maßnahmen beachtet hätten, so Cast. Kurz nach Beginn der zweiten Hälfte waren aus dem Block der VfB-Anhänger mehrere Becher aufs Spielfeld geworfen worden.

Stuttgarter Zeitung

Presse zu FC Villingen – Stuttgarter Kickers II (1:3)

FC 08 im Sturm zu harmlos

Nun ist auch die bislang stolze Heimbilanz des FC 08 Villingen nicht mehr makellos. Am Samstag kassierten die Nullachter beim enttäuschenden 1:3 gegen die Reserve der Stuttgarter Kickers ihre erste Niederlage im Friedengrund.

Fußball-Oberliga: FC 08 Villingen – SV Stuttgarter Kickers II 1:3 (0:1). Trotz der zweiwöchigen Pause schien es mit der geistigen Frische der Spieler von FC 08-Trainer Reiner Scheu nicht zum Besten zu stehen. Bereits nach zweieinhalb Minuten und einem schnellen Stuttgarter Spielzug, den Marcel Ivanusa abschloss, lagen die Nullachter hinten – das erste Saison-Gegentor auf eigenem Platz.

Der FC 08 erspielte sich fortan zwar eine Feldüberlegenheit, konnte die angesichts des wenig attraktiven Gegners stolze Kulisse von 1200 Zuschauern aber nur selten begeistern. Ein unplatzierter Kopfball von Alexander German nach gut 20 Minuten blieb die einzige echte Gelegenheit. Erst kurz vor der Pause lag der Ausgleich in der Luft. Der trotz seines Trainingsrückstandes als einer der wenigen vorbildlich kämpfende Mario Klotz mit einem abgefälschten Schuss (41.) hatte aber ebenso wenig Glück wie German und Mario Ketterer (44.), die am ausgezeichneten Stuttgarter Torhüter Benjamin Huber scheiterten.

Die Nullachter kamen aus der Pause, wie man sie sich eigentlich schon von Beginn an erwartet hatte: spritzig und zielstrebig. Ein Schuss von Mario Klotz wurde noch pariert, doch eine Zeigerumdrehung später fädelte Mario Ketterer im gegnerischen Strafraum ein: FC 08-Kapitän Jago Maric verwandelte den Elfmeter nach 49 Minuten zum Ausgleich.

Nachdem Moritz Steinle mit einer Kickers-Chance FC 08-Schlussmann Daniel Miletic geprüft hatte (53.), parierte dessen Gegenüber Benjamin Huber zweimal ausgezeichnet gegen Jago Maric (56. und 58.). Eine Minute später konnte der grippegeschwächte Mario Klotz nicht mehr – und mit ihm verabschiedete sich auch der FC 08 aus der Offensive. Die jüngeren Spieler waren mit der Situation überfordert. Doch auch die Routiniers im Team vermochten keine Akzente zu setzen. Insbesondere Christian Jeske und Eleftherios Avraam blieben im Mittelfeld blass.

Und so neigte sich die Waage wieder in die andere Richtung: Die technisch beschlagenen, jungen Kickers nahmen das Heft dankbar in die Hand. Einen Freistoß von Michele Rizzi parierte Daniel Miletic noch toll, offenbarte fortan aber Probleme beim Herauslaufen. In der 74. Minute konnte der FC 08-Keeper noch mit der Brust retten, kurz darauf überwand ihn Marco Tucci allerdings mit einem Heber, als die Villinger Viererkette ausgehebelt worden war. In der restlichen Viertelstunde war vom FC 08 nach vorne überhaupt nichts mehr zu sehen, so dass der Stuttgarter Maikel Boric einen schönen Konter in der Nachspielzeit zum 1:3 abschloss.

„Warum wir nicht aggressiv genug waren, ist mir ein Rätsel“, sagte Villingens Trainer Reiner Scheu nach der Partie. Mario Klotz, der „einzige Garant für Tore“, habe in der Pause gesagt, dass er lediglich noch zehn Minuten durchhalte. Auch Alexander German sei angeschlagen und habe eine Schmerztablette gebraucht. Dass der Kader so dünn sei, räche sich an solchen Tagen. Bezeichnenderweise habe er seinen Sohn Karsten aus der A-Jugend einwechseln müssen. Angesichts dieser personellen Nöte wollte Reiner Scheu „die Mannschaft nicht in die Pfanne hauen“.

„Die etwas glücklichere Mannschaft hat gewonnen“, sagte Kickers-Coach Björn Hinck durchaus nobel. Sein Team habe die Villinger Sturm- und Drangphase überstanden und das „ganz gut gemacht“. Auf den FC 08 warten nun zwei Auswärtsspiele. „Wenn wir nun zuhause nicht mehr überzeugen, vielleicht klappt es ja nun einmal auswärts“, hofft Scheu.

Tore: 0:1 (3.) Ivanusa, 1:1 (49.) Maric, 1:2 (75.) Tucci, 1:3 (91.) Boric; Schiedsrichter: Philipp Traeder (Diersburg); Zuschauer: 1200; Gelbe Karten: Bea, D‘ Incau, Klotz, Jeske – Abruscia, Steinle, Tunjic; Gelb-Rot: D‘ Incau (91.)

Südkurier

Richtig enttäuscht waren auch die Verantwortlichen des FC 08 Villingen. Die Badener bezogen beim 1:3 (0:1) gegen die Stuttgarter Kickers II nämlich ihre erste Heimniederlage und das erste Gegentor der Saison auf eigenem Platz. Die Kickers, die mit dem 1:0 von Marcel Ivanusa in der dritten Minute einen tollen Start erwischt hatten, wurden durch den Drittligastürmer Marco Tucci verstärkt. Er traf zum vorentscheidenden 2:1 (75.). Zudem steckten sie den Verlust des wieder zu den Profis beorderten Markus Ortlieb gut weg. Denn die Innenverteidigung um Markus Kärcher und den Debütanten André Olveira stand sicher. „Wir haben einige junge Spieler hochgeholt, die Potenzial haben. Der Kader ist besser besetzt als vergangene Saison“, erklärte der Spielleiter Ulrich Probst den mit Platz elf ordentlichen Saisonverlauf.

Stuttgarter Zeitung

Presse: Nachbetrachtungen zum Derby

Kickers: vorne hui, hinten pfui
Die Schwächen in der Defensive sind nicht zu übersehen – Dem Derby droht ein Nachspiel

STUTTGART. Eigentlich ist der neue Kickers-Trainer Edgar Schmitt kein Freund von Unentschieden. Doch das denkwürdige 4:4 im Derby gegen den VfB Stuttgart II am Freitagabend nahm nicht nur er als „gefühlten Sieg“ wahr.

Von Joachim Klumpp

Im amerikanischen Profisport ist es üblich, dass sich kurze Zeit nach Spielende die Kabinentüren der Mannschaft für Funktionäre und auch Medienvertreter öffnen. Am Freitagabend nach dem denkwürdigen 4:4 im Drittliga-Derby gegen den VfB Stuttgart II hatte auch der Kickers-Trainer Edgar Schmitt kein Problem damit, die Herren aus der Vereinsführung am allgemeinen Jubel teilnehmen zu lassen. Hereinspaziert, lautete die Aufforderung, „die Mannschaft freut sich“. Zumal nicht nur die Kabine geöffnet wurde, sondern offensichtlich auch der Geldbeutel einiger Herren. Jedenfalls dürfte noch ein nettes Sümmchen in die Mannschaftskasse geflossen sein – auch wenn die Spieler nach dem zehnten Spieltag weiter auf die erste offizielle Siegprämie dieser Saison warten.

Die sei nur noch eine Frage der Zeit, sagt Schmitt. Und für die Spieler stand zunächst einmal die Erkenntnis im Vordergrund, in der entscheidenden Schlussphase ein Spiel auch mal zu ihren Gunsten drehen zu können. „Das war ganz wichtig“, sagte der Kapitän Alexander Rosen, schließlich verfolgte die Mannschaft fast schon ein Trauma. Fünfmal nacheinander hatten die Kickers in den letzten zehn Minuten sicher geglaubte Punkte noch leichtfertig aus der Hand gegeben (siehe Winkel), das prägt sich in den Köpfen ein. „Ich hoffe, dass dieser Punktgewinn jetzt die Wende war“, sagte Rosen. „So ein Auftritt muss uns Selbstvertrauen geben.“

Aber nur der nach der Pause. Denn bei aller Euphorie sollte nicht übersehen werden, dass die Kickers in der ersten Hälfte eine desolate Vorstellung abgeliefert hatten und vom VfB förmlich vorgeführt worden sind. Vor allem die Defensive fand nicht statt, und die von Trainer Edgar Schmitt propagierte Ordnung auf dem Platz erinnerte mehr an die Situation auf den Finanzmärkten: Es ging drunter und drüber. Doch der Trainer wollte sich nach der Partie nicht allzu lange mit den Defiziten aufhalten. Und durfte sich natürlich bestätigt fühlen, dass die Mannschaft seinen Offensivgeist umsetzt; ob sie allerdings immer drei, vier Tore schießt, darf doch eher bezweifelt werden.

Am Freitag wurde der Mut zum Risiko zumindest belohnt. Vorne hui und hinten pfui, so stellt sich das Spiel der Kickers derzeit da. Wer Edgar Schmitt vom VfR Aalen her kennt oder seine bisherige Arbeit in Degerloch verfolgt, der weiß nur zu gut: er lässt sich nicht von seinem Weg abbringen. Was nicht heißen soll, dass die Fehler intern nicht angesprochen werden, ganz so blauäugig ist der frühere Torjäger dann auch nicht.

Das zeigt auch das Beispiel Orlando Smeekes. Der Neuzugang, der nach seiner Einwechslung zur Pause frischen Wind brachte, bekam dennoch sein Fett weg, weil er vor lauter Hacke, Spitze eins, zwei, drei manchmal den direkten Weg vergaß. „Er spielt schon sehr kompliziert“, sagte Schmitt, „da müssen wir noch viel üben.“ Immerhin war Smeekes an zwei der vier Tore beteiligt.

Ob die Aufholjagd auch mit der zuletzt vieldiskutierten Fitness zusammenhing? Darauf sagte Alexander Rosen nur: „Die Kraft ist da.“ Kein Wunder, zumindest 45 Minuten lang hatte sich die Mannschaft ja auch ausgeruht. Doch auf ihren Lorbeeren will sie sich jetzt nicht ausruhen, auch wenn sie erst einmal zwei Tage freibekommen hat. „Das war unabhängig vom Ergebnis“, betonte Schmitt nach diesem denkwürdigen Tag – dem allerdings noch ein Nachspiel droht.

Weil aus dem VfB-Block kurz nach der Halbzeit Becher geworfen wurden, musste der Schiedsrichter die Partie kurzzeitig unterbrechen, was auch im Spielbericht vermerkt worden ist. „Ich denke, dass der DFB eine Stellungnahme anfordern wird“, sagt der Manager Joachim Cast. Und weil es sich bei den Kickers um Wiederholungstäter handelt (Stichwort Spielabbruch im DFB-Pokal), droht nun eine Geldstrafe – die allerdings nicht aus der Mannschaftskasse gezahlt wird.

Stuttgarter Zeitung

Der VfB verschenkt den Sieg

Die Körpersprache verrät Defizite
STUTTGART (ump). Der VfB-Trainer Rainer Adrion musste sich erst einmal einige Minuten in der Kabine sammeln, bevor er dieses Derby bei den Kickers verdaut hatte. Er hat ja schon viel erlebt – aber so etwas? Dass seine Mannschaft eine scheinbar sichere 4:1-Führung 20 Minuten vor Schluss noch aus den Händen gab, „Nein“.

Das verursacht natürlich Gesprächsbedarf: erst recht nach dem guten Auftritt in der ersten Hälfte, als die Mannschaft schönen, direkten Fußball spielte und sich viele Chancen erarbeitete. Doch im Gefühl des sicheren Sieges vergaßen einige Spieler dann, entschlossen zur Sache zu gehen, was Adrion nicht verborgen blieb. „An der Körpersprache hat man schon gesehen, dass die Einstellung nachließ“, sagte der Trainer und machte das zum Beispiel an den vielen verlorenen Kopfballduellen fest. Ein Ärgernis: „Dann sollen sie doch Basketball spielen, da ist Körperkontakt verboten“, kritisierte der Trainer die allzu lasche Einstellung einiger Spieler.

„Da haben wir uns von unserer schlechten Seite gezeigt“, so Adrion. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Auch bei Union Berlin (1:3) und in Dresden (0:1) fehlte der körperliche Einsatz. Also gilt es daran zu arbeiten. „Wir müssen mit den sensiblen Spielern darauf hinwirken, dass das Zweikampfverhalten besser wird“, sagt Adrion, „dann können sie von mir aus in die Bundesliga – vorher nicht.“ Wer weiß, der eine oder andere Kandidat steht jedenfalls nicht nur beim VfB auf der Wunschliste. Vor allem an dem Senkrechtstarter Julian Schieber („sein 1:0 war sensationell“, sagte der Kickers-Trainer Edgar Schmitt voller Respekt) oder auch dem lange verletzte José Ikeng zeigen inzwischen andere Clubs Interesse – aus dem Bereich des Fußballs, nicht Basketballs.

Stuttgarter Zeitung

Späte Tore
Die Treffer in den letzten zehn Minuten:

Jahn Regensburg – Kickers 1:1
0:1 Rosen (84.), 1:1 Beigang (87.)

Kickers – Erzgebirge Aue 1:2
1:2 Schmidt (90.)

Rot-Weiß Erfurt – Kickers 3:2
2:2 Landeka (88.) 3:2 Bunjaku (90.+2)

Kickers – Kickers Emden 1:1
1:1 Rauw (81.)

Bayern München – Kickers 3:3
2:3 Kroos (81.), 3:3 Yildiz (90.)

Kickers – VfB Stuttgart 4:4
3:4 Vaccaro (89.); 4:4 Rosen (90.)

Stuttgarter Zeitung

Aufholjagd als Muntermacher
Kickers schöpfen nach dem 4:4 im Derby neuen Mut – Zweifel an der Qualität des Teams bleiben

Stuttgart – Was die Punkteausbeute betrifft, war es nicht der erhoffte Befreiungsschlag. Doch die furiose Aufholjagd des Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers beim 4:4 (0:3) gegen den VfB II könnte bei den Blauen dennoch neue Kräfte freisetzen.

VON JÜRGEN FREY

Aus der Kabine der Blauen dröhnte ohrenbetäubender Lärm. Als die Explosion der Gefühle nicht enden wollte, kamen die Herren aus der Führungsetage der Kickers in die Katakomben des Gazistadions. Einer nach dem anderen. Wie an der Schnur gezogen. Präsident Dirk Eichelbaum, Schatzmeister Friedrich Kummer, Aufsichtsratschef Rainer Lorz, seine Mitstreiter Christian Dinkelacker und Alexander Lehmann – und zu guter Letzt noch Hauptsponsor Eduard Garcia. Alle zückten sie unter lautem Gejohle der Spieler generös ihren Geldbeutel – und der Verwalter der Kickers-Mannschaftskasse strahlte hinterher wie ein Vierjähriger vor dem Weihnachtsbaum: „Es ist ein nettes Sümmchen zusammengekommen, da werden wir in dieser Woche schön essen gehen“, sagte Benedikt Deigendesch mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Es war ein denkwürdiger Abend in Degerloch. Und auch wenn es für die Blauen im zehnten Saisonspiel nicht zum ersten Dreier gereicht hat, ein Sieg für die Moral und das Selbstvertrauen war es allemal. „Jetzt ist wieder Leben in der Hütte, so einen Muntermacher haben wir dringend gebraucht“, betonte Edgar Schmitt, der in der Halbzeit offenbar die richtigen Worte gefunden hatte. „Hier braucht keiner zu sterben, es geht nur um Fußball“, gab er seinem Team nach dem 0:3-Rückstand mit auf den Weg. Dass sein Team auch nach dem 1:4 nicht die weiße Fahne hisste, lag ein Stück weit auch am Coach selbst: Schmitt lebte die Leidenschaft an der Seitenlinie vor, peitschte sein Team mit viel Emotionen immer wieder nach vorne. Mit Erfolg. „Wenn wir so weitermachen, schaffen wir den Klassenverbleib, da bin ich mir zu 100 Prozent sicher“, erklärte Schmitt.

Bei aller Euphorie in Blau nach dem Schlusspfiff: Es wird ein langer und steiniger Weg. Denn unterm Strich drängte sich auch nach dem Derby der Verdacht auf: Die Qualität der Mannschaft reicht kaum für die dritte Liga. 70 Minuten lang präsentierten sich die Kickers erschreckend schwach und waren dem Bundesliganachwuchs der Roten in allen Belangen haushoch unterlegen. Bei den VfB-Angriffen taten sich vor allem vor der Pause Riesenlücken auf. Was auch an der Grundordnung mit der Raute im Mittelfeld lag. Kapitän Alexander Rosen war dabei in der Defensive auf sich allein gestellt. Spielmacher Bashiru Gambo und vor allem Sascha Traut, der auf der rechten Seite an der Linie klebte, halfen nicht, die Räume eng zu machen. In der zweiten Halbzeit lief es im 4-3-3-System besser. Weshalb Schmitt zumindest darüber nachdenkt, künftig öfter so spielen zu lassen. Vielleicht sogar schon am kommenden Samstag (14 Uhr) im Auswärtsspiel bei Kickers Offenbach.

Mit neuem Mut soll dort ein Dreier gelandet werden. Es wäre an der Zeit, damit die Blauen am Ende nicht dort landen, wo sich Schmitt am Sonntag bei der Partie Eintracht Frankfurt II gegen SSV Reutlingen „interessante Spieler der Heimmannschaft“ anschaute: in der Regionalliga.

Stuttgarter Nachrichten

„Dann sollen sie Basketball spielen“
VfB-Trainer Adrion stinksauer

José-Alex Ikeng prüfte beim Gang in die Kabine die Belastbarkeit des Plexiglastunnels im Gazistadion: Der Mittelfeldspieler des VfB Stuttgart schlug mit voller Wucht dagegen. Ikeng war stinksauer über dieses 4:4 bei den Stuttgarter Kickers. Genauso wie alle seine Mitspieler – und vor allem sein Trainer: „Unser Zweikampfverhalten in der Schlussphase war eine einzige Katastrophe“, schimpfte Rainer Adrion.

VON JÜRGEN FREY

Adrion machte ein Gesicht, als sei ihm beim Putten der Golfschläger gebrochen. Dann blies der VfB-Coach die Backen auf und begann seine Aussagen mit den Worten: „Ich werde jetzt versuchen, dieses Spiel sachlich zu analysieren.“ Mit zunehmender Redezeit fiel es ihm immer schwerer, das Vorhaben durchzuhalten. „Wenn meine Spieler keinen Widerstand leisten wollen, dann sollen sie doch Basketball spielen. Da ist Körperkontakt nicht erlaubt“, knurrte Adrion.

Lange Zeit hatten seine Nachwuchsasse vor 5875 Zuschauern in Degerloch die hohe Kunst der Spielkultur zelebriert. Doch gegen Ende hatten die brillanten Techniker der Willenskraft einer leidenschaftlich kämpfenden Kickers-Elf nichts mehr entgegenzusetzen. Die Roten versteckten sich. Und das wurmte Adrion gewaltig: „Keiner meiner Spieler war mehr in der Lage, kompakt zu verteidigen und in den Zweikämpfen auf die Zähne zu beißen. Wenn der Schiedsrichter noch zwei, drei Minuten länger spielen lässt, verlieren wir das Spiel noch.“ Mit der Einwechslung von Dubravko Kolinger wollte Adrion zehn Minuten vor Schluss das Zentrum verstärken. Doch der Defensivmann ging mit dem Rest der Truppe unter. Wobei der 32-Jährige seine Bundesligazeiten genauso wie Kapitän Marijan Kovacevic hinter sich hat. Die übrigen VfB-Spieler wollen noch ganz nach oben. Und für sie war das Derby äußerst lehrreich, was Adrion unterstrich: „Nur wer ständig intensiv in die Zweikämpfe geht, wird in der Bundesliga landen.“

Stuttgarter Nachrichten

Auch beim 4:4 der Stuttgarter Kickers gegen den VfB Stuttgart II hatten sich Fans der „Roten“ daneben benommen. Erst war die Partie drei Minuten unterbrochen, weil Bierbecher in Richtung Kickers-Torwart Manuel Salz geworfen wurden. Nach der Partie bewarfen Zuschauer Polizei mit Gegenständen. Den Punkt feierten die Kickers nach dem 1:4-Rückstand wie eine Wiederauferstehung. „Jetzt ist wieder Leben in der Bude. Diesen Muntermacher haben wir dringend gebraucht“, sagte Trainer Edgar Schmitt. Seine Saisonpremiere feierte Markus Ortlieb, den Schmitts Vorgänger Stefan Minkwitz aussortiert hatte. „Er hat eine gute Leistung gezeigt“, lobte ihn Schmitt VfB-Trainer Rainer Adrion war hingegen wenig begeistert nach den verschenkten Punkten. „Wir haben gute Fußballer. Es fehlt ihnen aber manchmal die nötige Härte, um dagegen zu halten.“

Südwest-Presse

Kickers II siegt in Villingen

Das U23-Team der Stuttgarter Kickers gewinnt ihr heutiges Auswärtsspiel beim FC Villingen mit 3:1 (1:0). Marcel Ivanusa (3. ) brachte die Blauen beim Aufstiegsfavoriten früh in Führung. Marco Tucci (75. ) und Maikel Boric (90. ) erzielten die Tore zum dreifachen Punktgewinn und ließen die zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer durch den Ex-Blauen Jago Maric (49. Foulelfmeter) vergessen.

Durch diesen Sieg bleiben die Kickers auf dem elften Tabellenplatz. Nächstes Wochenende empfängt das Team von Trainer Björn Hinck den Kehler FV.

Emotionsreiches Derby

In einem sehr emotionsreichem Derby schafften die Kickers in einem verloren geglaubten Spiel noch die Wende. Nach einem deutlichen 0:3 Rückstand zu Pause holten die Kickers nach einer grandiosen Aufholjagd noch einen Punkt und wurden von den knapp 6000 Zuschauern gefeiert.

Nach dem frühen Gegentroffer nach acht Minuten konterten die Gäste die Blauen sehr gut aus. Doch schafften die Kickers den Anschlußtreffer zum 1:3 durch Markus Mann. Daraufhin musste das Spiel mehrmals wegen der Gästefans unterbrochen werden. Als in der 70. Minute das 1:4 folgte, glaubten wohl selbst die kühnsten Optimisten nicht mehr an die Mannschaft.

Doch die Jungs um Trainer Edgar Schmitt geben nicht auf. Bashi Gambo (75. ), Angelo Vaccaro (89. ) und Alexander Rosen (90. +1) retten den Blauen den nicht mehr für möglich gehalten Punkt.

Der Spielverlauf sollte der Mannschaft weiter Auftrieb geben. Nächsten Samstag geht es auf den Bieberer Berg zu den Offenbacher Kickers.

Vorberichte Stuttgarter Kickers – VfB Stuttgart II

Heute Drittligaderby in Degerloch

Gambo bestreitet sein 100. Spiel
STUTTGART (ump). Die Karten für das Derby in der dritten Fußballliga sind noch nicht knapp, dafür aber die Parkplätze. Weil heute Abend unterm Fernsehturm nahezu zeitgleich zum Fußballspiel der Stuttgarter Kickers gegen den VfB II (19 Uhr) auch noch die Feier zum 100-Jahr-Jubiläum von Degerloch stattfindet, bitten die Kickers die Zuschauer zwar zahlreich zu kommen – aber möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Zu dem Festakt ist übrigens auch die Kickers-Führungsspitze eingeladen, so dass zumindest der Präsident Dirk Eichelbaum das Spiel nicht live verfolgen kann. Um die Chancengleichheit zu wahren, sagte auch sein VfB-Kollege Erwin Staudt aus Termingründen ab. Dennoch hoffen die Kickers auf 5000 Zuschauer – und drei Punkte.

Der erste Sieg soll also her, wobei der Trainer Edgar Schmitt trotz des Respekts für den Gegner optimistisch ist. „Die Mannschaft zieht in der Richtung mit, in die wir wollen“, sagt Schmitt nach bisher zwei Unentschieden. Er setzt voll und ganz auf seine Spielweise: „Wir können zu Hause doch gar nicht anders als nach vorne zu agieren.“ Und wenn es dann trotzdem nicht klappt, sollen die Zuschauer wenigstens ein gutes Spiel sehen.

Zu dem will auch der VfB seinen Teil beitragen, obwohl die Vorbereitung nicht so ideal war, weil viele Spieler unter der Woche bei diversen Junioren-Nationalteams unterwegs waren und erst gestern Mittag wieder in Cannstatt eintrafen. Die Kickers dagegen haben das Training nach der vergangenen harten Woche mit neun bis zehn Einheiten etwas gedrosselt, werden aber auch heute Morgen nochmals eine Übungseinheit absolvieren. „Danach kann ich auch genau sagen, wie die Mannschaft aussieht“, sagt Schmitt.

Große Änderungen dürfte es nicht geben, sieht man einmal davon ab, dass Marcus Mann nach seiner Sperre wieder in die Innenverteidigung rückt, wahrscheinlich neben Jens Härter, der den Vorzug vor Marcel Rapp bekommen könnte. Der Neuzugang Orlando Smeekes sitzt nach Trainingsrückstand nur auf der Bank, als Joker. Ein kleines Fragezeichen steht noch hinter Angelo Vaccaro, der heute sein 50. Spiel für die Kickers bestreiten würde – Bashiru Gambo sein 100. Wenn das nicht zum Jubiläum in Degerloch passt.

Stuttgarter Zeitung

Kickers werden sich nicht vor VfB verstecken
Trainer Schmitt setzt im Drittliga-Derby voll auf Angriff – Adrion mit wenig Spielern in der Vorbereitung

Stuttgart – Derby-Zeit auf der Waldau: Am heutigen Freitag (19 Uhr) ist der VfB Stuttgart II zu Gast bei den Stuttgarter Kickers. Die Blauen stehen dabei ganz besonders unter Druck – es muss so langsam der erste Saisonsieg in der dritten Liga her.

VON JÜRGEN KEMMNER

Wegen Überfüllung schließen muss Edgar Schmitt seine Übungseinheiten noch nicht. Die Verletztenliste der Kickers passte zeitweise auf kein DIN-A5-Blatt, allmählich füllt sich die Kabine vor dem Training wieder. „Ich habe jetzt 20 Mann im Kader“, freute sich Schmitt, „das ist erfreulich, besonders da das Derby gegen den VfB auf dem Programm steht.“ Derzeit sind Sasa Janic, Jörn Schmiedel, Franco Petruso, Gino Russo und Ralf Kettemann noch nicht gesund, Angelo Vaccaros Einsatz entscheidet sich am Spieltag. Marco Tucci und Markus Ortlieb stehen Schmitt zur Verfügung, Orlando Smeekes sitzt als Joker auf der Bank.

Der Coach verbreitet Optimismus, auch wenn sein Team noch ohne Sieg dasteht und am Tabellenende darbt. Bald ist der erste Erfolg fällig, und den sollen die Blauen im Hurrastil erobern. Warum nicht gegen die Roten aus Cannstatt? „Wir spielen in unserem Stadion“, betont Schmitt, „wir werden die Partie offensiv und dynamisch angehen – und wir werden uns nicht vor dem VfB verstecken.“ Insgeheim hofft der Ex-Stürmer, dass sich seine Schützlinge so präsentieren wie in den ersten 30 Minuten beim 3:3 gegen den FC Bayern II („Das war überragend“), und dass sie nicht schon nach 80, sondern erst nach 90 Minuten mit der Gegenwehr aufhören. „Wir werden die Schlussschwäche immer weiter nach hinten schieben“, verspricht Schmitt, der sein Team deshalb in der vergangenen Woche sehr hart rangenommen hat.

Beim VfB fühlte sich Trainer Rainer Adrion zuletzt auch beinahe ein wenig einsam. Patrick Funk und Sebastian Rudy waren mit dem U-19-Aufgebot des DFB unterwegs, sieben weitere Akteure waren für die württembergische Auswahl beim Länderpokal im Einsatz. „Die Spieler müssen den Schalter umlegen“, fordert Adrion, „das ist wie für die Profis von der Champions League oder dem Uefa-Cup auf die Bundesliga.“ Die einzige gemeinsame Trainingseinheit vor dem Stadtderby war am gestrigen Donnerstag. Höchstwahrscheinlich wird der Coach Rudy, der drei Spiele über 90 Minuten im DFB-Trikot bestritten hat, eine kleine Verschnaufpause gönnen. Auch Christian Träsch, zuletzt bei den Profis gegen Bremen am Ball, kehrt gegen die Blauen nicht ins Drittliga-Team zurück.

Die Kickers wollen offensiv ausgerichtet auftreten, der VfB hat ebenfalls eine muntere Abteilung Attacke – keine Drittliga-Mannschaft hat mehr Treffer erzielt als die Roten: In neun Spielen gab es 20 Toren für den VfB. Es könnte ein ziemlich abwechslungsreiches Spiel für die Zuschauer werden. „Wir hoffen auf 5000 Leute im Stadion“, sagt Kickers-Manager Joachim Cast. Den Zuschauern wird jedoch geraten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen – die Parkplatzsituation unterm Fernsehturm ist an diesem Abend extrem angespannt. Bereits um 18 Uhr beginnt im SSB-Zentrum auf der Waldau der Festakt 100 Jahre Eingemeindung Degerlochs nach Stuttgart mit 500 geladenen Gästen.

Stuttgarter Nachrichten

Kickers gehen mit Gute-Laune-Strategie ins Derby

Trainer Edgar Schmitt rechnet voller Zuversicht mit dem ersten Saisonsieg – VfB-II-Coach Rainer Adrion lehnt die Favoritenrolle ab

Stuttgart – Nach zwei Wochen Pause rollt in der dritten Fußball-Liga wieder der Ball. Eröffnet wird der zehnte Spieltag heute (19 Uhr) mit dem Stuttgarter Stadt-Derby zwischen den Kickers und dem VfB II. „Es wird ein gutes Spiel mit einer unglücklichen Niederlage für den VfB II“, übt sich Kickers-Coach Edgar Schmitt in Zuversicht.

Von Beate Wockenfuß

Glaubt man dem Trainer, könnten die Voraussetzungen für das Prestige-Duell bei seiner Mannschaft nicht besser sein. Statt wie zuletzt ständig über den mangelhaften Fitnesszustand der Spieler zu klagen, fuhr Schmitt gestern eine betont optimistische Gute-Laune-Strategie. „Alles ist gut“, erklärte er mehrfach gelassen und wies strahlend auf „tägliche Fortschritte“ hin. Das lange Warten des Tabellenschlusslichts auf den ersten Sieg in dieser Saison soll heute endlich beendet werden. „Wir spielen zu Hause, das ist unser Stadion“, machte der Coach deutlich, dass er gegen den VfB II, der seine Heimspiele seit dieser Saison ebenfalls auf der Waldau austrägt, erneut voll auf Offensive setzt. Damit den Spielern nicht wie zuletzt des Öfteren bereits nach 80 Minuten die Luft aus- und der mögliche Sieg flöten geht, wurde in den vergangenen beiden Wochen hart an der Kondition gearbeitet. „Vielleicht hält das Team diesmal fünf Minuten länger durch“, witzelte der Trainer und baute mit einer Durchhalteparole einem eventuellen erneuten Dämpfer gleich vor: „Wenn wir nicht gewinnen, aber alles gegeben haben, ist das okay. Dann klappt es eben im nächsten Spiel.“Dass die Kickers noch eine Woche auf ihren ersten Dreier warten müssen, dafür will der VfB II sorgen. Von der Papierform her ist die Favoritenrolle eindeutig an den Tabellenneunten vergeben. Von einem Pflichtsieg mag Rainer Adrion dennoch nicht reden. „So an die Partie heran zu gehen, wäre schon der erste Fehler“, sagte der VfB-Coach, der damit rechnet, dass die Kickers im Derby die Reißlinie ziehen wollen. „Sie haben sich unter ihrem neuen Trainer gesteigert und jetzt noch mal zwei Wochen Zeit gehabt, die Mängel abzustellen“, begründete er. Zwar kam der VfB II in der neuen Liga bisher besser zurecht. Aber mit Blick auf die jüngste 1:2-Heimpleite gegen den SC Paderborn warnte Adrion: „Wir haben uns noch nicht ganz stabilisiert und müssen aufpassen, dass wir nicht in negatives Fahrwasser kommen.“Die personelle Ausgangslage ist bei beiden Teams ähnlich. Während bei den „Blauen“ die Verletzten Sasa Janic, Jörn Schmiedel, Franco Petruso und Ralf Kettemann ausfallen, müssen bei den „Roten“ Joachim Schwabe, Martin Dausch, Robin Schuster und Sebastian Hofmann verletzt passen. Auf einen Einsatz von Sebastian Rudy, der für die U-19-Nationalmannschaft dieser Tage drei Mal 90 Minuten gespielt hat, macht sich Adrion keine großen Hoffnungen. Und Christian Träsch wird wohl erneut im Kader der ersten Mannschaft stehen. Das letzte Aufeinandertreffen am 24. Mai ist noch gut in Erinnerung. Schließlich half das 1:1 am vorletzten Regionalliga-Spieltag den Kickers, noch den Sprung in die dritte Liga zu schaffen. Träsch hatte in der 86. Minute einen Elfmeter verschossen und damit den Siegtreffer vergeben. „Das war keine Absicht“, beteuerte Adrion, während Kickers-Manager Joachim Cast meinte: „Das Remis hatte uns sicher am Leben gehalten.“ Wie damals (7190 Zuschauer) wird auch heute wieder mit einer großen Kulisse gerechnet. Daher bitten die Vereine ihre Fans, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.

So wollen sie spielen
Stuttgarter Kickers: Salz – Deigendesch, Mann, Rapp, Landeka – Traut, Rosen, Gambo, Reiß – Schürg, Vaccaro.

VfB Stuttgart II: Ulreich – Feisthammel, Pisot, Kovacevic, Enderle – Ikeng, Funk, Didavi – Rahn, Schipplock, Schieber.

Eßlinger Zeitung