StN: Vor dem Regionalliga-Saisonfinale sorgt nur Reutlingen für eine Besonderheit

Starzmann verhängt Maulkorb

Stuttgart – Die Fußball-Regionalliga geht in die letzte Runde – und bei drei Vereinen wird kräftig gezittert: Die Stuttgarter Kickers, der SSV Reutlingen und die SF Siegen kämpfen am letzten Spieltag (Samstag, 13.30 Uhr) um den zehnten Platz und damit gegen den Sturz in die Viertklassigkeit.

VON JÜRGEN FREY

SSV Reutlingen

Platz 10 (44 Punkte, 44:44 Tore)

Vorbereitung: „Nichts Außergewöhnliches“, vermeldet Präsidiumsmitglied Hans Kullen. Einmal am Tag wird trainiert, am Freitag geht“s nach Siegen.

Personelle Probleme: Verteidiger Volker Grimminger fehlt wegen seiner fünften Gelben Karte. Hart treffen würde den SSV der Ausfall von Abwehrchef Ilker Aybar (Zerrung). Seine Einsatzchance liegt bei 20 Prozent.

Erfahrung: Das Durchschnittsalter des Teams beträgt 26,1 Jahre. Oliver Otto und Sasa Janic bringen die größte Routine mit. 2006/07 rettete sich der SSV am vorletzten Spieltag mit einem 2:1 gegen Aalen.

Trainer: Peter Starzmann gilt als Motivationskünstler, der auch mal einen Böller in der Kabine zündet. Auch diesmal ist er für eine Überraschung gut – und verhängte einen Maulkorb: Kein Spieler soll mit den Medien reden. Der Verein teilte dies via Pressemitteilung mit. Kullen: „Wir haben dem Trainer-Wunsch entsprochen.“

Stuttgarter Kickers

Platz 11 (42 Punkte, 36:35 Tore)

Vorbereitung: Einmal pro Tag ist Training. Am heutigen Dienstagabend steht ein Sponsorentermin an. Am Freitag startet der Kickers-Tross nach dem Nachmittagstraining Richtung Elversberg.

Personelle Probleme: Mustafa Parmak absolvierte am gestrigen Montag Lauftraining im Wald. Zumindest ein Kurzeinsatz müsste möglich sein.

Erfahrung: Marcus Mann, Marcel Rapp und Alexander Rosen geben in der Mannschaft (Durchschnittsalter: 25,1 Jahre) die Richtung vor. Auch Bashiru Gambo bringt viel Routine mit. Was für die Blauen spricht: Das Team hat zuletzt in den meisten Spielen bewiesen, dass es auch unter Druck seine Nerven im Griff hat. „Die Spiele, die wir gewinnen mussten, haben wir so gut wie alle gewonnen“, betont Coach Stefan Minkwitz.

Trainer: Minkwitz ist nicht der Typ für irgendwelche Psycho-Tricks. Ruhig und sachlich wie immer bereitet der 39-Jährige seine Mannschaft auf das Spiel der Spiele vor.

SF Siegen

Platz 12 (42 Punkte, 33:36 Tore)

Vorbereitung: Am gestrigen Montag war frei. Ansonsten normaler Trainingsablauf.

Personelle Probleme: Abwehr-Routinier Daniel Bogusz fehlt gesperrt.

Erfahrung: Das Team ist gespickt mit alten Hasen (Durchschnittsalter: 27,8 Jahre). Robert Wulnikowski, Enrico Gaede und die ExKickers-Spieler Alex Blessin und Christian Okpala gehören dazu. „Alle rätseln, warum wir da unten stehen“, sagt Blessin, „aber ich bin sicher, wir werden Reutlingen schlagen. Den Rest haben wir nicht in der Hand.“

Trainer: Peter Nemeth, vor kurzem noch Spieler, ist nach Ralf Loose und Marc Fascher bereits der dritte Coach in dieser Saison. Er ist ein Typ wie Minkwitz: Nah dran an der Mannschaft, immer mit einem offenen Ohr für die Spieler.

Stuttgarter Nachrichten

Agentur Rödig & Team übernimmt Vermarktung

Mit sofortiger Wirkung übernimmt die Event Sport Marketing Rödig & Team die Vermarktung der Stuttgarter Kickers. Die Zusammenarbeit ist auf zwei Jahre angelegt und ist nicht abhängig von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Liga. Über die Werbeagentur aus Leonberg zur Aquise von Sponsoren freut sich Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum: „Wir sind glücklich, mit einer so leistungsfähigen Agentur wie ESM Rödig & Team unsere Zukunft gemeinsam zu gestalten.“
ESM kümmerte sich zuletzt um das Marketing und Sponsoring im deutschen Golfverband und hat auch den brasilianischen Nationaltrainer Carlos Dunga unter Vertrag. Die Agentur wird auch eng zusammenarbeiten mit Martin Kurzka, der bei den Kickers schon länger im Marketingbereich tätig ist.
 
ESM Rödig & Team GmbH
Römerstrasse 75
71229 Leonberg
Telefon: 07152 / 33 111-0
Telefax: 071 52 / 33 111-10
eMail: kontakt@esm-rt.de
Homepage: www.esm-rt.de

Geschäftsführer: Sven Rödig
Amtsgericht Stuttgart
HRB 721971

Offizielle Homepage

Presse zu Stuttgarter Kickers – VfB Stuttgart II (1:1)

Herzschlagfinale in der Regionalliga
Kickers brauchen Sieg in Elversberg – und etwas Schützenhilfe
 
STUTTGART. Mit einem gehaltenen Elfmeter hat David Yelldell den Kickers das 1:1 im Derby gegen den VfB gerettet – und die Chance auf die dritte Liga. Der Trainer Minkwitz sagt: „Wir werden es schaffen.“ Für diesen Fall hat der Hauptsponsor 25 000 Euro ausgelobt.

Von Joachim Klumpp

Als der Schiedsrichter Peter Gagelmann das Regionalligaderby zwischen den Stuttgarter Kickers und dem VfB II abgepfiffen hatte, sanken die Spieler der Blauen kollektiv auf den Rasen. Aus Erschöpfung – und Enttäuschung. Schließlich schien nach dem 1:1 alle Hoffnung auf die dritte Liga verspielt. Bis die Ergebnisse der Konkurrenz bekanntwurden, und das vor allem in der Höhe überraschende 0:4 des SSV Reutlingen gegen Pfullendorf. „Wir leben noch“, konnte der Trainer Stefan Minkwitz zufrieden feststellen, um vor dem letzten Spiel zu betonen: „Wir können und werden es schaffen.“

Das Wohlwollen des Kollegen Rainer Adrion hat er jedenfalls: „Wenn die Kickers auch die dritte Liga erreichen, wäre es für Stuttgart das Beste.“ Dabei hätte der VfB durchaus das vorzeitige Scheitern des Ligarivalen besiegeln können, wenn Christian Träsch fünf Minuten vor Schluss einen Elfmeter nicht so schwach geschossen hätte, dass David Yelldell parieren konnte. Dabei wollte (oder sollte?) Peter Perchtold schießen. „Beide sind vorgesehen, sie haben das unter sich ausgemacht“, sagte Adrion diplomatisch.

Der Kickers-Schlussmann Yelldell unterstrich mit dieser Szene nochmals nachhaltig, warum er von den Fans bereits zum dritten Mal zum „Spieler der Saison“ gewählt wurde, eher er den Verein aller Wahrscheinlichkeit zum Saisonende in Richtung Koblenz verlassen wird. „Diese Auszeichnung hat er zu Recht erhalten“, sagte Stefan Minkwitz.

Die Ausgangslage vor dem Saisonfinale ist klar: Die Kickers müssen gewinnen und hoffen, dass Reutlingen im Verfolgerduell in Siegen höchstens einen Punkt holt; und Siegen wiederum kein Sieg gelingt, der um sechs Tore höher ausfällt als der der Kickers.

Heute soll Mustafa Parmak wieder ins Training einsteigen. „Die Chancen, dass er am Samstag einsatzfähig ist, stehen nicht schlecht“, erklärte Minkwitz. Wobei der Spieler selbst in einen Gewissenskonflikt geraten könnte. Der 26-Jährige ist sich über einen Wechsel mit TuS Koblenz einig, allerdings könnte der an der Ablöse von circa 100 000 Euro scheitern, denn der Zweitligist darf laut Auflagen keine Transferausgaben tätigen. Die Crux: im Falle des Abstiegs in die vierte Liga wäre Parmak ablösefrei zu haben.

Nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch läuft die Vorbereitung für Elversberg auf Hochtouren. Die Fanclubs haben bereits einen Doppeldeckerbus gechartert, zudem will der Verein noch einen Bus einsetzen, der Anhänger kostenlos ins Saarland transportiert. Der Manager Joachim Cast fordert: „Das Stadion dort muss fest in Kickers-Hand sein.“ Und dass die Mannschaft zu diesem ultimativen Endspiel schon am Vortag anreist, versteht sich von selbst, zumal der Anstoß zeitgleich bereits um 13.30 Uhr erfolgt, weil die wichtigsten Partien (also auch die der Kickers) in den dritten Programmen in einer Konferenz übertragen werden.

Nachdem der Verein unmittelbar vor dem Heimspiel gegen Unterhaching eine Sonderprämie über 5000 Euro ausgelobt hatte (die ihre Wirkung nicht verfehlte), war gegen den VfB kein zusätzlicher Anreiz mehr geschaffen worden. Den setzte dafür der Hauptsponsor Eduardo Garcia, als er spontan verkündete: „Bei der Qualifikation für die dritte Liga zahle ich 25 000 Euro in die Mannschaftskasse.“ Sollte sie verpasst werden, wird er sein Engagement bei den Kickers beenden.

Vor dem Derby traf sich der Kickers-Vorstand mit dem VfB-Präsidenten Erwin Staudt zum Essen. Das Thema Freundschaftsspiel wurde allerdings ausgeklammert. Das müsse die sportliche Leitung entscheiden, so Staudt. Die hat aber bereits dem SSV Reutlingen (für 15. Juli) zugesagt, was die Kickers nicht erfreuen dürfte. Genauso wenig wie die Schlachtrufe der Cannstatter unter den 7190 Zuschauern: „Hier regiert der VfB“, hatten diese während der 90 Minuten skandiert. Was wohl auch am Samstag gilt. Denn die Partie gegen Sandhausen soll – aus Sicherheitsgründen – im Gazi-Stadion ausgetragen werden. „Der Antrag beim Verband läuft“, sagte der VfB-Spielleiter Helmar Müller.

Kickers: Yelldell – Deigendesch, Mann, Rapp, Stierle – Petruso (52. Benda), Rosen, Gambo, Cerci (63. Prediger) – Kacani (57. Yildiz), Tucci.

VfB II: Hammel – Karikari, Robin Schuster, Kovacevic, Schwabe – Träsch, Perchtold, Ikeng (75. Klotz), Klauß – Schipplock (70. Dausch), Hofmann (83. Hindelang).

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen). Tore: 0:1 Hofmann (48.), 1:1 Tucci (65.). Besonderes Vorkommnis: Träsch scheitert mit Handelfmeter an Yelldell (85.).

Stuttgarter Zeitung

Fangruppen liefern sich Schlägerei
Nach dem Lokalderby zwischen den Stuttgarter Kickers und der zweiten Mannschaft des VfB ist es gestern auf der Waldau zu einer Schlägerei von Fangruppen gekommen. An der Auseinandersetzung waren laut Polizei circa 50 Männer beteiligt.

Zwei Randalierer, ein Passant und zwei Polizeibeamte seien bei dem Streit leicht verletzt worden, ins Krankenhaus musste aber niemand. Die Polizei nahm vorübergehend 32 Mitglieder beider Fanlager im Alter zwischen 16 und 38 Jahren fest.

Die Ausschreitungen hatten erst eine Stunde nach Spielende gegen 17.45 Uhr begonnen. Die rivalisierenden Fußballfans trafen im Bereich der Parkplätze am Fernsehturm aufeinander. Als die ersten Einsatzfahrzeuge der Polizei eintrafen, flüchteten sie in den an das Stadion angrenzenden Wald.

Die Polizei nahm am Ort der Schlägerei zwei leicht verletzte Randalierer fest, fünf stellte sie im Wald, weitere im Umfeld des Stadions. Laut Zeugen sollen einige Fans vermummt gewesen sein. Ein Passant habe einen Schlag auf den Kopf erhalten, drei Beamte seien bei der Festnahme von Randalierern leicht verletzt worden.

Die VfB-Anhänger seien bei der Schlägerei „deutlich in der Überzahl“ gewesen, so ein Polizeisprecher. Auseinandersetzungen dieser Art seien auf der Waldau sonst „eher ungewöhnlich“. Die Polizei war mit 80 Kräften vor Ort, deutlich mehr als sonst. Die Beamten hatten die VfB-Fans vom „Kommando Bad Cannstatt“ vor dem Spiel von der City in der Bahn zum Stadion begleitet.ury

Stuttgarter Zeitung

Selbst viele VfB-Fans drücken den Kickers die Daumen
Lokalderby vor einer Rekordkulisse von 7190 Zuschauern – Auch nach dem Spiel hoffen Kickersfans auf einen Platz in der dritten Liga

Das Derby Kickers gegen VfB II ist für die Fans von der Waldau ein Wechselbad aus Hoffnung und Resignation gewesen. Selbst mancher VfB-Anhänger streifte einmal das blau-weiße Trikot über, auch wenn andere wie üblich schwarz trugen und sich martialisch gaben.

Von Mathias Bury

Die Stimmungsbilder konnten unterschiedlicher kaum sein: An Tor 5 des Gazi-Stadions verbreitete sich eine Stunde vor Spielbeginn hektische Betriebsamkeit. Ein Pulk von VfB-Fans überquert im Laufschritt und mit Geschrei den Parkplatz, eskortiert von Bereitschaftspolizei mit berittenen Beamten.

Mit schwarzen Shirts und grimmigem Blick geben sich die VfB-Anhänger bei der Leibesvisitation am Einlass martialisch. Das „übliche Imponiergehabe“, urteilte der Einsatzleiter der Polizei, der für das Lokalderby zwischen der zweiten Mannschaft des VfB und den Stuttgarter Kickers aber doch weit mehr Kräfte im Einsatz hat als üblich.

Einstweilen bleibt die Lage ruhig. Vorerst belässt es das „Kommando Bad Cannstatt“ bei Verbalattacken. Von „Rangordnung“ und vom „Feind“ ist die Rede, dem man nichts schenken werde. Erst nach Spielende kommt es zu einer Schlägerei rivalisierender Fans (dazu nebenstehender Beitrag).

Ganz anders die Szenerie auf der gegenüber liegenden Seite des Stadions. Den Gesichtern der Kickersfans an Tor 6 ist jedenfalls keine Anspannung abzulesen. „Viele haben schon resigniert“, beschreibt eine Ordnerin, die seit mehr als zehn Jahren im Gazi-Stadion am Einlass steht, die Atmosphäre.

Dabei haben die Anhänger der Blauen allen Grund, angespannt in das Schicksalsderby zu gehen. Anders als der VfB, der sicher in der neuen dritten Liga ist, kämpfen die Kickers ums Überleben. „Wenn sie es nicht schaffen, geht der Verein kaputt“, das ist für Augusto Ferrari ausgemacht. Seit mehr als 30 Jahren hat der 71-jährige Möhringer eine Dauerkarte fürs Stadion auf der Waldau.

Die Aussicht, der Traditionsverein könnte durch eine Niederlage ins Nichts versinken, geht selbst eingefleischten VfB-Fans ans Herz. „Die Kickers sollten gewinnen“, sagt Ferraris Fußballkumpan Helmut Ulmer, der mal Jugendleiter beim VfB war. Er fände es sogar in Ordnung, wenn die Kicker vom Wasen denen von der Waldau durch Zurückhaltung helfen würden. „Sonst geht eine Ära zu Ende“, fühlt sich auch Andreas Mecki mit den Kickers solidarisch. Sogar das blau-weiße Shirt hat der VfB-Anhänger für diesen Tag aus seinem Trikotfundus gezogen.

Als die Partie vor der Rekordkulisse von 7190 Zuschauern beginnt, ist manchem Kickersfan mulmig zumute. „Das ist eine Abschiedsvorstellung, ein Begräbnis, bei der man dem Verstorbenen noch mal die letzte Ehre erweist“, sagt Werner Nemetz. „Ein Leben lang“ sei er ins Waldaustadion gekommen, erzählt der 59-Jährige aus Sonnenberg. Sollte der Verein es nicht in die dritte Liga schaffen, werde er in der „Liga der Namenlosen“ kicken, ohne Geld, ohne Publikum.

So viel Pessimismus will Nemetz“ Fußballkollege Joachim Berleong nicht stehen lassen. „Wir machen noch eins – irgendwie“, schöpft der 58-Jährige nach dem 1:1-Ausgleich Hoffnung. Und dann ergeht er sich mit Nemetz in Vereinsnostalgie. „Der Klinsmann hat hier spielen gelernt, auch der Buchwald und der Allgöwer, und die Bayern haben wir schon zweimal geschlagen“, sagen sie stolz.

Werner Nemetz nimmt von dieser Vereinsgeschichte schon mal Abschied. „So was wird es nicht mehr geben“, sagt er wehmütig mit Blick auf das volle Stadion und die Sprechchöre des Cannstatter Blocks.

Doch auch nach Spielende ist offen, ob die Kickers es nicht doch noch schaffen. Mag das Lied „Wind of Change“ von den Scorpions eher sentimentale Abschiedsstimmung verbreiten: Joachim Berleong zückt das Blatt mit dem Tabellenstand und rechnet die Restchancen aus. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Stuttgarter Zeitung

Yelldell hält die Blauen im Rennen
Torwart pariert Elfmeter und ist zu 100 Prozent von der Qualifikation überzeugt – Garcia setzt Prämie aus

Stuttgart – Die Stuttgarter Kickers haben vor dem letzten Regionalliga-Spieltag am kommenden Samstag (13.30 Uhr) weiter die Chance, sich für die dritte Liga zu qualifizieren. Zu verdanken haben sie das der Heimniederlage des SSV Reutlingen und ihrem überragenden Torwart David Yelldell.

VON JÜRGEN FREY

Nach Bekanntgabe der Ergebnisse von den anderen Plätzen hellte sich die Miene von Dirk Eichelbaum sichtlich auf: „Das gibt“s doch nicht. Wir treiben den Showdown auf die Spitze“, sagte der Kickers-Präsident und schüttelte ungläubig mit dem Kopf. Dass die Blauen vor der letzten Partie bei der SV Elversberg überhaupt noch im Rennen sind, haben sie aber nicht nur den Niederlagen des SSV Reutlingen und der SF Siegen zu verdanken, sondern vor allem ihrem Torwart: Hätte Yelldell mit dem gehaltenen Elfmeter vier Minuten vor Schluss nicht das 1:1 gegen den VfB II gerettet, die Kickers hätten sämtliche Rechenspiele vergessen können. Eine Niederlage wäre das definitive Aus im Rennen um die dritte Liga gewesen.

So aber ist die Hoffnung größer denn je. Auch bei Yelldell, der zum dritten Mal hintereinander zum Kickers-Spieler der Saison gewählt wurde und dessen Wechsel zu Zweitligist TuS Koblenz wohl noch in dieser Woche perfekt gemacht wird: „Ich bin hundertprozentig sicher, dass wir es packen“, sagt der 26-Jährige und liefert die Begründung gleich mit: „Wir haben so lange auf ein Endspiel in Elversberg hingearbeitet, jetzt haben wir es – und lassen uns die Chance nicht mehr nehmen.“ Natürlich weiß auch er, dass ein Reutlinger Sieg in Siegen alle Kickers-Träume platzen ließe, doch daran glaubt der Keeper nicht: „Der SSV gewinnt dort nicht – weil Siegen hoch motiviert ist und selbst noch Chancen hat.“

Alle Konzentration gilt nun der Partie in Elversberg. Am heutigen Montag (15 Uhr) beginnt Trainer Stefan Minkwitz mit der Vorbereitung. Yelldell wird spielen können, obwohl er sich noch lange nach dem Abpfiff wegen einer Knöchelverletzung behandeln ließ. Die Sperre von Torjäger Angelo Vaccaro ist abgelaufen, und bei Mittelfeldass Mustafa Parmak deutet vieles darauf hin, dass er zumindest eine Halbzeit lang am Ball sein kann. Als zusätzliche Motivationsspritze hat Hauptsponsor Eduardo Garcia im Falle der Drittliga-Qualifikation spontan 25 000 Euro für die Mannschaftskasse versprochen. Außerdem werden die Blauen alles dafür tun, dass so viele Fans wie möglich die Elf ins 210 Kilometer entfernte Elversberg begleiten. Eichelbaum: „Wir werden uns an den Buskosten ins Saarland beteiligen. Das Stadion wird fest in Kickers-Hand sein.“Bis Samstag gegen 15.20 Uhr muss der Kickers-Chef noch zweigleisig planen. Mögliche Neuzugänge wie Matthias Heckenberger und Marc Schnatterer (beide KSC II) stecken in der Warteschleife. Andere Personalien stehen unabhängig von der Ligazugehörigkeit vor dem Abschluss. Heute werden die Kickers bekanntgeben, dass sich ab sofort eine professionelle Werbeagentur um die Akquise von Sponsoren kümmern wird. Und von Dieter Wahl liegt die Zusage für eine Rückkehr ins Kickers-Präsidium vor – geknüpft an Bedingungen wie etwa eine schnelle Entlastung des alten Präsidiums.

Doch zunächst zählt einzig und allein nur eines: Spiel und Sieg in Elversberg.

Stuttgarter Nachrichten

Die Lage vor dem Saison-Finale
Kickers müssen drei Punkte holen, und der SSV Reutlingen darf nicht gewinnen

Die Stuttgarter Kickers (42 Punkte / Tordifferenz +1) erreichen in der Regionalliga Süd Platz 10 und qualifizieren sich für die neue dritte Liga, wenn . . .

. . . sie ihr letztes Saisonspiel am kommenden Samstg bei der SV Elversberg gewinnen und der SSV Reutlingen (44 Punkte / Tordifferenz 0) seine Begegnung bei den Sportfreunden Siegen (42 Punk-te / Tordifferenz -3) nicht gewinnt. Verliert Reutlingen, darf der Erfolg für Siegen allerdings nicht um mehr als vier Tore höher ausfallen als der Kickers-Sieg in Elversberg.

. . . wenn Siegen mit mehr als vier Toren Unterschied gegen Reutlingen gewinnt und die Kickers ihrerseits in Elversberg mit einer um maximal drei Tore geringeren Differenz als die Sportfreunde Siegen gewinnen. Beispiel: Siegen gewinnt 7:1, die Kickers gewinnen 3:0.

Knifflig wird es, wenn die Kickers und Siegen nach dem letzten Spieltag punktgleich sind und auch die gleiche Tordifferenz aufweisen. Außerdem müsste die Anzahl der erzielten Tore und der Gegentreffer identisch sein. Diese Konstellation ergäbe sich, wenn der Kickers-Sieg in Elversberg um vier Tore niedriger ausfällt als Siegens Erfolg gegen Reutlingen, wobei die Kickers jeweils ein Gegentor mehr kassieren müssten als Siegen. Beispiel: Siegen gewinnt 6:1, die Kickers gewinnen 3:2. Dann hätten beide Mannschaften 45 Punkte und ein Torverhältnis von 39:37. Da auch der direkte Saison-Vergleich beider Clubs (jeweils 1:1) unentschieden endete, käme es laut DFB-Spielordnung in diesem Fall auf die höhere Zahl aller auswärts erzielten Tore an. Da haben beide Teams bisher 16 Treffer vorzuweisen – diesen Vergleich würden die Kickers bei einem Sieg in Elversberg gewinnen. StN

Stuttgarter Nachrichten

VfB: Diskussionen um den Elfmeter
Adrion-Elf versiebt Chancen
 

Direkt nach dem Abpfiff nahm sich Rainer Adrion seinen Führungsspieler zur Seite: Der VfB-Trainer besprach mit Peter Perchtold die Schlüsselszene des turbulenten Derbys bei den Kickers (1:1). Warum hatte nicht der etatmäßige Elfmeterschütze den Strafstoß (86.) geschossen, sondern Christian Träsch? Adrion erklärte es so: „Beide waren vorgesehen und sollten sich besprechen. Perchtold hatte zuletzt verschossen, und Träsch fühlte sich sicher.“

Gerüchte auf der Tribüne, Träsch habe absichtlich verschossen, brachten den VfB-Coach auf die Palme: „So ein Schwachsinn. Träsch ist wie angestochen herumgerannt, wollte seinen Fehler sofort wiedergutmachen.“ Der von Recep Yildiz völlig unnötig verursachte Handelfmeter war zwar die größte Chance, die der spielerisch überlegene VfB versiebte, aber längst nicht die einzige. Bei sehr guten Kontermöglichkeiten nach der Pause hätten die Roten die Partie entscheiden können. Die Inkonsequenz im Abschluss erweist sich in der Rückrunde als größte VfB-Schwäche. „Daraus lernen die Jungs für die neue Saison“, war sich Perchtold nach dem Abpfiff sicher – und strich heraus, dass auch sein Team unter Druck stand: „Gehen wir hier 0:3 unter, spricht doch jeder von Nachbarschaftshilfe.“

Derbys sind eine pikante Angelegenheit. Nächste Saison wird Perchtold dies eine Etage höher erleben: in Liga zwei mit seinem künftigen Club 1. FC Nürnberg gegen die SpVgg Greuther Fürth. Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

Schlägerei nach Spiel auf Waldau
32 Personen festgenommen
 
Rivalisierende Fangruppen haben sich am Samstagnachmittag nach dem Fußball- Regionalligaspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und dem VfB Stuttgart II eine Schlägerei geliefert.

Insgesamt rund 50 Personen hätten etwa um 17.45 Uhr bei den Parkplätzen am Fernsehturm die Ausschreitungen verursacht, teilte die Polizei am Samstag mit. Das Spiel auf der Waldau sei zu dem Zeitpunkt schon eine Stunde vorbei gewesen.

Als die Beamten am Schauplatz in Degerloch eintrafen, flüchteten zahlreiche Schläger in die angrenzenden Waldgebiete. Zwei Leichtverletzte im Alter von 21 und 22 Jahren blieben zurück. Die Polizei setzte den Flüchtenden nach und konnte 32 Personen im Alter von 16 bis 38 Jahren in der näheren Umgebung des Tatorts vorläufig festnehmen. Drei Polizisten erlitten dabei allerdings leichte Verletzungen. Die Polizei nahm Anzeigen auf, unter anderem wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch. Im Lauf des Abends wurden die Festgenommen wieder auf freien Fuß gesetzt. rd

Stuttgarter Nachrichten

Zittern bis zum Schluss
 
Nach dem 1:1 im Stadtderby gegen den VfB II kämpfen die Stuttgarter Kickers am finalen Spieltag um den letzten Platz in der dritten Liga
 
Stuttgart – Das Hoffen geht weiter. Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers hat nach dem 1:1 (0:0) im nervenaufreibenden Derby gegen den VfB II immer noch die Chance, sich für die dritte Liga zu qualifizieren. Am letzten Spieltag steigt der Dreikampf mit dem SSV Reutlingen und den SF Siegen um den einzigen noch offenen Startplatz.
 
Von Beate Wockenfuß

„Wenn wir verloren hätten, wäre es vorbei gewesen“, atmete Kickers-Manager Joachim Cast nach der Anspannung erleichtert auf und war in Gedanken bereits beim Saisonfinale am Samstag (13.30 Uhr): „Das ist an Dramatik nicht zu überbieten.“ Während die Kickers bei der SV Elversberg antreten, treffen sich die beiden Kontrahenten zum Direktduell in Siegen. Eins ist klar: Die Stuttgarter (42 Punkte) müssen in jedem Fall gewinnen, um ihre Chance zu wahren – und dann darauf hoffen, dass der SSV Reutlingen (44) gegen die Sportfreunde Siegen (42) entweder verliert oder unentschieden spielt. „Das Stadion in Elversberg muss fest in Kickers-Hand sein“, fiebert Cast dem Showdown entgegen.Doch bis dahin geht das Zittern weiter. Schon die 90 Minuten gegen den VfB II waren nichts für schwache Nerven. Vor der Saison-Rekordkulisse von 7190 Zuschauern lieferten sich die Stadtrivalen einen Schlagabtausch, der keinen Sieger verdiente. Während die Chancen auf beiden Seiten in der ersten Hälfte noch ungenutzt blieben, wurde es nach der Pause richtig spannend. Sebastian Hofmann (50. Minute) brachte den VfB II in Führung, die Marco Tucci (63.) egalisierte. Unterm Fernsehturm keimte wieder Hoffnung auf – die jedoch ein Pfiff von Bundesliga-Schiedsrichter Peter Gagelmann endgültig zu zerstören drohte. Nach einem Handspiel von Recep Yildiz im Strafraum entschied der Referee kurz vor Schluss (86.) auf Elfmeter. Doch auf den gewohnt starken David Yelldell war wie so oft in dieser Spielzeit Verlass. Der Kickers-Torhüter, der vor der Partie zum dritten Mal in Folge als bester Spieler der Saison ausgezeichnet wurde, parierte den Schuss von Christian Träsch locker. Alexander Rosen hatte kurz danach (89.) noch den Siegtreffer auf dem Fuß, schoss aber knapp übers Tor. Nach dem Schlusspfiff herrschte zunächst Grabesstimmung. In der Annahme, durch das Remis aus dem Rennen zu sein, hockten die Kickers traurig auf dem Rasen. Während die VfB-Fans hämisch „Absteiger, Absteiger“ brüllten, versuchten die Spieler in Rot die in Blau zu trösten. Doch als die Ergebnisse der Konkurrenz verkündet wurden, brandete wieder Jubel auf. Vor allem durch die überraschende 0:4-Heimpleite der Reutlinger gegen den SC Pfullen­dorf ist noch alles drin. „Wir sind noch am Leben und werden es auch schaffen“, bleibt Kickers-Trainer Stefan Minkwitz optimistisch.

Statistik

Stuttgarter Kickers: Yelldell – Deigendesch, Mann, Rapp, Stierle – Petruso (52. Benda), Rosen, Gambo, Cerci (62. Prediger) – Kacani (57. Yildiz), Tucci.

VfB Stuttgart II: Hammel – Opoku-Karikari, Robin Schuster, Kovacevic, Schwabe – Perchtold, Träsch, Ikeng (75. Klotz) – Hofmann (83. Hindelang), Schipplock (69. Dausch), Klauß.

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen). Zuschauer: 7190.

Tore: 0:1 Hofmann (50.), 1:1 Tucci (63.).

Gelbe Karten: – / -.

Besonderes Vorkommnis: Yelldell hält Handelfmeter von Träsch (86.).

Beste Spieler: Yelldell, Rapp / Kovacevic, Hofmann.
 
Eßlinger Zeitung

Kickers – VfB Stuttgart II 1:1 (0:0)

Die Kickers verpassten heute leider ihre Chance um den Sprung auf Platz 10 zu schaffen. Die Mannschaft von Trainer Stefan Minkwitz spielte vor der tollen Kulisse von 7.190 Zuschauern im GAZi-Stadion auf der Waldau gegen die Amateurmannschaft des VfB Stuttgart nur 1:1-Unentschieden. Sebastian Hoffmann brachte die Gäste aus Cannstatt in der 48. Minute in Führung, die Marco Tucci in der 63. Minute ausgleichen konnte. In der letzten halben Stunde hatten beiden Mannschaften ihre Möglichkeiten, den Siegtreffer zu erzielen: David Yelldell hielt in der 84. Minute den Foulelfmeter von Christian Träsch, Alexander Rosen schoss freistehend in der 89. über das Tor.

Die Aufstellung:

Es gab nur eine Änderung in der Mannschaft im Vergleich zum 2:0-Heimsieg gegen die SpVgg Unterhaching in der vergangenen Woche. Für den gesperrten Torjäger Angelo Vaccaro stürmte heute Sokol Kacani. Auch Marcus Mann konnte nach überstandener Zehenoperationen auflaufen, ebenso die angeschlagenen Bashiru Gambo (Leiste) und Alexander Rosen (Schulter), die auch heute wieder auf die Zähne bissen. Im Tor spielte selbstverständlich David Yelldell, der vor der Partie von den Fans wieder zum besten Spieler der Saison gekürt wurde. Die Abwehrkette von links nach rechts mit Oliver Stierle, Marcel Rapp, Marcus Mann und Benedikt Deigenesch, im Mittelfeld spielten Ferhat Cerci links und Franco Petruso auf der rechten Außenpositionen, Alexander Rosen und Bashiru Gambo wieder zentral. Im Angriff stürmten Sokol Kacani und Marcco Tucci.
Beim VfB II konnte Trainer Rainer Adrion fast in Bestbesetzung spielen lassen. Verzichten musste er nur auf Johannes Rahn (Knieverletzung) und Sebastian Rudy, der mit der Nationalmannschaft unter der Woche im Einsatz war.

Zum Spielverlauf:

Ein prächtiges frühsommerliches Wetter und ein mit 7.190 Zuschauern toll gefülltes GAZi-Stadion waren die Rahmenbedingungen für ein spannendes Regionalligaderby zwischen den „Blauen“ und den „Roten“.
Die Anfangsminuten gehörten den Kickers, die wieder versuchten den Gegner früh zu attackieren. „Wir brauchten in den ersten fünf bis zehn Minuten, bis wir in die Partie gefunden hatten, danach aber haben wir unseren Rhythmus gefunden“, so Gästetrainer Rainer Adrion nach der Partie. Und genau so war es auch. Die junge Mannschaft des VfB verstand es gut, den Ball in ihren eigene Reihen zu halten. Ballsicher, spritzig, technisch versiert und spielerisch überlegen trumpfte der VfB auf und hatte mit dem Drehschuss von Marijan Kovacevic die erste Möglichkeit, die David Yelldell zur Ecke abwehren konnte (8.).
Die Kickers aber hielten kämpferisch und mit viel Einsatz dagegen und wurden von Beginn an von den viele vielen Kickers-Fans im Stadion angetrieben: Ferhat Cerci dribbelte sich auf der linken Seite durch und zog in die Mitte, doch an seinen Schuss ins lange Ecke kam Gästekeeper Timo Hummel mit den Fingerspitzen noch dran (10.). Nur wenigen Minuten später flankte Oliver Stierle in den Strafraum, von Franco Petruso den Ball volley nahm, doch Timo Hummel war schnell im rechten Eck und konnte klären (12.).
In der Folgezeit hatten die Gäste mehr vom Spiel, auch weil Die Kickersspieler meist zu weit weg stand und sie spielen ließen. So kamen die Kickers kaum in die Zweikämpfe und selten zu den sonst so häufigen Balleroberungen. In der 25. Minute ließ David Yelldell einen langen Ball beim Herauslaufen wieder fallen, doch Peter Perchtold konnte den Fehler nicht ausnutzen, denn sein Lupfer aus gut 16 Metern landete auf dem Tornetz.
Das Spiel ging hin und her, auch wenn die richtig guten Torraumszenen fehlten. Bei den Kickers fehlte in der Offensive meist der letzte entscheidende Pass oder der Mut, auch einfach mal abzuziehen.
So gab es erst fünf Minuten vor der Pause die nächste nennenswerte Möglichkeit, als sich Alexander Rosen durchtankte, drei Gegenspieler stehen ließ und den Ball auf Sokol Kacani durchspitzelte. Der Kickers-Stürmer legte sich den Ball kurz zurecht und zog aus 16 Metern ab, doch sein Schuss war zu unplatziert, so dass Timo Hammel mit den Fäusten abwehren konnte (40.). Danach war Halbzeitpause.

Die zweite Hälfte begann ohne Wechsel auf beiden Seiten, doch leider mit dem Schock für die Kickers-Fans: Bashiru Gambo wurde wie so oft im Mittelfeld gesucht, um über den ansonsten so ballsicheren Mittelfeldspieler der Blauen das Spiel zu eröffnen. Doch dieses Mal wurde er entscheidend gestört, so dass sein Pass nach außen abgeblockt wurde und direkt im Lauf von Sebastian Hoffmann landete, der vom Mittelkreis weg frei auf das Kickers-Tor stürmen konnte. Diese Chance ließ sich der Torjäger des VfB nicht nehmen und schloss mit links ins rechte Eck zur 0:1-Führung für den VfB II ab.
In der 57. Minute musste eigentlich das 0:2 fallen, als Jose Ikeng aus vielleicht vier Metern den Ball am Tor vorbeiköpfte. Vorausgegangen war ein gewonnener Zweikampf von Michael Klauß, der auf der Grundlinie die Flanke auf den zweiten Pfosten schlagen konnte. Glück für die Kickers, dass der VfB-Spieler diesen Chancen vergab.
In der Zwischenzeit hatte Stefan Minkwitz bereits drei Mal gewechselt: Sascha Benda, Recep Yildiz und Dirk Prediger kamen in die Partie und fortan spielten die Blauen mit drei Spitzen.
Und wie aus dem Nichts fiel dann der 1:1-Ausgleichstreffer: Benedikt Deigendesch dribbelte von der Seite in die Mitte und zog aus gut 20 Metern mit links ab. Sein toller Schuss knallte an den linken Pfosten und sprang wieder zurück vor den Gästekeeper. Der eingewechselte Recep Yildiz reagierte am Schnellsten und schoss zum ersten Mal, doch sein Versuch konnte Timo Hammel noch abwehren. Zum Glück setzte aber auch Marco Tucci nach und stand am richtigen Fleck, denn er versenkte den Abpraller zum 1:1 (63.). Die Kickers waren wieder im Spiel.
So entwickelte sich eine spannende letzte halbe Stunde. Die Kickers drängten nun mit mehr Selbstvertrauen und angetrieben von den Fans im Stadion auf den zweiten Treffer. Für den VfB ergaben sich selbstverständlich nun immer wieder Konterchancen. Einen dieser Konter hätte Michael Klauß nutzen müssen, als der VfB 3 gegen 2 Überzahl hatte, doch sein Schuss aus 15 Metern zentral vor dem Tor war viel zu harmlos (75.).
Auf der anderen Seite köpfte Marcus Mann eine Ecke von Sascha Benda nur Zentimeter über das Tor (76.).
In der 84. Minute hatte Kickers-Torhüter David Yelldell seine Sternstunde: Recep Yildiz schirmte mit seinem Körper den Ball vor dem VfB-Stürmer ab, der sich um ihn klammerte und zum Fallen brachte. Yildiz rechnete wohl mit dem Pfiff von Schiedsrichter Peter Gagelmann, denn er schnappte sich im Fallen mit der Hand den Ball. Der Bundesligaschiedsrichter pfiff, aber erst das Handspiel und somit Handelfmeter für den VfB. Alles reklamieren der Kickers-Spieler nutze nicht, doch die Kickers haben ja David Yelldell im Tor stehen. Christian Träsch legte sich den Ball zurecht, doch sein Versuch war viel zu unplatziert. David Yelldell schnappte das Leder im Nachfassen und hielt damit seine Mannschaft im Spiel (85.).
So hatten die Kickers ihre letzte Möglichkeit, den Siegtreffer zu landen, doch Alexander Rosen vergab. Der Mittelfeldspieler wurde von Marcus Mann schön freigespielt und stand halbrechts völlig frei vor dem Tor, doch leider versagten ihm die Nerven und sein Schuss ging gut zwei Meter über das Tor. Kurz darauf pfiff Peter Gagelmann das faire Derby auf die Sekunde genau, ohne Nachspielzeit und ohne eine einzige Verwarnung ab.
Aufgrund der hohen Heimpleite des SSV Reutlingen gegen den SC Pfullendorf und der Niederlage von SF Siegen beim VfR Aalen klettern die Kickers auf den 11. Platz und der Abstand auf Platz 10 beträgt nunmehr zwei Punkte. Reutlingen muss am letzten Spieltag in Siegen antreten, die punktgleich mit den Kickers auf Platz 12 liegen, aber ein schlechteres Torverhältnis haben. Die Kickers müssen bei der SV Elversberg antreten und dort gewinnen. Sollte der Sieg gelingen und Reutlingen nur unentschieden spielen oder verlieren, würden die Kickers auf den 10.Tabellenplatz klettern, der zur Quali für die 3. Liga berechtigen würde.
Also Kickers-Fans, nächste Woche gilt es! Unterstützt die Mannschaft in Elversberg!

Die Trainerstimmen:

Rainer Adrion: Die Vorzeichen für eine tolles Derby waren super, es ging für beide Mannschaften um viel vor einer tollen Zuschauerkulisse. Ich denke wir haben ein sehr sehr gutes Regionalligaspiel gesehen von beiden Mannschaften. Wir haben in den ersten 5 bis zehn Minuten gebraucht, um in die Partie zu kommen, doch danach haben wir unseren Rhythmus gefunden. Die Kickers haben aber sehr viel Entschlossenheit gezeigt und Druck aufgebaut, so dass sich ein richtig gutes Derby mit vielen Chancen ergab, das aber sehr fair abgelaufen ist. Es ging hin und her, rauf und runter und jeder hätte gewinnen können. Ich denke wir haben gezeigt, dass wir nichts zu verschenken hatten und ein gutes Spiel zeigen wollten, die Kickers wollten nichts geschenkt haben. Ich bin mit der Spielweise meiner Mannschaft zufrieden, auch mit dem Unterhaltungswert des Derbys.“

Trainer Stefan Minkwitz: „Ich brauche der Spielanalyse meines ehemaligen Chef-Trainerns nichts mehr hinzufügen, denn ich sah es genauso. Der VfB war uns spielerisch überlegen, wir haben mit Kampf und Laufbereitschaft aber dagegengehalten. Was ich aber nicht verstehe ist, wie einige unserer Spieler schon vor der Einwechslung ausgepfiffen werden, aber es war ja heute unser letztes Heimspiel. Wenn einer zu Jahresbeginn gesagt hätte, dass wir am letzten Spieltag noch die Möglichkeit haben, uns für die 3.Liga zu qualifizieren, den hätte man wahrscheinlich als bekloppt bezeichnet. Noch sind wir am Leben und können es am letzten Spieltag in Elversberg schaffen. Wir werden uns gut vorbereiten und die benötigten und erhofften drei Punkte einfahren.“

Die Spielstatistik:

Kickers: David Yelldell – Benedikt Deigendesch, Marcus Mann, Marcel Rapp, Oliver Stierle – Franco Petruso (52. Sascha Benda), Alexander Rosen, Bashiru Gambo, Ferhat Cerci (63. Dirk Prediger) – Sokol Kacani (57. Recep Yildiz), Marco Tucci – Trainer: Stefan Minkwitz
VfB Stuttgart II: Timo Hammel – Jeremy Opoko-Karikari, Robin Schuster, Marijan Kovacevic, Joachim Schwabe – Christian Träsch, Peter Perchtold, Jose Ikeng (75. Nico Klotz), Michael Klauß – Sven Schipplock (70. Martin Dausch), Sebastian Hofmann (83. Andreas Hindelang) – Trainer: Rainer Adrion

Zuschauer:
7.190 Fans im GAZi-Stadion auf der Waldau

Torfolge:
0:1 Sebastian Hofmann (48.)
1:1 Marco Tucci (65.)

Schiedsrichter:
Peter Gagelmann (Bremen)

Verwarnungen:
keine

Besondere Vorkommnisse:
Christian Träsch scheitert mit Handelfmeter an David Yelldell (85.)

Offizielle Homepage

Vorberichte IV: Stuttgarter Kickers – VfB Stuttgart II

„Wir wollen uns den Sieg ehrlich verdienen“

Der Kickers-Trainer Stefan Minkwitz erwartet heute im Regionalligaderby gegen den VfB keine Schützenhilfe des Lokalrivalen

STUTTGART. Die Spannung steigt vor dem Regionalligaderby heute (14 Uhr) zwischen den Stuttgarter Kickers und dem VfB Stuttgart II. „Wir freuen uns auf das Spiel vor der zu erwartenden Rekordkulisse“, sagt selbst der Gästetrainer Rainer Adrion.

Von Joachim Klumpp

Wer zu spät kommt, den bestraft möglicherweise der Süddeutsche Fußball-Verband. Denn der hat sämtliche Regionalligavereine am vorletzten Spieltag der Saison nochmals eindrücklich darauf hingewiesen, zeitgleich zu beginnen, um jeden Ansatz der Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden. Das heißt also, auch das brisante Derby Kickers gegen den VfB Stuttgart II wird heute pünktlich um 14 Uhr im Gazi-Stadion angepfiffen. „Selbst wenn noch Tausend Leute an den Kassen warten“, wie der Kickers-Manager Joachim Cast betont. Der rechnet auf jeden Fall damit, dass die Saisonbestmarke von 4300 Besuchern aus der Vorwoche gegen Unterhaching geknackt wird. Darauf deutet nach dem Vorverkauf alles hin – so dass zwischen 5000 und 6000 Zuschauer (darunter möglicherweise sogar Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger) erwartet werden. „Wir hoffen, dass uns die Fans genauso unterstützen wie gegen Unterhaching“, sagt der Kapitän Oliver Stierle.

Schließlich steht viel auf dem Spiel, vor allem für die Kickers. Es ist das zweite von drei sogenannten Endspielen im Schlussspurt, das unbedingt gewonnen werden muss, um die Chancen auf Platz zehn und die künftige dritte Liga zu erhalten. Für dieses fast schon existenzielle Unterfangen werden alle Hebel in Bewegung gesetzt. So fuhr die Mannschaft schon gestern unmittelbar nach dem Training ins Partnerhotel nach Filderstadt, wo der Aufenthalt von einem Präsidiumsmitglied finanziert wird. „Wir wollten die Mannschaft einfach zusammen haben“, sagt der Trainer Stefan Minkwitz zu dieser außergewöhnlichen Maßnahme, denn die Kickers übernachten erstmals in dieser Saison vor einem Heimspiel im Hotel.

„Die Mannschaft ist heiß und hat im Training die richtige Aggressivität an den Tag gelegt“, sagt Minkwitz, der zudem nicht davon ausgeht, dass es Schützenhilfe des Lokalrivalen gibt. Und überhaupt: „Wir wollen uns den Sieg ehrlich verdienen.“

Wobei der VfB durchaus Spielverderber sein möchte. „Die Kickers müssen schon ihre beste Leistung abrufen, wenn sie uns schlagen wollen“, sagt der Trainer Rainer Adrion, der den Gegner zuletzt persönlich beobachtet hatte und recht angetan war von der Vorstellung der Kickers. Zudem muss Adrion heute nicht nur auf den Stürmer Johannes Rahn (Bänderanriss) verzichten, sondern auch auf Sebastian Rudy, der am Donnerstag noch einen 90-Minuten-Einsatz bei der Juniorennationalmannschaft absolvierte.

Doch auch die Kickers gehen nicht frei von Personalsorgen in die Partie. Mustafa Parmak kann, wenn überhaupt, zum Abschluss in Elversberg auflaufen, Mustafa Akcay fällt wegen Adduktorenbeschwerden aus und im Sturm fehlt ausgerechnet der Torjäger Angelo Vaccaro nach seiner zehnten Gelben Karte. Für ihn soll Sokol Kacani für die nötige Durchschlagskraft vor allem im Kopfballspiel sorgen. In der Innenverteidigung steht ein Fragezeichen hinter Marcus Mann, der am Zehen operiert wurde und erst am Donnerstag mit leichtem Lauftraining beginnen konnte. „Sein Einsatz entscheidet sich kurzfristig vor dem Spiel“, sagt Minkwitz.

Seine Einstellung verdeutlicht er so: „Vom Tabellenplatz ist der VfB zwar besser als wir“, sagt der Kickers-Trainer, „aber vom Potenzial her sind wir mindestens gleichwertig“. Während der Gast sicher Vorteile im taktischen und vor allem technischen Bereich besitzt, wollen die Kickers ihre Chance über das Zweikampfverhalten suchen. „Da sind die zweiten Mannschaften der Proficlubs am ehesten zu knacken“, sagt Minkwitz, der dem Kollegen Adrion (unter dem er 2003 bei den Kickers selbst gespielt hat) dennoch ein Lob ausspricht: „Er leistet beim VfB hervorragende Arbeit“, so Minkwitz.

Ob der darauf spekuliert, dass Rainer Adrion heute Nachmittag das Kompliment zurückgeben muss – nach einer Niederlage seines VfB?

Wegen des zu erwartenden Zuschauerandrangs werden die Kassen am Gazi-Stadion heute bereits um 12 Uhr geöffnet. Für die Haupttribüne gibt es allerdings nur noch maximal 50 Restkarten.

Stuttgarter Zeitung

Kickers erwarten keine Geschenke
Im Regionalliga-Derby gegen den VfB II hilft Blauen nur ein Sieg – Stierle: „Unter Druck immer stark“

Stuttgart – Nie war der Druck vor einem Derby gegen den VfB II größer: Die Kickers müssen an diesem Samstag (14 Uhr) gewinnen, soll der Sprung in die neue dritte Liga doch noch gelingen. Auf Schützenhilfe dürfen sie dabei nicht hoffen. „Niemals werden wir Punkte absichtlich verschenken“, sagt VfB-Trainer Rainer Adrion.

VON JOCHEN KLINGOVSKY

Den Kickers ist“s egal – sie erwarten keine Unterstützung. Sie müssen sich selbst helfen. „In diesem Derby gehen die Emotionen hoch, da gibt es keine Geschenke“, sagt Trainer Stefan Minkwitz, „wir wollen uns den Sieg ehrlich verdienen. Vom Potenzial her sind wir mindestens ebenbürtig.“

Das zeigt ein Blick auf die Tabelle der Rückrunde. Die Kickers sind Sechster, liegen einen Platz vor dem VfB II. Allerdings könnte der Endspurt der Blauen zu spät kommen. Wenn“s dumm läuft, reichen selbst sechs Punkte aus dem letzten Heimspiel und der Partie in einer Woche in Elversberg nicht für Platz zehn – auch wenn davon niemand etwas hören will. „In der Mannschaft ist absolut kein Thema, was passiert, wenn es nicht reichen sollte“, sagt Kapitän Oliver Stierle. Manager Joachim Cast erklärt: „Mit zwei Siegen sind wir in der dritten Liga.“ Und auch Minkwitz ist die Zuversicht in Person: „Wir sind überzeugt, es zu schaffen.“

Nur Durchhalteparolen? Nein, erklärt der Trainer. Die letzten Einheiten seien voller Aggressivität gewesen, die Spieler heiß auf das Duell: „Alle sind sehr angespannt.“ Minkwitz wertet das positiv. Denn spielerisch sei sein Team den kleinen Roten unterlegen. Aber: „Mit Zweikampfhärte sind sie zu packen.“ Und auch die nervliche Belastung ist offenbar kein Problem. „Ich bin acht Jahre bei den Kickers“, sagt Stierle, „unter Druck waren wir immer stark.“

Minkwitz bangt um Marcus Mann (Operation am Zeh), beim VfB II fehlen Johannes Rahn (Bänderanriss) und Sebastian Rudy, der unter der Woche zwei Einsätze im U-19-Nationalteam hatte. Längst im Urlaub ist der zu den Profis aufgerückte Manuel Fischer. Der Stürmer erzielte im Hinspiel den Treffer zum 1:0-Sieg des VfB II. Damals kamen 5900 Zuschauer, die Kickers erwarten heute noch ein paar mehr. Ab 12 Uhr sind alle zwölf Kassen vor dem Gazistadion geöffnet. Nicht anstellen muss sich Günther Oettinger – der baden-württembergische Ministerpräsident hat sich für das Derby angesagt. Diesmal, so ist zu vermuten, wird der VfB-Sympathisant den Blauen die Daumen drücken.

Stuttgarter Nachrichten

Heute, 14 Uhr, Gazi-Stadion: Derby gegen VfB-Reserve
Letzte Chance für die Kickers
Von HELMUT HEIMANN und NORBERT KRUMM

Zumindest für die Blauen geht es um alles…

Noch nie steckte im Regionalliga-Derby zwischen den Kickers und dem VfB so viel Brisanz wie heute (14 Uhr, Gazi-Stadion).
Stuttgarter Kicker Bashiru Gambo (r.) im Duell mit Joachim Schwabe vom VfB

Denn: Für die Blauen ist es die letzte Chance. Nur mit einem Sieg sind sie auch am letzten Spieltag noch voll dabei im Rennen um die Qualifikation für die neue 3. Bundesliga.

Diese haben die Roten bereits souverän erreicht. Doch Schützenhilfe für den Erzrivalen wird’s auf keinen Fall geben.

„Wir verteilen keine Geschenke“, sagt Trainer Rainer Adrion.

Kollege Stefan Minkwitz kontert: „Sowas haben wir auch gar nicht nötig. In der Tabelle ist der VfB zwar besser als wir. Aber vom Potential sind wir mindestens ebenbürtig.“

Das müssen die Kickers heute demonstrieren. „Die Mannschaft brennt, wir sind heiß“, sagt Kapitän Oliver Stierle.

Der letzte Biss ist bitter notwendig. Denn bei einem Unentschieden oder einer Niederlage droht dem Traditionsklub von der Waldau der Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

BILD

Vorberichte III: Stuttgarter Kickers – VfB Stuttgart II

„Die Wände bleiben weiß“
DAS DOPPELINTERVIEW

Selten ist das Fußballderby zwischen den Stuttgarter Kickers und dem VfB Stuttgart II brisanter gewesen. Morgen (14 Uhr) treten die Blauen in Degerloch zum vorletzten Saisonspiel an – und sie brauchen unbedingt einen Sieg, um ihre Chancen auf die Qualifikation für die dritte Liga zu wahren. Wird der VfB zum Spielverderber? Joachim Klumpp hat die Präsidenten Dirk Eichelbaum und Erwin Staudt befragt.

Die Stuttgarter Kickers warten immer noch auf ein Freundschaftsspiel gegen die VfB-Profis. Warum ist das in dieser Saison nicht zustande gekommen?

Eichelbaum (Kickers): Zunächst war der VfB durch die Dreifachbelastung Meisterschaft, Pokal und Champions League zeitlich blockiert. Dann gaben offenbar anderweitige Sponsorenverpflichtungen den Ausschlag, dass die wenigen freien Termine anderen Vereinen vorbehalten blieben.

Staudt (VfB): Weil sich die Kickers leider erst im April bei uns gemeldet haben, und da waren unsere Planungen für die Sommerpause bereits abgeschlossen.

Die Kickers kämpfen um die Qualifikation für die dritte Liga. Aus welchem Grund gehören sie in die neue Spielklasse?

Eichelbaum (Kickers): Weil die Kickers durch die große Tradition, den überregionalen Klang des Namens, den Rückhalt in der Stadt und der Region Stuttgart legitimiert sind – und sich vor allem sportlich trotz einer durchwachsenen Saison qualifizieren werden. Ich bin überzeugt, dass Ersteres die Vereine aus der jetzigen Regionalliga Nord auch so sehen.

Staudt (VfB): Die Kickers sind ein Traditionsverein, nicht nur in Stuttgart oder Baden-Württemberg, sie haben auch bundesweit noch einen guten Namen. Außerdem sind Stadtderbys immer etwas Besonderes, und ich hoffe für die Fans, dass es auch künftig Blau gegen Rot geben wird.

In der dritten Liga sind auch bis zu vier zweite Mannschaften von Profivereinen wie dem VfB zugelassen. Eine richtige Entscheidung?

Eichelbaum (Kickers): Grundsätzlich sehen das die meisten Vereine nicht gerne. Für den VfB gilt bei uns eine Ausnahme, weil die Spiele immer sehr gut besucht sind. Mit Sorge sehen wir vor allem, dass die Begrenzung auf vier Teams nur für die erste Saison gilt.

Staudt (VfB): Auf jeden Fall. Unsere A- und B-Junioren spielen in der höchsten Spielklasse, da ist es nur logisch, dass auch unsere zweite Mannschaft in der höchstmöglichen Liga antritt. Denn nur so können wir unsere jungen Spieler bestmöglich auf die Anforderungen in der Bundesliga vorbereiten.

Wenn alles nach Plan läuft, werden sich die beiden Lokalrivalen künftig das Gazi-Stadion als Spielstätte teilen. Haben Sie sich schon geeinigt, ob der VIP-Raum künftig blau oder rot gestrichen wird?

Eichelbaum (Kickers): Über die Gestaltung wurde noch nicht gesprochen. Rot als dominierende Farbe halte ich für ausgeschlossen. Wir werden den VfB aber nicht auf so niederer Ebene provozieren, dass die Wände noch schnell blau gestrichen werden – die bleiben weiß.

Staudt (VfB): Da ist unsere Marketing GmbH mit den Kickers und der Stadt Stuttgart im Dialog, und ich bin mir sicher, dass es in dieser Angelegenheit eine einvernehmliche Lösung für alle Seiten geben wird.

Ist um das Derby herum ein Gedankenaustausch geplant, oder geht jeder seine eigenen Wege?

Eichelbaum (Kickers): Das Präsidium des VfB wurde zu einem gemeinsamen Mittagessen vor dem Spiel eingeladen. Und der Trainer Rainer Adrion wurde schon beim letzten Heimspiel gegen Unterhaching gerne von uns bewirtet.

Staudt (VfB): Ich werde mir das Spiel am Samstag anschauen, ein längeres Gespräch ist nicht geplant – das kann sich aber durchaus ergeben.

Im Hinspiel haben etliche Kickers-Fans das Daimlerstadion boykottiert. Glauben Sie, dass die VfB-Anhänger jetzt zu einer Retourkutsche ansetzen?

Eichelbaum (Kickers): Ich hoffe nicht, sondern heiße alle VfB-Anhänger zum Besuch willkommen. Schließlich wird der VfB II in der nächsten Saison hier ebenfalls seine Heimspiele austragen.

Staudt (VfB): Das kann ich mir nicht vorstellen, da unsere Fans ja die Mannschaft unterstützen wollen. Darüber hinaus können wir uns schon mal ans Gazi-Stadion gewöhnen, da wir nächste Saison ja unsere Heimspiele dort austragen.

Wagen Sie einen Tipp?

Eichelbaum (Kickers): Von mir gibt es keinen Tipp; wir müssen gewinnen. Ob 1:0 oder 6:5, ist mir egal.

Staudt (VfB): Ich hoffe auf ein unterhaltsames Spiel – mit dem besseren Ende für uns.

Stuttgarter Zeitung

„Kickers in der vierten Liga – das wäre ein Verlust“
Guido Buchwald drückt im Derby den Blauen die Daumen – Ex-Profis beider Clubs offenbaren Sympathien
 
Stuttgart – Am Samstag (14 Uhr) steht wieder ein Derby zwischen den Stuttgarter Kickers und dem VfB II in der Fußball-Regionalliga an. Doch in diesem Derby steckt mehr Brisanz als in den vorigen: Die Blauen müssen die Roten schlagen, sonst ist die Qualifikation für die dritte Liga wohl verspielt.

VON JÜRGEN KEMMNER

Blau gegen Rot – diese Konstellation elektrisiert die Stuttgarter Fußball-Fans seit Jahrzehnten. Am Samstag droht nun sogar ein Kurzschluss – mit einem Sieg im Gazistadion kann der VfB die Blauen in die Niederungen der vierten Liga stoßen. Früher waren die Fronten streng gezogen, da hätten sich alle Roten über dieses Szenario diebisch gefreut, doch im Lauf der Zeit wurden die Grenzen durchlässiger. Nicht zuletzt, weil es Wechsel von Degerloch nach Cannstatt gab und sich mancher Profi auch in der umgekehrten Richtung auf den Weg machte. Wir haben ehemalige Spieler gefragt, die in beiden Trikots steckten, für wen sie am Samstag die Daumen drücken.

Guido Buchwald (4 Jahre als Spieler bei den Kickers/11 Jahre beim VfB): „Der VfB II spielt eine super Saison, mein Kompliment. Und weil er sich schon für die dritte Liga qualifiziert hat, schlägt mein Herz am Samstag eindeutig für die Kickers. Ich hoffe, dass sich die Blauen ebenfalls für die dritte Liga qualifizieren, das wäre wichtig für Stuttgart. Die Kickers in der vierten Liga, das wäre ein Verlust für den Fußball-Standort. Es wäre sehr, sehr schade, wenn die Kickers noch tiefer sinken würden.“

Marvin Braun (3/2): „Ich habe seit 2006 in St. Pauli gespielt, bin also schon eine Weile fort aus Stuttgart, deshalb betrachte ich dieses Derby ganz nüchtern aus der Ferne. Der VfB II steht ausgezeichnet da, für ihn spielt es eine untergeordnete Rolle, wie das Spiel endet. Die Kickers brauchen den Sieg, deshalb werde ich ihnen auch die Daumen drücken. Es wäre wirklich ganz schlimm, wenn sie in die vierte Liga runtermüssten.“

Karl Allgöwer (3/11): „Die Kickers haben eine Saison mit Höhen und Tiefen. Nach der Niederlage gegen Ingolstadt dachte ich, das war“s mit der dritten Liga – und dann gab es den grandiosen Sieg über den VfR Aalen und neue Hoffnung. Wem ich die Daumen drücke, ist nicht so leicht zu sagen. Es gab Zeiten, da waren beide Vereine in der Bundesliga, nun sind die Kickers etwas abgerutscht. Grundsätzlich würde ich es den Blauen aber gönnen, wenn sie drittklassig blieben. Ich fände es sogar klasse, wenn die Kickers irgendwann wieder in die zweite Liga kämen, dann könnte ich mir auch eine Kooperation mit dem VfB vorstellen.“

Walter Kelsch (2/7): „Als Präsidiumsmitglied der Kickers sind meine Sympathien im Derby natürlich klar verteilt: Es geht um unsere Existenz, deshalb müssen wir gewinnen – das sage ich in aller Freundschaft zum VfB, dem ich noch immer eng verbunden bin. Den Roten habe ich im Bundesliga-Endspurt die Daumen gedrückt und mich gefreut, dass es wenigstens zur UI-Cup-Teilnahme gereicht hat, aber am Samstag bin ich voll und ganz ein Blauer. Ich jedenfalls werde 110 Prozent geben und hoffe, dass die Mannschaft auf dem Platz dasselbe macht.“

Stuttgarter Nachrichten

Vorschau

Spielinfos:

Anstoß: 24.05.2008 14:00
Stadion: GAZI-Stadion auf der Waldau

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen)
Assistenten: Gorniak (Bremen), Dittrich (Bremen)

Stuttgarter Kickers: Parmak (Bänderriss) fehlt weiter. Für Vaccaro (Gelbsperre) spielt wohl Kacani. Der Einsatz von Mann ist nach einer Zehen-Operation fraglich.

VfB Stuttgart II: Rudy ist unter der Woche mit der U-18 unterwegs. Die verletzten Schwabe (Knie) und Rahn (Sprunggelenk) sind fraglich.

Aufstellung

Stuttgarter Kickers
Yelldell – Deigendesch, Mann, Rapp, Stierle – Petruso, Rosen, Gambo, Cerci – Kacani, Tucci; Trainer: Minkwitz
VfB Stuttgart II
Hammel – Opoku-Karikari, R. Schuster, M. Kovacevic, Feisthammel – Träsch, Kolinger, Perchtold, Klauß – Schipplock, S. Hofmann; Trainer: Adrion
 
Kicker

Vorberichte II: Stuttgarter Kickers – VfB Stuttgart II

Vor dem Derby gegen den VfB II

Kickers hoffen auf Rekordkulisse
STUTTGART (hec). Joachim Cast ist ein besonnener Mensch, und so will sich der Manager des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers gar nicht groß am Wettbieten der möglichen Zuschauerzahlen für das Derby gegen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart beteiligen. Bis zu 8000 Fans, so lautet die Hoffnung manches Kickers-Verantwortlichen, sollten doch bitte am Samstag ins Gazi-Stadion kommen. Joachim Cast sagt vor dem vorletzten Spieltag der Regionalligasaison nur: „Mehr als 5000 Zuschauer wären schön.“ Ein Kontingent von rund 400 Karten haben die Kickers dem VfB für den Vorverkauf zukommen lassen. Der Großteil der Tickets wird aber wohl erst am Samstag verkauft werden.

Im Spiel gegen den Stadtrivalen benötigen die Kickers unbedingt einen Sieg, um weiter die Chance auf den Einzug in die dritte Liga zu erhalten. Ob Marcus Mann, der beim 2:0-Sieg am vergangenen Freitag gegen Unterhaching das erste Tor erzielte, spielen kann, ist noch fraglich. „Wir hoffen, dass er nach seiner Zehenoperation von Samstag wieder rechtzeitig fit wird, aber sicher ist das nicht“, sagt Cast, der die Stimmung auf der Waldau als „angespannt-optimistisch“ beschreibt. „Alle wissen, worum es geht. Wenn wir mit der gleichen Leidenschaft wie gegen Unterhaching auftreten, dann bin ich auch sehr optimistisch“, sagt der Manager.

Der SSV Reutlingen kann die Qualifikation für die dritte Liga bereits mit einem Sieg am Samstag gegen den SC Pfullendorf sichern. „Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass wir den Aufstieg schaffen“, sagt der Mittelfeldspieler Jörn Schmiedel. Mit drei Torvorlagen war der ehemalige Zweitligaspieler die dominierende Figur beim 3:0-Sieg in Regensburg. Vor fünf Wochen erst nahmen die Reutlinger den 29-Jährigen unter Vertrag, nachdem er sich zuvor wochenlang an der Kreuzeiche fit gehalten hatte. „Er hat gezeigt, dass er eine Verstärkung ist“, sagt der SSV-Trainer Peter Starzmann.

Stuttgarter Zeitung

StN: Trotz eines Sieges treten Blaue auf der Stelle – Marcus Mann am Zeh operiert

Kickers: Unsicherheit hält an
 
Stuttgart – Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers schwebt weiter zwischen Hoffen und Bangen: Trotz des 2:0-Sieges über die SpVgg Unterhaching sind die Blauen der Qualifikation zur dritten Liga keinen entscheidenden Schritt nähergekommen.

VON JÜRGEN KEMMNER

Das Trikot von Angelo Vaccaro war begehrt. Viele jugendliche Hände streckten sich nach dem 2:0 über Unterhaching am Spielerausgang durchs Gitter, doch der Torschütze zum 2:0 winkte ab: „Ich darf“s nicht hergeben.“ Richtig glücklich sah Vaccaro nicht aus. Die Gelbe Karte kurz vor Schluss hatte seine Siegesfreude erheblich getrübt. Damit ist der Stürmer gegen den VfB II am Samstag im Gazistadion gesperrt „Das war nie und nimmer ein Foul“, schimpfte der 27-Jährige. Womöglich fällt auch Marcus Mann aus. Dem Innenverteidiger wurde am Samstag Eiter am Zeh entfernt – seine Einsatzchance gegen den VfB steht bei 50:50.

Vaccaro (SpVgg-Coach Ralph Hasenhüttl: „Er war von uns nicht zu halten“) hatte wie das gesamte Kickers-Team gegen die Hachinger überzeugt – der Stürmer war stets präsent, ackerte und rackerte und war torgefährlich. Sein Ausfall trifft die Blauen hart. Stefan Minkwitz zählt jedoch nicht zu der Trainer-Spezies, die mit ihren Emotionen hausieren geht. Kurz und trocken meinte der Coach zur Gelb-Sperre: „Dann müssen eben andere in die Bresche springen – auch Marco Tucci, Sokol Kacani oder Alexander Rosen dürfen einmal treffen.“

Allerdings ist Rosen bisher noch nicht gerade dadurch aufgefallen, dass die Abwehrspieler mit den Zähnen klappern, wenn er im Strafraum auftaucht. Der 29-Jährige ist vielmehr ein Führungsspieler, ein Vorbild, ein Kämpfer. So wie gegen Unterhaching. Obwohl in seiner Schulter sämtliche Bänder gerissen waren, spielte Rosen durch. „Ohne Physiotherapeut Marc Weiss hätte ich nicht auflaufen können“, sagte er. Rosen verkörperte die typischen Kickers-Tugenden, auf die Minkwitz gesteigerten Wert legt: unermüdlicher Einsatz, Leidenschaft und Willen. „Wenn wir uns in den beiden letzten Saisonspielen noch mal so präsentieren, schaffen wir“s in die dritte Liga“, sagte Rosen.

Präsident Dirk Eichelbaum ist sich da nicht so sicher. Drei Punkte müssen die Blauen aufholen, Siege über den VfB II und Elversberg sind Pflicht. Sechs Clubs kämpfen noch um drei Plätze. „Selbst bei sechs Punkten sind wir immer noch von Patzern der Konkurrenten abhängig“, betont Eichelbaum. Manager Joachim Cast denkt ein wenig optimistischer. „Ich bin mir sicher“, sagt der 40-Jährige, „wenn wir zweimal gewinnen, dann sind wir auch in der dritten Liga.“ Und nach dem dann nötigen Sieg bei der SpVgg Elversberg am 31. Mai darf Vaccaro bestimmt auch sein Trikot an einen jungen Kickers-Fan verschenken. Für die Qualifikation zur dritten Liga gäbe selbst Präsident Eichelbaum sein letztes Hemd.

Stuttgarter Nachrichten