Vorberichte II: VfR Aalen – Stuttgarter Kickers

Kampf um Punkte und Partner

Kickers vor dem Derby in Aalen

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers stecken in der dritten Fußballliga mitten in einer ereignisreichen Woche. Nach der Niederlage gegen Jena stand am Mittwoch die Hauptversammlung auf dem Programm – morgen (14 Uhr) folgt zum Abschluss das Derby in Aalen.

Von Joachim Klumpp

Edgar Schmitt hat am Mittwochabend Sitzfleisch bewiesen. Während der Trainer der Stuttgarter Kickers am Spielfeldrand seinen Emotionen schon mal freien Lauf lässt, saß er während der rund dreieinhalbstündigen Hauptversammlung im ADM-Sportpark ruhig auf seinem Stuhl. „Und dann bin ich erst zu nichts gewählt worden“, sagte Schmitt gestern lächelnd. Zumindest nicht direkt, denn allenthalben ist klar, was seine Aufgabe ist: den Klassenverbleib zu schaffen. „Davon bin ich überzeugt“, sagte der Präsident Dirk Eichelbaum vor den Mitgliedern. „Wenn wir dann höhere Ziele angehen wollen, muss auch der Etat erhöht werden.“

Gemach, gemach. Zunächst einmal geht es nicht nur um das sportliche Überleben in der dritten Liga, sondern ums finanzielle, das auch in dieser Spielzeit wieder eine Gratwanderung ist, nachdem aktuell ein Fehlbetrag von 300 000 Euro im Etat bis zum Saisonende klafft. Der sogar noch größer werden könnte, weil das ehemalige Präsidiumsmitglied Walter Kelsch ein Darlehen über 50 000 Euro zum Januar 2009 fristgerecht gekündigt hat, auch wenn Eichelbaum zuversichtlich ist, „das unter Sportsfreunden zu lösen“. Abwarten, schließlich sind beide Seiten im Sommer nicht im Frieden geschieden.

Warum regelmäßig Defizite im Etat auftauchen, darüber hat sich der Aufsichtsratvorsitzende Rainer Lorz Gedanken gemacht. Seine Erklärung: „Vor allem bei den Werbeerträgen hinken wir im Vergleich zu den anderen Drittligisten hinterher.“ Die hätten in diesem Bereich im Schnitt 2,4 Millionen Euro zur Verfügung, bei den Kickers ist für diese Saison die Hälfte veranschlagt (etwa 1,1 Millionen sind davon gesichert), wobei der fürs Marketing zuständige Dieter Wahl darauf verweist, „dass wir eine Plus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr haben“. Inwieweit weitere Sponsoren dazukommen, bleibt – nicht nur angesichts der Wirtschaftslage – fraglich. „Wir müssen jetzt erst einmal über den Winter kommen“, sagt Wahl. Und Lorz fügte hinzu: „Wenn man nach Offenbach mit den Exprofis Andreas Möller und Michael Sternkopf oder zum VfR Aalen schaut, dann zeigt das, wohin die Reise geht.“

Morgen erst einmal – nach Aalen, zu Schmitts Exclub, für den er zu Saisonbeginn noch vier Spiele auf der Bank sitzen durfte. Doch inzwischen ist das Vergangenheit. „Ich muss mit keinem abrechnen“, sagt Schmitt, der nur drei Kilometer entfernt vom Aalener Stadion wohnt und das (der schulpflichtigen Kinder wegen) bis zum Saisonende so beibehalten will. Schmitt sagt: „Ich habe gehört, dass viele Zuschauer sich auf ein Wiedersehen freuen.“ 8000 Besucher erwartet der VfR, allerdings auch, weil der Club eine Freikartenaktion im Stadion ausgerufen hat.

Apropos Stadion: gestern hatten die Kickers den Gesprächstermin beim Deutschen Fußball-Bund wegen des zunächst um zwei Jahre aufgeschobenen Umbaus. „Der DFB wird jetzt erst einmal mit der Stadt Kontakt aufnehmen“, sagte der Manager Joachim Cast von den Kickers, die in diesem Fall auf eine konzertierte Aktion mit dem VfB setzen, dessen zweite Mannschaft allerdings andere Voraussetzungen hat: ihr genügen die vorhandenen tausend Tribünenplätze (statt 2000 bei den Kickers), um die Auflagen zu erfüllen. Aber selbst diese werden morgen (14 Uhr) nicht alle gefüllt sein, wenn die Kickers Emden im Gazi-Stadion zu Gast sind.

Stuttgarter Zeitung

Der VfR Aalen hat viel Geld, aber kein Konzept

Trotz bester Voraussetzungen tut sich der ehrgeizige Fußball-Drittligist schwer damit, den Aufstieg in die zweite Liga zu verwirklichen

AALEN. Beim Auswärtsspiel der Stuttgarter Kickers morgen in Aalen wird in Petrik Sander schon der dritte VfR-Trainer in dieser Saison an der Seitenlinie stehen. Er soll in den nächsten Jahren die großen sportlichen Ziele erreichen – trotz aller Nebengeräusche.

Von Johannes Scharnbeck

Berndt-Ulrich Scholz war begeistert. „Sehr schön, sehr schön“, sagte der Präsident des VfR Aalen immer wieder, als er am Montag zum ersten Mal die neue Geschäftsstelle des Fußball-Drittligisten besichtigte. Das „VfR-Forum“ mit seinen durchsichtigen Glasfronten an der Nord- und Südseite des Gebäudes – auch von innen kann jeder dank der großen Glastüren in alle Büros hineinschauen – repräsentiert perfekt das Selbstbild des Vereins. Ein moderner, aufstrebender Club, ausgestattet mit einem Masterplan, wollen die Aalener sein. Ein Club, der in die zweite Liga gehört. Doch Anspruch und Wirklichkeit wollen in letzter Zeit auf der Ostalb gar nicht mehr zusammenpassen. Der VfR Aalen wechselte auf seltsame Weise die sportliche Leitung aus und erlebte so die turbulentesten Monate der Vereinsgeschichte.

Jetzt soll natürlich alles anders werden, besser versteht sich. Am Montag stellte Scholz in der durchgestylten Geschäftsstelle nämlich auch einen neuen Trainer (den mittlerweile dritten dieser Saison) vor: Petrik Sander. Dabei war der frühere Bundesligacoach von Energie Cottbus gar nicht die erste Wahl, sondern Markus Schupp (ehemals Wacker Burghausen). Doch der zögerte zu lange. Sander wird nun gemeinsam mit Jürgen Kohler, der wegen Herzproblemen als Trainer zurückgetreten war und noch als Sportdirektor fungiert, das neue Führungsduo bilden. Schon morgen im Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers sollen beide zeigen, dass Aalens Verantwortliche doch richtig gehandelt haben. Denn morgen (14 Uhr) treffen Sander und Kohler auf ihren Vorgänger Edgar Schmitt. Doch selbst wenn diese Partie für den VfR erfolgreich ausgehen sollte, an Ansehen haben Scholz und sein ehrgeiziger Aufsichtsrat seit längerem verloren. Momentan steht der Verein nicht für innovative Ideen, sondern für unkoordinierte und sprunghafte Entscheidungen – von den eigenen hohen Ansprüchen ist er weit entfernt.

Schon zum Ende der vergangenen Saison erhielt das Bild des ambitionierten Konzeptclubs erste Risse. Drei Spieltage vor Schluss entließ Scholz auf Wunsch der Mannschaft den Manager Helmut Dietterle mit der Begründung, Streitigkeiten zwischen Dietterle und dem damaligen Trainer Schmitt würden die Spieler vom Aufstiegsrennen ablenken. Den Sprung in die zweite Liga verpasste das Team dennoch. Für diese Saison statteten der Schrottunternehmer Scholz sowie der zweite große Sponsor Imtech den VfR mit 5,5 Millionen Euro und dem damit zweithöchsten Etat aller 20 Drittligisten aus. Doch schon nach vier Spieltagen verlor die Führungsriege die Nerven. Sie feuerte Edgar Schmitt, dabei war seine Bilanz nicht gerade entlassungswürdig: ein Sieg, zwei Unentschieden, eine Niederlage.

„Wir hatten zwei Möglichkeiten. Entweder wir machen weiter wie bisher, nehmen viel Geld in die Hand und werden weiter Dritter oder Vierter. Oder wir haben ein neues Konzept, bei dem wir das Trainergespann austauschen und in drei Jahren die zweite Liga erreichen“, lautete die bizarre Kündigungserklärung von Johannes Moser, dem Vorsitzenden des VfR-Aufsichtsrats und Imtech-Leiters der Region Südwest. Der Trainer mit dem neuen Konzept stand dann auch sofort parat: Jürgen Kohler, Weltmeister von 1990, Firmenrepräsentant von Imtech und ein guter Freund Mosers.

Der frühere Weltklasseverteidiger versprach: „Hier soll es irgendwann Bundesliga-Fußball geben.“ Aalens neue Strategie sah vor, Kohler den größtmöglichen Einfluss zu verschaffen. Er wurde Sportdirektor und Trainer in einem, so wie Felix Magath in Wolfsburg. Schmitt blieb allein die Zuneigung der Fans. Denn der offensive Fußball des früheren Karlsruher Stürmers kam an bei den Zuschauern. Mit Kohler verbesserte sich der VfR zudem nur von Platz 14 auf Rang zwölf, und das Team zeigte vor allem auf Sicherheit bedachten Fußball. Ihm gelangen nur drei Siege in 16 Spielen, es stellt die schlechteste Offensive der Liga (elf Tore) und hat 14 Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz.

Vor Sander, der ebenfalls behauptet, „die Bedingungen hier führen zwangsläufig in die zweite Liga“, stehen nun große Aufgaben. Er hat einen aufgeblähten, verunsicherten Kader von 36 Spielern und soll bis zu seinem Vertragsende im Sommer 2010 schon wieder ein neues Konzept umsetzen. „Nächstes Jahr gilt es, den Aufstieg zu schaffen“, betont Moser mittlerweile. An diesen ständigen Strategiewechseln zeigt sich das Dilemma der Aalener. Sie haben ein zweitligareifes Stadion, viel Geld, große Namen – aber eben kein erkennbares Konzept. „Wir brauchen jetzt kontinuierliche Arbeit, dann ist auch der gewünschte Erfolg möglich“, sagt der Geschäftsführer und ehemalige Freiburger Profi Martin Braun. Die schicke Geschäftsstelle soll schließlich nicht das Letzte sein, was den hohen Aalener Ansprüchen genügt.

Stuttgarter Zeitung

Heimspiel für Trainer Schmitt in Aalen

Stuttgart (jüf) – Er war von Januar 2007 bis Ende August 2008 Trainer beim VfR Aalen, noch immer wohnt Edgar Schmitt nur zwei Kilometer vom Aalener Stadion entfernt – für den Trainer des Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers müsste das Derby am morgigen Samstag (14 Uhr/Scholz-Arena) bei seinem Ex-Club eigentlich eine pikante Angelegenheit sein. Doch der 45-Jährige spielt die Brisanz herunter: „Meine Familie und viele Bekannte werden da sein, ich freue mich einfach nur auf dieses Spiel, zumal ich mit keinem mehr eine Rechnung offen habe.“ Dennoch kann sich Schmitt einen süffisanten Seitenhieb nicht verkneifen. Auf die Frage, wo die gravierendsten Unterschiede zwischen den beiden Clubs liegen, antwortete er: „Die Kickers haben Tradition und Herz, Aalen hat Geld. Würden die Vereine fusionieren, wäre alles perfekt.“ Immerhin konnten sich die Blauen Orlando Smeekes leisten. Und vieles spricht dafür, dass der Neuzugang in Aalen neben Michael Schürg stürmen wird. Angelo Vaccaro bleibt wohl nur die Jokerrolle.

Stuttgarter Nachrichten

Derbyknüller gegen die Kickers
Sander will gewinnen / Doch keiner kennt das VfR-Team besser als der gegnerische Trainer

Das Schwabenderby gegen die Stuttgarter Kickers am Samstag in der Scholz-Arena (Anpfiff 14 Uhr) ist zum Knüller der bisherigen Drittliga-Heimspiele des VfR Aalen avanciert. Die Spannung ist am Siedepunkt.

Es ist mehr als nur ein Derby, bei dem beide Teams vehement um (Sieg-)Punkte für den Klassenerhalt kämpfen werden. Während in Aalen Petrik Sander in diesen Tagen sich und seine Mannschaft auf sein Trainer-Comeback vorbereitet, stimmte in dieser Woche auf der Stuttgarter Waldau Edgar Schmitt sein Team auf den Auftritt an seiner ehemaligen Wirkungsstätte ein. Der Druck, der auf beiden Mannschaften liegt, ist enorm, die Erwartungshaltung der wahrscheinlich über 8000 Fußballfans, die am Samstag in den Aalener Rohrwang pilgern werden, ebenfalls.
Die Crux an der Geschichte: Während Aalens neuer Cheftrainer Petrik Sander erst seit wenigen Tagen dabei ist, sein Team kennen zu lernen, kennt die Aalener Mannschaft keiner besser als der Stuttgarter Trainer. Immerhin hat Edgar Schmitt die Rohrwang-Elf in den vergangenen eineinhalb Jahren bis zu seiner Entlassung am 27. August unter seinen Fittichen gehabt. Er müsste also in der Lage sein, seine Mannschaft punktgenau auf jeden einzelnen VfR-Spieler, dessen Stärken und Schwächen, einstellen zu können. Prekärer hätte sich die Situation für Petrik Sander zum Einstand in Aalen nicht darstellen können.
„Das kann man als Außenstehender so sehen“, sagt Sander, der den Stuttgartern deshalb dennoch nicht die Favoritenrolle überlassen will. „Wir gehen in diese Partie gehen um zu gewinnen“, nennt der neue Aalener Chefcoach (der am 22. September 2007 bei der 1:2-Niederlage beim Bundesligisten SC Cottbus letztmals auf der Bank saß) seine klare Zielsetzung für den Derbyschlager am Samstag.

Positive Energie
Er selbst freue sich, nach einem Jahr Pause „endlich wieder die Spannung zu fühlen, wenn es ins Stadion geht. Das ist eine tolle Sache. Ich versuche, das in positive Energie umzuwandeln und sie an die Spieler weiterzugeben.“
Seit Dienstag hat er die VfR-Kicker unter seinen Fittichen. „Wir haben in den vergangenen Tagen konzentriert und viel im taktischen Bereich gearbeitet, soweit das eben möglich war auf diesen widrigen Platzverhältnissen“, sagt Sander. Er ist zuversichtlich, dass er für Samstag eine Mannschaftskonstellation zusammenstellen kann, die gegen die Kickers erfolgreich sein kann. Der Druck ist groß. Deshalb entscheide neben der individuellen Fitness auch die mentale Stärke des einen oder anderen Spielers über seine Nominierung.
Eines allerdings steht fest: Moses Sichone wird am Samstag fehlen. Nach seiner gelb-roten Karte, die sich Sichone in Paderborn in der letzten Spielminute unnötiger Weise abgeholt hat, muss der VfR-Innenverteidiger ein Spiel pausieren und auf der Tribüne Platz nehmen. Für ihn soll entweder Michael Stickel aus dem defensiven Mittelfeld wieder in die Vierer-Abwehr-Kette rücken oder Pascal Bader wieder ins Team zurückkehren.

Aufbruchstimmung erzeugen
Und wie sieht es im Sturm aus? Wird die Mannschaft wieder mehr Offensivgeist zeigen, und wird dies am Spielsystem sichtbar werden? „Ich kann auch mit drei Stürmern defensiv spielen“, antwortet Sander und erklärt, dass das Spielsystem nicht allein für eine offensive oder defensive Spielweise steht. In Bezug auf das Spiel gegen die Kickers konkretisiert er deshalb: „Wir haben ein Heimspiel. Da muss man nach vorne spielen.“ Was Petrik Sander vor allem will, ist, die Zuschauer zu begeistern. „Alle Zuschauer, die am Samstag da sind, müssen in zwei Wochen wieder kommen – außer denen aus Stuttgart. Auch das muss unser Ziel sein. Wir müssen eine Aufbruchstimmung erzeugen und das Potenzial wecken, das in dieser Region vorhanden ist.“ Dass das eng mit dem sportlichen Erfolg verbunden ist, ist ihm klar.
Und noch eines weiß der ehemalige Cottbuser Goalgetter: Es ist auch für die Spieler nicht einfach, innerhalb von drei Monaten unter drei verschiedenen Trainern zu arbeiten. „Dass das schwierig ist, kann ich nachvollziehen“, sagt Sander. „Aber das darf nicht so weit führen, dass das ein Alibi für die Spieler wird.“
VfR Aalen: Linse – Schöckel, Stickel, Alder, Stegmayer – Haller, Hofmann, Mayer, Andersen – Sailer, Shynder.

Schwäbische Post

Vorberichte VfR Aalen – Stuttgarter Kickers

„Ich empfinde keine Genugtuung“

Kickers-Trainer Edgar Schmitt im Interview: „Die Anzahl der Aalener Gegentore zeigt mir gute Möglichkeiten auf“

Die Rückkehr ist keine gewöhnliche. Wenn Trainer Edgar Schmitt am Samstag mit den Stuttgarter Kickers im Drittliga-Derby beim VfR Aalen antritt, hat er noch immer viele Sympathisanten an seiner ehemaligen Wirkungsstätte. Viele Fans haben die Entlassung von „Euro-Eddy“ nie verstanden. Im Interview spricht der 45-Jährige über den Abstiegskampf, seine Zeit auf der Ostalb und darüber, dass „die Entwicklung in Aalen für Kenner nicht gerade überraschend kommt“.

Herr Schmitt, sind Sie nervös?
Schmitt: Nein, warum?
Weil Sie in wenigen Tagen erstmals an Ihre alte Wirkungsstätte zurückkehren.
Natürlich freue ich mich, dass ich meine ehemaligen Spieler wiedersehe. Ich freue mich, Betreuer Günther Hammer und Masseur Achim Hägele zu treffen. Und all die anderen. Aber sonst ist es für mich ein Spiel wie jedes andere.
Es fällt schwer, das zu glauben.
Man muss in diesem Geschäft eine professionelle Einstellung leben und diese führt zu dem, was ich eben sagte. Meine Konzentration gilt nun den Stuttgarter Kickers, und insofern spielt es keine Rolle, gegen wen wir antreten.
Empfinden Sie Genugtuung, wenn Sie die Entwicklung beim VfR Aalen sehen?
Nein. Jürgen Kohler wünsche ich vielmehr eine gute Besserung. Und auch sonst empfinde ich keine Genugtuung. Der VfR Aalen war meine erste Trainerstation, es war eine sehr lehrreiche Zeit. Schließlich habe ich in den gut eineinhalb Jahren alles kennengelernt, was der Profifußball zu bieten hat. Sowohl Positives als auch Negatives.
Und Sie wurden zu einem Zeitpunkt freigestellt, als im Umfeld kaum einer damit gerechnet hat.
Vielen ist die Freistellung auch heute noch nicht ganz klar. Ich jedenfalls ging damit professionell um, wobei mir auch das spontane Interesse anderer Verein gut getan hat.
Ihnen wird vorgeworfen, Sie hätten die Mannschaft nicht ausreichend verstärkt. Haben Sie die Dritte Liga unterschätzt?
Das habe ich nicht. Ich hatte auch fast keine Möglichkeiten, die Mannschaft zu verstärken. Meine Vertragsverlängerung zog sich aus schwer nachvollziehbaren Gründen hin, es wurde erst Ende Mai verlängert. Danach hatten Geschäftsführer Martin Braun und ich nur noch ganz wenig Zeit zu handeln, und der Spielermarkt war fast ausverkauft. Zwischenzeitlich hatte das damalige Management mehrere Spieler (Pascal Bader, Anton Shynder, Mario Hohn – Anm. d. Red.) ohne mein Wissen verpflichtet. Das zur Verfügung stehende Geld war ausgegeben und mir völlig unbekannte Spieler ohne Rücksprache verpflichtet.
Warum haben Sie nicht früher mit der Suche nach neuen Spielern begonnen?
Man hätte bereits im Januar mit der Suche nach neuen Spielern beginnen müssen, aber da wusste ja keiner, wie es weitergeht. So zogen sich die Entscheidungen bis Ende Mai hin, vorher konnte ich nicht tätig werden. Die Konsequenzen habe ich bereits geschildert. Ich bin mir jedoch sicher: Wenn um meine Person eine frühzeitige Entscheidung getroffen worden wäre, würde der VfR Aalen heute in der 2. Bundesliga spielen.
Statt dessen steht am Samstag das Derby in der Dritten Liga an. Treffen da zwei Mannschaften aufeinander, die gegen den Abstieg spielen?
Wir kämpfen um den Klassenerhalt, und ich bin mir sicher, dass wir es schaffen. Wenn der VfR gegen uns verliert, steht auch er unten drin. Aber absteigen werden die Aalener voraussichtlich nicht. Dazu ist die Qualität im Kader viel zu hoch.
Der VfR Aalen schafft es auch nicht mehr, das Publikum zu begeistern.
Für Kenner ist das nicht besonders überraschend. Die Mannschaft war immer darauf eingestellt, attraktiven, erfolgreichen Fußball zu spielen. Und damit hat sie begeistert. Plötzlich soll nur noch die Null stehen. Eine solche Umstellung ist kaum zu schaffen. Sicher nicht ohne Verlust der Attraktivität. Und leider auch mit Einbußen beim Erfolg.
Wenn Sie den VfR Aalen und die Stuttgarter Kickers miteinander vergleichen. Wo sehen Sie die gravierendsten Unterschiede der beiden Vereine?
Die Kickers verfügen über Tradition, Herz und Leidenschaft. Und über professionelle Strukturen und begeisternde Persönlichkeiten in der Führungsriege. Beim VfR Aalen ist hingegen genügend Geld vorhanden. Sollen die beiden Vereine jemals fusionieren, dann wäre alles vorhanden … Dieser Scherz sei erlaubt.
Statt einer Zusammenarbeit kommt es am Samstag zum Duell. Rechnen Sie sich realistische Chancen auf einen Sieg aus?
Ja, denn wir haben oft genug bewiesen, dass wir gegen starke Gegner mithalten können. Viele Spiele standen bei uns auf des Messers Schneide. Nur sind sie nicht immer auf die richtige Seite gekippt.
Fehlt Ihrer Mannschaft die Qualität für die Dritte Liga?
Nein, auf keinen Fall. Wir sind individuell gut besetzt. Wir müssen uns im Kollektiv sukzessive verbessern. Ich bin zuversichtlich, denn meine Spieler sind willig und lernbereit. Nicht schlecht wäre, wenn wir noch ein, zwei Führungsspieler dazu bekommen könnten.
Werden Sie in der Winterpause neue Spieler dazu holen?
Wenn machbar, dann ja. Und zwar, um das Team zu verbessern und zu stabilisieren. Wir werden aber keinen Spieler aus dem Kader stoßen.
Stimmt es, dass Sie sich beim VfR Aalen bedienen werden?
Ähnliches habe ich auch schon gehört, aber mir fehlen die Offerten des VfR. Ich glaube aber nicht, dass Aalen Spieler an die Kickers abgibt.
Tatsache ist, dass der VfR einige Spieler los werden will.
Wenn dem so ist, sollte man mich kontaktieren.
Der Name Mischa Welm ist schon mehrfach gefallen.
Wenn der VfR Aalen Mischa los werden möchte und wir ein entsprechendes Signal erhalten, sind wir gesprächsbereit.
Sie haben wie der VfR Aalen zuletzt häufig unentschieden gespielt. Diese Remis bringen keinen weiter.
Uns bringen diese Unentschieden mehr vorwärts als die Aalener. Dort herrscht eine andere, öffentlich gemachte Erwartungshaltung. Und wir nehmen für uns in Anspruch, die besseren Spiele gemacht zu haben. Denken Sie nur an unsere Unentschieden gegen die spielstarken Mannschaften wie den FC Bayern II oder den VfB Stuttgart II. Letzteres wird bereits „historisches Derby“ genannt. Dies steht im Gegensatz zu den emotionslosen 0:0-Spielen.
Wie groß ist der Vorteil im Derby, dass Sie die Mannschaft des VfR Aalen in- und auswendig kennen?
Kenne ich die Mannschaft wirklich noch? Ich glaube aber zu wissen, was wir tun müssen.
Wo sehen Sie die Stärken beim VfR Aalen?
Vielleicht die Defensive. Obwohl die Anzahl der Gegentore auch gute Möglichkeiten aufzeigt.
Beim VfR Aalen und im Umfeld sind Sie noch immer sehr beliebt.
Es ist für mich eine Wertschätzung meiner Leistung und und meiner Fußball-Philosophie. Die Fans haben ein untrügliches Gespür für gut und schlecht. Insofern freut mich das nachhaltig positive Echo natürlich umso mehr.

© Schwäbische Post 27.11.2008

Presse zur Jahreshauptversammlung – VfB kommt zum Testspiel

Schwarze und rote Zahlen bei den Blauen

Die Kickers erzielen Gewinn, doch im Etat klafft ein Loch

STUTTGART. Die sportliche Situation des Fußballdrittligisten Stuttgarter Kickers ist unbefriedigend, besser sieht es wirtschaftlich aus: das abgelaufene Geschäftsjahr 2007/08 endet mit einem Gewinn von 330 000 Euro.

Von Joachim Klumpp

Die relativ harmonische Stimmung bei der Hauptversammlung der Stuttgarter Kickers ist gestern Abend nur einmal etwas getrübt worden: als das Logo des Lokalrivalen VfB auf der Leinwand auftauchte, da gab es vereinzelt doch Pfiffe. Dabei hätten die 190 anwesenden Mitglieder dankbar sein sollen. Denn der Fußball-Bundesligist wird am 25. März nächsten Jahres in Degerloch zu einem – schon lange angekündigten – Benefizspiel antreten, durch das wiederum die finanzielle Lage der Kickers verbessert würde. Das ganze soll das ADM-Gedenkjahr schmücken, das die Kickers 2009 anlässlich des fünften Todes- und 70. Geburtstages ihres Ehrenpräsidenten Axel Dünnwald-Metzler ins Leben gerufen haben. Als Krönung obendrauf gibt es noch die berechtigte Hoffnung, dass im Lauf des Jahres auch der FC Bayern München seine Visitenkarte bei den Blauen abgibt. Dafür wiederum gab es – Applaus.

Und nicht nur dafür. Denn nachdem die sportliche Situation des Tabellenvorletzten in der dritten Liga unbefriedigend ist, konnte sich zumindest das wirtschaftliche Ergebnis sehen lassen. Als der Schatzmeister Friedrich Kummer einen Gewinn (zum Stichtag 30. Juni) von exakt 330 396,60 Euro verkündete, brandete Beifall im Clubheim auf. „Im Wesentlichen ist das auf die neu gegründete Beteiligungsgesellschaft zurückzuführen“, erklärte Kummer. Die besteht aktuell ausschließlich aus fünf Mitgliedern von Präsidium und Aufsichtsrat und wurde in einer kritischen finanziellen Situation der Vorsaison ins Leben gerufen, um den Verein mit Darlehen und der Abtretung der Transfererlöse zu helfen, was sich mit 525 000 Euro niederschlägt. In der Bilanz ist dieses Geld Vereinsvermögen, so dass der Stand der Verbindlichkeiten von knapp einer Million Euro auf nunmehr 591 684,17 Euro zurückgegangen ist. Da nach wie vor die Rangrücktrittsdarlehen des Expräsidenten Hans Kullen sowie von Ursi Dünnwald-Metzler existieren, ist der Verein aber nicht überschuldet. „Unser Ziel ist es, die Entschuldung des Vereins weiter voran zu treiben“, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Lorz.

Trotz des guten Ergebnisses im Geschäftsjahr 2007/08 können die Kickers keine großen Sprünge machen, was vor allem die Transfermöglichkeiten in der Winterpause betrifft. Das liegt in erster Linie daran, dass der angesetzte Saisonetat von etwa drei Millionen Euro bei den Ausgaben übertroffen wird, was mehrere Gründe hat: zum Beispiel erhöhte Kosten im Ordnungs- und Sicherheitsdienst bei Risikospielen, eine Verdreifachung der Stadionmiete – und natürlich auch die Verpflichtung des holländischen Spielers Orlando Smeekes sowie der Trainerwechsel. Hochgerechnet zum Saisonende fehlen dem Club damit etwa 300 000 Euro in der Kasse.

Deshalb muss auf der einen Seite eisern gespart werden (etwa durch den Verzicht auf ein Trainingslager im Januar), auf der anderen aber weiter versucht werden, die Einnahmen zu erhöhen, vor allem durch zusätzliche Werbeaktivitäten. Das Paradebeispiel dafür ist die zweite Auflage der Kampagne „Believe-in-Blue“, bei der Fans im Internet einzelne Bausteine (zu je 18,99 Euro) erwerben können und wo innerhalb kurzer Zeit bisher knapp 15 000 Euro eingegangen sind. Damit aber nicht genug: bei der Mitgliederversammlung kamen ganz aktuell sogar noch einmal 10 000 Euro dazu. Was den Präsidenten Dirk Eichelbaum zu der spontanen Aussage veranlasste: „Wenn immer zehntausend Euro zusammenkommen, machen wir künftig jeden Tag eine Hauptversammlung.“

Neben der leidigen Stadionfrage, in der die Kickers heute Abend einen Termin beim Deutschen Fußball-Bund haben, um auszuloten, ob es aufgrund des aufgeschobenen Umbaus nochmals eine Ausnahmeregelung geben könnte, wurden auch die Rechte am Kickers-Logo angesprochen, die noch die ausgegliederten Handballer besitzen. „Die Gespräche über eine gemeinsame Nutzung stehen aber unmittelbar bevor“, so Eichelbaum.

Ganz so weit wollten die Vertreter der Handballer, die sich dezent im Hintergrund hielten, noch nicht gehen. Sie werden das ausgearbeitete Vertragswerk, das vorsieht, dass der Hauptverein auf die jährlichen 1500 Euro Lizenzgebühr verzichtet, noch juristisch prüfen lassen. Tenor: wir sind bereit für eine Einigung, aber die gibt es noch nicht. Vielleicht hilft in dieser brisanten Frage ja das gemeinsame sportliche Leid. Während die Fußballer Vorletzter in der Tabelle sind, belegen die Handballer den letzten Platz.

Stuttgarter Zeitung

Gewinn täuscht über Ernst der Lage

Kickers vermelden für Geschäftsjahr 2007/08 Bilanzplus von 330000 Euro

Stuttgart – Die Stuttgarter Kickers haben im abgelaufenen Geschäftsjahr Gewinn gemacht und ihre Schulden verringert. Diese positiven Aspekte bei der gestrigen Mitgliederversammlung ändern nichts daran: Die Finanzierung des laufenden Spielbetriebs bleibt ein Tanz auf der Rasierklinge.

VON JÜRGEN FREY

Ein Sieg in 16 Spielen, Platz 19. Was die Zahlen in der dritten Liga angeht, können die Kickers alles andere als zufrieden sein. Da war das Zahlenwerk, das die Chefetage im Vereinsheim präsentierte, erfreulicher. Das Präsidium verkündete für das Geschäftsjahr 2007/08 einen Gewinn in Höhe von 330 396,80 Euro. Entsprechend harmonisch verlief die Versammlung – die 190 Mitglieder entlasteten sowohl Präsidium als auch Aufsichtsrat. Das bilanzielle Plus ist auf zwei Faktoren zurückzuführen:

Die Transfereinnahmen stiegen gegenüber dem Vorjahr von 330 000 Euro auf 802 892 Euro. Hintergrund: Der Verein hat die Transferrechte an die Kickers Beteiligungs GmbH & Co. KG verkauft.

Die außerordentlichen Erträge stiegen von 22 767 Euro auf 303 721 Euro. Dies ist vor allem auf einen Forderungsverzicht von Ursi Dünnwald-Metzler zurückzuführen.

Unterm Strich verringerten sich die Schulden von 922 080 Euro auf 591 684 Euro.

Diese positive Tendenz ändert nichts an den Liquiditätsproblemen. Bis zum 30. Juni 2009 wird der Etat um 300 000 Euro überzogen. Gründe: der Trainerwechsel und die Verpflichtung von Orlando Smeekes. „Die Finanzierung des Spielbetriebs ist ein Tanz auf der Rasierklinge“, sagte Präsident Dirk Eichelbaum. Den Ernst der Lage bestätigte Präsidiumsmitglied Dieter Wahl: „Wegen der Finanzkrise beißt man bei Sponsoren auf Granit.“ Der Marketingexperte meldete auch Positives: Am 25. März 2009 kommt der VfB zum Freundschaftsspiel – jeder Euro in der klammen Kickers-Kasse zählt.

Stuttgarter Nachrichten

Zumindest finanziell auf einem guten Weg

Die Stuttgarter Kickers vermelden auf der Mitgliederversammlung einen satten Gewinn

Stuttgart – Sportlich läuft es schlecht, finanziell geht es aufwärts: Während Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers weiter im Tabellenkeller festhängt, vermeldete Präsident Dirk Eichelbaum gestern Abend bei der Mitgliederversammlung für die abgelaufene Spielzeit (Stichtag: 30. Juni) ein „Rekordergebnis“ – und damit einhergehend einen erheblichen Schuldenabbau.

Von Beate Wockenfuß

„Hinter uns liegt das Jahr der Katze. Wir haben sieben Leben gebraucht“, sagte Eichelbaum angesichts der äußerst knappen Qualifikation für die eingleisige dritte Liga. Dort befindet sich das Team aktuell auf dem vorletzten Platz. Wie schon im vergangenen Jahr, so war es auch diesmal in Degerloch: Mitten in den Wirren einer sportlichen Depression der „Blauen“ überraschten die Vereinsbosse die leidgeprüften Anhänger bei der Jahreshauptversammlung mit positiven Nachrichten. Die etwa 190 anwesenden Mitglieder staunten nicht schlecht, als das für Finanzen zuständige Präsidiumsmitglied Friedrich Kummer die Geschäftszahlen für die Saison 2007/2008 präsentierte und dabei mit einem deutlichen Jahresüberschuss aufwartete. 330 397 Euro beträgt der erwirtschaftete Gewinn in der abgelaufenen Spielzeit – das bedeutet eine Steigerung um stattliche 139 Prozent gegenüber 2006/2007 (138 130 Euro). Schon damals hatte sich der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.Zurückzuführen ist das neuerliche Plus auf die Anfang des Jahres gegründete Beteiligungs GmbH & Co. KG, an die der Verein seine Transferrechte verkauft hat. Damit sind die Kickers auf ihrem Weg aus den Schulden wieder ein großes Stück vorangekommen. 591 684 Euro gilt es jetzt „nur“ noch zu tilgen. Dazu gehört unter anderem das Darlehen von Ex-Präsident Hans Kullen. Über die Rückzahlung hatten sich der Verein und Eichelbaums Vorgänger nach monatelangem Streit erst Anfang Juli und damit nach dem Bilanz-Stichtag außergerichtlich geeinigt. Demnach soll über die kommenden acht Jahre hinweg eine nicht genannte Summe an Kullen gezahlt werden.Der ehemalige Präsident spielte bei der gestrigen Versammlung noch bei einem anderen Tagesordnungspunkt eine Rolle. Denn die Entlastung des alten Vorstands war im vergangenen Jahr wegen der unklaren juristischen Situation auf dieses Jahr verschoben worden. Diesmal ging die Entlastung ohne Diskussionen durch – ebenso für das aktuelle Präsidium.

2,86 Millionen Euro Ausgaben

Das lag vor allem an den positiven Zahlen: Insgesamt nahm der Verein in der vergangenen Spielzeit 2,93 Millionen Euro ein, das sind 105 834 Euro weniger als 2006/2007. Am deutlichsten sanken die Einnahmen im Bereich Spielbetrieb (minus 219 620 Euro), was an der verpassten Teilnahme am DFB-Pokal lag. Dieselbe Ursache hat der Rückgang im Bereich Fernsehen und Hörfunk (minus 207 540 Euro). Die Ausgaben auf der Waldau beliefen sich auf 2,86 Millionen Euro, das sind 42 961 Euro weniger als 2006/2007.

Das kommende Jahr wird bei den Kickers ganz im Gedenken an den im Jahr 2004 verstorbenen langjährigen Präsidenten Axel Dünnwald-Metzler stehen. Im Rahmen des „ADM-Gedenkjahres“ sind unter anderem zwei Freundschaftsspiele geplant. Bundesligist VfB Stuttgart gastiert am 25. März im Gazi-Stadion. Der FC Bayern hat ebenfalls für ein Spiel zugesagt, ein Termin steht jedoch noch nicht fest. Auch das bringt dem nach wie vor klammen Verein wertvolle Einnahmen.

Eßlinger Zeitung

Mitgliederversammlung: Streitobjekt Kickers-Emblem

Stuttgart – Die Tagesordnung für die Mitgliederversammlung der Stuttgarter Kickers am Mittwoch, 26. November (19 Uhr/Vereinsheim), wurde auf Antrag eines Mitglieds kurzfristig um einen Punkt ergänzt: Dabei geht es um die Rechte am Vereinsemblem.

Für Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum wäre es „die totale Schande“. Eine Posse und Blamage wäre es auf jeden Fall – wenn der SV Stuttgarter Kickers und der HV Stuttgarter Kickers sich vor Gericht um die Rechte am Logo streiten würden. Dieses Szenario war bis zum gestrigen Dienstag zwar immer noch nicht völlig auszuschließen, doch eine Einigung zwischen beiden Parteien ist die wahrscheinlichere Variante.

Der Reihe nach. In der Ära Hans Kullen entschied das Präsidium der Blauen mehrheitlich, die Rechte am Kickers-K beim Patent- und Markenamt für die nächsten zehn Jahre nicht zu verlängern. Der Club ging davon aus, auch so über den vollen Markenschutz zu verfügen, und sparte dadurch etwa 4500 Euro.

Jürgen Hollenbach, der Präsident des Handballvereins Stuttgarter Kickers, bekam davon Wind und sicherte sich die Rechte. Im September 2007 erhielt er die Urkunde zugestellt. Hollenbach stellte dies als reine Sicherheitsmaßnahme für die Kickers als Gesamtes dar: „Der Club muss froh sein, dass wir die Rechte haben, auch Markenpiraten hätte sie sich sichern können.“

Es vergingen Wochen und Monate, bis sich die beiden Lager aufeinander zubewegten. Am 13. November beschloss das Präsidium um Chef Eichelbaum, dem Vergleichsvorschlag des HV nach einer gemeinsamen Logo-Nutzung zuzustimmen. Knackpunkt dabei: Die Handballer müssen künftig nicht mehr die Lizenzgebühr von etwa 1500 Euro pro Jahr an den SV überweisen.

Dieser Betrag war nach der Ausgliederung der Handballer 2004 aus dem Hauptverein für die Nutzung des Schriftzuges und des Logos Stuttgarter Kickers vereinbart worden. Eigentlich wäre jetzt alles klar. Und die Blauen wollten mit aller Macht die Kuh vom Eis haben – und zwar vor der Mitgliederversammlung.

Doch Handballchef Hollenbach geht das alles zu schnell: „Unser Fachanwalt muss den Vertragsentwurf noch prüfen, dann müssen ihn meine Vorstandskollegen absegnen.“ In zehn Tagen soll alles klar sein. Dann endlich könnten die Kickers dieses unrühmliche Kapitel endlich schließen.

Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

Presse zur anstehenden Jahreshauptversammlung

„Die Konsolidierung des Vereins ist eine Herkulesaufgabe“

Interview mit dem Kickers-Präsidenten Dirk Eichelbaum zur wirtschaftlichen Situation des Fußballdrittligisten, dem verschobenen Stadionumbau und den Fernsehgeldern

Morgen steht die Hauptversammlung des Drittligisten Stuttgarter Kickers auf dem Programm. Während es sportlich beim Tabellenvorletzten nicht rund läuft, weist die Bilanz einen Gewinn von rund 170 000 Euro aus. Dennoch sagt der Präsident Dirk Eichelbaum im Gespräch mit Joachim Klumpp: „Wir brauchen aus den Fernsehgeldern mindestens einen siebenstelligen Betrag.“

Herr Eichelbaum, vor der letzten Hauptversammlung war die Rede von einem Investor für die Kickers. Wird der nun morgen aus dem Hut gezaubert oder ist das Thema abgehakt?

Das kommt darauf an, wie man das Thema angeht. Wir haben ja einen Investor, in Form einer Beteiligungsgesellschaft, die an den Spielerwerten partizipiert. Aber das Thema externer Investor steht aktuell nicht auf der Agenda. Und ich möchte auch nicht, dass es in Richtung Traumtänzerei gerückt wird.

Das bedeutet, die Kickers müssen vorerst mit einem Etat zwischen drei und dreieinhalb Millionen Euro pro Saison auskommen. Ist das machbar?

Das ist jedes Jahr aufs Neue sehr schwierig, weil alles auf Kante genäht ist und nirgends etwas dazwischenkommen darf.

Also keine zusätzlichen Kosten – wie ein Trainerwechsel?

Zum Beispiel.

Edgar Schmitt ist nun bereits der dritte Trainer innerhalb eines Jahres. Was macht Sie so sicher, dass es diesmal auf längere Sicht die richtige Wahl ist?

Weil er Begeisterung in der Mannschaft weckt – und das auch vorlebt. Und er es schafft, die Spieler so zu motivieren, dass sie wieder an ihre Stärken glauben. Und ich ganz sicher bin, dass wir, wenn die Saison zu Ende ist, mindestens drei Mannschaften hinter uns lassen.

Der Trainer hat den Wunsch geäußert, im Winter Verstärkung zu bekommen. Kann er das Präsidium motivieren, diesen zu erfüllen?

Wir haben das sehr wohl vernommen und werden sehen, ob das möglich ist. Aber versprechen kann ich das heute nicht. Das hängt von den Rahmendaten ab, wie sich wer noch engagieren möchte. Und ob wir eventuell Abgänge haben. Das planen wir zwar nicht, aber wir sind natürlich gesprächsbereit, wenn sich ein Spieler verändern möchte.

Beim Stichwort Engagement fällt uns der Vertrag mit der Agentur Event Sport Marketing in Leonberg ein. Da hört man wenig Erfolgsmeldungen. Warum?

Das läuft sicher für beide Seiten nicht zufriedenstellend. Aber auch da muss man die weitere Saison abwarten. Unsere Marketingeinnahmen insgesamt haben wir gesteigert, damit sind wir sehr zufrieden.

Weniger zufriedenstellend ist der Stadionumbau, der zunächst um zwei Jahre aufgeschoben wurde. Inwieweit belastet das die Planungen der Kickers?

Um es klar zu sagen: das belastet uns sehr, weil wir – Stand heute – für die nächste Saison in der dritten Liga keine geeignete Spielstätte haben. Und der DFB wird sicher nicht im Vorbeigehen sagen: dann spielt ihr halt so weiter.

Die Alternative wäre ja nur Mercedes-Benz-Arena, Reutlingen – oder?

Die Alternative wäre im Endeffekt, gar nicht für die dritte Liga zu melden, aber das kann“s ja wohl nicht sein. Deshalb wird es am Donnerstag ein Gespräch mit den Entscheidungsträgern des DFB geben. Wir müssen Klarheit haben, ob wir nochmal eine Ausnahmegenehmigung bekommen. Und zwar nicht erst im März, April – sondern zeitnah.

Wird auf der Hauptversammlung der alte und neue Vorstand komplett entlastet, also inklusive des Expräsidenten Hans Kullen, der gegen Jena auf der Tribüne saß?

Das hoffe ich und wünsche ich mir – und ich wüsste auch nicht, was dagegen spricht.

Sind denn beim Thema Satzungsänderung größere Änderungen zu erwarten?

Wir haben Satzungsänderungen vorbereitet, aber das sind eher Feinheiten, keine drastischen Dinge, wie eine Reduzierung des Aufsichtsrats. Und es gibt Anträge, die eher im weltanschaulichen Bereich liegen, von denen ich der Meinung bin, dass sie unsere Satzung schon hergibt.

Der Vertrag mit dem Hauptsponsor ist bereits verlängert worden, für die dritte Liga. Trotzdem gibt immer wieder Stimmen, die sagen, es ist zu wenig Geld.

Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Wir hatten eine klare Zielvorgabe, die haben wir erreicht, und es ist eine faire Lösung für beide Seiten. Der Hauptsponsor hat einen erstklassigen Vermarktungsbereich, weil vor allem der TV-Sektor über den Erwartungen liegt. Wir haben regelmäßig Sendezeiten zwischen 18 und 18.30 Uhr bei vier Millionen Menschen, mit einem Kernbereich der männlichen Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahre.

Wären die jetzt angekündigten gut 200 000 Euro Mehreinnahmen pro Saison aus dem Fernsehvertrag eine Summe, bei der Sie sagen: damit können wir leben?

Es ist immer noch weit von dem entfernt, was ich für angemessen halte. Vor allem, wenn man die Sendezeiten im dritten Programm, aber erst recht in der ARD sieht. Das einzige, wo wir keine größere Verbreitung haben, ist das ZDF. Mit 500 000, 600 000 oder auch 800 000 Euro ist das nicht gerecht honoriert; es müsste zumindest eine siebenstellige Summe sein.

Zumal der Forderungskatalog des DFB, zum Beispiel in Sachen Stadion, schon sehr nahe an der zweiten Liga ist.

Und der nächste Punkt ist die Jugendarbeit, wo Professionalisierung gefordert wird. Aber wenn ich Professionalisierung fordere, dann muss ich sehen, dass es Geld kostet, und zwar massiv Geld.

Wie weit ist man in Sachen des von 2010/11 an geforderten Jugendinternats?

Wir arbeiten daran. Wir sind zwar aus der A- und B-Junioren-Bundesliga abgestiegen, aber da wollen wir auf Sicht natürlich wieder hin. Nur konkurrieren wir dann mit Mannschaften, die einen Jugendetat haben, wie wir einen Gesamtetat.

Und wie sieht es mit dem Jugendkoordinator Zoltan Sebescen aus, um dessen Aufgaben es immer mal wieder Diskussionen gegeben hat?

Er hat uns davon in Kenntnis gesetzt, dass er sich in absehbarer Zeit beruflich verändern will. Deshalb muss man hier abwarten.

Auch wenn aktuell keine Neuwahlen anstehen: wie lange wollen Sie noch den Job des ehrenamtlichen Präsidenten der Stuttgarter Kickers machen?

Wenn“s jemand anders machen möchte und mit großem finanziellen Engagement an die Sache geht, dann bin ich auch bereit, das Amt außerplanmäßig abzugeben. Ansonsten ist es einfach so, dass wir uns vorgegeben haben, in einer Art Schicksalsgemeinschaft mit dem Aufsichtsrat, die Konsolidierung des Vereins voranzutreiben. Das ist eine Herkulesaufgabe. Was die Altverbindlichkeiten angeht, haben wir große Erfolge erreicht. Allerdings ist es sehr schwierig, das Ganze mit einem wirtschaftlich einträglichen Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten.

Insofern wäre ein Weiterkommen im WFV-Pokal sicher hilfreich gewesen?

Vielleicht schafft es ja unsere zweite Mannschaft – die noch im laufenden Wettbewerb vertreten ist.

Stuttgarter Zeitung

Kickers-Präsident Eichelbaum im Interview

„Die Not schweißt zusammen“

Stuttgart – Die sportliche Situation beim Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers ist prekär, die Finanzlage wie immer angespannt. Dennoch blickt Präsident Dirk Eichelbaum der Mitgliederversammlung am Mittwoch, 26. November (19 Uhr/Kickers-Vereinsheim), gelassen entgegen.

Herr Eichelbaum, die Steilvorlage der Mannschaft für die Mitgliederversammlung blieb aus. Wie sehr tut das 0:3 gegen Jena weh?

Dieses Spiel ging leider total in die Hose. Und der Zeitpunkt der Niederlage war der denkbar ungünstigste.

Erwarten Sie eine turbulente Versammlung?

Nein, ich sehe dafür keine Ansatzpunkte. Die Mannschaft befindet sich nach dem Trainerwechsel, trotz des Rückschlags, auf einem guten Weg. Und finanziell können wir für das Geschäftsjahr 2007/08 einen Gewinn vermelden.

Sind Sie stolz auf diese 170.000 Euro?

Stolz nicht, da dieser Gewinn auf einen Sondereffekt zurückzuführen ist – die Einführung der Beteiligungs GmbH & Co. KG. Dies lässt sich nicht beliebig wiederholen.

Also droht in der einnahmefreien Winterpause wieder ein Liquiditätsengpass?

Derzeit nicht, aber wir haben einen auf der Kante genähten Etat und müssen ständig versuchen, neue Sponsoren zu generieren.

Stimmt es, dass Ex-Präsidiumsmitglied Walter Kelsch sein Darlehen in Höhe von 50.000 Euro zum 31. Januar 2009 gekündigt hat?

Das ist leider richtig. Wir wundern uns nur, weil er vor einem Jahr der Initiator dafür war, dass die Gremiumsmitglieder den Verein finanziell unterstützen.

Besteht denn in Anbetracht der angespannten Finanzlage überhaupt die Chance auf Verstärkungen in der Winterpause?

Ohne Spielerabgänge oder Sponsoren geht absolut nichts. Was mich allerdings optimistisch stimmt: Bisher hat sich bei den Blauen diesbezüglich immer etwas getan.

Der drohende sportliche und finanzielle Exitus ist ein ständiger Begleiter der Kickers. Worin liegt für Sie eigentlich der Reiz, das Präsidentenamt auszuüben?

Der Reiz war von Anfang an, einen als unsanierbar geltenden Club doch zu sanieren. Was die Altverbindlichkeiten betrifft, ist uns das gut gelungen. Die Not schweißt zusammen, wir in der Führungsetage verstehen uns als Schicksalsgemeinschaft.

Die bei einem sportlichen Abstieg am Saisonende das Ende der Kickers verkündet?

Nicht zwingend das Ende des Vereins, aber das Ende professioneller Strukturen. Wir könnten dann mit einer verstärkten Amateurmannschaft im ADM-Sportpark spielen – und ich sehe schon die Schlagzeilen: Gipfel der Schande – Ex-Bundesligist in der Regionalliga. Aber so weit wird es nicht kommen.

Wie groß sind Ihre Sorgen, dass Ihnen die Stadt wegen der aufgeschobenen Stadionmodernisierung einen Strich durch die Rechnung macht?

Sehr groß. Stand heute hätten wir keine Spielstätte für die nächste Saison. Was mir nicht in den Kopf will, ist die Argumentation der Stadt, die unsere Situation mit der in Aue, Emden und Regensburg vergleicht. Dabei müsste für Stuttgart Frankfurt der Maßstab sein. Und dort bekommt der FSV ein Stadion für 16 bis 17 Millionen Euro.

Die Sicherheitsauflagen sollen aber doch sofort erfüllt werden – reicht dies dem DFB nicht für die Lizenzerteilung?

Wenn das so wäre, möchte ich das schriftlich.

Haben Sie für sich entschieden, wie lange Sie Präsident bleiben möchten?

Axel Dünnwald-Metzler hat auf die Frage, wie man Millionär wird, mal gesagt: Man muss als Multimillionär Kickers-Präsident werden. Ich will zeigen, dass es auch anders geht und möchte den Club komplett sanieren. Wenn das Amt danach jemand anderer ausüben möchte, gebe ich es gerne ab.

Jürgen Frey, Gunter Barner

Stuttgarter Nachrichten

Kickers melden 170000 Euro Gewinn

Stuttgart (jüf) – Sportlich gab es gegen Jena einen Rückschlag, finanziell werden die Stuttgarter Kickers bei der Hauptversammlung am Mittwoch (19 Uhr/Kickers-Vereinsheim) für das abgelaufene Geschäftsjahr in ihrer Bilanz einen Gewinn in Höhe von 170 000 Euro vermelden. Dies hängt vor allem mit der Anfang 2008 gegründeten Beteiligungsgesellschaft zusammen. Neuwahlen stehen nicht auf dem Programm.

Stuttgarter Nachrichten

Presse zu Stuttgarter Kickers – Carl Zeiss Jena

Den Kickers fehlt die Konstanz

Bei der 0:3-Niederlage gegen Jena geht nach der Pause die Ordnung im Mittelfeld völlig verloren

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers haben unter Edgar Schmitt ihre erste Heimniederlage in der dritten Liga kassiert. „Ein herber Rückschlag“, sagte der Manager Joachim Cast nach dem 0:3 (0:0) gegen Carl Zeiss Jena.

Von Joachim Klumpp

Jenas Trainer hatte seiner Mannschaft in der Besprechung vor dem Spiel eine Aussage des Kickers-Kollegen Edgar Schmitt mitgebracht, der da betonte: „Das Stadion muss unseres bleiben.“ Daran wollte der Gast auch gar nicht rütteln, genauso wenig wie seine 700 friedlichen Fans. „Wir wollten das Stadion nicht mitnehmen, wir haben selbst ein schönes“, sagte der Holländer Rene van Eck, und fügte hinzu: „Aber wir wollten die Punkte.“

Und das ist dem Zweitligaabsteiger schließlich gelungen, wenngleich das 3:0 auf dem Papier über den wahren Spielverlauf auf dem Platz hinwegtäuscht. Während die vier Punkte der Kickers in den beiden letzten Spielen gegen Dresden und in Braunschweig teilweise etwas glücklich zustande kamen, lag der Fall am Samstag anders. Die Kickers dominierten die Partie scheinbar souverän. „Wenn wir in Führung gehen, läuft das Spiel anders“, sagte der Stürmer Michael Schürg, der vor der Pause die beiden besten Möglichkeiten vergab, wobei einmal ebenso der Pfosten im Weg stand wie bei Marcel Rapps Versuch unmittelbar nach der Pause.

Nach dem 1:0 der Gäste, als Rene Eckardt die Einladung der gesamten Kickers-Abwehr zum Torschuss dankend annahm, zeigte sich aber, dass die Mannschaft noch lange nicht so gefestigt ist, um kompakt über die gesamten 90 Minuten aufzutreten. „Die Spieler waren einfach geschockt“, sagte Schmitt. Das Fehlen des verletzten Kapitäns Alexander Rosen mag dafür eine Erklärung, aber längst keine Entschuldigung sein. Als dann allerdings auch noch Benedikt Deigendesch mit Schwindelgefühlen ausschied, war keiner mehr vorhanden, der für die Ordnung im Mittelfeld sorgte, zumal Bashiru Gambo nach der Pause untertauchte und auch das Auswechselkontingent (mit der totalen Offensive durch Tucci und Smeekes) bereits relativ frühzeitig erschöpft war. Jena dagegen zog in dem Malteser Andre Schembri und vor allem dem Italiener Salvatore Amirate noch zwei Trümpfe aus dem Ärmel – und erzielte zwei weitere Tore. „Ihr Konzept ging auf“, musste selbst Edgar Schmitt zugeben.

Das der Kickers nicht. „Wir sind aus der Pause gekommen und wollten gewinnen“, sagte Schürg. Vielleicht war die Mannschaft in diesem Fall etwas zu sicher, denn bis dato deutete auf den schwierigen Bodenverhältnissen nichts darauf hin, dass die schwachen Thüringer drei Punkte entführen. Insgesamt fällt aber auf, dass die Leistungsschwankungen der Kickers einfach zu groß sind. Nach einer starken Hälfte in Offenbach brach die Mannschaft nach der Pause und dem ersten Gegentor ein; in Braunschweig hatte sie bis zur Halbzeit mehrere brenzlige Situationen zu überstehen, um danach eine ordentliche Leistung abzuliefern; gegen Berlin rüttelte erst ein 0:2 die Kickers auf; und davor lagen noch die Spiele mit Drei-Tore-Führungen und -Rückständen gegen die zweiten Mannschaften der Bayern und des VfB, die allesamt Remis endeten.

Es ist ein Wechselbad der Gefühle, das bis zum Saisonende so weitergehen könnte. Ob beziehungsweise inwieweit die Mannschaft in der Winterpause verstärkt werden kann („prinzipiell haben wir einen kleinen Kader“, so der Manager Cast), wird die wirtschaftliche Situation mit entscheiden.

Doch bis dahin stehen noch vier Spiele an. Während Schürg sagte: „Ich denke nicht, dass uns das Ergebnis groß zurückwirft“, sagte Cast: „Das war ein herber Rückschlag.“ Und das ausgerechnet vor der Hauptversammlung am Mittwochabend, auf der der Verein wirtschaftlich zwar schwarze Zahlen vorlegen kann, aber sportlich in dieser Saison eine negative Bilanz aufweist.

Stuttgarter Kickers: Salz – Reiß, Ortlieb, Rapp, Härter – Traut, Deigendesch (55. Prediger), Gambo, Landeka (63. Smeekes) – Schürg, Vaccaro (63. Tucci).

Carl Zeiss Jena: Nulle – Wallschläger, Robert Müller, Wuttke (46. Schembri), Ralf Schmidt – Riemer – Sträßer (87. Eggemann), Eckardt, Hansen, Nils Petersen (76. Amirante) – Hähnge.

Stuttgarter Zeitung

Schmitt ruft zur Ordnung

Unsortierte Kickers brechen gegen Jena nach guten 60 Minuten ein – Kehrt Oliver Barth zurück?

Stuttgart – Lange Zeit haben sie sehr passabel gespielt. Doch ein Gegentor reichte, um Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers beim 0:3 (0:0) gegen Carl Zeiss Jena völlig aus der Bahn zu werfen. „Ich bin doch kein Zauberer“, sagte Trainer Edgar Schmitt.

VON JÜRGEN FREY

Der Pechvogel des Tages saß nach dem Abpfiff enttäuscht auf dem schneebedeckten Rasen. Immer wieder schüttelte Michael Schürg den Kopf. Dann raffte sich der Stürmer auf, trabte mit gesenktem Kopf Richtung Kabine und murmelte: „Das war heute einfach nur Pech.“ Richtig stark hatte der 24-Jährige vor der Pause aufgetrumpft – nur eben das Entscheidende verpasst: mindestens ein Tor zu erzielen. In der 32. Minute war bei seinem abgefälschten Schuss der Pfosten im Weg, zwei Minuten später fand Schürg frei stehend vor Carsten Nulle in Jenas Keeper seinen Meister. Da auch Kickers-Innenverteidiger Marcel Rapp in der 50. Minute nur den Innenpfosten traf und Jena bis dahin keine einzige Torchance hatte, kam Schürg die Vokabel Pech nicht zu Unrecht über die Lippen. Aber die Blauen sind gut beraten, die achte Saisonniederlage tiefgreifender zu analysieren.

Die fehlende Ordnung: Benedikt Deigendesch hatte eine sehr solide Vorstellung vor der Abwehr gezeigt. Mit seiner Auswechslung wegen Schwindelgefühlen (55.) nahm das Unheil seinen Lauf. Das erste Gegentor (68.) warf die Blauen dann total aus der Bahn. Jegliche Stabilität und Ordnung ging verloren. Die Spieler hielten nicht mehr ihre Positionen. Viel zu unentschlossen und ohne Aggressivität gingen sie in die Zweikämpfe. Aufbäumen? Fehlanzeige. „Die Mannschaft war plötzlich wie gelähmt und stand unter einem kollektiven Schock“, stellte Schmitt fest. Wie er die Probleme lösen will? Vor allem mit viel Arbeit. „Ich werde mit intensiven Übungen den Jungs beibringen, künftig die Ordnung zu halten“, erklärte der Coach, „wenn es sein muss, werde ich im Training Felder auf den Rasen zeichnen.“

Der fehlende Leitwolf: In der kritischen Phase war weit und breit kein Spieler zu sehen, der das Team aufrüttelte. „Ich habe zu wenige in der Mannschaft, die richtig dazwischenhauen“, hat auch Schmitt erkannt. Es allein auf das Fehlen des verletzten Kapitäns Alexander Rosen zurückzuführen, wäre ein Armutszeugnis. Auch von erfahrenen Kräften wie Bashiru Gambo und dem derzeit indisponierten Angelo Vaccaro müssen weitaus mehr Impulse ausgehen. Ansonsten werden die Blauen den Weg aus dem Keller nicht schaffen.

Vier Spiele stehen vor der Winterpause noch auf dem Programm: Am kommenden Samstag (14 Uhr) beim VfR Aalen, zu Hause gegen Werder Bremen II (7. Dezember), beim SC Paderborn (13. Dezember) und daheim gegen Wacker Burghausen (20. Dezember) geht es darum, den Anschluss ans rettende Ufer nicht zu verlieren. Danach könnte es zu Veränderungen im Kader kommen. Die Namen Mischa Welm, Thorsten Traub (beide VfR Aalen), Thomas Scheuring (zuletzt Omonia Nikosia) und vor allem Oliver Barth (SC Freiburg) machen die Runde. Schmitt sagt dazu nur so viel: „Alle meine aktuellen Spieler sind willig, aber Fußball ist auch ein Strategiespiel – und ich bin kein Zauberer.“

Stuttgarter Nachrichten

Pfosten und Kopf stehen im Weg

Drittligist Stuttgarter Kickers bricht nach dem 0:1 ein und verliert gegen den FC Carl Zeiss Jena mit 0:3

Von Andreas Müller

Stuttgart – Es geht immer noch ein bisschen schlechter: Die Stuttgarter Kickers haben im Kampf um den Klassenverbleib einen großen Rückschlag erlitten. Die 0:3 (0:0)-Niederlage gegen den FC Carl Zeiss Jena hat deutlich gemacht, dass der Fußball-Drittligist keine Mannschaft besitzt, die mental in der Lage ist, Unvorhersehbares wegzustecken. Die 3440 Fans, sofern sie mit den Kickers sympathisierten, hatten sich nach den ersten 45 Minuten auf dem schneebedeckten Rasen im Gazi-Stadion einigermaßen zufrieden auf den Weg zum Stand mit Bier und Roter Wurst gemacht. Die „Blauen“ waren die aktivere Mannschaft und ließen mit über weite Strecken gut angelegtem Kurzpassspiel den eher mit einfachen spielerischen Mitteln ausgestatteten Gast aus Jena keine Entfaltungsmöglichkeiten. Pech nur, dass die Kickers das Tor nicht trafen. Michael Schürg (32.) scheiterte am Pfosten und an Torhüter Carsten Nulle (35.). Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Mannschaft von Trainer Edgar Schmitt in Führung gehen würde. Die Überlegenheit wurde mit einem erneuten Pfostentreffer von Marcel Rapp (49.) untermauert. Doch mit einer einzigen Szene brach Jena den Bann und rief bei den Stuttgartern Chaos hervor. Der Führungstreffer von René Eckardt (69.) raubte den „Blauen“ das Selbstvertrauen. Schmitt sprach von einem Schock, Manager Joachim Cast stellte fest: „Danach waren wir wie gelähmt.“ Dass Eckardt nahezu ohne Gegenwehr von vier Stuttgartern aus 16 Metern abschließen durfte „war auch keine Meisterleistung der Abwehr“ (Schmitt).

Schock, Lähmung und ein Kopf, der vor Selbstzweifeln zu platzen schien. Die Serie von vier Spielen ohne Niederlage hat keinerlei positive Auswirkungen auf das strapazierte Nervenkostüm gezeigt. Die Mannschaft ist nach wie vor völlig verunsichert und schafft es nicht, nach einem Rückstand die klassischen Tugenden im Kampf um den Klassenverbleib abzurufen. Verbissenheit und Einsatzbereitschaft tendierten nach dem Rückstand gegen Null. Ob der verletzte Kapitän Alexander Rosen in dieser Phase das kollektive Versagen verhindert hätte, ist eine von vielen Fragen, die unbeantwortet bleiben werden.

Jena bekam nach der Führung das Spiel immer besser in den Griff und wurde in der 82. Minute belohnt. Nach einer Flanke des eingewechselten Salvatore Amirante rutschte Thorsten Reiß so unglücklich in die Hereingabe, dass der Ball ins eigene Tor kullerte. Danach kam es an der Seitenlinie zu einer Art Vollversammlung von fünf Stuttgartern, die den Trainer um Rat fragten. Was sollen wir tun? Doch zu diesem Zeitpunkt wusste auch Schmitt nicht mehr weiter, das Spiel war längst gelaufen. Das 3:0 durch Amirante (90.+2) entsprang einem Konter, weil die Kickers alles nach vorne warfen. Wie es weitergeht? „Wir fahren nach Aalen und geben dort richtig Gas“, erklärte Schmitt. Was sollte er auch sonst sagen?

Eßlinger Zeitung

Kickers kassieren nach vier unbesiegten Spielen wieder eine Niederlage
Eckardt stellt Partie auf den Kopf

Carl Zeiss Jena hat gegen die Stuttgarter Kickers glücklich drei Punkte aus Degerloch entführt. Die Hausherren waren bis zum ersten Gegentor von Eckardt spielbestimmend und hatten bei zwei Pfostentreffern Pech. Carl Zeiss zeigte sich nach der eigenen Führung eiskalt und verwertete seine Torgelegenheiten gegen konsternierte Kickers konsequent.

Kickers-Trainer Edgar Schmitt nahm im Vergleich zum 1:1 in Braunschweig vier Änderungen an seiner Startformation vor: Rapp ersetzte den rot-gesperrten Mann in der Innenverteidigung der Schwaben. Deigendesch agierte für den verletzten Kapitän Rosen im defensiven Mittelfeld. Landeka kam für Kettemann und im Angriff ersetzte Schürg den Niederländer Smeekes.

Carl-Zeiss-Coach René van Eck baute seine Anfangself nach der 2:4-Heimpleite gegen den SC Paderborn auf einer Position um: Petersen ersetzte Schembri im Mittelfeld der Jenaer.

Beide Mannschaften fanden im Gazi-Stadion nur schleppend in die Begegnung. Gleichwohl waren es die feldüberlegenen Gastgeber, die sich im weiteren Verlauf deutlich mehr Spielanteile erarbeiteten, ohne allerdings größere Torgefahr vor dem Kasten von Jena-Keeper Nulle herauf zu beschwören. Carl Zeiss fand in der ersten Halbzeit in der Vorwärtsbewegung nicht statt. In der letzten Viertelstunde des ersten Durchgangs entwickelte sich dann ein Privatduell zwischen Kickers-Angreifer Schürg und Carl Zeiss Torhüter: Der Torschützenkönig der abgelaufenen Oberliga-Saison scheiterte in der 34. Minute an Pfosten und Nulle und danach noch zweimal am Keeper der Thüringer (35. und 42.).

Auch nach Wiederanpfiff waren die gastgebenden „Blauen“ deutlich präsenter. In der 53. Minute hatte die Schmitt-Elf bei einem weiteren Aluminium-Treffer Pech, als ein Rapp-Schuss nach Vorarbeit von Traut nur an den Pfosten des Gästegehäuses klatschte. In der 69. Minute stellte dann Eckhardt mit einem Schuss aus 12 Metern, der in den Maschen des Stuttgarter Tores landete, den Spielverlauf auf den Kopf. Die Schmitt-Schützlinge waren nun geschockt und hätten bei Chancen von Hähnge (74.) und dem eingewechselten Amirante (78.) um ein Haar das zweite Gegentor kassiert.

Dieses fiel dann auch in der 82. Spielminute, als Kickers-Außenverteidiger Reiß das Leder nach scharfer Hereingabe von Amirante ins eigene Tor lenkte. Gegen konsternierte Schwaben erhöhte Amirante im Konter sogar noch auf 3:0 für das im Abschluss in der zweiten Hälfte äußerst effektive Van-Eck-Team.

Die Stuttgarter Kickers treten am kommenden Samstag in einem schwäbischen Derby beim VfR Aalen an. Carl Zeiss Jena empfängt am gleichen Tag Fortuna Düsseldorf auf dem heimischen Ernst-Abbe-Sportfeld.

Kicker

Kickers kassieren nach vier unbesiegten Spielen wieder eine Niederlage

Eckardt stellt Partie auf den Kopf

Carl Zeiss Jena hat gegen die Stuttgarter Kickers glücklich drei Punkte aus Degerloch entführt. Die Hausherren waren bis zum ersten Gegentor von Eckardt spielbestimmend und hatten bei zwei Pfostentreffern Pech. Carl Zeiss zeigte sich nach der eigenen Führung eiskalt und verwertete seine Torgelegenheiten gegen konsternierte Kickers konsequent.

Kickers-Trainer Edgar Schmitt nahm im Vergleich zum 1:1 in Braunschweig vier Änderungen an seiner Startformation vor: Rapp ersetzte den rot-gesperrten Mann in der Innenverteidigung der Schwaben. Deigendesch agierte für den verletzten Kapitän Rosen im defensiven Mittelfeld. Landeka kam für Kettemann und im Angriff ersetzte Schürg den Niederländer Smeekes.

Carl-Zeiss-Coach René van Eck baute seine Anfangself nach der 2:4-Heimpleite gegen den SC Paderborn auf einer Position um: Petersen ersetzte Schembri im Mittelfeld der Jenaer.

Beide Mannschaften fanden im Gazi-Stadion nur schleppend in die Begegnung. Gleichwohl waren es die feldüberlegenen Gastgeber, die sich im weiteren Verlauf deutlich mehr Spielanteile erarbeiteten, ohne allerdings größere Torgefahr vor dem Kasten von Jena-Keeper Nulle herauf zu beschwören. Carl Zeiss fand in der ersten Halbzeit in der Vorwärtsbewegung nicht statt. In der letzten Viertelstunde des ersten Durchgangs entwickelte sich dann ein Privatduell zwischen Kickers-Angreifer Schürg und Carl Zeiss Torhüter: Der Torschützenkönig der abgelaufenen Oberliga-Saison scheiterte in der 34. Minute an Pfosten und Nulle und danach noch zweimal am Keeper der Thüringer (35. und 42.).

Auch nach Wiederanpfiff waren die gastgebenden „Blauen“ deutlich präsenter. In der 53. Minute hatte die Schmitt-Elf bei einem weiteren Aluminium-Treffer Pech, als ein Rapp-Schuss nach Vorarbeit von Traut nur an den Pfosten des Gästegehäuses klatschte. In der 69. Minute stellte dann Eckhardt mit einem Schuss aus 12 Metern, der in den Maschen des Stuttgarter Tores landete, den Spielverlauf auf den Kopf. Die Schmitt-Schützlinge waren nun geschockt und hätten bei Chancen von Hähnge (74.) und dem eingewechselten Amirante (78.) um ein Haar das zweite Gegentor kassiert.

Dieses fiel dann auch in der 82. Spielminute, als Kickers-Außenverteidiger Reiß das Leder nach scharfer Hereingabe von Amirante ins eigene Tor lenkte. Gegen konsternierte Schwaben erhöhte Amirante im Konter sogar noch auf 3:0 für das im Abschluss in der zweiten Hälfte äußerst effektive Van-Eck-Team.

Die Stuttgarter Kickers treten am kommenden Samstag in einem schwäbischen Derby beim VfR Aalen an. Carl Zeiss Jena empfängt am gleichen Tag Fortuna Düsseldorf auf dem heimischen Ernst-Abbe-Sportfeld.