StZ: „Die Kickers müssen nicht in die Psychiatrie“

Der Kölner Sportpsychologe Jens Kleinert über die mentalen Probleme des Fußball-Drittligisten und wie diese überwunden werden können

Die Stuttgarter Kickers haben ein Problem: Immer wieder kassiert der Tabellenletzte der dritten Fußballliga in der Schlussphase Gegentore und gibt so Punkte ab – zuletzt beim 3:3 in Wuppertal, als die Mannschaft bis zur 88. Minute noch mit 3:1 führte. Ein Fall für die Couch? Fabian Heckenberger hat sich mit Jens Kleinert, Professor für Psychologie an der Sporthochschule Köln, über die Angst vor dem späten Misserfolg der Kickers unterhalten.

Herr Kleinert, gibt es bei Sportlern so etwas wie die Angst vor dem Gewinnen?

Das gibt es kaum, nur wenn sich vor allem Einzelsportler in einer extremen Favoritenrolle befinden. Dann kann es sein, dass der Druck, gewinnen zu müssen, zur Angst wird. Bei Mannschaften gibt es das seltener.

Dennoch verspielen die Kickers häufig in der Schlussphase wichtige Punkte, indem das Team späte Gegentreffer kassiert.

Das ist dann aber keine Angst vor dem Gewinnen, sondern Angst, das Erreichte noch zu verlieren. Also Furcht davor, das, was man sich in den bisherigen Spielminuten erarbeitet hat, wieder hergeben zu müssen. Das ist übrigens gar kein speziell sportliches Phänomen, das findet man in vielen Drucksituationen im Alltag.

Der Kickers-Trainer Edgar Schmitt spricht in diesem Zusammenhang von einer Neurose. Haben die Kickers eine Neurose?

Nein, Neurose ist ein Ausdruck aus der klinischen Psychologie und der Psychiatrie. In der Sportpsychologie kommen Neurosen nicht vor. Neurosen sind stabile Krankheitsbilder, die sich nur schwer behandeln lassen.

Nach den späten Gegentreffern zum 1:2, die Bayern München 1999 gegen Manchester den Sieg in der Champions League gekostet haben, war das Wort Trauma in aller Munde. Passt dieser Begriff besser?

Ein Trauma ist ein einmaliges, drastisches Ereignis, das mein Denken und Handeln stark beeinträchtigt. Das mag bei Bayern München vielleicht so gewesen sein. Bei den Kickers dagegen sind das ja mehrere Ereignisse – kein einmaliger, großer Schock. Aber auch der Begriff Trauma ist für den Sport eigentlich zu stark. Durch den Gebrauch solcher Worte dramatisiert und verschlimmert man die Situation meist nur.

Wie würden Sie dann das Phänomen bezeichnen?

Es geht um Angst und um Misserfolgsdenken. Je öfter ich späte Gegentore bekomme, desto eher denke ich in der nächsten Schlussphase wieder: oh nein, jetzt nur kein Tor kassieren, und ich bekomme Angst. Genau dieser Gedanke an negative Konsequenzen führt aber dazu, dass ich eine schlechtere Leistung zeige. Angst beeinträchtigt die Koordinationsfähigkeit, und ich spiele ungenaue Pässe. Das wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ich noch ein Gegentor bekomme. Das nennt man eine Sich-selbst-erfüllende-Prophezeiung – ein Teufelskreis.

Wie kann der durchbrochen werden?

Zunächst: die Kickers müssen nicht in die Psychiatrie, sondern auf den Trainingsplatz oder zur Mannschaftssitzung in die Kabine. Dort kann der Trainer verschiedene Maßnahmen ergreifen: Er kann etwa positive Erlebnisse ins Bewusstsein rufen – einen wichtigen Sieg etwa.

Das haben die Kickers in dieser Saison noch nicht vorzuweisen.

Na gut. Eine weitere Methode wäre, dass die Spieler im Training lernen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wir setzen da Selbstgespräche oder Selbstbefehle ein, die dem Spieler helfen, sich auf das richtige Ziel zu konzentrieren. Solche Selbstgespräche sind etwas Positives und motivieren.

In der nächsten Partie gegen Dynamo Dresden sollen die Spieler also laut mit sich selbst sprechen?

Nein, laut übe ich das nur im Training ein, in einem Pflichtspiel würde ich das nicht empfehlen. Das wäre wohl etwas absonderlich. Sonst ruft vielleicht wirklich jemand noch den Psychiater. Die Kickers-Spieler müssen es sich innerlich sagen – als Selbstinstruktion. Oder sie könnten sich an ein Bild eines aggressiv geführten und gewonnenen Zweikampfes erinnern.

Was hat das für einen Sinn?

Es geht bei all diesen Maßnahmen darum, das Misserfolgsdenken aus dem Kopf zu bekommen, durch irgendeinen positiven Gedanken oder Selbstbefehl. Man kann nicht an etwas Negatives und zeitgleich an etwas Positives denken. Die Spieler brauchen also einen positiven zielführenden Gedanken im Kopf, wie der genau aussieht, kann sehr unterschiedlich sein. Er muss nur den möglichen befürchteten Misserfolg verdrängen.

Der Kickers-Trainer Edgar Schmitt fordert nun die Verpflichtung eines neuen Abwehrchefs. Könnte ein von den bisherigen Ereignissen unbelasteter Spieler den anderen helfen, den Teufelskreis im Kopf zu durchbrechen?

Natürlich. Das kann die anderen Abwehrspieler anspornen und von den negativen Gedanken ablenken. Im Mannschaftssport übertragen sich Gefühle und Emotionen von Akteur zu Akteur auf dem Feld. Angst kann in einem Team ansteckend sein. Ein Spieler infiziert den anderen über seine Erscheinung, sein Verhalten. Ein neuer Mann, der Sicherheit ausstrahlt, könnte diese Ansteckungskette durchaus stoppen.

Die Kickers-Gegentore
Spieltag Ergebnis Minute

1. Spieltag 0:2 in Burghausen25./49.
2. Spieltag 0:2 gegen Düsseldorf65./.79.
3. Spieltag 0:2 in Unterhaching13./45.
4. Spieltag 0:1 gegen Sandhausen 9.
5. Spieltag 1:1 in Regensburg86.
6. Spieltag 1:2 gegen Aue5./88.
7. Spieltag 2:3 in Erfurt7./68./90.
8. Spieltag 1:1 gegen Emden81.
9. Spieltag 3:3 bei Bayern II44./81./90.
10. Spieltag 4:4 gegen VfB II8./32./44./70.
11. Spieltag 0:4 in Offenbach44./67./81./86.
12. Spieltag 2:2 gegen Berlin10./31.
13. Spieltag 3:3 in Wuppertal61./88./90.

Stuttgarter Zeitung

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen im Heimspiel gegen Dynamo Dresden – Regelung der Restkarten für den Gästebereich

Zum nächsten Heimspiel am kommenden Samstag, 8. November 2008 im GAZi-Stadion auf der Waldau erwarten die Stuttgarter Kickers die SG Dynamo Dresden. Da viele Fans des mehrmaligen DDR-Meisters und Pokalsiegers aus Dresden und aus ganz Süddeutschland angekündigt sind, rechnen die Kickers mit ca 2.500 Dynamo-Fans auf der Waldau.

Nach mehreren Besprechungsterminen mit den Stuttgarter Sicherheitsbehörden und dem DFB wurden in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen von Dynamo Dresden die Partie sicherheitstechnisch und organisatorisch vorbereitet. Hier finden Sie einige wichtige Informationen, um ein möglichst faires, ruhiges und spannendes Spiel unter dem Fernsehturm zwischen den beiden Traditionsvereinen zu erleben.

Stadionöffnung wird aufgrund der Zuschauererwartung bereits zwei Stunden vor Spielbeginn sein (12.00 Uhr). Die Stuttgarter Kickers bitten alle Fans rechtzeitig zum Spiel anzureisen und aufgrund der sehr begrenzten Parkplatzmöglichkeiten rund um das Stadion auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Die VVS wird mit Sonderzügen im 10-Minuten-Rhythmus mit der Stadtbahnlinie U7 zwischen Killesberg – Hauptbahnhof – Ostfildern verkehren. Für die Fans aus Dresden wird die Stadtbahnlinie U15 zwischen Mönchfeld / Zuffenhausen – Hauptbahnhof – Ruhbank / Fernsehturm bis zur Endhaltestelle Ruhbank / Fernsehturm empfohlen. Die Eintrittskarte berechtigt zur kostenlosen Fahrt mit allen VVS-Verkehrsmitteln (2.Klasse). Nach Spielende stehen zwei Entlastungszüge für den schnellen Abtransport Richtung Hauptbahnhof bereit.

Aufgrund der erhöhten Sicherheitslage werden an allen Stadionzugängen Personenkontrollen nach verbotenen Gegenständen durchgeführt. Wir bitten alle Zuschauer um Beachtung und Verständnis, dass es dadurch zu längeren Wartezeiten beim Betreten des Stadions kommen kann.

Nach intensiven Überlegungen und Planungen einigten sich die Stuttgarter Kickers und die Sicherheitsträger, den Block C auf der Gegentribüne als Pufferbereich zwischen den Kickers-Fans und den Dresden-Fans einzurichten. Die Stuttgarter Kickers bitten daher alle Dauerkartenbesitzer des Blocks C in den benachbarten Block B oder A zu stehen.
„Aufgrund der großen Anzahl zu erwartender Gästefans haben die Sicherheitsträger und wir uns darauf verständigt, den C-Block als Pufferbereich zwischen beiden Fanlagern einzurichten. Wir bitten unsere treuen Fans und Dauerkartenbesitzer im C-Block um Verständnis“, so Manager Joachim Cast. Als Dank für das Entgegenkommen erhalten diese Dauerkartenbesitzer im Kickers-Fanshop eine Stehplatz-Freikarte für ein Kickers-Heimspiel ihrer Wahl.

An die Fans von Dynamo Dresden: Insgesamt stehen den Fans aus Dresden 2.800 Tickets im Stehplatzbereich zur Verfügung. Die Dynamo-Geschäftsstelle hat 2.000 Tickets für den F-Block für den Vorverkauf erhalten. Die Tickets können noch bis Freitag, 7. November um 15 Uhr direkt in Dresden erworben werden. Sollte die Kapazität im F-Block nicht ausreichen, wird zusätzlich noch der D-Block mit einem Fassungsvermögen von 800 Plätzen geöffnet. Diese Tickets gibt es im Fanshop der Stuttgarter Kickers bis Freitag, 7. November um 15 Uhr gegen Vorlage eines amtlichen Lichtbild-Ausweises für alle Kartenkäufer. Die Stuttgarter Kickers bitten deshalb alle Dynamo-Fans aus dem Großraum Stuttgart, sich ihr Ticket bereits im Vorverkauf zu sichern.

Offizielle Homepage

StZ: Nachgefragt bei Joachim Cast

„So etwas wie ein Kultspiel“

Die Stuttgarter Kickers empfangen am Samstag (14 Uhr) in der dritten Fußballliga Dynamo Dresden. Das Spiel ist nicht nur wegen des letzten Tabellenplatzes der Kickers brisant, sondern auch unter Sicherheitsaspekten. „So ein Spiel hatten wir hier noch nie, was die Rahmenbedingungen angeht“, sagt der Kickers-Manager Joachim Cast im Gespräch mit Joachim Klumpp.

Herr Cast, am Samstag steht die Begegnung gegen Dynamo Dresden an. Ist denn da mit einem neuen Zuschauerrekord in dieser Saison zu rechnen, nachdem bereits zweitausend Karten an die Gäste aus Sachsen gegangen sind?

Das ist schwer zu sagen, im Moment sind in Dresden etwa 800 Karten verkauft. Aber erfahrungsgemäß kommen viele ihrer Fans ohne Karten, außerdem hat Dynamo etliche Anhänger hier im Umland, die sich die Karten vor Ort kaufen werden. Aber natürlich rechnen wir insgesamt mit mehr als 5000 Zuschauern, nachdem unsere Bestmarke gegen den VfB 5875 Besucher betragen hat.

Wie sehen die Sicherheitsbedingungen aus, nachdem die Dynamo-Anhänger vor kurzem bei der Partie in Jena aus der Rolle gefallen sind?

Wir hatten diesbezüglich letzte Woche bereits zwei Besprechungen mit den Behörden hier und noch einen Ortstermin am Donnerstag mit Vertretern des Deutschen Fußball-Bundes. Im Moment ist alles getan, was getan werden kann.

Wie sehen die Maßnahmen konkret aus?

Zunächst einmal wird der Ordnungsdienst bei uns auf rund 250 Mann aufgestockt, nachdem er normalerweise rund achtzig Leute umfasst. Dazu müssen zum Beispiel zusätzliche Dixi-Toiletten und Zäune im Gästeblock installiert werden.

Und wer übernimmt dafür die Kosten?

Für die Maßnahmen vor Ort ist die Stadt zuständig, aber es kann durchaus sein, dass auch auf den Verein noch Kosten zukommen. Da hoffen wir aber auf ein Entgegenkommen der Stadt – bisher haben wir immer eine Lösung gefunden.

Gab es denn bisher schon etwas Vergleichbares wie diese Partie?

So ein Spiel hatten wir hier noch nie – was die Rahmenbedingungen angeht. Es ist ja so, dass Dresden schon mal gegen die Kickers gespielt hat, aber noch zu Bundesligazeiten im damaligen Neckarstadion. In Degerloch waren sie noch nie – und offensichtlich ist das so etwas wie ein Kultspiel für die Fans.

Gibt es denn noch etwas Neues im Nachspiel zum Derby, das kurz unterbrochen werden musste?

Im Moment nicht. Wir – und auch der VfB – haben unsere Stellungnahme ja bereits am vergangenen Dienstag an den DFB geschickt. Ich denke, dass es diese Woche noch eine Entscheidung gibt – will jetzt aber nicht spekulieren, wie die ausfallen könnte.

Stuttgarter Zeitung

Vorberichte Wuppertaler SV – Stuttgarter Kickers

Geht es nach Edgar Schmitt müssen sich seine Stuttgarter Kickers heute im Auswärtsspiel beim Wuppertaler SV (19 Uhr) gar nicht besonders steigern, sondern genauso stark spielen wie in den letzten 65 Minuten am Dienstagabend beim 2:2 gegen Union Berlin. „Weil wir so gut waren, konnte Union nur schlecht spielen“, sagt der Kickers-Trainer: „So werden wir auch in Wuppertal erfolgreich sein und den ersten Sieg holen.“

Stuttgarter Zeitung

Schmitt riskiert seine Stimme
Kickers-Trainer redet seine Mannschaft vor dem Spiel in Wuppertal stark

Stuttgart – Die englische Woche in der dritten Fußball-Liga hat den Stuttgarter Kickers eine Niederlage und ein Unentschieden beschert. Als krönender Abschluss wäre ein Sieg herzlich willkommen, doch Gegner Wuppertal hat zuletzt eine erfolgreiche Miniserie gestartet.

VON JÜRGEN KEMMNER

Edgar Schmitts Stimme ist stark angegriffen. Das überrascht nicht: Die Stimmbänder des Kickers-Trainers sind in den vergangenen Wochen fast im Dauereinsatz – während der Spiele und besonders im Training. Der 45-Jährige muss seine Männer starkreden. „Es herrscht eine Verunsicherung im Team, ich muss die Jungs locker bekommen und ihnen die Angst nehmen.“ Der Coach geht vor der Partie am heutigen Freitag (19 Uhr) beim Wuppertaler SV mit bestem Beispiel voran und demonstriert Selbstbewusstsein satt. „Warum wird behauptet, wir seien beim 2:2 gegen Union Berlin nur deshalb so gut gewesen, weil die schlecht waren? Ich denke, dass wir wirklich stark waren.“

Mag sein. Allerdings haben nicht nur die Blauen ihre Psyche aufgefrischt, auch Wuppertal befindet sich im mentalen Höhenflug nach sieben Punkten in drei Spielen, darunter der Sieg in Paderborn. Der Wunsch, dass Wuppertal das Schlusslicht aus Degerloch unterschätzen möge, kommt Schmitt nicht in den Sinn. Wäre auch kontraproduktiv – wer seinem Team Lektionen in Sportpsychologie erteilt, geht selbstverständlich mit gutem Beispiel voran. „Wir vertrauen auf unser Potenzial und müssen nicht auf den Gegner schauen“, sagt der Coach.

Es mag ja zutreffen, dass Spiele vor allem im Kopf gewonnen werden, aber Fußball ist kein Schach, und deshalb geht“s ganz ohne Technik und Kondition nicht. Ziel Nummer eins für Schmitt: Die Kickers müssen über die vollen 90 Minuten auf dem Platz präsent sein. „Noch haben wir immer einen Durchhänger“, sagt er, „mal zu Beginn, mal gegen Ende – aber wir entwickeln uns in die richtige Richtung. Das geht nicht im Handumdrehen.“ Es dauert, bis Schmitts hartes Training erste positive Auswirkungen zeigt. Darüber hinaus stehen viele junge Spieler im Kader, die sich an die dünne Luft in der dritten Liga gewöhnen müssen. Der Lernprozess läuft auf psychischer und physischer Ebene, ein Sieg in Wuppertal würde ihn beschleunigen. Um den zu erreichen, riskiert Schmitt gern auch seine Stimme.

Stuttgarter Nachrichten

Beim Tabellen-13. Wuppertaler SV wollen die Stuttgarter an die zuletzt gegen Union Berlin (2:2) gezeigte Leistung anknüpfen. Trainer Edgar Schmitt will allerdings ein bis zwei Veränderungen in der Startformation vornehmen. Zum einen, um nach dem kraftraubenden Spiel am Dienstag die Belastungen innerhalb der Mannschaft „etwas umzuverteilen“ (Pressesprecher Frank Pfauth), zum anderen, um offensiver zu spielen. Schmitt plant mit einem 4-3-3-System statt dem bisherigen 4-2-2. Als dritter Stürmer wird wohl Orlando Smeekes ins Team rücken. In der Innenverteidigung könnte Jens Härter anfangen, der gegen Berlin für Marcel Rapp eingewechselt wurde. Ausfälle haben die Kickers, abgesehen von den Langzeitverletzten, keine zu beklagen.

So wollen sie spielen: Salz – Deigendesch, Mann, Härter, Landeka – Traut, Gambo, Rosen – Vaccaro, Schürg, Smeekes.

Eßlinger Zeitung

StZ: Ein Team mit zwei Gesichtern

Die Kickers zeigen in der dritten Liga keine Konstanz und warten weiter auf den ersten Saisonsieg

STUTTGART. Zwei völlig unterschiedliche Spielhälften haben die Stuttgarter Kickers am Dienstagabend gegen den Tabellenführer Union Berlin (2:2) gezeigt. Dieses Problem zieht sich schon durch die ganze Saison. Auch der neue Kickers-Trainer Edgar Schmitt ist ratlos.

Von Marco Seliger

Edgar Schmitt ist genervt gewesen. Schon eine halbe Minute lang klingelte im Presseraum nach dem Spiel gegen Union Berlin ein Handy, ohne dass jemand abgenommen oder den Anruf unterdrückt hätte. „Kann das jetzt mal jemand ausschalten, das ärgert mich“, sagte Schmitt. Das Handy verstummte, die Pressekonferenz war beendet und Schmitt konnte nach Hause gehen, um seine heiseren Stimmbänder auszukurieren. Wenn doch nur alles so einfach zu lösen wäre.

Die Probleme seiner Mannschaft sind im Gegensatz zu einem Handy nämlich nicht so einfach abzuschalten. Zwar spielten die Stuttgarter Kickers gegen den Tabellenführer aus Berlin eine Stunde lang sehr gut und erreichten nach dem 0:2-Rückstand noch das 2:2. Erschreckend war aber auch die desolate Vorstellung in der ersten halben Stunde. Die Kickers zeigen momentan in schöner Regelmäßigkeit zwei Gesichter in einem Spiel. Zu Beginn der Saison waren die Gegentore in den Schlussphasen noch das Problem, jetzt ist es die mangelnde Konstanz. Die Kickers spielen in einem Spiel erst desolat und dann überragend. Oder umgekehrt.

Bei Bayern München II führten die Stuttgarter 3:0, um dann in den letzten 20 Minuten noch einzubrechen und den Ausgleich zu kassieren. Im Derby gegen den VfB II erreichten die Kickers nach deprimierender erster Hälfte und dem 1:4-Rückstand noch ein 4:4. Bei den Offenbacher Kickers waren sie in der ersten Stunde spielbestimmend, brachen dann aber ein und mussten noch vier Gegentore hinnehmen. Und jetzt lief das Spiel gegen Berlin wieder nach umgekehrtem Strickmuster: erst schlecht, dann gut.

Der Kickers-Trainer Edgar Schmitt verweist bei kritischen Nachfragen gerne darauf, dass viele seiner Spieler aus der Oberliga gekommen sind und den höheren Rhythmus nicht gewohnt seien. Die Einstellung sei nicht das Problem, sagt Schmitt, auch nicht die Kondition wie zu Beginn der Saison: „Wir haben uns in den vergangenen Wochen psychisch und physisch weiterentwickelt und die Schlagzahl erhöht. Wir sind immer näher dran an einem Sieg.“ Der wird auch bald nötig sein – sonst verlieren die Kickers den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze. Nach zwölf Saisonspielen warten die Stuttgarter immer noch auf den ersten Sieg und sind mit fünf Punkten weiter Tabellenletzter.

Der starke Auftritt gegen Berlin nach der ersten halben Stunde sollte dabei Mut machen – auch wenn das Unentschieden sicher auch dadurch möglich wurde, dass die Berliner nach dem 2:0 viel zu lässig spielten. „Wir haben uns auf der sicheren Seite gewähnt und nur noch Hacke-Spitze-eins-zwei-drei gespielt, das geht einfach nicht“, sagte der Berliner Trainer Uwe Neuhaus. Man müsse sich in jedem Spiel die Punkte neu erarbeiten. Dass für die Berliner immerhin noch ein Punkt bei den Kickers herausgesprungen ist, verdanken sie neben einer starken Leistung des Torhüters Jan Glinker auch dem eingewechselten Kickers-Neuzugang Orlando Smeekes. Der hatte in der Nachspielzeit die große Chance zum 3:2. Smeekes lief von halbrechts allein auf Glinker zu und hätte in die Mitte zum besser postierten Benedikt Deigendesch passen müssen.

Der Trainer Edgar Schmitt hatte in der Vorwoche Smeekes“ zu komplizierte Spielweise kritisiert – gegen Berlin hätte ein einfacher Pass in die Mitte gereicht, um den Trainer milder zu stimmen. „Da hätte er rüberspielen müssen, das kann ich einfach nicht verstehen“, sagte Schmitt. Ob Smeekes morgen beim Wuppertaler SV die Chance bekommt, seine Sache besser zu machen, ist daher fraglich. Die Wuppertaler gewannen am Dienstag überraschend mit 1:0 beim Meisterschaftsfavoriten SC Paderborn.

„Wir müssen das Positive aus dem Berlin-Spiel mitnehmen“, sagte der Kickers Manager Joachim Cast. Das haben sich die Kickers in den vergangenen Wochen aber schon einige Male vorgenommen – und es nicht umsetzen können. „Wir können das schaffen, und wir werden es schaffen“, sagt Edgar Schmitt – was soll er auch sonst sagen. Der Trainer will bis zur Winterpause „17 oder 18 Punkte“ auf dem Konto haben. Dazu müssten die Kickers aus den verbleibenden acht Spielen mindestens vier gewinnen. Dazu braucht es aber dringend eines: Konstanz.

Stuttgarter Zeitung

Presse zu Stuttgarter Kickers – Union Berlin (2:2)

Kickers erkämpfen sich einen Punkt

Vaccaro schießt die Stuttgarter mit zwei Elfmetern zum 2:2 gegen den Tabellenführer Union Berlin

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers haben gegen den Spitzenreiter der dritten Liga, Union Berlin, nach einem 0:2-Rückstand noch ein 2:2 erreicht. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte der Stuttgarter Torschütze Angelo Vaccaro.

Von Marco Seliger

Es hat wohl kaum jemanden gegeben, der nach dieser ersten halben Stunde damit gerechnet hatte, dass die Stuttgarter Kickers noch einmal zurückfinden würden in dieses Spiel gegen den Spitzenreiter Union Berlin. Karim Benyamina hatte in den ersten 30 Minuten zwei Tore für die Berliner erzielt, außerdem spielte Union eine Klasse besser als die Gastgeber. Doch Angelo Vaccaro schaffte es mit seinen beiden verwandelten Foulelfmetern, dass die Serie des Tabellenführers nach vier Siegen in Folge riss – und das ausgerechnet beim Schlusslicht in Stuttgart. „Wir sind auf dem richtigen Weg. Irgendwann werden wir das Quäntchen Glück haben und so ein Spiel mit einem Tor Unterschied gewinnen“, sagte Vaccaro.

Zunächst sah jedoch alles nach einem klaren Favoritensieg aus: Berlin spielte schnell nach vorne, und die Kickers-Defensive war überfordert. Schon nach neun Minuten hätte Marco Gebhardt fast die Berliner Führung erzielt. Eine Minute später war es dann so weit. Nach einer Kombination über die linke Seite passte Gebhardt in die Mitte, wo Karim Benyamina das 1:0 erzielte.

Es war erschreckend, wie bieder die Kickers zunächst nach vorne spielten und wie unsicher die Defensive stand. Nach zwei ungenutzten Berliner Torchancen machte Benyamina nach einer halben Stunde sein zweites Tor. Wieder hatte Gebhardt den Treffer vorbereitet, der Außenverteidiger Benedikt Deigendesch war überfordert mit dem doppelten Vorlagengeber. Erste Pfiffe der Zuschauer waren zu hören. Den Kickers drohte ein Debakel. „Wir haben schlecht angefangen und waren ähnlich naiv wie beim 0:4 in Offenbach. Das darf nicht passieren“, sagte der Kickers-Trainer Edgar Schmitt.

Nach 35 Minuten erzielten die Stuttgarter dann aber völlig unerwartet den Anschlusstreffer. Angelo Vaccaro traf per Elfmeter zum 1:2, nachdem Daniel Göhlert den Stuttgarter Kapitän Alexander Rosen im Strafraum gefoult hatte. Die Kickers spielten jetzt wie ausgewechselt und brachten die nun wackelige Berliner Defensive in Bedrängnis. „Nach dem Anschlusstreffer haben wir wieder Luft bekommen und waren dann kämpferisch gut dabei“, sagte Schmitt. Nur sieben Minuten nach dem ersten Elfmeter gab es schon den nächsten: Der Berliner Macchabe Younga-Mouhani hatte Bashiru Gambo von hinten angerempelt. Der nahm die Einladung an, fiel zu Boden – und bekam den Strafstoß. Wieder trat Vaccaro an, und wieder traf er.

Die zweite Hälfte begann dann so, wie die erste aufgehört hatte – mit den Kickers im Vorwärtsgang. Vaccaro traf nach 47 Minuten die Latte. Der Berliner Daniel Göhlert schoss dann nach einer Stunde freistehend am Tor vorbei. Orlando Smeekes hatte in der Nachspielzeit die große Chance zum Siegtreffer für die Kickers. Er lief alleine auf das Tor zu, scheiterte aber an Glinker.

Stuttgart: Salz – Deigendesch, Mann, Rapp (63. Härter), Landeka – Traut (72. Smeekes), Rosen, Gambo (67. Kettemann), Ortlieb – Schürg, Vaccaro.

Berlin: Glinker – Göhlert, Stuff, Kohlmann – Younga-Mouhani, Menz – Mattuschka – Dogan (78. Bönig), Gebhardt – Patschinski (77. Jahn), Benyamina.

Schiedsrichter: Stieler (Obertshausen).

Tore: 0:1 Benyamina (10.), 0:2 Benyamina (31.), 1:2 Vaccaro (35., Foulelfmeter), 2:2 Vaccaro (42., Foulelfmeter).

Stuttgarter Zeitung

2:2 – Vaccaro behält die Nerven

Zwei Elfmeter-Tore des Kickers-Stürmers gegen Tabellenführer Union Berlin

Stuttgart – Zum ersten Sieg unter Edgar Schmitt hat es nicht gereicht, aber das 2:2 gegen Spitzenreiter Union Berlin war ein deutlicher Schritt nach vorne. „Das Team wird immer besser und fitter“, sagte der Trainer des Drittligisten Stuttgarter Kickers zufrieden, „ich bin zuversichtlich, dass wir bald den ersten Dreier machen.“

VON JÜRGEN KEMMNER

Die Kickers-Kogge dümpelt derzeit vor sich hin, und dann geht auch noch der Kapitän von Bord – zumindest vorübergehend. Präsident Dirk Eichelbaum macht Urlaub in Portugal. Das hatte am Dienstagabend den Vorteil, dass er seine Nerven schonen konnte. Doch Eichelbaum verpasste auch eine gute Leistung seiner Mannschaft. „Das waren zwei Punkte zu wenig“, meinte Mittelfeldmann Alexander Rosen, „wir haben den Tabellenführer eine Stunde lang beherrscht.“

Ganz so war es nicht, doch Rosen stand noch unter dem Eindruck der letzten Minute. Der eingewechselte Orlando Smeekes war alleine auf das Union-Tor zugelaufen, doch anstatt quer auf Kollege Benedikt Deigendesch zu passen, versuchte er es eigensinnig selbst – und scheiterte an Torwart Jan Glinker. „Den Ball muss er rüberlegen“, ärgerte sich Schmitt, „dann gewinnen wir.“

Dabei hatte es zunächst überhaupt nicht danach ausgesehen, als sollten die Kickers gegen die seit zehn Spielen ungeschlagenen Gäste eine Chance haben. Union trat auf wie ein Spitzenreiter: selbstbewusst, ideenreich, technisch stark. Die Blauen sahen nur die Hacken ihrer Gegenspieler, vor allem Deigendesch war völlig überfordert. Immer wieder kamen die Berliner über seine rechte Abwehrseite durch – und auf diesem Weg auch zu zwei Toren (10./31.). Karim Benyamina verwertete jeweils Flanken des bis dahin überragenden Marco Gebhardt.

Die Kickers? Mussten sich Pfiffe von den eigenen Fans anhören, die ein Debakel befürchteten. Doch die Blauen schlugen zurück, wenn auch mit Glück. In einem Laufduell brachte Daniel Göhlert völlig unnötig Alexander Rosen zu Fall, Angelo Vaccaro verwandelte den Elfmeter souverän (35.). Und der Kickers-Stürmer behielt auch sechs Minuten später beim nächsten Strafstoß die Nerven. Niemand wusste, ob Schiedsrichter Tobias Stieler (Obertshausen) ein Handspiel oder ein Foul von Christian Stuff gesehen hatte. Vaccaro war“s egal, die Kickers jubelten – so unverhofft haben sie noch selten einen Rückstand egalisiert.

Es blieb beim 2:2, nachdem beide Mannschaften in der ausgeglichenen zweiten Hälfte gute Chancen vergeben hatten. Die beste bot sich Orlando Smeekes.

Stuttgarter Nachrichten

Nahe dran

Drittligist Stuttgarter Kickers schafft gegen den Tabellenführer 1. FC Union Berlin nach einem 0:2 noch ein 2:2

Stuttgart – Es hat für den Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers zwar auch im zwölften Anlauf nicht zum ersten Saisonsieg gereicht, aber der Tabellenletzte verbuchte einen bemerkenswerten Achtungserfolg und trotzte dem Spitzenreiter 1. FC Union Berlin nach einem 0:2-Rückstand ein 2:2 (2:2) ab. Beide Tore der „Blauen“ erzielte Angelo Vaccaro jeweils per Foulelfmeter.

Von Beate Wockenfuß

Den Punkt haben sich die Kickers verdient, weil sie nach dem 0:2-Rückstand nicht aufgaben und in der zweiten Hälfte die aktivere Mannschaft waren. Die Formkurve zeigt nach oben. Das sah auch Trainer Edgar Schmitt so, der die Mannschaft „auf einem guten Weg und nahe dran“ sieht. Allerdings monierte er auch, dass die Kickers „sehr schlecht angefangen“ und die beiden Gegentore durch individuelle Fehler kassiert haben. Nach 32 Minuten hieß es schon 0:2. Karim Benyamina brachte den Tabellenführer nach Marco Gebhardts Flanke per Kopf in Führung (10.). Der zweite Treffer fiel nach dem selben Muster: Flanke Gebhardt, Kopfball Banyamina – Tor. Die Berliner hatten bis dahin die klar bessere Spielanlage und waren kombinationssicherer, während bei den Kickers wenig zusammenlief. Das änderte sich, als Angelo Vaccaro einen Foulelfmeter zum 1:2 verwandelte (35.). Zuvor hatte Daniel Göhlert Alexander Rosen zu Fall gebracht. Die Kickers machten Druck, und ein weiterer Elfmeter brachte den Ausgleich. Macchabe Younga-Mouhani hatte Bashiru Gambo gefoult – Vaccaro verwandelte sicher (42.).Die Kickers blieben nach dem Wechsel tonangebend und wollten sich unbedingt den ersten Saisonsieg erkämpfen. Sie spielten mutiger und hatten Pech, dass Vaccaros Heber auf die Latte klatschte (48.). Auf der anderen Seite vergab Thorsten Mattuschka eine Riesenchance der Berliner. In der Schlussphase hatte Orlando Smeekes noch eine Möglichkeit für die Kickers, doch Torwart Jan Glinker parierte. „Die zweite Hälfte war richtig gut. Da hat das Stadion uns gehört“, meinte Schmitt.

Stuttgarter Kickers: Salz – Deigendesch, Mann, Rapp (63. Härter), Landeka – Traut (71. Smeekes), Ortlieb, Gambo (66. Kettemann), Rosen – Vaccaro, Schürg.

1. FC Union Berlin: Glinker – Menz, Stuff, Göhlert – Younga- Mouhani, Kohlmann – Mattuschka, Dogan (79. Bönig), Gebhardt – Patschinski (78. Jahn), Benyamina.

Schiedsrichter: Stieler (Obersthausen).

Zuschauer: 3630.

Tore: 0:1 Benyamina (10.), 0:2 Benyamina (31.), 1:2 Vaccaro (35./Foulelfmeter), 2:2 Vaccaro (42./Foulelfmeter).

Gelbe Karten: Gambo, Landeka / Göhlert, Dogan, Menz.

Beste Spieler: Vaccaro, Salz / Gebhardt, Benyamina.

Eßlinger Zeitung

Riesenspiel! Vaccaro rettet die Blauen

Kickers schaffen nach 0:2 noch 2:2 gegen Spitzenreiter
Von KLAUS HENRICH

Auch im 3. Heimspiel unter Edgar Schmitt schafften die Stuttgarter Kickers vor 3700 Fans wieder ein Unentschieden. Das 2:2 (2:2) gegen Spitzenreiter Union Berlin allerdings war hochverdient. Schmitt: „Wir waren im zweiten Durchgang mit Herz und Leidenschaft dabei.“

Was man in der ersten halben Stunde nicht sagen konnte. Berlin diktierte das Spiel und führte durch zwei Treffer durch Karim Benyamina (10./30.) mit 2:0. Die Innenverteidigung der Blauen war total überfordert.

Dann aber wachten die Kickers auf, machten mehr Druck! Mit Erfolg: Angelo Vaccaro verwandelt einen Elfer (Foul an Rosen) – 1:2 (35.). Und nochmal Vaccaro: Gambo wird im Strafraum gelegt, Vaccaro verwandelt den Strafstoß (42.)!

Die Blauen in der Folge wie verwandelt. Vaccaro rasiert in seinem stärksten Spiel mit einem Heber die Querlatte (50.).

Für die Blauen das Zeichen zu einem Sturmlauf. Der dritte Treffer lag in der Luft. Doch statt zu einem der beiden mitgelaufenen Mitspieler zu passen, will‘s der eingewechselte Orlando Smeekes alleine machen und scheitert am Berliner Keeper Glinker (90.).

BILD

Vorberichte: Stuttgarter Kickers – 1. FC Union Berlin

Kickers-Startelf unverändert

Schmitt glaubt an die Wende
STUTTGART (scha). Vor dem Heimspiel heute (19 Uhr) gegen den Tabellenführer Union Berlin geben sich die Stuttgarter Kickers kämpferisch. Auf der Internetseite des Fußball-Drittligisten prangt neben dem Foto des Gazi-Stadions in Degerloch groß der Schriftzug: „Kein Berliner Regierungsviertel, hier regiert der SVK!“ Auch der Kickers-Trainer Edgar Schmitt sagt: „Ich bin optimistisch. Warum sollten wir nicht gegen Union unser erstes Ligaspiel gewinnen? Wir werden jedenfalls alles probieren.“

Doch die Vorzeichen sehen nicht allzu rosig aus für den Tabellenletzten. Die abwehrstarken Berliner reisen als frischgebackener Spitzenreiter an, haben die vergangenen vier Spiele gewonnen und stellen mit 21 Toren aus elf Partien zudem den zweitbesten Sturm der Liga. Und gerade in der Defensive hatten die Kickers zuletzt die größten Probleme. Trotz der enttäuschenden zweiten Hälfte beim 0:4 in Offenbach sowie den zwölf Gegentoren in vier Partien wird Schmitt seine Startformation aber nicht ändern: „Wir haben am Samstag 60 Minuten lang gut gespielt, daher werde ich nicht umstellen.“

Der Kickers-Trainer setzt vielmehr auf knallharte Fehleranalyse. „Ich habe den Spielern im Training gezeigt, was sie alles falsch gemacht haben“, sagt er und ergänzt „wenn wir unsere Grundordnung halten, haben wir auch als krasser Außenseiter eine Chance.“ Schmitt weiß jedoch ebenso, dass seine Mannschaft nach elf sieglosen Partien unbedingt ein Erfolgserlebnis braucht.

Stuttgarter Zeitung

Das eiserne Bollwerk
Dank einer starken Abwehr kommt Union Berlin als Tabellenführer der dritten Liga nach Stuttgart

BERLIN. Union Berlin ist so etwas wie die Mannschaft der Stunde in der dritten Fußballliga. Seit zehn Spielen ist das Team von Uwe Neuhaus ungeschlagen. Heute gastiert Union beim Tabellenletzten Stuttgarter Kickers.

Von Matthias Koch

Die Spieler des 1. FC Union Berlin dürften gestern noch immer ziemlich euphorisiert aus dem Flugzeug in Echterdingen gestiegen sein. Am Samstag stürzte die Mannschaft nämlich den SC Paderborn vom ersten Tabellenplatz der dritten Liga. „Das war eindeutig mein schönster Sieg mit Union. Die Art und Weise, wie die Mannschaft den 0:2-Rückstand in Unterzahl noch umgedreht hat, war beeindruckend“, sagte der Trainer Uwe Neuhaus nach dem 3:2-Erfolg über Paderborn.

Union hat in Liga drei zurzeit so etwas, was man im Sport gerne als Lauf bezeichnet. Die Berliner sind seit zehn Spielen ungeschlagen, und die vergangenen vier Partien entschieden sie allesamt für sich. Zusammen mit Fortuna Düsseldorf stellen die Eisernen mit lediglich neun Gegentoren die beste Abwehr der dritthöchsten Spielklasse. Obwohl das Wort Aufstieg beim letztjährigen Tabellenvierten der Regionalliga Nord in den vergangenen Wochen zu den Tabubegriffen gehörte, äußerten sich nach der Aufholjagd gegen Paderborn auch die Verantwortlichen etwas forscher. „Wenn man die zweite Hälfte gesehen hat, weiß man, was in der Truppe steckt. Ich traue ihr alles zu“, jubelte der Präsident Dirk Zingler. Auch der Trainer Neuhaus, der als Meister des Understatements bekannt ist, kam – zumindest verbal – mal ein bisschen aus sich heraus. „Das Paderborn-Spiel war ein kleiner Schritt auf einem sehr langen Weg. Dass wir möglichst oben bleiben wollen, ist doch klar. Nur mal Erster zu sein reicht uns nicht“, erklärte der 48-Jährige.

Ein bisschen werden die Köpenicker nun auch für ihre nachhaltige Einkaufspolitik belohnt. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten verlor Union bis auf Guido Spork keinen Stammspieler. Und die Neuzugänge Patrick Kohlmann (Rot-Weiß Erfurt) und Hüzeyfe Dogan (SV Wuppertal) ergänzen ideal das Ensemble einer eingespielten Truppe, in der es viele erfahrene Akteure gibt. Michael Bemben, Shergo Biran, Marco Gebhardt, Torsten Mattuschka, Macchambes Younga-Mouhani und Nico Patschinski waren früher alle in der ersten Liga zu finden. Sebastian Bönig, Hüzeyfe Dogan, Jan Glinker, Daniel Göhlert, Dustin Heun und Christian Stuff liefen zudem schon in der zweiten Liga auf.

Die Ausgeglichenheit des Kaders ist sicherlich auch finanziell bedingt. Namhafte Stars kann sich der 1. FC Union, der auch aus wirtschaftlichen Gründen auf das Wintertrainingslager in der Türkei verzichten wird, nicht leisten. Dennoch mussten langjährige Stammspieler wie Sebastian Bönig, Christian Stuff, Torsten Mattuschka oder Nico Patschinski schon mehrfach auf der Ersatzbank Platz nehmen. „Wir haben auf jeder Position einen großen Konkurrenzkampf. Damit wird das Training auf hohem Niveau gehalten“, sagt der Sportchef Christian Beeck. Union überbrückte somit ohne größere Probleme den Ausfall der Langzeitverletzten Dustin Heun und Daniel Schulz sowie die zwischenzeitlichen Blessuren von Stammkräften.

Beim Spiel in Stuttgart wird sich heute nun zeigen, ob der neue Tabellenführer vom Rausch des Spitzenspiels gegen Paderborn auf den nüchternen Ligaalltag beim Tabellenletzten umschalten kann. Karim Benyamina, der in den vergangenen zwei Partien drei Tore erzielte, will eine Blamage bei den Kickers aus gutem Grund verhindern: „Wenn wir nicht gewinnen, waren die Punkte gegen Paderborn umsonst.“

In der Fremde haben die Berliner jedoch nur zum Auftakt beim FC Bayern II (1:2) verloren. Und im Prinzip spielt der Verein in der Phase des Umbaus des Stadions Alte Försterei, an dessen Modernisierung seit Juni über 800 Anhänger ehrenamtlich beteiligt sind, bis Ende 2008 immer auswärts. Dass der ungeliebte Jahn-Sportpark, die frühere Heimstätte des Erzrivalen BFC Dynamo, mal zur Goldgrube für Union werden würde, hatte aber wohl kein einziger Fan auf der Rechnung. Dort ging keine der sechs Heimpartien verloren. „Ich kann es nicht erklären. Irgendetwas ist da, was uns immer punkten lässt“, sagt der Angreifer Karim Benyamina. Für den Trainer Uwe Neuhaus hängt die Erfolgsgeschichte seiner Elf aber nicht mit dem Jahn-Sportpark zusammen: „Wir spielen einfach eine gute Serie, die wir auch in der Alten Försterei geschafft hätten.“

Stuttgarter Zeitung

Kickers: Optimismus statt Trübsal
Tabellenführer Union Berlin zu Gast auf der Waldau – Schmitt: „Gute Chancen“

Stuttgart – Bei Fußball-Drittligist Kickers herrscht keine Weltuntergangsstimmung. Auch nicht nach der 0:4-Pleite in Offenbach. Klar ist aber: Der erste Sieg muss her. Am besten schon am heutigen Dienstagabend (19 Uhr). Zu Gast ist aber ausgerechnet Tabellenführer Union Berlin.

VON JULIA RAPP

Am Montagvormittag vor dem Training nahm sich Edgar Schmitt seine Kicker noch einmal zur Brust. Eine halbe Stunde führte er ihnen die Lehren aus der Partie gegen Offenbach vor Augen: „Wir müssen die Ordnung besser halten, als Team auftreten, jeder muss das abrufen, was er kann“, sagte er. Danach war die 0:4-Pleite vom Samstag endgültig abgehakt.

„Natürlich waren wir alle maßlos enttäuscht, aber das ist vergessen“, betonte Schmitt, „jetzt blicken wir optimistisch nach vorne.“ Nach vorne heißt in diesem Fall auf das Heimspiel im Gazistadion auf der Waldau am heutigen Dienstagabend. Der Gegner des Tabellenschlusslichtes ist Union Berlin, der derzeitige Spitzenreiter.

„Wenn jeder das abruft, was er kann, haben wir gute Chancen, gegen Union zu bestehen. Das Potenzial ist da“, gab sich Schmitt am Tag vor der Partie optimistisch. Es wäre ein überaus wichtiger Sieg für die Blauen. Fünf Punkte sind die Kickers derzeit von einem Nichtabstiegsplatz entfernt. „Das ist schwierig, aber machbar. Es nützt nichts, Trübsal zu blasen“, sagte Manager Achim Cast, und der Trainer fügte hinzu: „Wenn wir zweimal gewinnen, sind wir wieder dabei.“ Bei weiteren Niederlagen allerdings könnte sich der Abstand bedrohlich vergrößern. Doch daran möchte in Degerloch derzeit niemand denken.

Auch gegen den Tabellenführer, der über den zweitbesten Sturm der Liga verfügt (21 Tore), will Schmitt an seiner offensiven Taktik festhalten. „Wir werden so auflaufen wie gegen Offenbach“, sagte der Trainer. Mut machen ihm die guten 60 Minuten vom vergangenen Samstag. Gegen Union Berlin dürfen es heute Abend gerne auch 90 sein.

Stuttgarter Nachrichten

Kein Grund zur Panik

Tabellenschlusslicht Stuttgarter Kickers empfängt heute voller Zuversicht den Spitzenreiter 1. FC Union Berlin

Stuttgart (bw) – Auch nach der siebten Niederlage im elften Spiel ist der Optimismus bei Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers ungebrochen. „Wir haben nichts zu verlieren“, freut sich Trainer Edgar Schmitt auf die heutige Partie (19 Uhr) gegen den 1. FC Union Berlin. (…)

Stuttgarter Kickers
Nichts zu verlieren, ist so nicht ganz richtig. Bisher ist der Abstand des Tabellenschlusslichts zu den Nichtabstiegsplätzen mit fünf Punkten zwar konstant geblieben. Aber lange können sich die Kickers nicht mehr darauf verlassen, dass die direkte Konkurrenz ebenfalls nur selten punktet. „Es ist doch noch nichts passiert“, meinte Schmitt gestern erneut betont gelassen. Er spüre keinen Druck, erklärte er. Und Manager Joachim Cast unterstützte diese Taktik: „Es nützt doch nichts, jetzt Trübsal zu blasen. Die Situation ist schwierig, aber nicht unlösbar.“ Dass heute ausgerechnet der frischgebackene Spitzenreiter aus der Hauptstadt mit breiter Brust anreist, schreckt Schmitt nicht. Zuversicht schöpft er aus der Vorstellung der „Blauen“ in den ersten 60 Minuten bei der 0:4-Pleite gegen Kickers Offenbach: „Da haben wir richtig gut gespielt.“ Was danach allerdings passierte („Das war sehr schlecht.“), war gestern Thema der extra einberufenen Mannschaftssitzung vor dem Training. „Es gab einiges zu bereden“, berichtete Schmitt vielsagend. Und das Ergebnis der 25-minütigen Aufarbeitung der Geschehnisse? „Wir müssen optimistisch weitermachen, dann werden wir sicher bald den ersten Sieg einfahren.“ Heute im Gazi-Stadion vertraut der Coach auf dieselben Spieler, die in Offenbach in der Startelf standen. „Ich hoffe, dass sie diesmal länger durchhalten“, erklärt er die neue Bewährungschance. Weiterhin ausfallen werden Franco Petruso (Reha nach Knieverletzung), Sasa Janic und Jörn Schmiedel (beide Schambeinentzündung).

So wollen sie spielen: Salz – Deigendesch, Mann, Rapp, Landeka – Traut, Rosen, Gambo, Ortlieb – Schürg, Vaccaro.

Eßlinger Zeitung

Euro-Eddy: Ist sein Zauber schon verflogen?

Von KLAUS HENRICH
Die Stuttgarter Kickers heute gegen Spitzenreiter Union Berlin (19 Uhr, Gazi-Stadion). Da droht die nächste Pleite für das Schlusslicht von der Waldau…

Besonders für den neuen Trainer, Edgar Schmitt (45), steht viel auf dem Spiel. Denn der Effekt, den sich die Blauen von seiner Verpflichtung erhofft hatten, hat bislang nicht eingesetzt.

Drei Unentschieden und zuletzt die deftige 0:4-Packung in Offenbach – so lautet Schmitts durchwachsene Bilanz. Kriegt Euro-Eddy heute die Kurve? Oder ist sein Zauber etwa schon nach fünf Spielen verflogen?

Manager Joachim Cast glaubt an den Trainer: „Wir haben eine Niederlage erlitten, trotzdem haben wir unter ihm deutliche Fortschritte gemacht, vor allem im Offensivspiel. Was fehlt, ist ein Erfolgserlebnis.“

Ob‘s ausgerechnet heute gegen den Ersten klappt?

Da will sich auch Cast nicht festlegen. Aber Schmitt ist nach einer Mannschaftsaussprache fest entschlossen, im elften Saisonspiel endlich den ersten Dreier einzufahren.

Er baut weiter auf volle Offensive, lässt mit drei Spitzen (Vaccaro, Schürg, Traut) angreifen.

Schmitt: „Wir spielen zu-hause, deshalb müssen wir das Spiel machen.“

BILD

Presse zu Offenbacher Kickers – Stuttgarter Kickers (4:0)

Bei den Kickers brechen alle Dämme

Die Offenbacher nutzen Stuttgarts Defensivschwächen nach der Pause aus und gewinnen 4:0

OFFENBACH. Die Stuttgarter Kickers warten in der dritten Liga nicht nur weiter auf den ersten Sieg, am Samstag haben sie mit dem 0:4 (0:0) in Offenbach auch noch die höchste Saisonniederlage kassiert. „Nach dem Rückstand haben wir die Ordnung verloren“, sagte der Trainer Edgar Schmitt.

Von Joachim Klumpp

Was haben ein Lukas Podolski, Massimilian Porcello, Andrej Woronin – und Mirnes Mesic gemeinsam? Sie jubeln nicht mehr nach ihren Toren, zumindest nicht immer. Und zwar dann nicht, wenn es gegen ihren Exverein geht. Egal, ob in der Bundesliga mit Bayern, Karlsruhe und Hertha, oder in der dritten Liga mit Offenbach, wo Mesic am Samstag gegen die Stuttgarter Kickers zum 4:0-Sieg einen Treffer beisteuerte und zwei weitere vorbereitete. Jubel verboten.

Doch mehr Rücksicht konnte Mesic, der lange bei den Schwaben gespielt hat und im Sommer als Zugang im Gespräch war, nicht nehmen. Nach dem Abpfiff sagte er: „Diese Chancen konnte ich nicht auslassen, auch wenn es mir leid tut, dass die Kickers da unten sind.“ Letzter, nach wie vor. Dabei sah es zur Pause nicht danach aus, als die Kickers (aus Offenbach) mit Pfiffen in die Kabine begleitet wurden. Die Kickers (aus Stuttgart) hätten führen können, ja müssen, wenn Sascha Traut, Michael Schürg oder Benedikt Deigendesch ihre Chancen genutzt hätten – so wie Steffen Haas kurz nach der Pause. „Cool“, sagte selbst Stuttgarts Trainer Edgar Schmitt. Danach, spätestens aber beim 0:2 brachen bei den Kickers alle Dämme. „So darf man die Ordnung im Spiel nicht verlieren“, ärgerte sich Schmitt. Zumal die vor der Pause vorhanden war, durch geschicktes Verschieben im Mittelfeld – Alexander Rosen und Markus Ortlieb defensiv, Bashiru Gambo und Sascha Traut offensiv – wurde der Gegner immer wieder zu Fehlern gezwungen, weshalb sich die Freude des Offenbachers Trainers Hans-Jürgen Boysen „in Grenzen hielt“.

Die von Schmitt erst recht, nach so einer „Klatsche“, wie er selbst sagte. Sicher ist es erfreulich, dass die Mannschaft unter „Euro-Eddy“ im Spiel nach vorne dazugelernt hat, doch das Defensivverhalten ist in dieser Form nicht drittligatauglich. Und mit nun zwölf Gegentreffern in vier Spielen wird der Klassenverbleib zur Illusion. „Gerade im Abstiegskampf ist es wichtig, dass man hinten gut steht“, sagt der Manager Joachim Cast. Doch ähnlich wie schon zuvor gegen den VfB Stuttgart II nutzte der Gegner die Verwirrung nach dem 0:1 aus. Hier muss korrigiert werden, möglicherweise in der Hinsicht, dass nach einem Rückstand erst einmal Ruhe ins Spiel kommt, anstatt zu versuchen, postwendend den Ausgleich, den Anschluss- oder auch nur den Ehrentreffer zu markieren.

Zumal wenn dann noch ein Orlando Smeekes in Aktion tritt, der auf dem Bieberer Berg an ein Boxauto erinnerte; immer volle Pulle nach vorne, aber ohne Rückwärtsgang. So konnte der – neben Mesic – überragende Stefan Zinnow auf der rechten Seite schalten und walten, wie er wollte, „ihn haben wir nie in den Griff bekommen“, gab Cast zu. Nur zur Erklärung: der Ex-Elversberger hat bis jetzt, ähnlich wie Mesic, keine überragende Saison beim Zweitligaabsteiger, doch die Einladung der Stuttgarter Abwehr konnte niemand ausschlagen. Dabei gab Schmitt zu: „Die Mannschaft war nicht ausgepowert – aber das ist auch eine Frage der Qualität.“

Wobei im genannten Mittelfeld durchaus geballte Erfahrung vorhanden war, schwieriger sieht es auf den Außenverteidigerpositionen aus, auf denen Benedikt Deigendesch und Josip Landeka zeitweilig überfordert wirkten; und der nominelle Torjäger Angelo Vaccaro rennt auch unter dem neuen Trainer seiner Form her. „Schade“, sagte Schmitt, der schon nach seinem ersten Spiel angekündigt hatte: „Irgendwann kommen Mannschaften, mit denen wir auf Augenhöhe sind.“ Ob er damit Spitzenreiter Union Berlin meinte? Der gastiert morgen in Degerloch – Siegen ist trotzdem nicht verboten.

Offenbach: Wulnikowski – Damm, Heitmeier, Hysky, Kokocinski – Huber, Haas (82. Schutzbach) – Zinnow, Fröhlich (40. Morys), Tosunoglu (46. Baier) – Mesic.

Stuttgart: Salz – Deigendesch, Mann, Rapp, Landeka (75. Kettemann) – Rosen, Ortlieb (75. Kacani) – Traut, Gambo – Schürg, Vaccaro (56. Smeekes).

Stuttgarter Zeitung

Kickers läuft die Zeit davon

Nach 0:4 in Offenbach muss erster Sieg her – Union Berlin nächster Gegner

Stuttgart – Nach drei Unentschieden in Folge hat Edgar Schmitt, der neue Trainer der Stuttgarter Kickers, beim 0:4 (0:0) bei den Offenbacher Kickers die erste Niederlage kassiert.

VON JÜRGEN KEMMNER

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt. Zur Pause hätte der Stuttgarter Drittligist nach einer überzeugenden Darbietung mindestens 2:0 führen müssen, nach dem 0:2 brach das Team völlig auseinander und kassierte eine Klatsche. Die Blauen hatten wenigstens Glück im Unglück: Noch immer beträgt der Abstand auf die Nichtabstiegsränge fünf Zähler – aber es drängt die Zeit: Die Kickers haben den ersten Sieg so nötig wie die angeschlagenen Banken das Rettungspaket der Bundesregierung.

„Die erste Hälfte war das Beste, seit ich bei den Kickers bin“, sagte Edgar Schmitt, „aber im Abschluss und vom 0:2 an in der Abwehr haben wir uns zu naiv angestellt.“ Naiv – einige Spieler sind den Anforderungen der Liga nicht immer gewachsen. Der Coach räumte selbst ein, dass „manchen Akteuren die nötige Härte noch fehlt“. Da das Budget es kaum erlaubt, Verstärkungen in der Winterpause zu holen, muss Schmitt seinen Kader auf Ligareife trimmen. Doch das kostet Geduld, Spucke und Zeit – aber Zeit ist genau das Gut, von dem die Blauen wahrscheinlich noch weniger besitzen als Geld.

Mit jedem Spieltag besteht bei einer Niederlage die Angst, dass die Kickers vom rettenden Ufer wegtreiben. „Die Spieler zu entwickeln ist ein Prozess, das geht nicht mit Brachialgewalt“, sagte der 45-Jährige. Eine Gratwanderung für Schmitt – nicht mit dem Vorschlaghammer, auch nicht mit Samthandschuhen bringt er den Kickers-Motor zum Laufen. Je länger das Erfolgserlebnis ausbleibt, umso kleiner wird das Selbstvertrauen der Spieler, umso größer die Nervosität im Umfeld. Noch herrscht Ruhe. Mut machte den Blauen Ex-Trainer Hans-Jürgen Boysen, nun in Offenbacher Diensten: „Wenn die Kickers zu Hause so auftreten wie in der ersten Hälfte bei uns, gelingen ihnen noch viele Siege.“ Am Dienstag (19 Uhr) ist Tabellenführer Union Berlin im Gazistadion zu Gast. Es gibt leichtere Aufgaben.

Stuttgarter Nachrichten

„Das hat auch etwas mit Qualität zu tun“

Die Stuttgarter Kickers kassieren in Offenbach eine herbe 0:4-Niederlage

Offenbach (bw) – Die Stuttgarter Kickers bleiben der zuverlässigste Punktelieferant in der dritten Fußball-Liga: Das deftige 0:4 (0:0) bei Kickers Offenbach war die siebte Niederlage im elften Saisonspiel.

Damit sind die Stuttgarter weiterhin das einzige Team in den drei Profi-Ligen, dem noch kein Sieg in der neuen Spielzeit gelungen ist. Trainer Edgar Schmitt war nach der ersten Pleite unter seiner Regie entsprechend bedient. „So darf man einfach nicht die Ordnung verlieren“, schimpfte er und fügte hinzu: „Das hat auch etwas mit Qualität zu tun.“ Der enttäuschte Coach diag­nostizierte bei seinen Schützlingen „Naivität“ – in der ersten Hälfte im Angriff, in der zweiten Hälfte auch in der Abwehr.Denn bis zur Pause machten eigentlich die Kickers aus Schwaben das Spiel, erarbeiteten sich mehrere gute Chancen, scheiterten aber stets beim Abschluss. „Das war die beste erste Hälfte in meiner Zeit bei den Kickers. Da hätten wir das Tor machen müssen“, haderte Schmitt.Das rächte sich kurz nach Wiederanpfiff. Steffen Haas sorgte für die Offenbacher Führung (49.), die Stefan Zinnow auf 2:0 (67.) ausbaute. Dann leisteten die geschockten Gäste kaum noch Gegenwehr. Der ehemalige „Blaue“ Mirnes Mesic erhöhte auf 3:0 (81.). Seine Freude über das Tor hielt sich jedoch sichtbar in Grenzen. „Es tut mir im Herzen weh, meinen alten Club da unten drin stehen zu sehen“, bekundete der Stürmer sein Mitleid mit dem Tabellenschlusslicht – das ihn allerdings nicht davon abhielt, nach dem 1:0 und dem 2:0 auch das 4:0 durch Zinnow (86.) vorzubereiten. Für heute Morgen hat Schmitt eine Mannschaftssitzung einberufen und eine „klare Ansprache“ angekün­digt. Viel Zeit zum Verarbeiten bleibt indes nicht. Bereits morgen (19 Uhr) ist Spitzenreiter 1. FC Union Berlin im Gazi-Stadion zu Gast. Stuttgarter Kickers: Salz – Deigendesch, Mann, Rapp, Landeka (75. Kettemann) – Traut, Rosen, Gambo, Ortlieb (75. Kacani) – Schürg, Vaccaro (56. Smeekes).

Eßlinger Zeitung