Vorberichte SGV Freiberg – Stuttgarter Kickers II

SGV-Serie bei den Kickers soll fortgesetzt werden

Freiberg – Viel vorgenommen haben sich die Fußballer des SGV Freiberg morgen um 14 Uhr im Auswärtsspiel der Oberliga Baden-Württemberg bei der zweiten Mannschaft der Stuttgarter Kickers.

„Meine Mannschaft kann weitaus mehr, als sie gegen Au gezeigt hat und das wird sie auch beweisen“, teilte SGV-Coach Marcus Wenninger mit.

Auf Rang 7 stehen die Freiberger weiterhin im oberen Tabellendrittel und mit einem Dreier in Stuttgart würde man diese Position sogar noch festigen. Unterstützt wird diese Hoffnung durch die Tatsache, dass sich der SGV zuletzt bei den Kickers meist sehr gut verkauft hat und aus den vergangenen drei Spielen alle neun Punkte entführen konnte.
Allerdings wird es morgen nicht leicht, denn die Youngster-Truppe von Kickers-Coach Björn Hinck ist heuer wesentlich besser in die Runde gestartet als in der Vergangenheit. Verstärkt wurde die Offensive, in der die Tunjic-Brüder Mijo und auch Antonio, der schon ein kurzes Gastspiel beim SGV gab, zu beachten sind.
Stärkste Waffe der „kleinen Blauen“ ist jedoch das laufstarke Mittelfeld, dem die Spielfreude nur mit harter Manndeckung zu nehmen ist.
Da das SGV-Team gestern Abend noch das Abschlusstraining absolvierte und einige Spieler über leichte Blessuren klagten, wollte Wenninger seinen Spielerkader noch nicht benennen. Sicher ist aber, dass er ihn auf 20 Akteure reduzieren wird und deshalb einige Spieler in der zweiten Mannschaft spielen werden.
Zum morgigen Auswärtsspiel organisiert der SGV-Freundeskreis diesmal einen privaten Pkw-Fahrdienst. Zuschauer, die mit eigenem Auto zu diesem Spiel fahren, sollten deshalb zuvor bei den Parkplätzen der Stadiongaststätte am Wasen vorbei kommen (Treffpunkt 12.30).
Das SGV-Aufgebot: Burkhardt, Brasch; Bartholamä, Rizzo, Hecimovic, Salopek, Jaksche, Franzen, Lukic, Schreiber, Pribyl, Deligiannidis, Rugovaj, Klapsia, Schwintjes, Müller, Grimmer, Zangl, Grüttner, Rahmanovic, Sarajlic, Schurichin.

Ludwigsburger Kreiszeitung

„Euro-Eddy“ trainiert die Kickers

Er ist in der Bundesliga schon an der Seite von Andy Möller bei Eintracht Frankfurt und „Icke“ Hässler beim KSC auf Torejagd gegangen. Und in dem legendären Uefa-Cup-Spiel des KSC gegen Valencia anno 1993 hat er gleich vier Treffer zum 7:0-Kantersieg beigesteuert. Ein Sieg, der ihm den Spitznamen „Euro-Eddy“ eingebracht hat. Edgar Schmitt kam erst mit 28 Jahren zu seinem ersten Bundesligaeinsatz, 1991 für die Eintracht Frankfurt. Nach Stationen beim FC Bitburg, dem FSV Salmrohr, dem 1. FC Saarbrücken und Eintracht Trier schaffte der Stürmer den Sprung in den Profifußball. Zwei Jahre später ging er zum KSC an, wo er seine größten Erfolge hatte. Danach kickte er noch zwei Jahre bei Fortuna Köln.

Nun ist Euro-Eddy alias Edgar Schmitt Trainer der Stuttgarter Kickers und versucht den Stürmern etwas von seinem Torriecher-Instinkt zu vermitteln. Den haben die Spieler auch dringend nötig, denn die „Blauen“ dümpeln derzeit im Tabellenkeller der Dritten Liga. Gut sieben Wochen ist der 45-jährige Fußballlehrer auf Degerlochs Höhen im Amt. Mit Co-Trainer Rainer Kraft versucht er den 20-köpfigen Spielerkader wieder auf die Erfolgsspur zu bringen. „Wir müssen aus der Ordnung schnell nach vorne spielen, dann werden wir erfolgreich sein“, macht er sich und seinen Jungs Mut, die Krise zu bewältigen. In den ersten sechs Spielen unter seiner Regie schafften die „Blauen“ fünf Unentschieden (!), das kuriose Derby gegen den „kleinen“ VfB wird dabei noch lange in Erinnerung bleiben. Nach 0:3- und 1:4-Rückstand schafften die Kickers noch das Unmögliche, schossen drei Tore, zwei davon in den letzten beiden Minuten! Und das Remis war perfekt.

Trotz herben Rückschlägen wie etwa dem 0:4 in Offenbach, als die Kickers lange gut mitspielten und erst in den letzten 20 Minuten einbrachen, stimmt die Moral in der Truppe. „Die Jungs sind gut drauf und ziehen beim Training voll mit“, bekräftigt Schmitt. Und das ist gar nicht selbstverständlich, denn Euro-Eddy hat das Training mächtig angezogen. Wenn keine englische Woche ansteht, wird acht bis zehn Mal 90 bis 120 Minuten pro Woche trainiert. Sein Motto lautet: „Hartes Training ist die beste Prophylaxe gegen Verletzungen.“Wahrlich kein Zuckerschlecken!

Schmitt ist ein eifriger Verfechter des offensiven Fußballs. Die englische Schule hat es ihm angetan, Vorbilder sind für ihn Teams wie Liverpool oder Arsenal London. „Ich bin nicht für ein taktisches Rumgeschiebe“, erklärt der 45-Jährige, „Fußball muss in eine Richtung gehen.“ Und die heißt „nach vorne“. Schließlich will der Zuschauer „ein gutes Spiel sehen“ das sei er „den Fans schuldig“. Der viertletzte Platz am Ende der Saison, so Schmitt, wäre eine ganz tolle Sache. Der erste Nichtabstiegsplatz wäre für den Verein eine Basis, um weiter zu machen. „Überlebensnotwendig“, meint er, „für einen Club mit dieser großen Tradition.“

Wichtig ist für ihn dabei der Fokus auf die eigene Jugend und die zweite Mannschaft: „Da sind sehr gute Jungs und Talente dabei.“ Um den Nachwuchs an die Erste heranzuführen, führt er jetzt auch ein gemeinsames Training ein: „Da kann ich am besten sichten, wer sich für die Profi-Mannschaft empfiehlt.“ Trotz aller Talente, um ein oder zwei Verstärkungen, da ist sich Schmitt sicher, wird man bei den Kickers nicht herum kommen. Vor allem eine ordnende Hand in der Abwehr ist dringend notwendig. „Einer der kopfballstark ist“, meint der Trainer. Am Wochenende hat Edgar Schmitt endlich sein Image als „Remis-König“ ad acta gelegt: Gegen Dynamo Dresden gab es den ersten „Dreier“ – ein 2:1-Sieg – für die Kickers, die damit wieder auf Tuchfühlung mit den anderen abstiegsbedrohten Teams sind.

Wenn man Euro-Eddy wild gestikulierend am Spielfeldrand sieht, nimmt man ihm es kaum ab, dass er sich selbst als recht häuslicher Typ bezeichnet. „Ich bin kein großer Weggeher“, meint er bescheiden. Die knappe Freizeit verbringt er mit seiner Freundin Corinna, den beiden Töchtern Jil und Amelie sowie seinem großen Dobermann. Die Familie wohnt in Aalen, wo er zwei Jahre Trainer war. Da die große Tochter dort zur Schule geht, nimmt Edgar Schmitt den weiten Weg von der Ostalb nach Stuttgart in Kauf. In der Winterpause will er auf jeden Fall verreisen, am besten in den sonnigen Süden. Letztes Jahr hat es einfach nicht für einen Urlaub gereicht.

Stuttgarter Wochenblatt

Vorberichte Eintracht Braunschweig – Stuttgarter Kickers

Kickers-Trainer sieht Siegchance

Schmitt vertraut dem guten Näschen

Stuttgart – Den ersten Sieg haben die Stuttgarter Kickers in der dritten Fußball-Liga nach 14 Spieltagen eingefahren, doch noch immer kleben die Blauen am Tabellenende. Das muss sich bis zur Winterpause ändern, findet Trainer Edgar Schmitt.

Am Freitag, 14. November, gegen 13 Uhr sind die Blauen nach Braunschweig aufgebrochen, wo sie an am Samstag (14 Uhr) auf den deutschen Meister von 1967 treffen. Der Busfahrer kannte den Weg, Edgar Schmitt war als Lotse nicht gefragt. Doch der Kickers-Trainer hat auch einen ganz anderen Fahrplan im Kopf. Den Fahrplan seines Teams bis zur Winterpause.

Mit insgesamt 18 Punkten wollen die Blauen Weihnachten feiern, bisher haben sie neun gesammelt. „Wenn wir aus den sechs ausstehenden Spielen neun Zähler holen“, rechnet Schmitt vor, „dann bleiben wir auf jeden Fall dran, dann wird die Lücke zum Fünftletzten nicht zu groß.“

In Braunschweig soll mindestens der erste von diesen neun Punkten her – der Coach hat gar das gute Gefühl, dass „dort mehr drin ist als nur ein Unentschieden“. Der 45-Jährige hatte als Stürmer einst oft das richtige Näschen, als Übungsleiter der Kickers wittert er nun die Chance auf den ersten Dreier in der Fremde.

Schließlich hat seine Mannschaft nach dem ersten Saisonsieg beim 2:1 über Dresden viel verschüttetes Selbstvertrauen wiederentdeckt, die Profis sind wieder etwas lockerer und unverkrampfter geworden, und Braunschweig hat zuletzt auch nicht gerade Angst und Schrecken bei den Gegnern verbreitet. Die Eintracht ist seit vier Partien ohne Sieg.

Hoffnung macht Schmitt außerdem die Rückkehr von Bashiru Gambo, der wieder in der Startelf steht. „Ein unverzichtbarer Spieler für uns, wenn er fit ist“, betont Schmitt, „und wenn er in der Anfangsformation steht, heißt das: Er ist fit.“ Gegen die Eintracht wird es eine weitere Umstellung geben. Angelo Vaccaro wird wieder Sturmspitze spielen, Michael Schürg sitzt vorerst auf der Bank. „Er braucht eine Pause“, erklärt der Coach.

Manchmal hat Schmitts Nase allerdings falsche Signale gesendet. Gegen Wuppertal roch es auch nach Sieg, doch in der Nachspielzeit fiel das 3:3. Aber meist kann sich der Ex-Stürmer aufs Näschen verlassen.

Stuttgarter Nachrichten

Vorschau
Spielinfos:

Anstoß: 15.11.2008 14:00
Stadion: Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße

Schiedsrichter: Valentin (Taufkirchen)
Assistenten: Beitinger (Regensburg), Friedrich (München)

Eintracht Braunschweig: Brinkmann und Schanda sind gesperrt. Im Mittelfeld ist auch Kruppkes Einsatz denkbar, Rodrigues oder Pfitzner müssten weichen.

Stuttgarter Kickers: Mittelfeldspieler Gambo kehrt in die Startelf zurück. Innenverteidiger Rapp ist nach überstandenem grippalen Infekt wieder fit.

Aufstellung
Eintracht Braunschweig
Fejzic – B. Fuchs, Nastase, D. Dogan, Reichel – Danneberg, C. Lenze, Pfitzner, Rodrigues – Onuegbu, Schied; Trainer: Lieberknecht

Stuttgarter Kickers
Salz – Reiß, Mann, Rapp, Härter – Rosen, Gambo, Kettemann – Traut, Vaccaro, Smeekes; Trainer: Schmitt

Kicker

Stuttgarter Kickers an diesem Samstag (14 Uhr) zu Gast bei Eintracht Braunschweig

„Mutig nach vorne spielen“
„Wir wollen jetzt den Schwung aus der Dresden-Partie mitnehmen und mutig nach vorne spielen“, sagte Edgar Schmitt vor der Auswärtspartie des Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers an diesem Samstag bei Eintracht Braunschweig. Anstoß im Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße ist um 14 Uhr. Als Minimalziel wollen die Blauen am 15. Spieltag bei den Niedersachsen einen Zähler holen, „natürlich nehmen wir dort gerne aber auch mehr mit“, sagte der Kickers-Cheftrainer Schmitt.

„Meine Mannschaft hat wie zuletzt schon auch in dieser Woche wieder sehr gut mitgezogen“, äußerte sich der Trainer Edgar Schmitt an diesem Freitag mit lobenden Worten, ehe sich der Kickers-Tross nach der Pressekonferenz im ADM-Sportpark auf die Fahrt in Richtung Braunschweig gemacht hatte. Für eventuelle Überheblichkeit unter seinen Akteuren sei nach dem 2:1-Heimsieg gegen Dynamo Dresden sowieso kein Platz: „Wir stehen noch immer auf dem 20. und damit letzten Tabellenplatz“, sagte Schmitt. Als Minimalziel hat sich der 45-Jährige einen Punkt aus dem Gastspiel am morgigen Samstag gesetzt. Wichtig sei hierfür vor allem, dass „wir unsere mannschaftliche Ordnung und Geschlossenheit über die 90 Spielminuten bewahren“. Und: „Wir wollen mutig nach vorne spielen.“

Nach dem ersten Saisonsieg für die Blauen hatte Schmitt ja unlängst zu Protokoll gegeben, dass „es den anderen Mannschaften erst einmal gelingen muss, uns zu schlagen.“ Dieses wollte er „ohne Überheblichkeit“ verstanden haben wissen, und verwies damit auf die nackten Zahlen in der Bilanz seiner Arbeit bei den Degerlochern: In sieben Partien verloren die Kickers unter Schmitt nur einmal (0:4 in Offenbach), auf der Habenseite stehen demgegenüber sage und schreibe fünf Unentschieden sowie seit vergangenen Samstag das erste Erfolgserlebnis, das 2:1 gegen Dynamo Dresden. Letztere siegten in dieser Woche im Wiederholungsspiel beim Vorletzten SV Werder Bremen II knapp mit 1:0. „Mir wäre es angesichts der Tabellenkonstellation lieber gewesen, die Partie hätte mit einem Remis geendet“, sagte Schmitt dazu. Am zwölften Spieltag war die Begegnung aufgrund von starkem Nebel nach 45 Minuten abgebrochen worden.

Ähnliche Verhältnisse herrschten am Freitagmorgen auch im Degerlocher ADM-Sportpark beim Abschlusstraining des Fußball-Drittligisten. Jedoch: „Keine Sorge, alle Akteure unseres Kaders haben den Überblick behalten“, sagte Schmitt mit einem Schmunzeln. Das wird auch in den morgigen 90 Minuten wichtig sein, wenn die Blauen, die erstmals seit 1993 wieder ein Pflichtspiel im Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße bestreiten, dort etwas Zählbares holen wollen. Beim Kontrahenten, dem Tabellenzwölften Eintracht Braunschweig, muss der Trainer Torsten Lieberknecht unterdessen gegen die Kickers auf seinen Kapitän Dennis Brinkmann und Jan Schanda verzichten. Die beiden Innenverteidiger fehlen gelbgesperrt. „Die Stuttgarter Kickers haben eine Truppe, die viele Tore schießen kann, jedoch hinten auch viele rein bekommt. Wir müssen geduldig spielen und auf unsere Chance warten können“, sagte Lieberknecht.

Ein Wiedersehen gibt es bei den Niedersachsen für die Gäste mit Jasmin Fejzic. Der heutige Stamm-Keeper der Braunschweiger „Löwen“ verließ die Kickers im Jahr 2005 und wechselte zur SpVgg Greuther Fürth, ehe es ihn zu Beginn der vorigen Spielzeit nach Braunschweig zog.

Bei den Stuttgarter Kickers wird hingegen fast das gleiche Personal wie zuletzt gegen Dresden zur Verfügung stehen, zudem rückt Marcel Rapp, der seinen grippalen Infekt auskuriert hat, in den Schmitt’schen Kader. Ausfallen werden also, wie gehabt, das Quartett der leidgeprüften Langzeitverletzten: Sasa Janic, Jörn Schmiedel, Franco Petruso sowie Gino Russo. Nach den Worten von Trainer Schmitt dürfte Bashiru Gambo in Braunschweig nach überstandener Schulterverletzung voraussichtlich wieder in der Startformation der Kickers-Elf stehen. „Wie letztlich die genaue Aufstellung meiner Mannschaft aussehen wird, darüber mache ich mir auf der Fahrt nach Braunschweig meine Gedanken“, sagte Schmitt. Immerhin: angesichts von einer rund sechsstündigen Anreise bleibt ihm dafür viel Zeit.

Offizielle Homepage

Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers

Lieberknecht: „Es ist klar, was wir wollen: Einen Sieg!“

Am heutigen Donnerstag, den 13. November, fand im EINTRACHT-STADION die Pressekonferenz zum Heimspiel der Blau-Gelben gegen die Stuttgarter Kickers statt. „Wir haben aus den letzten vier Spielen nur einen Punkt geholt. Das ist zu wenig. Daher ist auch klar, was wir wollen: Einen Sieg!“, machte Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht gleich zu Beginn seine Erwartungen für das bevorstehende Ligaspiel deutlich.

Verzichten muss Torsten Lieberknecht bei diesem Vorhaben jedoch auf die beiden Innenverteidiger Dennis Brinkmann und Jan Schanda. Beide holten sich am letzten Wochenende in Paderborn ihre fünfte gelbe Karte ab und müssen daher gegen die Stuttgarter eine Zwangspause einlegen. Darüber hinaus müssen weitere verletzungsbedingte Ausfälle kompensiert werden. Definitiv werden auch weiterhin Matthias Henn und Smail Morabit nicht spielen können. Letzterer muss sich laut Lieberknecht sogar nun doch einer Operation unterziehen. Bei weiteren Spielern ist die Möglichkeit des Einsatzes noch nicht geklärt. So ist beispielsweise noch nicht sicher, ob Marc Pfitzner am Samstag im Kader steht. Der Mittelfeldspieler zog sich in Paderborn eine Zerrung zu. „Es stellt sich die Frage, ob es Sinn macht, ihn schon gegen Stuttgart einzusetzen. Es folgen noch viele Spiele“, so der Trainer. Die verbleibenden Trainingseinheiten am heutigen Nachmittag und morgigen Freitag möchte Torsten Lieberknecht nutzen, um eine Mannschaft zusammenzustellen, die in der Lage ist, die Kickers zu schlagen. „Eine Umstellung ist aufgrund der personellen Situation nötig. Es gibt jedoch einige Alternativen, die sich anbieten. Wir werden sehen, wer fit ist und sich empfiehlt, wer die Chance riecht, in die Startelf zu kommen“, erklärte er.

Nach der Leistung seiner Mannschaft in Paderborn gefragt (9. November, 1:2-Niederlage) erklärte der Trainer: „Die Leistung war ok, die Mannschaft hat Engagement gezeigt. Wir hatten jedoch Probleme im Spiel nach vorne und haben letztendlich verloren. Fußballerisch müssen wir uns noch weiterentwickeln, was die Einstellung betrifft, darf diese kein Thema mehr sein. Ich erwarte von den Spielern einfach eine gewisse Grundeinstellung, was das Läuferische und Kämpferische angeht.“ Und auch auf den bevorstehenden Gegner kam man zu sprechen. „Die Stuttgarter Kickers haben eine Truppe, die viele Tore schießen kann, jedoch hinten auch viele reinbekommt. Wir müssen geduldig spielen und auf unsere Chance warten können“, erklärte Torsten Lieberknecht.

Homepage Eintracht Braunschweig

StZ: Kickers sind auf alles gefasst

Umbau des Gazi-Stadions

STUTTGART (ump). In Frankfurt hat gestern eine Spielausschusssitzung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit Vertretern der dritten Liga und Regionalliga auf dem Programm gestanden. Dabei könnten auch die Anforderungen in Sachen Stadien ein Thema gewesen sein, nachdem sich in der dritten Liga durchaus einige Sorgenkinder, wie etwa Jahn Regensburg, Kickers Emden oder auch Werder Bremen II herauskristallisiert haben.

Ob dazu auch noch die Stuttgarter Kickers stoßen? Wie die StZ berichtete, gibt es bei der Stadt Überlegungen, die bereits für die Winterpause geplanten ersten Umbaumaßnahmen des Gazi-Stadions für die geforderten 2000 überdachten Sitzplätze wegen der Finanzlage aufzuschieben. „Wir haben noch keine offizielle Information“, sagt der Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum, „aber natürlich liegt es nicht ganz fern, dass so etwas kommen könnte.“ Man werde sich schnellstmöglich mit der Stadt beraten, was die Details angehe. Letztlich betroffen sind die Clubs (also auch der VfB II), als direkte Bezugspartner des DFB. Im schlimmsten Falle droht der Verlust der Ligenzugehörigkeit, einmal unabhängig vom aktuellen Kampf um den Klassenverbleib. Inwieweit der DFB weitere Ausnahmeregelungen zulässt, bleibt abzuwarten. Der Kickers-Manager Joachim Cast sagt jedoch: „Wenn der DFB die Auflagen vor der Saison durchgezogen hätte, hätten einige Vereine keine Lizenz bekommen.“

Stuttgarter Zeitung

Stadion auf der Waldau wird vorerst wohl nicht saniert

Mehrkosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro für drittligatauglichen Ausbau ermittelt – Stadt will wegen Finanzkrise abwarten

Der Gemeinderat hat im Juli den Plänen für den Umbau des Gazi-Stadions zugestimmt, um die Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu erfüllen. Doch jetzt zeichnet sich eine Vertagung der Bauarbeiten ab – denn die Modernisierung wird teurer.

Von Jörg Nauke

Die Stuttgarter Kickers hatten sich im Sommer in letzter Sekunde für die 3. Bundesliga qualifiziert. Der DFB hat die Lizenz für den Spielbetrieb allerdings mit baulichen Auflagen verknüpft, die spätestens in der nächsten Saison erfüllt werden müssen. Dies betrifft vor allem die Sicherheit. Die ersten Saisonspiele haben gezeigt, dass einige Mannschaften aus dem Osten und dem tiefen Westen teils aggressive Fans in die Stadien locken. Der Fußball-Bund setzt aber auch beim Thema Komfort Maßstäbe. So müssen mindestens 2000 Einzelschalensitze überdacht sein. Auch die Arbeitsplätze der Medien müssen modernen Ansprüchen genügen.

Die Stadtverwaltung hat ungeachtet des Umstands, dass der Klassenerhalt der Kickers wohl bis zum Saisonende nicht gesichert sein dürfte, im Sommer dem Gemeinderat die Modernisierung des Stadions auf der Waldau empfohlen. Auch deshalb, weil neben den „Blauen“ auch die Amateure der „Roten“, also des VfB Stuttgart, das Gazi-Stadion als Heimstätte nutzen; ihr früheres Domizil im Neckarpark entspricht nämlich nicht den Anforderungen des Fußball-Bundes.

Zwar ist im Rathaus kurz eine Debatte aufgeflammt, ob die Spielstätte unterm Fernsehturm nicht gleich für mögliche Höhenflüge Richtung zweite Bundesliga präpariert werden sollte; die Mehrkosten von einer Million Euro gegenüber der auf 5,4 Millionen Euro taxierten Minimal-Variante fand dann aber selbst bei den optimistischsten Fußball-Anhängern im Gemeinderat keine Mehrheit.

Nachdem die Architekten nun aber mit der Detailplanung begonnen haben, sind auch bei der Sparlösung „deutliche Mehrkosten“ aufgelaufen, wie die Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) auf Nachfrage bestätigte. Zuvor hatte dies der Erste Bürgermeister Michael Föll (CDU) gegenüber dem SWR-Radio bestätigt. Der Technikbürgermeister Dirk Thürnau (SPD) bestätigte diesen Umstand gestern ebenfalls. 1,5 Millionen Euro sollen seit Juli dazugekommen sein. Details sind noch nicht bekannt. Die Rathausspitze erwägt deshalb, auch weil die Finanzkrise vor der Landeshauptstadt nicht haltmachen wird, den Ausbau zurückzustellen; zumal im laufenden Haushalt 2008/2009 nicht ein Cent für die mittlerweile fast sieben Millionen Euro teure Modernisierung veranschlagt ist. Bei der Verwaltung ist Zurückhaltung angesagt; schließlich geht sie in den kommenden Jahren von drastisch sinkenden Gewerbesteuerzahlungen und ausfallenden Fondsausschüttungen aus. Außerdem lassen die sogenannten Cross-Border-Leasingverträge mit US-amerikanischen Trusts Rückzahlungen in Millionenhöhe möglich erscheinen.

Es gehe nicht darum, die Modernisierung zu kippen, sagte Bürgermeisterin Eisenmann. Man wolle und könne dem Gemeinderat nur nicht empfehlen, schon im nächsten Monat mit dem Umbau zu beginnen. Sie plädiert dafür, bis zum nächsten Jahr zu warten; dann könne man die Kassenlage der Stadt besser bewerten. Sie verweist in diesem Zusammenhang allerdings auch auf weitere Sportbauvorhaben, die bisher lediglich auf dem Papier bestehen: die Sanierung des Stadions Festwiese und die Sporthalle in der Mercedes-Benz-Arena, deren Raumprogramm deutlich reduziert werden muss, um wenigstens annähernd im Kostenrahmen von 13,15 Millionen Euro zu bleiben. Spannend bis zum Schluss bleibt auch die Frage, ob die Mercedes-Benz-Arena für die zur Verfügung stehenden 60 Millionen Euro in ein reines Fußballstadion umgebaut werden kann.

Die Kickers und die VfB-Amateure II müssten auf der Waldau also mindestens ein weiteres Jahr mit einem Provisorium zurecht kommen. Die Polizei würde mitspielen, sagt Pressesprecher Olaf Petersen. Das Risikospiel gegen Dynamo Dresden mit 2000 impulsiven Anhängern der Gäste war die bisher wichtigste Bewährungsprobe für die Sicherheitsanlagen im Gazi-Stadion. Sollte mittelfristig die Containerlösung favorisiert werden, bräuchte man bessere Möbel und einen Schallschutz. Auch eine Klimaanlage müsste eingebaut werden, sagt Petersen.

Der DFB, der die höheren Anforderungen definiert hat, ist nach Aussagen eines Pressesprechers bisher nicht mit Fragen nach einer Verlängerung von Übergangsfristen wegen der drohenden Finanzkrise behelligt worden. Die Kommunen und Vereine hätten ja auch noch bis zum Beginn der nächsten Saison Zeit, derartige Wünsche an den DFB zu richten. Klar sei, dass in den Sicherheitsfragen keine Kompromisse gemacht würden. Er schloss aber nicht aus, dass für die Verbesserung des Komforts für Fans und Presse längere Fristen gewährt werden könnten.

Stuttgarter Zeitung

Kein Geld für das Gazi-Stadion

Verlängerung
Von Jörg Nauke

Fast täglich erhöht sich die Zahl der Projekte, die zwar „solide finanziert“ sind – aber trotzdem teurer werden. Stuttgart 21 ist so ein Fall, aber auch die Sporthalle in der Mercedes-Benz-Arena. Das Raumprogramm wird so eingedampft, dass die Investition wenigstens einigermaßen im Rahmen bleibt. Und jetzt also auch das Gazi-Stadion: aus 5,4 Millionen Euro sollen beim ersten Hingucken der Planer fast sieben Millionen Euro geworden sein. Man darf vermuten, dass das Projekt noch teurer wird, wenn die Tribüne erst einmal ausgebeint ist.

Im städtischen Haushalt 2008/2009 ist für den erwünschten Umbau des Stadions auf der Waldau kein Geld eingeplant, weder die anfangs genannten 5,4 Millionen Euro noch der erforderliche Nachschlag. Das ist wichtig für die positive Bewertung des städtischen Plans, das Bauvorhaben aufs nächste Jahr zu verschieben. Die Kickers-Fans sollten das nicht persönlich nehmen. Der Finanzbürgermeister will vorerst überhaupt keine Investition durchwinken, die noch nicht finanziert ist; erst mal soll klar sein, welche Probleme auf die Stadt zukommen. Die Verzögerung hat auch ihr Gutes: Der Gemeinderat muss nicht für den Klassenerhalt der Kickers beten, sondern kann das Saisonende abwarten. Ein Viertligist bräuchte ohnehin kein Drittligastadion. Und die VfB-Amateure? Für sie und ihre Handvoll Fans müsste eine preiswertere Spielmöglichkeit gefunden werden.

Der Deutsche Fußball-Bund sitzt zwar in der Bankenmetropole Frankfurt, er ist bisher aber noch nicht auf die Idee gekommen, dass die Finanzkrise es den Vereinen und Kommunen schwermachen könnte, die Lizenzauflagen zeitnah zu erfüllen. Wenn aber schon Stuttgart Probleme hat, wird es ärmeren Städten wohl kaum besser ergehen. Der DFB wird deshalb gar nicht umhinkommen, seine Fristen zu verlängern. Das gilt freilich nur für die Luxussanierung. Gerade in der dritten Liga mit vielen gewaltbereiten Fans darf an der Sicherheit nicht gespart werden. Das ist in Degerloch auch kein Thema. Die Polizeicontainer tun es aber auch noch ein zweites Jahr.

Stuttgarter Zeitung

Reise in die Vereinsgeschichte: Das Lokalereignis: Kickers – V.f.B. 3:3

Nach dem lang ersehnten ersten Saisonsieg werde ich eine neue unregelmäßige Folge ins Leben rufen. Ich werde Bilder und Geschichten aus 109 Jahren Stuttgarter Kickers veröffentlichen.

Es wird nicht chronologisch ablaufen. Ich greife in den Fundus und werde die für mich in diesem Moment erzählenswertesten und zeigenswertesten historischen Momente unserer Blauen Götter präsentieren.
Tradition stirbt nicht. Dieser Satz entspricht bei unserem Verein der Wahrheit. Aber nicht, indem wir unsere Tradition bewahren und verwahren. Tradition stibt nicht, wenn wir aktiv die Zukunft unseres Vereins gestalten. Vom kleinsten Bambini bis zum Kapitän der ersten Fußballmannschaft, vom Fan bis zum Präsident: Unser Herz schlägt blau. Wir sind die Stuttgarter Kickers. Und wir alle sind Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit unseres Vereins.

Teil 1: Das Lokalereignis: Kickers – V.f.B. 3:3

Die Saison 1925/26 begann mit schlechten Vorzeichen. Im Vorjahr souveräner Württembergischer Bezirksmeister und Zweiter Süddeutscher Pokalsieger, ließen schon die Ergebnisse der Privatspiele nichts gutes ahnen. Der englische Trainer Edwin Dutton tat sich schwer, seine Abwehr auf die neue Abseitsregelung umzustellen. Anstatt wie davor drei, bestimmten nun zwei Spieler die Anwendung der Abseitsregel. Am Sonntag, den 27. September 1925, trafen die Stuttgarter Kickers auf den emporkommenden VfB Stuttgart. Dieses Lokalderby sollte in den Jahrzehnten danach an Bedeutung gewinnen. „Reise in die Vereinsgeschichte: Das Lokalereignis: Kickers – V.f.B. 3:3“ weiterlesen

Joe Bauer: Warum die Fußballzuschauer keine Rolle spielen

Null Respekt

Es war drei Stunden vor dem Anpfiff, als im Stuttgarter Westen ein einsamer Autofahrer seinen Wagen neben mir stoppte: „Scheff“, sagte er, „wo geht“s denn hier zum Weldouschdadion?“

Ein guter Mann, dachte ich, er ist für seinen Club auf der Straße, er fährt auf die Waldau zu den Kickers, und der Westen ist weit, von Dresden aus gesehen.

Nach der Aufholjagd des KSC zum 3:3 gegen Leverkusen sagte der Karlsruher Torschütze Antonio da Silva auf die Frage, wie er mit den jüngsten Pfiffen gegen ihn umgehe: „Es ist mir egal, was die Zuschauer von mir denken.“

Für dich, dachte ich, würde ich nicht mal von Stuttgart nach Cannstatt fahren. Und ich frage mich, welche Tipps die sogenannten Berater ihren Profis geben außer jenem, neben einem Porsche Cayenne auch gleich noch einen Privatjet zu finanzieren.

Von ihrem Publikum verstehen viele Spieler (und Trainer) so gut wie nichts. In Bielefeld rannte nach dem 0:2 gegen Gladbach Arminias erklärter Publikumsliebling Wichniarek an den Zaun und schiss die eigenen Fans zusammen. Und der große Münchner Bayern-Chef Rummenigge höhnte in Richtung Hoffenheim, wo denn die TSG die vergangenen 100 Jahre gewesen sei. Genau jene Hoffenheimer, die der Berliner Hertha am Sonntag einen Zuschauerrekord bescherten.

Diese Beispiele zeigen nur: Der Fan war und ist das unbedeutendste Wesen in unserem liebsten Spiel mit seinen vielen Großkotzen. Lustig in diesem Zusammenhang, dass ausgerechnet Rummenigges Verein einen „Arbeitskreis Fan-Forum“ mit 30 Fanclubchefs zur „Verbesserung der Stimmung im Stadion“ gegründet hat. Dieser Schritt war die Reaktion auf den Konflikt zwischen dem Manager Hoeneß und etlichen Fans bei der Jahresversammlung 2007 der Bayern. Vernünftig wäre inzwischen, den Umgang der Spieler, Trainer und Manager mit ihren Zuschauern generell infrage zu stellen.

Da man heute – viel später als in England oder Spanien – im traditionell unterhaltungsfeindlichen Deutschland erkannt hat, dass auch Fußball eine Sparte der Entertainment-Industrie ist, wäre es an der Zeit, Liga-Stars und -Regisseuren die Anstandsregeln für das Zusammenspiel mit ihrem Publikum beizubringen. Noch wäre es ratsam, den – finanziell gesehen – fast überflüssigen Statisten auf den Stadionrängen höflich zu dienen. Vor allem angesichts der Tatsache, dass üppige Fernsehgelder auch in Zukunft kaum ohne Fußvolk bezahlt werden dürften.

Wenn ein Spieler wie da Silva sagt, das Publikum sei ihm wurscht, dann gehört er in die Sonderschule zur Erlernung fundamentaler Rummelplatz-Gesetze. Solange Fußball von Menschen und nicht nur von Börsencomputern verfolgt wird, haben sich die Darsteller gefälligst mit Respekt vor ihren Kunden zu verneigen.

So gesehen wäre es besser, der VfB würde eine Bühne wie das Stuttgarter Theaterhaus künftig nicht nur für die provinzielle Vorstellung einer fragwürdigen Präsidenten-Biografie und die bevorstehende Weihnachtsfeier buchen. Spieler und Trainer könnten dort lernen, warum man im Showgeschäft außer Kontakt zu Tattoo-Studios auch ein hautnahes zum Publikum und viel Demut braucht.

Dieses Verständnis von kultureller Dienstleistung stellt auch nicht her, wer wie der VfB-Präsident Staudt mitten in der sportlichen Krise das Wildspezialitäten-Lokal Hegel Eins im Stuttgarter Linden-Museum für eine weitere „Buchpräsentation“ seiner dürftigen Bio-Kost (am 23. November) reserviert. Zu dieser Matinee mit B-prominenten Hirschlenden-Vips und „feinen Tropfen aus der Region“ eilen zwar der Ministerpräsident Oettinger und Staudts „Lieblingswinzer“ herbei. Der geneigte Fußballfreund aber fragt sich: Hat der VfB-Boss angesichts der Tabelle nichts Besseres zu tun?

Bei den Kickers, wo die Vereinsführung jahrzehntelang ihr Publikum dumm und arrogant behandelt hat, sah ich ergriffen zu, wie die Fans im Dresdner Block neunzig Minuten lang auf der Stelle hüpften und ihre Hälse in die Höhe reckten: Mann, dachte ich, die halten noch wie früher Ausschau nach dem guten Westen.

Stuttgarter Nachrichten

Presse zu Stuttgarter Kickers – Dynamo Dresden (2:1)

Der Kickers-Bann ist gebrochen
Nach dem ersten Sieg in der dritten Liga ist der Glaube an die eigene Stärke zurückgekehrt

STUTTGART. Ein Rekordbesuch mit 6070 Zuschauern und dann noch der erste Saisonsieg beim 2:1 gegen Dynamo Dresden – was will man mehr? So konnten es die Fans der Stuttgarter Kickers gut verkraften, dass sie ein eher schwaches Spiel zu sehen bekamen.

Von Joachim Klumpp

Der Kickers-Manager Joachim Cast wusste am Samstag zeitweise gar nicht so recht, wo er nun hinschauen sollte: auf den Platz oder die Ränge? Denn der harte Kern der geschätzten zweieinhalbtausend Dynamo-Anhänger rüttelte hinter dem einen Tor immer wieder vehement am Fangzaun, so dass die Verantwortlichen Angst hatten, der würde eingerissen – und das Spiel abgebrochen. Doch dann hielt das gute Stück und endlich auch einmal die Abwehr, so dass nach 14 Spielen der erste Saisonsieg unter Dach und Fach war.

„Heute haben wir auch mal das Glück gehabt, das uns zuletzt gefehlt hat“, gab der Manager zu. Davon wollte der Trainer Edgar Schmitt offiziell nichts wissen, was irgendwie verständlich ist nach so einer langen Durststrecke, bei der schon mehrfach die sicher geglaubten Punkte in letzter Sekunde entrissen worden sind. Aber dass die Mannschaft durchaus noch anfällig ist, zeigte die Schlussphase, als sie sich von einem alles andere als übermächtigen Gegner in die Defensive drängen ließ, so dass buchstäblich bis zum Abpfiff um den Sieg gezittert werden musste. Der Co-Trainer Rainer Kraft brachte es nach den 90 Minuten auf den Punkt: „Das Spiel war nicht gut – dafür das Ergebnis.“

Am Samstag zählten nur die drei Punkte. Wobei Schmitt zugab: „Die Kunst ist es ja, die Mischung aus schönem und erfolgreichem Fußball zu finden.“ Die Kickers sind da zumindest auf einem guten Weg, und der Präsident Dirk Eichelbaum sieht sich rund zwei Wochen vor der Hauptversammlung in der Wahl des Trainers bereits bestätigt: „Unter Edgar Schmitt ist hier doch immer etwas geboten, auch wenn das diesmal sicher ein typisches Spiel für ein Unentschieden war.“

Was vielleicht auch daran lag, dass Schmitt personell ein wenig experimentierte. Teils gezwungenermaßen, teils freiwillig. So fiel der eigentlich für die linke Abwehrseite vorgesehene Marcel Rapp über Nacht mit Grippe aus, und Bashiru Gambo bekam zunächst eine Denkpause auf der Bank. Der Trainer nahm dem Ghanaer („er ist wie mein Sohn“) etwas übel, dass der sich wegen einer Schulterverletzung im Training hat hängenlassen. „Wir können nur als Team funktionieren“, betonte Schmitt deshalb nochmals. In dieser Rolle übernahm der Kapitän Alexander Rosen eine echte Vorbildfunktion, was Lauf- und Einsatzbereitschaft angeht. Schmitt: „Er verkörpert genau das, was wir brauchen, um nicht abzusteigen.“

Und davon ist der Trainer überzeugt, mehr denn je sogar. Da ließ sich dann auch ein wenig nonchalant darüber hinwegsehen, dass der Siegtreffer einem Eigentor entsprang und nach vorne einiges nicht so rund lief wie gewohnt. Orlando Smeekes fand überhaupt nicht ins Spiel, während bei Angelo Vaccaro recht deutlich wurde, dass das Mittelfeld nicht sein angestammtes Revier ist. Und die Abwehr, in der der Trainer Marcus Mann in die Pflicht nimmt, musste sich wiederholt auf den Schlussmann Manuel Salz verlassen. „Dennoch, das war wichtig für den Kopf“, sagte der Verteidiger Markus Ortlieb. Der Glaube ist zurück – und vielleicht kann der ja noch Berge versetzen.

Der Trainer jedenfalls gibt sich selbstbewusst, aber nicht überheblich. Sein Fazit: „Uns muss erst einmal einer schlagen.“ Da ist was Wahres dran. Denn das ist, unter Schmitt, bisher lediglich Offenbach gelungen.

Stuttgart: Salz – Reiß, Mann, Ortlieb, Härter – Vaccaro, Rosen, Kettemann (51. Gambo) – Traut, Schürg (79. Kacani), Smeekes (63. Tucci).

Dresden: Keller – Girke (84. Dobry), Grembowietz, Hübener, Cozza – Kügler (71. Savran), Truckenbrod, Pfeffer (63. Röttger), Wagefeld – Bröker, Jungnickel.

Stuttgarter Zeitung

Kickers kämpfen, zittern, feiern
2:1 – Mit wenig Spielkultur, aber viel Einsatz gelingt endlich der erste Sieg

Stuttgart – Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers ist für seinen hohen Einsatz mit dem ersten Saisonsieg belohnt worden. Das 2:1 (1:1) gegen Dynamo Dresden legte aber auch die Defizite im Spielaufbau und in der Defensive unbarmherzig an den Tag.

VON JÜRGEN FREY

Um 15.48 Uhr am Samstag war es vollbracht. Trainer Edgar Schmitt riss mit dem Schlusspfiff die Arme nach oben, brüllte seine Erleichterung heraus, dann drückte er seinen Assistenten Rainer Kraft und Manager Joachim Cast ganz fest an sich. Es waren keine Steine, die dem Trio vom Herzen gefallen waren. Und auch keine Felsen. Es war eine ganze Gebirgskette. Auch den Spielern war die Erleichterung über den ersten Saisonsieg im 14. Anlauf anzusehen. „Wir wissen nun, dass wir so ein Spiel auch über die Zeit bringen können. Das gibt uns Selbstvertrauen und neuen Mut“, sagte Kapitän Alexander Rosen, der Anführer eines leidenschaftlich kämpfenden Kickers-Kollektivs.

Wie der Dreier zustande kam, interessierte hinterher keinen mehr. Dass Torwart Manuel Salz mit drei Rettungstaten im Spiel eins gegen eins die Blauen im Spiel hielt? Dass zum Siegtreffer ein Eigentor herhalten musste? Dass die Kickers so gut wie keine Spielkultur zeigten? Schwamm drüber. „Das alles“, sagte Manager Cast mit einem breiten Grinsen, „das alles interessiert mich heute überhaupt nicht.“

Wer will es ihm verübeln? Schließlich hatten die Kickers schon oft in dieser Saison riesigen Aufwand betrieben – aber in der Schlussphase ging ihnen der Lohn flöten. Jetzt endlich ernteten die Blauen die Früchte ihrer Arbeit. Und Präsident Dirk Eichelbaum fühlt sich in seiner Entscheidung, den Trainer zu wechseln, bestätigt. „Edgar Schmitt hat doch schon in Aalen den attraktivsten Fußball der Liga spielen lassen, nun ist doch auch bei uns in jedem Spiel Leben in der Bude.“ In der Tat gehören harmloses Geplänkel, langweiliges Ballgeschiebe der Vergangenheit an. Die Spieler zeigen Risikobereitschaft und Mut zu Einzelaktionen. Und dennoch steht fest: Stellen die Blauen nicht ihre Abstimmungsprobleme in der Defensive ab, wird es zum Klassenverbleib nicht reichen. Es wäre ungerecht, für dieses Dilemma nur die Abwehr verantwortlich zu machen. Viel zu offen, viel zu ungeordnet und zu wenig kompakt präsentieren sich die Blauen schon im Mittelfeld. Und was die Kreativität nach vorne betrifft, steht und fällt vieles mit Bashiru Gambo. Als „unersetzlich“ bezeichnete ihn Schmitt. Dennoch brachte er ihn erst nach 50 Minuten. Aus disziplinarischen Gründen, weil der Ghanaer wegen Schulterproblemen erst am Donnerstag wieder ins Training kam. „Er hat sich ausgeruht, bevor er müde wurde“, sagte Schmitt. Ganz im Gegensatz zum kampfstarken Kickers-Team gegen Dynamo.

Stuttgarter Nachrichten

Dresdens Fans sorgen für Wirbel
Fangzaun drohte einzustürzen

Joachim Cast hat die Spiele der Kickers schon aufmerksamer beobachtet als am Samstag. Mit bangem Blick schaute der Manager in der zweiten Halbzeit immer wieder hinüber zu den Fans von Dynamo Dresden. Über 2000 hatten ihre Mannschaft ins Gazistadion begleitet. Sie sorgten für prickelnde Stimmung. Aber wenn“s dumm gelaufen wäre, hätten ein paar Unverbesserliche zudem für einen Spielabbruch gesorgt. Etwa 15 Dynamo-Anhänger waren auf das Fangnetz hinter dem Tor gestiegen und rüttelten daran minutenlang. Dresdens Sportdirektor Ralf Minge griff zum Mikrofon, doch auch er konnte die Fans nicht zur Vernunft bringen. „Wären die Pfosten aus der Verankerungen gebrochen und der Zaun eingestürzt, wäre das Spiel vorbei gewesen“, sagte Cast. Am Ende ging alles gut. Zwar beleidigten die Dynamo-Fans ihre Spieler verbal, ansonsten blieben sie friedlich. Cast meldete „keine weiteren besonderen Vorkommnisse“ und telefonierte noch am Abend mit DFB-Sicherheitsexperte Gerhard Kißlinger. „Er war zufrieden, wie es lief, für uns gibt es kein Nachspiel.“ jüf

Stuttgarter Nachrichten

Wenn Gebirgsketten vom Herzen fallen

Die Stuttgarter Kickers feiern beim 2:1 gegen Dynamo Dresden ihren ersten Saisonsieg

Stuttgart – Im 14. Anlauf hat es geklappt: Die Stuttgarter Kickers haben im Kellerduell gegen Dynamo Dresden mit 2:1 (1:1) ihren ersten Sieg in der dritten Fußball-Liga gefeiert. Zwar bleiben die „Blauen“ Tabellenschlusslicht, verkürzten aber den Abstand zu einem Nichtabstiegsplatz auf zwei Punkte – und tankten kräftig Selbstvertrauen.

Von Beate Wockenfuß

„Uns ist nicht nur ein Stein, sondern eine ganze Gebirgskette vom Herzen gefallen“, jubelte Kickers-Kapitän Alexander Rosen, nachdem er auf einer Ehrenrunde mit seinen Mannschaftskollegen ausgiebig den ersten Dreier mit den Fans gefeiert hatte. Nach zuletzt mehreren dramatischen Remis und gefühlten Siegen, stand den „Blauen“ die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. „Endlich hatten wir das Glück auch mal auf unserer Seite. Das gibt uns Auftrieb“, war auch der erneut starke Torhüter Manuel Salz froh, dass die Durststrecke beendet ist. Glück hatten die Kickers, weil die Dresdner erstens an eklatanter Abschlussschwäche litten und zweitens mit einem Eigentor für den Siegtreffer sorgten. „Das ist völlig egal, das nackte Ergebnis zählt“, betonte Manager Joachim Cast. Es war so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit. Schließlich hatten die Kickers in dieser Saison schon weitaus bessere Spiele gezeigt und dann doch nicht gewonnen. „Sicher war es kein Spiel für Fußball-Ästheten, sondern ein Kampfspiel mit einem Arbeitssieg“, so Cast. Jens Truckenbrod hatte die Gäste früh in Führung gebracht (11.). Den Ausgleich erzielte Sascha Traut mit einem Hammer aus 20 Metern, nachdem Ralf Kettemann einen Freistoß auf ihn quergelegt hatte (37.). Mehr Chancen hatten in der Folge die Sachsen, die sie aber alle vergaben. Der Dresdner Jens Grembowietz war es schließlich, der eine Flanke von Thorsten Reiß unhaltbar ins eigene Tor abfälschte (74.). Danach kämpften die Kickers aufopferungsvoll, um diesmal den Vorsprung über die Zeit zu retten. „Wir haben Mut und Leidenschaft entgegengesetzt und verdient gewonnen“, lobte Coach Edgar Schmitt. Dynamo-Trainer Ruud Kaiser sah es etwas anders. „Wir hätten hier 3:1 oder 4:1 siegen müssen“, haderte er mit der Chancenverwertung, nahm sein Team aber auch in Schutz: „Wir haben sehr gut gespielt. Die Gegentore waren unglaubliches Pech.“ Doch das interessierte nach dem Abpfiff im „blauen“ Lager keinen mehr. Die Kickers freuten sich nicht nur über den Sieg, sondern auch über einen neuen Saisonrekord von 6070 Zuschauern – von denen 2500 aus Dresden kamen. Ausschreitungen gab es nicht, auch wenn die Stimmung mehrfach zu kippen drohte. Einige Dynamo-Anhänger wurden zwischenzeitlich von Tribünen- zu Zaungästen und brachten die Absperrung mehrfach ins Wanken. Dresdens Sportdirektor Ralf Minge konnte sie aber per Mikrofon zumindest etwas besänftigen. Die Fans der Kickers waren dagegen glücklich und hoffen nun, dass der Knoten geplatzt und die Wende eingeleitet ist. „Wir sind bei der Musik und wissen, dass wir es können“, erklärte Schmitt. Dem kollektiven Jubel folgte aber sofort der kollektive Tritt auf die Euphoriebremse. „Wir bleiben bescheiden, wollen nur über den Strich“, sagte der Coach. Und auch Rosen betonte: „Das ist nur als ein erster Schritt zu sehen.“

Statistik
Stuttgarter Kickers: Salz – Reiß, Mann, Ortlieb, Härter – Kettemann (50. Gambo), Rosen, Vaccaro – Traut, Schürg (80. Kacani), Smeekes (62. Tucci).

Dynamo Dresden: Keller – Cozza, Hübener, Grembowietz, Girke (86. Dobry) – Wagefeld – Truckenbrod, Jungnickel – Kügler (71. Savran), Bröker, Pfeffer (62. Röttger).

Schiedsrichter: Schriever (Dorum).

Zuschauer: 6070.

Tore: 0:1 Truckenbrod (11.), 1:1 Traut (37.), 2:1 Grembowietz (74./Eigentor).

Gelbe Karten: Mann, Härter / Bröker, Truckenbrod, Grembowietz, Cozza.

Beste Spieler: Salz, Rosen / Wagefeld, Hübener.

Eßlinger Zeitung

Dresden weiter in der Krise

Erster Sieg für die Kickers
Im 14. Anlauf hat es endlich geklappt. Die Stuttgarter Kickers gewannen gegen Dynamo Dresden mit 2:1 (1:1) und feierten so den ersten Sieg in der laufenden Saison. Durch den Dreier schlossen die Schwaben nach Punkten zu Werder Bremen II auf. Die Krise bei Dynamo Dresden hat sich nach der erneuten Niederlage dagegen vergrößert. Das Team von Trainer Ruud Kaiser wartet seit fünf Partien auf einen Sieg.

Gegenüber dem 3:3-Unentschieden in Wuppertal nahm Kickers-Coach Edgar Schmitt zwei Änderungen vor: Härter und Schürg spielten für Landeka und Gambo (Schulterprobleme). Mit fünf frischen Kräften reagierte Dresdens Trainer Ruud Kaiser auf die 0:3-Pleite gegen Paderborn. Girke, Grembowietz, Kügler, Pfeffer und Jungnickel spielten für Palionis, Nikol, Petrovic, Röttger und Gerrit Müller.

Dynamo Dresden begann engagiert und dominierte die Anfangsphase. Bereits nach fünf Minuten verpasste Bröker bei der ersten Chance die Führung für die Sachsen. Die holte aber Truckenbrod nach. Der 28-Jährige nutzte einen Fehler in der Kickers-Abwehr eiskalt zur Führung für Dynamo aus (11.).

Die Kickers mussten sich nach dem Rückstand erst sortieren, konnten sich mit zunehmender Dauer gegen nun zu passive Dresdner mehr Spielanteile erarbeiten. Die Folge war der 1:1-Ausgleich durch Traut in der 37. Minute. Mit diesem Ergebnis ging es auch in die Kabinen.

Im zweiten Abschnitt wogte die Partie, die technisch keineswegs hochklassig war, hin und her. Mehr Vorteile hatten die Sachsen. Das Siegtor allerdings erzielten die Schwaben mit Unterstützung von Grembowietz. Dem Dynamo-Verteidiger unterlief in der 74. Minute ein Eigentor. Dresden warf in der Schlussphase alles nach vorne, konnte der Partie aber keine Wende mehr geben.

Die Stuttgarter Kickers sind am kommenden Samstag bei Eintracht Braunschweig gefordert. Dynamo Dresden empfängt ebenfalls am Samstag Fortuna Düsseldorf.

Kicker

Kaiser: So viel Pech ist eine Frechheit
Von Sven Geisler, Stuttgart

Der Dynamo-Trainer redet nach der 1:2-Niederlage bei den Stuttgarter Kickers die Krise der Dresdner schön.

Die Dresdner Dynamos haben das Kellerduell in der 3.Fußball-Liga bei den zuvor sieglosen Stuttgarter Kickers mit 1:2 (1:1) verloren. Wer jedoch danach die Analyse von SGD-Trainer Ruud Kaiser hörte, hätte glauben können, die Gelb-Schwarzen haben eine Weltklasse-Partie geliefert und der Gegner sich den Sieg auf hinterhältige Art und Weise erschlichen.

„Wenn man in einem Auswärtsspiel sieben, acht Torchancen kreiert – besser kann man ja nicht Fußball spielen“, meinte der Niederländer, und er stellte fest: „Normalerweise muss es 3:1, 4:1 für Dynamo Dresden stehen.“ Und so war sein Stuttgarter Kollege „unheimlich froh, dass wir kein Debakel erlebt haben“. Mit beißender Ironie konterte Edgar Schmitt Kaisers Sicht der 90Minuten, und er bilanzierte mit heiserer Stimme sachlich: „Wir haben verdient gewonnen, weil wir Leidenschaft und Mut entgegengebracht haben. Da können andere erzählen, was sie wollen.“

Dreimal vor dem Torwart

Kaiser verwies zum Beispiel auf die drei Situationen, in denen ein Dresdner allein auf Kickers-Keeper Manuel Salz zugelaufen war. Thomas Bröker schoss erst weit drüber anstatt auf den in der Mitte freistehenden Jens Truckenbrod zu passen (50.), dann schaufelte er Salz die Kunststoffkugel direkt in die Arme (57.), und schließlich semmelte Lars Jungnickel das Spielgerät in die Wolken, anstatt auf den mitgelaufenen Bröker abzulegen (69.). Diese Szene hatte Sportdirektor Ralf Minge wohl vor Augen, als er außer Pech und Unvermögen „einen Hauch Egoismus“ als Grund für Dynamos desolate Chancenverwertung verantwortlich machte.

Tatsächlich hatten die Dresdner mehr Möglichkeiten als die Gastgeber, aber nur Truckenbrod nutzte eine mit straffem Schuss zum Führungstreffer in der elften Minute – ein magerer Ertrag für einen hohen Aufwand. Dynamo hat in 13Spielen erst elf Tore erzielt; schlechter ist nur der VfR Aalen (10).

Die Abschlussschwäche seiner Stürmer konnte Kaiser bisher nicht beheben. Bei Bröker ist keine Entwicklung zu erkennen; anders als beispielsweise einst bei Thomas Neubert, der in Dresden als Chancentod begann und schließlich wegen seiner Tore für die Fans zum „Fußball-Gott“ aufstieg. Halil Savran, der in den ersten beiden Partien erfolgreich war, lief nach seiner Einwechslung in Stuttgart, als trüge er eine Zentnerlast auf dem Rücken, obwohl ihm der Trainer eine zweiwöchige Ruhepause gegönnt hatte.

Pavel Dobry, der beste Torschütze der vergangenen Saison, kam als Joker für sechs Minuten zum Zuge. Dabei hatte der Tscheche beim einzigen Mal, als er länger als eine Halbzeit angreifen durfte, in Offenbach zweimal getroffen (2:2).

Kaiser beklagt sich über die Gegentore. „Was kann man machen gegen einen Freistoß, der keiner ist? Was kann man machen gegen ein Eigentor? So viel Pech – das ist unglaublich; eine Frechheit.“

Über den Freistoßpfiff kann man zweifellos streiten, weil Truckenbrod zwar gegen Sascha Traut grätschte, aber den Ball traf. Die Ausführung jedoch war lehrbuchreif: Zwei Stuttgarter sorgen hinter der Mauer für Unruhe, dann legt der vermeintliche Schütze Ralf Kettmann ab, und Traut trifft den Innenpfosten. Unhaltbar. Eine ähnlich gute Variante ist den Dresdnern in dieser Saison noch nicht eingefallen. Deren harmlose Standards wirken nicht einstudiert.

Ungeschicktes Eigentor

Unglücklich wie ungeschickt war das Eigentor von Jens Grembowietz, der den Ruf von Torwart Axel Keller zu spät gehört hatte. Aber die scharfe Eingabe gab nicht zufällig Thorsten Reiß von der rechten Stuttgarter Seite. Dynamos Linksverteidiger Benjamin Girke, der sich den Einsatz in der Startelf durch seine passable Leistung gegen Paderborn verdient hatte, zeigte erhebliche Schwächen im Stellungsspiel und Zweikampfverhalten. Trotzdem sah Kaiser auch im Nachhinein keinen Grund, den 20-Jährigen auszuwechseln.

Vor einer Woche hieß es, der Gegner sei nun mal eine Klasse besser. Diesmal argumentiert der Chefcoach, dass im Fußball nicht immer die bessere Mannschaft gewinnt. Er sei trotzdem „ein bisschen entspannt“, weil die Mannschaft eine Reaktion gezeigt habe. Kämpferisch müssen sich die Gelb-Schwarzen nichts vorwerfen. Das reichte jedoch nicht, um den ersten Sieg der Kickers zu verhindern.

Am Mittwoch muss Dynamo zum Nachholspiel gegen WerderII nach Bremen, das beim Stand von 1:1 wegen Nebels abgebrochen worden war. „Das hätten wir gewonnen“, hatte Kaiser danach erklärt. Wenn die Dresdner diesen Sieg nicht nachholen, sieht es für die sportliche Zukunft des Vereins trübe aus – und Kaiser würde wohl niemand mehr abkaufen, wenn er die Krise schönredet: „Wir machen weiter, wie wir heute gespielt haben. Dann wird alles gut.“

Sächsische Zeitung