Vorberichte IV: Stuttgarter Kickers – VfB Stuttgart II

„Wir wollen uns den Sieg ehrlich verdienen“

Der Kickers-Trainer Stefan Minkwitz erwartet heute im Regionalligaderby gegen den VfB keine Schützenhilfe des Lokalrivalen

STUTTGART. Die Spannung steigt vor dem Regionalligaderby heute (14 Uhr) zwischen den Stuttgarter Kickers und dem VfB Stuttgart II. „Wir freuen uns auf das Spiel vor der zu erwartenden Rekordkulisse“, sagt selbst der Gästetrainer Rainer Adrion.

Von Joachim Klumpp

Wer zu spät kommt, den bestraft möglicherweise der Süddeutsche Fußball-Verband. Denn der hat sämtliche Regionalligavereine am vorletzten Spieltag der Saison nochmals eindrücklich darauf hingewiesen, zeitgleich zu beginnen, um jeden Ansatz der Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden. Das heißt also, auch das brisante Derby Kickers gegen den VfB Stuttgart II wird heute pünktlich um 14 Uhr im Gazi-Stadion angepfiffen. „Selbst wenn noch Tausend Leute an den Kassen warten“, wie der Kickers-Manager Joachim Cast betont. Der rechnet auf jeden Fall damit, dass die Saisonbestmarke von 4300 Besuchern aus der Vorwoche gegen Unterhaching geknackt wird. Darauf deutet nach dem Vorverkauf alles hin – so dass zwischen 5000 und 6000 Zuschauer (darunter möglicherweise sogar Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger) erwartet werden. „Wir hoffen, dass uns die Fans genauso unterstützen wie gegen Unterhaching“, sagt der Kapitän Oliver Stierle.

Schließlich steht viel auf dem Spiel, vor allem für die Kickers. Es ist das zweite von drei sogenannten Endspielen im Schlussspurt, das unbedingt gewonnen werden muss, um die Chancen auf Platz zehn und die künftige dritte Liga zu erhalten. Für dieses fast schon existenzielle Unterfangen werden alle Hebel in Bewegung gesetzt. So fuhr die Mannschaft schon gestern unmittelbar nach dem Training ins Partnerhotel nach Filderstadt, wo der Aufenthalt von einem Präsidiumsmitglied finanziert wird. „Wir wollten die Mannschaft einfach zusammen haben“, sagt der Trainer Stefan Minkwitz zu dieser außergewöhnlichen Maßnahme, denn die Kickers übernachten erstmals in dieser Saison vor einem Heimspiel im Hotel.

„Die Mannschaft ist heiß und hat im Training die richtige Aggressivität an den Tag gelegt“, sagt Minkwitz, der zudem nicht davon ausgeht, dass es Schützenhilfe des Lokalrivalen gibt. Und überhaupt: „Wir wollen uns den Sieg ehrlich verdienen.“

Wobei der VfB durchaus Spielverderber sein möchte. „Die Kickers müssen schon ihre beste Leistung abrufen, wenn sie uns schlagen wollen“, sagt der Trainer Rainer Adrion, der den Gegner zuletzt persönlich beobachtet hatte und recht angetan war von der Vorstellung der Kickers. Zudem muss Adrion heute nicht nur auf den Stürmer Johannes Rahn (Bänderanriss) verzichten, sondern auch auf Sebastian Rudy, der am Donnerstag noch einen 90-Minuten-Einsatz bei der Juniorennationalmannschaft absolvierte.

Doch auch die Kickers gehen nicht frei von Personalsorgen in die Partie. Mustafa Parmak kann, wenn überhaupt, zum Abschluss in Elversberg auflaufen, Mustafa Akcay fällt wegen Adduktorenbeschwerden aus und im Sturm fehlt ausgerechnet der Torjäger Angelo Vaccaro nach seiner zehnten Gelben Karte. Für ihn soll Sokol Kacani für die nötige Durchschlagskraft vor allem im Kopfballspiel sorgen. In der Innenverteidigung steht ein Fragezeichen hinter Marcus Mann, der am Zehen operiert wurde und erst am Donnerstag mit leichtem Lauftraining beginnen konnte. „Sein Einsatz entscheidet sich kurzfristig vor dem Spiel“, sagt Minkwitz.

Seine Einstellung verdeutlicht er so: „Vom Tabellenplatz ist der VfB zwar besser als wir“, sagt der Kickers-Trainer, „aber vom Potenzial her sind wir mindestens gleichwertig“. Während der Gast sicher Vorteile im taktischen und vor allem technischen Bereich besitzt, wollen die Kickers ihre Chance über das Zweikampfverhalten suchen. „Da sind die zweiten Mannschaften der Proficlubs am ehesten zu knacken“, sagt Minkwitz, der dem Kollegen Adrion (unter dem er 2003 bei den Kickers selbst gespielt hat) dennoch ein Lob ausspricht: „Er leistet beim VfB hervorragende Arbeit“, so Minkwitz.

Ob der darauf spekuliert, dass Rainer Adrion heute Nachmittag das Kompliment zurückgeben muss – nach einer Niederlage seines VfB?

Wegen des zu erwartenden Zuschauerandrangs werden die Kassen am Gazi-Stadion heute bereits um 12 Uhr geöffnet. Für die Haupttribüne gibt es allerdings nur noch maximal 50 Restkarten.

Stuttgarter Zeitung

Kickers erwarten keine Geschenke
Im Regionalliga-Derby gegen den VfB II hilft Blauen nur ein Sieg – Stierle: „Unter Druck immer stark“

Stuttgart – Nie war der Druck vor einem Derby gegen den VfB II größer: Die Kickers müssen an diesem Samstag (14 Uhr) gewinnen, soll der Sprung in die neue dritte Liga doch noch gelingen. Auf Schützenhilfe dürfen sie dabei nicht hoffen. „Niemals werden wir Punkte absichtlich verschenken“, sagt VfB-Trainer Rainer Adrion.

VON JOCHEN KLINGOVSKY

Den Kickers ist“s egal – sie erwarten keine Unterstützung. Sie müssen sich selbst helfen. „In diesem Derby gehen die Emotionen hoch, da gibt es keine Geschenke“, sagt Trainer Stefan Minkwitz, „wir wollen uns den Sieg ehrlich verdienen. Vom Potenzial her sind wir mindestens ebenbürtig.“

Das zeigt ein Blick auf die Tabelle der Rückrunde. Die Kickers sind Sechster, liegen einen Platz vor dem VfB II. Allerdings könnte der Endspurt der Blauen zu spät kommen. Wenn“s dumm läuft, reichen selbst sechs Punkte aus dem letzten Heimspiel und der Partie in einer Woche in Elversberg nicht für Platz zehn – auch wenn davon niemand etwas hören will. „In der Mannschaft ist absolut kein Thema, was passiert, wenn es nicht reichen sollte“, sagt Kapitän Oliver Stierle. Manager Joachim Cast erklärt: „Mit zwei Siegen sind wir in der dritten Liga.“ Und auch Minkwitz ist die Zuversicht in Person: „Wir sind überzeugt, es zu schaffen.“

Nur Durchhalteparolen? Nein, erklärt der Trainer. Die letzten Einheiten seien voller Aggressivität gewesen, die Spieler heiß auf das Duell: „Alle sind sehr angespannt.“ Minkwitz wertet das positiv. Denn spielerisch sei sein Team den kleinen Roten unterlegen. Aber: „Mit Zweikampfhärte sind sie zu packen.“ Und auch die nervliche Belastung ist offenbar kein Problem. „Ich bin acht Jahre bei den Kickers“, sagt Stierle, „unter Druck waren wir immer stark.“

Minkwitz bangt um Marcus Mann (Operation am Zeh), beim VfB II fehlen Johannes Rahn (Bänderanriss) und Sebastian Rudy, der unter der Woche zwei Einsätze im U-19-Nationalteam hatte. Längst im Urlaub ist der zu den Profis aufgerückte Manuel Fischer. Der Stürmer erzielte im Hinspiel den Treffer zum 1:0-Sieg des VfB II. Damals kamen 5900 Zuschauer, die Kickers erwarten heute noch ein paar mehr. Ab 12 Uhr sind alle zwölf Kassen vor dem Gazistadion geöffnet. Nicht anstellen muss sich Günther Oettinger – der baden-württembergische Ministerpräsident hat sich für das Derby angesagt. Diesmal, so ist zu vermuten, wird der VfB-Sympathisant den Blauen die Daumen drücken.

Stuttgarter Nachrichten

Heute, 14 Uhr, Gazi-Stadion: Derby gegen VfB-Reserve
Letzte Chance für die Kickers
Von HELMUT HEIMANN und NORBERT KRUMM

Zumindest für die Blauen geht es um alles…

Noch nie steckte im Regionalliga-Derby zwischen den Kickers und dem VfB so viel Brisanz wie heute (14 Uhr, Gazi-Stadion).
Stuttgarter Kicker Bashiru Gambo (r.) im Duell mit Joachim Schwabe vom VfB

Denn: Für die Blauen ist es die letzte Chance. Nur mit einem Sieg sind sie auch am letzten Spieltag noch voll dabei im Rennen um die Qualifikation für die neue 3. Bundesliga.

Diese haben die Roten bereits souverän erreicht. Doch Schützenhilfe für den Erzrivalen wird’s auf keinen Fall geben.

„Wir verteilen keine Geschenke“, sagt Trainer Rainer Adrion.

Kollege Stefan Minkwitz kontert: „Sowas haben wir auch gar nicht nötig. In der Tabelle ist der VfB zwar besser als wir. Aber vom Potential sind wir mindestens ebenbürtig.“

Das müssen die Kickers heute demonstrieren. „Die Mannschaft brennt, wir sind heiß“, sagt Kapitän Oliver Stierle.

Der letzte Biss ist bitter notwendig. Denn bei einem Unentschieden oder einer Niederlage droht dem Traditionsklub von der Waldau der Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

BILD

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