Presse zu VfL Nagold – Stuttgarter Kickers (0:8)

Marchese ganz stark
Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 14.08.2010

Der Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers ist gestern Abend mit einem 8:0-(2:0-)Sieg über den Verbandsligisten VfL Nagold in das Achtelfinale des WFV-Pokals eingezogen. Dort trifft das Team des Trainers Dirk Schuster am Dienstag, 7. September (17 Uhr), auf den Landesligisten Neckarsulmer Sportunion.

Der überragende Akteur vor 750 Zuschauern in Nagold war Enzo Marchese, der zwei Treffer selbst erzielte (50./65.) und vier weitere vorbereitete. Daniel Reule (14.), Marcell Rapp (28.), Marcel Ivanusa (77./84.), Dominique Fennel (81.) und Gerome Gondorf (88.) trafen zudem für die Kickers. Verzichten musste der Trainer Schuster beim Personal neben den Verletzten Dirk Prediger, Simon Köpf und Mahir Savranlioglu kurzfristig auch auf den Angreifer Philip Türpitz, der wegen einer Magen-Darm-Infektion fehlte.

„Wir haben sehr dominant, konzentriert und mit viel Ballbesitz agiert. Meine Mannschaft wollte unbedingt eine Runde weiterkommen“, sagte Dirk Schuster. StZ

Stuttgarter Zeitung

Bittere Heimklatsche für VfL Nagold
Von Schwarzwälder-Bote, aktualisiert am 13.08.2010 um 22:30

Von Albert M. Kraushaar VfL Nagold – SV Stuttgarter Kickers 0:8 (0:2). Das war eine Lehrstunde in Sachen Fußball. Regionalligist Stuttgarter Kickers ließ beim Gastspiel vor rund 850 Zuschauern im Nagolder Eugen-Breitling-Stadion von Anfang an nichts anbrennen und gewannen auch in dieser Höhe Verdient.Man hatte sich bei der Nagolder Mannschaft so gefreut auf dieses Pokalspiel. Tatsache ist, man wird dieses Spiel so schnell auch bestimmt nicht vergessen.

Es war mindestens ein Zweiklassenunterschied, der sich da offenbarte. Bei Halbzeit lagen die Kickers nach Treffern von Daniel Reule (14.) und Marcel Rapp (28.) zwar nur 2:0 vorn, doch mit Ausnahme eines Sololauf von Björn Straub (25.), der am Kickers-Strafraum zu Ende war, und eines Weitschusses von Peter Steeb (32.) brachte der Verbandsligist nichts Nennenswertes zusammen. Noch vor dem ersten Gegentreffer hatte sich VfL-Schlussmann Christian Bosch mit einer Klasseparade auszeichnen können.

Souverän dagegen war der Auftritt der Stuttgarter. Trainer Dirk Schuster hatte seine Mannen noch davor gewarnt, den VfL Nagold zu unterschätzen, doch im Verlauf der Begegnung war auch ihm klar, dass eine so harmlose Mannschaft seiner Elf nicht gefährlich werden kann.

VfL-Trainer Jörg Wieland hatte bis kurz vor dem Spiel gehofft, dass der angeschlagene Dominik Golubovic doch würde spielen können. Zwar stand er noch auf der Aufstellung, tatsächlich jedoch war er nicht auf dem Platz. Einzige Sturmspitze war Michael Nebert, der kurz vor der Pause verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste.

Bei den Stuttgartern hatte man immer das Gefühl, dass sie dann, wenn es tatsächlich ernst wird, locker noch eine Schippe drauflegen können. Dies zeigte sich im zweiten Spielabschnitt ganz deutlich. In der 51. Minute bekamen die Nagolder den ersten Eckstoß zugesprochen. Wirklich gefährlich war diese Situation für die Kickers jedoch nicht.

Den Treffern von Enzo Marchese zum 4:0 (49./65.) folgte das 5:0 (76.) des eingewechselten Marcel Ivanusa. Der zuvor auf den Platz gekommene Royal Dominique Fennell mit dem 6:0 (81.), Marcel Ivanusa mit dem 7:0 (86.) und Jerome Gondorf mit dem 8:0 (88.) beendeten das Schützenfest.

Stuttgarter Nachrichten

Kickers machen Ernst
Fußball: Im WFV-Pokal gestern Abend 8:0 beim VfL Nagold

Von wegen „Blaues Wunder“. Mit einem deutlichen 8:0 (2:0)-Erfolg beim VfL Nagold machte der Regionalligist Stuttgarter Kickers gestern Abend vor 759 zahlenden Zuschauern kurzen Prozess und zog ganz souverän in die vierte Runde des WFV-Pokals ein.

Nagold. Eine knappe Viertelstunde lang hielt der zwei Klassen tiefer spielende Verbandsligist VfL Nagold gestern ganz ordentlich mit, dann nahm das Unheil so allmählich seinen Lauf. Bis zur Pause gestaltete der VfL bei einem 0:2-Rückstand das Ergebnis noch einigermaßen erträglich, aber die letzte halbe Stunde gingen die Nagolder Youngster völlig unter und schrammten am Ende nur knapp an einer zweistelligen Niederlage vorbei. („wir hätten auch zehn oder zwölf Tore kriegen können“, meinte ein gute Miene zum bösen Spiel machender Nagolder Trainer Jörg Wieland, während Kollege Dirk Schuster recht gelöst den Kantersieg kommentierte. „Wir haben sehr konzentriert gespielt und eigentlich keine Torchance zugelassen. Obwohl wir nicht ganz in Bestbesetzung spielen konnten, waren wir im gesamten Spiel völlig ungefährdet. Wir haben viel Druck aufgebaut, wir hatten deutlich mehr Ballbesitz, ich bin recht zufrieden, auch wenn wir die eine oder andere Chance noch fahrlässig ausgelassen haben. Aber bei einem 8:0-Sieg will ich kein Haar mehr in der Suppe suchen.“

Für Nagold begann es schon vor dem Anpfiff schlecht. Dominik Golubovic musste mit „einem riesigen bunten Ballon am Knöchel, den ich mir am Mittwoch im Training zugezogen habe, passen. Ich konnte zwar einigermaßen laufen, aber gegen keinen Ball schlagen.“ so der Unglücksrabe, der das Warmmachen abbrach. Und dann verletzte sich auch noch in der 35. Minute der einzig noch verbliebene Stürmer Michael Nebert bei einem Zweikampf mit Patrick Auracher. „Bei Michi sieht es nicht gut aus. Er hat sich das Knie verdreht und kann nicht auftreten“, befürchtet Wieland schlimmeres.

Die halbwegs gute Anfangsphase der Nagolder wurde mit dem 0:1 in der 13. Minute zunichte gemacht. Eine Ecke auf das kurze Fünfmetereck verlängerte der lange Daniel Reule, von Waldhof Mannheim zu den Kickers gekommen, ins Netz. VfL-Keeper Christian Bosch war chancenlos, hatte aber „Leo“ gerufen und nahm den Treffer auf seine Kappe. In der 27. Minute erneut ein Kopfballtreffer, diesmal nach einem Freistoß. Marcel Rapp war völlig frei und wuchtete das Leder ins Netz. „Einer hat ’Leo‘ gerufen, nur meine Spieler haben nicht gemerkt, dass das der Gegner war und blieben alle weg“, versuchte Wieland die Tatenlosigkeit seiner Mannen zu erklären.

Mit dem 0:2 nach einer halben Stunde war das Spiel praktisch gelaufen, zumal Nagold im Mittelfeld und im Angriff kaum einen Ball halten konnte, weil zu wenig nachgerückt wurde. Und Torchancen hatte der VfL auch nicht, sieht man einmal von der 32. Minute ab, als Nils Schuon von links in den Strafraum eindrang und mit einem strammen Schuss abschloss, allerdings flog das Leder knapp über die Latte.

Die Kickers, die mit acht Spielern begannen, die zum Regionalliga-Start gegen Memmingen 2:0 gewonnen hatten, diktierten schon in der ersten Halbzeit deutlich das Geschehen, nach der Pause wurde die Dominanz noch größer. Mit schnellem Direktspiel rissen sie immer wieder Löcher in die Nagolder Hintermannschaft, da hatte es der VfL vor allem seinem Keeper Christian Bosch zu verdanken, dass es bis zur 65. Minute nur 0:3 stand. Ihren dritten Treffer spielten die Kickers, nachdem der VfL im Mittelfeld viel zu zögerlich war, schön heraus und Enzo Marchese vollendete.

Nagold wechselte nun auch durch und verlor in der Folge völlig den Durchblick. „Das Ergebnis war ja dann eh egal, ich wollte halt den Spielern, die die Vorbereitung bisher komplett mitgemacht haben, auch die Chance geben, gegen die Kickers zu spielen. Natürlich hat man gesehen, dass das für den einen oder anderen zu hoch war“, meinte Jörg Wieland zu dem Debakel der letzten halben Stunde. „Das waren nicht nur zwei Klassen Unterschied, das waren mindestens drei. Aber ich bin froh, dass wir heute Lehrgeld bezahlt haben und nicht in einem Punktspiel. Wir haben den Kickers doch mindestens fünf oder sechs Tore geschenkt, da braucht man sich nicht wundern, wenn man 8:0 verliert.“

Das 0:4 fiel in der 65. Minute, als plötzlich drei Mann frei vor Bosch auftauchten, Marchese auf Ali Pala, der vom VfB Stuttgart zurück zu den „Blauen“ gekommen ist, passte, der nur noch einschieben brauchte. Beim 0:5 konnte Bosch einen Distanzschuss von Royal Fennell noch abwehren, den Nachschuss drosch Marcel Ivanusa in die Maschen. Das 0:6 in der 81. Minute markierte Fennel, das 0:7 ließ ließ Ivanusa in der 84. Minute folgen und in der 88. Minute patzte auch noch der bis dahin gut haltende Christian Bosch, so dass Jerome Gondorf den 8:0-Endstand erzielte.

Stadionsprecher Jürgen Gote bat die Zuschauer um Nachsicht, denn „immerhin stehen neun Spieler, die im letzten Jahr noch A-Jugend gespielt haben, in unserer Mannschaft.“kpd

VfL Nagold: Bosch. Böttinger, Asch, Quiskamp, Huckle (46. Dengler), Glemser (61. Binder), Straub (73. Fetkenhauer), Stamer, Steeb, Schuon (80. Shala), Nebert (41. Gunesch).

Suttgarter Kickers: Güvenc, Gerster, Rapp, Auracher, Abruscia, Stierle (59. Ivanusa), Rizzi (69. Fennell), Marcehese, Jung (59. Gondorf), Reule (74. Videc), Pala.

Südwest-Presse

„Hätte nichts dagegen, mal länger zu bleiben“

Daniel Reule: Plazet vom Platzwart

Neuzugang Daniel Reule eilte der Ruf voraus, charakterlich nicht ganz einfach zu sein. Also erkun­digte sich Dirk Schuster bei dessen vorherigem Arbeitgeber SV Waldhof Mannheim – und zwar bei dessen Zeugwart.

„Die kennen die Spieler oft besser als die Trainer“, erklärt der Kickers-Coach. Der Stürmer habe keine Spur von schwierigem Verhalten gezeigt, versicherte der Waldhof-Mitarbeiter. Also stand dem Vertrag bei den Kickers nichts mehr im Weg.

Schuster hört es nicht gerne, dass Reule der Ersatz für Regional­liga-Torschützenkönig Mijo Tunjic (zur SpVgg Unterhaching) sein soll. Zwar habe der 27-Jährige bei allen seinen Vereinen gezeigt, dass er ein absoluter Torjäger ist. Schuster sagt aber auch: „Wir wollen das auf mehrere Schultern verteilen.“

Der mit Kopfballstärke und einem guten linken Fuß ausgestattete Reule nimmt sich als Ziel für die Anzahl seiner Saisontreffer normalerweise die Trikotnummer. Aber die Neun, wie nun in Stuttgart, „ist zu wenig“, erklärt er. Einen Stammplatz hat er noch nicht. Beim Auftakt gegen den FC Memmingen wurde er spät eingewechselt, erzielte aber prompt den Treffer zum 2:0-Endstand. Dabei würde der Badener seine Wanderschaft nach neun Statio­nen in sieben Jahren liebend gerne beenden. „Ich hätte nichts dagegen, mal länger bei einem Verein zu blei­ben.“

Matthias Jung

Kicker

Kickers feiern 111. Geburtstag mit Jubiläumsspiel

Anlässlich des 111-Jahr Jubiläums der Gründung des SV Stuttgarter Kickers wird es am Samstag, 9. Oktober 2010, ein umfangreiches Programm geben. Der Höhepunkt wird die Neuauflage des Endspiels um die Deutsche Meisterschaft von 1908 zwischen Victoria Berlin und den Stuttgarter Kickers. Im GAZi-Stadion werden für die Blauen eine namhafte Traditionself ehemaliger und aktueller Kickers-Spieler antreten.

Ausführliches Rahmenprogramm geplant

Anpfiff gegen den damaligen und insgesamt dreifachen deutschen Meister Viktoria Berlin ist um 15.30 Uhr. Der Eintritt beträgt 5 Euro (Stehplatz) und 10 Euro (Sitzplatz). Der Vorverkauf wird Anfang September beginnen. Bereits vor dem Spiel ist ein Festakt für geladene Gäste vorgesehen. Nach dem Jahrhundertspiel wollen die Blauen ein Party der besonderen Art veranstalten. In den Katakomben des GAZi-Stadion soll das Jubiläum mit einem Kabinenfest gefeiert werden.

Aktionsreihe zum Jubiläum

Im Rahmen des Jubiläums suchen die Kickers auf www.111elf.de bereits seit Juli die 111-Elf, eine Kickers-Elf aus 111 Jahren Vereinsgeschichte. Das Ende der Abstimmung ist am 31. August. Bekanntgegeben wird die Elf am 21. September 2010 – dem Tag des Geburtstages der Kickers.

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Presse zu Stuttgarter Kickers – FC Memmingen (2:0)

Die Geduldsprobe bestanden
Kickers Der Regionalligist kommt spät zum 2:0 gegen Memmingen.Von Joachim Klumpp

Als zwölf Minuten vor Schluss das erlösende Führungstor der Stuttgarter Kickers gegen den FC Memmingen fiel, da blieb der Präsident Edgar Kurz seelenruhig auf seinem Platz sitzen, während weiter unten auf der Tribüne der jüngere Vorstandskollege Axel Kohlberg Freudentänze vollführte. Diese Gegensätze in der Führungsriege verdeutlichen zumindest ansatzweise die Bandbreite, die der Fußball-Regionalligist aufweist. Und die sich auch ein wenig auf dem Platz niedergeschlagen hat beim verdienten 2:0 (0:0) gegen den Aufsteiger zum Auftakt der Saison. „Wichtig ist, dass man so ein Spiel gewinnt, das haben wir gemacht“, sagte Kurz.

Es war ein Geduldsspiel – und diese Probe haben die Kickers bestanden, nachdem in der Pause der Trainer Dirk Schuster und später auf dem Platz auch der Kapitän Marcel Rapp darauf hingewiesen hatten, Ruhe zu bewahren. Erst recht, nachdem die Gäste von der 55. Minute an in Unterzahl operieren mussten und es die Kickers zuvor verpasst hatten, aus einer Reihe von Chancen Kapital zu schlagen. Als der Ball nach Aktionen von Marcel Brandstetter und später Patrick Auracher doch im Netz lag, verweigerte der Schiedsrichter wegen Abseits und einem Foul die Anerkennung. Rapp: „Aber wir wussten: wenn wir so weiterspielen, wird ein Tor fallen.“

Auch wenn es bis zur 78. Minute dauerte, ehe Philip Türpitz nach einem Doppelpass mit dem ebenfalls eingewechselten Denis Videc zum 1:0 traf – und gut und gerne zwei weitere Tore hätte machen können, ja müssen. „Da hat mich die Mannschaft aufgebaut“, sagt der 18-Jährige zu den vergebenen Chancen. Dass der ebenfalls frisch gekommene Daniel Reule den Schlusspunkt setzte, spricht für das Händchen des Trainers Dirk Schuster. Aber auch für die Alternativen im Kader. Dort fehlen zwar nach dem Abgang des Torjägers Mijo Tunjic auf dem Papier 19 Treffer, dennoch hat der Trainer jetzt mehr die Qual der Wahl.

„Im Moment kann ich nicht sagen, wie die Rangordnung exakt aussieht“, sagt Schuster. In der Tat werden die Karten speziell im Angriff noch kräftig gemischt. Marcel Brandtsetter war gesetzt, zudem begann Ali Pala, allerdings weniger überzeugend, später kamen die genannten drei Bankdrücker, wobei der routinierte Reule in der Hierarchie nur die Nummer fünf war. „Normalerweise muss ich mich nicht mehr empfehlen“, sagt der 27-Jährige zu seiner Rolle. „Es freut mich, dass er und Philip Türpitz die richtige Reaktion gezeigt haben, nachdem sie nicht in der Anfangsformation standen“, so Schuster, der seiner Linie treu blieb. Namen zählen nicht. Jeder Spieler muss sich empfehlen.

So fand sich auch der in der Vorbereitung hochgelobte Jerome Gondorf auf der Bank wieder, wenngleich Marcel Ivanusa und Fabian Gerster über die Außenbahnen nicht immer den gewünschten Druck ausüben konnten. Das gelang Oliver Stierle etwas besser, der links erst defensiv, dann offensiv agierte.

Es bleibt noch reichlich Luft nach oben. Das Spiel ist unter anderem teilweise noch zu sehr auf Enzo Marchese als Dreh- und Angelpunkt ausgerichtet, was es dem Gegner auf Dauer leicht macht, die Kickers auszurechnen. Mit Patrick Milchraum hätten sich das vielleicht schnell ändern können, der Trainingsgast schließt sich jedoch dem Zweitligisten FC Erzgebirge Aue an.

Es kommen noch andere Gradmesser als die tapferen Feierabendkicker aus Memmingen. „Trainiert wird viermal abends, alle Spieler gehen einer Ausbildung oder einem Beruf nach“, sagte der Coach Esid Kahric. Da geht es bei den Kickers professioneller zu, was die Trainingsintensität betrifft. Das zahlte sich aus. „Wir haben 90 Minuten lang Gas gegeben“, sagte Stierle.

Das galt auch für Kohlberg, der auf der anschließenden Fanparty unter dem Fernsehturm kräftig einheizte, während es den Präsidenten ins Theaterhaus zog, wo unter dem Kickers-Motto „Hurra, wir kicken noch“ gefeiert wurde. Am Freitag (18 Uhr) geht es im württembergischen Pokalwettbewerb zum Verbandsligisten Nagold, am Mittwoch darauf zum Punktspiel nach Pfullendorf, danach kommt die SG Sonnenhof. Und dann weiß man auch schon mehr, was der Sieg gegen Memmingen wert war.

Stuttgarter Kickers Wagner – Abruscia, Auracher, Rapp, Stierle – Gerster, Rizzi, Marchese, Ivanusa (64. Türpitz) – Pala (53. Videc), Brandstetter (73. Reule).

Stuttgarter Zeitung

Die Offensive kommt schwer in Schwung

Die Stuttgarter Kickers besiegen den Aufsteiger FC Memmingen zum Saisonauftakt mit viel Geduld und 2:0

Stuttgart – Der Verzweiflung folgte die Erleichterung: Erst in der Schlussviertelstunde hat die neue Offensive der Stuttgarter Kickers dem Fußball-Regionalligisten einen erfolgreichen Saisonstart gesichert. Beim 2:0 (0:0)-Heimsieg gegen den Aufsteiger FC Memmingen war vor allem eines gefragt: Geduld.

Von Beate Wockenfuß

„Aller Anfang ist schwer. Aber letztlich bin ich zufrieden, dass wir die drei Punkte geholt haben. Das war unser Ziel“, bilanzierte Kickers-Trainer Dirk Schuster nach den 90 Minuten, von denen ihn mindestens 70 einige Nerven gekostet hatten. Schließlich war sein Team von Beginn an in allen Belangen überlegen, machte Druck, erspielte sich immer wieder gute Chancen – doch ein Tor gelang nicht. Das wussten die nervösen Debütanten aus dem Allgäu zu verhindern, weil sie sich in erster Linie darauf konzentrierten, in der eigenen Hälfte eng zusammenzustehen und die temporeichen Angriffe der Gastgeber abzubremsen. Nach vorne blieben sie dagegen harmlos und bescherten Kickers-Torhüter Daniel Wagner damit einen relativ ruhigen Nachmittag.Doch die Uhr tickte. Und als die Schlussviertelstunde anbrach und es immer noch 0:0 stand, wurde es unruhiger unter den 2790 Zuschauern im Gazi-Stadion. Erst recht, weil die „Blauen“ seit der 55. Minute wegen einer Gelb-Roten Karte gegen Daniel Böck in Überzahl waren, doch auch daraus kein Kapital schlugen. Und weil Schuster in Ali Pala und Marcel Brandstetter bereits zwei Stürmer aus- und in Denis Videc (53.), Philip Türpitz (64.) und Daniel Reule (73.) drei neue eingewechselt sowie Oliver Stierle aus der Abwehr in die Mitte beordert hatte. Volle Kraft voraus also. Schließlich hatte der Trainer vor dem Saisonstart immer wieder betont, dass man sich in der Offensive qualitativ verstärkt und nun auch mehr Variationsmöglichkeiten habe. Nur an der Effektivität mangelte es bis dahin.Doch in der 78. Minute wurde die Ausdauer der Hausherren belohnt – dank der eingewechselten Stürmer. Nach einem Doppelpass mit Videc sorgte Türpitz für das erlösende 1:0. „Das Tor kam zum richtigen Zeitpunkt“, freute sich der 18-Jährige über die Initialzündung. Nur drei Minuten später erzielte Reule mit einem satten Schuss aus 30 Metern den 2:0-Endstand (81.). Schuster freute sich für die Torschützen. „Das war die richtige Reaktion darauf, dass sie nicht zur ersten Elf gehörten“, sagte der Trainer, der nun ein kleines Luxusproblem bei der künftigen Auswahl der beiden Spitzen haben dürfte.

Und so waren alle Beteiligten erst mal froh, mit einem Positiverlebnis in die Runde gestartet zu sein. „Wir wollten den Platz unbedingt mit einem Sieg verlassen. Das ist gelungen“, sagte Rückkehrer Stierle, der sich nach zwei Jahren beim FC Bayern München II bei seinem ehemaligen Verein schon wieder sichtlich wohl fühlt. „Es war schön, wieder für die Kickers spielen zu dürfen“, strahlte der 27-Jährige und räumte ein, am Anfang sogar etwas aufgeregt gewesen zu sein.

In der Liga müssen die „Blauen“ erst am 18. August (19 Uhr) wieder ran, dann auswärts gegen den SC Pfullendorf. Davor gilt es, am Freitag (18 Uhr) beim Verbandsligisten VfL Nagold die dritte Runde des WFV-Pokals zu überstehen – und der neuen Offensive dabei weitere Empfehlungschancen zu geben.

Eßlinger Zeitung

Der gute Geist verhilft nicht zum Punktgewinn
FC Memmingen – Aufopferungsvoller Einsatz wird am Ende in Stuttgart nicht belohnt – 0:2 im ersten Regionalligaspiel
Otto König ist hinterher kaum zu trösten. «Nur zwölf Minuten», so hadert er, «haben gefehlt, um hier einen Punkt mitzunehmen». Nach dem Duschen und vor der Rückfahrt mit dem Mannschaftsbus ist Zeit für den Tross des FC Memmingen, auf dem Parkplatz der Stuttgarter Kickers die 0:2 (0:0)-Niederlage im ersten Spiel des Klubs in der Regionalliga zu analysieren.

Mittendrin Otto König: Ausgebreitet hat er am Bus allerhand Leckeres, mit dem sich die Kicker für die Heimreise stärken können. Der Rentner ist seit nunmehr neun Jahren bei jedem Auswärtsspiel des FCM dabei. Zusammen mit Sohn Michael, 15, der seit seinem sechsten Lebensjahr mit von der Partie ist, sorgt König für die Verpflegung der Kicker. Er gehört mithin zu den «guten Geistern», die jeder Verein braucht, wenn alles reibungslos laufen soll.

Obwohl sich die Mannen um Trainer Esad Kahric am Aufgetischten kräftig bedienen, ist König am Samstagnachmittag auf der Waldau nicht zufrieden. Seine Glücksbringer, ein kleines Schwein aus Stein sowie einen gepunkteten Käfer, hat er diesmal nicht ins Stadion nehmen können. Aus Angst, sie würden ihm – wegen der verschärften Sicherheitsbestimmungen in der Regionalliga – abgenommen. Könnten ja als kleine Wurfgeschosse taugen.

Dabei hat König nichts weniger im Sinn, als seine Mitbringsel derart zu missbrauchen. Immerhin benetzt er vor jedem FCM-Spiel das Schweinchen in der Memminger Johannkirche mit Weihwasser. Dazu betet der gebürtige Hesse, dass für «seinen» FCM (er lebt seit rund 30 Jahren in der Maustadt) alles, wenn nicht siegreich, so doch wenigstens gut ausgehen möge.

Vermisst habe er seine gewohnten Glücksbringer aus Stein schon, betont König, als der Bus schon wieder Richtung Allgäu unterwegs ist.

Zusammen mit fast 3000 weiteren Zuschauern hatte er davor im Gazi-Stadion in Stuttgart erlebt, welch schwere sportliche Aufgaben in der vierthöchsten deutschen Spielklasse auf die Jungs warten, denen er regelmäßig Gefolgschaft leistet. Er hat auch gesehen, was möglich gewesen wäre, wenn…

l …Stefan Zobel in der 35. Minute mit seinem blitzschnell abgegebenen Direktschuss erfolgreich gewesen wäre, l …Daniel Böck sich in der 55. Minute kein zweites Foul im Mittelfeld geleistet hätte, l …Harald Holzapfel in der 67. Minute nicht verletzungsbedingt das Feld hätte verlassen müssen, l …Christoph Mangler in der 73. Minute eine sich urplötzlich ergebende Chance genutzt hätte.

Hätte, wenn und aber: Es hat am Samstag nicht gereicht. Gleichwohl hat sich die fußballerische Nummer zwei in Schwaben gegen einen starken Gegner respektabel geschlagen, wie beide Trainer hinterher zu Recht betonten (siehe «Stimmen zum Spiel»).

Vielleicht hat dem FCM letztlich die nötige Cleverness gefehlt. Oder es war auch nur die Verbindung nach ganz oben gestört. Man braucht ja nur mal bei Otto König nachzufragen, worans gelegen haben kann. Allgäu Sport

Memminger Zeitung

Zwei Joker schlagen Memmingen

(Memmingen/ass) Bis zur 78. Minute stand die Null. Durch zwei Joker-Tore in der Schlussphase brachten die Stuttgarter Kickers dem FC Memmingen bei dessen ersten Auftritt in der Fußball-Regionalliga Süd mit 0:2 (0:0) die erste Niederlage bei.

Irgendwie war an diesem Nachmittag vor der tollen Kulisse von 2790 Fans in Stuttgart bei herrlichem Sommerwetter alles drin. Eine noch höhere Abfuhr, aber auch eine Sensation, weil Memmingen „durch die starke Defensive“, wie Kickers-Trainer Dirk Schuster befand, den Hausherren „das Leben mehr als schwer gemacht hat“.

Zweimal zappelt der Ball zwar schon in der ersten Halbzeit im Memminger Tor, doch Stuttgart wurde einmal wegen Abseitsstellung und zum anderen wegen eines vorangegangenen Foulspiels an Torhüter Tobias Kirchenmaier zurückgepfiffen.

Knackpunkte des Spiels waren der Platzverweis für Daniel Böck und der Ausfall von Harald Holzapfel in der Abwehrkette. Böck hatte sich zwei Foulspiele im Mittelfeld geleistet, sah die Ampelkarte und muss am Donnerstag gegen Vize-Meister 1. FC Nürnberg II zuschauen.

Hätte Memmingen nicht in Unterzahl gespielt, es wäre für Stuttgart sehr schwer geworden, die Abwehr zu knacken – darüber waren sich beide Seiten einig. Holzapfel zog sich bei einer Rettungstat eine Platzwunde zu, die mit vier Stichen genäht werden musste. Als er fehlte, fiel just über seine Abwehrseite die Stuttgarter Führung durch Philipp Türpitz. Die Entscheidung fiel drei Minuten später mit einem satten 30-Meter-Schuss, ein weiteres Joker-Tor durch Daniel Reule.

So blieb FCM-Trainer Esad Kahric nicht anderes übrig als dem „starken Gegner zum verdienten Sieg“ zu gratulieren, zeigte sich mit der Leistung seiner Mannschaft aber trotz der Niederlage zufrieden. „Es hat Spaß gemacht hier zu spielen. Leider dauerte der Spaß nicht ganz bis zum Schluss“, so Kahric.

Schwäbische Zeitung

Die Joker stechen: Türpitz und Reule schießen die Blauen zum 2:0-Auftaktsieg gegen Memmingen

Perfekter Saisonauftakt für den Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers: Dank der späten Treffer durch die eingewechselten Angreifer Philip Türpitz (78. Minute) und Daniel Reule (81.) haben die Blauen ihr erstes Heimspiel in der neuen Runde gegen den Aufsteiger FC Memmingen vor 2790 Zuschauern im GAZi-Stadion verdient mit 2:0 (0:0) gewonnen. „Aller Anfang ist schwer“, lautete das Fazit von Kickers-Cheftrainer Dirk Schuster nach der Partie. Ebenfalls ein Start nach Maß gelang der Kickers-U23 in ihrem Gastspiel beim Neuling FSV Hollenbach: Dank eines Tore-Doppelschlags von Predrag Sarajlic siegte das Degerlocher Oberliga-Team mit 2:1.

Mehr Torchancen, ein deutliches Plus bei eigenem Ballbesitz, und auch in der Zweikampfstatistik lagen die Degerlocher Hausherren deutlich vorne. Statistik lügt bekanntlich nicht. Und dennoch verabschiedeten sich die Stuttgarter Kickers gegen den Aufsteiger FC Memmingen nach den ersten 45 Spielminuten der neuen Spielzeit mit einem torlosen 0:0-Unentschieden von den 2790 Fußballfans in die Kabinen. Einen Treffer von Marcel Brandstetter zur vermeintlichen 1:0-Führung hatte der Schiedsrichter Florian Benedum (Mehlingen) aufgrund einer Abseitsstellung des Kickers-Stürmers Mitte des ersten Abschnitt nicht anerkannt. Ein weiteres Tor ebenfalls nicht, nachdem Marcel Ivanusa den Memminger Torwart Tobias Kirchenmaier in dessen Fünfmeterraum bei einer Abwehraktion behindert haben soll. Weitere gute Möglichkeiten ließen die Blauen ungenutzt, die sich ab der zehnten Spielminute drückend überlegen präsentierten.

Demgegenüber erlebte Kickers-Schlussmann Daniel Wagner einen sehr entspannten Einstand in die neue Saison. Außer einige Flanken zu entschärfen hab es für den Keeper gegen den in der Offensive harmlosen Neuling aus dem Allgäu im ersten Abschnitt nichts zu tun. „Wir müssen den Druck erhöhen und mehr über die Flügel kommen“, gab der Trainer Schuster seinen Akteuren in der Halbzeitpause mit auf den Weg.

Gesagt, getan. Zumal der Memminger Daniel Böck der personell zunächst unveränderten Schuster-Elf die Angelegenheit zumindest aus nummerischer Sicht nur wenig später erleichterte. Bereits in der ersten Halbzeit hatte der FC-Mittelfeldmann die gelbe Karte für ein Foulspiel gesehen – und nach einem weiteren in der 55. Minute auf Höhe der Mittellinie gegen Michele Rizzi folgte für ihn folgerichtig der vorzeitige Duschbefehl in Form von Gelb-Rot. Tatsächlich jedoch erleichterte dieser Platzverweis die engagierten Bemühungen der Hausherren nicht. Denn: Die fortan in Unterzahl agierenden Gäste zogen sich noch weiter an ihren eigenen Strafraum zurück und überließen die Initiative nun gänzlich der favorisierten Kickers-Elf.

Die Mehrzahl der 2790 Zuschauer unterm Fernsehturm raufte sich anschließend in nur kurzer Folge die Haare, weil die Blauen erneut selbst allerbeste Gelegenheiten zum Führungstor liegen ließen. Die Vielversprechendste endete nach einem von Enzo Marchese getretenen Freistoß zunächst am linken Torpfosten des Memminger Gehäuses, nur Sekunden später klatschte der Ball an dessen Querlatte, ehe Kickers-Kapitän Marcel Rapp den Nachschuss aus kurzer Distanz weit über das gegnerische Tor hinweg auf die Waldau drosch. Kurz darauf hätten die Memminger Neulinge diese Nachlässigkeiten auf der Gegenseite beinahe bitter bestraft. Stefan Zobel hatte die einzige ernsthafte Torchance der Allgäuer Fußballer in den insgesamt 94 Spielminuten auf dem Fuß gehabt. Doch mit vereinten Kräften bereinigte die Kickers-Defensive diese brenzlige Situation.

Endlich kräftig gejubelt im GAZi-Stadion werden durfte in der 78. Minute, als die eingewechselten Denis Videc und Philip Türpitz mit einem Doppelpass perfekt die Memminger Abwehr aushebelten und Türpitz diese klasse Aktion der beiden Youngster mit einem Flachschuss zum längst überfälligen 1:0 vollendete. Nur drei Minuten danach besorgte sich Daniel Reule ebenfalls mit einem Jokertor einen perfekten Regionalliga-Einstand im Kickers-Trikot. Aus gut 25 Meter Torentfernung nahm der baumlange Kickers-Stürmer Maß und drosch den Ball zum hochverdienten 2:0-Endstand ins Memminger Tor.

Der Grundstein für eine beschwingte Kickers-Fanparty im Anschluss an die Partie im Biergarten am Fuß des Stuttgarter Fernsehturms sowie den zweiten Kultur-Fußball-Doppelpass, „Hurra, wir kicken noch!“ am Abend im Stuttgarter Theaterhaus, war damit gelegt.

Spielstatistik

Stuttgarter Kickers: 1 Wagner – 19 Abruscia, 3 Auracher), 15 Rapp, 13 Stierle – 17 Gerster, 7 Ivanusa (64. 25 Türpitz), 10 Marchese, 8 Rizzi – 20 Pala (53. 27 Videc) – 11 Brandstetter (73. 9 Reule). Trainer: Schuster.

Ersatz: 29 Güvenc (TW); 6 Jung, 22 Gondorf, 26 Fennell.

FC Memmingen: 1 Kirchenmaier – 8 Maier, 2 Pfohmann, 3 Rehm, 4 Holzapfel (67. 16 Heikenwälder) – 11 Knuth (84. 17 Hindelang), 7 Zobel, 6 Ejnar Kahric, 5 Mangler (75. 15 Rucht) – 10 Böck – 9 Decker. Trainer: Esad Kahric.

Ersatz: 22 Deutsch (TW); 12 Zwickl, 13 Beck, 14 Keles.

Tore: 1:0 Türpitz (78.), 2:0 Reule (81.)

Schiedsrichter: Florian Benedum (Mehlingen)

Gelbe Karten: Auracher, Marchese / Maier (jeweils 1. gelbe Karte)

Besonderes: Gelb-Rot für Böck (Memmingen, 55. / wiederholtes Foulspiel)

Zuschauer: 2790 Fans im GAZi-Stadion auf der Waldau

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Vorberichte Stuttgarter Kickers – FC Memmingen

Die Kickers zieht es nach oben
Regionalliga Vor dem Saisonstart morgen gegen den FC Memmingen steckt der Trainer Dirk Schuster hohe Ziele. Von Carlos Ubina

Es ist schon eine ganze Weile her, dass Dirk Schuster auf den VfB Stuttgart herunterschauen konnte. Damals war er noch Spieler und gelegentlich mit dem Karlsruher SC erfolgreicher als der Bundesligarivale. Nun ist Schuster Trainer des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers und war gestern zum ersten Mal auf dem Fernsehturm – und von dort oben lässt sich, rein geografisch natürlich, wunderbar auf die Mercedes-Benz-Arena in Bad Cannstatt herunterblicken.

Sportlich wollen sich die Kickers auch wieder dem VfB nähern. „Wir haben uns hohe Ziele gesteckt“, sagt Schuster vor dem ersten Punktspiel morgen (14 Uhr) gegen den FC Memmingen im Gazi-Stadion. Platz eins bis sechs soll es am Ende sein – oder besser Platz sechs bis eins. Denn als Tabellenneunter der vergangenen Saison und mit bescheidenen finanziellen Möglichkeiten sind die Blauen nicht zwingend der große Aufstiegsaspirant. „Qualitativ haben wir uns aber in der Offensive verstärkt“, sagt Schuster und macht damit auch klar, wie er sich seine Elf vorstellt: aggressiv und fußballerisch dominant.

Verzichten muss der Trainer dabei auf die verletzten Dirk Prediger (Kreuzbandriss) und Simon Köpf (Knochenabsplitterung im Sprunggelenk). Der Innenverteidiger Köpf soll heute operiert werden und fällt vier bis sechs Wochen aus.

Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Marcel Rapp, der sich zuletzt beim 3:1 im WFV-Pokalspiel gegen Metzingen (Drittrundengegner ist Nagold) im Gesicht verletzt hat. Dagegen spielt Mahir Savranlioglu in den Überlegungen für die Anfangself gegen Memmingen keine Rolle, da bei dem Mittelfeldspieler leichte Herzprobleme diagnostiziert wurden und die Angelegenheit Savranlioglu belastet. „Er wirkt etwas gehemmt und wird sich nun einem internistischen Eingriff unterziehen, um Gewissheit zu bekommen“, sagt Schuster.

Was die Leistungen anbelangt, haben die zwei WFV-Pokalpartien gegen Glems und Metzingen zumindest in Sachen Jéräme Gondorf und Ali Pala wieder Zweifel beim Trainer hervorgerufen. Bis dahin hatte das Duo eine gute Vorbereitung hingelegt, jetzt müssen beide um ihren Platz im Team bangen. Und in der Personalie Patrick Milchraum gibt es ebenfalls Neues: auch den 26-Jährigen, zuletzt Trainingsgast bei den Kickers, zieht es nach oben. Milchraum absolviert ein Probetraining beim Zweitliga-Aufsteiger Erzgebirge Aue.

Stuttgarter Zeitung

„So schnell wie möglich raus aus der Liga“

Stuttgart – Am Samstag (14 Uhr) beginnt im Gazistadion gegen den FC Memmingen der Ernst der Regionalliga für die Stuttgarter Kickers. Trainer Dirk Schuster schätzt seinen Kader stärker ein als vergangene Runde – und er hat sich und den Spielern deshalb ein neues Ziel gesetzt.

Herr Schuster, sind Sie vor dem Ligastart 2010 nervöser als in der vergangenen Saison?

Es wird wirklich Zeit, dass die Punktrunde losgeht. Alle bei den Kickers haben diese gewisse Anspannung und Vorfreude – wir wissen, dass wir sehr gut gearbeitet haben in der Vorbereitung. Wir wollen das auch unseren Fans beweisen. Und natürlich ist man auch als Trainer angespannt und spürt das Startfieber. Das gehört einfach dazu.

2009 haben Sie kein Saisonziel proklamiert, jetzt lautet es Platz eins bis sechs. Jetzt werden alle Sie an diesen Worten messen.

Moment, wir haben uns bereits zur Rückrunde ein Ziel gesetzt, es lautete: Einen Punkt mehr als in der Vorrunde zu holen – das haben wir erreicht. Vergangene Saison stand unter der Vorgabe, sich zu konsolidieren, in der Liga eine gute Rolle zu spielen, eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzubauen, ordentlichen Fußball zu zeigen – so etwas kann man nicht an Punkten festmachen. Die Kickers waren eine getunte Oberliga-Truppe. Wir haben nicht genau gewusst, was uns erwartet und wo wir stehen.

Und jetzt wissen sie was auf Sie zukommt?

Wir sind letzte Saison Neunter geworden, haben Torjäger Mijo Tunjic verloren, aber die Zugänge haben den Kader qualitativ verbessert. Deshalb stecken wir uns ein neues Ziel, wir wären schlechte Sportler, wollten wir Platz neun aus der letzten Runde verteidigen. Ich bin überzeugt, dass wir ins erste Drittel der Tabelle marschieren können.

Was haben die Jungs letzte Saison gelernt?

In erster Linie Erfahrung gesammelt und die Überzeugung bekommen, dass sie mit allen Mannschaften in der Regionalliga mithalten können. Dass es kein Team gab, das dramatisch überlegen war. Aber die Spieler haben auch gesehen, dass sie immer 100 Prozent abrufen müssen, wenn sie gewinnen wollen – selbst gegen Gegner wie Alzenau geht mit angezogener Handbremse nichts.

Und wo haben Sie als Trainer dazugelernt?

In allen Bereichen, aber diese Details gehören nicht in die Öffentlichkeit.

Jetzt machen Sie mich erst recht neugierig. Können Sie Ihren eigenen Reifeprozesse bitte etwas skizzieren?

Natürlich war ich mir immer schon bewusst, dass ich nicht alles weiß und nicht alles kann, außerdem bin ich nicht beratungsresistent, sondern offen für Anregungen und Hinweise. Wir haben uns im Team der handelnden Personen gegenseitig angespornt, aber auch kontroverse Diskussionen geführt und im Prozess der Problembewältigung neue Erkenntnisse gesammelt.

Topstar Tunjic ist weg, fünf neue Spieler sind gekommen – warum ist der Kader besser?

Wie wir einen stärkeren Konkurrenzkampf haben – 2009 sind sechs Spieler in der Vorbereitung mit schweren Verletzungen weggebrochen. Das fällt stark ins Gewicht bei einem 20-Mann-Kader. Derzeit fehlen nur Dirk Prediger mit einem Kreuzbandriss und Simon Köpf mittel- beziehungsweise langfristig, deshalb findet ein härterer Kampf um die Stammplätze statt – denn bei mir zählt ausschließlich der Leistungsgedanke. Das bringt das Team nach vorn.

Diesbezüglich wäre eine Verstärkung namens Patrick Milchraum höchst willkommen.

Natürlich, er ist ein hochinteressanter Spieler. Aber wir haben aus den Gesprächen herausgehört, dass sein Ziel nicht die vierte Liga ist – sein Ziel muss die dritte, ja sogar zweite Liga sein. (Milchraum war Trainingsgast der Blauen, d. Red.) Von seinen Fähigkeiten ist er für die vierte Liga überqualifiziert. Wenn er zu den Kickers kommen würde, würden wir uns qualitativ in der Offensive deutlich verstärken. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich mit der Regionalliga zufrieden gibt.

Gibt’s denn schon Interessenten für den ehemaligen Spieler der Münchner Löwen?

Ja. Seit Donnerstag trainiert er beim Zweitligisten Erzgebirge Aue mit.

Wenn Milchraum kein Blauer wird, haben Sie noch einen Schuss bei Neuverpflichtungen frei. Wen haben Sie im Visier?

Das ist davon abhängig, wer uns vor die Flinte läuft. Wir müssen nicht mehr unbedingt etwas machen – wenn sich jemand schwer verletzt oder plötzlich Bedarf auf einer Position entsteht, dann können wir kurzfristig aktiv werden. Wir haben weder Druck noch Eile – wir haben noch eine Patrone frei und halten die Augen offen.

Marcel Rapp wurde von Ihnen wieder zum Kapitän bestimmt – ist er Ihr verlängerter Arm, Ihr Führungsspieler?

Ich habe ihn nicht bestimmt, die Mannschaft hat ihn und den Spielerrat gewählt. Da habe ich nicht diktatorisch eingegriffen. Das zeigt seinen Stellenwert. Und: Führungspersonen definieren sich ausschließlich über Leistung. Sie ist das A und O – wer auf Dauer keine Leistung bringt, kann kein Führungsspieler sein.

2009 haben Sie den Kapitän aber bestimmt.

Da war das Team fast komplett neu, die Spieler kannten sich kaum. Rapp war schon damals ein Vorzeigeprofi, deshalb habe ich ihn bestimmt. Jetzt haben wir eine gewachsene Mannschaft, die Spieler kennen sich. Also muss der Trainer nicht in interne Prozesse eingreifen, die Mannschaft regelt selbst, wer ihre Interessen vertritt.

Wie lang ist Ihre Trainer-Leine?

Das ist von den Spielern abhängig. Wenn es nicht funktioniert, sind die Zügel ganz schnell wieder straff und kurz.

Bald jeder Club schimpft über die teure, unattraktive Regionalliga – hat sie eine Zukunft?

Nein, die hat sie überhaupt nicht. In der West-Liga haben drei Teams zurückgezogen, die sportlichen Absteiger sind drin geblieben. Das sagt viel aus. Für die Kickers ist diese Liga auf Dauer nicht machbar, da sollten sich alle Beteiligten schnell etwas einfallen lassen. Bei nur einem Aufsteiger in einer 18er-Liga, da kann wie in der letzten Saison sehr schnell die Luft raus sein.

Dann noch Reserveteams von Proficlubs, die auch nicht reizvoll sind. Greuther Fürth II, …

… Wehen-Wiesbaden II. Das ist unattraktiv – aus Sponsoren-Sicht wie auch für die Zuschauer.

Da kann es nur eines geben.

Richtig. So schnell wie möglich raus aus der Liga.

Wie realistisch ist das für die Kickers?

Das wird sich zeigen.

Noch eine Frage brennt mir auf den Nägeln: Ist eine Kooperation mit dem VfB, etwa als Farmteam, tatsächlich undenkbar?

Grundsätzlich ist jeder Spieler, der unseren Kader verbessert, für uns interessant. Ein Farmteam des VfB ist quatsch, das ist nicht machbar. Aber wir haben eine Zusammenarbeit mit dem VfB begonnen, den Gedankenaustausch forciert, 2009 gab es Gespräche mit Jochen Schneider (VfB-Sportdirektor, Anm. d. Red.). Ein Resultat war: Ali Pala kehrte zu uns zurück. Bei gegenseitigem Nutzen wäre es doch töricht, mit dem großen Stadtrivalen – mit dem wir uns gerade sowieso nicht messen können – nicht zusammenzuarbeiten.

Schwarzwälder Bote

Die Zurückhaltung ist abgelegt
Nach Platz neun im ersten Regionalliga-Jahr wollen die „Blauen“ jetzt mehr

Stuttgart – Für die Stuttgarter Kickers wird es ernst: Mit dem Heimspiel morgen (14 Uhr) gegen Aufsteiger FC Memmingen starten die „Blauen“ in ihre zweite Saison in der Fußball-Regionalliga. Und die Zurückhaltung ist abgelegt. „Wir wollen im vorderen Drittel landen“, macht Trainer Dirk Schuster klar, dass nach Platz neun im Vorjahr die Erwartungen gestiegen sind.

Von Beate Wockenfuß

Schuster ist zuversichtlich, dass seine junge Mannschaft jetzt zu Höherem fähig ist. „Die Spieler haben in der zurückliegenden Saison viel gelernt und sich weiterentwickelt“, begründet der Coach. Zudem ist das Grundgerüst des Teams erhalten geblieben. Und in Marcel Brand­stetter, Daniel Reule sowie Denis Videc sind gleich drei neue Stürmer an Bord. „Wir haben uns im Offensivbereich qualitativ verbessert“, betont Schuster. Schließlich haben die externen Neuzugänge vier und fünf – Oliver Stierle und Ali Pala – ebenfalls Zug nach vorne. „Jetzt sind wir schwerer ausrechenbar, weil wir mehr Variationsmöglichkeiten haben“, freut sich der 42-Jährige, der in Rückkehrer Stierle zudem einen erfahrenen Leitwolf dazubekommen hat. „Er trägt den absoluten Siegeswillen in sich und geht sowohl auf als auch neben dem Platz voran.“ Ob in Patrick Milchraum ein weiterer früherer Kickers-Akteur zurückkehrt, ist noch offen. Der 26-Jährige, der sich zuletzt bei den „Blauen“ fit gehalten hat, nahm gestern beim Zweitligisten Erzgebirge Aue ein Probetraining auf. „Natürlich hätte ich ihn gerne hier. Er könnte uns mit seiner Erfahrung sicher weiterhelfen, hat aber auf alle Fälle Zweitliganiveau“, sagt Schuster über den Mittelfeldspieler, der in den vergangenen sechs Jahren bei Alemannia Aachen und dem TSV 1860 München auf insgesamt 142 Zweitliga-Einsätze und 17 Tore kam. Allerdings sind die Kickers und Erzgebirge Aue nicht die einzigen Interessenten.Damit stehen aktuell 22 Akteure in Schusters Kader. Von denen jedoch zwei verletzungsbedingt länger ausfallen. Am schlimmsten erwischte es Stürmer Dirk Prediger, der sich in der Vorbereitung einen Kreuzbandriss zuzog und bis zur Winterpause nicht mehr zur Verfügung steht. Innenverteidiger Simon Köpf fehlt mindestens vier, maximal sechs Wochen, nachdem er gestern am Sprunggelenk operiert wurde. Am kommenden Montag muss sich zudem Mahir Savranlioglu wegen seiner Herzprobleme einem chirurgischen Eingriff unterziehen. Indes stellte sich die Verletzung, die Kapitän Marcel Rapp am Dienstag beim WFV-Pokal in Metzingen erlitt, zum Glück nicht als schwerwiegend heraus, sodass der Innenverteidiger wohl morgen gegen Memmingen wieder dabei sein könnte. „Hinter seinem Einsatz steht noch ein kleines Fragezeichen“, sagt Schuster, der mit einem unbequemen Auftaktgegner rechnet. „Das wird mit Sicherheit kein Spaziergang“, warnt er. Denn der souveräne Meister der Bayernliga bringe seine Aufstiegseuphorie mit. „Die Memminger wollen sich in der Regionalliga beweisen und gleich zeigen, dass sie mithalten können – so wie wir letztes Jahr“, betont Schuster.

Der Kader
Abgänge:Marcel Charrier, Christian Grujicic (beide Ziel unbekannt), Gökhan Gümüssu (TSV 1860 München II), Andre Olveira (SSV Reutlingen), Franco Petruso (Ziel unbekannt), Luis Rodrigues (Ziel unbekannt), Moritz Steinle (eigene 2. Mannschaft), Kaan Tosun (Waldhof Mannheim), Mijo Tunjic (SpVgg Unterhaching).Zugänge:Marcel Brandstetter (VfR Aalen), Royal-Dominique Fennell (eigene 2. Mannschaft), Ali Pala (VfB Stuttgart II), Daniel Reule (SV Waldhof Mannheim), Oliver Stierle (FC Bayern München II), Denis Videc (FC Heilbronn), Andreas Wonschick (eigene 2. Mannschaft).Tor:Daniel Wagner, Günay Güvenc.Abwehr:Alessandro Abruscia, Patrick Auracher, Fabian Gerster, Simon Köpf, Marcel Rapp, Andreas Wonschick.Mittelfeld:Royal-Dominique Fennell, Jerome Gondorf, Marcel Ivanusa, Demis Jung, Enzo Marchese, Ali Pala, Michele Rizzi, Mahir Savranlioglu, Oliver Stierle.Angriff:Marcel Brandstetter, Dirk Prediger, Daniel Reule, Philip Türpitz, Denis Videc.Trainer:Dirk Schuster.

Eßlinger Zeitung

StZ: Interview Dirk Schuster spricht vor dem Saisonstart über seine Pläne mit den Stuttgarter Kickers.

„Die Mannschaft ist noch einen Tick fitter“

Die Stuttgarter Kickers starten am Samstag gegen den Aufsteiger FC Memmingen in ihre zweite Saison in der Fußball-Regionalliga unter dem Trainer Dirk Schuster. Nach Platz neun im Vorjahr sind die Ziele diesmal deutlich höher.

Herr Schuster, Sie haben in diesem Jahr die Zielsetzung Platz eins bis sechs ausgegeben. Was spricht denn dagegen, dass die Kickers am Ende Meister werden?

Dass viel zusammenkommen muss, um Platz eins zu belegen.

Zum Beispiel?

Zunächst einmal müssen wir sehr gut in die Saison starten, wovon ich eigentlich überzeugt bin, wir müssen weitgehend verletzungsfrei bleiben – und in manchen Spielen auch das Quäntchen Glück haben. Aber das ist nicht planbar, weil letztlich eben nur eine Mannschaft aufsteigt.

Aber der Kader ist doch stärker geworden?

Wir haben zwar im Vergleich zum letzten Jahr eine deutlich ausgeglichenere Mannschaft und sind in der Offensive qualitativ besser. Aber die Konkurrenz schläft auch nicht – wobei die Zielsetzung mit Platz eins bis sechs auf alle Fälle realistisch ist.

Wenn Sie von der Konkurrenz sprechen, welche Vereine stufen Sie denn als Ihre stärksten Rivalen ein?

Ich denke, dass die zweiten Mannschaften des 1. FC Nürnberg, des SC Freiburg und selbst des Karlsruher SC nach einer tollen Rückrunde die Devise haben, im ersten Drittel zu landen. Dazu rechne ich Hessen Kassel, das enorm aufgerüstet hat. Und wenn in Hoffenheim die Maxime existiert, den Durchmarsch in die dritte Liga zu schaffen, wird man sie nicht aufhalten können. Von deren wirtschaftlichen Möglichkeiten kann jeder andere Regionalligist nur träumen. Wenn man sieht, dass sie einen dänischen Nationalspieler für die U 23 verpflichtet haben, dann weiß man ungefähr, wohin die Reise gehen soll. Dazu kommt vielleicht eine Überraschungsmannschaft wie die SpVgg Weiden oder die SG Sonnenhof Großaspach.

Im Vorjahr hatten sie keine Zielsetzung ausgegeben, jetzt ist es anders. Spricht das für ein neues Selbstbewusstsein der Kickers?

Letztes Jahr hatte kaum ein Spieler Regionalligaerfahrung. Deshalb wussten wir vor der Runde nicht so richtig, was wir erwarten können. Aber es war eine sehr lehrreiche Saison für uns, jeder Spieler hat sich inzwischen weiterentwickelt. Und warum sollten wir da nach Platz neun einen Schritt zurückgehen?

Vielleicht weil der Torjäger Mijo Tunjic mit seinen 19 Treffern den Verein verlassen hat. Sollen dafür Daniel Reule, Ali Pala und Marcel Brandstetter je sieben Tore schießen, um die Quote zu überbieten?

Sie haben jetzt nur die Neuzugänge angesprochen. Aber wir haben noch Philipp Türpitz, auch von Denis Videc können wir einiges erwarten, und Oliver Stierle ist sehr offensiv ausgerichtet auf der linken Seite. Wir haben die Verantwortung somit auf mehrere Spieler verteilt. Ich will aber keinen der Stürmer mit sieben Toren unterfordern, wenn sie wollen, können sie auch 19 machen. Da gibt“s keine Vorgabe. Aber ich glaube, dass wir schwerer ausrechenbar sind und mehr Variationsmöglichkeiten haben. Im vergangenen Jahr hat sich die Elf oft von alleine aufgestellt.

Welche Rückschlüsse gibt es aus der Vorbereitung, etwa Änderungen im taktischen Bereich, nachdem Sie ja einige Varianten ausprobiert haben?

Wir haben in Dirk Prediger und Simon Köpf nur zwei ernsthafte verletzungsbedingte Ausfälle, im Vorjahr waren es gleich sechs Spieler. Außerdem haben wir anhand der Vergleichswerte festgestellt, dass die Mannschaft nochmal einen Tick fitter geworden ist, was sich etwa bei Laufübungen in den Zeiten deutlich niedergeschlagen hat. Am System wird sich nichts ändern. Wir werden ein 4-4-2 mit Raute favorisieren, können aber verschiedene Positionen während des Spiels variieren.

In der Regionalliga selbst läuft nicht alles rund, deshalb gibt es verschiedene Reformvorschläge. Was müsste sich Ihrer Meinung nach denn ändern?

Mit nur einem Aufsteiger aus jeder Staffel droht von vorneherein eine gewisse Langeweile. Wenn, wie im Vorjahr mit dem VfR Aalen, eine Mannschaft vorneweg marschiert, wird die Liga uninteressant. Ein Relegationsplatz würde deshalb Wunder wirken. Was mich zudem stutzig macht, sind die vielen Insolvenzen oder freiwilligen Verzichte in allen drei Staffeln. Ganz extrem im Westen, wo sportlich kein Team abgestiegen ist. Aber das sind Dinge, die nicht in unserer Macht liegen, das muss der Deutsche Fußball-Bund klären.

Bei den Kickers wurde der Etat immerhin um rund 20 Prozent auf gut zwei Millionen Euro erhöht. Dennoch hat der Verein auf teure Verpflichtungen verzichtet. Warum?

Wir verfolgen ja bereits seit letztem Jahr die Linie, vorrangig Spieler aus den eigenen Reihen zu holen. Erst wenn wir feststellen, dass die den Anforderungen noch nicht ganz genügen, befassen wir uns mit externen Neuzugängen. Die sollen aber nach Möglichkeit aus der Region stammen. Wir wollen einfach, dass sich die Spieler mit dem Verein identifizieren können. Das hat sich positiv bemerkbar gemacht und war auch eine Signalwirkung für Spieler wie Pala, Brandstetter oder Stierle, wieder zurückzukommen.

Nicht zu vergessen Patrick Milchraum.

Er ist ein hervorragender Trainingsgast, nicht mehr und nicht weniger.

Hat Sie denn ein Spieler in der Vorbereitung besonders überrascht?

Besonders angetan bin ich von Jéräme Gondorf, der schon am ersten Tag in einem sehr guten körperlichen Zustand zu uns kam. Ich glaube, er hat die Schwierigkeiten, die er in der Rückrunde hatte, verinnerlicht, nachdem er in der Wintervorbereitung zu großen Teilen gefehlt hatte.

Auch Enzo Marchese hatte in der Rückrunde über weite Strecken nicht die optimale Form. Er macht jetzt einen viel besseren Eindruck. Wie kommt das?

Wenn man allgemein die Entwicklung bei den Körperfettwerten sieht, hat sich der reine Fettanteil bei allen verbessert, aber extrem bei ihm. Das sieht man auch auf dem Platz. Er neigt als Italiener von seiner Statur her ja durchaus dazu, etwas pummelig zu wirken. Aber jetzt ist er in einem austrainierten Zustand, so wie wir ihn haben wollten. Und er hat sich, wie viele in der Mannschaft, individuell sehr hohe Ziele gesetzt.

Genau wie der Verein, nicht zuletzt dank eines Investors. Der hat jetzt noch Michael Zeyer als Koordinator Sport ins Boot genommen. Wie hat sich dies ausgewirkt?

Wir arbeiten hier im Team, haben alle ein Ziel – und versuchen, uns alle so gut wie möglich einzubringen. Das gilt auch für Michael Zeyer.

Außer der Liga gibt es ja auch noch den WFV-Cupwettbewerb auf Verbandsebene. Was würden Sie am Saisonende bevorzugen: den Pokal- oder Meistertitel?

Ich glaube, dass der erste Platz in der Regionalliga für uns die bessere Alternative wäre – wobei wir auch den Pokal holen wollen.

Das Gespräch führte Joachim Klumpp.

Stuttgarter Zeitung

Presse zu TuS Metzingen – Stuttgarter Kickers (1:3)

TuS-Führungstor reicht nicht

Regionalligist SV Stuttgarter Kickers ist mit einem glanzlosen 3:1 (1:1)-Sieg bei Landesligist TuS Metzingen in die dritte WFV-Pokalrunde eingezogen. Der Underdog verkaufte sich teuer und hielt 70 Minuten mit.

Dirk Schuster, der Trainer der Stuttgarter Kickers, ist ein ruhiger und besonnener Mensch. Aber gegen Ende der ersten Halbzeit explodierte der Ex-Nationalspieler (vier A-Länderspiele für DDR, drei A-Länderspiele für BRD) in der Coaching-Zone und faltete seine Mannschaft zusammen. Grund: Zu diesem Zeitpunkt stand es 1:1, was für Schusters Team gegen einen Regionalligisten, der am kommenden Samstag gegen den FC Memmingen sein erstes Punktspiel zu bestreiten hat, viel zu wenig ist. Am Ende gewann der Ex-Bundesligist zwar noch mit 3:1, doch mit Ruhm bekleckert hatten sich die „Blauen“ an diesem Abend im Metzinger Otto-Dipper-Stadion vor 400 Zuschauern wahrlich nicht.

Man sagt in Fußballerkreisen ja bekanntlich, dass man immer nur so gut spielen kann, wie es der Gegner zulässt. 70 Minuten lang machten die Gastgeber, betreut von Trainer Erol Türkoglu und dessen „Co“ Claudio Mastrangelo, den Kickers das Leben sehr schwer. Schon mit der Aufstellung zweier Stürmer (Erkut Alici, Benjamin Plangger) demonstrierten die Übungsleiter, dass man sich gegen den großen Gegner nicht verstecken, sondern mitspielen wollte. Dass in dieser Saison im Offensivspiel die große Stärke der neuformierten TuS-Mannschaft liegen kann, zeigten die Liotti-Zwillinge gleich in der dritten Minute: Enzo spielte einen tollen Ball in die Gasse auf seinen Bruder Carlo, der sich behaupten und via Innenpfosten zur ebenso frühen wie auch überraschenden Führung für die Ermstäler einschoss. Die Kickers wirkten überrascht. Marcel Rapp, der einst als eine der größten Defensivhoffnungen im deutschen Fußball galt, konnte einen Schuss von Ercan Acar aus kurzer Distanz gerade noch zur Ecke klären (7.). „Die TuS-Führung ging in Ordnung. Wir hatten Glück, dass diese nicht noch höher ausfiel“, resümierte denn auch Schuster über die flotten zehn Metzinger Anfangsminuten.

Danach kamen die Stuttgarter besser ins Spiel. Alessandro Abruscia traf aus zwölf Metern das Außennetz (10.). Michele Rizzi verlängerte einen Freistoß von Marchese an den Pfosten, den Nachschuss drosch Denis Videc knapp drüber (12.). Der Ausgleich fiel dann aber erst durch einen 25-Meter-Freistoß, den Marchese genau im Winkel versenkte – ein tolles Tor (25.). Der Favorit bestimmte nun das Spiel, die schnellen Metzinger Entlastungsangriffe wurden seltener. Dennoch wechselte man mit 1:1 die Seiten.

Im zweiten Durchgang fand Metzingens Benjamin Plangger zunächst aus 16 Metern seinen Meister in Kickers-Torwart Daniel Wagner (49.), ehe die Gäste noch mehr Dampf machten. Der eingewechselte Ex-SSV-Stürmer Daniel Reule traf aus drei Metern das leere Tor nicht (56.), ehe die großen Momente von TuS-Keeper Michael Hoffmann kamen. Erst lenkte er einen Freistoß von Reule mit den Fingerspitzen noch an den Pfosten (62.), dann klärte er gegen die jeweils durchgebrochenen Brandstetter (64., 76.) und Reule (67.) in höchster Not. Nach dem Doppelschlag von Marchese (68.) und Marcel Ivanusa (71.) war die starke Metzinger Moral allerdings gebrochen. Zwar hätte das Schuster-Team das Ergebnis noch höher gestalten können, doch machte es den Eindruck, als ob sich die Kickers, die insgesamt nicht mehr als nötig taten, mit dem Resultat zufrieden waren.

TuS-Coach Erol Türkoglu war mit dem Spiel seiner Truppe sehr zufrieden: „Hinten raus hat die Kraft nachgelassen, aber wir haben ja auch erst in zweieinhalb Wochen das erste Punktspiel. Wir hatten nichts zu verlieren, genauso haben wir auch gespielt. Es war eine tolle Erfahrung für meine junge Truppe, die sich hervorragend präsentiert hat. Wir sind auf einen guten Weg.“ Dirk Schuster, der die TuS lobte, konnte mit seiner Mannschaft nicht zufrieden sein: „Unser Spiel war viel zu statisch, deshalb haben wir uns sehr schwer getan. Es war nicht mehr als ein Pflichtsieg.“

So spielten sie

TuS Metzingen: Hoffmann – Mohr, Samuele Cutruneo (75. Stiefel), Knappe, Geibel, Reitter (86. Caran), Carlo Liotti (58. Rothweiler), Enzo Liotti, Alici (70. Frick), Acar, Plangger (83. Fabio Cutruneo)

SV Stuttgarter Kickers: Wagner – Auracher, Rizzi, Marchese, Brandstetter, Stierle, Rapp (39. Gerster), Abruscia, Pala (46. Türpitz), Gondorf (13. Ivanusa), Videc (52. Reule)

Tore: 1:0 Carlo Liotti (3.), 1:1, 1:2 Marchese (24., 68.), 1:3 Ivanusa (71.)

Zuschauer: 400

Schiedsrichter: Manuel Dürr (Böblingen)

Südwest-Presse