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Normannia Gmünd wurde württ. Pokalmeister 1950

13. November 1950 in Allgemein, Kickers I

Ein verdienter 3:2-Sieg über die Stuttgarter Kickers bringt unerwartet Meisterehren / Pillauer verletzt

Rems-Zeitung vom 13.11.1950

Die Gmünder Normannia errang im Gmünder Stadion am Samstag nachmittag zum erstenmale in ihrer 46jährigen Geschichte den Verbandspokal des Württ. Fußballverbandes. In einem mit beiderseits großem Einsatz geführten kampfbetonten Endspiel zwischen der Normannia und der ausgesuchten Vertretung der Stuttgarter Kickers blieben die Gmünder siegreich. Diese lagen bis zehn Minuten vor Schluß noch mit 3:0 in Führung, mußten aber dann wegen Verletzung ihres Torhüters noch zwei Gegentreffer hinnehmen. Damit trägt sich Normannia Gmünd als Württembergischer Pokalmeister 1950 in den Pokal ein, auf dem die bisherigen Sieger: Stuttgarter Kickers, VfB Stuttgart, Sportverein Göppingen und TSV 46 Ulm bereits eingraviert sind. Die begeisterten Zuschauer nahmen lebendigen Anteil an dem spannenden Geschehen. Der tapferen Meisterelf gelten unsere herzlichsten Glückwünsche!

In die Vorfreude auf dieses Endspiel fiel am Samstag insofern ein Tropfen Bitternis, als man, entgegen der ursprünglichen Stuttgarter Absicht, doch nicht die papiermäßig stärkste Vertretung der Kickers einlaufen sah. Man erfuhr dann von berufenster Seite, daß die Kickersleitung in einer Sondersitzung ernst und ausführlich über die Mannschaftsaufstellung sich ausgesprochen und dann eine Pokalelf zusammengestellt hat, die nach Stuttgarter Ermessen unbedingt spielstärker als die Vertretung der Gmünder eingeschätzt wurde. Fünf Vertragsspieler der Kickers zusammen mit eigenem breiten Nachwuchs, trugen die blau-weißen Farben der Kickers in diesem Endspiel, aus dem diese als klare Sieger bestimmt hervorzugehen hofften. Man sah es der Gästevertretung, die betreut war von ihrem Trainer, auch an, daß sie ein geschlossenes kampfkräftiges Ganzes zu bilden wohl in der Lage sein könnte.

Aber – man spielt im Fußball bekanntlich immer nur so, wie es die Gegner zulassen, Und diese Gegner, diese Normannen, waren diesmal besonders zähe, ungemütlich wirkende Burschen, die so gar keinen Respekt vor dem Blau-weiß hatten. Sie fackelten nicht lange, spielten wirklich so wie sie es doch noch können und drängten die Stuttgarter mehr und mehr zurück und übernahmen ihrerseits die Direktive dieses Spiels. Die Stuttgarter mußten mehr laufen als die Gmünder, wurden immer und immer wieder ausgespielt – wie man es eigentlich von den Gmündern angenommen hatten. Der Stuttgarter Turm in der Schlacht – Sosna – hielt den mitunter bedenklich krachenden Karren zusammen. Sein stärkster Gegenspieler war diesesmal Beckmann, der eigentlich erstmals in Gmünd so groß aufspielte, wie schon des öfteren in Auswärtsspielen. Und seine Mitspieler taten pflichteifrig und freudig mit, ob es die überraschend gewandten Jungen oder die erfahrenen Alten oder der immer größer herauskommende Torhüter waren. So wünscht man sich einen Einsatz, so übersieht man dann auch gerne die immer wieder entstehenden Schwächemomente. Und die Anerkennung für ihre famose Leistung haben sie sich ja selbst geholten in dem stolzen Titel: Württ. Pokalmeister!
Es waren zwei verschiedene Halbzeiten, von denen die erste klar an Normannia ging, nicht aber zahlenmäßig. Denn hier hielt die Taktik der Kickers eisern Stand, die bekanntlich heißt: erst den Gegner anrennen und austoben lassen und dann Uebergang zu Gegenoffensive! Dies zeigte sich in der zweiten Halbzeit, die offen war und in der die Kickers einen Kardinalfehler begingen, als sie beim 1:0-Stande Sosna nach vorne schickten und damit der rechten Gmünder Seite endlich Luft verschafften. Zwei Bombentreffer waren die Quittung. Bis zum Letzten kämpften dann beide Mannschaften um den Sieg und als Pillauer verletzt war, wurde die Lage in den letzten zehn Minuten brenzlich. Aber es reichte dennoch zum verdienten Gmünder Sieg. Schiedsrichter Baumgärtner–Heilbronn war dem Treffen ein aufmerksamer und unbeirrbarer Leiter und seine Leistung verdient volle Anerkennung. Ihm stellten sich folgende Mannschaften:

Normannia Gmünd: Pillauer; Beißwenger, Schenk; Beckmann, Zybura, Saist II; Munz, Höfer, Peetz, Stöffler, Kohler

Stuttgarter Kickers: Bechtold; Großmann, Sosna, Handschuh, Wurst, Schwagerick, Schnee, Stälzle, Zischeck, Pfisterer, Böhmerle

Torlose erste Halbzeit
Nasser Boden stellt die 23 Akteure vor eine besonders schwere Aufgabe. Nervöses Beginnen läßt holperige Paßfolgen entstehen, denen die Hintermannschaften wirkungsvoll zu begegnen vermögen. Handschuh, der rechte Kickersläufer, wird das Opfer eines unnötig harten Zusammenpralls, er scheidet vorübergehend aus und ist nach seinem Wiedereintritt nicht mehr voll aktionsfähig. Die Gmünder zeigen das klarere Spiel und beherrschen mehr und mehr das Feld. Aber die tüchtige Stuttgarter Abwehr versteht es, die Gmünder Angriffe zu stoppen und als zwei- dreimal große Gefahr ist, da ist Bechtold der rettende Kickersengel. Die Kickersangriffe lasse an Rasanz nichts zu wünschen übrig, finden aber in der ebenfalls sicheren Gmünder Abwehr und letzten Endes in Pillauer ihre Widersacher. Die Gmünder haben dann das Spiel fest in der Hand und drängen die Kickers in ihre Hälfte zurück. Erst gegen Ende der ersten Halbzeit verstehen es die Kickers wieder freizukommen, Torlos geht es in die Pause. Gmünd hatte bislang mehr vom Spiel und hätte bereits in Führung liegen müssen.

Ein Torsegen nach der Pause!
Die ersten Minuten nach der Pause gehören den Kickers, die sichtlich aufs Ganze gehen. Zybura und Pillauer rutschen aus, doch Zischeck kann nicht verwerten, da auch er keinen sicheren Halt auf dem nassen Boden hat. Und dann stehen Zischeck und Pfisterer wiederum in bester Position, können aber nicht zum krönenden Schuß kommen. Mit Hangen und Bangen kann Gmünd diese Minuten überstehen. Beckmann kommt in den Besitz des Balles, treibt nach vorne, kurze Paßfolgen, Gedränge am blauweißen Tor und dann steht Höfer da und schiebt den Ball in die rechte freie Torecke. Es steht 1:0 in der 50. Minute. Mit einem Schwung sind jetzt die Roten bei der Sache, wie man ihn lange nicht mehr kennt, schwere Momente haben die Stuttgarter zu überstehen. Und dann drängt Sosna in den Sturm, erzwingt eine Ecke. Beckmann ist jetzt besonders in Fahrt, findet aber noch keine Verwendung seiner Vorlagen. Offen, aber kampfbetont ist das Spiel. Sosna tritt wieder einen Eckball, aber dann findet Beckmanns Können seinen Lohn: wuchtig arbeitet er sich wieder nach vorne und aus 25 Meter Entfernung jagt er den Ball flach und wuchtig in die linke Ecke. Es steht 2:0 in der 70. Minute. Die Gäste sind verwirrt und die Normannen zweifellos in Hochform und von ungestümem Drängen. Und zwei Minuten später jagt Höfer unerbittlich einen Bombenschuß zum dritten Tor ins gegnerische Netz. 30 ist jetzt der Stand für die Gmünder. Gefährlich wird es in der 78. Minute, als Kickers wieder einen Eckball herausholen. Aber Pillauer kann durch Faustabwehr klären. Wenig später taucht der Gmünder Hüter aus Freund und Feind heraus auf, geht aber hinkend in seinen Kasten. Sosna holt in der 80. Minute ein Tor durch prachtvollen Kopfstoß auf. Pillauer kann infolge einer schmerzhaften Prellung nicht mehr reagieren und so können die Kickers in der 88. Minute wiederum durch Kopfball zum 3:2 kommen. Diesesmal war die Stürmerhoffnung Zischeck der Vollstrecker. Aber dann ist endlich Schluß! Freudestrahlend gehen die Mannschaften zur Spielfeldmitte. Verbandsvorstand Strobel–Stuttgart bringt Lorbeerkranz und den traditionsreichen Pokal, der nach herzlichen Worten der Anerkennung und des Dankes dem Gmünder Spielführer Walter Höfer überreicht wird. Den Glückwünschen des Verbandsvorsitzenden schloß sich die tapfer unterlegene Kickersmannschaft ab.

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