Presse zu Stuttgarter Kickers – VfR Aalen (1:4)

Der Abstieg der Kickers ist so gut wie besiegelt
Beim 1:4 gegen den VfR Aalen geht für die Stuttgarter fast alles schief – und die frustrierten Fans rufen: „Vorstand raus!“

STUTTGART. Im Kellerduell der dritten Fußballliga haben die Stuttgarter Kickers beim 1:4 gegen Aalen praktisch die letzte Chance auf den Klassenverbleib verspielt. „Wir haben dem Druck nicht standgehalten, gewinnen zu müssen“, sagte der Trainer Rainer Kraft.

Von Joachim Klumpp

„Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen“, riefen die mehr als 500 mitgereisten Aalener Fans gestern nach dem Schlusspfiff im Gazi-Stadion. Die Frage ist nur wo? In der dritten Liga nicht mehr, das ist nach dem 4:1-Sieg der Gäste bei den Stuttgarter Kickers so gut wie sicher. Der Präsident Dirk Eichelbaum gab zu: „Jetzt ist der Sargnagel drauf.“ Und Totgesagte leben in diesem Fall nicht länger; wenn Jena oder Burghausen heute gewinnen, ist auch rechnerisch alles gelaufen.

Es gibt Tage, da wäre man am besten im Bett geblieben. Für die Mannschaft aus Degerloch war gestern so ein Tag. Da musste der Trainer Rainer Kraft zunächst einmal auf die Leistungsträger Bashiru Gambo (Halswirbel angebrochen) und Alexander Rosen (Muskelfaserriss) verzichten – für beide ist die Saison gelaufen -, dann wurden wegen des Regenwetters aus den erhofften 5000 Zuschauer nur 3590 – und unterm Strich stand schließlich die enttäuschende Niederlage gegen Aalen, die den Abstieg nahezu besiegelt hat, zumal die Konkurrenten Regensburg und Bremen siegten. Es ging also so ziemlich alles schief, was schief gehen konnte.

„Wir haben heute dem Druck nicht standgehalten, gewinnen zu müssen“, sagte Rainer Kraft kurz und knapp. Denn die Vorgabe war klar: drei Punkte, „aber ohne Harakiri zu spielen“, so der Trainer. Den Sicherheitsaspekt nahm seine Mannschaft dann jedoch etwas zu wörtlich. Von Beginn an gab nämlich nur eine Elf den Ton an: der Gast. Schon nach fünf Minuten verursachte ausgerechnet der Ex-Aalener Torsten Traub (gegen Mario Hohn) einen Elfmeter. Und anders als im letzten Heimspiel gegen Braunschweig war diesmal auch der gute Torhüter Manuel Salz gegen Christian Alders Strafstoß chancenlos. Dafür hielt der Schlussmann seine Mannschaft mit Paraden gegen Steffen Bohl und bei einem Distanzschuss von Branko Okic (20. und 22.) im Spiel.

Aalen spielte, wie man es eigentlich von einer Heimmannschaft erwartet: mutig und selbstbewusst nach vorne. „Ich bin nicht nur über das Ergebnis glücklich“, sagte später Rainer Scharinger, „sondern auch über die Art und Weise des Zustandeskommens.“ Der neue Trainer hat innerhalb einer Woche wohl einen frischen Geist in die Mannschaft gebracht. Der verletzte Abwehrspieler Michael Stickel sagt: „Was er in der kurzen Zeit vollbracht hat, hat man in Aalen schon lange nicht mehr erlebt.“ Kein gutes Zeugnis also für die Vorgänger Petrik Sander, Jürgen Kohler und Edgar Schmitt, der danach ja auch noch bei den Kickers Station machte.

Die gaben erst nach einer halben Stunde ein Lebenszeichen von sich, als Marco Tucci aus der Drehung den Torhüter Tobias Linse prüfte. Drehte sich jetzt das Spiel? Mitnichten. Aalens Marco Sailer rutschte an einer Flanke von Robert Lechleiter vorbei, das hätte das 2:0 sein können. Wenn die Kickers ihre Minimalchance wahren wollten, dann musste sich nach der Pause etwas ändern.

Das tat sich zunächst einmal personell. Orlando Smeekes und Thorsten Reiß kamen für Marco Tucci und Benedikt Deigendesch. Besser wurde es dadurch nicht. Im Gegenteil. In der 60. Minute köpfte Bohl nach einem Freistoß des schon 40-jährigen Okic freistehend zum 2:0 ins Netz. Innerhalb von weiteren 180 Sekunden war das Spiel dann entschieden: Erst zögerte Thomas Gentner vor dem VfR-Tor zu lange, dann schob Lechleiter den Ball zum 3:0 ins Netz (63.). Sailer erhöhte noch auf 4:0 (83.), ehe Mijo Tunjic zumindest der Ehrentreffer gelang (85.).

Das Spiel war gelaufen, der Abend noch nicht. „Vorstand raus!“, riefen einige frustrierte Kickers-Fans. Doch der tagte zunächst einmal nach der Partie zusammen mit dem Aufsichtsrat, um am Konzept für die nächste Saison zu arbeiten. „Wenn man überhaupt von einem Vorteil sprechen kann, dann von dem, dass wir jetzt knapp zwei Wochen früher Planungssicherheit haben“, sagte der Präsident Dirk Eichelbaum. Doch er weiß nur zu gut: es wird schwer. Finanziell, aber auch sportlich. „Wir werden alles hinterfragen – mit offenem Ausgang“, sagte Eichelbaum noch im Hinblick auf die Personalentscheidungen, zum Beispiel des Managers Cast.

Stuttgart: Salz – Steinle, Mann, Traub, Härter – Traut, Ortlieb, Deigendesch (46. Reiß), Gentner – Galm (80. Tunjic), Tucci (46. Smeekes).

Aalen: Linse – Schiele, Alder, Bader, Stegmayer – Wingerter, Bohl, Okic (72. Haller), Hohn (56. Andersen) – Sailer, Lechleiter (88. Teinert).

Schiedsrichter: Thielert (Buchholz).

Tore: 0:1 Alder (5./Foulelfmeter), 0:2 Bohl (60.), 0:3 Lechleiter (63.), 0:4 Sailer (83.), 1:4 Tunjic (85.).

Stuttgarter Zeitung

Kickers nicht mehr zu retten
Drittligist verliert gegen VfR Aalen 1:4 – Heute vermutlich auch rechnerisch abgestiegen

Der Abstieg der Stuttgarter Kickers in die Fußball-Regionalliga steht so gut wie fest. Die Blauen verloren am Dienstagabend gegen den VfR Aalen völlig verdient mit 1:4 (0:1) – am heutigen Mittwoch könnte auch die letzte theoretische Chance dahin sein.

Von Jürgen Frey

STUTTGART. Am Ende drohte es für die Blauen vor 3590 Zuschauern sogar noch richtig peinlich zu werden. Das passierte nicht, doch auch das 1:4 gegen Aalen war deutlicher Ausdruck der Chancenlosigkeit. Die Folgen waren so oder so fatal: Die Stuttgarter Kickers, einst sogar Bundesligist, steigen ab – und sind ab der kommenden Saison nur noch viertklassig.

Sicher, theoretisch stand der Absturz am Dienstag zwar noch nicht endgültig fest. Aber spätestens am heutigen Mittwoch, wenn die restlichen Partien des 36. Spieltags ausgetragen werden, ist die Gewissheit wohl da. „Der Sargnagel“, sagte Präsident Dirk Eichelbaum, „ist drin.“

Natürlich ist der Absturz kein Ereignis, das sich ausschließlich am Dienstagabend zugetragen hat, die Misere dauert nun schon eine ganze Saison lang. Doch die Niederlage gegen den VfR Aalen war noch mal ein trauriges Sinnbild für alles, was sich in den vergangenen Monaten abgespielt hatte.

Schon vor Beginn des Spiels gab es Hiobsbotschaften für die Blauen: Ausgerechnet Bashiru Gambo (gebrochener Halswirbel) und Alexander Rosen (Muskelfaserriss) mussten passen, dazu fehlte auch noch Marcel Ivanusa wegen einer Schulterverletzung. Dass es so verdammt schwer werden würde, diesen letzten Strohhalm noch zu erreichen, war also vor dem Anpfiff klar. Kurz danach war dann zu sehen, dass es unmöglich sein würde.

Der VfR Aalen zeigte zwar, warum er auch in Abstiegsnot geraten war. Die Kickers aber lieferten den Beleg dafür, weshalb sie auf dem allerletzten Platz stehen. „Wir haben dem Druck, gewinnen zu müssen, nicht standgehalten“, sagte Kickers-Trainer Rainer Kraft, „wir waren in jeder Phase des Spiels unterlegen.“ Und Sascha Traut klagte: „So darf man einfach nicht auftreten.“ Schon nach fünf Minuten verwandelte Christian Alder einen Foulelfmeter zum 1:0 für den VfR, nach der Pause erhöhten Steffen Bohl, Robert Lechleiter und Marco Sailer auf 4:0, ehe am Ende Mijo Tunjic noch den Ehrentreffer für die insgesamt hilflosen Kickers erzielte. Kurz darauf war“s zu Ende. Zumindest für die Spieler.

Präsidium und Aufsichtsrat diskutierten in einer Sitzung gleich im Anschluss an die Partie gegen Aalen, wie es nun weitergehen soll. Stand heute gilt nach wie vor, dass eine Insolvenz vermieden und in der Regionalliga angetreten werden soll. Einziger Vorteil des vorzeitig feststehenden Abstiegs ist dabei die frühe Planungssicherheit für die kommende Runde.

Für alle Kickers-Fans ein verdammt schwacher Trost.

Stuttgarter Nachrichten

Ein Untergang mit Blitz und Donner
Mit der 1:4-Niederlage gegen den VfR Aalen ist der Abstieg für die Stuttgarter Kickers so gut wie besiegelt

Stuttgart – Das war es wohl für den Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers. Nach der klaren 1:4 (0:1)-Heimniederlage gegen den VfR Aalen ist der Abstieg der „Blauen“ so gut wie besiegelt. Die Chancen auf den Klassenverbleib sind nur noch theoretischer Natur. Sollten Wacker Burghausen und Carl Zeiss Jena heute jeweils einen Zähler holen, wäre es um die Kickers definitiv geschehen.

Von Beate Wockenfuß

Die Szenerie in Degerloch passte zur Untergangsstimmung. Über dem Stadion tobte ein heftiges Unwetter mit Blitz und Donner, auf dem Platz und auf den Rängen herrschte Tristesse pur.Kickers-Trainer Rainer Kraft war entsprechend bedient: „Aus unserer Sicht ist die Geschichte des Spiels schnell erzählt: Wir haben es nicht geschafft, dem Druck standzuhalten, gewinnen zu müssen. Wir waren dem Gegner in jeder Phase unterlegen.“Auch Präsident Dirk Eichelbaum wollte angesichts der herben Niederlage nichts beschönigen. „Wir hatten die Hosen gestrichen voll und haben eine schlechte Leistung gezeigt.“ Die Aussichten auf den Klassenverbleib stuft der Präsident realistisch ein. „Jetzt ist der Sargnagel drin“, meinte Eichelbaum. Die Voraussetzungen vor dem von Kickers-Manager Joachim Cast als „x-tes Endspiel“ bezeichneten Kellerderbys waren für die „Blauen“ alles andere als optimal. Die drei Mittelfeldspieler Alexander Rosen (Muskelfaserriss), Bashiru Gambo (Halswirbel angebrochen) und Marcel Ivanusa (Schultereckgelenkssprengung) fielen aus. Die Kickers gingen dennoch engagiert in die Partie – Torsten Traub allerdings einen Tick zu übermotiviert. Der Abwehrspieler holte in der 5. Minute den Aalener Steffen Bohl im Strafraum rüde von den Beinen – Elfmeter. Christian Alder verwandelte zum 1:0 für den VfR.Schlechter konnte es gar nicht losgehen. Danach hatte Aalen in einer hitzigen Partie, in der vor allem bei den Kickers die Nerven blank lagen, Oberwasser und die größeren Chancen. Der 40-jährige reaktivierte Branko Okic prüfte Kickers-Torwart Manuel Salz mit einem Schuss aus 25 Metern. Kurz darauf traf Michael Stegmayer nur das Außennetz. Bei den Kickers lief so gut wie nichts zusammen. Alles wirkte etwas planlos, die Pässe kamen kaum einmal beim Mitspieler an. Marco Tuccis Schuss war eine leichte Beute für VfR-Torwart Tobias Linse (26.). Die Kickers agierten zu Beginn der zweiten Hälfte zwar offensiver, die Tore aber erzielte Aalen. Nach einem Okic-Freistoß traf Bohl per Kopf zum 2:0 (60.), und Robert Lechleiter gelang nur drei Minuten später das 3:0. Damit war für die Kickers zumindest in diesem Spiel der Ofen aus. Marco Sailer erhöhte noch auf 4:0 für die Gäste (83.). Das 1:4 durch Mijo Tunjic war für die Kickers kein Trost mehr nach einem tristen Spiel an einem tristen Abend.

Statistik
Stuttgarter Kickers: Salz – Steinle, Mann, Traub, Härter – Traut, Ortlieb, Deigendesch (46. Smeekes), Gentner – Galm (80. Tunjic), Tucci (46. Reiß).

VfR Aalen: Linse – Schiele, Alder, Bader, Stegmayer – Bohl – Wingerter, Okic (72. Haller), Hohn – Sailer, Lechleiter (87. Teinert).

Schiedsrichter: Thielert (Buchholz).

Zuschauer: 3590.

Tore: 0:1 Alder (5./Foulelfmeter), 0:2 Bohl (60.), 0:3 Lechleiter (63.), 0:4 Sailer (83.), 1:4 Tunjic (85.).

Gelbe Karten: Traub, Gentner, Smeekes, Steinle / Sailer.

Beste Spieler: Salz / Okic, Lechleiter.

Esslinger Zeitung

VfR-Fans feiern den gefühlten Klassenerhalt

Der VfR Aalen hat am Dienstagabend beim Tabellenletzten Stuttgarter Kickers einen wichtigen Schritt Richtung Klassenerhalt gemacht. Die vielen mitgereisten Aalener Fans bejubelten ein überzeugendes 4:1 gegen äußerst harmlose Gastgeber.

AALEN (sz) VfR-Trainer Rainer Scharinger vertraute auch im strömenden Regen unterm Stuttgarter Fernsehturm derselben Elf, die beim 3:3 gegen Paderborn in der zweiten Hälfte auf dem Platz war. Die Aalener traten gegen ausgeruhte Kickers an, die zuletzt vor einer Woche in Jena 0:0 gespielt hatten.

Die Partie begann turbulent: Gleich beim zweiten Angriff der Aalener in der vierten Minute wurde Mario Hohn ausgerechnet vom Ex-Aalener Torsten Traub an der Strafraumgrenze zu Fall gebracht. Schiedsrichter Sascha Thielert zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Christian Alder ließ sich auch von den wilden Gesten des Kickers-Torhüters Manuel Salz nicht beeindrucken und verwandelte kaltschnäuzig. Das brachte die 500 mitgereisten Fans für die restlichen 45 Minuten richtig auf Touren.

Auch in der restlichen ersten Hälfte blieb der VfR am Drücker, und die Kickers durften sich zweimal bei Manuel Salz bedanken, der die platzierten Schüsse von Lechleiter (15.) und Okic (19.) hielt.

Die Kickers verbuchten ihren einzigen Torschuss der ersten Hälfte in der 24. Minute, der VfR hatte aber die Gasse so eng gemacht, dass Tucci aus spitzem Winkel nur Tobias Linse nur in die Arme schießen konnte. Der VfR fuhr weiter seine Angriffe, Marco Sailer erhielt eine Hundertprozentige präsentiert, aber statt zu verwandeln rutschte er nur mit dem Ball Richtung Tor, wo Salz zur Stelle war. So gingen die Aalener zwar mit einer Führung in die Pause, aber auch mit dem Wissen, dass diese angesichts der Spielanteile und Chancen eigentlich zwei Tore höher hätte sein müssen.

Entsprechend zittern mussten die VfR-Fans in der zweiten Hälfte, als die Kickers immer besser ins Spiel kamen. Allerdings landeten die Angriffsbemühungen der Kickers allesamt weit neben oder über dem Tor. Der VfR dagegen nutzte gleich seine erste Standardsituation der zweiten Hälfte, indem Steffen Bohl – wie schon beim 3:2 gegen Paderborn seinen Kopf nach Freistoß des wiederum glänzend aufgelegten Oldies Branko Okic genau an die richtige Stelle hielt – Kickers-Torhüter Manuel Salz reagierte gar nicht, als der Ball plötzlich im Netz zappelte. Jetzt war der Knoten gelöst, bei den Kickers ging gar nichts mehr: Beim nächsten Angriff steuerte Robert Lechleiter mit einem Kickers-Verteidiger auf Tor von Salz zu, der wieder genau das Falsche machte: Er lief heraus, Lechleiter überwand ihn und schob nun ungehindert zum 3:0 ein. In der Jetzt gab es bei allen beteiligten Aalenern kein Halten mehr: Die Fans rasteten aus, die Spieler warfen sich vor ihnen vor die Füße und die komplette Trainerbank rannte aufs Spielfeld.

In der 83. erhöhte Sailer nach einem schönen Doppelpass mit Lechleiter auf 4:0, kurz darauf gelang noch der 1:4-Ehrentreffer, als der kurz zuvor eingewechselte Mijo Tunjic eine Flanke über Linse hinwegköpfte.Dennoch war es für die Aalener der gefühlte Klassenerhalt – eine Schmach für die Stuttgarter, bei denen sich nach den heutigen restlichen Partien entscheidet, ob sie nun sicher abgestiegen sind. Die Aalener dagegen behalten vielleicht sogar den 16. Tabellenplatz und könnten nach dem ersten Auswärtssieg seit der Ära Schmitt halbwegs beruhigt am Samstag gegen den Vierten Düsseldorf antreten.

Schwäbische Zeitung

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