Bild: Morgen Sieg – sonst müssen die sie Brezeln backen

Stuttgarter Kickers
Von HELMUT HEIMANN

Wenn die Stuttgarter Kickers morgen (19 Uhr, Gazi-Stadion) gegen die Offenbacher Kickers nicht gewinnen, sieht‘s in der Tabelle zappenduster aus. Weil der Abstand zu einem Nichtabstiegsplatz dann eventuell noch größer werden könnte.

Eine Niederlage würden einige Spieler noch mehr als sonst zu spüren bekommen.

Denn: Präsidiumsmitglied Dieter Wahl hat mit Sponsor Max Siegfried Lang gewettet, dass das Drittliga-Schlusslicht gewinnt. Falls Wahl die Wette verliert, müssen drei Kickers-Profis morgens um 6 Uhr zum Brezel-Backen in die Bäckerei Lang kommen und die Ware danach eine Stunde lang in Stuttgart verkaufen.

Noch steht nicht fest, welche Spieler es treffen würde.

Vielleicht ist ja auch Bashiru Gambo dabei. Der Offensivmann hat seine Magen-Darm-Grippe auskuriert und soll heute wieder das Training aufnehmen.

Übrigens: Bei jedem Einkauf über 5 Euro in den Filialen der Bäckerei Lang gibt‘s bis morgen zusätzlich eine Eintrittskarte für das Schicksalsspiel.

BILD

STN: Kickers droht dickes Minus

Präsident Eichelbaum: „Wir müssen nacharbeiten“

Stuttgart (StN) – Den Stuttgarter Kickers droht bis zum Saisonende ein großes Loch im Etat. „Wir müssen nacharbeiten“, gab der Präsident des Fußball-Drittligisten, Dirk Eichelbaum, zu.

Als das Präsdium und der Aufsichtsrat am Donnerstagabend turnusmäßig zusammenkamen, war die miserable Vorstellung der Kickers beim 0:3 gegen den VfB II immer noch Gesprächsthema. Die Hoffnung, auch in der neuen Saison in der dritten Liga zu spielen, sinkt mit jeder Niederlage, gestorben ist sie aber noch nicht. „Wir glauben daran, dass sich die Dinge für uns zum Guten wenden“, sagte Eichelbaum. Trotz allem Optimismus – an einer zweigleisigen Planung für die neue Saison führt kein Weg vorbei. „Dies als Tabellenletzter nicht zu tun wäre grob fahrlässig“, betonte Eichelbaum: „Wir haben am Donnerstag deshalb vor allem strategische Dinge für den Fall Regionalliga besprochen.“ Zumal viele Spielerverträge nur für die dritte Liga gültig sind.

Noch größere Sorgen bereiten allerdings die Finanzen der Blauen: Bis zum Saisonende droht ein Loch im Etat in der Größenordnung von bis zu 300 000 Euro. „Es gab einige Liquiditätsverschiebungen“, erklärte Eichelbaum, „zum Beispiel durch einen erhöhten Personaletat. Wir müssen nacharbeiten.“ Hauptsponsor Gazi hat deshalb bereits 10 000 Euro zusätzlich überwiesen, das Benefizspiel gegen den VfB brachte 54 000 Euro. Außerdem überlegt eine neue Werbeagentur, mit welchen Aktionen man das Stadion bei den Heimspielen füllen kann.

Stuttgarter Nachrichten

StZ: Tiefpunkt statt Wendepunkt

Bei den Stuttgarter Kickers regiert nach dem Drittligaderby gegen den VfB das Prinzip Hoffnung

STUTTGART. Schlimmer geht“s nimmer – auf diesen Nenner lässt sich der Auftritt der Stuttgarter Kickers beim 0:3 im Drittligaderby bringen. Die Frage im Abstiegskampf lautet nun: wer setzt jetzt neue Reizpunkte?

Von Joachim Klumpp

So stellt man sich ein Derby nicht unbedingt vor. Aber die Mannschaft des VfB Stuttgart II hat am Mittwoch einen geruhsamen Abend verbracht – und trotzdem drei Tore erzielt und drei Punkte gewonnen. Also sagte der Kapitän Marijan Kovacevic nach dem Spiel: „Ein wenig mehr Gegenwehr hatten wir schon erwartet, aber die Kickers haben eben im Rahmen ihrer Möglichkeiten gespielt.“

Diese Möglichkeiten scheinen sehr limitiert zu sein, wenn man die letzten beiden Auftritte gegen die zweiten Mannschaften der Bayern und des VfB als Maßstab nimmt. Fazit: das reicht nicht für die dritte Liga. Das weiß auch der Präsident Dirk Eichelbaum, dessen Hoffnung darauf beruht, „dass wir zehn Endspiele haben“. Und das vornehmlich gegen Vereine aus der unteren Tabellenhälfte. „Die Mannschaft hat ja gezeigt, dass sie es besser kann, aber wir müssen die Lage genau analysieren“, sagte Eichelbaum in Richtung Trainer, wobei es keine Diskussion um die Personalie Edgar Schmitt geben soll.

Dabei hat auch der Coach seinen Teil zur Misere beigetragen. Mit reichlich taktischen und personellen Wechseln, so dass die Kickers in der Rückrunde, zuweilen auch verletzungsbedingt, nie zweimal mit derselben Startformation aufgetreten sind. Und der als Vorteil gedachte Konkurrenzkampf in dem auf 28 Mann angewachsenen Kader könnte nun zur Verunsicherung führen, namentlich bei Spielern wie Sokol Kacani und Marco Tucci, die mal in der Startelf standen und dann wieder in der zweiten Mannschaft wie am Mittwoch. Erst recht natürlich bei Bashiru Gambo, dessen Auswechslung noch vor der Pause den Ghanaer (Schmitt: „Er blieb nicht in der Ordnung“) in den Schmollwinkel treiben könnte. Gestern jedenfalls fehlte er prompt wegen Magen-Darm-Problemen.

Natürlich ist in erster Linie die Mannschaft gefordert. Die machte zuletzt einen desolaten Eindruck: leblos, lustlos, lieblos. Da fehlte das Herz, die Einstellung, der Siegeswille, nimmt man am Mittwoch Josip Landeka einmal aus. „Wenn man nicht ins Spiel kommt, kann auch kein Feuer aufkommen“, sagt dazu Markus Ortlieb. Edgar Schmitt kritisierte zuletzt die unprofessionelle Einstellung – offensichtlich zu Recht, wenn man Spieler sieht, die nach dem Training schnurstracks mit Zigarette im Mund das Gelände verlassen. Das ist amateurhaft.

Auch im Präsidium scheint es Misstöne zu geben. Dass der Marketingmann Dieter Wahl vor dem Spiel bei Erzgebirge Aue einen verbalen Reizpunkt gesetzt hat („Jetzt ist Schluss mit Schönreden“), kam beim Präsidenten nicht gut an, so dass Wahl sagt: „Solche Aktionen kann man nicht ständig wiederholen, wir müssen jetzt am Selbstvertrauen der Mannschaft arbeiten.“ Fragt sich nur wie? Die Liste der Möglichkeiten – von Zuckerbrot bis Peitsche – ist längst ausgereizt. „Wir werden sicher nicht auf die Mannschaft draufhauen“, sagte Edgar Schmitt.

Parallel zum Ligaalltag arbeiten die Kickers an einem Plan für den Fall des Abstiegs, denn just am Tag des Derbys mussten beim DFB auch die Lizenzierungsunterlagen für die Regionalliga eingereicht werden, für die mit circa 1,5 Millionen Euro kalkuliert würde.

Dabei tut der Verein zumindest abseits des Platzes alles, um auch wirtschaftlich weiter voranzukommen, nachdem beim laufenden Etat immer noch eine Lücke klafft. 54 000 Euro brachte das Benefizspiel gegen die VfB-Profis. Und eine neue Werbeagentur überlegt, mit welchen Aktionen man das Stadion bei den Heimspielen füllen kann. Wobei nach solchen Auftritten wie am Mittwoch selbst der beste Slogan Makulatur ist. Dessen ist sich der Kickers-Präsident Eichelbaum bewusst: „Das Spiel kostet uns gegen Offenbach am Dienstag tausend Zuschauer.“

Stuttgarter Zeitung

StN: Kickers-Chefetage schließt Trainerwechsel aus

Nach Blamage gegen VfB

Stuttgart – Am Tag nach dem kollektiven Versagen beim 0:3 gegen den VfB II hat bei Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers die Aufbauarbeit begonnen. Einen Trainerwechsel schloss Präsident Dirk Eichelbaum aus.

Jeder reagiert auf solch ein Debakel auf seine Weise. Doch am 2. April war auf Degerlochs Höhen eines auffallend: Keiner packte den Holzhammer aus.

Der Trainer: Die Rolle als Rumpelstilzchen hat Edgar Schmitt längst ausgereizt. Eigentlich bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als nun zu versuchen, ruhig und sachlich das Team noch einmal aufzurichten. Genau das tat er am 2. April. Motto: Kopf hoch, noch ist nichts verloren. Wie das Wunder noch gelingen soll? „Wir werden Lösungen finden“, sagt Schmitt nur – und ist sicher: „Ich erreiche das Team nach wie vor.“

Die Führungsetage: Am 2. April tagten turnusmäßig Präsidium und Aufsichtsrat. Eines betonten Eichelbaum und Aufsichtsratschef Rainer Lorz unisono: „Ein nochmaliger Trainerwechsel ist ausgeschlossen.“ Das gelte laut Präsident auch bei Niederlagen gegen Kickers Offenbach (7. April, 19 Uhr/Gazistadion) und bei Union Berlin (12. April, 14 Uhr).

Die Mannschaft: Um den Zusammenhalt zu stärken, geht das Team am 3. April gemeinsam in Stuttgart essen. Ob Bashiru Gambo dabei sein wird, ist offen. Der Mittelfeldspieler meldete sich am 2. April krank. Um den Konkurrenzkampf zu stärken, trainieren seit dem 2. April aus der eigenen Oberligaelf Marcel Ivanusa (15 Saisontreffer) und Mijo Tunjic (10) mit dem Drittligateam mit.

Der Manager: „Uns bleibt gar nichts anderes übrig, als in vielen Einzelgesprächen die Mannschaft wieder aufzurichten“, sagt Joachim Cast. Dass er selbst in der Kritik steht, sich personelle Fehlgriffe ankreiden lassen muss, ändert nichts am Vertrauen, das ihm die Chefetage entgegenbringt. Eichelbaum und Lorz wollen ihn auch bei einem Abstieg halten. „Cast hat bewiesen, dass er mit einem Minietat etwas auf die Beine stellen kann“, sagt Eichelbaum, „er steht im Fokus anderer Vereine.“

Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

0:3 nimmt Hoffnung

Mit einer 0:3 Niederlage beim Auswärtsspiel im eigenen Stadion gegen den VfB Stuttgart II haben es die Stuttgarter Kickers versäumt Boden im Abstiegskampf gut zu machen. Durch eine zudem schwache und enttäuschende Leistung haben sie es zudem geschafft, ihren eigenen Fans die Hoffnung zu nehmen.

Am kommenden Dienstag treffen die Blauen im Namensduell auf die Kickers aus Offenbach.

Cast erwartet „Feuer und Punkte“

Stuttgart (sip) – Aufgeheizte Stimmung vor dem Stuttgarter Fußball-Derby. Die Kickers, die heute (18 Uhr) im Gazi-Stadion offiziell ein Auswärtsspiel haben, brauchen dazu jedoch gar nicht den Gegner VfB II. Nach dem 0:0 des Drittliga-Schlusslichtes gegen den FC Bayern II hatte sich Trainer Edgar Schmitt in Rage geredet. „Was da einige gebracht haben, war eine Katastrohe“, schimpfte er. Anschließend gab es von Präsident Dirk Eichelbaum via „Stuttgarter Nachrichten“ einen Rüffel für die Brandrede. „Es war sicher kein besonders glücklicher Auftritt unseres Trainers. Da muss er an sich arbeiten“, sagte Eichelbaum.

Manager Joachim Cast kann keine Unstimmigkeiten erkennen. „Es gibt keinerlei Probleme zwischen den beiden“, sagte er gestern und lenkte den Blick auf das Wesentliche: „Ich erwarte von der Mannschaft Feuer, Leidenschaft – und Punkte.“ Der jüngste Auftritt gegen die Münchner sei zwar nicht berauschend gewesen: „Aber wir haben gepunktet und wir können auch nicht davon ausgehen, dass wir jedes Spiel gewinnen.“ Obwohl der Manager gestern in Frankfurt nach denen für die dritte Liga auch die Lizenzierungsunterlagen für die kommende Regionalliga-Saison ein-reichte, glaubt er fest an den Klassenverbleib: „Es ist eine positive Tendenz zu erkennen, wir lassen nicht mehr viele Chancen zu.“

Kickers-Kapitän Alexander Rosen musste gegen die Bayern wegen einer Bindehautentzündung passen, wird heute aber wohl zur Verfügung stehen. Dem VfB fehlen Patrick Funk und Sebastian Rudy, die in dieser Woche mit der U-19-Nationalmannschaft unterwegs sind. Der Einsatz der angeschlagenen Sebastian Enderle, Clemens Walch und Johannes Rahn ist fraglich. Die Voraussetzungen für eine spannende Partie sind gegeben. Das Hinspiel, das vor 5875 Zuschauern mit 4:4 endete und bei dem die Kickers zwei Mal einen Rückstand aufholten, war schon eines der aufregendsten der Saison.

So wollen sie spielen
VfB Stuttgart II: Ulreich – Feisthammel, Kovacevic, Pischorn, Enderle – Karikari, Kolinger, Didavi – Walch, Hofmann, Klauß.

Stuttgarter Kickers: Salz – Steinle, Mann, Traub, Gentner – Rosen, Ortlieb, Deigendesch – Gambo – Schürg, Smeekes.

Eßlinger Zeitung

StN: Kickers-Spieler Gentner: Heiß auf das Derby gegen den VfB

Stuttgart – Von der D- bis zur A-Jugend spielte Thomas Gentner für den VfB. Kein Wunder, dass für den Verteidiger der Kickers das Stuttgarter Drittliga-Derby am 1. April (18 Uhr/Gazistadion) gegen den VfB II etwas ganz Besonderes ist.

Die Tipps der großen Brüder gab es gleich nach dem Schlusspfiff. Christian Gentner (23/VfL Wolfsburg) hatte gemeinsam mit Michael (26/B-2-Trainer beim VfB) das spielfreie Bundesliga-Wochenende genutzt, um den Jüngsten aus dem Gentner-Trio zu unterstützen. Was Thomas nach dem 0:0 gegen den FC Bayern II zu hören bekam? „In der Defensive sei ich sehr gut gestanden, nach vorne soll ich mir ruhig noch mehr zutrauen“, verrät der 20-Jährige die Knackpunkte der familieninternen Kurzanalyse.

Schon heute will er sie sich zu Herzen nehmen. Schließlich geht es nicht nur um wichtige Punkte im Kampf um den Ligaverbleib, sondern auch gegen die alten Kameraden. „Klar bin ich heiß auf dieses Spiel“, sagt Gentner.
Dass der Mann mit dem starken linken Fuß überhaupt in der dritten Liga angekommen ist, ist schon eine kleine Sensation und zeigt seine Klasse. Denn verletzungsbedingte Rückschläge pflasterten seine Jugendzeit.

Doch Gentner, das Stehaufmännchen, kämpfte sich wieder zurück. Zwar reichte es nicht zur Übernahme ins VfB-II-Team, doch über den Umweg Kickers II landete er doch noch in Liga drei. Sein großer Traum: Mit den Brüdern irgendwann mal gemeinsam in der Bundesliga aufzutauchen. „Michael als Trainer, Christian und ich als Spieler – das wär’s.“

Stuttgarter Nachrichten

Vorberichte II VfB Stuttgart II – Stuttgarter Kickers

Kickers setzen auf die Fans

Derby soll zum Heimspiel werden
STUTTGART (ump). Alexander Rosen ist gestern zum Augenarzt gegangen, „nachdem ich mit meinen roten Augen immer noch aussehe wie Frankenstein“. Doch die Bindehautentzündung ist am Abklingen, so dass der Kapitän des Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers davon ausgeht, dass er morgen (18 Uhr) gegen den VfB Stuttgart II spielt. Das Derby im Gazistadion läuft zwar als Heimspiel für den VfB, doch die Kickers setzen auf die Unterstützung ihrer Fans. Zumal ein Sponsor eine Extraprämie für den Club ausschüttet. Die Rede ist von vier Euro pro Person – allerdings nur für jeden Besucher, der über der 3000-Zuschauer-Grenze liegt.

Doch nicht nur finanziell, besonders sportlich steht für den Tabellenletzten viel auf dem Spiel. Das weiß auch der Trainer Edgar Schmitt, der mit der Einstellung einiger Spieler gegen die Münchner nicht zufrieden war. „Unsere drei Stürmer haben sich nicht mit Ruhm bekleckert“, sagt Schmitt mit Blick auf die Leistungen von Orlando Smeekes, Bashiru Gambo, aber auch Marco Tucci, von dem er nach dessen Auftritt im Benefizspiel gegen die VfB-Profis mehr erwartet hatte. „Wir müssen die Schlagzahl hochhalten, sonst reicht es nicht“, betont Schmitt vor den verbleibenden elf Saisonspielen. Der Coach geht davon aus, dass die Kickers noch 16 Punkte zum Klassenverbleib benötigen. Das wird ein hartes Stück Arbeit, „aber das haben wir gewusst“, sagt Schmitt.

Stuttgarter Zeitung

Eichelbaum nimmt Trainer in die Pflicht
Kickers-Chef von Wutausbruch nicht begeistert

Stuttgart – Einerseits kann Dirk Eichelbaum den Ärger seines Trainers über die lasche Einstellung einiger Spieler gut verstehen. Andererseits kritisierte der Präsident der Stuttgarter Kickers vor dem Derby beim VfB II (morgen, 18 Uhr, Gazistadion) den öffentlichen Wutausbruch von Edgar Schmitt: „Da muss der Trainer an sich arbeiten.“

VON JÜRGEN FREY

Schmitt hatte gestern noch mal Zeit, über alles nachzudenken. Er fuhr mit dem Zug von seinem Wohnort Aalen zum Training nach Degerloch. Doch auch mit dem nötigen Abstand zum 0:0 gegen den FC Bayern II war sein Ärger noch nicht verraucht. „Ich bleibe dabei: Es gibt einfach Sachen, die mich unheimlich stören“, sagte er. Kurz nach der Partie hatte der 45-Jährige keinen Stein auf dem anderen gelassen und sich in Rage geredet. Auslöser waren Kleinigkeiten: Spieler hatten die falsche Radlerhose gewählt und während der Partie die Schuhe gewechselt. Die Mitglieder der Kickers-Gremien zuckten während Schmitts Brandrede sichtlich zusammen. Präsident Eichelbaum nimmt den Trainer in die Pflicht. „Wenn nicht jedes Mal solch ein Gefühlsausbruch kommt, ist es zwar kein Problem, aber es war sicher kein besonders glücklicher Auftritt unseres Trainers. Da muss er an sich arbeiten“, sagte er am Tag danach. Gleichzeitig brachte der Kickers-Chef auch Verständnis für das emotionale Feuerwerk seines leitenden Angestellten auf: „Ohne eine professionelle Einstellung der Spieler geht es nicht. Außerdem ist es mir lieber, der Trainer haut nach einem 0:0 drauf als nach einem 0:4.“

Damit ist die Sache vom Tisch. Die Konzentration gilt dem Derby. Alexander Rosen (Bindehautentzündung) dürfte wieder ins Team zurückkehren. Festgelegt hat sich der Coach auf die Angriffsformation: Michael Schürg stürmt neben Orlando Smeekes. Schmitts Begründung: „Schürg hat etwas, was ganz wenige haben. Wenn er fit ist, ist er ein Kracher.“ Am Beispiel Schürg lässt sich erklären, was Schmitt bei seiner Mission, die Blauen zu retten, so aufwühlt. Der Coach hält unheimlich viel vom 24-Jährigen. Doch er glaubt, der Stürmer könne noch viel mehr aus seinem Talent machen – wenn er in Sachen Professionalität noch einen Tick zulegen würde. „Andere Trainer sind respektlos und verachtend, ich erhöhe nur die Schlagzahl, um meine Spieler voranzubringen“, sagt Schmitt. Dass sich dabei für Außenstehende der Verdacht aufdrängt, er schieße auch mal übers Ziel hinaus, berührt ihn nicht: „Was andere denken, ist mir egal. Ich handle so, wie ich es am besten finde.“

Kassenöffnung im Gazistadion ist morgen um 16.30 Uhr. Heimrecht hat der VfB, von einer großen Kulisse würden aber auch die Kickers profitieren. Ein Sponsor garantiert den Blauen für jeden Fan, der die Zuschauerzahl über die 3000er-Marke anwachsen lässt, vier Euro.

Stuttgarter Nachrichten

NACHGEFRAGT RAINER ADRION, TRAINER DES VFB STUTTGART II
„Es geht um viel – für uns und für die Kickers“
Der 55-jährige Coach blickt zuversichtlich auf das morgige Stadt-Derby und freut sich schon auf seinen neuen Job ab Sommer beim DFB

Stuttgart – Für Rainer Adrion hat der Countdown begonnen. Der Trainer des Fußball-Drittligisten VfB Stuttgart II übernimmt am 1. Juli das U-21-Nationalteam. Über seine neuen (alten) Aufgaben beim DFB, den Abschiedsschmerz und das morgige Stadt-Derby (18 Uhr) gegen die Kickers spricht der 55-Jährige mit Beate Wockenfuß.

Das Hinspiel gegen die Kickers endete 4:4. Ist morgen ähnlich Spannendes zu erwarten?

Adrion: Ich denke, dass es wieder ein spannendes Spiel wird. Schließlich ist es ein Derby und es geht um viel – für uns und für die Kickers.

Sie haben das 0:0 der Kickers gegen den FC Bayern II auf der Tribüne mitverfolgt. Welche Erkenntnisse haben Sie gesammelt?

Adrion: Man merkt ihnen die Verunsicherung an. Sie haben einen sehr wechselhaften Spielverlauf. Mal sind sie gut drin, dann wieder in der Defensive anfällig.

Der VfB II steht derzeit auf Platz zehn. Was ist noch drin?

Adrion: Wir wollen uns noch so weit wie möglich in der Tabelle hocharbeiten. Das zweite Ziel ist die Ausbildung. Wir haben in dieser Saison bereits drei Spieler wieder an die Profis abgegeben.

Im Sommer wechseln Sie zum DFB. Wie schwer wird Ihnen der Abschied vom VfB fallen?

Adrion: Da ist natürlich etwas Wehmut dabei. Schließlich ist der VfB mein Verein. Aber ich bleibe ja auch in meiner neuen Tätigkeit mit dem VfB verbunden. Nicht zuletzt durch die Stuttgarter Nationalspieler.

Wären Sie auch noch mal zu einem anderen Verein gewechselt? Adrion: Das hätte ich wahrscheinlich nicht gemacht. Wir haben hier beim VfB ein ganz klares Konzept verfolgt. Das hat mir Spaß gemacht. Das Arbeiten auf internationaler Ebene beim DFB ist aber auch eine schöne Aufgabe.

Sind Sie stolz auf das Angebot?

Adrion: Ich habe mich gefreut, dass meine gute Arbeit über Jahre hinweg anerkannt wird. Zu dem, was ich bisher gemacht habe, lassen sich Parallelen ziehen. Ich werde wieder Spieler auf das A-Team vorbereiten und dabei auch mit den Jugend- Mannschaften kommunizieren. Das ist eine vertraute Aufgabe. Nur eine Stufe höher.

Wie entscheidend ist, dass Sie – wie beim VfB – wieder mit Joachim Löw zusammenarbeiten werden?

Adrion: Für ihn ist es wichtig, mit seinen Kollegen gut zurecht zu kommen. Das ist bei uns gewährleistet. Zudem passt es auch zwischen mir, Sportdirektor Matthias Sammer und Teammanager Oliver Bierhoff.

Sie gelten als bester Nachwuchstrainer Deutschlands. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Adrion (schmunzelt): Ich weiß nicht, ob das wirklich so ist. Der FC Bayern macht auch eine gute Nachwuchsarbeit. Aber der VfB hat sich in der Saison 2000/2001 mit seinen jungen Wilden sicher ein gutes Image erworben. Wir sind traditionell bemüht, Eigengewächse für die Elite auszubilden – sowohl sportlich als auch menschlich.

Mit wieviel Sorge haben sie die 0:4-Pleite ihres zukünftigen Teams gegen die Niederlande verfolgt?

Adrion: Ich sammle nur Eindrücke, begleite das Team als Beobachter. Mehr steht mir jetzt nicht zu. Denn der Trainer ist Horst Hrubesch.

Mit welchen Zielen treten Sie an?

Adrion: Ich habe einen Vertrag bis zur EM 2011. Wir wollen erst einmal die Qualifikation schaffen. Das nächste Ziel ist dann das Halbfinale. Denn damit wären wir bei Olympia 2012 dabei. Ja, und wenn wir schon mal im Halbfinale sind, dann will ich natürlich auch ins Finale.

Zum Schluss: Ihr Tipp fürs Derby?

Adrion: Ich denke, es wird ein enges Spiel, aber wir behalten die Oberhand. Wenn die Kickers danach eine Serie starten, könnte es mit dem Klassenverbleib noch klappen.

Eßlinger Zeitung

Kickers an diesem Mittwoch (18 Uhr) zu Gast im GAZi-Stadion – Sponsor honoriert Stadionbesuch
Auswärtsspiel gegen den VfB II + große blaue Unterstützung = Heimspiel-Atmosphäre

Für das Stuttgarter Drittliga-Lokalderby VfB II gegen die Blauen aus Degerloch an diesem Mittwoch (18 Uhr, GAZi-Stadion) werben die Stuttgarter Kickers um eine große blaue Kulisse. Bei dieser Drittligapartie hat der VfB Stuttgart mit seiner zweiten Mannschaft bekanntlich das Heimrecht. Doch die Stuttgarter Kickers haben die Devise ausgeben, mit einer großen und stimmgewaltigen Kulisse im GAZi-Stadion daraus ein blaues Heimspiel zu machen. Die Mannschaft von Cheftrainer Edgar Schmitt benötigt bei den noch ausstehenden Spielen im GAZi-Stadion auf der Waldau viele Zuschauer. Ein Sponsor der Blauen honoriert am Mittwoch mit einem beachtlichen Euro-Betrag in die Kickers-Kasse jeden Fan, der die Zuschauerzahl über die 3000er-Marke hinaus anwachsen lässt.

„Das GAZi-Stadion muss trotz nominellem Heimspiel des VfB Stuttgart II an diesem Mittwoch vom Spielbeginn an um 18 Uhr in blauer Hand“ sagt das Kickers-Präsidiumsmitglied Dieter Wahl. „Wir brauchen jeden Stuttgarter und jeden Fan aus der Region, dem das Schicksal der Kickers am Herzen liegt.“

Ganz wichtig: Jeder Zuschauer zahlt zwar für seine Eintrittskarte in die Kasse des VfB Stuttgart. Doch die Kickers profitieren ebenfalls von möglichst vielen Zuschauern. Ein blauer Sponsor garantiert den Blauen aus Degerloch für jeden über die Zahl 3000 hinausgehenden Zuschauer einen beachtlichen Euro-Betrag. Die simple Gleichung lautet: Je mehr Zuschauer kommen, desto mehr Geld kommt in die Kickers-Kasse, die zurzeit jeden Euro sehr gut gebrauchen kann.

„So kann dieses Auswärtsspiel der Stuttgarter Kickers zu einem ,Heimspiel‘ umfunktioniert werden – und die Kickers können als Gastmannschaft aufgrund ihrer hoffentlich vielen blauen Fans im Stadion gleich doppelt punkten“, sagt Dieter Wahl.

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