Presse am Montag nach SF Siegen – Stuttgarter Kickers (1:1)

10. März 2008 in Kickers I, News

Ein klarer Auftrag des Chefs

Bei den Kickers muss nun endlich zu Hause der Knoten platzen – auch ohne den gesperrten Vaccaro

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers warten unter Trainer Stefan Minkwitz weiter auf den ersten Sieg. Dennoch existiert kein Ultimatum. Der Präsident Dirk Eichelbaum gibt aber eine klare Forderung aus: „Aus den nächsten vier Spielen müssen drei Siege her.“

Von Joachim Klumpp

Der Präsident Dirk Eichelbaum hatte einen geschäftlichen Termin in Berlin, so dass er am Freitag nicht beim Spiel sein konnte. Als er vor dem Abflug ins Flugzeug stieg stand es noch 0:1, pünktlich mit der Landung in Stuttgart rief er dann seine SMS ab – 1:1 in Siegen, „damit kann ich unter diesen Umständen leben“. Unter diesen Umständen heißt, dass der Ausgleich durch Angelo Vaccaro erst kurz vor Schluss gefallen war. Ein Punkt. Der Auftakt ins Fußballjahr 2008 hätte für die Kickers in der Regionalliga zwar schlechter laufen können, aber auch besser. „Das war zumindest kein Schritt zurück“, sagte der Trainer Stefan Minkwitz, auch wenn der nach sechs Spielen immer noch auf den ersten Sieg warten muss und der Verein auf den vorletzten Platz abgerutscht ist. „Aber die Mannschaft lebt, das zeigt schon die Tatsache, dass sie in der Schlussphase dominiert hat.“ Bleibt die Frage: warum nicht gleich so?

Eine passende Antwort gibt es nicht. „Wir müssen die Kirche im Dorf lassen: wir werden nicht mehr jedes Spiel in dieser Saison gewinnen“, sagt der Präsident Eichelbaum, der bei dieser Gelegenheit dementiert, dass für den Trainer ein Ultimatum für die ersten drei Spiele nach der Winterpause existiert.

„Natürlich war noch nicht alles so, wie ich es mir vorstelle“, sagt Stefan Minkwitz selbst, „der finale Pass hat meist gefehlt.“ Und damit die zwingenden Chancen. Immerhin hat sich die Umstellung auf ein 3-5-2-System zur Pause bezahlt gemacht. Die Kickers entwickelten mehr Druck aus dem Mittelfeld, nicht zuletzt dank Marcus Mann, der für Yildiz kam (angebrochenes Nasenbein) – und vor allem dank Neuzugang Ferhat Cerci, der auf der linken Außenbahn mächtig Betrieb machte. „So empfiehlt man sich für die erste Mannschaft“, sagte Minkwitz, „wäre er bei der Generalprobe gegen Ingolstadt auch so aufgetreten, wäre er in Siegen zunächst sicher nicht auf der Bank gesessen.“

Trotzdem wird der Trainer nicht von seiner grundsätzlichen 4-4-2-Taktik abweichen: „Zunächst einmal müssen wir schauen, dass wir das perfekt umsetzen. Wenn das nämlich der Fall wäre, würden wir nicht mehr in der Regionalliga spielen.“ Das wollen die Kickers auch nicht, zumindest nicht mehr nächste Saison, wenn das Ziel dritte Liga heißt. Der Punkt in Siegen, ein Anfang auf dem Weg dahin, mehr nicht. Jetzt folgen zwei Heimspiele (gegen Bayern München II und Pfullendorf) – da muss der erste Heimsieg her. Und nicht nur das. Eichelbaum hat klare Vorstellungen: „Aus den nächsten vier Spielen müssen drei Siege her.“

Allerdings fehlt ausgerechnet beim ersten Anlauf am nächsten Samstag der nach fünf Gelben Karten gesperrte Torjäger Angelo Vaccaro, der es bisher auf sieben Treffer brachte und zuletzt die beiden Remis in Regensburg und Siegen rettete. „Jetzt müssen eben die anderen ran. Sokol Kacani hat den Treffer vorbereitet, das war ja schon mal positiv, auch wenn er fußballerisch noch zulegen muss“, sagt Minkwitz.

Und bevor das Wehklagen der eigenen Fans nach dem abgewanderten Nico Beigang losgeht, betont der Trainer nochmals: „Wir haben ihn nicht weggeschickt, der Spieler wollte das von sich aus.“ Begründung: er fühle sich in Stuttgart nicht wohl. Die Luftveränderung hat offensichtlich gutgetan, für seinen neuen Club Regensburg erzielte er bereits seinen zweiten Treffer, auch wenn der diesmal nicht zum Sieg reichte.

Stuttgarter Zeitung

Wer weiß, was der Punkt noch wert ist“

Minkwitz lobt tolle Moral

Stuttgart – Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers kam beim 1:1 bei den SF Siegen erst spät auf Touren. Trainer Stefan Minkwitz sah dennoch einige positive Aspekte.

Herr Minkwitz, was überwiegt: die Freude über den späten Ausgleich oder der Ärger über das Abrutschen auf den 17. Platz?

Wer weiß, was der Punkt noch wert ist. Man darf nicht vergessen, dass wir noch ein Nachholspiel haben, und das wollen wir wie alle Heimspiele gewinnen.

Wie kann das Team in dieser ernsten Lage die erste Hälfte verschlafen?

Das Auftreten in Siegen – zumindest in den ersten 20 Minuten – ist auch mir ein völliges Rätsel. Danach hat die Elf jedoch gezeigt, wie fit sie ist und welch tolle Moral in ihr steckt.

Lag die Wende auch an den Umstellungen?

Nach dem Nasenbeinbruch von Yildiz kam Mann und hat seine Sache im Mittelfeld gut gemacht. Auf links sorgte der eingewechselte Cerci für viel Wirbel. Joker Kacani hat den Ausgleich vorbereitet. Von dem her haben wir alles richtig gemacht.

Welche Rolle spielte die Systemänderung?

Durch die Umstellung auf Dreierkette haten wir nach der Pause ein Übergewicht im Mittelfeld, das hat sich positiv ausgewirkt. Doch unsere Grundordnung wird auch künftig das 4:4:2-System bleiben.

Torjäger Vaccaro fehlt am Samstag gegen den FC Bayern II. Rächt es sich nicht jetzt schon, keinen Stürmer verpflichtet zu haben?

In den Vorbereitungsspielen hatten wir acht verschiedene Torschützen. Die müssen eben auch jetzt in die Bresche springen.

Fragen von Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

»Feuerwehr« rollte die Schläuche ein
Sportfr. Siegen nach furiosem Start am Ende doch wieder nur 1:1 / Hocks Debütanten-Tor

geo Siegen. Sie legten los wie die Feuerwehr. Aber nach 90 Minuten hieß es am Ende doch wieder nur 1:1. Pfiffe der Zuschauer waren die Begleitmusik des gestrigen Regionalliga-Spiels der Siegener Sportfreunde gegen die Stuttgarter Kickers, nachdem die Fans zunächst geradezu euphorisiert wirkten. Doch alle guten Vorsätze, mit denen die Fascher-Schützlinge tatsächlich in das Match starteten, schlichen von Minute zu Minute von dannen, so dass der Ex-Bundesligist am Ende mit einem nicht einmal unverdienten Punktgewinn die Heimreise antrat und Siegens Rückkehr in die Qualifikationsränge zur 3. Liga angesichts des 12. Saison-Remis bis auf weiteres verschoben werden musste.

Trainer Marc Fascher hatte mit Marcel Throm und Dennis Bührer auf der linken Seite zwei Neuzugänge neu aufgeboten, und auch der Ex-Karlsruher Christopher Hock lief erstmals für die Siegener in einem Pflichtspiel auf.

Bühnenreifer »Gig« in der 44. Minute

Dass die Siegener Spieler »brannten« bis unter die Haarspitzen, bekamen die 4600 Zuschauer in einem bühnenreifen »Gig« in der 44. Minute vorgeführt. Da nämlich »faltete« Torhüter Robert Wulnikowski den Ex-Hoffenheimer Marcel Throm wortgewaltig auf Pappkarton-Größe zusammen, weil dieser einen weiten Abwurf des »Panthers« kurz vor der Mittellinie »verdaddelt« hatte. Aber auch die Feldspieler gingen wie aufgeputscht zu Werke und berannten das Stuttgarter Gehäuse namentlich in den ersten 20 Minuten mit einer Vehemenz, wie man sie im ehrwürdigen Leimbach-Stadion lange nicht mehr erlebt hatte. Das war freilich die fast logische Konsequenz der Bevorzugung eher kleiner und flinker Akteure in der Mittelfeldreihe. Die spurteten nämlich munter durcheinander, und doch schien alles System zu haben.

Vor allem das gefürchtete Siegener »Ball-weg-Syndrom« scheint Trainer Marc Fascher seinen Akteuren in der Winter-Erholungskur ausgetrieben zu haben. Früher hatte jeder Siegener Mittelfeldspieler bei Ballbesitz im Mittelfeld nur ein Ziel: weg damit, am besten 40 Meter. Doch jetzt ging es flott und geordnet von Station zu Station, das den Stuttgartern nur ein staunendes Nachsehen blieb. In diesem Sinne bewährte sich Faschers 4-2-3-1-Formation, denn zwischen den Strafräumen hatte Siegen immer Überzahl in Ballnähe. Und trotz des sehr holprigen Geläufs gehorchte der Ball bei den vielen Zuspielen auch weitgehend den Vorstellungen der jeweiligen Passgeber.

Reanimation der linken Seite

So freuten sich die Fans schon nach nur 63 Sekunden über den ersten Torschrei 2008. Doch er war übereilt, denn nach einem Pfingsten-Freistoß verlängerte Gerrit Müller abtauchend mit dem Kopf zu dem im Abseits stehenden Christian Pospischil. Letzterer interpretierte seine Rolle als »Sechser« entschlossen

offensiv und hämmerte schon in der 3. Minute aus 18 Metern knapp drüber. Aber nach zwölf Minuten waren die Schwaben dann doch auf Gartenzwerg-Niveau zusammengeschustert: Dennis Bührer mogelte sich auf Linksaußen durch und flankte gefühlvoll zu Christopher Hock, der am hinteren Torraumeck köpfend das erlösende 1:0 markierte. So sorgten also nicht nur zwei Debütanten für die Führung. Es war auch eine erfolgreiche Reanimation der linken Seite, die bei Siegen mit Throm und Bührer jetzt weit erfolgsversprechender als in Sommer und Herbst bestückt ist.

Sorglosigkeit machte sich breit

Freilich erlahmte nach 20 Minuten der Angriffswirbel der Sportfreunde, so dass auch die leicht übergewichtig und steif wirkenden Kickers mitspielen durften. Eine gewisse Sorglosigkeit machte sich bei den »Roten« breit, was in der 45. Minute beinahe ins Auge gegangen wäre, als Recep Yildiz aus 16 Metern abzog, und Angelo Vaccaro am Fünfer den Ball ins Netz ablenkte. Aber wie schon bei der ersten Aktion in Halbzeit 1 stand auch bei dieser letzten der Schütze im Abseits.

In der 2. Halbzeit konnten die Siegener nicht mehr an Tempo und Niveau der Anfangsphase heranreichen. Die Feldanteile waren nun mehr und mehr auf Seiten der Gäste, die daraus aber wenig Torgefahr entwickelten. Doch beim Stande von 1:0 entwickeln Fußballspiele nun mal ihre eigene Dramaturgie. So etwas nennt man auch in Siegen seit ewigen Zeiten »Zitterspiel« – und das war es dann auch.

Die Bestrafung folgte in der 86. Minute, als Siegen auf der rechten Abwehrseite nicht entschlossen störte, und Angelo Vaccaro – Minuten zuvor noch von Krämpfen geschüttelt – aus der Drehung ins lange Eck zum 1:1 abschloss.

Siegener Zeitung

Die Sportfreunde-Spieler in der Einzelkritik:

Robert Wulnikowski: Wurde fast gar nicht geprüft und wirkte doch immer hellwach.

Marc Gallego: Seine Flanken sind eindeutig präziser geworden, aber auch er bekam es wohl mit der Angst vorm Siegen zu tun. Gegentor über seine Seite.

Daniel Bogusz: Verlebte einen völlig unspektakulären Abend und verrichte diszipliniert seine Arbeit.

Alexis Genet: Bei ihm weiß man nie, ob es Sicherheit oder Lässigkeit ist. Dennoch machte er keine großen Fehler – aber dann hieß es doch 1:1 …

Marcel Throm: Nach vorne hielt er sich zurück, hinten spielte er taktisch klug, wenn auch nicht immer ohne Fehler.

Christian Pospischil: War in der Anfangsphase kaum zu halten und sprühte vor Tatendrang – dann aber ließ gerade er ziemlich nach.

Enrico Gaede: Erstmals mit der Kapitänsbinde ausgerüstet, hielt er sich bedeckt und sorgte für Ordnung in den eigenen Reihen.

Christopher Hock: Das war über weite Strecken ein vielversprechendes Debüt, das Hock mit dem 1:0 krönte. Hätte beinahe das 2:0 gemacht.

Nils Pfingsten: Wirkte anfangs wie befreit und spielte furios auf. Aber auch von ihm kam dann immer weniger.

Dennis Bührer: War der einzige Gewinner des gestrigen Abends. War auf links viel und vor allem effektiv unterwegs.

Gerrit Müller: Eindeutig nicht so stark. Müller konnte sich nie durchsetzen. War der erste, der platt über den Rasen schlich.

Alexander Blessin: Kam für die letzten 25 Minuten, fand aber nicht mehr richtig in das Spiel hinein.

Veselin Popovic: Löste vielleicht ein wenig zu spät Müller ab und bekam auch keinen Stich mehr.

Schiedsrichter: Markus Pflaum hatte das Spiel jederzeit im Griff und mit der recht fairen Partie überhaupt keine Mühe.

Siegener Zeitung

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