DFB bestätigt Punktabzug für Stuttgarter Kickers

Wegen eines Verstoßes gegen die Zulassungsbedingungen bestraft der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Drittligisten SV Stuttgarter Kickers mit dem Abzug von drei Punkten. Somit stehen die Kickers, die auch sportlich nur noch geringe Chancen auf den Verbleib in der 3. Liga hatten, als erster Absteiger in die Regionalliga fest. Grund für diese Entscheidung ist die Tatsache, dass die Stuttgarter Kickers einen sechsstelligen Betrag aus dem DFB-Kautionsfonds, den sie in der laufenden Saison in Anspruch genommen hatten, um eine Liquiditätslücke zu schließen, bis zum Ablauf der Frist am vergangene Freitag nicht zurückgezahlt haben. Dies ist ein Vergehen, das laut DFB-Statuten mit dem Abzug von drei Punkten zu ahnden ist.

In der kommenden Saison dürfen die Stuttgarter Kickers – vorausgesetzt, es werden alle Zulassungsvoraussetzungen erfüllt – trotz der noch ausstehenden Rückzahlung in der Regionalliga starten. Sollte der Verein allerdings bis zum 15. Mai des kommenden Jahres den Betrag immer noch nicht vollständig zurückgezahlt haben, verliert der Klub für die Spielzeit 2010/2011 auch die Startberechtigung für die Regionalliga.

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Presse sorgt sich um die Kickers

Die Kickers stehen ohne Rettungsschirm da

Nach dem Abstieg in die Regionalliga fehlt dem Fußballclub eine sportliche Führung – Verwirrung um den Kautionsfonds des DFB

STUTTGART. Bei den Stuttgarter Kickers sind nach dem Abstieg in die Regionalliga noch viele Fragen offen. Wer wird zum Beispiel Trainer und wer Manager? Nur Bashiru Gambo legt sich fest: „Ich bleibe bei den Kickers.“

Von Joachim Klumpp

Rainer Kraft hatte gestern ein Erfolgserlebnis der besonderen Art. Der Trainer erlebte das, was er bei den Stuttgarter Kickers vermisst: einen Höhenflug. Beim Gleitschirmfliegen. „Da bekommt man den Kopf frei“, sagt Kraft. Und das kann nicht schaden. Im Gegenteil. Denn die Situation bei den Kickers ist durchaus leicht chaotisch zu nennen. Der Punktabzug, von dem Trainer und Mannschaft erst im letzten Moment erfahren hatten, hat seinen Teil dazu beigetragen. Kraft: „Natürlich wollten wir alle Lügen strafen und die beiden Spiele gewinnen.“ Doch das war in Bremen schon Makulatur, am Ende setzte es eine 0:2-Niederlage bei Werder II. „Hinten bekommen wir einfache Gegentore und vorne brauchen wir zu viele Chancen“, sagt Kraft. Das Spiel als Spiegelbild der Saison.

Doch die Saison ist damit nicht abgehakt. Von morgen an wird sich die Mannschaft auf den letzten Auftritt am Samstag gegen Paderborn vorbereiten, wo es für den Gegner noch um den Aufstieg geht. „Von herschenken kann deshalb nicht die Rede sein“, betont der Trainer, zumal die Tabellensituation ihren Vorteil hat. „Jetzt weiß jeder: es ist vorbei.“

Die konkreten Planungen indes beginnen erst. Dabei laufen die Kickers aber Gefahr, ihren zeitlichen Vorsprung, den sie durch den feststehenden Abstieg haben, zu verspielen, weil es weder eine sportliche Führung noch einen Trainer für die neue Saison gibt. Dass dies keine günstigen Voraussetzungen sind, versteht sich von selbst. Einzige Ausnahme ist da Bashiru Gambo, der als einziger Spieler einen Vertrag besitzt, und sagt: „Ich bleibe bei den Kickers.“ Vorausgesetzt die bleiben auch in der Regionalliga, was von der Lizenzierung abhängt. Und da wird der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nach der beanspruchten und bisher nicht zurückbezahlten Kautionssumme in Höhe von 200 000 Euro ganz genau hinschauen, so viel ist sicher.

Verwirrung hat es zuletzt um die Rückzahlungsfristen gegeben, die bereits nächstes Jahr enden – zumindest für die dritte Liga und die Regionalliga. Die Satzung des DFB jedenfalls sagt dazu eindeutig: „Hier erhält der Club jedoch die Auflage die in Anspruch genommene Summe inklusive Zinsen bis zum 15. Mai des dem Zulassungsverfahren folgenden Jahres (also 2010, d. Red.) zurückzuzahlen. Erfolgt die Rückzahlung nicht oder nur teilweise, nimmt er auch an dem jeweiligen Zulassungsverfahren zur Regionalliga in jeder weiteren Spielzeit bis zum Ablauf von fünf Jahren nicht teil.“ Einen Rettungsschirm, wie die Banken oder selbst der Trainer gestern, haben die Kickers dabei nicht.

Bremen II: Mielitz – Schiller, Stallbaum, Andersen, Holsing – Ikeng (89. Ronneburg), Feldhahn, Kruse (87. Testroet), Perthel – Oehrl, Kempe.

Kickers: Salz – Deigendesch, Mann, Traub, Härter – Traut, Ortlieb, Reiß (66. Petruso), Köpf – Galm (46. Tucci), Tunjic (46. Gümüssu).

Schiedsrichter: Winkmann (Kerken).

Tore: 1:0 Kruse (52.), 2:0 Kempe (70.).

Stuttgarter Zeitung

„Der Verein ist jedes Jahr tot“

Nachgefragt bei Dirk Eichelbaum

Viele Fans fordern den Rücktritt des Kickers-Präsidenten Dirk Eichelbaum. „Dazu muss dem Aufsichtsrat erst einmal ein entsprechend seriöses Angebot vorliegen“, sagt er im Gespräch mit Joachim Klumpp.

Herr Eichelbaum, die Fans in Bremen haben gerufen: „Wir woll“n den Vorstand sehen.“ Aber Sie waren nicht da. Warum?

Die sportliche Situation war ja so, dass es um nicht mehr viel ging und wir parallel dazu derzeit sehr oft tagen. Irgendwo muss man mit seiner Zeit dann auch haushalten.

Nicht zuletzt wegen des Punktabzugs schlagen die Wellen noch mal sehr hoch – die Fans sprechen bei Ihnen schon vom Totengräber der Kickers. Was sagen Sie denen?

Das können sie machen. Aber der Totengräber bin ich dann, wenn der Verein wirklich tot ist. Und das ist er im Prinzip ja jedes Jahr. Letzte Saison haben wir eine Beteiligungsgesellschaft gegründet und Geld gegeben, dieses Mal haben wir den Club durch Bürgschaften gerettet. Ich sehe deshalb keinen Bedarf, das täglich neu zu kommentieren.

Und wie sieht es mit dem Kautionsfonds des DFB aus, dessen 200 000 Euro auch für eine Regionalligalizenz schon nächstes Jahr fällig sind – und nicht erst in fünf Jahren, wie es zunächst hieß?

Die müssen vermutlich bezahlt werden, wobei das noch nicht hundertprozentig sicher ist. Aber wir budgetieren das jetzt bereits als Verbindlichkeit mit ein, das ist ganz klar.

Ist eine vorgezogene Hauptversammlung ein Thema?

Derzeit nicht. Aber wenn man von Hauptversammlung oder Rücktritt spricht, dann muss erst einmal jemand ein entsprechend seriöses Angebot an den Aufsichtsrat unterbreiten und auch gewählt werden, dann soll es nicht an mir liegen. Aber ich trete nicht zurück, wenn jeder nur weiß, wie man es hätte besser machen können, aber keiner da ist, der es dann auch macht.

Was würden Sie denn im Nachhinein anders machen?

Sicher war auch ich nach der Drittligaqualifikation in Elversberg zu euphorisch und würde punktuell einiges anders machen. Aber letztendlich scheitern wirklich wirksame Maßnahmen immer an unserem zu geringen Budget.

Da fällt einem das Thema Hauptsponsor ein. Was gibt es da Neues?

Wir sind mit ihm im Gespräch. Aber Herr Garcia möchte wissen, wie wir sportlich aufgestellt sind, bevor er eine Zusage gibt. Und dann müssen wir noch über den Preis reden. Parallel schauen wir natürlich, dass wir eventuell auch Alternativen haben.

Stand heute: wie optimistisch sind Sie, dass es bis zum 5. Juni mit der Lizenzierung für die Regionalliga klappt?

Es wird schwer, aber dazu können wir nicht täglich Wasserstandsmeldungen abgeben.

Stuttgarter Zeitung

Neuanfang mit vielen Fragezeichen

Die Zeit drängt, und bei den Kickers weiß keiner so recht, wie es weitergeht – Leicht, Hartmann und Feichtenbeiner als Trainer im Gespräch

In gut sechs Wochen soll bei Drittliga-Absteiger Stuttgarter Kickers Trainingsauftakt sein. Doch noch steht kein Trainer, kein sportlicher Leiter, geschweige denn eine Mannschaft fest.

Von Jürgen Frey

STUTTGART. Im Prinzip sind die Blauen eine einzige Baustelle. Um den Überblick zu bewahren, empfiehlt sich eine differenzierte Betrachtung.

Das letzte Drittliga-Auswärtsspiel: Das 0:2 bei Werder Bremen II war ein Spiegelbild der Saison. Das Team war stets bemüht, am Ende aber chancenlos. „Unser Defensivverhalten als Mannschaft war schlecht, und aus vier Chancen haben wir nichts gemacht“, klagte Trainer Rainer Kraft.

Die Mannschaft: Nach dem letzten Heimspiel am kommenden Samstag (13.30 Uhr/Gazistadion) gegen Aufstiegsaspirant SC Paderborn beginnt für die Spieler der Urlaub. Wie es weitergeht, weiß keiner so recht. Nur Bashiru Gambo hat einen gültigen Vertrag für die Regionalliga. Immerhin hat Marcus Mann deutlich signalisiert, bei den Kickers bleiben zu wollen.

Der Manager: Der von seinen sportlichen Aufgaben befreite Joachim Cast saß in Bremen nicht mehr auf der Bank, sondern nur auf der Tribüne. Wann er endgültig geht, ist offen. Bis auf weiteres kümmert er sich hauptsächlich um die Lizenzierung.

Die Lizenz: Um die Lizenz für die neue Regionalliga-Saison zu bekommen, müssen die Kickers bis zum 5. Juni (15.30 Uhr) beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) einen Mittelzufluss von weit über 200 000 Euro nachweisen. Dies kann über Sponsorenverträge und Bürgschaften geschehen. Fest steht: Es wird ein hartes Stück Arbeit. „Und durchaus einen Tick schwieriger als in den vergangenen Jahren“, räumt Cast ein. Auch deshalb, weil der Hauptsponsor noch nicht feststeht, der genauso wie viele andere Geldgeber erst das genaue Konzept und die handelnden Personen im sportlichen Bereich kennen will.

Die Trainerfrage: Mit Kraft soll in dieser Woche ein Gespräch stattfinden. Unter dem Aspekt des Neuanfangs ist sein Bleiben allerdings eher unwahrscheinlich. Wie das Anforderungsprofil des neuen Manns aussieht? Der Chefetage schwebt ein Mann mit gewisser Erfahrung vor, der aus der Region kommt, konzeptionell arbeiten kann und auf junge Spieler setzt. Neben Oberliga-Trainer Björn Hinck sind Michael Feichtenbeiner, Jürgen Hartmann und Frank Leicht im Gespräch. „Alles interessante Leute“, räumt Präsident Dirk Eichelbaum ein. Das Problem: Auch diese Trainer müssen erst mal finanziert werden. Im Fall von Leicht (Eintracht Frankfurt II) haben auch finanzstärkere Clubs wie Carl Zeiss Jena, Kickers Emden und RW Essen die Fühler nach dem früheren VfB-Jugendtrainer ausgestreckt. Und mit Feichtenbeiner und Hartmann verhandelt unter anderem der künftige Kickers-Ligarivale SG Sonnenhof Großaspach.

Die sportliche Führung: Unterschiedliche Modelle wurden bei der gestrigen Präsidiumssitzung diskutiert. Einigkeit besteht darüber, dass eine noch engere Verzahnung zwischen erster Mannschaft sowie den U-23- und U-19-Teams wichtig ist. Ein Teammanager soll über diesem Gebilde stehen und koordinieren. Im Idealfall soll ihm auf der Geschäftsstelle ein Bilanzbuchhalter mit Fußball-Afinität zur Seite stehen.

Rückzahlung an DFB: Die Frist zur Rückzahlung der 200 000 Euro aus dem Kautionsfonds des DFB haben die Kickers verstreichen lassen. Klar ist, dass der Club das Geld bis zum 15. Mai 2010 überweisen muss, sonst würden die Blauen für die Saison 2010/11 die Spielberechtigung für die Regionalliga verlieren. Dies bestätigten sowohl der DFB als auch Manager Cast.

Stuttgarter Nachrichten

Die Kickers und die Last der Kaution

Der Drittliga-Absteiger muss den Betrag im kommenden Jahr an den DFB zurückzahlen

Stuttgart (bw) – Jetzt ist es amtlich: „Wegen eines Verstoßes gegen die Zulassungsbedingungen bestraft der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Drittligisten SV Stuttgarter Kickers mit dem Abzug von drei Punkten.“ Das teilte der DFB am Samstagmorgen mit und erklärte damit noch vor dem vorletzten Spieltag die „Blauen“ offiziell zum ersten Absteiger in die Regionalliga.

Mit der 0:2 (0:0)-Niederlage wenige Stunden später im letzten Auswärtsspiel bei Werder Bremen II verabschiedete sich die Mannschaft auch sportlich in die Viertklassigkeit. Die Tore von Max Kruse (52.) und Tobias Kempe (68.) besiegelten die 19. Saisonniederlage der Kickers. Die Turbulenzen der vergangenen Monate hatten am Donnerstag ihren Höhepunkt gefunden, als der Verein den Punktabzug ankündigte, weil er die Frist zur Rückzahlung von 200 000 Euro aus dem Kautionsfonds des DFB bewusst verstreichen ließ. Trotzdem dürfen die Stuttgarter laut DFB in der kommenden Saison in der Regionalliga starten. „Vorausgesetzt, es werden alle Zulassungsvoraussetzungen erfüllt“, heißt es. Das ist bisher noch nicht der Fall, kann aber bis zum 5. Juni nachgeholt werden. Zudem wies der DFB explizit darauf hin, dass die Kickers für die Saison 2010/2011 ihre Spielberechtigung für die Regionalliga verlieren, wenn sie die 200 000 Euro plus fünf Prozent Zinsen nicht bis zum 15. Mai kommenden Jahres zurückgezahlt haben. Diese Tatsache hatte Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum bei der Pressekonferenz am Donnerstag nicht erwähnt. „Das stand nicht im Mittelpunkt“, rechtfertigte er sich gestern, betonte aber: „Der Betrag ist im Budget für die neue Saison bereits eingeplant.“ Stuttgarter Kickers: Salz – Deigendesch, Mann, Traub, Härter – Traut, Ortlieb, Reiß (66. Petruso), Köpf – Galm (46. Tucci), Tunjic (46. Gümüssu)

Eßlinger Zeitung

Presse zu Stuttgarter Kickers II – FC Villingen (1:1)

1:1 – FC 08 Villingen holt bei Stuttgarter Kickers II einen Punkt

Der FC 08 Villingen spielte bei den Stuttgarter Kickers 1:1 Unentschieden und freut sich nun auf das bevorstehende Pokal-Halbfinale gegen den Kehler FV.

Bei den Stuttgarter Kickers herrscht dagegen Katerstimmung. Kein Wunder, denn die 1. Mannschaft steigt aus der 3. Liga ab und die „Zweite“ will kaum einer sehen. Nur 80 Zuschauer kamen zum Oberligaspiel gegen den FC 08 Villingen.

Beiden Mannschaften war deutlich anzumerken, dass es für sie in dieser Saison um nichts mehr geht – weder nach oben noch nach unten. In dem überaus fairen Spiel musste der Schiedsrichter nur dreimal Gelb zücken, zweimal gegen die „Blauen“ und einmal gegen den Villinger Florian Rudy.

Auch die Aufstellung ließ auf den ersten Blick vermuten, dass FC 08-Trainer Reiner Scheu den Schwerpunkt klar auf das Pokal-Halbfinale am kommenden Donnerstag gegen den Oberliga-Konkurrenten Kehler FV legt. Mit Alexander Hirning, Karsten Scheu und dem eingewechselten Jan Bickel (81.) schickte der Villinger Coach drei A-Juniorenspieler aufs Feld. „Unsere Mannschaft wird immer jünger“, schmunzelte Scheu nach dem Spiel.

Von Schonung der etablierten Kräfte wollte der Fußball-Lehrer jedoch nichts wissen. „Ich hätte lieber meine Stammspieler eingesetzt. Aber die Jungs waren entweder verletzt oder krank“, sagte Scheu. Bei Viktor Ewert (krank), Tobias Weißhaar (gesperrt), David D’Incau und Cosimo Nesci (krank) war bereits im Vorfeld der Partie klar, dass sie ausfallen würden. Außerdem meldeten sich Mario Ketterer (Fieber) und Schlussmann Daniel Miletic (Handverletzung) noch kurzfristig ab. Allerdings stand Miletic doch noch zwischen die Pfosten, denn sein Vertreter Marian Huljic verletzte sich bei einem Abstoß an den Adduktoren und musste kurz vor der Pause ausgewechselt werden.

Die Gäste aus dem Schwarzwald waren zunächst etwas defensiv eingestellt und hatten in den ersten 45 Minuten nur eine echte Torchance. Doch die wurde genutzt. Mario Klotz legte den Ball von links quer an die Strafraumgrenze. Dort stand Florian Rudy und versenkte das runde Leder nach 19 Minuten zur Villinger Führung.

Das Tor zum 1:1-Ausgleich (52.) war kurios. Der Stuttgarter Landeka schlug den Ball aus dem Halbfeld in den Villinger Strafraum. Im Sechzehner verpassten alle Mann die Flanke. Kurz vor dem Tor sprang die Kugel nochmals auf und am verdutzten Miletic vorbei ins Villinger Netz.

Nach dem Ausgleich wurde das Spiel lebhafter. Die Kickers waren zwar optisch überlegen, doch Torchancen blieben weiterhin Mangelware. Im zweiten Durchgang waren nur drei hochkarätige Möglichkeiten zu verzeichnen. Kickers-Spieler Petruso setzte den Ball zunächst mit einem Heber (75.) und später (88.) per Kopf über das Gäste-Tor. Zehn Minuten vor Schluss hatte Cakici den Villinger Siegtreffer auf dem Fuß. Beim Versuch, den Stuttgarter Schlussmann zu umspielen, ging er zu Boden, doch die Pfeife des Schiedsrichters blieb stumm.

„Berücksichtigt man die vielen Ausfälle, war das Unentschieden für uns ein schöner Achtungserfolg“, kommentierte Scheu die Partie. „Nach der Niederlage in Durlach war es für uns psychologisch wichtig, nicht mit zwei Pleiten in das Pokalspiel zu gehen.“ Tore: 0:1 (19.) Rudy, 1:1 (52.) Landeka; Schiedsrichter: Stellmach (Fellberg); Zuschauer: 80.

FC 08 Villingen: Huljic (40. Miletic), Hirning, Link, Bea, Rudenko, Maus (81. Bickel), Maric, Jeske (69. Cakici), Scheu, Klotz, Rudy.

Südkurier

Presse zur Bankrotterklärung des Vorstands

Punktabzug für die Kickers: der Abstieg ist perfekt
Der Fußball-Drittligist hat beim DFB ein Darlehen in Anspruch genommen, das er nicht fristgerecht zurückzahlen kann

STUTTGART. Die negativen Schlagzeilen bei den Stuttgarter Kickers nehmen kein Ende. Der Abstieg ist besiegelt, weil dem Club vom DFB drei Punkte abgezogen werden. Zudem ist der Manager Joachim Cast von den sportlichen Aufgaben entbunden worden.

Von Joachim Klumpp

Nach den Ergebnissen der dritten Fußballliga vom Mittwochabend (Jena und Burghausen) hätte für die Stuttgarter Kickers vor den letzten beiden Saisonspielen sogar noch die Möglichkeit auf den Klassenverbleib bestanden. Theoretisch zumindest. Denn diese wenn auch vage Hoffnung ist gestern definitiv gestorben. Und zwar aus ganz formalen Gründen, wie der Präsident Dirk Eichelbaum in einer Pressekonferenz eröffnete. Der Verein hat vor etwa zwei Wochen auf einen Kautionsfonds des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die dritte Liga zurückgegriffen, „um die Lohn- und Gehaltszahlungen zu sichern“, wie der Kickers-Präsident sagte.

Der Fonds hat ein Volumen von insgesamt einer Million Euro und ermöglicht einem Drittligisten, bei finanziellen Engpässen höchstens 200 000 Euro in Anspruch zu nehmen. Gesagt, getan. Doch das dicke Ende kommt nach: Da die Kickers das Darlehen nicht bis zum Stichtag am 15. Mai., also heute, zurückzahlen, wird der Verein für die laufende Saison mit einem Abzug von drei Punkten bestraft – womit der Abstieg endgültig besiegelt ist. Und: sollten die Kickers das Darlehen bis in einem Jahr (plus fünf Prozent Zinsen) nicht zurückzahlen, „bekommt er 2010 auch keine Lizenz für die Regionalliga“, erklärt der DFB-Sprecher Stephan Brause.

Die letzte Hoffnung der Verantwortlichen starb dabei am Dienstagabend mit der 1:4-Heimniederlage gegen den VfR Aalen. „Hätten wir das Spiel gewonnen“, sagt Eichelbaum, „hätten wir auch das Darlehen fristgerecht zurückbezahlt.“ Und im Gegenzug gehofft, dass die restlichen beiden Spiele sportlich erfolgreich bestritten werden und der Bannstrahl des Punktabzugs möglicherweise einen der Abstiegskonkurrenten (Burghausen, Regensburg?) trifft. „Ob und wie viele Vereine diesen Fonds in Anspruch genommen haben, wissen wir nicht“, sagte Eichelbaum. Allerdings habe man dem Team stets signalisiert: der 18. steigt nicht ab.

Diese Diskussionen sind nun Makulatur, die Kickers sind sowohl sportlich als auch finanziell in der Regionalliga gelandet, in der mit jungen, talentierten Spielern – möglichst aus der Region, so die Vorgabe – und vier bis fünf Mann aus dem bestehenden Kader eine Konsolidierung vorgenommen werden soll. Ohne das konkrete Ziel Aufstieg.

Zunächst einmal gilt es, den beim DFB unterbreiteten Etat von 1,6 Millionen Euro abzusichern. „Das ist schwierig, aber nicht ausgeschlossen“, sagte Eichelbaum, wobei die Werbeeinnahmen rund die Hälfte des Budgets decken müssten. Deshalb gilt es vor allem, das Thema Hauptsponsor zu klären, „was bisher nicht der Fall ist“, so Eichelbaum. Die konkreten Gespräche allerdings stehen noch aus, wobei der Firmenchef der Garmo AG, Eduardo Garcia, ein klares Konzept und Strukturen sehen möchte.

Ob ihm da die beschlossenen Entscheidungen ausreichen? Der propagierte sportliche Neuanfang lässt sich bisher nur darin ablesen, dass der Manager Joachim Cast ab sofort von seinen sportlichen Aufgaben entbunden worden ist. Wobei der Präsident selbstkritisch anmerkte: „Das ist keine Schuldzuweisung, wir tragen an der Entwicklung alle eine Teilschuld.“ Das heißt im Umkehrschluss: den administrativen Bereich, wie das laufende Lizenzierungsverfahren bis zum 5. Juni, deckt der 41-Jährige weiter ab. Zum einen, weil auf die Schnelle hier sonst ein Engpass entstanden wäre, zum anderen, weil Cast aufgrund seines Arbeitsverhältnisses weder frist- noch grundlos gekündigt werden kann. Der Jurist Eichelbaum weiß um das Problem und sagte: „Wir wollen keinen Rechtsstreit.“ Auch Cast betonte: „Ich werde meine Aufgaben hier bis zum letzten Tag erfüllen – wann immer der sein wird.“ Die Kickers jedenfalls hoffen, dass Cast, der auch im Spielausschuss der dritten Liga sitzt, ein neues Engagement findet. Ob das dann ohne Abfindung abgeht, ist offen.

Genauso wie die Nachfolgeregelung: „Da werden wir keine Namensspekulationen führen“, sagte Eichelbaum. Der Kapitän Alexander Rosen, der diese Rolle schon in Norwegen ausgefüllt hat, wäre denkbar, ebenso dass der Trainer künftig den sportlichen Teil mit abdeckt. „Die entsprechenden Personen müssen sich mit der Aufgabe und dem Verein identifizieren“, sagte Eichelbaum. Selbst das bisherige Trainergespann Rainer Kraft und Alexander Malchow ist nicht gänzlich außen vor. „Wir werden uns nach der Saison zusammensetzen und dann abklären, inwieweit sich unsere Vorstellungen decken“, sagte Eichelbaum, der einstweilen in sportlichen Fragen die Verantwortung übernimmt. Joachim Cast wird trotzdem mit zu dem bedeutungslosen Spiel morgen in Bremen fahren – aber diesmal auf der Tribüne Platz nehmen.

Stuttgarter Zeitung

Zum Niedergang der Kickers
Der Manager als Bauernopfer
Von Joachim Klumpp

Irgendwie passt es ins Bild: die Stuttgarter Kickers steigen nicht nur sportlich aus der dritten Liga ab, sondern mit einem finanziellen Klotz am Bein. Weil sie ein Überbrückungsdarlehen des Deutschen Fußball-Bundes nicht pünktlich zurückzahlen, folgt ein Punktabzug, der den Sturz in die Regionalliga besiegelt. Vierte Liga, der Tiefpunkt in der Geschichte des Traditionsvereins. Ganz überraschend kommt das indes nicht. Wer seit Jahren immer nur ums Überleben kämpft oder die Qualifikation zur dritten Liga gerade noch auf den letzten Drücker schafft, der ist auf Dauer eben nicht konkurrenzfähig. Erst recht, wenn die finanziellen Möglichkeiten beschränkt sind und der Verein innerhalb der Stadt im Schatten des VfB Stuttgart steht.

Doch als Alibi alleine reicht das nicht. Der Verein ist einfach nie zur Ruhe gekommen. Sei es auf Führungsebene, wo weder Hans Kullen noch sein Nachfolger Dirk Eichelbaum dem präsidialen Anforderungsprofil des blauen Adels gerecht wurde. Sei es sportlich, wo der durchaus qualifizierte Trainer Peter Zeidler nach einem Remis gegen den späteren Aufsteiger FSV Frankfurt entlassen wurde – es war der Anfang vom Ende. Dabei wird die Regionalliga kein Selbstläufer, das ahnt inzwischen selbst Eichelbaum. Der hat in der Vergangenheit versucht, so manches Problem auszusitzen. Die Quittung kommt jetzt, wenn auch mit zeitlicher Verzögerung.

Dabei kann ein Abstieg auch eine Chance sein. Ob sie die Kickers nutzen? Zweifel sind erlaubt. Dazu gibt es zu viele Fragezeichen. Nicht nur bei der Zusammenstellung der ersten Mannschaft, auch im Jugendbereich oder im Hinblick auf die Sponsoren. Und die Machtbeschneidung des Managers ist weder Fisch noch Fleisch. Bei den Neuverpflichtungen hatte Joachim Cast in der Vergangenheit zwar nicht immer ein glückliches Händchen, aber ihm fehlte in Degerloch auch die nötige Lobby. Man könnte sagen: er ist das Bauernopfer. Das ist ein Begriff aus dem Schachsport – und in diesem Zusammenhang müssen die Kickers nun aufpassen, dass sie nicht irgendwann ganz schachmatt sind.

Stuttgarter Zeitung

Punktabzug für Kickers – Abstieg ist perfekt
Cast von Manager-Aufgaben entbunden – Neuanfang mit Talenten

Von Jürgen Kemmner

STUTTGART. Im Kickers-Clubheim stehen Töpfchen mit vierblättrigen Kleeblättern auf den Tischen – und es sah so aus, als könne Dirk Eichelbaum Glück gebrauchen. Der Präsident hatte eine unangenehme Pflicht: Er musste den faktischen Abstieg aus der dritten Fußball-Liga bekanntgeben sowie die Freistellung von Joachim Cast von dessen Aufgaben als Manager. Eichelbaum räumte zudem Fehler bei der Bewertung der Gesamtsituation vor der Runde ein.

Aber der Reihe nach. Dass die Blauen nicht im Geld schwimmen, ist nicht nur in Degerloch bekannt. Nun musste ihnen der Deutsche Fußball-Bund (DFB) aus der Klemme helfen. Die Kickers riefen vor zwei Wochen 200 000 Euro aus dem Kautionsfonds des DFB ab, die Rückzahlung ist für den heutigen Freitag fällig. Aber die Kickers zahlen nicht – Folge: Dem Club werden drei Punkte abgezogen und das Darlehen bei einer Laufzeit von fünf Jahren zu fünf Prozent verzinst. Durch diesen Punktabzug sind die Blauen nun endgültig in der Regionalliga angekommen. „Falls wir gegen Aalen gewonnen hätten“, sagte Eichelbaum, „hätten wir das Geld rechtzeitig beschafft, dann hätten wir noch eine sehr gute Chance auf den Klassenverbleib gehabt.“

Der Konjunktiv zählt nicht im Sport, das bekam auch Manager Joachim Cast zu spüren – hätten die Blauen den Ligaverbleib geschafft, wäre der 41-Jährige wohl noch im Amt. Wie erwartet wurde Cast am Donnerstag informiert, dass er nicht mehr als sportlicher Leiter gefragt ist. „Er besitzt weiter einen ungekündigten unbefristeten Arbeitsvertrag und wird sich um administrative Aufgaben kümmern“, sagt der Clubchef. Anders ausgedrückt: Cast, der das Lizenzierungsverfahren begleitet, darf diesen Part seines Jobs noch erfüllen, danach wären Eichelbaum und Mitstreiter nicht schockiert, wenn sich der frühere Abwehrspieler eine neue Mannschaft suchen würde. Allerdings unterstrich Eichelbaum, dass er den Ex-Manager nicht zum alleinigen Sündenbock abstempeln wolle. Jeder habe einen Teil zum Abstieg beigetragen. „Auch ich war vom Erfolg in Elversberg lange geblendet“, gab der Rechtsanwalt zu, „und habe nicht überall die richtigen Schlüsse gezogen.“ Rücktritte aus dem Präsidium schloss er aber aus.

Das vierköpfige Gremium will den stotternden Oldtimer Stuttgarter Kickers in der Regionalliga zunächst generalüberholen und später den Motor frisieren. Das Konzept sieht vor, fünf bis sechs erfahrene Spieler zu halten und um die Routiniers ein Team aus hungrigen Talenten aufzubauen – der sofortige Wiederaufstieg ist kein Thema. Wer aus dem aktuellen Kader zu diesem Sextett zählt, wer Trainer, wer Manager werden soll oder ob der Trainer gleichzeitig Manager sein wird – das konnte Eichelbaum noch nicht sagen. „Wir werden nun mit den Gesprächen beginnen.“ Dabei kämpft der Club auch noch um die Regionalliga-Lizenz. Mit 1,6 Millionen Euro ist der Etat veranschlagt, der DFB fordert den Nachweis von Sponsoreneinnahmen, den Blauen fehlt für die vierte Liga noch ein Hauptsponsor. Viel zu tun für Eichelbaum und Kollegen. Die vierblättrigen Kleeblätter im Clubheim sollten bald damit beginnen, das dringend benötigte Glück zu verbreiten.

Stuttgarter Nachrichten

Der Offenbarungseid
Die „Blauen“ geben nach einem zusätzlichen Punktabzug den Abstiegskampf auf – Neuanfang in der Regionalliga – Aus für Cast

Stuttgart – Kapitulation in Degerloch: Da den Stuttgarter Kickers zusätzlich drei Punkte abgezogen werden, hat der Fußball-Drittligist den nur noch theoretisch möglichen Klassenverbleib endgültig abge­hakt. Jetzt will der Traditionsverein in der Regionalliga einen Neuanfang starten. Im ersten Schritt wurde Manager Joachim Cast mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben als Sportlicher Leiter entbunden.

Von Beate Wockenfuß

Der einstige Bundesligist steht vor einem Trümmerhaufen: Nach derzeitigem Stand hat der Club für die neue Saison keine Mannschaft, keinen Trainer, keinen Manager, keinen Hauptsponsor und keine Lizenz. Gestern hat das Präsidium auf einer Pressekonferenz einen regelrechten Offenbarungseid geleistet. Wie Präsident Dirk Eichelbaum mitteilte, werden dem Tabellenschlusslicht drei Punkte abgezogen, weil der Verein vor zwei Wochen wegen eines Liquiditäts­engpasses ein Darlehen aus einem Kautionsfonds des Deutschen Fußball-Bunds in Anspruch genommen hat, das er nicht fristgerecht bis zum heutigen Tag zurückzahlen wird. Dabei handelt es sich um einen Betrag in Höhe von 200 000 Euro, den die Kickers – und auch noch weitere Drittligisten – benötigten, um die Zahlung von Löhnen und Gehältern bis zum Saisonende sicherzustellen.Ausschlaggebend für die Entscheidung der Nichtrückzahlung war die 1:4-Heimniederlage am Dienstag gegen den VfR Aalen. „Hätten wir dieses Spiel gewonnen, wäre der Klassenverbleib noch realistisch gewesen und wir hätten den Betrag zurückgezahlt“, erklärte Eichelbaum. Doch mit Blick auf die nun fast aussichtslose Lage – fünf Punkte Abstand zum rettenden Ufer bei noch zwei ausstehenden Spielen – hat das Präsidium den Abstiegskampf aufgegeben und muss die 200 000 Euro einschließlich Zinsen nun spätestens in fünf Jahren zurückgezahlt haben. Erst wenn der Betrag auf dem DFB-Konto ist, können sich die Kickers wieder für eine Drittliga-Lizenz bewerben. Doch das Thema dritte Liga hat sich für den Verein ohnehin für unbestimmte Zeit erledigt. „Wir versprechen keinen sofortigen Wiederaufstieg. Wir wollen uns in der Regionalliga konsolidieren“, sagte Eichelbaum. Schließlich steht den „Blauen“ in der Viertklassigkeit nur noch ein um die Hälfte reduzierter Etat von 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. Und ob Hauptsponsor Gazi sein Engagement fortführt, ist fraglich. „Für uns kann es nur heißen: Sportliche Neuausrichtung auf einer anderen finanziellen Basis“, erklärte der Rechtsanwalt, der seit zwei Jahren an der Spitze des Vereins steht. Die Neuausrichtung trifft allerdings nicht auf die personelle Besetzung des Präsidiums zu. „Von uns wird keiner zurücktreten“, stellte Eichelbaum klar, zeigte sich aber selbstkritisch: „Ich habe mich vom Triumph in Elversberg lange Zeit blenden lassen und nicht die richtigen Schlüsse daraus gezogen.“Erste personelle Konsequenz des Neustarts ist die Degradierung von Cast. Der frühere Verteidiger, der seit fast fünf Jahren den Managerposten innehat und einen unbefristeten Vertrag besitzt, soll sich aber weiterhin um die administrativen Aufgaben kümmern. Dazu gehört auch die Lizenz für die Regionalliga, die momentan wegen noch nachzuweisender Sponsorengelder auf der Kippe steht. Bis zum 5. Juni haben die Kickers Zeit, die entsprechenden Unterlagen nachzureichen. „Mein Anspruch ist es, alles sauber und ordentlich zu hinterlassen“, sagte Cast gestern. Sehr wahrscheinlich ist, dass sich danach die Wege trennen. Wer Casts begonnene Verhandlungen mit den Spielern fortführt, ist ungewiss. „Diese Arbeit ruht jetzt erst einmal acht bis zehn Tage“, erklärte Eichelbaum. Zeitlichen Druck verspürt der Präsident nicht: „Wer Wertschätzung für unseren Verein empfindet, wird sich nicht jetzt schon für einen Wechsel entscheiden. Und wer ein Angebot aus der dritten Liga erhält, den können wir sowieso nicht halten.“Nach den vielen Fehleinkäufen in der Vergangenheit setzen die Kickers ab der neuen Saison auf die Jugend. „Wir wollen Talente fördern, die möglichst aus der Region kommen“, sagte Eichelbaum. Dazu sollen vier bis fünf erfahrene Spieler aus dem aktuellen Kader gehalten werden. Außerdem will der Verein eine sportliche Leitung, „die das Konzept nicht nur mitträgt, sondern auch verkörpert“. Ob das bei dem aktuellen Duo Rainer Kraft/Alexander Malchow der Fall ist, sollen Gespräche nächste Woche zeigen.

Eßlinger Zeitung

Schleichender Niedergang
Fast 110 turbulente Jahre Stuttgarter Kickers – Vom deutschen Vizemeister 1908 über den DFB-Pokalfinalisten 1987 bis zum Viertligisten 2009

Stuttgart (bw) – Seit der Gründung des damaligen „Fußballclub Stuttgarter Cickers“ am 21. September 1899 ist der Traditionsverein durch Höhen und Tiefen gegangen. Hier eine chronologische Rückschau auf die turbulenten Ereignisse in der fast 110-jährigen Geschichte.

1908 erreicht die Mannschaft das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, unterliegt dem BFC Viktoria 1889 aber mit 0:3.

Ab 1945 spielt der Club in der neuen Oberliga Süd – mit zwischenzeitlichen Ausflügen in die II. Division (2. Oberliga).

1963 qualifizieren sich die Kickers für die mit Gründung der Bundesliga als zweithöchste Spielklasse neu geschaffene Regionalliga, die 1974 zur zweiten Liga wird.

1987 erreichen die „Blauen“ unter Trainer Dieter Renner das DFB-Pokal-Finale. Dort verliert der Zweitligist gegen den Bundesligisten Hamburger SV mit 1:3 – trotzdem der wohl größte Erfolg in der Vereinsgeschichte.

1988 schafft die Mannschaft unter Trainer Manfred Krafft nach 14 Jahren Zweitklassigkeit als Meister den Aufstieg in die Bundesliga. Nach nur einer Saison steigt das Team als Tabellen-17. wieder in Liga zwei ab.

1991 folgt der zweite Aufstieg in die Bundesliga nach Relegationsspielen gegen St. Pauli (1:1, 1:1, 3:1). Doch auch unter Trainer Rainer Zobel landen die „Blauen“ auf dem 17. Platz und gehen ein Jahr später zurück in die zweite Liga.

Nach zwei Jahren in der zweiten Liga stürzen die Kickers 1994 unter Coach Günter Sebert in die Drittklassigkeit ab. 1996 kämpfen sie sich mit Trainer Wolfgang Wolf wieder eine Etage höher.

In der Saison 1999/2000 erreichen die Kickers unter Coach Michael Feichtenbeiner das DFB-Pokalhalbfinale, unterliegen dort Werder Bremen mit 1:2 n.V.

2000 verhindert nur der Lizenzentzug für Tennis Borussia Berlin den Abstieg der Kickers aus der zweiten Liga.

Nach fünf Spielzeiten unter acht Trainern (Wolf, Frieder Schömezler, Paul Linz, Ralf Vollmer, Feichtenbeiner, Dragoslav Stepanovic, Hans-Jürgen Boysen, Zobel) in der zweiten Liga folgt 2001 erneut der Abstieg in die Regionalliga.

Weder unter Zobel noch unter Marcus Sorg, Rainer Adrion und Robin Dutt gelingt in den folgenden sechs Jahren der ersehnte Weg zurück nach oben.

2003 rettet die Kickers nur die Lizenzverweigerung für die Zweitliga-Absteiger Waldhof Mannheim und SSV Reutlingen vor dem Abstieg aus der Regionalliga.

Im Juli 2003 tritt Präsident Axel Dünnwald-Metzler nach 24 Amtsjahren aus gesundheitlichen Gründen zurück. Im April 2004 stirbt er nach langer Krankheit. Sein Nachfolger ist Hans Kullen. Er fährt einen rigorosen Sanierungskurs, um das Überleben des Vereins in den sportlich und damit auch finanziell schwierigen Zeiten zu sichern. So erwirbt die Stadt Stuttgart den ADM-Sportpark und bewahrt die Kickers vor dem finanziellen Aus.

Im DFB-Pokal 2006/2007 besiegen die Kickers in der ersten Hauptrunde den Hamburger SV mit 4:3 n.V. Das Zweitrundenspiel gegen Hertha BSC wird abgebrochen, da der Schiedsrichterassistent von einem aus dem Fanblock geworfenen Bierbecher verletzt wird. Die Partie wird für Hertha gewertet.

Im März 2007 tritt Präsident Kullen zurück und pocht seitdem auf die Rückzahlung von 450 000 Euro, die er als Rangrücktrittsdarlehen zur Verfügung gestellt hat. Dirk Eichelbaum folgt auf Kullen.

In der Saison 2006/2007 landen die Kickers auf Platz vier. Dutt wechselt zum SC Freiburg. Mit dem neuen Coach Peter Zeidler wird voller Zuversicht die Qualifikation für die neue dritte Liga angepeilt.

Im November 2007 wird Zeidler wegen Erfolglosigkeit entlassen. Der bisherige Assistent Stefan Minkwitz übernimmt beim Tabellenelften das Traineramt.

Im Mai 2008 qualifizieren sich die Kickers am letzten Spieltag für die neue dritte Liga.

Im September 2008 muss Trainer Stefan Minkwitz nach nur einem Punkt aus sieben Spielen gehen und wird durch Edgar Schmitt ersetzt.

Im April 2009 tritt Edgar Schmitt zurück. Co-Trainer Rainer Kraft übernimmt bis zum Saisonende.

Im Mai 2009 steigen die Kickers in die vierte Liga ab.

Eßlinger Zeitung

Der endgültige Untergang eines Traditionsvereins

Blaue nehmen Punktabzug in Kauf und planen Neuausrichtung in der Fußball-Regionalliga

Stuttgarter Kickers entbinden Joachim Cast von seinen Aufgaben als Sportlicher Leiter
Das Präsidium des Fußball-Drittligisten SV Stuttgarter Kickers hat am heutigen Donnerstag seinen Manager Joachim Cast mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben als Sportlicher Leiter entbunden. Das Arbeitsverhältnis mit Joachim Cast besteht jedoch ungekündigt fort, da sich der 41-Jährige in der Folgezeit um seine administrativen Aufgaben kümmern wird. Über einen Nachfolger oder eine Nachfolgeregelung über die sportliche Leitung in der Saison 2009/2010 in der Fußball-Regionalliga ist noch nicht entschieden.

Hintergrund dieser Entscheidung ist, dass der SV Stuttgarter Kickers künftig eine Neuausrichtung im sportlichen Bereich verfolgt, die mit einer jungen, hungrigen und talentierten Mannschaft – verbunden mit vier bis fünf Säulen des aktuellen Kaders – eine Konsolidierungsphase einleiten soll.

Außerdem informiert der SV Stuttgarter Kickers, dass der Verein vor wenigen Wochen aus dem Kautionsfonds des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) für die Dritte Fußball-Liga einen Betrag in Höhe von 200 000 Euro zur Liquiditätssicherung der laufenden Saison in Anspruch genommen hat. Dieser Betrag müsste bis zum morgigen Freitag, 15. Mai 2009, beim DFB wieder eingegangen sein, ohne dass der Verein einen Punktabzug hinnehmen muss. Dies wird nicht der Fall sein. Daher werden dem SV Stuttgarter Kickers drei Punkte in der laufenden Spielzeit abgezogen, wodurch die Blauen als erster sportlicher Absteiger in der Dritten Fußball-Liga feststehen werden.

Diesen Betrag hätte der Verein im Übrigen bis zum genannten Stichtag zurückbezahlt, wenn das Heimspiel in dieser Woche gegen den VfR Aalen mit einem Erfolg geendet und dadurch die sportliche Perspektive auf den Klassenverbleib weiterhin bestanden hätte. Ansonsten ist der Betrag innerhalb von fünf Jahren an den DFB rückzahlbar und mit fünf Prozent verzinslich.

Offizielle Homepage

Presse zu den bevorstehenden Weichenstellungen für die Zukunft der Kickers

Kehraus bei den Kickers
Der Trainer Kraft und der Manager Cast müssen wohl gehen – Was macht der Hauptsponsor?

STUTTGART. Gestern Abend hat das Präsidium der Stuttgarter Kickers getagt, um die Viertklassigkeit zu planen. Der Manager Joachim Cast spielt dabei keine Rolle mehr, auch wenn Präsident Dirk Eichelbaum sagt: „Entscheidungen werden erst noch bekanntgegeben.“

Von Joachim Klumpp

Das Kickers-Präsidiumsmitglied Dieter Wahl war gestern Vormittag bereits fleißig im Einsatz: „Ich möchte ja wieder gewählt werden.“ Zunächst einmal aber nicht bei dem Traditionsverein aus Degerloch, sondern für die CDU bei den anstehenden Kommunalwahlen. Nachdem sich Teile von Aufsichtsrat und Präsidium schon unmittelbar nach der 1:4-Niederlage gegen Aalen zusammengesetzt hatten, tagte gestern Abend das Präsidium nochmals intern, um erste Entscheidungen auf den Weg zu bringen. „Wir wollen einen sportlichen Neuanfang“, sagt Wahl.

Und nach dem sang- und klanglosen Abgesang vom Dienstag kann das nur heißen, dass das Trainergespann Rainer Kraft und Alexander Malchow in diesen Planungen keine Rolle mehr spielt. Gleiches dürfte für den Manager Joachim Cast gelten, obwohl der einen unbefristeten Vertrag besitzt, über den sich die Kickers – ohne Flurschaden – nicht so einfach hinwegsetzen können. Intern bliebe als Trainerlösung zwar der Oberligacoach Björn Hinck, der allerdings im Falle einer Rückkehr in die dritte Liga keine Lizenz besäße, auch wenn der sofortige Wiederaufstieg nicht mehr ultimativ verkündet wird.

„Um dieses Ziel realistisch ausgeben zu können, müssten wir mindestens einen Etat wie bisher haben“, sagt der Präsident Dirk Eichelbaum, der wie seine Mitstreiter einen Rücktritt ausschließt. Dieser Betrag von etwa 3,3 Millionen Euro ist aber völlig illusorisch, zumal noch nicht einmal der Budgetansatz für 2009/10 von 1,5 Millionen Euro gesichert ist. „Doch daran arbeiten wir“, betont Eichelbaum, wobei er nach den bisherigen Gesprächen mit dem Hauptsponsor urteilt: „Die Tendenz geht dahin, dass er nicht weitermacht.“ Eine Aussage, über die sich Eduardo Garcia von der Garmo AG verwundert zeigt: „Im Moment gibt es gar keine Tendenz, aber vielleicht haben sie ja auch jemand anderen im Ärmel.“ Interessenten soll es zumindest geben; die Frage ist natürlich, zu welchen Konditionen, denn selbst in der vierten Liga müssten die Kickers an die 200 000 Euro veranschlagen, um finanziell über die Runden zu kommen.

Und wenn das nicht gelingt? „Eine Insolvenz ist mit mir nicht zu machen“, sagt der Aufsichtsratsvize Christian Dinkelacker, auch wenn bei einer Verfahrenseröffnung vor dem 30. Juni wohl in der Regionalliga gespielt werden könnte. Dennoch stößt Dieter Wahl ins gleiche Horn, fügt aber hinzu: „Solange wir nicht dazu gezwungen werden.“ Vor allem die Klage des ehemaligen Präsidiumsmitglieds Walter Kelsch über ein Darlehen von 50 000 Euro plus Zinsen wirkt da wie ein Damoklesschwert. Zudem tendiert der Wert der vom Hauptverein ausgegliederten GmbH und Co. KG, der auf den taxierten Ablösesummen der Spieler basiert, quasi gegen null.

Durch den Abstieg lösen sich alle Verträge in Luft auf, die Ausnahme bildet Bashiru Gambo. Der dürfte auch bei dem Neuanfang „mit jungen, entwicklungsfähigen Spielern“ (Eichelbaum), der durchaus zwei Jahre für die Rückkehr in die dritte Liga vorsieht, eine Rolle spielen; genau wie Marcus Mann oder der zuletzt verletzte Ralf Kettemann, vielleicht auch noch Torsten Traub und Sascha Traut. Dann wird es schon eng: selbst für den Kapitän Alexander Rosen, unabhängig davon, ob er überhaupt in der vierten Liga spielen würde. Vielleicht käme er ja als Manager infrage, was mit seinem Studium zum Sportökonom korrespondieren würde.

Beim Trainer spricht derzeit mehr für eine externe Lösung (möglicherweise sogar in Kombination als Sportdirektor), bei der auch Rainer Scharinger denkbar gewesen wäre, der inzwischen aber beim VfR Aalen unterschrieben hat. Durchaus mit Erfolg, wie die Kickers-Verantwortlichen am Dienstagabend hautnah erleben durften. In dieser Form jedenfalls kann der VfR den Klassenverbleib noch schaffen. Das wäre dann durchaus eine gute Nachricht – und ein Konkurrent weniger in der Regionalliga.

Stuttgarter Zeitung

Kickers planen Neuanfang – ohne Cast
Die Blauen wollen Insolvenz vermeiden und setzen in der Regionalliga auf neue sportliche Leitung – Künftiger Trainer auch Sportdirektor?

Bei den Stuttgarter Kickers laufen seit Dienstagabend die Planungen für die Fußball-Regionalliga auf Hochtouren. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Von Jürgen Frey

Stehen schon personelle Konsequenzen fest?

Es dementiert niemand, die offizielle Bestätigung fehlt allerdings auch noch: Manager Joachim Cast und die Kickers werden sich trennen. Die Frage ist nur, wann. Denn der 40-Jährige, der die vielen personellen Missgriffe zum Großteil zu verantworten hat, hat sich in Sachen Lizenzierung beinahe unentbehrlich gemacht. Und noch müssen die Blauen diesbezüglich bis zum 5. Juni einige Hausaufgaben machen. Casts sofortiger Abschied würde ein Chaos hinterlassen.

Wie könnte die neue sportliche Führung aussehen?

Denkbares Modell: Der künftige Trainer übernimmt auch die Rolle des Sportdirektors, der wirtschaftliche und administrative Bereich wird von einer neuen Kraft auf der Geschäftsstelle abgewickelt. So hatten es die Kickers mit Rainer Scharinger geplant, zögerten aber mit der Zusage. Folge: Ligakonkurrent VfR Aalen schnappte den Blauen ihren Wunschkandidaten weg. Nun sind neben Oberligacoach Björn Hinck auch Frank Leicht (Eintracht Frankfurt II) sowie WFV-Trainer Michael Rentschler, der zwei Jahre lang Assistent von Robin Dutt bei den TSF Ditzingen war, im Gespräch.

Ist die Insolvenz ein Thema?

Die Führungsetage der Blauen ist sich einig: Sie soll unter allen Umständen vermieden werden. „Stand heute schließe ich sie aus“, sagte Präsident Dirk Eichelbaum.

Ist die Lizenz für die Regionalliga sicher?

Noch nicht. Nachdem die Blauen die Planzahlen für ihren 1,5-Millionen-Etat in Liga vier beim DFB eingereicht hatten, kam aus der Zentrale aus Frankfurt zunächst wenig Erbauendes. Die geringen Personalkosten wurden nicht akzeptiert. Die Kickers legten Einspruch ein. Inzwischen gab der DFB grünes Licht. Allerdings müssen bis zum 5. Juni noch die zugesagten Sponsorenverträge unterschrieben nachgereicht werden.

Wie sieht das Konzept für die Regionalliga aus?

Es scheint die Erkenntnis gereift zu sein, dass es ein Riesenfehler wäre, den sofortigen Wiederaufstieg als Zielsetzung auszugeben. „Wir müssen aufhören, Fans und Sponsoren Sand in die Augen zu streuen, sie sind ohnehin schon sauer genug“, sagt Aufsichtsratschef Lorz. Er wünscht sich einem Neuanfang mit „realistischen, aber ehrgeizigen Zielen“. Das Präsidium sieht es ähnlich: „Im Hauruckverfahren wieder nach oben zu wollen könnte einen noch gewaltigeren Absturz mit sich bringen“, sagt Dieter Wahl. Und Chef Eichelbaum will künftig konsequent auf die Jugend setzen. Er orientiert sich an anderen Traditionsclubs, die am Boden waren. Zum Beispiel am Zweitligisten RW Oberhausen. Eichelbaum: „Die spielten 2006 noch in der Oberliga und hatten kein eigenes Klopapier. Dann setzten sie auf ein junges Team mit drei, vier älteren Korsettstangen, die sich mit dem Club identifizieren.“ Das soll auch der Weg der Kickers sein.

Auf welche Spieler setzen die Blauen?

Als Führungsspieler sollen Marcus Mann und Torsten Traub gehalten werden. Genauso Bashiru Gambo, der als Einziger einen Vertrag für die Regionalliga besitzt. Hinzu kommen Talente wie Thomas Gentner, Marcel Ivanusa oder auch Ralf Kettemann. Kapitän Alexander Rosen ist als möglicher Nachfolger von Cast im Gespräch.

Bleibt der Hauptsponsor?

„Ich bin gesprächsbereit“, sagt Eduardo Garcia. Erst will der Unternehmer aber wissen, wie die sportliche Führung aussieht.

Sind in der Führungsetage kurzfristige Änderungen zu erwarten?

Wie es aussieht, tut sich bis zu den Neuwahlen im November nichts. „Was danach passiert, ist offen“, sagt Lorz.

Ist in der Regionalliga ein Aufsichtsrat noch sinnvoll?

Vieles spricht für eine schlankere Struktur mit kurzen Entscheidungswegen. Doch einer Auflösung des Kontrollgremiums setzt eine Satzungsänderung voraus. Das Präsidium will am Aufsichtsrat festhalten: „Es ist wichtig, dass geschaut wird, ob der Kurs stimmt“, sagt Wahl. „In diesem Gremium sitzen Persönlichkeiten, die den Kickers auch finanziell helfen“, ergänzt Eichelbaum.

Stuttgarter Nachrichten

Nur noch kläglich
Von Gunter Barner

Dass es rein theoretisch immer noch nicht sicher ist, ändert nichts daran: Die Stuttgarter Kickers werden absteigen. Die Bilanz ist kläglich. Sportlich war die dritte Liga eine Nummer zu groß. Finanziell riss sie ein gewaltiges Loch, und ideell ließ sie nichts mehr übrig von dem, was die Blauen einst so sympathisch machte. Die familiäre Atmosphäre auf der Waldau ging unter in einem Klima von Selbstbeweihräucherung, Besserwisserei, Missgunst, Misstrauen und Dilettantismus in der Chefetage. Die zusammengewürfelte Mannschaft entwickelte keinerlei Identifikationswert und verschliss drei Trainer.

Selbst die berechtigte Frage, ob ein radikaler personeller und struktureller Neuanfang den mausetoten Club zu neuem Leben erwecken könnte, stellt sich nur bedingt. Denn die Kickers müssen in ihrer Not auf das wenige bauen, das ihnen noch geblieben ist: eine überschaubare Zahl treuer Fans, wenige Sponsoren, die eher aus Mitleid denn aus Überzeugung am Ball bleiben, und eine leidlich funktionierende Führungsmannschaft um Präsident Dirk Eichelbaum, die sich mehr mit den Lasten der Vergangenheit zu beschäftigen hat als mit den Hoffnungen auf eine gedeihliche Zukunft.

Wahrscheinlich hat es nun auch der Letzte begriffen: Die Blauen müssen endlich aufhören, die glorreichen Zeiten zu beweinen. Jetzt hilft nur noch gnadenloser Realismus. Es wäre wohlfeil, aber grober Unfug, den sofortigen Wiederaufstieg als Saisonziel auszugeben. Statt erneut überforderte Billigkräfte en gros einzukaufen, sollten die Kickers ihr knappes Geld dort investieren, wo es einen Sportverein im eigentlichen Sinne adelt: in hochwertige, langfristige und intelligent konzeptionierte Jugendarbeit. Intensiv nachdenken müssen die Blauen überdies über schlankere Strukturen. Der Aufsichtsrat war zuletzt nur noch eine selbstgefällige Herrenrunde aus Bruddlern und Nörglern. Der Abstieg bietet die Chance zum Neuanfang – und birgt die Gefahr des kompletten Niedergangs.

Stuttgarter Nachrichten

Die Planungen für die Regionalliga laufen
Die Kickers sind praktisch nicht mehr zu retten – Konkurrenz patzt ebenfalls

Stuttgart – Die Stuttgarter Kickers haben weiterhin theoretische Chancen auf den Klassenverbleib. Weil gestern auch die Konkurrenten im Tabellenkeller der dritten Liga ihre Spiele verloren, ist der Abstieg noch nicht besiegelt. Im nächsten „Endspiel“ sind die Kickers am Samstag bei Werder Bremen II zu Gast.

Von Beate Wockenfuß

Fünf Punkte trennen die „Blauen“ vom rettenden Ufer. Das ist in den zwei ausstehenden Spielen zwar rechnerisch noch aufzuholen, doch relativ unwahrscheinlich. Der einstige Bundesligist bereitet sich daher schon auf den bitteren Gang in die Viertklassigkeit vor. Schon direkt nach der 1:4-Heimpleite am Dienstagabend gegen den VfR Aalen hatten die Kickers die letzte Hoffnung aufgegeben. „Vor dem Spiel war ich noch verhalten optimistisch. Aber jetzt ist der Sargnagel drin“, sagte Präsident Dirk Eichelbaum. Noch am Abend der 18. Saison-Niederlage begannen die Planungen für die Regionalliga. Gestern trafen sich Präsidium und Aufsichtsrat erneut, um am Konzept für die neue Spielzeit zu arbeiten. „Es ging in erster Linie um die strukturelle Ausrichtung“, hielt sich der Vereinsboss gestern bedeckt. Heute sollen erste Ergebnisse verkündet werden. Dass die völlig verkorkste Saison personelle Konsequenzen haben wird, ist klar. „Wenn wir sang- und klanglos Letzter werden, kann nicht alles richtig gemacht worden sein“, sagte Eichelbaum, ohne sich aber zu Namen zu äußern. Er selbst sieht keinen Grund für einen Rückzug. „Ich bin bis zur Hauptversammlung gewählt und nicht dazu da, hinzuschmeißen, wenn wir abgestiegen sind“, betonte der Rechtsanwalt. Das Motto „Ende gut, alles gut“ vom vergangenen Jahr, als sich die Kickers erst am letzten Spieltag für die dritte Liga qualifizierten, soll es diesmal nicht geben. „Wir werden alles hinterfragen“, so Eichelbaum. Ein Fragezeichen steht auch hinter den Finanzen. „Wir wollen uns in der Regionalliga mit einer jungen, entwicklungsfähigen Mannschaft konsolidieren“, erklärte der Präsident zwar. Aber um überhaupt erst einmal die Lizenz zu bekommen, müssen bis zum 5. Juni noch Sponsorengelder nachgewiesen werden. Sehr fraglich ist, ob Hauptsponsor Gazi sein Engagement fortführt. Eichelbaum: „Tendenz: eher nein.“

Eßlinger Zeitung

StN: Manager Cast vor dem Aus

Kickers planen Neuanfang

Stuttgart – Der Abstieg steht praktisch fest. Bei den Stuttgarter Kickers laufen die Planungen für die Fußball-Regionalliga auf Hochtouren. Alles deutet auf eine Trennung von Manager Joachim Cast hin.

Fest steht nach derzeitigem Stand, dass die Kickers in der Regionalliga antreten werden: „Wir werden alles tun, dass es nicht zu einer Insolvenz kommt“, sagten Präsident Dirk Eichelbaum und Aufsichtratschef Rainer Lorz unisono. In der vierten Liga will sich der Club nach Angaben der Vereinsführung mit „realistischen, aber ehrgeizigen Zielen konsolidieren und auf die Jugend setzen“.

Alles deutet unterdessen daraufhin, dass sich die Kickers und Manager Joachim Cast trennen werden. Möglicherweise wird der künftige Trainer die Rolle des Sportdirektors in Personalunion übernehmen.

Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

Presse zu Stuttgarter Kickers – VfR Aalen (1:4)

Der Abstieg der Kickers ist so gut wie besiegelt
Beim 1:4 gegen den VfR Aalen geht für die Stuttgarter fast alles schief – und die frustrierten Fans rufen: „Vorstand raus!“

STUTTGART. Im Kellerduell der dritten Fußballliga haben die Stuttgarter Kickers beim 1:4 gegen Aalen praktisch die letzte Chance auf den Klassenverbleib verspielt. „Wir haben dem Druck nicht standgehalten, gewinnen zu müssen“, sagte der Trainer Rainer Kraft.

Von Joachim Klumpp

„Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen“, riefen die mehr als 500 mitgereisten Aalener Fans gestern nach dem Schlusspfiff im Gazi-Stadion. Die Frage ist nur wo? In der dritten Liga nicht mehr, das ist nach dem 4:1-Sieg der Gäste bei den Stuttgarter Kickers so gut wie sicher. Der Präsident Dirk Eichelbaum gab zu: „Jetzt ist der Sargnagel drauf.“ Und Totgesagte leben in diesem Fall nicht länger; wenn Jena oder Burghausen heute gewinnen, ist auch rechnerisch alles gelaufen.

Es gibt Tage, da wäre man am besten im Bett geblieben. Für die Mannschaft aus Degerloch war gestern so ein Tag. Da musste der Trainer Rainer Kraft zunächst einmal auf die Leistungsträger Bashiru Gambo (Halswirbel angebrochen) und Alexander Rosen (Muskelfaserriss) verzichten – für beide ist die Saison gelaufen -, dann wurden wegen des Regenwetters aus den erhofften 5000 Zuschauer nur 3590 – und unterm Strich stand schließlich die enttäuschende Niederlage gegen Aalen, die den Abstieg nahezu besiegelt hat, zumal die Konkurrenten Regensburg und Bremen siegten. Es ging also so ziemlich alles schief, was schief gehen konnte.

„Wir haben heute dem Druck nicht standgehalten, gewinnen zu müssen“, sagte Rainer Kraft kurz und knapp. Denn die Vorgabe war klar: drei Punkte, „aber ohne Harakiri zu spielen“, so der Trainer. Den Sicherheitsaspekt nahm seine Mannschaft dann jedoch etwas zu wörtlich. Von Beginn an gab nämlich nur eine Elf den Ton an: der Gast. Schon nach fünf Minuten verursachte ausgerechnet der Ex-Aalener Torsten Traub (gegen Mario Hohn) einen Elfmeter. Und anders als im letzten Heimspiel gegen Braunschweig war diesmal auch der gute Torhüter Manuel Salz gegen Christian Alders Strafstoß chancenlos. Dafür hielt der Schlussmann seine Mannschaft mit Paraden gegen Steffen Bohl und bei einem Distanzschuss von Branko Okic (20. und 22.) im Spiel.

Aalen spielte, wie man es eigentlich von einer Heimmannschaft erwartet: mutig und selbstbewusst nach vorne. „Ich bin nicht nur über das Ergebnis glücklich“, sagte später Rainer Scharinger, „sondern auch über die Art und Weise des Zustandeskommens.“ Der neue Trainer hat innerhalb einer Woche wohl einen frischen Geist in die Mannschaft gebracht. Der verletzte Abwehrspieler Michael Stickel sagt: „Was er in der kurzen Zeit vollbracht hat, hat man in Aalen schon lange nicht mehr erlebt.“ Kein gutes Zeugnis also für die Vorgänger Petrik Sander, Jürgen Kohler und Edgar Schmitt, der danach ja auch noch bei den Kickers Station machte.

Die gaben erst nach einer halben Stunde ein Lebenszeichen von sich, als Marco Tucci aus der Drehung den Torhüter Tobias Linse prüfte. Drehte sich jetzt das Spiel? Mitnichten. Aalens Marco Sailer rutschte an einer Flanke von Robert Lechleiter vorbei, das hätte das 2:0 sein können. Wenn die Kickers ihre Minimalchance wahren wollten, dann musste sich nach der Pause etwas ändern.

Das tat sich zunächst einmal personell. Orlando Smeekes und Thorsten Reiß kamen für Marco Tucci und Benedikt Deigendesch. Besser wurde es dadurch nicht. Im Gegenteil. In der 60. Minute köpfte Bohl nach einem Freistoß des schon 40-jährigen Okic freistehend zum 2:0 ins Netz. Innerhalb von weiteren 180 Sekunden war das Spiel dann entschieden: Erst zögerte Thomas Gentner vor dem VfR-Tor zu lange, dann schob Lechleiter den Ball zum 3:0 ins Netz (63.). Sailer erhöhte noch auf 4:0 (83.), ehe Mijo Tunjic zumindest der Ehrentreffer gelang (85.).

Das Spiel war gelaufen, der Abend noch nicht. „Vorstand raus!“, riefen einige frustrierte Kickers-Fans. Doch der tagte zunächst einmal nach der Partie zusammen mit dem Aufsichtsrat, um am Konzept für die nächste Saison zu arbeiten. „Wenn man überhaupt von einem Vorteil sprechen kann, dann von dem, dass wir jetzt knapp zwei Wochen früher Planungssicherheit haben“, sagte der Präsident Dirk Eichelbaum. Doch er weiß nur zu gut: es wird schwer. Finanziell, aber auch sportlich. „Wir werden alles hinterfragen – mit offenem Ausgang“, sagte Eichelbaum noch im Hinblick auf die Personalentscheidungen, zum Beispiel des Managers Cast.

Stuttgart: Salz – Steinle, Mann, Traub, Härter – Traut, Ortlieb, Deigendesch (46. Reiß), Gentner – Galm (80. Tunjic), Tucci (46. Smeekes).

Aalen: Linse – Schiele, Alder, Bader, Stegmayer – Wingerter, Bohl, Okic (72. Haller), Hohn (56. Andersen) – Sailer, Lechleiter (88. Teinert).

Schiedsrichter: Thielert (Buchholz).

Tore: 0:1 Alder (5./Foulelfmeter), 0:2 Bohl (60.), 0:3 Lechleiter (63.), 0:4 Sailer (83.), 1:4 Tunjic (85.).

Stuttgarter Zeitung

Kickers nicht mehr zu retten
Drittligist verliert gegen VfR Aalen 1:4 – Heute vermutlich auch rechnerisch abgestiegen

Der Abstieg der Stuttgarter Kickers in die Fußball-Regionalliga steht so gut wie fest. Die Blauen verloren am Dienstagabend gegen den VfR Aalen völlig verdient mit 1:4 (0:1) – am heutigen Mittwoch könnte auch die letzte theoretische Chance dahin sein.

Von Jürgen Frey

STUTTGART. Am Ende drohte es für die Blauen vor 3590 Zuschauern sogar noch richtig peinlich zu werden. Das passierte nicht, doch auch das 1:4 gegen Aalen war deutlicher Ausdruck der Chancenlosigkeit. Die Folgen waren so oder so fatal: Die Stuttgarter Kickers, einst sogar Bundesligist, steigen ab – und sind ab der kommenden Saison nur noch viertklassig.

Sicher, theoretisch stand der Absturz am Dienstag zwar noch nicht endgültig fest. Aber spätestens am heutigen Mittwoch, wenn die restlichen Partien des 36. Spieltags ausgetragen werden, ist die Gewissheit wohl da. „Der Sargnagel“, sagte Präsident Dirk Eichelbaum, „ist drin.“

Natürlich ist der Absturz kein Ereignis, das sich ausschließlich am Dienstagabend zugetragen hat, die Misere dauert nun schon eine ganze Saison lang. Doch die Niederlage gegen den VfR Aalen war noch mal ein trauriges Sinnbild für alles, was sich in den vergangenen Monaten abgespielt hatte.

Schon vor Beginn des Spiels gab es Hiobsbotschaften für die Blauen: Ausgerechnet Bashiru Gambo (gebrochener Halswirbel) und Alexander Rosen (Muskelfaserriss) mussten passen, dazu fehlte auch noch Marcel Ivanusa wegen einer Schulterverletzung. Dass es so verdammt schwer werden würde, diesen letzten Strohhalm noch zu erreichen, war also vor dem Anpfiff klar. Kurz danach war dann zu sehen, dass es unmöglich sein würde.

Der VfR Aalen zeigte zwar, warum er auch in Abstiegsnot geraten war. Die Kickers aber lieferten den Beleg dafür, weshalb sie auf dem allerletzten Platz stehen. „Wir haben dem Druck, gewinnen zu müssen, nicht standgehalten“, sagte Kickers-Trainer Rainer Kraft, „wir waren in jeder Phase des Spiels unterlegen.“ Und Sascha Traut klagte: „So darf man einfach nicht auftreten.“ Schon nach fünf Minuten verwandelte Christian Alder einen Foulelfmeter zum 1:0 für den VfR, nach der Pause erhöhten Steffen Bohl, Robert Lechleiter und Marco Sailer auf 4:0, ehe am Ende Mijo Tunjic noch den Ehrentreffer für die insgesamt hilflosen Kickers erzielte. Kurz darauf war“s zu Ende. Zumindest für die Spieler.

Präsidium und Aufsichtsrat diskutierten in einer Sitzung gleich im Anschluss an die Partie gegen Aalen, wie es nun weitergehen soll. Stand heute gilt nach wie vor, dass eine Insolvenz vermieden und in der Regionalliga angetreten werden soll. Einziger Vorteil des vorzeitig feststehenden Abstiegs ist dabei die frühe Planungssicherheit für die kommende Runde.

Für alle Kickers-Fans ein verdammt schwacher Trost.

Stuttgarter Nachrichten

Ein Untergang mit Blitz und Donner
Mit der 1:4-Niederlage gegen den VfR Aalen ist der Abstieg für die Stuttgarter Kickers so gut wie besiegelt

Stuttgart – Das war es wohl für den Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers. Nach der klaren 1:4 (0:1)-Heimniederlage gegen den VfR Aalen ist der Abstieg der „Blauen“ so gut wie besiegelt. Die Chancen auf den Klassenverbleib sind nur noch theoretischer Natur. Sollten Wacker Burghausen und Carl Zeiss Jena heute jeweils einen Zähler holen, wäre es um die Kickers definitiv geschehen.

Von Beate Wockenfuß

Die Szenerie in Degerloch passte zur Untergangsstimmung. Über dem Stadion tobte ein heftiges Unwetter mit Blitz und Donner, auf dem Platz und auf den Rängen herrschte Tristesse pur.Kickers-Trainer Rainer Kraft war entsprechend bedient: „Aus unserer Sicht ist die Geschichte des Spiels schnell erzählt: Wir haben es nicht geschafft, dem Druck standzuhalten, gewinnen zu müssen. Wir waren dem Gegner in jeder Phase unterlegen.“Auch Präsident Dirk Eichelbaum wollte angesichts der herben Niederlage nichts beschönigen. „Wir hatten die Hosen gestrichen voll und haben eine schlechte Leistung gezeigt.“ Die Aussichten auf den Klassenverbleib stuft der Präsident realistisch ein. „Jetzt ist der Sargnagel drin“, meinte Eichelbaum. Die Voraussetzungen vor dem von Kickers-Manager Joachim Cast als „x-tes Endspiel“ bezeichneten Kellerderbys waren für die „Blauen“ alles andere als optimal. Die drei Mittelfeldspieler Alexander Rosen (Muskelfaserriss), Bashiru Gambo (Halswirbel angebrochen) und Marcel Ivanusa (Schultereckgelenkssprengung) fielen aus. Die Kickers gingen dennoch engagiert in die Partie – Torsten Traub allerdings einen Tick zu übermotiviert. Der Abwehrspieler holte in der 5. Minute den Aalener Steffen Bohl im Strafraum rüde von den Beinen – Elfmeter. Christian Alder verwandelte zum 1:0 für den VfR.Schlechter konnte es gar nicht losgehen. Danach hatte Aalen in einer hitzigen Partie, in der vor allem bei den Kickers die Nerven blank lagen, Oberwasser und die größeren Chancen. Der 40-jährige reaktivierte Branko Okic prüfte Kickers-Torwart Manuel Salz mit einem Schuss aus 25 Metern. Kurz darauf traf Michael Stegmayer nur das Außennetz. Bei den Kickers lief so gut wie nichts zusammen. Alles wirkte etwas planlos, die Pässe kamen kaum einmal beim Mitspieler an. Marco Tuccis Schuss war eine leichte Beute für VfR-Torwart Tobias Linse (26.). Die Kickers agierten zu Beginn der zweiten Hälfte zwar offensiver, die Tore aber erzielte Aalen. Nach einem Okic-Freistoß traf Bohl per Kopf zum 2:0 (60.), und Robert Lechleiter gelang nur drei Minuten später das 3:0. Damit war für die Kickers zumindest in diesem Spiel der Ofen aus. Marco Sailer erhöhte noch auf 4:0 für die Gäste (83.). Das 1:4 durch Mijo Tunjic war für die Kickers kein Trost mehr nach einem tristen Spiel an einem tristen Abend.

Statistik
Stuttgarter Kickers: Salz – Steinle, Mann, Traub, Härter – Traut, Ortlieb, Deigendesch (46. Smeekes), Gentner – Galm (80. Tunjic), Tucci (46. Reiß).

VfR Aalen: Linse – Schiele, Alder, Bader, Stegmayer – Bohl – Wingerter, Okic (72. Haller), Hohn – Sailer, Lechleiter (87. Teinert).

Schiedsrichter: Thielert (Buchholz).

Zuschauer: 3590.

Tore: 0:1 Alder (5./Foulelfmeter), 0:2 Bohl (60.), 0:3 Lechleiter (63.), 0:4 Sailer (83.), 1:4 Tunjic (85.).

Gelbe Karten: Traub, Gentner, Smeekes, Steinle / Sailer.

Beste Spieler: Salz / Okic, Lechleiter.

Esslinger Zeitung

VfR-Fans feiern den gefühlten Klassenerhalt

Der VfR Aalen hat am Dienstagabend beim Tabellenletzten Stuttgarter Kickers einen wichtigen Schritt Richtung Klassenerhalt gemacht. Die vielen mitgereisten Aalener Fans bejubelten ein überzeugendes 4:1 gegen äußerst harmlose Gastgeber.

AALEN (sz) VfR-Trainer Rainer Scharinger vertraute auch im strömenden Regen unterm Stuttgarter Fernsehturm derselben Elf, die beim 3:3 gegen Paderborn in der zweiten Hälfte auf dem Platz war. Die Aalener traten gegen ausgeruhte Kickers an, die zuletzt vor einer Woche in Jena 0:0 gespielt hatten.

Die Partie begann turbulent: Gleich beim zweiten Angriff der Aalener in der vierten Minute wurde Mario Hohn ausgerechnet vom Ex-Aalener Torsten Traub an der Strafraumgrenze zu Fall gebracht. Schiedsrichter Sascha Thielert zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Christian Alder ließ sich auch von den wilden Gesten des Kickers-Torhüters Manuel Salz nicht beeindrucken und verwandelte kaltschnäuzig. Das brachte die 500 mitgereisten Fans für die restlichen 45 Minuten richtig auf Touren.

Auch in der restlichen ersten Hälfte blieb der VfR am Drücker, und die Kickers durften sich zweimal bei Manuel Salz bedanken, der die platzierten Schüsse von Lechleiter (15.) und Okic (19.) hielt.

Die Kickers verbuchten ihren einzigen Torschuss der ersten Hälfte in der 24. Minute, der VfR hatte aber die Gasse so eng gemacht, dass Tucci aus spitzem Winkel nur Tobias Linse nur in die Arme schießen konnte. Der VfR fuhr weiter seine Angriffe, Marco Sailer erhielt eine Hundertprozentige präsentiert, aber statt zu verwandeln rutschte er nur mit dem Ball Richtung Tor, wo Salz zur Stelle war. So gingen die Aalener zwar mit einer Führung in die Pause, aber auch mit dem Wissen, dass diese angesichts der Spielanteile und Chancen eigentlich zwei Tore höher hätte sein müssen.

Entsprechend zittern mussten die VfR-Fans in der zweiten Hälfte, als die Kickers immer besser ins Spiel kamen. Allerdings landeten die Angriffsbemühungen der Kickers allesamt weit neben oder über dem Tor. Der VfR dagegen nutzte gleich seine erste Standardsituation der zweiten Hälfte, indem Steffen Bohl – wie schon beim 3:2 gegen Paderborn seinen Kopf nach Freistoß des wiederum glänzend aufgelegten Oldies Branko Okic genau an die richtige Stelle hielt – Kickers-Torhüter Manuel Salz reagierte gar nicht, als der Ball plötzlich im Netz zappelte. Jetzt war der Knoten gelöst, bei den Kickers ging gar nichts mehr: Beim nächsten Angriff steuerte Robert Lechleiter mit einem Kickers-Verteidiger auf Tor von Salz zu, der wieder genau das Falsche machte: Er lief heraus, Lechleiter überwand ihn und schob nun ungehindert zum 3:0 ein. In der Jetzt gab es bei allen beteiligten Aalenern kein Halten mehr: Die Fans rasteten aus, die Spieler warfen sich vor ihnen vor die Füße und die komplette Trainerbank rannte aufs Spielfeld.

In der 83. erhöhte Sailer nach einem schönen Doppelpass mit Lechleiter auf 4:0, kurz darauf gelang noch der 1:4-Ehrentreffer, als der kurz zuvor eingewechselte Mijo Tunjic eine Flanke über Linse hinwegköpfte.Dennoch war es für die Aalener der gefühlte Klassenerhalt – eine Schmach für die Stuttgarter, bei denen sich nach den heutigen restlichen Partien entscheidet, ob sie nun sicher abgestiegen sind. Die Aalener dagegen behalten vielleicht sogar den 16. Tabellenplatz und könnten nach dem ersten Auswärtssieg seit der Ära Schmitt halbwegs beruhigt am Samstag gegen den Vierten Düsseldorf antreten.

Schwäbische Zeitung