Kritische Presse der StZ zum Stadionausbau

Stadt will Millionen ins Waldaustadion pumpen
Rathausspitze plant aufwendige Modernisierung auch bei sportlichem Misserfolg der Kickers – Schicksalsspiel am Samstag

Die Kommunalpolitik schaut gespannt nach Elversberg, wo die Stuttgarter Kickers um ihre Zukunft spielen. Verpassen sie den Einzug in die 3. Bundesliga, droht die Pleite. Den Ausbau des Gazi-Stadions könnte sich die Stadt dann sparen – will sie aber nicht.

Von Jörg Nauke

Die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag der Fußball-Regionalliga Süd ist klar: Die Kickers brauchen ein Wunder, um noch einen Startplatz in der neuen 3. Profiliga zu ergattern, der Zugang zu den Fleischtöpfen von Sponsoren und Fernsehsendern verspricht. Selbst dann wäre die sportliche Zukunft des finanziell angeschlagenen Vereins keinesfalls gesichert. Läuft am Samstag alles schief und die Kickers müssten erst einmal kleinere Brötchen als Amateurverein in der vierten Liga backen, stellte sich aber sogar die Existenzfrage. Der Hauptsponsor Eduardo Garcia hat jedenfalls schon angekündigt, für diesen Fall den Geldhahn zuzudrehen.

Das Schicksal des Fußballvereins berührt die Fans, aber auch die Verantwortlichen im Stuttgarter Rathaus, die entscheiden müssen, ob und in welchem Umfang die Heimstätte der Kickers, das Gazi-Stadion auf der Waldau, modernisiert wird. Unstrittig sind der Einbau von Schalensitzen auf der Haupttribüne sowie Investitionen in die Sicherheit für 300 000 Euro. Anders als die Blauen spielen die Roten, die Amateure des VfB Stuttgart, künftig nämlich in der 3. Liga. Mangels geeigneter eigener Sportstätte bestreiten die Wasen-Kicker ihre Heimspiele auf der Waldau.

Eine kontroverse Debatte deutet sich jedoch über den Vorschlag einer weitergehenden Sanierung des Stadions an, die bis zu 5,5 Millionen Euro kosten soll. Diese Investition wäre dann zwingend nötig, falls auch die Kickers Drittligist würden – die Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) überrascht gegenüber der Stuttgarter Zeitung nun mit der Aussage, sie wolle diesen aufwendigen Umbau sogar dann, wenn die Kickers abstürzten. Ein modernes Stadion stünde der Sporthauptstadt gut zu Gesicht, und man sollte das Schmuckkästchen bereithalten für den Fall, dass die Kickers irgendwann den Weg zurück in den bezahlten Fußball fänden. Um gewappnet zu sein, wollten Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) und sie noch vor der Sommerpause einen entsprechenden Beschluss erreichen. Reinhold Uhl, der Sprecher der CDU im Finanzausschuss, zeigt sich darüber ebenso verwundert wie SPD-Chef Manfred Kanzleiter, der sagt, es stehe jetzt erst einmal ein Gespräch mit den Kickers-Bossen an. Der Grünen-Vorsitzende Werner Wölfle meint: „Jetzt heißt es Daumen drücken und ansonsten Zurückhaltung üben.“ Diese Ansicht kommt nicht von ungefähr – in der Nachbarschaft wartet ein marodes Eislaufzentrum auf die Sanierung. Obwohl tausende Kinder dieses nutzen, hat der Gemeinderat dafür bisher kein Geld bereitgestellt.

Dagegen haben die Stadträte mit massivem Einsatz von Steuermitteln dafür gesorgt, dass die Kickers noch am Spielbetrieb teilnehmen können. Mit dem Hinweis, dass man einen so traditionsreichen Verein nicht pleitegehen lassen dürfe, hat die Stadt 2003 das Clubhaus im ADM-Sportpark für 1,36 Millionen Euro gekauft. Damit wurden die Banken bedient, bei denen die Blauen mit 830 000 Euro in der Kreide standen. Aus dem Verkauf des Namensrechts (eine Million Euro) an Gazi erhalten die Kickers fünfmal 100 000 Euro auf die Hand. Die übrigen 500 000 Euro hat die Stadt verwendet, um ihre Forderungen von 1,3 Millionen Euro gegen die Kickers aus dem Stadionumbau von 1998 zu reduzieren. Der Vertrag zur Refinanzierung ist ausgesetzt. Hier stehen rund 900 000 Euro aus. Nach Informationen der StZ drücken den Verein zudem beträchtliche Steuerschulden.

Stuttgarter Zeitung

Stadiondebatte, die Zweite

Blaues Wunder
Von Jörg Nauke
 
Kaum hat der Gemeinderat den Umbau des Daimlerstadions in eine Fußballarena abgehakt, steht schon die nächste Sanierungsdebatte an. Und diese könnte mehr Zündstoff bergen. Das hängt ganz davon ab, wie die Stuttgarter Kickers am Samstag beim letzten Saisonspiel in Elversberg abschneiden.

Bisher war die Ausgangslage auf der Waldau klar: Das Sportamt spendiert 300 000 Euro, damit von Juli an die Voraussetzungen für Drittliga-Fußball im Gazi-Stadion geschaffen sind. Das ist auch deshalb notwendig, weil die Drittliga-Amateure vom VfB Stuttgart künftig auf den „Golanhöhen“ ihre Heimspiele austragen. Und die Luxussanierung, mindestens 5,5 Millionen Euro teurer, kommt nur für den Fall, dass die Kickers sich für Liga drei qualifizieren. Eigentlich dürfte schon dieser Beschluss nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Während Woche für Woche Hobbyfußballer auf staubigen Hartschollen kicken müssen, weil die Stadt mit der Umwandlung in Rasenplätze nicht nachkommt, werden Anträge auf Unterstützung der Kickers nicht etwa kritisch hinterfragt, sondern als kommunale Pflichtaufgabe interpretiert. Die „Blauen“ sind das Sparkässle der Stadt. Tradition verpflichtet offensichtlich.

Dass Bürgermeisterin Susanne Eisenmann die Heimstätte der Kickers jetzt sogar selbst dann aufpeppen will, wenn der Verein sein blaues Wunder erfahren und ins Bodenlose fallen sollte, birgt zwar die Chance einer Ehrenmitgliedschaft. Der Vorschlag wird dem Stuttgarter Gemeinderat aber nicht zu vermitteln sein. Auch die Liebe zu den „Blauen“ hat ihre Grenzen.

Stuttgarter Zeitung

StN: Die Angst vor der Heimfahrt

Der Kickers-Bus rollt ohne uns ins Saarland, weil die Griechen schon genug verloren haben

Dies ist die Geschichte von der Tragik alter Säcke. Wir kennen alles schon. Wir lassen unsere Déjà-vu-Erlebnisse beim Psychiater behandeln, wir schwören, den gleichen Mist nicht noch einmal zu veranstalten. Und dann sitzen wir tiefer im Schlamassel als je zuvor.

Es ist gerade mal acht Jahre her. Am Freitag, dem 27. Mai 2000, fuhren wir nach Karlsruhe. Es hat nie viele Gründe gegeben, nach Karlsruhe zu fahren. Diesmal schon. Am letzten Spieltag der zweiten Liga kämpften die Kickers beim KSC gegen den Abstieg. Ausgerechnet in Baden.

Der berühmte Kickerspräsident Axel Dünnwald-Metzler (ADM) regierte noch, aber jeder wusste, dass auch Patriarchen nicht ewig an der Macht bleiben. Wenn Patriarchen gehen, hinterlassen sie keinen Unterbau. Das System bricht zusammen.

Noch aber war der Präsident wohlauf und sein Club nicht ohne Chance. Ein Sieg würde uns retten und ein Unentschieden genügen, würde St. Pauli in Oberhausen verlieren. Wir spielten 1:1, aber St. Pauli leider auch. Der verehrte Piratenclub schoss das 1:1 in letzter Sekunde.

Das Schlimmste war der Rückweg. Ich schrieb noch einen kleinen Zeitungsbericht, er endete mit dem Satz: „Es wurde, mit Verlaub, eine beschissene Heimfahrt.“ Der Zensor hat das anstößige Adjektiv in der Eile akzeptiert, der Schreiber befand sich im Ausnahmezustand.

Das Scheißadjektiv habe ich in der Zwischenzeit öfter gebraucht, wenn es um die Kickers ging. Wir im Kickers-Tross sind ständig in einer Ausnahmesituation. Da ich heute ein hoffnungsloser Fall für den Psychiater bin, wäre ich an diesem Samstag beinahe im Fanbus nach Elversberg/Saarland gefahren. Aber George der Grieche, mein Stehtribünennachbar vom Kickersplatz, hat gesagt, er würde die Heimfahrt im Fall des Abstiegs nicht überleben. Er könne das seiner Familie nicht antun.

Gut, habe ich gesagt, das Glück ist eine Hure. Ich will George den Griechen nicht sterben sehen. Die Griechen haben schon genug verloren, seit sie die Demokratie erfunden haben. Wir werden in die Stuttgarter Rock“n“Roll-Kneipe Schlesinger gehen und das Drama live auf der Leinwand verfolgen. Wir wollen nicht in einem Reisebus zu Grunde gehen, womöglich im Saarland. Wir sterben lieber an Gram und Ungerechtigkeit in der Kneipe. „Begrabt mich hinter der Theke“, hat Dean Martin gesagt.

Selbstverständlich hat mir der Psychiater dieses pathetische Geschwafel verboten. Haben Sie nichts dazugelernt seit dem 27. Mai 2000 in Karlsruhe?, hat er gesagt. Doch, habe ich gesagt, aber Sie nicht. Seinerzeit ging es nur um den Abstieg in die dritte Liga. Diesmal aber fahren wir in die Hölle der vierten Liga. Der Psychiater wird die Behandlung abbrechen und mich von seiner Liste streichen, noch bevor ich ihm die ganze Wahrheit erzählen kann. Wir sind 2000 überhaupt nicht abgestiegen, weil der Berliner Pfeifenclub TeBe keine Lizenz erhalten hat. Und unser damaliger Trainer, der gelernte Kneipenwirt Stepanovic, hat später vor Gericht noch seine Nicht-Abstiegsprämie erstritten. Im Fußball ist nicht nur das Glück eine Hure.

Stuttgarter Nachrichten

StZ: Nachgefragt bei Djuradj Vasic

„Uns fehlt die Qualität“
 
Die Stuttgarter Kickers bestreiten in der Fußball-Regionalliga am Samstag (13.30 Uhr) das entscheidende Spiel um die Qualifikation zur neuen dritten Liga beim SV Elversberg, für den es sportlich um nichts mehr geht. „Dennoch wollen wir uns ehrenhaft aus der Saison verabschieden“, sagt deren 51-jähriger Trainer Djuradj Vasic im Gespräch mit Joachim Klumpp.

Herr Vasic, nachdem für Elversberg die Saison sportlich schon gelaufen ist, können die Kickers am Wochenende wohl beruhigt ins Saarland reisen und die drei Punkte abholen. Oder?

Ich glaube und hoffe nicht, dass es so einfach wird. Im Fußball geht es schließlich in jedem Spiel um etwas – zum Beispiel um die Siegprämien. Die Kickers sind momentan zwar gut drauf, aber sie müssen schon eine sehr gute Leistung abliefern, wenn sie hier gewinnen wollen.

Also ist Ihre Mannschaft am Samstag noch einmal voll motiviert?

Wir brauchen diese Woche keine besondere Motivation, aber wir sind es dem Verein und natürlich auch der Liga schuldig, uns ordentlich zu präsentieren und ehrenhaft zu verabschieden. Das ist ganz normal, schließlich wollen wir nichts verschenken und auch keinen Raum für irgendwelche Spekulationen lassen. Einige Spieler verlassen den Club, andere kämpfen noch um einen neuen Vertrag. Außerdem wird es sicher eine gute Atmosphäre, weil viele Zuschauer aus Stuttgart erwartet werden.

Apropos Schlachtenbummler: die Kickers mobilisieren in dieser Woche ihre Fans mit diversen Busangeboten. Haben Sie da keine Angst, dass die Partie für Ihre Mannschaft zu einem Auswärtsspiel wird?

Nein, daran verschwenden wir keinen Gedanken. Zumal wir auswärts sowieso meist besser ausgesehen haben als zu Hause.

Aber unter dem Strich hat es nicht für die Qualifikation zur dritten Liga gereicht. Woran lag es?

Wir haben im Jahr 2008 nur dreimal gewonnen, trotz einiger ordentlicher Leistungen. Aber wir haben einfach viel zu viel Aufwand für einen Sieg betreiben müssen. Und wenn man die drittmeisten Gegentore in der Liga bekommt, dann zeigt das eben, dass vor allem in der Defensive einiges nicht optimal gelaufen ist, vielleicht auch aufgrund von Verletzungen. Letztlich muss man aber so fair sein und zugeben, dass die Qualität für die dritte Liga einfach nicht ausgereicht hat. Das ist enttäuschend, aber eine Tatsache.

Wie geht es denn nun mit Elversberg im Allgemeinen und mit Ihnen als Trainer im Speziellen weiter?

Ich habe meinen Vertrag hier um zwei Jahre für die Regionalliga verlängert, dann müssen wir mal abwarten, ob wir der West- oder der Südgruppe zugeordnet werden, das steht noch nicht fest. Und wir wollen einen Neuaufbau starten und dabei versuchen, die Fehler der letzten Jahre zu korrigieren.

Stuttgarter Zeitung

StN: Psychofolter der blauen Art

Nicht zum ersten Mal schweben die Fußballer der Stuttgarter Kickers am Saisonende zwischen Hoffen und Bangen
 
Stuttgart – Es geht um alles. Nur mit einem Sieg am Samstag (13.30 Uhr) bei der SV Elversberg haben die Stuttgarter Kickers noch die Chance, sich für die dritte Liga zu qualifizieren. Die Lage war schon öfter verzwickt. Nicht zum ersten Mal stehen die Blauen am Saisonende in einem „Endspiel“.

1962: Das seltsame Tor von Pal Csernai

„Csernai nahm das Leder aus der Luft und knallte es an die Unterkante der Latte, von wo der Ball auf den Boden sprang. Tor oder nicht? Schiedsrichter Siebert entschied auf Tor und pfiff ab.“ So stand es im „Sportbericht“ vom 3. Juni 1962. In letzter Sekunde hatte Pal Csernai den Kickers in Aschaffenburg den Abstieg in die Drittklassigkeit erspart. Jahre später gab der Mann mit dem Halstuch zu: „Nein, ich war nicht der Retter. Ich habe nur zufällig ein Tor erzielt, das eigentlich gar keines war.“

1989: ADM wollte das Rauchen lassen

Axel Dünnwald-Metzler wettete sogar seine geliebten Glimmstängel. „Wenn wir doch noch in der Bundesliga bleiben, höre ich mit Rauchen auf“, hatte der damalige Präsident vor der Partie gegen den 1. FC Nürnberg versprochen. Es reichte zwar zu einem 1:0 – am Ende fehlte zum Klassenverbleib ein Punkt, am Relegationsplatz schrammten die Blauen wegen gerade mal vier Toren vorbei.

1991: Coup nach langem Stau

Auf dem Weg zurück in die Bundesliga zeigten die Blauen keine Nerven: Gegen den FC St. Pauli gab es im Relegations-Entscheidungsspiel in Gelsenkirchen ein 3:1. Die Kickers waren erst 40 Minuten vor dem Anpfiff angekommen. Ein Stau als Erfolgsgeheimnis? Darauf wird sich einer garantiert nicht verlassen: Willi Mast, der den Blauen seit 25 Jahren als Busfahrer treu ist.

1992: Rot jubelt, Blau trauert

Der VfB machte am letzten Spieltag die deutsche Meisterschaft perfekt, die Kickers stürzten in die zweite Liga ab. Selbst ein 2:0 am letzten Spieltag gegen den VfL Bochum rettete das Team von Trainer Rainer Zobel nicht. Grund: Die SG Wattenscheid 09 machte gegen Borussia Mönchengladbach aus einem 0:2 noch ein 3:2 und hatte am Ende einen Punkt mehr auf dem Konto.

1994: Absturz in die dritte Liga

Trotz 16 Saisontoren von Fredi Bobic stand schon am vorletzten Spieltag nach dem 2:2 bei TeBe Berlin der Abstieg in die Regionalliga fest. Das Hauptmanko: Einigen Spielern fehlte damals die Identifikation mit dem Verein. Nicht zu dieser Kategorie gehörte Stefan Minkwitz: Der heutige Kickers-Trainer gab alles, kam allerdings nur auf 19 Einsätze und wechselte nach der Saison zu Fortuna Düsseldorf.

2000: Horrorfinale im Wildpark

Das Kickers-Schicksal entschied sich am letzten Spieltag im Wildparkstadion. Der Abstieg des KSC aus der zweiten Liga hatte schon länger festgestanden, die Blauen konnten mit einem Sieg drin bleiben. 3000 Fans waren von Stuttgart nach Karlsruhe gepilgert – und erlebten die schlimmste Psychofolter der blauen Art. Tomislav Maric (31., Foulelfmeter) hatte das 1:0 geschossen, der KSC glich aus (62.). „Wir hatten Blei in den Beinen, nichts ging mehr“, erinnert sich Minkwitz, der 1996 zu den Blauen zurückgekehrt war. Das 1:1 hätte den Kickers zur sportlichen Rettung gereicht – wäre nicht St. Pauli in letzter Sekunde gegen RW Oberhausen der Ausgleich gelungen. „Lebbe geht weider“, sagte sich Kickers-Coach Dragoslav Stepanovic. Für ihn zwar nicht in Degerloch – aber für die Blauen dank des Lizenzentzugs von TeBe Berlin doch noch in Liga zwei. Die Kickers spielten in Karlsruhe in folgender Aufstellung: Ramovic – Ramovs – Keuler, Pfuderer – Marell, Ziegner (85. Weinzierl), Kümmerle (80. Carnevale), Minkwitz, Cassio – Kevric, Maric. Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

StZ: Kickers mit Marketingagentur

Weniger Geld für die dritte Liga
STUTTGART (ump). Die Stuttgarter Kickers bekommen im Saisonfinale der Fußball-Regionalliga Unterstützung – durch eine professionelle Marketingagentur (ESM Rödig und Team), die für die nötigen Sponsoren sorgen soll. Die Zusammenarbeit ist zunächst auf zwei Jahre angelegt, und zwar unabhängig von der Ligenzugehörigkeit. Der Präsident Dirk Eichelbaum betont: „Die Agentur wird ihre Arbeit sofort aufnehmen.“

Das wird auch nötig sein, denn vonseiten des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) gibt es zwei schlechte Nachrichten. Weil sich höchstwahrscheinlich nur drei zweite Mannschaften von den Proficlubs für die neue dritte Liga qualifizieren werden (VfB, Werder und Bayern), muss das künftige Fernsehhonorar durch die verbleibenden 17 Vereine (und nicht wie geplant durch 16) geteilt werden. Das bedeutet, dass pro Club und Saison nur knapp 590 000 statt der ursprünglich vorgesehenen 625 000 Euro ausgeschüttet werden. „Das ist natürlich nicht erfreulich“, sagt der Kickers-Manager Joachim Cast. „Schließlich zählt bei uns jeder Euro.“

Erschwerend hinzu kommt, dass auch die zusätzlichen Pokaleinnahmen aus dem Premierevertrag nicht – wie geplant – den Drittligisten zugute kommen, sondern direkt den 64 Pokalteilnehmern. Da die Kickers für den Wettbewerb 2008/09 die Qualifikation auf Verbandsebene verpasst haben, ist auch aus dieser Quelle keine zusätzliche Einnahme zu erwarten. Die Kickers sind zwar optimistisch, dass sie die Lizenz für die dritte (und im schlechtesten Fall auch die vierte Liga) bekommen, doch der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Lorz sagt: „Es wird kein Selbstläufer.“ Bis 5. Juni haben die Vereine noch Zeit, die DFB-Bedingungen zu erfüllen.

Zuvor müssen sich die Kickers natürlich erst einmal sportlich qualifizieren: mit einem Sieg am Samstag in Elversberg – und dem passenden Ergebnis des Parallelspiels Siegen gegen Reutlingen. Mustafa Parmak hat gestern wieder mit dem Training begonnen, allerdings nur Laufeinheiten absolviert. „Aber damit liegt er im Plan“, sagt Cast.

Stuttgarter Zeitung

StN: Vor dem Regionalliga-Saisonfinale sorgt nur Reutlingen für eine Besonderheit

Starzmann verhängt Maulkorb

Stuttgart – Die Fußball-Regionalliga geht in die letzte Runde – und bei drei Vereinen wird kräftig gezittert: Die Stuttgarter Kickers, der SSV Reutlingen und die SF Siegen kämpfen am letzten Spieltag (Samstag, 13.30 Uhr) um den zehnten Platz und damit gegen den Sturz in die Viertklassigkeit.

VON JÜRGEN FREY

SSV Reutlingen

Platz 10 (44 Punkte, 44:44 Tore)

Vorbereitung: „Nichts Außergewöhnliches“, vermeldet Präsidiumsmitglied Hans Kullen. Einmal am Tag wird trainiert, am Freitag geht“s nach Siegen.

Personelle Probleme: Verteidiger Volker Grimminger fehlt wegen seiner fünften Gelben Karte. Hart treffen würde den SSV der Ausfall von Abwehrchef Ilker Aybar (Zerrung). Seine Einsatzchance liegt bei 20 Prozent.

Erfahrung: Das Durchschnittsalter des Teams beträgt 26,1 Jahre. Oliver Otto und Sasa Janic bringen die größte Routine mit. 2006/07 rettete sich der SSV am vorletzten Spieltag mit einem 2:1 gegen Aalen.

Trainer: Peter Starzmann gilt als Motivationskünstler, der auch mal einen Böller in der Kabine zündet. Auch diesmal ist er für eine Überraschung gut – und verhängte einen Maulkorb: Kein Spieler soll mit den Medien reden. Der Verein teilte dies via Pressemitteilung mit. Kullen: „Wir haben dem Trainer-Wunsch entsprochen.“

Stuttgarter Kickers

Platz 11 (42 Punkte, 36:35 Tore)

Vorbereitung: Einmal pro Tag ist Training. Am heutigen Dienstagabend steht ein Sponsorentermin an. Am Freitag startet der Kickers-Tross nach dem Nachmittagstraining Richtung Elversberg.

Personelle Probleme: Mustafa Parmak absolvierte am gestrigen Montag Lauftraining im Wald. Zumindest ein Kurzeinsatz müsste möglich sein.

Erfahrung: Marcus Mann, Marcel Rapp und Alexander Rosen geben in der Mannschaft (Durchschnittsalter: 25,1 Jahre) die Richtung vor. Auch Bashiru Gambo bringt viel Routine mit. Was für die Blauen spricht: Das Team hat zuletzt in den meisten Spielen bewiesen, dass es auch unter Druck seine Nerven im Griff hat. „Die Spiele, die wir gewinnen mussten, haben wir so gut wie alle gewonnen“, betont Coach Stefan Minkwitz.

Trainer: Minkwitz ist nicht der Typ für irgendwelche Psycho-Tricks. Ruhig und sachlich wie immer bereitet der 39-Jährige seine Mannschaft auf das Spiel der Spiele vor.

SF Siegen

Platz 12 (42 Punkte, 33:36 Tore)

Vorbereitung: Am gestrigen Montag war frei. Ansonsten normaler Trainingsablauf.

Personelle Probleme: Abwehr-Routinier Daniel Bogusz fehlt gesperrt.

Erfahrung: Das Team ist gespickt mit alten Hasen (Durchschnittsalter: 27,8 Jahre). Robert Wulnikowski, Enrico Gaede und die ExKickers-Spieler Alex Blessin und Christian Okpala gehören dazu. „Alle rätseln, warum wir da unten stehen“, sagt Blessin, „aber ich bin sicher, wir werden Reutlingen schlagen. Den Rest haben wir nicht in der Hand.“

Trainer: Peter Nemeth, vor kurzem noch Spieler, ist nach Ralf Loose und Marc Fascher bereits der dritte Coach in dieser Saison. Er ist ein Typ wie Minkwitz: Nah dran an der Mannschaft, immer mit einem offenen Ohr für die Spieler.

Stuttgarter Nachrichten

Agentur Rödig & Team übernimmt Vermarktung

Mit sofortiger Wirkung übernimmt die Event Sport Marketing Rödig & Team die Vermarktung der Stuttgarter Kickers. Die Zusammenarbeit ist auf zwei Jahre angelegt und ist nicht abhängig von der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Liga. Über die Werbeagentur aus Leonberg zur Aquise von Sponsoren freut sich Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum: „Wir sind glücklich, mit einer so leistungsfähigen Agentur wie ESM Rödig & Team unsere Zukunft gemeinsam zu gestalten.“
ESM kümmerte sich zuletzt um das Marketing und Sponsoring im deutschen Golfverband und hat auch den brasilianischen Nationaltrainer Carlos Dunga unter Vertrag. Die Agentur wird auch eng zusammenarbeiten mit Martin Kurzka, der bei den Kickers schon länger im Marketingbereich tätig ist.
 
ESM Rödig & Team GmbH
Römerstrasse 75
71229 Leonberg
Telefon: 07152 / 33 111-0
Telefax: 071 52 / 33 111-10
eMail: kontakt@esm-rt.de
Homepage: www.esm-rt.de

Geschäftsführer: Sven Rödig
Amtsgericht Stuttgart
HRB 721971

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Presse zu Stuttgarter Kickers – VfB Stuttgart II (1:1)

Herzschlagfinale in der Regionalliga
Kickers brauchen Sieg in Elversberg – und etwas Schützenhilfe
 
STUTTGART. Mit einem gehaltenen Elfmeter hat David Yelldell den Kickers das 1:1 im Derby gegen den VfB gerettet – und die Chance auf die dritte Liga. Der Trainer Minkwitz sagt: „Wir werden es schaffen.“ Für diesen Fall hat der Hauptsponsor 25 000 Euro ausgelobt.

Von Joachim Klumpp

Als der Schiedsrichter Peter Gagelmann das Regionalligaderby zwischen den Stuttgarter Kickers und dem VfB II abgepfiffen hatte, sanken die Spieler der Blauen kollektiv auf den Rasen. Aus Erschöpfung – und Enttäuschung. Schließlich schien nach dem 1:1 alle Hoffnung auf die dritte Liga verspielt. Bis die Ergebnisse der Konkurrenz bekanntwurden, und das vor allem in der Höhe überraschende 0:4 des SSV Reutlingen gegen Pfullendorf. „Wir leben noch“, konnte der Trainer Stefan Minkwitz zufrieden feststellen, um vor dem letzten Spiel zu betonen: „Wir können und werden es schaffen.“

Das Wohlwollen des Kollegen Rainer Adrion hat er jedenfalls: „Wenn die Kickers auch die dritte Liga erreichen, wäre es für Stuttgart das Beste.“ Dabei hätte der VfB durchaus das vorzeitige Scheitern des Ligarivalen besiegeln können, wenn Christian Träsch fünf Minuten vor Schluss einen Elfmeter nicht so schwach geschossen hätte, dass David Yelldell parieren konnte. Dabei wollte (oder sollte?) Peter Perchtold schießen. „Beide sind vorgesehen, sie haben das unter sich ausgemacht“, sagte Adrion diplomatisch.

Der Kickers-Schlussmann Yelldell unterstrich mit dieser Szene nochmals nachhaltig, warum er von den Fans bereits zum dritten Mal zum „Spieler der Saison“ gewählt wurde, eher er den Verein aller Wahrscheinlichkeit zum Saisonende in Richtung Koblenz verlassen wird. „Diese Auszeichnung hat er zu Recht erhalten“, sagte Stefan Minkwitz.

Die Ausgangslage vor dem Saisonfinale ist klar: Die Kickers müssen gewinnen und hoffen, dass Reutlingen im Verfolgerduell in Siegen höchstens einen Punkt holt; und Siegen wiederum kein Sieg gelingt, der um sechs Tore höher ausfällt als der der Kickers.

Heute soll Mustafa Parmak wieder ins Training einsteigen. „Die Chancen, dass er am Samstag einsatzfähig ist, stehen nicht schlecht“, erklärte Minkwitz. Wobei der Spieler selbst in einen Gewissenskonflikt geraten könnte. Der 26-Jährige ist sich über einen Wechsel mit TuS Koblenz einig, allerdings könnte der an der Ablöse von circa 100 000 Euro scheitern, denn der Zweitligist darf laut Auflagen keine Transferausgaben tätigen. Die Crux: im Falle des Abstiegs in die vierte Liga wäre Parmak ablösefrei zu haben.

Nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch läuft die Vorbereitung für Elversberg auf Hochtouren. Die Fanclubs haben bereits einen Doppeldeckerbus gechartert, zudem will der Verein noch einen Bus einsetzen, der Anhänger kostenlos ins Saarland transportiert. Der Manager Joachim Cast fordert: „Das Stadion dort muss fest in Kickers-Hand sein.“ Und dass die Mannschaft zu diesem ultimativen Endspiel schon am Vortag anreist, versteht sich von selbst, zumal der Anstoß zeitgleich bereits um 13.30 Uhr erfolgt, weil die wichtigsten Partien (also auch die der Kickers) in den dritten Programmen in einer Konferenz übertragen werden.

Nachdem der Verein unmittelbar vor dem Heimspiel gegen Unterhaching eine Sonderprämie über 5000 Euro ausgelobt hatte (die ihre Wirkung nicht verfehlte), war gegen den VfB kein zusätzlicher Anreiz mehr geschaffen worden. Den setzte dafür der Hauptsponsor Eduardo Garcia, als er spontan verkündete: „Bei der Qualifikation für die dritte Liga zahle ich 25 000 Euro in die Mannschaftskasse.“ Sollte sie verpasst werden, wird er sein Engagement bei den Kickers beenden.

Vor dem Derby traf sich der Kickers-Vorstand mit dem VfB-Präsidenten Erwin Staudt zum Essen. Das Thema Freundschaftsspiel wurde allerdings ausgeklammert. Das müsse die sportliche Leitung entscheiden, so Staudt. Die hat aber bereits dem SSV Reutlingen (für 15. Juli) zugesagt, was die Kickers nicht erfreuen dürfte. Genauso wenig wie die Schlachtrufe der Cannstatter unter den 7190 Zuschauern: „Hier regiert der VfB“, hatten diese während der 90 Minuten skandiert. Was wohl auch am Samstag gilt. Denn die Partie gegen Sandhausen soll – aus Sicherheitsgründen – im Gazi-Stadion ausgetragen werden. „Der Antrag beim Verband läuft“, sagte der VfB-Spielleiter Helmar Müller.

Kickers: Yelldell – Deigendesch, Mann, Rapp, Stierle – Petruso (52. Benda), Rosen, Gambo, Cerci (63. Prediger) – Kacani (57. Yildiz), Tucci.

VfB II: Hammel – Karikari, Robin Schuster, Kovacevic, Schwabe – Träsch, Perchtold, Ikeng (75. Klotz), Klauß – Schipplock (70. Dausch), Hofmann (83. Hindelang).

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen). Tore: 0:1 Hofmann (48.), 1:1 Tucci (65.). Besonderes Vorkommnis: Träsch scheitert mit Handelfmeter an Yelldell (85.).

Stuttgarter Zeitung

Fangruppen liefern sich Schlägerei
Nach dem Lokalderby zwischen den Stuttgarter Kickers und der zweiten Mannschaft des VfB ist es gestern auf der Waldau zu einer Schlägerei von Fangruppen gekommen. An der Auseinandersetzung waren laut Polizei circa 50 Männer beteiligt.

Zwei Randalierer, ein Passant und zwei Polizeibeamte seien bei dem Streit leicht verletzt worden, ins Krankenhaus musste aber niemand. Die Polizei nahm vorübergehend 32 Mitglieder beider Fanlager im Alter zwischen 16 und 38 Jahren fest.

Die Ausschreitungen hatten erst eine Stunde nach Spielende gegen 17.45 Uhr begonnen. Die rivalisierenden Fußballfans trafen im Bereich der Parkplätze am Fernsehturm aufeinander. Als die ersten Einsatzfahrzeuge der Polizei eintrafen, flüchteten sie in den an das Stadion angrenzenden Wald.

Die Polizei nahm am Ort der Schlägerei zwei leicht verletzte Randalierer fest, fünf stellte sie im Wald, weitere im Umfeld des Stadions. Laut Zeugen sollen einige Fans vermummt gewesen sein. Ein Passant habe einen Schlag auf den Kopf erhalten, drei Beamte seien bei der Festnahme von Randalierern leicht verletzt worden.

Die VfB-Anhänger seien bei der Schlägerei „deutlich in der Überzahl“ gewesen, so ein Polizeisprecher. Auseinandersetzungen dieser Art seien auf der Waldau sonst „eher ungewöhnlich“. Die Polizei war mit 80 Kräften vor Ort, deutlich mehr als sonst. Die Beamten hatten die VfB-Fans vom „Kommando Bad Cannstatt“ vor dem Spiel von der City in der Bahn zum Stadion begleitet.ury

Stuttgarter Zeitung

Selbst viele VfB-Fans drücken den Kickers die Daumen
Lokalderby vor einer Rekordkulisse von 7190 Zuschauern – Auch nach dem Spiel hoffen Kickersfans auf einen Platz in der dritten Liga

Das Derby Kickers gegen VfB II ist für die Fans von der Waldau ein Wechselbad aus Hoffnung und Resignation gewesen. Selbst mancher VfB-Anhänger streifte einmal das blau-weiße Trikot über, auch wenn andere wie üblich schwarz trugen und sich martialisch gaben.

Von Mathias Bury

Die Stimmungsbilder konnten unterschiedlicher kaum sein: An Tor 5 des Gazi-Stadions verbreitete sich eine Stunde vor Spielbeginn hektische Betriebsamkeit. Ein Pulk von VfB-Fans überquert im Laufschritt und mit Geschrei den Parkplatz, eskortiert von Bereitschaftspolizei mit berittenen Beamten.

Mit schwarzen Shirts und grimmigem Blick geben sich die VfB-Anhänger bei der Leibesvisitation am Einlass martialisch. Das „übliche Imponiergehabe“, urteilte der Einsatzleiter der Polizei, der für das Lokalderby zwischen der zweiten Mannschaft des VfB und den Stuttgarter Kickers aber doch weit mehr Kräfte im Einsatz hat als üblich.

Einstweilen bleibt die Lage ruhig. Vorerst belässt es das „Kommando Bad Cannstatt“ bei Verbalattacken. Von „Rangordnung“ und vom „Feind“ ist die Rede, dem man nichts schenken werde. Erst nach Spielende kommt es zu einer Schlägerei rivalisierender Fans (dazu nebenstehender Beitrag).

Ganz anders die Szenerie auf der gegenüber liegenden Seite des Stadions. Den Gesichtern der Kickersfans an Tor 6 ist jedenfalls keine Anspannung abzulesen. „Viele haben schon resigniert“, beschreibt eine Ordnerin, die seit mehr als zehn Jahren im Gazi-Stadion am Einlass steht, die Atmosphäre.

Dabei haben die Anhänger der Blauen allen Grund, angespannt in das Schicksalsderby zu gehen. Anders als der VfB, der sicher in der neuen dritten Liga ist, kämpfen die Kickers ums Überleben. „Wenn sie es nicht schaffen, geht der Verein kaputt“, das ist für Augusto Ferrari ausgemacht. Seit mehr als 30 Jahren hat der 71-jährige Möhringer eine Dauerkarte fürs Stadion auf der Waldau.

Die Aussicht, der Traditionsverein könnte durch eine Niederlage ins Nichts versinken, geht selbst eingefleischten VfB-Fans ans Herz. „Die Kickers sollten gewinnen“, sagt Ferraris Fußballkumpan Helmut Ulmer, der mal Jugendleiter beim VfB war. Er fände es sogar in Ordnung, wenn die Kicker vom Wasen denen von der Waldau durch Zurückhaltung helfen würden. „Sonst geht eine Ära zu Ende“, fühlt sich auch Andreas Mecki mit den Kickers solidarisch. Sogar das blau-weiße Shirt hat der VfB-Anhänger für diesen Tag aus seinem Trikotfundus gezogen.

Als die Partie vor der Rekordkulisse von 7190 Zuschauern beginnt, ist manchem Kickersfan mulmig zumute. „Das ist eine Abschiedsvorstellung, ein Begräbnis, bei der man dem Verstorbenen noch mal die letzte Ehre erweist“, sagt Werner Nemetz. „Ein Leben lang“ sei er ins Waldaustadion gekommen, erzählt der 59-Jährige aus Sonnenberg. Sollte der Verein es nicht in die dritte Liga schaffen, werde er in der „Liga der Namenlosen“ kicken, ohne Geld, ohne Publikum.

So viel Pessimismus will Nemetz“ Fußballkollege Joachim Berleong nicht stehen lassen. „Wir machen noch eins – irgendwie“, schöpft der 58-Jährige nach dem 1:1-Ausgleich Hoffnung. Und dann ergeht er sich mit Nemetz in Vereinsnostalgie. „Der Klinsmann hat hier spielen gelernt, auch der Buchwald und der Allgöwer, und die Bayern haben wir schon zweimal geschlagen“, sagen sie stolz.

Werner Nemetz nimmt von dieser Vereinsgeschichte schon mal Abschied. „So was wird es nicht mehr geben“, sagt er wehmütig mit Blick auf das volle Stadion und die Sprechchöre des Cannstatter Blocks.

Doch auch nach Spielende ist offen, ob die Kickers es nicht doch noch schaffen. Mag das Lied „Wind of Change“ von den Scorpions eher sentimentale Abschiedsstimmung verbreiten: Joachim Berleong zückt das Blatt mit dem Tabellenstand und rechnet die Restchancen aus. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Stuttgarter Zeitung

Yelldell hält die Blauen im Rennen
Torwart pariert Elfmeter und ist zu 100 Prozent von der Qualifikation überzeugt – Garcia setzt Prämie aus

Stuttgart – Die Stuttgarter Kickers haben vor dem letzten Regionalliga-Spieltag am kommenden Samstag (13.30 Uhr) weiter die Chance, sich für die dritte Liga zu qualifizieren. Zu verdanken haben sie das der Heimniederlage des SSV Reutlingen und ihrem überragenden Torwart David Yelldell.

VON JÜRGEN FREY

Nach Bekanntgabe der Ergebnisse von den anderen Plätzen hellte sich die Miene von Dirk Eichelbaum sichtlich auf: „Das gibt“s doch nicht. Wir treiben den Showdown auf die Spitze“, sagte der Kickers-Präsident und schüttelte ungläubig mit dem Kopf. Dass die Blauen vor der letzten Partie bei der SV Elversberg überhaupt noch im Rennen sind, haben sie aber nicht nur den Niederlagen des SSV Reutlingen und der SF Siegen zu verdanken, sondern vor allem ihrem Torwart: Hätte Yelldell mit dem gehaltenen Elfmeter vier Minuten vor Schluss nicht das 1:1 gegen den VfB II gerettet, die Kickers hätten sämtliche Rechenspiele vergessen können. Eine Niederlage wäre das definitive Aus im Rennen um die dritte Liga gewesen.

So aber ist die Hoffnung größer denn je. Auch bei Yelldell, der zum dritten Mal hintereinander zum Kickers-Spieler der Saison gewählt wurde und dessen Wechsel zu Zweitligist TuS Koblenz wohl noch in dieser Woche perfekt gemacht wird: „Ich bin hundertprozentig sicher, dass wir es packen“, sagt der 26-Jährige und liefert die Begründung gleich mit: „Wir haben so lange auf ein Endspiel in Elversberg hingearbeitet, jetzt haben wir es – und lassen uns die Chance nicht mehr nehmen.“ Natürlich weiß auch er, dass ein Reutlinger Sieg in Siegen alle Kickers-Träume platzen ließe, doch daran glaubt der Keeper nicht: „Der SSV gewinnt dort nicht – weil Siegen hoch motiviert ist und selbst noch Chancen hat.“

Alle Konzentration gilt nun der Partie in Elversberg. Am heutigen Montag (15 Uhr) beginnt Trainer Stefan Minkwitz mit der Vorbereitung. Yelldell wird spielen können, obwohl er sich noch lange nach dem Abpfiff wegen einer Knöchelverletzung behandeln ließ. Die Sperre von Torjäger Angelo Vaccaro ist abgelaufen, und bei Mittelfeldass Mustafa Parmak deutet vieles darauf hin, dass er zumindest eine Halbzeit lang am Ball sein kann. Als zusätzliche Motivationsspritze hat Hauptsponsor Eduardo Garcia im Falle der Drittliga-Qualifikation spontan 25 000 Euro für die Mannschaftskasse versprochen. Außerdem werden die Blauen alles dafür tun, dass so viele Fans wie möglich die Elf ins 210 Kilometer entfernte Elversberg begleiten. Eichelbaum: „Wir werden uns an den Buskosten ins Saarland beteiligen. Das Stadion wird fest in Kickers-Hand sein.“Bis Samstag gegen 15.20 Uhr muss der Kickers-Chef noch zweigleisig planen. Mögliche Neuzugänge wie Matthias Heckenberger und Marc Schnatterer (beide KSC II) stecken in der Warteschleife. Andere Personalien stehen unabhängig von der Ligazugehörigkeit vor dem Abschluss. Heute werden die Kickers bekanntgeben, dass sich ab sofort eine professionelle Werbeagentur um die Akquise von Sponsoren kümmern wird. Und von Dieter Wahl liegt die Zusage für eine Rückkehr ins Kickers-Präsidium vor – geknüpft an Bedingungen wie etwa eine schnelle Entlastung des alten Präsidiums.

Doch zunächst zählt einzig und allein nur eines: Spiel und Sieg in Elversberg.

Stuttgarter Nachrichten

Die Lage vor dem Saison-Finale
Kickers müssen drei Punkte holen, und der SSV Reutlingen darf nicht gewinnen

Die Stuttgarter Kickers (42 Punkte / Tordifferenz +1) erreichen in der Regionalliga Süd Platz 10 und qualifizieren sich für die neue dritte Liga, wenn . . .

. . . sie ihr letztes Saisonspiel am kommenden Samstg bei der SV Elversberg gewinnen und der SSV Reutlingen (44 Punkte / Tordifferenz 0) seine Begegnung bei den Sportfreunden Siegen (42 Punk-te / Tordifferenz -3) nicht gewinnt. Verliert Reutlingen, darf der Erfolg für Siegen allerdings nicht um mehr als vier Tore höher ausfallen als der Kickers-Sieg in Elversberg.

. . . wenn Siegen mit mehr als vier Toren Unterschied gegen Reutlingen gewinnt und die Kickers ihrerseits in Elversberg mit einer um maximal drei Tore geringeren Differenz als die Sportfreunde Siegen gewinnen. Beispiel: Siegen gewinnt 7:1, die Kickers gewinnen 3:0.

Knifflig wird es, wenn die Kickers und Siegen nach dem letzten Spieltag punktgleich sind und auch die gleiche Tordifferenz aufweisen. Außerdem müsste die Anzahl der erzielten Tore und der Gegentreffer identisch sein. Diese Konstellation ergäbe sich, wenn der Kickers-Sieg in Elversberg um vier Tore niedriger ausfällt als Siegens Erfolg gegen Reutlingen, wobei die Kickers jeweils ein Gegentor mehr kassieren müssten als Siegen. Beispiel: Siegen gewinnt 6:1, die Kickers gewinnen 3:2. Dann hätten beide Mannschaften 45 Punkte und ein Torverhältnis von 39:37. Da auch der direkte Saison-Vergleich beider Clubs (jeweils 1:1) unentschieden endete, käme es laut DFB-Spielordnung in diesem Fall auf die höhere Zahl aller auswärts erzielten Tore an. Da haben beide Teams bisher 16 Treffer vorzuweisen – diesen Vergleich würden die Kickers bei einem Sieg in Elversberg gewinnen. StN

Stuttgarter Nachrichten

VfB: Diskussionen um den Elfmeter
Adrion-Elf versiebt Chancen
 

Direkt nach dem Abpfiff nahm sich Rainer Adrion seinen Führungsspieler zur Seite: Der VfB-Trainer besprach mit Peter Perchtold die Schlüsselszene des turbulenten Derbys bei den Kickers (1:1). Warum hatte nicht der etatmäßige Elfmeterschütze den Strafstoß (86.) geschossen, sondern Christian Träsch? Adrion erklärte es so: „Beide waren vorgesehen und sollten sich besprechen. Perchtold hatte zuletzt verschossen, und Träsch fühlte sich sicher.“

Gerüchte auf der Tribüne, Träsch habe absichtlich verschossen, brachten den VfB-Coach auf die Palme: „So ein Schwachsinn. Träsch ist wie angestochen herumgerannt, wollte seinen Fehler sofort wiedergutmachen.“ Der von Recep Yildiz völlig unnötig verursachte Handelfmeter war zwar die größte Chance, die der spielerisch überlegene VfB versiebte, aber längst nicht die einzige. Bei sehr guten Kontermöglichkeiten nach der Pause hätten die Roten die Partie entscheiden können. Die Inkonsequenz im Abschluss erweist sich in der Rückrunde als größte VfB-Schwäche. „Daraus lernen die Jungs für die neue Saison“, war sich Perchtold nach dem Abpfiff sicher – und strich heraus, dass auch sein Team unter Druck stand: „Gehen wir hier 0:3 unter, spricht doch jeder von Nachbarschaftshilfe.“

Derbys sind eine pikante Angelegenheit. Nächste Saison wird Perchtold dies eine Etage höher erleben: in Liga zwei mit seinem künftigen Club 1. FC Nürnberg gegen die SpVgg Greuther Fürth. Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

Schlägerei nach Spiel auf Waldau
32 Personen festgenommen
 
Rivalisierende Fangruppen haben sich am Samstagnachmittag nach dem Fußball- Regionalligaspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und dem VfB Stuttgart II eine Schlägerei geliefert.

Insgesamt rund 50 Personen hätten etwa um 17.45 Uhr bei den Parkplätzen am Fernsehturm die Ausschreitungen verursacht, teilte die Polizei am Samstag mit. Das Spiel auf der Waldau sei zu dem Zeitpunkt schon eine Stunde vorbei gewesen.

Als die Beamten am Schauplatz in Degerloch eintrafen, flüchteten zahlreiche Schläger in die angrenzenden Waldgebiete. Zwei Leichtverletzte im Alter von 21 und 22 Jahren blieben zurück. Die Polizei setzte den Flüchtenden nach und konnte 32 Personen im Alter von 16 bis 38 Jahren in der näheren Umgebung des Tatorts vorläufig festnehmen. Drei Polizisten erlitten dabei allerdings leichte Verletzungen. Die Polizei nahm Anzeigen auf, unter anderem wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch. Im Lauf des Abends wurden die Festgenommen wieder auf freien Fuß gesetzt. rd

Stuttgarter Nachrichten

Zittern bis zum Schluss
 
Nach dem 1:1 im Stadtderby gegen den VfB II kämpfen die Stuttgarter Kickers am finalen Spieltag um den letzten Platz in der dritten Liga
 
Stuttgart – Das Hoffen geht weiter. Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers hat nach dem 1:1 (0:0) im nervenaufreibenden Derby gegen den VfB II immer noch die Chance, sich für die dritte Liga zu qualifizieren. Am letzten Spieltag steigt der Dreikampf mit dem SSV Reutlingen und den SF Siegen um den einzigen noch offenen Startplatz.
 
Von Beate Wockenfuß

„Wenn wir verloren hätten, wäre es vorbei gewesen“, atmete Kickers-Manager Joachim Cast nach der Anspannung erleichtert auf und war in Gedanken bereits beim Saisonfinale am Samstag (13.30 Uhr): „Das ist an Dramatik nicht zu überbieten.“ Während die Kickers bei der SV Elversberg antreten, treffen sich die beiden Kontrahenten zum Direktduell in Siegen. Eins ist klar: Die Stuttgarter (42 Punkte) müssen in jedem Fall gewinnen, um ihre Chance zu wahren – und dann darauf hoffen, dass der SSV Reutlingen (44) gegen die Sportfreunde Siegen (42) entweder verliert oder unentschieden spielt. „Das Stadion in Elversberg muss fest in Kickers-Hand sein“, fiebert Cast dem Showdown entgegen.Doch bis dahin geht das Zittern weiter. Schon die 90 Minuten gegen den VfB II waren nichts für schwache Nerven. Vor der Saison-Rekordkulisse von 7190 Zuschauern lieferten sich die Stadtrivalen einen Schlagabtausch, der keinen Sieger verdiente. Während die Chancen auf beiden Seiten in der ersten Hälfte noch ungenutzt blieben, wurde es nach der Pause richtig spannend. Sebastian Hofmann (50. Minute) brachte den VfB II in Führung, die Marco Tucci (63.) egalisierte. Unterm Fernsehturm keimte wieder Hoffnung auf – die jedoch ein Pfiff von Bundesliga-Schiedsrichter Peter Gagelmann endgültig zu zerstören drohte. Nach einem Handspiel von Recep Yildiz im Strafraum entschied der Referee kurz vor Schluss (86.) auf Elfmeter. Doch auf den gewohnt starken David Yelldell war wie so oft in dieser Spielzeit Verlass. Der Kickers-Torhüter, der vor der Partie zum dritten Mal in Folge als bester Spieler der Saison ausgezeichnet wurde, parierte den Schuss von Christian Träsch locker. Alexander Rosen hatte kurz danach (89.) noch den Siegtreffer auf dem Fuß, schoss aber knapp übers Tor. Nach dem Schlusspfiff herrschte zunächst Grabesstimmung. In der Annahme, durch das Remis aus dem Rennen zu sein, hockten die Kickers traurig auf dem Rasen. Während die VfB-Fans hämisch „Absteiger, Absteiger“ brüllten, versuchten die Spieler in Rot die in Blau zu trösten. Doch als die Ergebnisse der Konkurrenz verkündet wurden, brandete wieder Jubel auf. Vor allem durch die überraschende 0:4-Heimpleite der Reutlinger gegen den SC Pfullen­dorf ist noch alles drin. „Wir sind noch am Leben und werden es auch schaffen“, bleibt Kickers-Trainer Stefan Minkwitz optimistisch.

Statistik

Stuttgarter Kickers: Yelldell – Deigendesch, Mann, Rapp, Stierle – Petruso (52. Benda), Rosen, Gambo, Cerci (62. Prediger) – Kacani (57. Yildiz), Tucci.

VfB Stuttgart II: Hammel – Opoku-Karikari, Robin Schuster, Kovacevic, Schwabe – Perchtold, Träsch, Ikeng (75. Klotz) – Hofmann (83. Hindelang), Schipplock (69. Dausch), Klauß.

Schiedsrichter: Gagelmann (Bremen). Zuschauer: 7190.

Tore: 0:1 Hofmann (50.), 1:1 Tucci (63.).

Gelbe Karten: – / -.

Besonderes Vorkommnis: Yelldell hält Handelfmeter von Träsch (86.).

Beste Spieler: Yelldell, Rapp / Kovacevic, Hofmann.
 
Eßlinger Zeitung