Vorberichte zum Finale: SV Elversberg – Stuttgarter Kickers

Countdown der Kickers

Irritationen um Parmak
STUTTGART (ump). Die Stuttgarter Kickers bestreiten heute (13.30 Uhr) das entscheidende Spiel in der Fußball-Regionalliga beim SV Elversberg. Der Ablauf der Vorbereitung:

FREITAG

12 Uhr: Mustafa Parmak meldet sich auf dem Trainingsgelände der Stuttgarter Kickers – krank. Er habe um 14 Uhr nochmals einen Arzttermin und kann somit nicht am Abschlusstraining teilnehmen. Die Entscheidung ist somit gefallen. „Er bleibt zu Hause“, sagt der Manager Joachim Cast. Ob die Abmeldung mit der schwierigen Vertragssituation des Spielers zu tun hat, der bei einem Abstieg der Kickers ablösefrei wechseln könnte? „Das ist reine Spekulation“, sagt Cast. Ich denke, die Mannschaft sagt: „Jetzt erst recht!“ Der Trainer Stefan Minkwitz fügt hinzu: „Mit nur einer Trainingseinheit kann ich nicht verantworten, ihn mitzunehmen.“

13.30 Uhr: Lockeres Abschlusstraining im ADM-Sportpark mit Torschussübungen. Nach knapp einer Stunde ist alles vorbei.

15.30 Uhr: Abfahrt ins Quartier Hotel Hochwiesmühle in Bexbach, 20 Kilometer von Elversberg entfernt.

19.30: Abendessen im Tagungshotel, danach individuelle Gestaltung.

23 Uhr: Zapfenstreich.

SAMSTAG

8 bis 9.30 Uhr: Frühstück.

10 bis 10.30: Die Möglichkeit, Kohlehydrate (Nudeln) zu sich zu nehmen.

11 Uhr: Die Trainer stellen den Gegner Elversberg vor – und die Mannschaft auf ihn ein.

11.30 Uhr: Abfahrt zum Stadion.

12.30: Mannschaftsbesprechung, in der Minkwitz bekanntgeben wird, ob für Parmak erneut Franco Petruso oder doch der erfahrenere Sascha Benda auflaufen wird. „Darüber muss ich mir noch ein paar Gedanken machen“, sagte der Trainer gestern.

13 Uhr: Warmlaufen.

13.30 Uhr: Anpfiff im Stadion an der Kaiserlinde, in dem etwa 500 Schlachtenbummler aus Stuttgart erwartet werden.

13.30 bis 15.15 Uhr: Der Trainer wird über die Zwischenstände der anderen Spiele informiert, die Mannschaft nicht. „Letztlich ist es aber egal“, sagt der Manager Joachim Cast, „wir müssen unser Spiel gewinnen, sonst hilft alles nichts.“

15.15 Uhr: Apfiff – mit Jubel oder Trauer.

Stuttgarter Zeitung

Konferenzschaltung
Die dritten Programme der ARD haben sich für den letzten Regionalliga-Spieltag etwas besonderes einfallen lassen und übertragen die entscheidenden Spiele um den Aufstieg sowie zur Qualifikation für die dritte Liga in einer Konferenzschaltung. Im SWR werden heute von 13.30 Uhr an folgende Partien zu sehen sein:

VfB Stuttgart II – SV Sandhausen

FC Ingolstadt – SpVgg Unterhaching

Jahn Regensburg – FSV Frankfurt

SV Elversberg – Stuttgarter Kickers

SF Siegen – SSV Reutlingen

Stuttgarter Zeitung

Kickers-Plan: Stuttgart macht blau

Parmak fehlt im Herzschlagfinale – Siegens Blessin verspricht vollen Einsatz

Stuttgart – Die Spannung steigt: Nur einer aus dem Trio Stuttgarter Kickers, SSV Reutlingen, SF Siegen wird am letzten Regionalliga-Spieltag an diesem Samstag (13.30 Uhr/Live-Konferenz im SWR) die Qualifikation für die dritte Liga schaffen. Nachteil für die Blauen: Mustafa Parmak kann nicht spielen.

VON JÜRGEN FREY

Baldrian an Bord? Über dieses Stadium ist Präsident Dirk Eichelbaum hinaus: „Ich nehme es, wie“s kommt.“ Am Donnerstagabend holte sich der Chef der Blauen Ablenkung beim Bon-Jovi-Konzert. Am Samstag bitten seine Kickers bei der SV Elversberg zum letzten Tanz. Und wenn alles klappt, macht Degerloch blau. „Dann steigt auf der 100-Jahr-Feier des Stadtteils eine Riesenparty“, verspricht Eichelbaum. Und wenn nicht, geht die Fangemeinde am Stock – und der Präsident tritt zurück? „Nein, ich sehe keine Auflösungstendenzen“, wehrt der 43-Jährige ab, „ich habe die Blauen in einer Notsituation übernommen – und dann am Tiefpunkt zu gehen, wäre nicht meine Art.“ Auch den Gang in die Insolvenz hält er im Fall eines Scheiterns für sehr unwahrscheinlich: „Wir würden in der Regionalliga antreten“, betont Eichelbaum, „zumal der Deutsche Fußball-Bund einem jeden Prügel vor die Füße wirft, damit nicht im Insolvenzverfahren saniert wird.“

Noch aber können die Blauen solche Horrorszenarien verhindern. Voraussetzung sind drei Punkte in Elversberg und kein Reutlinger Sieg in Siegen. Verliert der SSV, darf der Erfolg für Siegen allerdings nicht um mehr als vier Tore höher ausfallen als der Kickers-Sieg in Elversberg. Kein Vorteil für die Mannschaft von Trainer Stefan Minkwitz: Mustafa Parmak fällt nun doch definitiv aus. Der Mittelfeldspieler konnte wegen seiner neu aufgebrochenen Knöchelverletzung am Freitag nicht trainieren. Er stieg erst gar nicht in den Bus Richtung Saarland, wo am Abend in Bexbach übernachtet wurde. Ebenfalls zu Hause blieb Verteidiger Marco Wildersinn. Für ihn rückte Stürmer Angelo Vaccaro nach Ablauf seiner Sperre wieder in den Kader. Der Rest ist vor allem eines: eine Frage der Nerven.

Wie werden sich die Spieler der SF Siegen nach der schockierenden Meldung von der drohenden Insolvenz ihres Clubs gegen Reutlingen präsentieren? Für Alexander Blessin, Mitglied im Siegener Mannschaftsrat, steht fest: „Bei uns wird sich keiner etwas vorwerfen lassen. Wir werden alles geben, denn wenn der Verein noch eine Chance hat, dann in Liga drei.“ Der Ex-Kickers-Stürmer rechnet mit 8000 Zuschauern.

In Reutlingen gingen in dieser Woche die Rollläden runter: Trainer Peter Starzmann las keine Zeitung, keinen Videotext, kein Internet, seinen Spielern verpasste er einen Maulkorb: „Als Chef ist das mein Recht, sonst hören die Jungs nur etwas von Psychostress. Wir wollen die größtmögliche Konzentration auf unser Spiel.“ Durchhalten heißt das Motto: Von Sonntag an geht“s zum Mannschaftsausflug nach Gran Canaria.

Stuttgarter Nachrichten

Vorberichte zum Finale: SV Elversberg – Stuttgarter Kickers

Endspiele in der Regionalliga
Ein freier Platz für drei Vereine

STUTTGART. Wer schafft die Punktlandung? Morgen (13.30 Uhr) beginnt das Saisonfinale in der Fußball-Regionalliga. Die Stuttgarter Kickers, der SSV Reutlingen und die Sportfreunde Siegen kämpfen um den letzten Platz zur Qualifikation für die dritte Liga.

Von Joachim Klumpp

Stuttgarter Kickers: Der Trainer Stefan Minkwitz hat den Optimismus in den vergangenen Wochen stets vorgelebt. Vor dem letzten Spiel morgen in Elversberg kann seine Mannschaft die Qualifikation zwar nicht mehr aus eigener Kraft schaffen, ist aber psychologisch im Vorteil, weil die beiden Konkurrenten im direkten Duell aufeinandertreffen. Groß geändert hat der Coach in dieser Woche nichts mehr, „allerdings haben wir auch nicht mehr so intensiv trainiert“. Aber immer noch so intensiv, dass Mustafa Parmak gestern bei seinem Comeback das Mannschaftstraining gleich wieder abbrechen musste, nachdem er einen Schlag aufs Bein bekommen hatte. Heute wird er nochmals einem individuellen Test unterzogen, dann fällt die Entscheidung, ob er spielen kann. „Wenn er nicht hundertprozentig fit ist, fährt er auch nicht mit.“ Oder nur privat, denn Nachreisen ist erlaubt, vielleicht sogar erwünscht. Minkwitz: „Ich denke, diejenigen, die ein Herz für die Kickers haben, werden das tun.“ Außer den Ersatzspielern und dem Präsidium werden etwa 500 Fans im Saarland erwartet.

Und was erwartet die Mannschaft bei der Qualifikation für die dritte Liga, außer 25 000 Euro vom Hauptsponsor? Abwarten. Sie könnte spontan bei der 100-Jahr-Feier in Degerloch auflaufen – und der Trainer Stefan Minkwitz am Sonntag seinen 40. Geburtstag gebührend feiern.

StZ-Prognose für die dritte Liga: 60 Prozent

SSV Reutlingen: Die Mannschaft von der Kreuzeiche hat es am vergangenen Samstag versäumt, sich vorzeitig für die dritte Liga zu qualifizieren – mit einer 0:4-Niederlage gegen Pfullendorf, durch die auch noch das Torverhältnis kaputt gemacht wurde. Das sitzt tief. So tief, dass der Trainer Peter Starzmann seinen Spielern umgehend bis morgen einen „Maulkorb“ verpasst hat, mit der Begründung, sie sollen sich ganz auf die Partie in Siegen konzentrieren. Das Präsidiumsmitglied Hans Kullen verströmt Optimismus: „Das ist eine Charakterfrage. Wir schaffen es.“

Der Vorteil des SSV: die Mannschaft hat es als Einzige aus dem Trio selbst in der Hand – und wäre mit einem Sieg für die dritte Liga qualifiziert. Allerdings ist zuletzt eine Torwartdiskussion ausgebrochen, nachdem Markus Krauss gegen Pfullendorf an drei Treffern beteiligt gewesen war und außerdem bereits einen Vertrag bei 1860 München unterschrieben haben soll. Doch Starzmann, der als Motivationskünstler bekannt ist, wollte in dieser Woche so wenig wie möglich ändern, „um die Situation nicht unnötig zu dramatisieren.“ Dramatisch genug ist sie schon, und der SSV hofft, dass angesichts der Konstellation einige hundert Anhänger die weite Fahrt mitmachen werden. Die Mannschaft startet bereits heute um elf Uhr.

StZ-Prognose für die dritte Liga: 30 Prozent

SF Siegen: Der Verein aus dem Siegerland hat ausgerechnet drei Tage vor dem Saisonende Schlagzeilen gemacht, allerdings negativer Art. Denn vorgestern wurde publik, dass bis Montag 500 000 Euro aufgebracht werden müssen, um die Insolvenz zu vermeiden. Das klingt wie ein Hilferuf. Wie der auf Spieler und Zuschauer wirkt, wird sich zeigen. „Ich glaube nicht, dass es Auswirkungen hat“, sagt der Kickers-Manager Joachim Cast, der hofft, dass sich die Mannschaft (mit dem ehemaligen Kickers-Torjäger Christian Okpala) gegen Reutlingen nochmals voll reinhängt: „Das ist sie allein schon ihren Zuschauern schuldig.“

Im Vorverkauf sind bereits mehr als 10 000 Karten abgesetzt worden. Ob diese Rekordkulisse den Verein vor der Insolvenz retten kann? Gestern hat sich zumindest Siegens Bürgermeister Steffen Mues zu Wort gemeldet und dem Verein für den Fall der Qualifikation die Stadionmiete erlassen, was einer Summe von 100 000 Euro entspricht. „Wenn sich 24 weitere Sponsoren finden, die denselben Betrag zu Verfügung stellen, dann kann die Lizenz noch erreicht werden“, sagt Mues. Dennoch gibt sich der Aufsichtsratsvorsitzende Andreas Helmrath skeptisch. „Wir werden sowohl für Liga drei als auch für Liga vier keine Lizenz erhalten.“

StZ-Prognose für die dritte Liga: 10 Prozent

Stuttgarter Zeitung

Kickers zittern um Parmak
Die Blauen müssen in Elversberg siegen – und hoffen
 
Stuttgart – Es könnte eine große Sause werden. 100 Jahre Stadtbezirk Degerloch wird am Wochenende gefeiert, dazu womöglich der Sprung der Stuttgarter Kickers in die neue dritte Liga. Voraussetzung ist ein Sieg am Samstag bei der SV Elversberg. „Alles andere“, sagt Manager Cast, „haben wir nicht mehr selbst in der Hand.“

VON JOCHEN KLINGOVSKY

Mit leichtem Unbehagen haben die Fans der Blauen die Nachrichten aus Siegen vernommen. Dem Verein fehlen 500 000 Euro, um die Insolvenz abzuwenden. Und ausgerechnet die SF erwarten am Samstag (13.30 Uhr/Live-Konferenz im SWR-Fernsehen) den SSV Reutlingen. Der Gast hat 44 Punkte, ein Sieg bedeutet die Qualifikation für Liga drei. Die SF Siegen (42) haben nur eine Chance, wenn sie drei Punkte holen und die Kickers (42), die das beste Torverhältnis haben, in Elversberg nicht gewinnen. Die Frage ist nun: Hat der SSV Reutlingen bei den angeschlagenen SF leichtes Spiel? „Ich glaube nicht“, sagt Joachim Cast, „die Siegener wollen einen guten Abschluss und sich für andere Vereine empfehlen.“

Allerdings wäre auch nicht angebracht, wenn die Kickers sich zu sehr mit finanziellen Sorgen anderer Vereine beschäftigen. Die Blauen haben die Lizenz für die dritte Liga auch noch nicht sicher. Einfach ist dagegen die sportliche Kalkulation. Das Team von Stefan Minkwitz muss gewinnen – und hoffen. „Wenn ich vor diesem Spiel jemand motivieren müsste, wäre das fatal“, sagt der Trainer, der Respekt hat vor dem offensivstarken Tabellen-14. „Ich warne jeden, der denkt, das würden wir einfach schaukeln.“

Unterstützt werden die Kickers von rund 500 Fans, die vier Busse sind voll. Fraglich ist, ob Mustafa Parmak mit an Bord sein wird. Der Mittelfeldmann trainierte gestern nach seiner Verletzung (Muskelfaserriss in der Wade, Bänderriss im Knöchel) erstmals wieder mit der Mannschaft, musste die Einheit nach einem Schlag auf den Knöchel aber abbrechen. Heute steht ein letzter Härtetest an. „Er muss bestehen“, sagt Minkwitz, „sonst reist er gar nicht erst mit.“

Direkt nach dem Training reisen die Kickers ins Saarland, dort übernachten sie im Hotel. Ein privater Gönner finanziert den Trip, dem Team soll es vor dem Alles-oder-nichts-Spiel an nichts fehlen. Denn die große Sause danach gibt es nur, wenn die Kickers Drittligist bleiben. Das gilt für den Maimarkt in Degerloch, aber auch für Stefan Minkwitz. Der Trainer wird am Sonntag 40 Jahre alt – und sagt: „Wenn wir“s nicht schaffen, habe ich keinen Bock zu feiern.“

Stuttgarter Nachrichten

Kickers-Spiel live im Schlesinger
Schlesinger, Stuttgarts gute Adresse für Fußball & Rock“n“Roll, öffnet am Samstag, 31. Mai, bereits um 12.30 Uhr. Zum Schicksalsspiel der Stuttgarter Kickers in Elversberg wird in der Kneipe an der Schlossstraße die Großleinwand ausgefahren. Das SWR-Fernsehen überträgt die entscheidenden Spiele der Regionalliga live. Alle, die nicht nach Elversberg fahren, können das Herzschlag-Finale live im Schlesinger verfolgen. Original gegrillte Stadionwurst und kühle Getränke sind gewährleistet. rd

Stuttgarter Nachrichten

Es kann nur einen geben
 
Kickers müssen morgen in Elversberg gewinnen – und dann hilft nur noch Hoffen
 
Stuttgart (bw) – Saisonfinale in der Fußball-Regionalliga: Die Stuttgarter Kickers kämpfen morgen (13.30 Uhr) bei der SV Elversberg im Fernduell mit den SF Siegen und dem SSV Reutlingen um den einzigen noch offenen Platz in der dritten Liga. (…)

Es kann nur einen geben: Der finale Dreikampf zwischen Reutlingen (44 Punkte), den Kickers (42) und Siegen (42) ist an Spannung kaum zu überbieten. Um nicht in die Viertklassigkeit abzurutschen, müssen die „Blauen“ unbedingt gewinnen und dann noch hoffen, dass der SSV in Siegen höchstens unentschieden spielt. Damit es zumindest mit dem eigenen Dreier klappt, haben die Kickers alle Kräfte mobilisiert. Vier Fanbusse machen sich morgen auf den Weg ins Saarland. Während sich die Spieler an den Transportkosten beteiligen, spendiert der Verein die Eintrittskarten für die Anhänger. „Wir rechnen mit 500 Fans, die uns in Elversberg unterstützen“, sagt Manager Joachim Cast. Auch die Mannschaft geht an ihre Reserven. Die seit langem angeschlagenen Alexander Rosen (Schulter) und Bashiru Gambo (Leiste) beißen die Zähne noch mal zusammen. Und auch Regisseur Mustafa Parmak wird möglicherweise im alles entscheidenden Spiel wieder dabei sein. Schließlich hatten Muskelfaserriss und Bänderriss aus dem Spiel gegen Reutlingen knapp vier Wochen Zeit zu heilen. . . Der 26-Jährige will sich in den Dienst der Mannschaft stellen. Gestern musste er das Training allerdings abbrechen. Heute sollen Tests zeigen, ob es für einen Einsatz des Mittelfeldspielers reicht. „Ich kann nur Leute brauchen, die hundert Prozent geben können – und keines weniger“, stellt Trainer Stefan Minkwitz klar und warnt außerdem davor, die Elversberger, die schon abgestiegen sind, zu unterschätzen: „Die Spieler wollen sich schließlich für neue Vereine präsentieren.“ Dass in Bibiana Steinhaus eine Frau das Spiel leitet, hat für Minkwitz durchaus auch Vorteile. „Ich gehe davon aus, dass sie Ruhe reinbringt“, meint er augenzwinkernd.

Das SWR-Fernsehen überträgt die Partie übrigens live in einer Konferenzschaltung.

So wollen sie spielen: Yelldell – Deigendesch, Mann, Rapp, Stierle – Parmak, Rosen, Gambo, Cerci – Vaccaro, Tucci.
 
Eßlinger Zeitung

Vorberichte zum Finale: SV Elversberg – Stuttgarter Kickers

Der Kickers-Präsident ist auf alles vorbereitet
Das Spiel am Samstag in Elversberg entscheidet auch über die Zukunft des Regionalligisten, der im Jahr 2008 das viertbeste Team stellt
 
STUTTGART. In der Fußball-Regionalliga Süd geht es für die Stuttgarter Kickers am letzten Spieltag um alles oder nichts. Die Szenarien lauten: dritte Liga, vierte Liga – oder Insolvenz.

Von Joachim Klumpp

Was lange währte, wurde endlich gut. Die Stuttgarter Kickers hatten gestern Abend ihren mehrfach verschobenen Sponsorenabend im Hause der Teinacher Mineralquellen, in Anwesenheit der Mannschaft übrigens. Wobei der Termin durchaus seine Vorteile hatte. Die Verantwortlichen konnten so nochmals ganz aktuell auf die Lage des Vereins eingehen. Der spielt am Samstag in Elversberg um – zugespitzt formuliert – alles oder nichts. Das heißt, um die Qualifikation für die dritte Liga, den Abstieg in die vierte (Regionalliga) oder gar die Insolvenz. Wobei der Präsident Dirk Eichelbaum auf alles vorbereitet ist.

Die Kickers müssen gewinnen – und auf Schützenhilfe hoffen: bei der Partie der Reutlinger in Siegen, denen allerdings die Insolvenz droht, falls bis Montag nicht 500 000 Euro aufgetrieben werden. „Die Qualifikation für die dritte Liga wäre für uns sicher der einfachere Weg“, sagt Eichelbaum, der davon ausgeht, „dass durch neue Sendeformate im Fernsehen zusätzliche Sponsoren akquiriert werden können“ – eventuell auch erst im Laufe der neuen Saison. Für welche die Kickers mit lediglich drei Millionen Euro kalkulieren, was sehr konservativ ausgelegt ist.

Aber durchaus angebracht. Denn nachdem sich die Hoffnungen der Drittligisten (nicht nur der Kickers) auf mehr Fernsehhonorar zerschlagen haben, ist Sparhans Küchenmeister. „Wir müssen jeden Euro umdrehen“, sagt der Manager Joachim Cast auch im Hinblick auf die personelle Zusammensetzung des Kaders, der von derzeit 23 Mann eher abgespeckt werden soll, auf 18 bis 20 festen Größen für die erste Mannschaft. Wobei acht Verträge auslaufen: Während der Ersatztorwart Manuel Salz zur künftige Nummer eins aufsteigen soll und auch die beiden Kapitäne Jens Härter und Oliver Stierle eher unstrittig sind, ist die Zukunft von Moritz Steinle und Mustafa Akcay, vor allem aber Recep Yildiz, Marco Wildersinn und Sascha Benda ungewiss. „Es werden sicher nicht alle Spieler ein Angebot bekommen“, sagt der Manager Joachim Cast, der aber auf jeden Fall die Wintereinkäufe Alex Rosen und möglicherweise Ferhat Cerci verlängern möchte.

Dazu kommt noch der Problemfall Markus Ortlieb, der für die dritte Liga einen Vertrag besäße und zuletzt in die zweite Mannschaft verbannt war. „Das kann für beide Seiten kein Dauerzustand sein“, sagt Cast, der auf eine einvernehmliche Lösung hofft, was im Zweifel bedeutet: Auslösungsvertrag plus Abfindung. Gesprächsbedarf gibt es möglicherweise auch in Sachen Tainer. Zwar gilt die Weiterverpflichtung von Stefan Minkwitz bei der Qualifikation als sicher, allerdings braucht der den Fußballlehrer. „Wie man das unter einen Hut bekommt, muss man absprechen“, sagt Eichelbaum.

Der Präsident zumindest will an Bord bleiben – selbst im Falle des Abstiegs in die künftige Regionalliga. Und er betont: „Wir werden alles unternehmen, um eine Insolvenz zu vermeiden, das wäre nur der allerletzte Weg.“ Zumal der DFB, zu Eichelbaums Unverständnis, alles getan habe, um die Sanierung eines insolventen Vereins zu unterbinden. „Insgesamt halte ich die vierte Liga für kein hoffnungsloses Unterfangen“, betont Eichelbaum, auch wenn primär ein Hauptsponsor fehlt, der mit einer Größenordnung von 200 000 Euro einsteigen müsste. „Interessenten gibt es durchaus“, sagt Eichelbaum – nicht erst seit gestern Abend. Und auch an Spielern dürfte in diesem Sommer aufgrund der geänderten Spielklassenstruktur kein Mangel herrschen, wenngleich immer die Frage ist, ob sie in die Kostenstruktur der Kickers passen, deren Etat in der vierten Liga mit etwa 1,5 Millionen Euro veranschlagt wird (zum Vergleich: der mögliche Konkurrent SSV Ulm plant mit 1,2 Millionen).

Unabhängig von der Ligenzugehörigkeit deuten sich in den Vereinsgremien Änderungen ab. „Das kann ich nicht ausschließen“, sagt Eichelbaum. „Aber da muss nach der Saison eben mal Klartext gesprochen werden.“ Wer will bleiben – und wer nicht? Schließlich gibt auch Eichelbaum zu, „dass die Darstellung von Präsidium und Aufsichtsrat in der Öffentlichkeit nicht immer optimal war“. Wie drückte es einmal ein Spieler aus: „Die Verantwortlichen erwarten von uns immer eine professionelle Einstellung – und verhalten sich selbst wie Amateure.“

Wobei es an der Einstellung der Mannschaft in diesem Jahr recht wenig auszusetzen gab. In der fiktiven Tabelle für 2008 liegen die Kickers auf Platz vier – doch die Realität sieht eben etwas anders aus.

Stuttgarter Zeitung

Torwart Yelldell geht nach Koblenz

Der Zweitligist als neue Filiale
STUTTGART (ump). Noch vor dem letzten Spieltag der Fußball-Regionalliga steht fest, dass der Kickers-Torwart David Yelldell den Verein verlassen wird, und zwar erwartungsgemäß zum Zweitligisten TuS Koblenz. „Er hat die sportlich richtige Entscheidung getroffen“, sagt sein Berater Uli Ferber. Der hatte bereits zum Ablauf der vertraglich geregelten Option am 30. April mit den Kickers-Verantwortlichen Klarheit über die Wechselmodalitäten vereinbart; dabei soll er dem Regionalligisten finanziell ausgeholfen haben (die Rede ist von rund 50 000 Euro), so dass nun voraussichtlich keine Ablöse mehr fällig wird – die Koblenz zudem laut den Auflagen des DFB auch nicht zahlen dürfte.

Dass der vorzeitig bekannt gewordene Wechsel zum Saisonende irgendwelche Auswirkungen auf die Leistung Yelldells beim letzten Spiel in Elversberg haben könnte, weist Ferber von sich: „David hat in den drei Jahren bei den Kickers immer gezeigt, dass auf ihn Verlass ist.“ So zuletzt am vergangenen Samstag im Derby gegen den VfB II, als er in der Schlussphase einen Elfmeter von Christian Träsch parierte, was den Kickers überhaupt erst die Chance auf die Qualifikation zur dritten Liga offen gelassen hat.

Nach Manuel Hartmann im Vorjahr und jetzt Yelldell könnte auch bald noch ein dritter Kickers-Spieler den Kader der Koblenzer komplettieren. Mustafa Parmak jedenfalls steht ebenfalls im Notizblock des Trainers Uwe Rapolder; wobei eine Entscheidung frühestens nächste Woche fällt. Der Mittelfeldspieler soll zum Saisonabschluss in Elversberg nach dreiwöchiger Verletzungspause zum Zuge kommen – zumindest für eine Spielhälfte, voraussichtlich in der Startformation. Bis jetzt verläuft der Heilungsprozess nach Plan, so dass Parmak heute wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann.

Zum entscheidenden Spiel in Elversberg mobilisieren die Kickers ihre Anhänger: So werden insgesamt vier Fanbusse (darunter zwei Doppeldecker) eingesetzt, an deren Kosten sich die Mannschaft beteiligt. Außerdem spendiert der Verein die dazugehörigen Eintrittskarten. Treffpunkt ist am Samstag um 9.15 Uhr beim Parkplatz am Fernsehturm, die Abfahrt erfolgt eine Viertelstunde später.

Stuttgarter Zeitung

Yelldell unterschreibt bis 2011 in Koblenz
Kickers: Kontakt zu Jurkovic

Stuttgart (jüf) – Am gestrigen Mittwoch setzte sich David Yelldell zu seinem Berater Uli Ferber ins Auto – und ab ging es nach Koblenz: Beim Zweitligisten TuS unterschrieb der Torwart des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers wie erwartet einen Dreijahresvertrag, der für die erste und zweite Liga gültig ist. Die Nachricht trifft uns nicht unvorbereitet, David hat sich den Aufstieg verdient“, sagte Kickers-Trainer Stefan Minkwitz. Schon vor Wochen wurden die Ablösemodalitäten geregelt. Die Blauen erhalten etwa 50 000 Euro für den 26-Jährigen – unabhängig davon, ob sie die Qualifikation zur dritten Liga schaffen.

Yelldells Nachfolger soll aus den eigenen Reihen kommen. Minkwitz baut auf Ersatzkeeper Manuel Salz (22). Die Verlängerung seines am Saisonende auslaufenden Vertrages gilt als Formsache. Ein zweiter Mann soll verpflichtet werden – und Leben in den Kampf um die neue Nummer eins bringen: Mit Milan Jurkovic (24) vom Oberligisten SG Sonnenhof Großaspach fanden Gespräche statt. „Sicher ist er ein interessanter Mann, der den Konkurrenzkampf schüren würde“, bestätigte Minkwitz das Interesse.

Unterdessen macht die Genesung von Kickers-Mittelfeldspieler Mustafa Parmak weiter Fortschritte – er wird am heutigen Donnerstag ins Mannschaftstraining einsteigen. Der Bedeutung des Spiels bei der SV Elversberg (Samstag, 13.30 Uhr) angemessen, rollen vier Fan-Busse ins Saarland. Die Kosten für die Tickets zum Spiel werden vom Verein übernommen, die Kickers-Mannschaft beteiligt sich an den Buskosten.

Stuttgarter Nachrichten

Parmak macht Fortschritte

Stuttgart (jüf) – Am Montag trabte Mustafa Parmak durch den Wald, am Dienstag absolvierte er Koordinationsübungen, am gestrigen Mittwoch übte er Standardsituationen – und heute wird der Mittelfeldspieler der Stuttgarter Kickers ins Mannschaftstraining einsteigen. „Alles läuft nach Plan“, freut sich Kickers-Trainer Stefan Minkwitz. Dreieinhalb Wochen nach seiner Waden- und Knöchelverletzung in Reutlingen macht Parmaks Genesung Fortschritte. Zumindest ein Kurzeinsatz im Regionalligasaisonfinale am Samstag (13.30 Uhr) bei der SV Elversberg wird immer wahrscheinlicher. Minkwitz: „Letztendlich muss er selbst sagen, ob er hundertprozentig spielen kann“. Der Bedeutung des Spiels angemessen, rollen vier Fan-Busse nach Elversberg. Die Kosten für die Tickets zum Spiel werden vom Verein übernommen, die Kickers-Mannschaft beteiligt sich an den Buskosten.

Stuttgarter Nachrichten

Kritische Presse der StZ zum Stadionausbau

Stadt will Millionen ins Waldaustadion pumpen
Rathausspitze plant aufwendige Modernisierung auch bei sportlichem Misserfolg der Kickers – Schicksalsspiel am Samstag

Die Kommunalpolitik schaut gespannt nach Elversberg, wo die Stuttgarter Kickers um ihre Zukunft spielen. Verpassen sie den Einzug in die 3. Bundesliga, droht die Pleite. Den Ausbau des Gazi-Stadions könnte sich die Stadt dann sparen – will sie aber nicht.

Von Jörg Nauke

Die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag der Fußball-Regionalliga Süd ist klar: Die Kickers brauchen ein Wunder, um noch einen Startplatz in der neuen 3. Profiliga zu ergattern, der Zugang zu den Fleischtöpfen von Sponsoren und Fernsehsendern verspricht. Selbst dann wäre die sportliche Zukunft des finanziell angeschlagenen Vereins keinesfalls gesichert. Läuft am Samstag alles schief und die Kickers müssten erst einmal kleinere Brötchen als Amateurverein in der vierten Liga backen, stellte sich aber sogar die Existenzfrage. Der Hauptsponsor Eduardo Garcia hat jedenfalls schon angekündigt, für diesen Fall den Geldhahn zuzudrehen.

Das Schicksal des Fußballvereins berührt die Fans, aber auch die Verantwortlichen im Stuttgarter Rathaus, die entscheiden müssen, ob und in welchem Umfang die Heimstätte der Kickers, das Gazi-Stadion auf der Waldau, modernisiert wird. Unstrittig sind der Einbau von Schalensitzen auf der Haupttribüne sowie Investitionen in die Sicherheit für 300 000 Euro. Anders als die Blauen spielen die Roten, die Amateure des VfB Stuttgart, künftig nämlich in der 3. Liga. Mangels geeigneter eigener Sportstätte bestreiten die Wasen-Kicker ihre Heimspiele auf der Waldau.

Eine kontroverse Debatte deutet sich jedoch über den Vorschlag einer weitergehenden Sanierung des Stadions an, die bis zu 5,5 Millionen Euro kosten soll. Diese Investition wäre dann zwingend nötig, falls auch die Kickers Drittligist würden – die Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) überrascht gegenüber der Stuttgarter Zeitung nun mit der Aussage, sie wolle diesen aufwendigen Umbau sogar dann, wenn die Kickers abstürzten. Ein modernes Stadion stünde der Sporthauptstadt gut zu Gesicht, und man sollte das Schmuckkästchen bereithalten für den Fall, dass die Kickers irgendwann den Weg zurück in den bezahlten Fußball fänden. Um gewappnet zu sein, wollten Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) und sie noch vor der Sommerpause einen entsprechenden Beschluss erreichen. Reinhold Uhl, der Sprecher der CDU im Finanzausschuss, zeigt sich darüber ebenso verwundert wie SPD-Chef Manfred Kanzleiter, der sagt, es stehe jetzt erst einmal ein Gespräch mit den Kickers-Bossen an. Der Grünen-Vorsitzende Werner Wölfle meint: „Jetzt heißt es Daumen drücken und ansonsten Zurückhaltung üben.“ Diese Ansicht kommt nicht von ungefähr – in der Nachbarschaft wartet ein marodes Eislaufzentrum auf die Sanierung. Obwohl tausende Kinder dieses nutzen, hat der Gemeinderat dafür bisher kein Geld bereitgestellt.

Dagegen haben die Stadträte mit massivem Einsatz von Steuermitteln dafür gesorgt, dass die Kickers noch am Spielbetrieb teilnehmen können. Mit dem Hinweis, dass man einen so traditionsreichen Verein nicht pleitegehen lassen dürfe, hat die Stadt 2003 das Clubhaus im ADM-Sportpark für 1,36 Millionen Euro gekauft. Damit wurden die Banken bedient, bei denen die Blauen mit 830 000 Euro in der Kreide standen. Aus dem Verkauf des Namensrechts (eine Million Euro) an Gazi erhalten die Kickers fünfmal 100 000 Euro auf die Hand. Die übrigen 500 000 Euro hat die Stadt verwendet, um ihre Forderungen von 1,3 Millionen Euro gegen die Kickers aus dem Stadionumbau von 1998 zu reduzieren. Der Vertrag zur Refinanzierung ist ausgesetzt. Hier stehen rund 900 000 Euro aus. Nach Informationen der StZ drücken den Verein zudem beträchtliche Steuerschulden.

Stuttgarter Zeitung

Stadiondebatte, die Zweite

Blaues Wunder
Von Jörg Nauke
 
Kaum hat der Gemeinderat den Umbau des Daimlerstadions in eine Fußballarena abgehakt, steht schon die nächste Sanierungsdebatte an. Und diese könnte mehr Zündstoff bergen. Das hängt ganz davon ab, wie die Stuttgarter Kickers am Samstag beim letzten Saisonspiel in Elversberg abschneiden.

Bisher war die Ausgangslage auf der Waldau klar: Das Sportamt spendiert 300 000 Euro, damit von Juli an die Voraussetzungen für Drittliga-Fußball im Gazi-Stadion geschaffen sind. Das ist auch deshalb notwendig, weil die Drittliga-Amateure vom VfB Stuttgart künftig auf den „Golanhöhen“ ihre Heimspiele austragen. Und die Luxussanierung, mindestens 5,5 Millionen Euro teurer, kommt nur für den Fall, dass die Kickers sich für Liga drei qualifizieren. Eigentlich dürfte schon dieser Beschluss nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Während Woche für Woche Hobbyfußballer auf staubigen Hartschollen kicken müssen, weil die Stadt mit der Umwandlung in Rasenplätze nicht nachkommt, werden Anträge auf Unterstützung der Kickers nicht etwa kritisch hinterfragt, sondern als kommunale Pflichtaufgabe interpretiert. Die „Blauen“ sind das Sparkässle der Stadt. Tradition verpflichtet offensichtlich.

Dass Bürgermeisterin Susanne Eisenmann die Heimstätte der Kickers jetzt sogar selbst dann aufpeppen will, wenn der Verein sein blaues Wunder erfahren und ins Bodenlose fallen sollte, birgt zwar die Chance einer Ehrenmitgliedschaft. Der Vorschlag wird dem Stuttgarter Gemeinderat aber nicht zu vermitteln sein. Auch die Liebe zu den „Blauen“ hat ihre Grenzen.

Stuttgarter Zeitung

StN: Die Angst vor der Heimfahrt

Der Kickers-Bus rollt ohne uns ins Saarland, weil die Griechen schon genug verloren haben

Dies ist die Geschichte von der Tragik alter Säcke. Wir kennen alles schon. Wir lassen unsere Déjà-vu-Erlebnisse beim Psychiater behandeln, wir schwören, den gleichen Mist nicht noch einmal zu veranstalten. Und dann sitzen wir tiefer im Schlamassel als je zuvor.

Es ist gerade mal acht Jahre her. Am Freitag, dem 27. Mai 2000, fuhren wir nach Karlsruhe. Es hat nie viele Gründe gegeben, nach Karlsruhe zu fahren. Diesmal schon. Am letzten Spieltag der zweiten Liga kämpften die Kickers beim KSC gegen den Abstieg. Ausgerechnet in Baden.

Der berühmte Kickerspräsident Axel Dünnwald-Metzler (ADM) regierte noch, aber jeder wusste, dass auch Patriarchen nicht ewig an der Macht bleiben. Wenn Patriarchen gehen, hinterlassen sie keinen Unterbau. Das System bricht zusammen.

Noch aber war der Präsident wohlauf und sein Club nicht ohne Chance. Ein Sieg würde uns retten und ein Unentschieden genügen, würde St. Pauli in Oberhausen verlieren. Wir spielten 1:1, aber St. Pauli leider auch. Der verehrte Piratenclub schoss das 1:1 in letzter Sekunde.

Das Schlimmste war der Rückweg. Ich schrieb noch einen kleinen Zeitungsbericht, er endete mit dem Satz: „Es wurde, mit Verlaub, eine beschissene Heimfahrt.“ Der Zensor hat das anstößige Adjektiv in der Eile akzeptiert, der Schreiber befand sich im Ausnahmezustand.

Das Scheißadjektiv habe ich in der Zwischenzeit öfter gebraucht, wenn es um die Kickers ging. Wir im Kickers-Tross sind ständig in einer Ausnahmesituation. Da ich heute ein hoffnungsloser Fall für den Psychiater bin, wäre ich an diesem Samstag beinahe im Fanbus nach Elversberg/Saarland gefahren. Aber George der Grieche, mein Stehtribünennachbar vom Kickersplatz, hat gesagt, er würde die Heimfahrt im Fall des Abstiegs nicht überleben. Er könne das seiner Familie nicht antun.

Gut, habe ich gesagt, das Glück ist eine Hure. Ich will George den Griechen nicht sterben sehen. Die Griechen haben schon genug verloren, seit sie die Demokratie erfunden haben. Wir werden in die Stuttgarter Rock“n“Roll-Kneipe Schlesinger gehen und das Drama live auf der Leinwand verfolgen. Wir wollen nicht in einem Reisebus zu Grunde gehen, womöglich im Saarland. Wir sterben lieber an Gram und Ungerechtigkeit in der Kneipe. „Begrabt mich hinter der Theke“, hat Dean Martin gesagt.

Selbstverständlich hat mir der Psychiater dieses pathetische Geschwafel verboten. Haben Sie nichts dazugelernt seit dem 27. Mai 2000 in Karlsruhe?, hat er gesagt. Doch, habe ich gesagt, aber Sie nicht. Seinerzeit ging es nur um den Abstieg in die dritte Liga. Diesmal aber fahren wir in die Hölle der vierten Liga. Der Psychiater wird die Behandlung abbrechen und mich von seiner Liste streichen, noch bevor ich ihm die ganze Wahrheit erzählen kann. Wir sind 2000 überhaupt nicht abgestiegen, weil der Berliner Pfeifenclub TeBe keine Lizenz erhalten hat. Und unser damaliger Trainer, der gelernte Kneipenwirt Stepanovic, hat später vor Gericht noch seine Nicht-Abstiegsprämie erstritten. Im Fußball ist nicht nur das Glück eine Hure.

Stuttgarter Nachrichten

StZ: Nachgefragt bei Djuradj Vasic

„Uns fehlt die Qualität“
 
Die Stuttgarter Kickers bestreiten in der Fußball-Regionalliga am Samstag (13.30 Uhr) das entscheidende Spiel um die Qualifikation zur neuen dritten Liga beim SV Elversberg, für den es sportlich um nichts mehr geht. „Dennoch wollen wir uns ehrenhaft aus der Saison verabschieden“, sagt deren 51-jähriger Trainer Djuradj Vasic im Gespräch mit Joachim Klumpp.

Herr Vasic, nachdem für Elversberg die Saison sportlich schon gelaufen ist, können die Kickers am Wochenende wohl beruhigt ins Saarland reisen und die drei Punkte abholen. Oder?

Ich glaube und hoffe nicht, dass es so einfach wird. Im Fußball geht es schließlich in jedem Spiel um etwas – zum Beispiel um die Siegprämien. Die Kickers sind momentan zwar gut drauf, aber sie müssen schon eine sehr gute Leistung abliefern, wenn sie hier gewinnen wollen.

Also ist Ihre Mannschaft am Samstag noch einmal voll motiviert?

Wir brauchen diese Woche keine besondere Motivation, aber wir sind es dem Verein und natürlich auch der Liga schuldig, uns ordentlich zu präsentieren und ehrenhaft zu verabschieden. Das ist ganz normal, schließlich wollen wir nichts verschenken und auch keinen Raum für irgendwelche Spekulationen lassen. Einige Spieler verlassen den Club, andere kämpfen noch um einen neuen Vertrag. Außerdem wird es sicher eine gute Atmosphäre, weil viele Zuschauer aus Stuttgart erwartet werden.

Apropos Schlachtenbummler: die Kickers mobilisieren in dieser Woche ihre Fans mit diversen Busangeboten. Haben Sie da keine Angst, dass die Partie für Ihre Mannschaft zu einem Auswärtsspiel wird?

Nein, daran verschwenden wir keinen Gedanken. Zumal wir auswärts sowieso meist besser ausgesehen haben als zu Hause.

Aber unter dem Strich hat es nicht für die Qualifikation zur dritten Liga gereicht. Woran lag es?

Wir haben im Jahr 2008 nur dreimal gewonnen, trotz einiger ordentlicher Leistungen. Aber wir haben einfach viel zu viel Aufwand für einen Sieg betreiben müssen. Und wenn man die drittmeisten Gegentore in der Liga bekommt, dann zeigt das eben, dass vor allem in der Defensive einiges nicht optimal gelaufen ist, vielleicht auch aufgrund von Verletzungen. Letztlich muss man aber so fair sein und zugeben, dass die Qualität für die dritte Liga einfach nicht ausgereicht hat. Das ist enttäuschend, aber eine Tatsache.

Wie geht es denn nun mit Elversberg im Allgemeinen und mit Ihnen als Trainer im Speziellen weiter?

Ich habe meinen Vertrag hier um zwei Jahre für die Regionalliga verlängert, dann müssen wir mal abwarten, ob wir der West- oder der Südgruppe zugeordnet werden, das steht noch nicht fest. Und wir wollen einen Neuaufbau starten und dabei versuchen, die Fehler der letzten Jahre zu korrigieren.

Stuttgarter Zeitung

StN: Psychofolter der blauen Art

Nicht zum ersten Mal schweben die Fußballer der Stuttgarter Kickers am Saisonende zwischen Hoffen und Bangen
 
Stuttgart – Es geht um alles. Nur mit einem Sieg am Samstag (13.30 Uhr) bei der SV Elversberg haben die Stuttgarter Kickers noch die Chance, sich für die dritte Liga zu qualifizieren. Die Lage war schon öfter verzwickt. Nicht zum ersten Mal stehen die Blauen am Saisonende in einem „Endspiel“.

1962: Das seltsame Tor von Pal Csernai

„Csernai nahm das Leder aus der Luft und knallte es an die Unterkante der Latte, von wo der Ball auf den Boden sprang. Tor oder nicht? Schiedsrichter Siebert entschied auf Tor und pfiff ab.“ So stand es im „Sportbericht“ vom 3. Juni 1962. In letzter Sekunde hatte Pal Csernai den Kickers in Aschaffenburg den Abstieg in die Drittklassigkeit erspart. Jahre später gab der Mann mit dem Halstuch zu: „Nein, ich war nicht der Retter. Ich habe nur zufällig ein Tor erzielt, das eigentlich gar keines war.“

1989: ADM wollte das Rauchen lassen

Axel Dünnwald-Metzler wettete sogar seine geliebten Glimmstängel. „Wenn wir doch noch in der Bundesliga bleiben, höre ich mit Rauchen auf“, hatte der damalige Präsident vor der Partie gegen den 1. FC Nürnberg versprochen. Es reichte zwar zu einem 1:0 – am Ende fehlte zum Klassenverbleib ein Punkt, am Relegationsplatz schrammten die Blauen wegen gerade mal vier Toren vorbei.

1991: Coup nach langem Stau

Auf dem Weg zurück in die Bundesliga zeigten die Blauen keine Nerven: Gegen den FC St. Pauli gab es im Relegations-Entscheidungsspiel in Gelsenkirchen ein 3:1. Die Kickers waren erst 40 Minuten vor dem Anpfiff angekommen. Ein Stau als Erfolgsgeheimnis? Darauf wird sich einer garantiert nicht verlassen: Willi Mast, der den Blauen seit 25 Jahren als Busfahrer treu ist.

1992: Rot jubelt, Blau trauert

Der VfB machte am letzten Spieltag die deutsche Meisterschaft perfekt, die Kickers stürzten in die zweite Liga ab. Selbst ein 2:0 am letzten Spieltag gegen den VfL Bochum rettete das Team von Trainer Rainer Zobel nicht. Grund: Die SG Wattenscheid 09 machte gegen Borussia Mönchengladbach aus einem 0:2 noch ein 3:2 und hatte am Ende einen Punkt mehr auf dem Konto.

1994: Absturz in die dritte Liga

Trotz 16 Saisontoren von Fredi Bobic stand schon am vorletzten Spieltag nach dem 2:2 bei TeBe Berlin der Abstieg in die Regionalliga fest. Das Hauptmanko: Einigen Spielern fehlte damals die Identifikation mit dem Verein. Nicht zu dieser Kategorie gehörte Stefan Minkwitz: Der heutige Kickers-Trainer gab alles, kam allerdings nur auf 19 Einsätze und wechselte nach der Saison zu Fortuna Düsseldorf.

2000: Horrorfinale im Wildpark

Das Kickers-Schicksal entschied sich am letzten Spieltag im Wildparkstadion. Der Abstieg des KSC aus der zweiten Liga hatte schon länger festgestanden, die Blauen konnten mit einem Sieg drin bleiben. 3000 Fans waren von Stuttgart nach Karlsruhe gepilgert – und erlebten die schlimmste Psychofolter der blauen Art. Tomislav Maric (31., Foulelfmeter) hatte das 1:0 geschossen, der KSC glich aus (62.). „Wir hatten Blei in den Beinen, nichts ging mehr“, erinnert sich Minkwitz, der 1996 zu den Blauen zurückgekehrt war. Das 1:1 hätte den Kickers zur sportlichen Rettung gereicht – wäre nicht St. Pauli in letzter Sekunde gegen RW Oberhausen der Ausgleich gelungen. „Lebbe geht weider“, sagte sich Kickers-Coach Dragoslav Stepanovic. Für ihn zwar nicht in Degerloch – aber für die Blauen dank des Lizenzentzugs von TeBe Berlin doch noch in Liga zwei. Die Kickers spielten in Karlsruhe in folgender Aufstellung: Ramovic – Ramovs – Keuler, Pfuderer – Marell, Ziegner (85. Weinzierl), Kümmerle (80. Carnevale), Minkwitz, Cassio – Kevric, Maric. Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

StZ: Kickers mit Marketingagentur

Weniger Geld für die dritte Liga
STUTTGART (ump). Die Stuttgarter Kickers bekommen im Saisonfinale der Fußball-Regionalliga Unterstützung – durch eine professionelle Marketingagentur (ESM Rödig und Team), die für die nötigen Sponsoren sorgen soll. Die Zusammenarbeit ist zunächst auf zwei Jahre angelegt, und zwar unabhängig von der Ligenzugehörigkeit. Der Präsident Dirk Eichelbaum betont: „Die Agentur wird ihre Arbeit sofort aufnehmen.“

Das wird auch nötig sein, denn vonseiten des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) gibt es zwei schlechte Nachrichten. Weil sich höchstwahrscheinlich nur drei zweite Mannschaften von den Proficlubs für die neue dritte Liga qualifizieren werden (VfB, Werder und Bayern), muss das künftige Fernsehhonorar durch die verbleibenden 17 Vereine (und nicht wie geplant durch 16) geteilt werden. Das bedeutet, dass pro Club und Saison nur knapp 590 000 statt der ursprünglich vorgesehenen 625 000 Euro ausgeschüttet werden. „Das ist natürlich nicht erfreulich“, sagt der Kickers-Manager Joachim Cast. „Schließlich zählt bei uns jeder Euro.“

Erschwerend hinzu kommt, dass auch die zusätzlichen Pokaleinnahmen aus dem Premierevertrag nicht – wie geplant – den Drittligisten zugute kommen, sondern direkt den 64 Pokalteilnehmern. Da die Kickers für den Wettbewerb 2008/09 die Qualifikation auf Verbandsebene verpasst haben, ist auch aus dieser Quelle keine zusätzliche Einnahme zu erwarten. Die Kickers sind zwar optimistisch, dass sie die Lizenz für die dritte (und im schlechtesten Fall auch die vierte Liga) bekommen, doch der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Lorz sagt: „Es wird kein Selbstläufer.“ Bis 5. Juni haben die Vereine noch Zeit, die DFB-Bedingungen zu erfüllen.

Zuvor müssen sich die Kickers natürlich erst einmal sportlich qualifizieren: mit einem Sieg am Samstag in Elversberg – und dem passenden Ergebnis des Parallelspiels Siegen gegen Reutlingen. Mustafa Parmak hat gestern wieder mit dem Training begonnen, allerdings nur Laufeinheiten absolviert. „Aber damit liegt er im Plan“, sagt Cast.

Stuttgarter Zeitung