Vorberichte Stuttgarter Kickers – SC Pfullendorf

Mit drei Neuen gegen Pfullendorf
Denkpause für Gambo

Stuttgart (kli) – Es ist der letzte Rettungsversuch: Gleich auf drei Positionen verändert Trainer Stefan Minkwitz das Team der Stuttgarter Kickers im wichtigen Nachholspiel gegen den SC Pfullendorf am heutigen Dienstag (19 Uhr/Gazistadion). So stehen nach überstandenen Verletzungen Mustafa Akcay und Oliver Stierle sowie der zuletzt gesperrte Angelo Vaccaro wieder in der Startelf. Vaccaros Einsatz stimmt Minkwitz zuversichtlich, dass dem im Angriff harmlosen Regionalligisten im elften Anlauf der erste Heimsieg gelingt. „Von ihm erhoffe ich mir, dass er unsere Offensivprobleme löst und die anderen mitreißt“, sagt Minkwitz.

Wer seinen Platz in der Anfangsformation räumen muss, lässt der Kickers-Coach offen. Sicher ist aber: Der zuletzt schwach spielende Bashiru Gambo gehört diesmal nicht zum Kader. „Wir haben ihn aus disziplinarischen Gründen für Dienstag freigestellt“, erklärt Minkwitz, „ich warte jetzt, ob er in den nächsten Trainingseinheiten eine Reaktion zeigt – dann sehen wir weiter.“ Zurzeit liegen die Blauen neun Punkte hinter Platz zehn zurück. Ein Sieg gegen Tabellennachbar Pfullendorf ist daher Pflicht.

Stuttgarter Nachrichten

„Nun müsste schon ein Wunder her“
Prominente zur Misere

Stuttgart – Sind die Kickers zu retten? Hoffnung, sagen viele, gibt es kaum noch. Dafür Einigkeit unter den Blaublütigen: Stuttgart wäre ohne die Kickers ärmer. Viel ärmer.

Fredi Bobic, Ex-Kickers-Profi: „Ich bin gerade in Amerika. Ist Minki noch Trainer? Er hat es schwer. Denn normal muss in Heimspielen die Basis für Erfolge gelegt werden, das haben die Kickers verpasst. Die Blauen sind in Stuttgart eine Institution, das wird von vielen unterschätzt. Ein Abstieg wäre jämmerlich schade.“

Susanne Eisenmann, Sportbürgermeisterin: „Mit den Kickers sind Generationen von Stuttgartern aufgewachsen. Wer hier von einem Traditionsverein redet, der spricht von den Blauen. Das aktuelle Team hat Potenzial, aber ein immenses Problem im Sturm. Und es fehlt jegliches Selbstvertrauen. Da wird sogar Pfullendorf zum Angstgegner. Der Abstieg wäre ein ganz, ganz unschönes Signal für die Sportstadt Stuttgart.“

Michael Gaedt, Musiker und Comedian: „Auch ,Die Kleine Tierschau“ glaubt an die Blauen, hat Pixel auf der Homepage gebucht. An uns liegt“s also nicht. Tatsächlich ist alles eine Tragödie. In Stuttgart gab es mitten im Wald Kultur – in welcher Stadt gibt es das sonst noch? Wenn die Kickers nicht mehr da sind, würde in Stuttgart viel fehlen. Eigentlich geht das gar nicht.“

Wolfgang Wolf, Ex-Profi und -Trainer der Kickers: „Mein Herz hängt immer noch an den Blauen. Wenn ich die Tabelle sehe, ist das sehr unbefriedigend. Doch scheinbar steckt das Schiff fest. Nach dieser katastrophalen Serie und der Heimmisere habe ich keine Hoffnung mehr. Nun müsste schon ein Wunder her. Wichtig ist, schon jetzt zu schauen, was in der vierten Liga passiert. Verschwinden die Blauen von der Bildfläche, wäre das ganz traurig – für die Kickers, aber auch für die gesamte Stadt.“

Erwin Staudt, VfB-Präsident: „Es gibt kein Patentrezept dafür, wie die Kickers die Krise beenden können. Ich hatte eigentlich gedacht, dass nach dem Ausstieg von Hans Kullen einige potente Geldgeber bereit wären, in die Kickers zu investieren, aber das ist wohl nicht passiert. Früher war es ein schönes Wechselspiel zwischen dem ,großen“ VfB und den ,kleinen“ Kickers. Für mich gab es nichts Schöneres, als die Derbys in der Bundesliga. Doch diese Zeiten sind leider vorbei.“

Werner Schretzmeier, Theaterhaus-Intendant: „Die Gründe für die Krise sind derartig umfassend – das ist ein ganzer Komplex. Wenn es nur am fußballerischen Bereich liegen würde und das Umfeld intakt und stimmig wäre, dann wäre es ja einfach. Stattdessen ist es ein Konglomerat an Ungereimtheiten. Im Handeln der Kickers gibt es keine Stringenz, vieles passiert zufällig. Das ist katastrophal. Dabei ist das Label der Blauen immer noch positiv besetzt. Die Kickers in ihrem liebevollen, nostalgischen Stadion sind in Stuttgart ein kulturelles Gut.“ jok

Stuttgarter Nachrichten

Kickers heute gegen Pfullendorf

Stierle und Akcay in der Startelf
STUTTGART (ump). Als die Spieler des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers gestern Mittag zum Training marschiert sind, haben die zuletzt suspendierten Markus Ortlieb und Sven Sökler abermals gefehlt. „Sie sind noch kein Thema“, sagt der Trainer Stefan Minkwitz vor der Nachholpartie gegen Pfullendorf (heute, 19 Uhr), „und was danach kommt, interessiert mich jetzt noch nicht.“

Schließlich gilt es heute im elften Heimspiel der Saison den ersten Sieg einzufahren, um im Kampf um einen Platz für die dritte Liga nicht vorzeitig aus dem Rennen zu sein. „Natürlich wird es nach der Leistung vom Samstag einige Umstellungen geben“, sagt Minkwitz, der wieder auf den Linksverteidiger Oliver Stierle und den Mittelfeldspieler Mustafa Akcay zurückgreifen kann – und wird. Weitere Änderungen könnten im Mittelfeld und Sturm erfolgen, wo Ferhat Cerci, Bashiru Gambo und Sokol Kacani als Wackelkandidaten gelten. „Mit Ausnahme von Alexander Rosen war ich gegen München mit keinem Spieler zufrieden“, sagt Minkwitz.

Im Angriff setzt er wieder auf den zuletzt gesperrten Angelo Vaccaro, „damit sieht das Spiel nach vorne schon wieder ganz anders aus“, sagt Pfullendorfs Trainer Michael Feichtenbeiner, der am Samstag im Gazi-Stadion war. Hinter dem Einsatz seiner Offensivkräfte Marco Calamita und Neno Rogosic steht ein Fragenzeichen, der ehemalige Kickers-Spieler Ralf Zimmermann ist nach der fünften Gelben Karte gesperrt. „Je länger es 0:0 steht, desto größer wird unsere Chance“, sagt Feichtenbeiner und fügt hinzu: „Wenn wir nicht in Rückstand geraten, können wir das Spiel in der zweiten Halbzeit gewinnen.“

Stuttgarte Zeitung

„Erstes Endspiel“ für die Kickers
 
Stuttgart (bw) – Für Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers steht heute (19 Uhr) im Gazi-Stadion das „erste Endspiel“ an – als solches bezeichnete zumindest Cheftrainer Stefan Minkwitz die Nachholpartie des Tabellen-17. gegen den SC Pfullendorf, der auf dem 16. Platz steht. Nach der enttäuschenden 0:1-Heimpleite am vergangenen Samstag gegen den FC Bayern München II, mit der die Kickers wieder an Boden im Kampf um die Qualifikation für die dritte Liga verloren haben, beschloss das Präsidium, an Minkwitz festzuhalten. Präsidiumsmitglied Walter Kelsch redete anschließend der Mannschaft ins Gewissen, forderte eine massive Leistungssteigerung und erwartet im heutigen Duell der Kellerkinder eine Trotzreaktion. Wahrscheinlich können die „Blauen“ dabei wieder auf Oliver Stierle zurückgreifen, der seinen Muskelfaserriss auskuriert hat. Auch Angelo Vaccaro steht nach seiner Gelb-Sperre wieder zur Verfügung. Außerdem soll Mustafa Akcay in die Startformation rücken.

So wollen sie spielen: Yelldell – Benda, Wildersinn, Rapp, Stierle – Rosen, Parmak, Akcay, Cerci – Vaccaro, Kacani.
 
Eßlinger Zeitung

Letzte Chance gegen Pfullendorf
Auch der VfB drückt heute die Daumen
Von HELMUT HEIMANN

Heute gilt’s!
Für die Stuttgarter Kickers geht’s im Regionalliga-Nachholspiel gegen den SC Pfullendorf (19 Uhr, Gazi-Stadion) bereits um Alles oder Nichts.

Bei einem Sieg wird der Abstand auf Rang zehn, der zur Teilnahme an der neuen 3. Bundesliga berechtigt, auf sechs Punkte verkürzt – und die Hoffnung, dass es der Traditionsverein doch noch schafft, etwas vergrößert.
Bei einem weiteren Spiel ohne Dreier können die Blauen bereits für die 4. Liga planen. Das wäre für den ehemaligen Bundesliga-Klub der Super-Gau!

Und schade für den Stuttgarter Fußball. Superstars wie Jürgen Klinsmann, Guido Buchwald oder Karl Allgöwer starteten auf der Waldau ihre Karrieren. Doch das ist lange her.

„Jetzt gibt keiner mehr einen Pfifferling auf uns“, meint Joachim Cast. Wenn der Manager sich da mal nicht irrt…

Denn viele Stuttgarter drücken den Blauen heute die Daumen, dass sie mit dem ersten Heimsieg der Saison die Aufholjagd starten.

So auch VfB-Präsident Erwin Staudt: „Ich hoffe, dass die Kickers das Unmögliche doch noch möglich machen. Es wäre sehr schade, wenn der Verein von der Bildfläche verschwinden würde.“

Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann wird heute sogar im Stadion sein: „Die Kickers sind ein Traditionsverein. Ich hoffe, dass mit dem Spiel gegen Pfullendorf die Wende beginnt.“

BILD

Pfullendorf muss beiden Kickers punkten
STUTTGART/PFULLENDORF (ok) – Der Vorletzte gegen den Drittletzten – heute Abend um 19 Uhr steht der SC Pfullendorf im Nachholspiel der Fußball-Regionalliga bei den Stuttgarter Kickers enorm unter Erfolgsdruck.

„Ein Punkt hilft uns nicht weiter“, sagt SCP-Trainer Michael Feichtenbeiner ganz offen. Für den SCP geht es also um viel – für die dauergebeutelten Kickers sogar schon um alles.
Bei den Kickers herrscht spätestens seit dem 0:1 am vergangenen Samstag gegen den FC Bayern II eine Art Endzeitstimmung. Die Partie gegen den SC Pfullendorf wird in Degerloch nun als allerletzte Chance gesehen, den Karren vielleicht doch noch aus dem Dreck zu ziehen und Richtung Qualifikation zur Dritten Bundesliga zu bewegen.

Ähnlich kritisch stellt sich die Situation beim SCP dar. Will man dort die Drittligaträume noch eine Weile weiter träumen, muss heute gegen die nach Oggersheim zweitschlechteste Heimelf der Liga ein Sieg her. Allerdings gehört der SCP mit erst einem einzigen Auswärtssieg (1:0 in Elversberg) zu den schwächsten Auswärtsteams der Liga.
Der Rückstand auf den angestrebten zehnten Platz beträgt derzeit (mit einem Spiel weniger als der Tabellenzehnte Bayern München II) sieben Punkte. Vielleicht helfen den Linzgauern heute die Insider-Kenntnisse ihres Trainers, der ja nur einen Steinwurf vom Gazi-Stadion entfernt wohnt und die „Blauen“ bekanntlich einst in glorreicheren Zweitliga-Tagen trainierte: „Ein frühes Gegentor wäre Gift für uns. Dann fiele von den Kickers die ganze Verunsicherung ab. Deshalb müssen wir defensiv gut stehen und die Null halten. Je länger das Spiel dann dauert, desto besser werden unsere Chancen“, prognostiziert Feichtenbeiner.

Schwäbische Zeitung

„Ein frühes Gegentor wäre Gift!“
STUTTGART – Der Vorletzte gegen den Drittletzten – heute Abend steht der SC Pfullendorf im Nachholspiel bei den Stuttgarter Kickers enorm unter Erfolgsdruck. „Ein Punkt hilft uns nicht weiter“, sagt Trainer Michael Feichtenbeiner ganz offen. Für den SCP geht es also um viel – für die gebeutelten Kickers sogar schon um alles.
Bei den Schwaben herrscht spätestens seit dem 0:1 am vergangenen Samstag gegen den FC Bayern II eine Art Endzeitstimmung. Nur ein Fußballwunder, so scheint es, kann den Absturz des einstigen Bundesligisten in die Viertklassigkeit jetzt noch verhindern. Der zehnte Versuch, endlich den ersten Heimsieg zu schaffen, scheiterte gegen München einmal mehr an der Offensivschwäche der Degerlocher. Den Vorstand um Präsident Dirk Eichelbaum würden die leidgeprüften Kickers-Fans deshalb lieber heute als morgen in die Wüste schicken. Der Hauptvorwurf der Anhänger: In der Winterpause wurde trotz der eklatanten Sturmprobleme kein neuer Angreifer geholt, stattdessen mit Nico Beigang auch noch ein erwiesenermaßen regionalligatauglicher Torjäger an Jahn Regensburg abgegeben

Aber auch die lasche Einstellung diverser Führungsspieler wie Bashirou Gambo oder Neuzugang Ferhat Ferci gegen München zeigte, dass bei den Kickers in dieser Saison bislang überhaupt nichts passt. Symptomatisch für den mentalen Zustand der Mannschaft war, dass sich die „Blauen“ gegen die „Roten“ nicht eine einzige Gelbe Karte einhandelten. Sportlicher Existenzkampf und Schmusekurs – das passt halt nicht zusammen.
Trainer darf bleiben

Trainer Stefan Minkwitz, der die Kickers im November von Peter Zeidler übernahm, steht trotz seiner verheerenden Bilanz (drei Punkte und zwei Tore in sieben Spielen!) nicht mehr zur Disposition. Präsidiumsmitglied Walter Kelsch stellte dem 39-Jährigen am Sonntag nach einer einstimmigen Vorstandsentscheidung pro Minkwitz quasi eine Beschäftigungsgarantie für den Rest der Saison aus: „Ein Wechsel würde nichts bringen. Wir ziehen das mit ihm durch.“ Auch Präsident Dirk Eichelbaum bezog in der Trainerfrage öffentlich klar Stellung: „Es wird keinen Wechsel geben.“
Die Partie gegen den SC Pfullendorf wird in Degerloch nun als allerletzte Chance gesehen, den Karren vielleicht doch noch aus dem Dreck zu ziehen und Richtung Qualifikation zur Dritten Bundesliga zu bewegen. Angelo Vaccaro, Mustafa Akcay und Oliver Stierle werden dazu wohl in die Anfangsformation zurückkehren. „Wer nicht mitzieht, findet sich auf der Tribüne wieder“, droht Minkwitz seinen Spielern. Unsicher scheint jedoch, ob diese ihm überhaupt noch zuhören.

Auswärtsschwacher SCP
Ähnlich kritisch, wenn auch nicht mit ganz so lautstarker „Begleitmusik“ durch die Anhängerschaft, stellt sich die Situation beim SCP dar. Will man dort die Drittligaträume noch eine Weile weiter träumen, muss heute gegen die nach Oggersheim zweitschlechteste Heimelf der Liga natürlich ein Sieg her. „Ein Punkt hilft uns nicht weiter“, findet auch Trainer Michael Feichtenbeiner. Allerdings gehört der SCP mit erst einem einzigen Auswärtssieg (1:0 in Elversberg) zu den schwächsten Auswärtsteams der Liga.

Der Rückstand auf den angestrebten zehnten Platz beträgt derzeit (mit einem Spiel weniger als der Tabellenzehnte Bayern München II) sieben Punkte. Das Feichtenbeiner-Team steht also unter maximalem Zugzwang. Das 0:2 am vergangenen Freitagabend bei Titelanwärter Ingolstadt wurde im Aktenordner „einkalkulierte Niederlagen“ abgelegt. Dennoch warf die Tatsache, dass sich der SCP in der ersten halben Stunde zwar respektabel schlug, danach aber nur noch eine Art „Sparringspartner“ für die Ingolstädter darstellte, auch wieder Fragen nach der Qualität der neu formierten Mannschaft auf. Einfältige Schnitzer in der Abwehr, lähmende Ideenlosigkeit in der Vorwärtsbewegung – in dieser Form wird auch heute bei den Stuttgarter Kickers nichts drin sein.
Vielleicht helfen den Linzgauern die Insider-Kenntnisse ihres Trainers, der ja nur einen Steinwurf vom Gazi-Stadion entfernt wohnt und die „Blauen“ bekanntlich einst in glorreicheren Zweitliga-Tagen trainierte: „Ein frühes Gegentor wäre Gift für uns. Dann fiele von den Kickers die ganze Verunsicherung ab. Deshalb müssen wir defensiv gut stehen und die Null halten. Je länger das Spiel dann dauert, desto besser werden unsere Chancen. Dann wird nämlich das Publikum unruhig und die Kickers werden immer nervöser“, prognostiziert Feichtenbeiner

Die Chancen auf einen Einsatz von Stürmer Marco Calamita (Sprunggelenkverletzung aus dem Elversbergspiel) sind eher gering. Definitiv fallen Marco Konrad (Innenband) und Sturmspitze Neno Rogosic aus (Jochbeinbruch) sowie – sehr zum Ärger von Feichtenbeiner – auch der wiedergenesene Ralf Zimmermann auf der linken Abwehrseite. Der handelte sich nach seiner Einwechslung in Ingolstadt trotz 0:2-Rückstands in der 89. Minute mit einem Foul an der Mittellinie völlig unnötig die fünfte Gelbe Karte ein und muss heute zwangspausieren.

Schwäbische Zeitung

„Fußball ist in erster Linie eine Sache des Kopfes“

Jürgen Sundermann über die mentale Schwäche des Regionalligisten Stuttgarter Kickers und mögliche Wege aus der Krise

Seit sechs Wochen ist der frühere Bundesligatrainer Jürgen Sundermann bei den Stuttgarter Kickers engagiert: als Berater der Profis und im Bereich der Jugendkoordination. „Ich will hier als Helfer auftreten und nicht als Besserwisser“, sagt der 68-Jährige im Gespräch mit Joachim Klumpp.

Herr Sundermann, Sie haben sich am vergangenen Samstag nach der Niederlage gegen die zweite Mannschaft der Bayern auf der Tribüne noch intensiv mit dem Präsidiumsmitglied Walter Kelsch ausgetauscht. Mit welchem Ergebnis?

Also ich habe in meiner langen Karriere schon schlimmere Situationen erlebt; die Lage bei den Kickers ist sicher schwierig, aber noch lange nicht hoffnungslos.

Was stimmt Sie nach dieser Vorstellung gegen Bayern München II denn zuversichtlich?

Die Mannschaft kann ja Fußball spielen, das hat man beim Sieg gegen Ingolstadt in der Vorbereitung gesehen. Oder auch in der zweiten Halbzeit in Siegen, wo die Kickers klar die bessere Elf waren.

Warum zeigen die Spieler das dann nicht über 90 Minuten und schon gar nicht in den Heimspielen?

Da fehlt in erster Linie natürlich das Selbstvertrauen. Da unten kommt man nur raus, wenn unheimliche Kräfte auf dem Platz frei werden. Letztlich ist Fußball keine Frage der Muskeln oder der Taktik, sondern in erster Linie eine Sache des Kopfes.

Und der ist bei den Spielern der Kickers demnach blockiert?

Es scheint so, die Mannschaft muss einfach an sich glauben, da vermisse ich auch die gegenseitige Motivation und Anfeuerung. Am Samstag zum Beispiel gab es keine einzige Gelbe Karte, das sagt einiges.

Sie sind vom Kickers-Präsidium als Berater engagiert worden. Haben Sie denn regelmäßigen Kontakt zur Mannschaft?

Nein, den gibt es nicht. Abgesehen von ein paar persönlichen Gesprächen mit dem einen oder anderen Spieler.

Das dürfte für Sie nicht unbedingt eine zufriedenstellende Situation sein?

Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich dazu nicht äußern möchte, schon gar nicht vor so einem wichtigen Spiel wie gegen Pfullendorf. Denn das wäre jetzt kontraproduktiv. Wobei ich an dieser Stelle betonen möchte, dass ich hier als Helfer auftreten will und nicht als Kritiker oder Besserwisser.

Gab es denn diesen Vorwurf?

Nach dem Spiel in Siegen wurde bei den Kickers der Kampfgeist in der zweiten Halbzeit gelobt. Ich habe dazu gesagt, das ist für mich selbstverständlich. Das wurde negativ ausgelegt, auch wenn es nicht so gemeint war. Im Gegenteil: ich wollte nur ausdrücken, dass die Mannschaft weiß, dass dies selbstverständlich ist.

Die mentale Ebene scheint Ihnen sehr am Herzen zu liegen?

Ich habe mich in meiner Karriere viel damit befasst. Und es gibt immer wieder Fälle, die das untermauern.

Zum Beispiel?

Nehmen wir Leipzig, wo ich Trainer in der zweiten Liga war und wir im letzten Saisonspiel gegen 1860 München gewinnen mussten, um nicht abzusteigen. Die Teamsitzung habe ich damals vor dem Hotel im Park abgehalten, ohne den Gegner oder das Wort Fußball überhaupt zu erwähnen. Dafür habe ich die Spieler daran erinnert, dass sie mit einem Sieg die Zukunft der eigenen Familie mitbestimmen können – was gibt es Schöneres. Wir haben gewonnen und sind ein Jahr später in die Bundesliga aufgestiegen.

Aber die Spieler der Kickers haben Angst vor der Arbeitslosigkeit.

Das ist in dieser Situation das Schlimmste, was passieren kann. Schon allein deshalb würde ich hier auch keinem Kickers-Akteur unterstellen, dass ihm die nötige Einstellung fehlt. Die Spieler haben zuletzt von der Vereinigung der Vertragsspieler einen Brief erhalten, in dem steht, dass bei einem Abstieg ihre Verträge ungültig seien und sie sich arbeitslos melden müssten – sonst würden sie gesperrt.

Was kann man dagegen tun?

Hier müsste vielleicht eine gewisse Hilfestellung von außen gegeben werden. Aber zunächst einmal hege ich die Hoffnung, dass die Mannschaft über Erfolgserlebnisse wieder in die Verfassung kommt, um die Qualifikation zu schaffen. Es sind ja noch 13 Spiele.

Im Nachwuchsbereich arbeiten Sie derzeit eng mit dem verletzten Jugendkoordinator Zoltan Sebescen zusammen. Gibt es denn hier wenigstens positive Nachrichten?

Die sportliche Lage ist auch da schwierig. Aber es gibt konkrete Pläne zum Aufbau einer Jugendakademie, die in Deutschland federführend sein wird. Die entsprechenden Gespräche mit Schulen – wie der Wald-, Merz- oder Cottaschule – laufen bereits. Allerdings steht und fällt das Ganze eben mit der Qualifikation für die dritte Liga.

Stuttgarter Zeitung

StN: Helfen können nur noch die Fans

Die Blauen versinken plan-, ideen- und hilflos in der Bedeutungslosigkeit

Stuttgart – Sie sind Teil der Stuttgarter Sportkultur, sie prägten über Jahrzehnte die Farbenlehre diesseits und jenseits des Neckars mit. Das Kickers-K gehört zur Stadt wie der Fernsehturm. Jetzt droht den Blauen der Untergang. Das Schlimmste daran ist: Es scheint keinen zu kümmern.

Zugegeben: Es gibt bedeutendere Dinge in und um Stuttgart als den schleichenden Tod eines Fußball-Regionalligisten mit beachtlicher Vergangenheit. Wer die 109-jährige Geschichte der Stuttgarter Kickers einigermaßen kennt, fällt ohnehin von einem Koma ins andere. Gnadenlos stürzten die Blauen ihre Fangemeinde von blanker Euphorie in bodenlose Verzweiflung, von fassungslosem Glück in bitteres Elend. Doch womöglich ist es genau diese emotionale Unberechenbarkeit, dieses ewige Schwanken zwischen Champion und Loser, der ständige Kampf um die Existenz, der die Stuttgarter Kickers zu einer Art Metapher für das tägliche Leben machte. Wer ein bisschen näher dran sein wollte am Schicksal als die ewig vom Glück Begünstigten, der hing an den Zäunen des Waldaustadions und spielte im Geiste den entscheidenden Pass in die wirbelnden Beine von „Turbo-Dreher“. Der machte Toni Kurbos unter wildestem Gebrüll auch noch in der 89. Minute wieselflinke Beine – und brach atemlos zusammen, wenn Dieter Dollmann, der Hagestolz in Fußballschuhen, im eigenen Strafraum einen Gegenspieler tunnelte – aus Versehen.

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Ganz gleich, wie die Chose auch lief: Immer war es das unausgesprochene Gesetz des Zusammenwirkens von leicht unterdurchschnittlichen Profikickern mit leicht übermotivierten Kickers-Sympathisanten: Wenn der zwangsläufig parteiische Schiedsrichter die Backen zum Schlusspfiff aufblies, hatten alle ihr Bestes gegeben. Das war gar nicht so selten mehr als auf vergleichbaren Plätzen dieser Stadt und versetzte die Blauen häufig in die Lage, noch ans rettende Ufer zu krabbeln, wenn andere längst ertrunken wären. Zwar musste man nach solchen Aktionen den einen oder anderen kollabierenden Präsidenten wiederbeleben oder mit einem Viertele Trollinger geduldig aus irgendeiner dunklen Ecke des Stadions locken, aber wenigstens regte sich damals noch jemand auf, wenn den Blauen mal wieder der sportliche Exitus drohte. Diesmal zuckt Stuttgart nur noch mit den Schultern.

Wahrscheinlich liegt es an der bestürzenden Fantasielosigkeit, mit der die aktuelle Führungsmannschaft auf der Waldau die Notlage zur Kenntnis nimmt. Ihr Plan könnte sein, keinerlei Ideen zu haben. Immerhin hat ein Präsidiumsmitglied durchgesetzt, dass es im Clubheim neben Riesling auch Pinot Grigio gibt. Dem Kompetenzzentrum für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit wird nachgesagt, dass es nur dann Bewegung in den Club bringt, wenn es sein Auto vom Parkplatz fährt. Auf den Kauf eines Stürmers haben die Experten nach intensiver Analyse verzichtet, weil es vor der Winterpause lediglich am Erarbeiten von Chancen mangelte. Nach der Winterpause mangelt es an allem. Akute Abstiegsgefahr! Helfen können nach Lage der Dinge nur noch die Fans. Heute Abend, 19 Uhr, kommt der SC Pfullendorf. Eine Frage der Ehre!

Gunter Barner, Stuttgarter Nachrichten

Presse zu Stuttgarter Kickers – FC Bayern München II (0:1) – Minkwitz bleibt Trainer

Die Kickers: ein hoffnungsloser Fall?
Nach der 0:1-Niederlage gegen Bayern München rückt die dritte Liga in weite Ferne

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers machen im neuen Jahr da weiter, wo sie im alten aufgehört hatten: mit einer Heimniederlage. Personelle Konsequenzen gibt es dennoch nicht. „Wir ziehen das Ding mit Stefan Minkwitz durch“, sagt der Präsident Dirk Eichelbaum.

Von Joachim Klumpp

Das Gazi-Stadion in Degerloch liegt etwa 400 Meter hoch, doch inzwischen muss man sich dort fühlen wie auf dem Gipfel des Mount Everest. Die Luft zum Atmen wird immer dünner. Wer nach mehr als drei Monaten Fußballentzug auf die Wende gehofft hatte, der wurde am Samstag bitter enttäuscht. Mehr noch: mit dem 0:1 gegen den FC Bayern München II haben die Kickers eine Endzeitstimmung geschaffen. Total fatal. Auch nach zehn Versuchen noch kein Heimsieg, vorletzter Platz, neun Punkte Rückstand ans rettende Ufer, sprich der Qualifikation zur dritten Liga – kein Wunder also, dass gestern die Vereinsgremien tagten. Wieder einmal. Und das alles nur, um zu verkünden: „Es gibt keine Trainerdiskussion.“ Sondern?

Natürlich steht Stefan Minkwitz in der Kritik, er ist letztendlich verantwortlich für das Auftreten auf dem Platz, und seine Bilanz liest sich katastrophal. Zwei Tore und gerade einmal drei Punkte aus sieben Spielen, das ist ein Offenbarungseid. Der Trainerwechsel jedenfalls ist verpufft wie ein einzelner Chinakracher im Karneval. Ohne Wirkung. Dennoch sagt der Präsident Dirk Eichelbaum: „Wir ziehen das Ding mit ihm durch.“ Bis zum bitteren Ende? Zu beschönigen gab es diesmal jedenfalls rein gar nichts: „Mit der Leistung der letzten halben Stunde haben wir in der dritten Liga nichts zu suchen“, sagte selbst der Manager Joachim Cast.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Kickers in Rückstand geraten, und das gegen eine harmlose Bayern-Mannschaft, die beim Anpfiff garantiert jede Friedenspfeife für ein 0:0 geraucht hätte. Am Ende aber mussten die Kickers sogar froh sein, dass der Gegner sie bei seinen vielen Kontern nicht noch abschoss. Minkwitz gab zu: „Das war kein Fußball mehr.“ Und schon gar kein Aufbäumen. Mit Ausnahme von Rosen und Yelldell erreichte kein Spieler Normalform.

Die Frage, was die Mannschaft in drei Monaten Spielpause gemacht hat, drängte sich förmlich auf. Wie lange Trainer und Mannschaft noch weiterwursteln dürfen? Der Präsident Dirk Eichelbaum sagte sarkastisch: „Bis sie sich arbeitslos gemacht haben.“ Viel fehlt dazu nicht mehr. Ohne den gesperrten Angelo Vaccaro entpuppte sich der Angriff als harmlos, weil Sokol Kacani praktisch jeden Ball verstolperte und auch die eingewechselten Tucci und Genisyürek keine Regionalligatauglichkeit nachweisen konnten.

Das ruft logischerweise all jene Kritiker auf den Plan, die den Verantwortlichen vorhalten, in der Winterpause keine Alternativen für den Angriff geholt zu haben. Doch da bleibt die Frage – unabhängig von finanziellen Aspekten: wer war auf dem Markt, der den Kickers weitergeholfen hätte? Der umworbene Willmann etwa hat beim Ligarivalen Elversberg bisher auch keine Bäume ausgerissen. „Und Beigang wollte weg“, sagt der Manager Joachim Cast, der für die Zusammenstellung des Kaders eine gehörige Portion Mitverantwortung trägt. Seine Einschätzung, die Mannschaft habe Fortschritte gemacht, korrigierte er als „Trugschluss“.

Mit fatalen Folgen. Personell kann nun nicht mehr nachgebessert werden (sieht man davon ab, dass die suspendierten Sökler und Ortlieb morgen gegen Pfullendorf vielleicht wieder im Kader stehen werden). Finanziell müssen die Kickers bei sinkenden Zuschauerzahlen schauen, dass sie über die Runden kommen. So sind die Reflexe der Fans verständlich. „Vorstand raus“, skandierten einige nach Spielschluss. Die Replik des Schatzmeisters Frieder Kummer lautete: „Wenn“s hilft, trete ich sofort zurück.“ Ganz so einfach ist die Lage bei den Kickers leider nicht.

Stuttgarter Kickers: Yelldell – Benda, Wildersinn (77. Yildiz), Rapp, Baradel – Rosen, Mann – Parmak, Gambo, Cerci (59. Tucci) – Kacani (59. Genisyürek).

Tor: 0:1 Sikorski (61.).

Stuttgarter Zeitung

Die Kickers am Tiefpunkt

Wenn der Blick für die Realität fehlt
Von Joachim Klumpp

Der Samstag bildete schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf die drohende Fußballzukunft in Degerloch. Ein Spiel im Gazi-Stadion ohne eine einzige Fernsehkamera, dafür mit ein paar Worten des Mitleids aus dem Munde der „Sportschau“-Moderatorin Monica Lierhaus. „Besonders tragisch sieht es für die Stuttgarter Kickers aus“, sagte die später mit Blick auf die Tabelle. Platz 17, die Viertklassigkeit vor Augen. Der Tiefpunkt schlechthin. Und die Hoffnung auf den Wendepunkt schwindet von Spiel zu Spiel.

Dabei sollte doch unter dem vor einem Jahr angetretenen Präsidium alles besser werden – was für ein Irrtum: angefangen bei den Personalentscheidungen, bei denen sich der Wunschtrainer Zeidler als Irrtum erwies, der Nachfolger als glücklos und dazu Jürgen Sundermann ins Boot geholt wurde, der sich inzwischen wohl selbst fragt, wozu eigentlich. Die klare Linie fehlt, stattdessen regiert das Prinzip Hoffnung: auf das nächste Spiel, auf mehr Fernsehgelder, auf ein ausgebautes Stadion, auf x-beliebige Neuzugänge, auf Lizenzverweigerungen für die Konkurrenz. Die Verantwortlichen beschäftigen sich mit allem, selten aber mit der Realität.

Die heißt vierte Liga. Dafür gibt es zwar einen Lizenzantrag, aber kein Konzept. Soll im Sommer bloß niemand behaupten, die Entwicklung sei aus heiterem Himmel gekommen. Denn spätestens seit Samstag wäre alles andere als der Abstieg eine Überraschung. Und zumindest darauf sollte man bei den Kickers vorbereitet sein.

Stuttgarter Zeitung

Endzeitstimmung bei den Blauen
Hilflos auf und neben dem Platz – Trainer Minkwitz darf weitermachen

Stuttgart – Planlos, hilflos, ratlos – Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers gibt ein Bild des Jammers ab. Einen Rauswurf von Stefan Minkwitz schloss Präsident Dirk Eichelbaum nach der desolaten Leistung beim 0:1 gegen den FC Bayern München II aus: „Es wird keinen Trainerwechsel geben.“

VON JÜRGEN FREY

Es war fünf vor zehn am gestrigen Sonntagmorgen, als das Präsidiums-Quartett der Blauen in Richtung Jugendhaus marschierte. Dort wartete die versammelte Mannschaft ohne ihren Trainer. Die Spieler rechneten schon mit der Bekanntgabe des Rauswurfs von Stefan Minkwitz – doch es kam anders: Die Kickers-Granden redeten dem Team mal wieder ins Gewissen. Nicht mehr und nicht weniger. „Der Trainer und die sportliche Leitung sollen es jetzt richten“, sagte Eichelbaum hinterher lapidar – und ergänzte: „Der Beschluss, mit Minkwitz weiterzumachen, war einstimmig. Alles andere wäre Aktionismus.“ Das für den sportlichen Bereich zuständige Präsidiumsmitglied Walter Kelsch stellte dem Coach trotz der miserablen Bilanz (zwei Tore und drei Punkte aus sieben Spielen) sogar einen Freibrief aus: „Ein Trainerwechsel bringt nichts, wir ziehen das jetzt bis Saisonende durch.“

Die Lage der Kickers erinnert an den Untergang der Titanic: Das Schiff sinkt, die Musik spielt weiter. Es herrscht Endzeitstimmung. Und wer die beinahe ausweglose Situation nüchtern betrachtet, kommt zu der Erkenntnis: Es ist das Resultat unprofessioneller Flickschusterei, mit der sich der Club systematisch nach unten schraubt. Es hätte nicht den Fußball-Sachverstand eines Ottmar Hitzfeld gebraucht, um spätestens in der Winterpause die eklatanten Probleme im Offensivbereich zu erkennen. Wenn die Führungsetage im Kampf ums sportliche Überleben schon auf einen unerfahrenen Trainer setzt, hätte sie das eingesparte Geld dringend in einen gestandenen Stürmer investieren müssen. Doch Eichelbaum blieb auch nach dem Trauerspiel gegen die Bayern hartnäckig bei seiner gewagten Theorie: „Unser primäres Problem ist das Herausarbeiten von Chancen.“ Dabei wurde gegen die Münchner Nachwuchstruppe deutlich, dass hinter dem diesmal gesperrten Angelo Vaccaro eine gewaltige Lücke klafft – weil es Spielern wie Sokol Kacani, Marco Tucci und vor allem Saban Genisyürek (noch) an der nötigen Qualität fehlt.

Wie es jetzt weitergeht? Zunächst mit dem Heimspiel am morgigen Dienstag (19 Uhr/Gazistadion) gegen den SC Pfullendorf. Minkwitz wird einige Veränderungen vornehmen. Fest steht: Vaccaro, Mustafa Akcay und – wenn es die Verletzung zulässt – Oliver Stierle werden in die Anfangsformation zurückkehren. „Wer nicht läuft und kämpft, hat seinen Platz auf der Tribüne“, droht der Trainer. Wen die Verbannung trifft, will er erst nach dem heutigen Training entscheiden. Neuzugang Ferhat Cerci ist ein heißer Kandidat – genauso Bashiru Gambo. „Wer die Kapitänsbinde trägt und so wenig tut, muss sich Gedanken machen“, erklärt Minkwitz, der sich die lasche Einstellung einiger Spieler nicht erklären kann: „Das ist mir ein völliges Rätsel.“

Klar dagegen: Im Spiel gegen Pfullendorf geht es um die allerletzte Chance. Klappt es auch im elften Anlauf nicht mit dem ersten Saisonheimsieg, können endgültig die Planungen für die dreigleisige Regionalliga beginnen. Ob es in dieser vierthöchsten Spielklasse überhaupt eine Zukunft für die Kickers geben würde, ließ Eichelbaum offen: „Wir müssten abwarten, ob die Sponsoren dabeiblieben. Klar ist, es würde außerordentlich eng werden.“ Zuzuschreiben haben sich die Blauen das selbst.

Stuttgarter Nachrichten

Ernüchterung
 
Die Stuttgarter Kickers taumeln nach dem 0:1 gegen den FC Bayern München II weiter in Richtung vierte Liga
 
Stuttgart – Im Gazi-Stadion ist eine Serie gerissen. Allerdings nicht wie erhofft jene des in dieser Saison zu Hause sieglosen Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers. Die Gäste vom FC Bayern München II haben mit ihrem 1:0 (0:0)-Sieg zum ersten Mal auf der Waldau drei Punkte geholt – und die erneut enttäuschende Mannschaft von Trainer Stefan Minkwitz damit wieder ein gewaltiges Stück weiter weg von der dritten Liga geschossen.

Von Beate Wockenfuß

Neun Punkte trennen die Kickers inzwischen vom zehnten Platz, der mindestens für den Sprung in die dritte Liga notwendig ist. Und so langsam realisiert wohl auch der Letzte im bisher stets optimistischen blauen Lager, dass die Situation immer aussichtsloser wird. In den Schlussminuten der schwachen Partie gegen die Münchner herrschte pure Verzweiflung an der Seitenlinie. „Mann, was ist hier?“, brüllte Co-Trainer Alexander Malchow entsetzt in Richtung der hilflosen Akteure in Blau, die sich schon nach dem 0:1 durch Daniel Sikorski in der 61. Minute aufgegeben hatten.Dabei waren die Kickers hoch motiviert in ihr erstes Heimspiel nach der Winterpause gestartet. Schließlich galt es, die negative Serie endlich zu beenden. Die 4-2-3-1-Taktik versprach eine stürmische Partie. Doch ohne den Gelb-gesperrten besten Torschützen Angelo Vaccaro scheiterte das Vorhaben. Sokol Kacani brachte als Solist im Angriff nichts zu Stande. Torhüter David Yelldell war souverän wie immer, doch beim Tor machtlos.

Vier Chancen, kein Tor
Nach einer relativ ausgeglichenen ersten Hälfte verpassten es die Kickers kurz nach der Pause, aus vier guten Chancen wenigstens ein Tor zu machen. Die Münchner waren in der 61. Minute effektiver – und nach dem Rückstand ging bei den Gastgebern gar nichts mehr. „Das war kein Fußball mehr, sondern nur noch Hauruck und vorne hilft der liebe Gott. Das hat er aber nicht gemacht“, schimpfte Minkwitz, der auch im siebten Spiel als Cheftrainer ohne Dreier blieb. Die dritte Liga aufgegeben hat er indes nicht: „So lange rechnerisch noch alles möglich ist, werden wir nicht den Kopf in den Sand stecken.“

Nach dem Schlusspfiff war Minkwitz wutentbrannt in die Katakomben gerast. Malchow und Manager Joachim Cast verharrten regungslos auf der Bank. Und die Spieler lagen hilflos auf dem Rasen und ernteten gellende Pfiffe und „Pfui“-Rufe von den Fans, deren Geduldsfaden wohl endgültig gerissen ist. Und auch der des Präsidenten. „Nach so einem Spiel kann man nicht mehr optimistisch sein“, wetterte Dirk Eichelbaum und schickte gleich noch eine Warnung hinterher: „Die Spieler sollten ihre Einstellung überdenken. Sie können noch so lange weiter rumwurschteln, bis sie sich selber arbeitslos gemacht haben.“ Eine Trainerdiskussion lehnte Eichelbaum ab: „Selbst Ottmar Hitzfeld könnte aus der Truppe nicht mehr rausholen.“ Auch der Manager fand drastische Worte. „Mit dieser Leistung haben wir in der dritten Liga nichts verloren“, meinte Cast, sprach von „Ernüchterung“ und forderte mit Blick auf die Nachholpartie morgen (19 Uhr) gegen den SC Pfullendorf: „Die Mannschaft muss die Antwort geben, sonst rückt unser Ziel in weite Ferne.“

Stuttgarter Kickers: Yelldell – Benda, Wildersinn (77. Yildiz), Rapp, Baradel – Rosen, Mann – Parmak, Gambo, Cerci (59. Genisyürek) – Kacani (59. Tucci).

FC Bayern München II: Kraft – Celozzi, Saba, Linke, Heinze – Müller (83. Kokocinski), Schütz, Badstuber, Schwarz (68. Fürstner) – Sikorski – Wagner (85. Nagorny).

Schiedsrichter: Kunzmann (Niederaula).

Zuschauer: 3100.

Tor: 0:1 Sikorski (61.)

Gelbe Karte: – / Müller.

Beste Spieler: Yelldell / Saba.
 
Eßlinger Zeitung

Vorberichte III: Stuttgarter Kickers – FC Bayern München II

„Vielleicht klappt“s gerade ohne mich“

Vaccaro fehlt den Kickers

Stuttgart – Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers peilt im zehnten Anlauf seinen ersten Heimsieg in dieser Saison an. Doch ausgerechnet an diesem Samstag (14 Uhr/Gazistadion) gegen den FC Bayern II ist Torjäger Angelo Vaccaro gesperrt.

Herr Vaccaro, wie bitter ist es für Sie, gegen die kleinen Bayern pausieren zu müssen?

Sehr bitter, weil ich im ersten Spiel nach der Winterpause in Siegen gleich getroffen habe und ich voller Euphorie unheimlich gerne nachgelegt hätte. Schade, ich hätte einfach ein Foul weniger machen sollen.

Wie soll die Mannschaft jetzt ausgerechnet ohne ihren Torjäger zum ersten Heimsieg kommen?

Vielleicht passiert es ja gerade deshalb (lacht). Wir haben genügend torgefährliche Spieler, die treffen können. Kacani, Tucci, Gambo, Parmak – und warum soll nicht auch einmal einem Verteidiger ein Kopfballtor nach einer Standardsituation gelingen?

Sind Sie sicher, dass die Qualifikation für die dritte Liga noch klappt?

Ich bin mir ganz sicher. Ich sehe die Jungs jeden Tag im Training. Und auch, wenn es sich bei Tabellenplatz 17 komisch anhört, muss ich sagen: Nicht viele Regionalligisten haben eine solche Qualität im Kader wie wir.

Warum zeigt sich das nicht auf dem Platz?

Das wird sich nun ändern. Wir werden gegenüber der Konkurrenz den längeren Atem haben.

Wie geht“s gegen die Münchner Bayern aus?

Wir gewinnen 2:0.

Und wer schießt die Tore?

Das ist völlig egal. Aber ich tippe mal auf einen Stürmer und einen Verteidiger.

Fragen von Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

Vorberichte II: Stuttgarter Kickers – FC Bayern München II

Cerci und Gambo sind erste Wahl
STUTTGART (ump). Nach den schlechten Erfahrungen mit dem Spielausfall gegen Pfullendorf lohnt sich ein Blick auf den Wetterbericht. Zwar ist es in dieser Woche erneut stürmisch, aber zumindest für morgen ist Entwarnung angesagt, so dass dem ersten Regionalliga-Heimspiel der Stuttgarter Kickers im Jahr 2008 nichts mehr im Wege stehen dürfte. Auf eine Wettprognose für das Spiel gegen Bayern München II (Anpfiff 14 Uhr) will sich der Trainer Stefan Minkwitz zwar nicht festlegen, „aber wenn wir unten rauskommen wollen, helfen zuhause nur Siege“. Das gilt für Samstag ebenso wie für die Nachholpartie am Dienstag gegen Pfullendorf, in der dann auch der gelbgesperrte Angelo Vaccaro wieder spielberechtigt ist.

Gegen die Bayern müssen die Kickers ohne ihren Torjäger (sieben Treffer) auskommen, „es wird aber trotzdem eine offensive Aufstellung geben“, sagt der Trainer. Die könnte dann auch so aussehen, dass Minkwitz neben zwei schnellen Außenspielern wie Cerci und Parmak nur einen zentralen Stürmer (Kacani) aufbietet, dahinter noch Bashiru Gambo, der nach seiner Sperre ins Team rücken wird. „Auf seine spielerischen und kämpferischen Qualitäten können wir nicht verzichten“, sagt Minkwitz, der die in Siegen nach der Pause praktizierte Dreierkette zunächst nicht übernehmen will.

Dennoch haben sich die Spieler in der zweiten Hälfte dort aufgedrängt. So dürfte neben Cerci auch Marcus Mann im defensiven Mittelfeld auflaufen, zumal Recep Yildiz wegen seiner angebrochenen Nase eine Gesichtsmaske benötigt, was im Spiel eher hinderlich ist. Auch für Oliver Stierle kommt ein Einsatz in der Startformation zu früh. Der Kapitän Jens Härter macht im Training zwar leichte Fortschritte, wird aber dennoch innerhalb der nächsten Woche entscheiden, ob eine Knie-Operation nötig ist – was bedeuten würde, dass die Saison für ihn beendet wäre.

Beim Kickers-Gegner FC Bayern München II kamen in der Vergangenheit schon des Öfteren Spieler aus der ersten Mannschaft zum Einsatz, „doch davon gehe ich diesmal nicht aus“, sagt Minkwitz. Schließlich dürfte beim deutschen Rekordmeister in dieser Woche kräftig rotiert werden, nachdem die Mannschaft am Mittwoch noch im Uefa-Pokal gespielt hat. Minkwitz sagt dazu: „Letztlich ist mir das auch relativ egal, da wir unser eigenes Spiel durchziehen müssen.“

Stuttgarter Zeitung

Vorberichte Stuttgarter Kickers – FC Bayern München II

Vorschau

Spielinfos: Anstoß: 15.03.2008 14:00 Stadion: GAZI-Stadion auf der Waldau
Schiedsrichter: Kunzmann (Niederaula) Assistenten: Krah (Schlüchtern), Finke (Fulda)

Stuttgarter Kickers: Gambo kehrt nach Gelb-Rot-Sperre zurück. Härter und Russo (beide verletzt) sowie Vaccaro (5. Gelbe) fehlen. Stierle (Zerrung) ist fraglich.
FC Bayern II: Große Änderungen wird es nicht geben, da Yilmaz und Niedermeier verletzt sind und es von den Profis keine Verstärkungen gibt.

Aufstellung
Stuttgarter Kickers Yelldell – Benda, Wildersinn, Rapp, Baradel – Rosen, Parmak, Mann, Cerci – Kacani, Gambo Trainer: Minkwitz

FC Bayern II T. Kraft – Celozzi, Saba, T. Linke, Heinze – Fürstner, Badstuber, Schütz, M. Schwarz – Nagorny, Sikorski Trainer: Gerland

Kicker

Yildiz mit Maske gegen Bayern

Aufatmen bei den Stuttgarter Kickers.

„Er trainiert voll mit“, sagt Trainer Stefan Minkwitz.

Auch Recep Yildiz kann trotz angebrochenem Nasenbein ran. Dem Defensivmann wird heute eine Schutzmaske angepasst.

Gute Nachrichten gibt’s auch von Oliver Stierle. Der Vize-Kapitän will nach einem Muskelfaserriss heute wieder mit dem Balltraining beginnen.

BILD

Presse am Montag nach SF Siegen – Stuttgarter Kickers (1:1)

Ein klarer Auftrag des Chefs

Bei den Kickers muss nun endlich zu Hause der Knoten platzen – auch ohne den gesperrten Vaccaro

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers warten unter Trainer Stefan Minkwitz weiter auf den ersten Sieg. Dennoch existiert kein Ultimatum. Der Präsident Dirk Eichelbaum gibt aber eine klare Forderung aus: „Aus den nächsten vier Spielen müssen drei Siege her.“

Von Joachim Klumpp

Der Präsident Dirk Eichelbaum hatte einen geschäftlichen Termin in Berlin, so dass er am Freitag nicht beim Spiel sein konnte. Als er vor dem Abflug ins Flugzeug stieg stand es noch 0:1, pünktlich mit der Landung in Stuttgart rief er dann seine SMS ab – 1:1 in Siegen, „damit kann ich unter diesen Umständen leben“. Unter diesen Umständen heißt, dass der Ausgleich durch Angelo Vaccaro erst kurz vor Schluss gefallen war. Ein Punkt. Der Auftakt ins Fußballjahr 2008 hätte für die Kickers in der Regionalliga zwar schlechter laufen können, aber auch besser. „Das war zumindest kein Schritt zurück“, sagte der Trainer Stefan Minkwitz, auch wenn der nach sechs Spielen immer noch auf den ersten Sieg warten muss und der Verein auf den vorletzten Platz abgerutscht ist. „Aber die Mannschaft lebt, das zeigt schon die Tatsache, dass sie in der Schlussphase dominiert hat.“ Bleibt die Frage: warum nicht gleich so?

Eine passende Antwort gibt es nicht. „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen: wir werden nicht mehr jedes Spiel in dieser Saison gewinnen“, sagt der Präsident Eichelbaum, der bei dieser Gelegenheit dementiert, dass für den Trainer ein Ultimatum für die ersten drei Spiele nach der Winterpause existiert.

„Natürlich war noch nicht alles so, wie ich es mir vorstelle“, sagt Stefan Minkwitz selbst, „der finale Pass hat meist gefehlt.“ Und damit die zwingenden Chancen. Immerhin hat sich die Umstellung auf ein 3-5-2-System zur Pause bezahlt gemacht. Die Kickers entwickelten mehr Druck aus dem Mittelfeld, nicht zuletzt dank Marcus Mann, der für Yildiz kam (angebrochenes Nasenbein) – und vor allem dank Neuzugang Ferhat Cerci, der auf der linken Außenbahn mächtig Betrieb machte. „So empfiehlt man sich für die erste Mannschaft“, sagte Minkwitz, „wäre er bei der Generalprobe gegen Ingolstadt auch so aufgetreten, wäre er in Siegen zunächst sicher nicht auf der Bank gesessen.“

Trotzdem wird der Trainer nicht von seiner grundsätzlichen 4-4-2-Taktik abweichen: „Zunächst einmal müssen wir schauen, dass wir das perfekt umsetzen. Wenn das nämlich der Fall wäre, würden wir nicht mehr in der Regionalliga spielen.“ Das wollen die Kickers auch nicht, zumindest nicht mehr nächste Saison, wenn das Ziel dritte Liga heißt. Der Punkt in Siegen, ein Anfang auf dem Weg dahin, mehr nicht. Jetzt folgen zwei Heimspiele (gegen Bayern München II und Pfullendorf) – da muss der erste Heimsieg her. Und nicht nur das. Eichelbaum hat klare Vorstellungen: „Aus den nächsten vier Spielen müssen drei Siege her.“

Allerdings fehlt ausgerechnet beim ersten Anlauf am nächsten Samstag der nach fünf Gelben Karten gesperrte Torjäger Angelo Vaccaro, der es bisher auf sieben Treffer brachte und zuletzt die beiden Remis in Regensburg und Siegen rettete. „Jetzt müssen eben die anderen ran. Sokol Kacani hat den Treffer vorbereitet, das war ja schon mal positiv, auch wenn er fußballerisch noch zulegen muss“, sagt Minkwitz.

Und bevor das Wehklagen der eigenen Fans nach dem abgewanderten Nico Beigang losgeht, betont der Trainer nochmals: „Wir haben ihn nicht weggeschickt, der Spieler wollte das von sich aus.“ Begründung: er fühle sich in Stuttgart nicht wohl. Die Luftveränderung hat offensichtlich gutgetan, für seinen neuen Club Regensburg erzielte er bereits seinen zweiten Treffer, auch wenn der diesmal nicht zum Sieg reichte.

Stuttgarter Zeitung

Wer weiß, was der Punkt noch wert ist“

Minkwitz lobt tolle Moral

Stuttgart – Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers kam beim 1:1 bei den SF Siegen erst spät auf Touren. Trainer Stefan Minkwitz sah dennoch einige positive Aspekte.

Herr Minkwitz, was überwiegt: die Freude über den späten Ausgleich oder der Ärger über das Abrutschen auf den 17. Platz?

Wer weiß, was der Punkt noch wert ist. Man darf nicht vergessen, dass wir noch ein Nachholspiel haben, und das wollen wir wie alle Heimspiele gewinnen.

Wie kann das Team in dieser ernsten Lage die erste Hälfte verschlafen?

Das Auftreten in Siegen – zumindest in den ersten 20 Minuten – ist auch mir ein völliges Rätsel. Danach hat die Elf jedoch gezeigt, wie fit sie ist und welch tolle Moral in ihr steckt.

Lag die Wende auch an den Umstellungen?

Nach dem Nasenbeinbruch von Yildiz kam Mann und hat seine Sache im Mittelfeld gut gemacht. Auf links sorgte der eingewechselte Cerci für viel Wirbel. Joker Kacani hat den Ausgleich vorbereitet. Von dem her haben wir alles richtig gemacht.

Welche Rolle spielte die Systemänderung?

Durch die Umstellung auf Dreierkette haten wir nach der Pause ein Übergewicht im Mittelfeld, das hat sich positiv ausgewirkt. Doch unsere Grundordnung wird auch künftig das 4:4:2-System bleiben.

Torjäger Vaccaro fehlt am Samstag gegen den FC Bayern II. Rächt es sich nicht jetzt schon, keinen Stürmer verpflichtet zu haben?

In den Vorbereitungsspielen hatten wir acht verschiedene Torschützen. Die müssen eben auch jetzt in die Bresche springen.

Fragen von Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

»Feuerwehr« rollte die Schläuche ein
Sportfr. Siegen nach furiosem Start am Ende doch wieder nur 1:1 / Hocks Debütanten-Tor

geo Siegen. Sie legten los wie die Feuerwehr. Aber nach 90 Minuten hieß es am Ende doch wieder nur 1:1. Pfiffe der Zuschauer waren die Begleitmusik des gestrigen Regionalliga-Spiels der Siegener Sportfreunde gegen die Stuttgarter Kickers, nachdem die Fans zunächst geradezu euphorisiert wirkten. Doch alle guten Vorsätze, mit denen die Fascher-Schützlinge tatsächlich in das Match starteten, schlichen von Minute zu Minute von dannen, so dass der Ex-Bundesligist am Ende mit einem nicht einmal unverdienten Punktgewinn die Heimreise antrat und Siegens Rückkehr in die Qualifikationsränge zur 3. Liga angesichts des 12. Saison-Remis bis auf weiteres verschoben werden musste.

Trainer Marc Fascher hatte mit Marcel Throm und Dennis Bührer auf der linken Seite zwei Neuzugänge neu aufgeboten, und auch der Ex-Karlsruher Christopher Hock lief erstmals für die Siegener in einem Pflichtspiel auf.

Bühnenreifer »Gig« in der 44. Minute

Dass die Siegener Spieler »brannten« bis unter die Haarspitzen, bekamen die 4600 Zuschauer in einem bühnenreifen »Gig« in der 44. Minute vorgeführt. Da nämlich »faltete« Torhüter Robert Wulnikowski den Ex-Hoffenheimer Marcel Throm wortgewaltig auf Pappkarton-Größe zusammen, weil dieser einen weiten Abwurf des »Panthers« kurz vor der Mittellinie »verdaddelt« hatte. Aber auch die Feldspieler gingen wie aufgeputscht zu Werke und berannten das Stuttgarter Gehäuse namentlich in den ersten 20 Minuten mit einer Vehemenz, wie man sie im ehrwürdigen Leimbach-Stadion lange nicht mehr erlebt hatte. Das war freilich die fast logische Konsequenz der Bevorzugung eher kleiner und flinker Akteure in der Mittelfeldreihe. Die spurteten nämlich munter durcheinander, und doch schien alles System zu haben.

Vor allem das gefürchtete Siegener »Ball-weg-Syndrom« scheint Trainer Marc Fascher seinen Akteuren in der Winter-Erholungskur ausgetrieben zu haben. Früher hatte jeder Siegener Mittelfeldspieler bei Ballbesitz im Mittelfeld nur ein Ziel: weg damit, am besten 40 Meter. Doch jetzt ging es flott und geordnet von Station zu Station, das den Stuttgartern nur ein staunendes Nachsehen blieb. In diesem Sinne bewährte sich Faschers 4-2-3-1-Formation, denn zwischen den Strafräumen hatte Siegen immer Überzahl in Ballnähe. Und trotz des sehr holprigen Geläufs gehorchte der Ball bei den vielen Zuspielen auch weitgehend den Vorstellungen der jeweiligen Passgeber.

Reanimation der linken Seite

So freuten sich die Fans schon nach nur 63 Sekunden über den ersten Torschrei 2008. Doch er war übereilt, denn nach einem Pfingsten-Freistoß verlängerte Gerrit Müller abtauchend mit dem Kopf zu dem im Abseits stehenden Christian Pospischil. Letzterer interpretierte seine Rolle als »Sechser« entschlossen

offensiv und hämmerte schon in der 3. Minute aus 18 Metern knapp drüber. Aber nach zwölf Minuten waren die Schwaben dann doch auf Gartenzwerg-Niveau zusammengeschustert: Dennis Bührer mogelte sich auf Linksaußen durch und flankte gefühlvoll zu Christopher Hock, der am hinteren Torraumeck köpfend das erlösende 1:0 markierte. So sorgten also nicht nur zwei Debütanten für die Führung. Es war auch eine erfolgreiche Reanimation der linken Seite, die bei Siegen mit Throm und Bührer jetzt weit erfolgsversprechender als in Sommer und Herbst bestückt ist.

Sorglosigkeit machte sich breit

Freilich erlahmte nach 20 Minuten der Angriffswirbel der Sportfreunde, so dass auch die leicht übergewichtig und steif wirkenden Kickers mitspielen durften. Eine gewisse Sorglosigkeit machte sich bei den »Roten« breit, was in der 45. Minute beinahe ins Auge gegangen wäre, als Recep Yildiz aus 16 Metern abzog, und Angelo Vaccaro am Fünfer den Ball ins Netz ablenkte. Aber wie schon bei der ersten Aktion in Halbzeit 1 stand auch bei dieser letzten der Schütze im Abseits.

In der 2. Halbzeit konnten die Siegener nicht mehr an Tempo und Niveau der Anfangsphase heranreichen. Die Feldanteile waren nun mehr und mehr auf Seiten der Gäste, die daraus aber wenig Torgefahr entwickelten. Doch beim Stande von 1:0 entwickeln Fußballspiele nun mal ihre eigene Dramaturgie. So etwas nennt man auch in Siegen seit ewigen Zeiten »Zitterspiel« – und das war es dann auch.

Die Bestrafung folgte in der 86. Minute, als Siegen auf der rechten Abwehrseite nicht entschlossen störte, und Angelo Vaccaro – Minuten zuvor noch von Krämpfen geschüttelt – aus der Drehung ins lange Eck zum 1:1 abschloss.

Siegener Zeitung

Die Sportfreunde-Spieler in der Einzelkritik:

Robert Wulnikowski: Wurde fast gar nicht geprüft und wirkte doch immer hellwach.

Marc Gallego: Seine Flanken sind eindeutig präziser geworden, aber auch er bekam es wohl mit der Angst vorm Siegen zu tun. Gegentor über seine Seite.

Daniel Bogusz: Verlebte einen völlig unspektakulären Abend und verrichte diszipliniert seine Arbeit.

Alexis Genet: Bei ihm weiß man nie, ob es Sicherheit oder Lässigkeit ist. Dennoch machte er keine großen Fehler – aber dann hieß es doch 1:1 …

Marcel Throm: Nach vorne hielt er sich zurück, hinten spielte er taktisch klug, wenn auch nicht immer ohne Fehler.

Christian Pospischil: War in der Anfangsphase kaum zu halten und sprühte vor Tatendrang – dann aber ließ gerade er ziemlich nach.

Enrico Gaede: Erstmals mit der Kapitänsbinde ausgerüstet, hielt er sich bedeckt und sorgte für Ordnung in den eigenen Reihen.

Christopher Hock: Das war über weite Strecken ein vielversprechendes Debüt, das Hock mit dem 1:0 krönte. Hätte beinahe das 2:0 gemacht.

Nils Pfingsten: Wirkte anfangs wie befreit und spielte furios auf. Aber auch von ihm kam dann immer weniger.

Dennis Bührer: War der einzige Gewinner des gestrigen Abends. War auf links viel und vor allem effektiv unterwegs.

Gerrit Müller: Eindeutig nicht so stark. Müller konnte sich nie durchsetzen. War der erste, der platt über den Rasen schlich.

Alexander Blessin: Kam für die letzten 25 Minuten, fand aber nicht mehr richtig in das Spiel hinein.

Veselin Popovic: Löste vielleicht ein wenig zu spät Müller ab und bekam auch keinen Stich mehr.

Schiedsrichter: Markus Pflaum hatte das Spiel jederzeit im Griff und mit der recht fairen Partie überhaupt keine Mühe.

Siegener Zeitung