Normannia Gmünd wurde württ. Pokalmeister 1950

Ein verdienter 3:2-Sieg über die Stuttgarter Kickers bringt unerwartet Meisterehren / Pillauer verletzt

Rems-Zeitung vom 13.11.1950

Die Gmünder Normannia errang im Gmünder Stadion am Samstag nachmittag zum erstenmale in ihrer 46jährigen Geschichte den Verbandspokal des Württ. Fußballverbandes. In einem mit beiderseits großem Einsatz geführten kampfbetonten Endspiel zwischen der Normannia und der ausgesuchten Vertretung der Stuttgarter Kickers blieben die Gmünder siegreich. Diese lagen bis zehn Minuten vor Schluß noch mit 3:0 in Führung, mußten aber dann wegen Verletzung ihres Torhüters noch zwei Gegentreffer hinnehmen. Damit trägt sich Normannia Gmünd als Württembergischer Pokalmeister 1950 in den Pokal ein, auf dem die bisherigen Sieger: Stuttgarter Kickers, VfB Stuttgart, Sportverein Göppingen und TSV 46 Ulm bereits eingraviert sind. Die begeisterten Zuschauer nahmen lebendigen Anteil an dem spannenden Geschehen. Der tapferen Meisterelf gelten unsere herzlichsten Glückwünsche!

In die Vorfreude auf dieses Endspiel fiel am Samstag insofern ein Tropfen Bitternis, als man, entgegen der ursprünglichen Stuttgarter Absicht, doch nicht die papiermäßig stärkste Vertretung der Kickers einlaufen sah. Man erfuhr dann von berufenster Seite, daß die Kickersleitung in einer Sondersitzung ernst und ausführlich über die Mannschaftsaufstellung sich ausgesprochen und dann eine Pokalelf zusammengestellt hat, die nach Stuttgarter Ermessen unbedingt spielstärker als die Vertretung der Gmünder eingeschätzt wurde. Fünf Vertragsspieler der Kickers zusammen mit eigenem breiten Nachwuchs, trugen die blau-weißen Farben der Kickers in diesem Endspiel, aus dem diese als klare Sieger bestimmt hervorzugehen hofften. Man sah es der Gästevertretung, die betreut war von ihrem Trainer, auch an, daß sie ein geschlossenes kampfkräftiges Ganzes zu bilden wohl in der Lage sein könnte.

Aber – man spielt im Fußball bekanntlich immer nur so, wie es die Gegner zulassen, Und diese Gegner, diese Normannen, waren diesmal besonders zähe, ungemütlich wirkende Burschen, die so gar keinen Respekt vor dem Blau-weiß hatten. Sie fackelten nicht lange, spielten wirklich so wie sie es doch noch können und drängten die Stuttgarter mehr und mehr zurück und übernahmen ihrerseits die Direktive dieses Spiels. Die Stuttgarter mußten mehr laufen als die Gmünder, wurden immer und immer wieder ausgespielt – wie man es eigentlich von den Gmündern angenommen hatten. Der Stuttgarter Turm in der Schlacht – Sosna – hielt den mitunter bedenklich krachenden Karren zusammen. Sein stärkster Gegenspieler war diesesmal Beckmann, der eigentlich erstmals in Gmünd so groß aufspielte, wie schon des öfteren in Auswärtsspielen. Und seine Mitspieler taten pflichteifrig und freudig mit, ob es die überraschend gewandten Jungen oder die erfahrenen Alten oder der immer größer herauskommende Torhüter waren. So wünscht man sich einen Einsatz, so übersieht man dann auch gerne die immer wieder entstehenden Schwächemomente. Und die Anerkennung für ihre famose Leistung haben sie sich ja selbst geholten in dem stolzen Titel: Württ. Pokalmeister!
Es waren zwei verschiedene Halbzeiten, von denen die erste klar an Normannia ging, nicht aber zahlenmäßig. Denn hier hielt die Taktik der Kickers eisern Stand, die bekanntlich heißt: erst den Gegner anrennen und austoben lassen und dann Uebergang zu Gegenoffensive! Dies zeigte sich in der zweiten Halbzeit, die offen war und in der die Kickers einen Kardinalfehler begingen, als sie beim 1:0-Stande Sosna nach vorne schickten und damit der rechten Gmünder Seite endlich Luft verschafften. Zwei Bombentreffer waren die Quittung. Bis zum Letzten kämpften dann beide Mannschaften um den Sieg und als Pillauer verletzt war, wurde die Lage in den letzten zehn Minuten brenzlich. Aber es reichte dennoch zum verdienten Gmünder Sieg. Schiedsrichter Baumgärtner–Heilbronn war dem Treffen ein aufmerksamer und unbeirrbarer Leiter und seine Leistung verdient volle Anerkennung. Ihm stellten sich folgende Mannschaften:

Normannia Gmünd: Pillauer; Beißwenger, Schenk; Beckmann, Zybura, Saist II; Munz, Höfer, Peetz, Stöffler, Kohler

Stuttgarter Kickers: Bechtold; Großmann, Sosna, Handschuh, Wurst, Schwagerick, Schnee, Stälzle, Zischeck, Pfisterer, Böhmerle

Torlose erste Halbzeit
Nasser Boden stellt die 23 Akteure vor eine besonders schwere Aufgabe. Nervöses Beginnen läßt holperige Paßfolgen entstehen, denen die Hintermannschaften wirkungsvoll zu begegnen vermögen. Handschuh, der rechte Kickersläufer, wird das Opfer eines unnötig harten Zusammenpralls, er scheidet vorübergehend aus und ist nach seinem Wiedereintritt nicht mehr voll aktionsfähig. Die Gmünder zeigen das klarere Spiel und beherrschen mehr und mehr das Feld. Aber die tüchtige Stuttgarter Abwehr versteht es, die Gmünder Angriffe zu stoppen und als zwei- dreimal große Gefahr ist, da ist Bechtold der rettende Kickersengel. Die Kickersangriffe lasse an Rasanz nichts zu wünschen übrig, finden aber in der ebenfalls sicheren Gmünder Abwehr und letzten Endes in Pillauer ihre Widersacher. Die Gmünder haben dann das Spiel fest in der Hand und drängen die Kickers in ihre Hälfte zurück. Erst gegen Ende der ersten Halbzeit verstehen es die Kickers wieder freizukommen, Torlos geht es in die Pause. Gmünd hatte bislang mehr vom Spiel und hätte bereits in Führung liegen müssen.

Ein Torsegen nach der Pause!
Die ersten Minuten nach der Pause gehören den Kickers, die sichtlich aufs Ganze gehen. Zybura und Pillauer rutschen aus, doch Zischeck kann nicht verwerten, da auch er keinen sicheren Halt auf dem nassen Boden hat. Und dann stehen Zischeck und Pfisterer wiederum in bester Position, können aber nicht zum krönenden Schuß kommen. Mit Hangen und Bangen kann Gmünd diese Minuten überstehen. Beckmann kommt in den Besitz des Balles, treibt nach vorne, kurze Paßfolgen, Gedränge am blauweißen Tor und dann steht Höfer da und schiebt den Ball in die rechte freie Torecke. Es steht 1:0 in der 50. Minute. Mit einem Schwung sind jetzt die Roten bei der Sache, wie man ihn lange nicht mehr kennt, schwere Momente haben die Stuttgarter zu überstehen. Und dann drängt Sosna in den Sturm, erzwingt eine Ecke. Beckmann ist jetzt besonders in Fahrt, findet aber noch keine Verwendung seiner Vorlagen. Offen, aber kampfbetont ist das Spiel. Sosna tritt wieder einen Eckball, aber dann findet Beckmanns Können seinen Lohn: wuchtig arbeitet er sich wieder nach vorne und aus 25 Meter Entfernung jagt er den Ball flach und wuchtig in die linke Ecke. Es steht 2:0 in der 70. Minute. Die Gäste sind verwirrt und die Normannen zweifellos in Hochform und von ungestümem Drängen. Und zwei Minuten später jagt Höfer unerbittlich einen Bombenschuß zum dritten Tor ins gegnerische Netz. 30 ist jetzt der Stand für die Gmünder. Gefährlich wird es in der 78. Minute, als Kickers wieder einen Eckball herausholen. Aber Pillauer kann durch Faustabwehr klären. Wenig später taucht der Gmünder Hüter aus Freund und Feind heraus auf, geht aber hinkend in seinen Kasten. Sosna holt in der 80. Minute ein Tor durch prachtvollen Kopfstoß auf. Pillauer kann infolge einer schmerzhaften Prellung nicht mehr reagieren und so können die Kickers in der 88. Minute wiederum durch Kopfball zum 3:2 kommen. Diesesmal war die Stürmerhoffnung Zischeck der Vollstrecker. Aber dann ist endlich Schluß! Freudestrahlend gehen die Mannschaften zur Spielfeldmitte. Verbandsvorstand Strobel–Stuttgart bringt Lorbeerkranz und den traditionsreichen Pokal, der nach herzlichen Worten der Anerkennung und des Dankes dem Gmünder Spielführer Walter Höfer überreicht wird. Den Glückwünschen des Verbandsvorsitzenden schloß sich die tapfer unterlegene Kickersmannschaft ab.

Probespiel in Stuttgart

Nationalelf gegen Stuttgarter Kickers am Sonntag
Luxemburger Wort vom 07.10.1943

Der 27. Fußball-Länderkampf Deutschland – Schweiz, der für den 18. Oktober zunächst für Zürich vorgesehen war, findet nunmehr am gleichen Tage in
Bern statt, wo auch im Vorjahr die 25. Begegnung der beiden Nationalmannschaften durchgeführt wurde. Wie schon vor Monaten zur Vorbereitung auf den Länderkampf gegen Ungarn in Budapest so hat Reichstrainer Josef Herberger die deutschen Fußballnationalen zum vorbereitenden Lehrgang für den kommenden Länderkampf gegen die Schweiz wieder im schönen Ludwigsburg unweit Stuttgart um sich versammelt. Die Nationalen werden bereits
am kommenden Sonntag, 11. Oktober eine Probe ihres Könnens in der Stuttgarter Adolf Hitler-Kampfbahn ablegen, wo der württembergische Meister
Stuttgarter Kickers ihr Gegner ist. Nach der 27. Begegnung mit der Schweiz dürften dann unsere Spitzenspieler sich schon bald wieder in Ludwigsburg einfinden, um sich für das Länderspiel gegen Kroatien zu rüsten, das am 1. November in Stuttgart ausgetragen wird. Auch vor diesem Kampf
wird ein Uebungsspiel ausgetragen, das für Sonntag, 25. Oktober in die Ludwigsburger Horst Wessel-Kampfbahn angesetzt ist, und in dem eine Nachwuchsmannschaft des Gaues Württemberg Gegner der Nationalen ist.

Conen wieder in alter Form

Luxemburger Wort vom 07.01.1943

Ed. Conen, der langjährige Mittelstürmer der Fußball-Nationalmannschaft, hat nach der Teilnahme an den Spielen der Divisionself Ost in Karlsruhe und Stuttgart am ersten Spielsonntag des neuen Jahres in der Mannschaft der Stuttgarter Kickers in dem mit 8:1 gewonnenen Meisterschaftsspiel gegen Union Böckingen mitgewirkt. Wie die Spiele erkennen ließen, hat Conen nichts von seinem Können eingebüßt.
Der Saarländer erwies sich als ein schneller und gefährlicher Stürmer, der seinem Können gegebenenfalls nach wie vor für die Nationalmannschaft mit in Betracht kommen würde.

Krückeberg überzeugte nicht

Nationalelf schlug Kickers 7:0
Luxemburger Wort vom 12.10.1942

Acht Tage vor dem Fußball-Länderkampf gegen die Schweiz in Bern traten die in Ludwigsburg um Reichstrainer Josef Herberger versammelten Nationalspieler in der Stuttgarter Adolf-Hitler-Kampfbahn zu einem Uebungsspiel gegen den württembergischen Meister Stuttgarter Kickers an. Obwohl unsere Spitzenspieler mit 7 : 0 (4 : 0) zu einem eindeutigen Erfolg kamen, waren die 8000 Zuschauer nicht ganz mit ihren Leistungen zufrieden. Zwar wurde technisch wieder hervorragendes Können gezeigt, wobei sich Fritz Walter wieder besonders durch sein einzigartiges Ballgefühl auszeichnete, aber dem von dem Münchener Krückeberg angeführten Sturm fehlte oft jede Festigkeit. Etwas hemmend mögen die ungünstigen Verhältnisse gewesen sein, denn selbst die eingespielte Flanke Willimowski-Klingler kam selten gut zum Zug, während Krückeberg sich nicht als harter, einsatzbereiter und gefährlicher Mittelstürmer erwies. Lehner war neben Walter der arbeitsamste und im Felde auch der erfolgreichste Stürmer. Die Hintermannschaft erwies sich mit dem harten Rohde als Stopper wieder als sehr standfest und sicher. Sehr flott war das Spiel in den ersten 45 Minuten, zumal hier die Kickers das
Tempo mitmachten, doch einige Gelegenheit ausließen. Nach dem Stand von 5:0 entschloß sich Herberger, den für Lehner nach der Pause eingesetzten
Hamburger Adamkiewicz als Sturmführer für Krückeberg einzusetzen, während Lehner wieder als Sturmführer für Krückeberg einzusetzen.

Prächtiger Pokalsieg der Admira

Die Jedleseer schlagen den Württemberg-Meister Stuttgarter Kickers 5:0 (4:0)

Glanzleistungen von Hanhnemann, Klacl und den Verteidigern

Vor 10.000 Zuschauern konnte gestern die Admira in einem überlegenen Spiel die Stuttgarter aus dem Tschammer-Pokal ausschalten und sich für die Vorschlußrunde qualifizieren. Um es gleich vorwegzunehmen, die Jedleseer legten ein Spiel hin, das an die besten Tage der Schwarzweißen erinnerte, und so waren die Stuttgarter von vorneherein ganz aussichtslos geschlagen.

Bei der Admira ist in erster Linie die Stürmerreihe hervorzuheben, in der sich Hoffmann ausgezeichnet in das Mannschaftsgefüge eingespielt hat, und ferner Hahnmann, der Kabinettstückchen ersrlesener Fußballzunft zum besten gab.

Lediglich Ondrak fiel etwas aus dem Rahmen, doch er machten durch den fünften Treffer alles wieder gut. In der Läuferreihe überragte Klacl seine Kameraden. Die Verteidigung, besonders Mirschitzka, war durchaus auf der Höhe und Gasselseder, der vorerst etwas unsicher war, fand schließlich zu seiner vollen From zurück. Von den Gästen ist in erster Linie Nationalstürmer Conen hervorzuheben, der bei seinem Nebenspielern wenig Verständnis vorfand und in zweiter Linie der blonde Mittelläufer Kindl, der in der zweiten Halbzeit ein ausgezeichnetes Offensivspiel demonstrierte. Von den Verteidigern war Immig der bessere und Schaible im Tor zeigte sich als Meister seines Faches.

Dem Regensburger Schiedsrichter Grabler, der das Spiel zur vollen Zufriedenheit leitete, stellten sich folgende Mannschaften:

Admira: Gasselseder; Gerhart, Marischka; Zehetmayer, Klacl, Mirschitzka; Ondrak, Hahnemann, Hoffmann, Schilling, Schall
Kickers: Schaible; Immig, Cozza; Herget, Kindl, Handte; Frey, Walz, Conen, Sing, Kipp

Die Admira gewinnt das Los und die Stuttgarter beginnen sofort zu drängen. In den nächsten Minuten jedoch übernimmt Admira das Kommando und die achte Minute sieht Hoffmann als Toschützen des ersten Treffers für die Jedleseer. Gleich darauf kann sich Gasselseder bei einem überraschenden Schuß Conens auszeichnen. In der 25. Minute ist es neuerlich Hoffmann, der aus einer überraschenden Angriffssituation blitzschnell über den heranstürmenden Immig in die linke obere Ecke einsendet. Das dritte Tor, fünf Minuten später, entspringt einer Sonderleistung von Hanemann. Er übernimmt ein Zuspiel Klacls, überspielt alle Gegner und sendet in vollem Lauf unhaltbar für Schaible zum drittenmal ein. In der 44. Minute ist Schaible neuerlich geschlagen, als Klacl aus einer Drängerei vor dem Stuttgarter Tor aus dem Hinterhalt de Halbzeitstand erzielt.

Nach Beginn der zweiten Halbzeit ändert sich das Spielgeschehen völlig, nachdem Kindl, der Mittelläufer, gänzlich offensiv zu spielen beginnt. Diese Spielhälte wird dadruch auch völlig ausgeglichen, obwohl Admira lediglich das Eckenverhältnis zu ihren Gunsten mit 12:2 erhöhen kann. Sieben Minuten vor Schluß ist es Ondrak, der den Endstand von 5:0 für Admira erzielt.

Das Kleine Blatt, 22. September 1941

Württemberg nicht mehr im Tschammerpokal

Stuttgarter Kickers ausgeschieden – FC. Nürnberg siegte 2:1

Schwäbischer Merkur Nr. 272 vom 20.11.1939

Die Stuttgarter Kickers hatten bei ihrem Pokalspiel in Nürnberg reichlich Pech, verloren aber den Kampf gegen den „Klub” doch nicht unverdient mit 2:1. Die Nürnberger waren in der ersten Halbzeit klar besser und entschieden hier auch durch zwei Tore des Halblinken Pfänder das Treffen für sich. In der zweiten Halbzeit wurden die Kickers drückend überlegen. Der „Klub” brachte nur noch zwei gelegentliche Vorstöße zuwege und mußte sich ganz auf die Verteidigung beschränken. Obwohl auch hier nicht alles klappte und sich verschiedene Deckungsfehler einschlichen, kamen die Kickers nur zu einem Gegentor, das Frey auf eine Flacken des linksaußen gelaufenen Mittelstürmers Conen erzielte. In dieser zweiten Halbzeit hätten die Stuttgarter den Kampf gewinnen oder wenigstens den Ausgleich erzielen können. Die Stürmer schossen jedoch zu schlecht, und auch Edmund Conen, dem man anmerkte, daß er gerade vom Krankenlager aufgestanden war, setzte sich nicht voll ein. Das erwartete Duell Conen-Sold blieb aus, da der Nürnberger auf dem rechten Läuferposten spielte.

Die rund 7000 Zuschauer die im „Zabo” erschienen waren, sahen einen flotten und zügigen Kampf, der außerdem bemerkenswert fair ausgetragen wurde. Wenn die Kickers auch aus dem Pokal ausgeschieden sind und somit Württemberg ohne Vertreter dem weiteren Verlauf des Tschammerpokal-Wettbewerbs zusehen muß, so haben sie in Nürnberg doch dem württembergischen Fußballsport Ehre gemacht. Die Verteidigung stand sicher und auch die Läuferreihe tat – besonders nach der Pause – ihre Pflicht. Frey und Kipp konnten sich nicht so wie sonst durchsetzen. – Bei den Nürnbergern gefiel besonders die geschlossene Mannschaftsleistung in der ersten Halbzeit. Nach der Pause wurde das Spiel des „Klubs” allerdings eine Klasse schlechter.

VfB. Stuttgart ist Herbstmeister

Stuttgarter Kickers – VfB. Stuttgart 0:2 (0:1)

Stets wenn die Kickers und der VfB. Stuttgart um die Punkte kämpfen, bedeutet dies einen Höhepunkt in der sportlichen Veranstaltungsfolge der schwäbischen Landeshauptstadt. Die 59. Begegnung zwischen beiden Vereinen war wieder von vorentscheidender Bedeutung für den weiteren Verlauf der Fußballmeisterschaft von Württemberg. 18-20 000 Zuschauer füllten die Ränge der Adolf-Hitler-Kampfbahn; überfüllte Beförderungsmittel aller Art in Richtung Cannstatter Wasen, riesige Schlangen an den Eingangssperren deuteten den Großkampf erster Ordnung schon äußerlich an.

Die Erwartungen auf einen großen Kampf wurden erfüllt.

Allerdings mit der Einschränkung, daß nur der VfB. sich zu richtiger Spielform zusammenfand und nach spannungsreichem Verlauf mit 2:0 (1:0) verdientermaßen beide Punkte an sich brachte. Der Sieg des VfB. war überzeugend. Vor allem vor der Pause lief es vorzüglich. Die Cannstatter waren nicht nur schneller in der Spielführung, sie faßsten auch ihre Aufgabe überlegter an, und die einzelnen Spieler legten im Zweikampf mit ihren Degerlocher Widersachern auch das trickreifere Spiel hin. Dank der Unterstützung durch die Läuferreihe war der Sturm des VfB. meist feldüberlegen; an der Strafraumgrenze standen allerdings die Kickersverteidiger wie eine Mauer, und die zahlreichen, aber auch ziemlicher Entfernung abgegebenen Torschüsse des Sturmes und der Läuferreihe hielt Haarer meisterhaft. Der aus der Schweiz zurückgekehrte Pröfrock paßte sich recht gut ein. Neben einigen saftigen Schüssen zeigte er auch ein brauchbares Aufbauspiel im Sturm. Schwache Leute gab es auf Seiten der Cannstatter eigentlich nicht. Ein besonderes Lob verdiente sich der rechte Läufer Kraft, der in der zweiten Halbzeit dem nun stärker aufkommenden Kickerssturm wiederholt im letzten Augenblick Einhalt gebot.

Die Kickers hatten diesmal einen schlechten Tag

Man legte von vorneherein das Augenmerk auf die Sicherung des eigenen Tores. Lange Zeit glückte dies auch, mit den drei Verteidigern Ribke, Vosseler und Cozza hielten sie den andauernden Angriffen der Weiß-Roten Stand. Dazu feierte Haarer eine überzeugende Wiederkehr ins Kickerstor. Auch die Leistungen der Läufer Handte und Förschler (Förschler spielte in der zweiten Halbzeit an Stelle von Link) konnten, gemessen an dem Druck des VfB., noch zufriedenstellen, während die Stürmer gar nichts zeigten. Frey und Strickrodt ließen sich die Bälle abnehmen, auch der Innensturm brachte nicht viel zuwege. Dies war um so auffälliger, als durch das zeitweise weite Aufrücken der VfB.-Läufer die Cannstatter hier durchaus verwundbar waren. Erst in der zweiten Halbzeit wurde die Gesamtleistung der Kickers besser und der Kampf ausgeglichener.

Das Spiel erreichte seinen Höhepunkt eigentlich schon vor der Pause.

Der VfB. fand sich sofort recht gut zusammen. Dabei spielten die Cannstatter ideenreicher und mit mehr Abwechslung. Nach fünf Minuten schon verletzte sich der VfB.-Torhüter Schnaitmann am Fuß und war in der Folge natürlich nicht ganz vollwertig. Auch bei Kickers erlitt Link eine Knieverletzung, die ihn in der zweiten Halbzeit bewog, mit Förschler den Platz zu tauschen. Zahlreiche Schüsse aus dem VfB.-Sturm hielt Haarer prächtig. Die Kickers kamen eigentlich nur selten vor das VfB.-Tor und Schnaitmann bekam nicht sehr viel zu halten. Erst in der 35. Minute gelang es Rutz, den längst verdienten Führungstreffer zu erzielen. Gegen Ende der Halbzeit kamen die Kickers aber mehr auf.

Nach dem Wechsel

dauerte es geraume Zeit, bis der VfB. sich zu der vor der Pause gezeigten Spielweise zusammenfand. Die Kickersangriffe waren zahlreicher, aber immer fehlte ihnen die Durchschlagskraft. In der 85. Minute erhielt der VfB. einen Elfmeterball, den Rutz schoß, aber Haarer hielt den Ball. Erst in der letzten Spielminute fiel der zweite Treffer, den Lehmann im Nachschuß erzielte. Schiedsrichter Sackenreuther – Nürnberg traf sehr bestimmte Entscheidungen. Ihm fügten sich beide Mannschaften, die zwar hart kämpften, aber immer die Grenzen des Äußersten einzuhalten wußten.

Beilage zum Schwäbischen Merkur, Stuttgart, Nr. 280 vom 1. Dezember 1936

Kickers bleiben in Front

Stuttgarter Sportfreunde – Stuttgarter Kickers 2:2 (2:1)

Der Lokalkampf auf dem Sportfreundeplatz in Degerloch hatte heuer nicht nur das übliche Interesse, das man einer Lokalbegegnung entgegenbringt, vielmehr war der Ausgang des Treffens u. U. ausschlaggebend für die Führung im Gau Württemberg. Trotzdem war der Publikumserfolg kein so guter wie am Vorsonntag bei dem Spiel Kickers – Böckingen. Etwa 4000 Zuschauer hatten sich eingefunden, die jedoch auf ihre Rechnung kamen. Es entwickelte sich ein ungemein interessanter und abwechslungsreicher Punktekampf, der erfreulicherweise keine trüben Nebenerscheinungen zeigte und von beiden Parteien in durchaus anständiger Weise durchgeführt wurde. Der unentschiedene Ausgang des Treffens wird ebenfalls den gezeigten Leistungen am ehesten gerecht.

Die erste Hälfte brachte im Feld ein ziemlich ausgeglichenes Spiel, doch erwies sich um diese Zeit der Sportfreundeangriff als durchschlagskräftiger und vor allem rascher als der des Gegners. Im Kickerssturm verrieten Merz und Förschler wenig Aktivität. Lediglich Müller stach aus dieser Reihe hervor, der später auch der Schütze der beiden Tore war. Beide Hintermannschaften schienen nicht ganz sattelfest, wobei bei Kickers allerdings zu berücksichtigen ist, daß an Stelle von Ruf ein neuer Mann namens Stadelmaier stand, der noch nicht die nötige Sicherheit und Ruhe mitbrachte. Von einem Ausfall jedoch kann bei ihm nicht gesprochen werden. In der 27. Minute kommen die Sportfreunde durch ihren Mittelstürmer König zum Führungstor, dem acht Minuten später Miller das Ausgleichstor folgen ließ. Aber noch einmal vor der Pause rissen die Platzherren die Führung an sich. In der 36. Minute schoß abermals König den zweiten Treffer. Nach dem Wechsel brachte schon die erste Minute den Kickers den Ausgleich. Die Grünen, sichtlich verwirrt durch dieses Tor, ließen in der Folge merklich nach und die Kickers kamen dadurch etwas mehr in Fahrt. Allein, sowohl hüben wie drüben blieb es bei einigen gefährlichen Sachen, der Torsegen war beendet. Schiedsrichter Benzig – Schwenningen leitete gut.

Beilage zum Schwäbischen Merkur, Stuttgart, Nr. 239 vom 13. Oktober 1936