Der Torhütertrainer der Stuttgarter Kickers, Dennis Rudel, im Interview bei Torwart.de
Autor: McVillager
VfR Aalen – Stuttgarter Kickers 3:1 (0:0)
Der Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers hat am Samstagnachmittag sein Auswärtsspiel beim VfR Aalen vor 8200 Zuschauern mit 1:3 (0:0) verloren. Nach der Führung für die Gäste durch den Treffer von Josip Landeka in der 52. Spielminute wendete die Mannschaft von der Ostalb die Partie durch die Tore von Marco Sailer (54.), Kristoffer Andersen (84.) und Christan Alder (92., Foulelfmeter). Weitere Wermutstropfen aus Sicht der Gäste: Angelo Vaccaro und Bashiru Gambo sahen Gelb-Rot und fehlen im nächsten Heimspiel gegen den SV Werder Bremen II.
Die Geschichte der ersten Halbzeit auf der Ostalb ist schnell erzählt. Nachdem die Hausherren in ihrer ersten Partie unter dem neuen Coach Petrik Sander besser ins Spiel gefunden hatten, brauchten die Gäste eine gute Viertelstunde, ehe sie sich mit den Gegebenheiten akklimatisiert hatten. Ein seifiges, aber insgesamt gut bespielbares Geläuf in der Scholz-Arena ließ flotte Kombinationen zunächst nicht zu.
Echte Torchancen in den ersten 45 Spielminuten waren ausschließlich für die Mannschaft von Kickers-Trainer Edgar Schmitt zu notieren. Die erste und gleichzeitig beste im ersten Abschnitt hatte Josip Landeka in der 24. Minute. Seinen Schuss aus halblinker Position parierte der Aalener Torhüter Tobias Linse. Die zweite Möglichkeit bot sich Sascha Traut. Der rechte Mittelfeldmann der Blauen zog aus halbrechter Tordistanz ab, Sekunden vor dem Pausenpfiff von Schiedsrichter Thorsten Joerend zwang er mit einem strammen Flachschuss den Keeper der Heimelf zu einer Fußabwehr. Der VfR Aalen wusste beim Debüt seines bereits dritten Cheftrainers in dieser Spielzeit nicht zu überzeugen. Die Folge: die Mannschaft von Sander wurde beim Gang in die Halbzeitpause mit lautstarken Pfiffen von ihren Fans verabschiedet.
Mit dem jeweils gleichen Personal gingen die beiden Trainer in die zweite Spielhälfte des Württemberg-Derbys, das insgesamt 8200 Zuschauer (Saisonrekord für den VfR Aalen) bei frostigen Temperaturen auf den Rängen verfolgten. Erwärmendes boten die Akteure auf dem Rasen zunächst jedoch nicht. Die Kräfteverhältnisse zwischen dem Tabellenzwölften und dem Tabellenneunzehnten blieben fürs Erste ausgeglichen. Das erste Ausrufezeichen setzten danach die Kickers: durch den Führungstreffer von Landeka in der 52. Minute. Der Linksfuß zog bei einem Freistoß aus 35 Metern einfach einmal ab – und zur Überraschung aller landete der noch abgefälschte Aufsetzer im linken unteren Toreck zum 0:1. Nur zwei Minuten danach gelang Aalen der Ausgleich. Marco Sailer nutze eine Fehlerkette in der Kickers-Abwehr mit einem Schuss als spitzem Winkel zum 1:1. In der Folge wurde die Partie ruppiger, aber nicht überhart. Der Platzverweis für den Kickers-Angreifer Angelo Vaccaro (Gelb-Rot in der 57. Minute/wiederholtes Foulspiel) war deshalb eine viel zu harte Entscheidung.
Die Kickers in der verbleibenden Spielzeit folglich in numerischer Unterzahl, kämpften dennoch verbissen. Für einen Schreckmoment aus Sicht der Gäste sorgte in der 66. Minute der Aalener Torschütze Sailer – sein Gewaltschuss im Gäste-Strafraum donnerte an die Querlatte des von Salz gehüteten Gehäuses. Zehn Minuten später zeigte der eingewechselte Orlando auf der Gegenseite eines von den gegnerischen Abwehrspielern gefürchteten Soli. Nachdem er jedoch vier Aalener Akteure bereits abgehängt hatte, wehrte das letzte Hindernis vor dem Ziel, der Keeper Linse, seinen Flachschuss zur Ecke ab. In der Schlussviertelstunde setzten die Hausherren alles auf eine Karte und erhöhten den Druck auf das gegnerische Tor – und belohnten sich in der 84. Minute mit dem Treffer zum 2:1. Kristoffer Andersen traf im Anschluss eine mehrfach zuvor abgewehrte Torschussserie flach aus halbrechter Schussposition uns Kickers-Tor.
Allen Offensivbemühungen der Kickers zum Trotz: ein weiterer Treffer fiel nur noch auf der Gegenseite. In der Nachspielzeit entschied der Unparteiische nach einer Attacke von Marcel Rapp an seinem Gegenspieler Benjamin Schöckel auf Strafstoß, den Christian Alder zum 3:1-Endstand sicher verwerte. Weiterer Wermutstropfen für die Blauen: Nach dem Schlusspfiff sah auch noch der bereits verwarnte Bashiru Gambo Gelb-Rot – und wird demgemäß im nächsten Heimspiel der Stuttgarter Kickers am kommenden Sonntag gegen den SV Werder Bremen II (GAZI-Stadion, 14 Uhr) ebenso wie Angelo Vaccaro fehlen.
Aus Aalen berichtete Frank Pfauth
Die Trainerstimmen:
Edgar Schmitt: „Wir sind natürlich enttäuscht. Wir haben eigentlich ganz gut angefangen, sind gut gestanden. Es war Spannung im Spiel, zwar kein hochklassiges Spiel, wofür wir aber auch nicht zuständig waren. Wir schießen dann das 1:0 und drei Minuten später machen wir wieder diese individuellen Fehler zum 1:1. Damit war immer noch nichts passiert, aber es ist natürlich subjektiv unsererseits, aber der Schiedsrichter darf niemals zwei gelb-rote Karten geben. Niemals. Der Platzverweis gegen Vaccaro war lächerlich. Meiner Meinung nach haben wir es danach immer noch einigermaßen im Griff gehabt. Doch Aalen ist dann immer stärker geworden, weil sie einfach sehr gute Einzelspieler haben. Markus Sailer macht dann sehr schön das 1:1, ist cool geblieben, dann das 2:1 durch den starken Andersen. Und so hat das Spiel dann seinen Lauf genommen. Dann gibt der Schiedsrichter noch den Elfmeter, ich habe mich nur darüber aufgeregt, weil ich wusste, dass er noch einen gibt. Zumindest dann kann man meine Spieler in Ruhe lassen, okay das war`s, aber dann gibt er nach dem Schlusspfiff noch Gelb-Rot für Bashi Gambo, was natürlich ein großer Verlust für uns ist. Das regt mich auf. Aber insgesamt muss ich agen, dass Aalen nach dem 1:1 stärker geworden ist. Vielleicht hätten wir mit etwas Glück durch Orlando das 2:1 machen können. Aber insgesamt war es dann okay. Schade für uns.“
Petrick Sander: „Man hat der Mannschaft schon angemerkt, dass etwas Verunsicherung da ist, dass sie den Rucksack mit dem 0:4 noch mit sich rum trägt und die Veränderungen innerhalb des Vereines gehen logischerweise auch nicht spurlos an einer Mannschaft vorbei. Das hat man zu Beginn gemerkt, wo Stockfehler drin waren und wo die Kickers zu gefährlichen Angriffen gekommen sind. Aber Tobias Linse war heute unsere Garant da hinten, er hat sehr souverän und sachlich agiert. Wir sind dann eigentlich zufrieden mit dem 0:0 in die Halbzeit gegangen und wussten dass wir in der zweiten Halbzeit noch Chancen bekommen. Dann ist es umso bitterer, dass man durch so einen abgefälschten Freistoß in Rückstand gerät. Aber wie die Mannschaft das weggesteckt hat und mit welcher Moral sie zurückgekommen is, das war schon sehr imposant. Nach dem Schlusspfiff ist eine spürbarer Erleichterung eingetreten, es war auch ein sehr wichtiger Sieg. Ich freu mich für die Jungs, aber es gibt noch viel Arbeit, es gilt noch vieles aufzuarbeiten, noch zu verbessern. Den Sieg am Schiedsrichter festzumachen, daran beteilige ich mich nicht. Es ist sicherlich nicht einfach so ein Spiel zu leiten. Aber insgesamt ein verdienter Sieg für uns, der über den Kampf, die Moral und Leidenschaft kam. Deshalb bin ich mit den Jungs auch sehr zufrieden.“
Die Spielstatistik:
VfR Aalen: Linse – Schöckel, Alder, Bader, Stegmayer – Haller, Hofmann, Andersen (90. Holzer), Bohl – Sailer (87. Okic), Bouadoud (69. Mayer) – Trainer: Sander
Stuttgarter Kickers: Salz – Reiß, Ortlieb, Rapp, Härter – Deigendesch, Traut (87. Tucci), Gambo, Landeka – Schürg (70. Orlando), Vaccaro – Trainer: Schmitt
Zuschauer:
8.200 Fans in der Aalener Scholz-Arena
Torfolge:
0:1 Landeka (51.)
1:1 Sailer (55.)
2:1 Andersen (85.)
3:1 Alder (90., Foulelfmeter)
Schiedsrichter:
Joerend (Lübbecke)
Verwarnungen:
Gelbe Karten: Bader, Alder, Bouadoud – Smeekes, Traut
Gelb-Rote Karten: Vaccaro (57., wegen wiederholten Foulspiels), Gambo (90. +5, vermutzlich wegen Schiedsrichterbeleidigung)
Offizielle Homepage
Akcay zu Aue?
Mustafa Akcay, der im Sommer zu Antalyaspor wechselte, absolviert derzeit ein Probetraining beim FC Erzgebirge Aue.
Vorberichte III: VfR Aalen – Stuttgarter Kickers
Eine Liga, zwei Welten
Kickers-Gegner VfR Aalen hat die Blauen finanziell um Längen abgehängt
Stuttgart – Das Vorbild heißt Hoffenheim 1899. Doch von einer ähnlichen Entwicklung ist der VfR Aalen weit entfernt. Was nichts daran ändert: Den Ligakonkurrenten Stuttgarter Kickers hat der Fußball-Drittligist vor dem direkten Duell an diesem Samstag (14 Uhr/Scholz-Arena) finanziell und personell um Längen abgehängt.
VON JÜRGEN FREY
Für Edgar Schmitt ist der Fall klar. „Wir haben Herz und Tradition. Aalen Geld.“ Der Kickers-Trainer muss es wissen: Er war vom 15. Januar 2007 bis zum 27. August 2008 Coach beim VfR und kennt damit die Strukturen beider Clubs. Ein Vergleich:
Die Finanzen: Der Etat des VfR ist mit etwa sechs Millionen Euro doppelt so hoch wie der der Blauen. Dies liegt vor allem an zwei großen Geldgebern. Das Energietechnikunternehmen Imtech pumpt pro Saison rund drei Millionen Euro in den Club. Tendenz stark steigend. Für den Rest kommt hauptsächlich Präsident und Schrottunternehmer Berndt-Ulrich Scholz auf. Die kleineren Geldgeber spielen auf der Ostalb eine eher untergeordnete Rolle.
Ganz im Gegensatz zu den Kickers. Vom Hauptsponsor, der Garmo AG, fließen pro Saison rund 250 000 Euro in die Kasse. Um den restlichen Werbeetat zu decken, laufen sich die Marketingstrategen die Hacken ab. „Was die Werbeeinnahmen betrifft, sind wir nicht wettbewerbsfähig“, sagt Aufsichtsratschef Rainer Lorz und belegte dies bei der Mitgliederversammlung mit Zahlen. Im Schnitt belaufen sich die Werbeeinnahmen der Drittligisten auf 2,4 Millionen Euro (und machen damit 50 Prozent des Etats aus), bei den Blauen sind es mit rund einer Million Euro rund 30 Prozent des Etats.
Die Infrastruktur: Mit knapp 12 000 Zuschauern passen in die Scholz-Arena etwa genauso viele Besucher wie ins Gazistadion. Doch das moderne Schmuckkästchen auf der Ostalb hat viele Vorteile: zum Beispiel knapp 5000 überdachte Sitzplätze (1380 in Degerloch), eine Rasenheizung, eine Anzeigetafel und viele Extras mehr.
Das Personal: Manager Joachim Cast ist bei den Blauen fast so etwas wie ein Alleinunterhalter auf der Geschäftsstelle. Aalen gönnt sich Weltmeister Jürgen Kohler als Sportdirektor, Ex-Bundesligaprofi Martin Braun als Geschäftsführer. Hinzu kommen ein hauptamtlicher Marketingmanager sowie weitere Spezialisten für Merchandising, Ticketing und Rechnungswesen.
„Wir spielen zwar in einer Liga, aber in bestimmten Bereichen trennen die beiden Clubs Welten“, weiß Edgar Schmitt. Dass der sportliche nicht dazu gehört, will er an diesem Samstag mit seinem Team beweisen.
Stuttgarter Nachrichten
Wenn Tradition auf Geld trifft
Trainer Edgar Schmitt ist mit den Kickers bei seinem Ex-Verein VfR Aalen zu Gast
Stuttgart (bw) – Das Schwabenderby in der dritten Fußball-Liga steht unter ganz besonderen Vorzeichen: Trainer Edgar Schmitt tritt morgen (14 Uhr) mit den Stuttgarter Kickers bei seinem Ex-Verein VfR Aalen an. Der VfB Stuttgart II empfängt gleichzeitig Kickers Emden.
Ziemlich genau drei Monate ist es her, dass Schmitt beim VfR völlig überraschend entlassen wurde. Begründet wurde dies mit der negativen sportlichen Entwicklung. Doch Schmitt empfindet vor seiner Rückkehr weder Genugtuung noch Groll. „Ich habe damit abgeschlossen. Für mich ist es ein Spiel wie jedes andere auch“, erklärte er gestern betont emotionslos. Auf die Frage nach dem Unterschied zwischen den beiden Vereinen, kann sich der 45-Jährige jedoch einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen. So verfügen die Kickers seiner Meinung nach über „Tradition, Herz, Leidenschaft und professionelle Strukturen“ – der VfR dagegen über genügend Geld. „Wenn die Vereine fusionieren würden, wäre alles vorhanden“, sagte Schmitt und schob schmunzelnd hinterher: „Das finden die in Aalen jetzt bestimmt nicht so lustig.“ Vorfreude auf die Partie macht sich trotzdem bei ihm breit. Erstens weil seine Familie da sein wird, mit der er vor den Toren Aalens nur wenige Kilometer entfernt von der Scholz-Arena wohnt. Und zweitens, weil er bei den VfR-Fans offenbar immer noch sehr beliebt ist. „Man hört, dass sich viele Zuschauer auf mich freuen“, sagte Schmitt und lächelte dabei triumphierend. Der Tabellenvorletzte reist ohne Alexander Rosen (Muskelfaserriss) und Marcus Mann (Rot-gesperrt), aber trotzdem guter Hoffnung auf die Ostalb. Auch wenn Schmitt gestern sehr martialisch formulierte: „Ein Schuss mehr Brutalität würde uns gut tun.“ Aber dies sei letztlich eine Mentalitätsfrage. „Das können die Jungs einfach nicht.“ So wollen sie spielen: Salz – Reiß, Ortlieb, Rapp, Härter – Deigendesch, Gambo, Landeka – Traut, Schürg, Smeekes.
Eßlinger Zeitung
Vorberichte VfR Aalen – Stuttgarter Kickers
„Ich empfinde keine Genugtuung“
Kickers-Trainer Edgar Schmitt im Interview: „Die Anzahl der Aalener Gegentore zeigt mir gute Möglichkeiten auf“
Die Rückkehr ist keine gewöhnliche. Wenn Trainer Edgar Schmitt am Samstag mit den Stuttgarter Kickers im Drittliga-Derby beim VfR Aalen antritt, hat er noch immer viele Sympathisanten an seiner ehemaligen Wirkungsstätte. Viele Fans haben die Entlassung von „Euro-Eddy“ nie verstanden. Im Interview spricht der 45-Jährige über den Abstiegskampf, seine Zeit auf der Ostalb und darüber, dass „die Entwicklung in Aalen für Kenner nicht gerade überraschend kommt“.
Herr Schmitt, sind Sie nervös?
Schmitt: Nein, warum?
Weil Sie in wenigen Tagen erstmals an Ihre alte Wirkungsstätte zurückkehren.
Natürlich freue ich mich, dass ich meine ehemaligen Spieler wiedersehe. Ich freue mich, Betreuer Günther Hammer und Masseur Achim Hägele zu treffen. Und all die anderen. Aber sonst ist es für mich ein Spiel wie jedes andere.
Es fällt schwer, das zu glauben.
Man muss in diesem Geschäft eine professionelle Einstellung leben und diese führt zu dem, was ich eben sagte. Meine Konzentration gilt nun den Stuttgarter Kickers, und insofern spielt es keine Rolle, gegen wen wir antreten.
Empfinden Sie Genugtuung, wenn Sie die Entwicklung beim VfR Aalen sehen?
Nein. Jürgen Kohler wünsche ich vielmehr eine gute Besserung. Und auch sonst empfinde ich keine Genugtuung. Der VfR Aalen war meine erste Trainerstation, es war eine sehr lehrreiche Zeit. Schließlich habe ich in den gut eineinhalb Jahren alles kennengelernt, was der Profifußball zu bieten hat. Sowohl Positives als auch Negatives.
Und Sie wurden zu einem Zeitpunkt freigestellt, als im Umfeld kaum einer damit gerechnet hat.
Vielen ist die Freistellung auch heute noch nicht ganz klar. Ich jedenfalls ging damit professionell um, wobei mir auch das spontane Interesse anderer Verein gut getan hat.
Ihnen wird vorgeworfen, Sie hätten die Mannschaft nicht ausreichend verstärkt. Haben Sie die Dritte Liga unterschätzt?
Das habe ich nicht. Ich hatte auch fast keine Möglichkeiten, die Mannschaft zu verstärken. Meine Vertragsverlängerung zog sich aus schwer nachvollziehbaren Gründen hin, es wurde erst Ende Mai verlängert. Danach hatten Geschäftsführer Martin Braun und ich nur noch ganz wenig Zeit zu handeln, und der Spielermarkt war fast ausverkauft. Zwischenzeitlich hatte das damalige Management mehrere Spieler (Pascal Bader, Anton Shynder, Mario Hohn – Anm. d. Red.) ohne mein Wissen verpflichtet. Das zur Verfügung stehende Geld war ausgegeben und mir völlig unbekannte Spieler ohne Rücksprache verpflichtet.
Warum haben Sie nicht früher mit der Suche nach neuen Spielern begonnen?
Man hätte bereits im Januar mit der Suche nach neuen Spielern beginnen müssen, aber da wusste ja keiner, wie es weitergeht. So zogen sich die Entscheidungen bis Ende Mai hin, vorher konnte ich nicht tätig werden. Die Konsequenzen habe ich bereits geschildert. Ich bin mir jedoch sicher: Wenn um meine Person eine frühzeitige Entscheidung getroffen worden wäre, würde der VfR Aalen heute in der 2. Bundesliga spielen.
Statt dessen steht am Samstag das Derby in der Dritten Liga an. Treffen da zwei Mannschaften aufeinander, die gegen den Abstieg spielen?
Wir kämpfen um den Klassenerhalt, und ich bin mir sicher, dass wir es schaffen. Wenn der VfR gegen uns verliert, steht auch er unten drin. Aber absteigen werden die Aalener voraussichtlich nicht. Dazu ist die Qualität im Kader viel zu hoch.
Der VfR Aalen schafft es auch nicht mehr, das Publikum zu begeistern.
Für Kenner ist das nicht besonders überraschend. Die Mannschaft war immer darauf eingestellt, attraktiven, erfolgreichen Fußball zu spielen. Und damit hat sie begeistert. Plötzlich soll nur noch die Null stehen. Eine solche Umstellung ist kaum zu schaffen. Sicher nicht ohne Verlust der Attraktivität. Und leider auch mit Einbußen beim Erfolg.
Wenn Sie den VfR Aalen und die Stuttgarter Kickers miteinander vergleichen. Wo sehen Sie die gravierendsten Unterschiede der beiden Vereine?
Die Kickers verfügen über Tradition, Herz und Leidenschaft. Und über professionelle Strukturen und begeisternde Persönlichkeiten in der Führungsriege. Beim VfR Aalen ist hingegen genügend Geld vorhanden. Sollen die beiden Vereine jemals fusionieren, dann wäre alles vorhanden … Dieser Scherz sei erlaubt.
Statt einer Zusammenarbeit kommt es am Samstag zum Duell. Rechnen Sie sich realistische Chancen auf einen Sieg aus?
Ja, denn wir haben oft genug bewiesen, dass wir gegen starke Gegner mithalten können. Viele Spiele standen bei uns auf des Messers Schneide. Nur sind sie nicht immer auf die richtige Seite gekippt.
Fehlt Ihrer Mannschaft die Qualität für die Dritte Liga?
Nein, auf keinen Fall. Wir sind individuell gut besetzt. Wir müssen uns im Kollektiv sukzessive verbessern. Ich bin zuversichtlich, denn meine Spieler sind willig und lernbereit. Nicht schlecht wäre, wenn wir noch ein, zwei Führungsspieler dazu bekommen könnten.
Werden Sie in der Winterpause neue Spieler dazu holen?
Wenn machbar, dann ja. Und zwar, um das Team zu verbessern und zu stabilisieren. Wir werden aber keinen Spieler aus dem Kader stoßen.
Stimmt es, dass Sie sich beim VfR Aalen bedienen werden?
Ähnliches habe ich auch schon gehört, aber mir fehlen die Offerten des VfR. Ich glaube aber nicht, dass Aalen Spieler an die Kickers abgibt.
Tatsache ist, dass der VfR einige Spieler los werden will.
Wenn dem so ist, sollte man mich kontaktieren.
Der Name Mischa Welm ist schon mehrfach gefallen.
Wenn der VfR Aalen Mischa los werden möchte und wir ein entsprechendes Signal erhalten, sind wir gesprächsbereit.
Sie haben wie der VfR Aalen zuletzt häufig unentschieden gespielt. Diese Remis bringen keinen weiter.
Uns bringen diese Unentschieden mehr vorwärts als die Aalener. Dort herrscht eine andere, öffentlich gemachte Erwartungshaltung. Und wir nehmen für uns in Anspruch, die besseren Spiele gemacht zu haben. Denken Sie nur an unsere Unentschieden gegen die spielstarken Mannschaften wie den FC Bayern II oder den VfB Stuttgart II. Letzteres wird bereits „historisches Derby“ genannt. Dies steht im Gegensatz zu den emotionslosen 0:0-Spielen.
Wie groß ist der Vorteil im Derby, dass Sie die Mannschaft des VfR Aalen in- und auswendig kennen?
Kenne ich die Mannschaft wirklich noch? Ich glaube aber zu wissen, was wir tun müssen.
Wo sehen Sie die Stärken beim VfR Aalen?
Vielleicht die Defensive. Obwohl die Anzahl der Gegentore auch gute Möglichkeiten aufzeigt.
Beim VfR Aalen und im Umfeld sind Sie noch immer sehr beliebt.
Es ist für mich eine Wertschätzung meiner Leistung und und meiner Fußball-Philosophie. Die Fans haben ein untrügliches Gespür für gut und schlecht. Insofern freut mich das nachhaltig positive Echo natürlich umso mehr.
© Schwäbische Post 27.11.2008
Presse zur Jahreshauptversammlung – VfB kommt zum Testspiel
Schwarze und rote Zahlen bei den Blauen
Die Kickers erzielen Gewinn, doch im Etat klafft ein Loch
STUTTGART. Die sportliche Situation des Fußballdrittligisten Stuttgarter Kickers ist unbefriedigend, besser sieht es wirtschaftlich aus: das abgelaufene Geschäftsjahr 2007/08 endet mit einem Gewinn von 330 000 Euro.
Von Joachim Klumpp
Die relativ harmonische Stimmung bei der Hauptversammlung der Stuttgarter Kickers ist gestern Abend nur einmal etwas getrübt worden: als das Logo des Lokalrivalen VfB auf der Leinwand auftauchte, da gab es vereinzelt doch Pfiffe. Dabei hätten die 190 anwesenden Mitglieder dankbar sein sollen. Denn der Fußball-Bundesligist wird am 25. März nächsten Jahres in Degerloch zu einem – schon lange angekündigten – Benefizspiel antreten, durch das wiederum die finanzielle Lage der Kickers verbessert würde. Das ganze soll das ADM-Gedenkjahr schmücken, das die Kickers 2009 anlässlich des fünften Todes- und 70. Geburtstages ihres Ehrenpräsidenten Axel Dünnwald-Metzler ins Leben gerufen haben. Als Krönung obendrauf gibt es noch die berechtigte Hoffnung, dass im Lauf des Jahres auch der FC Bayern München seine Visitenkarte bei den Blauen abgibt. Dafür wiederum gab es – Applaus.
Und nicht nur dafür. Denn nachdem die sportliche Situation des Tabellenvorletzten in der dritten Liga unbefriedigend ist, konnte sich zumindest das wirtschaftliche Ergebnis sehen lassen. Als der Schatzmeister Friedrich Kummer einen Gewinn (zum Stichtag 30. Juni) von exakt 330 396,60 Euro verkündete, brandete Beifall im Clubheim auf. „Im Wesentlichen ist das auf die neu gegründete Beteiligungsgesellschaft zurückzuführen“, erklärte Kummer. Die besteht aktuell ausschließlich aus fünf Mitgliedern von Präsidium und Aufsichtsrat und wurde in einer kritischen finanziellen Situation der Vorsaison ins Leben gerufen, um den Verein mit Darlehen und der Abtretung der Transfererlöse zu helfen, was sich mit 525 000 Euro niederschlägt. In der Bilanz ist dieses Geld Vereinsvermögen, so dass der Stand der Verbindlichkeiten von knapp einer Million Euro auf nunmehr 591 684,17 Euro zurückgegangen ist. Da nach wie vor die Rangrücktrittsdarlehen des Expräsidenten Hans Kullen sowie von Ursi Dünnwald-Metzler existieren, ist der Verein aber nicht überschuldet. „Unser Ziel ist es, die Entschuldung des Vereins weiter voran zu treiben“, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Lorz.
Trotz des guten Ergebnisses im Geschäftsjahr 2007/08 können die Kickers keine großen Sprünge machen, was vor allem die Transfermöglichkeiten in der Winterpause betrifft. Das liegt in erster Linie daran, dass der angesetzte Saisonetat von etwa drei Millionen Euro bei den Ausgaben übertroffen wird, was mehrere Gründe hat: zum Beispiel erhöhte Kosten im Ordnungs- und Sicherheitsdienst bei Risikospielen, eine Verdreifachung der Stadionmiete – und natürlich auch die Verpflichtung des holländischen Spielers Orlando Smeekes sowie der Trainerwechsel. Hochgerechnet zum Saisonende fehlen dem Club damit etwa 300 000 Euro in der Kasse.
Deshalb muss auf der einen Seite eisern gespart werden (etwa durch den Verzicht auf ein Trainingslager im Januar), auf der anderen aber weiter versucht werden, die Einnahmen zu erhöhen, vor allem durch zusätzliche Werbeaktivitäten. Das Paradebeispiel dafür ist die zweite Auflage der Kampagne „Believe-in-Blue“, bei der Fans im Internet einzelne Bausteine (zu je 18,99 Euro) erwerben können und wo innerhalb kurzer Zeit bisher knapp 15 000 Euro eingegangen sind. Damit aber nicht genug: bei der Mitgliederversammlung kamen ganz aktuell sogar noch einmal 10 000 Euro dazu. Was den Präsidenten Dirk Eichelbaum zu der spontanen Aussage veranlasste: „Wenn immer zehntausend Euro zusammenkommen, machen wir künftig jeden Tag eine Hauptversammlung.“
Neben der leidigen Stadionfrage, in der die Kickers heute Abend einen Termin beim Deutschen Fußball-Bund haben, um auszuloten, ob es aufgrund des aufgeschobenen Umbaus nochmals eine Ausnahmeregelung geben könnte, wurden auch die Rechte am Kickers-Logo angesprochen, die noch die ausgegliederten Handballer besitzen. „Die Gespräche über eine gemeinsame Nutzung stehen aber unmittelbar bevor“, so Eichelbaum.
Ganz so weit wollten die Vertreter der Handballer, die sich dezent im Hintergrund hielten, noch nicht gehen. Sie werden das ausgearbeitete Vertragswerk, das vorsieht, dass der Hauptverein auf die jährlichen 1500 Euro Lizenzgebühr verzichtet, noch juristisch prüfen lassen. Tenor: wir sind bereit für eine Einigung, aber die gibt es noch nicht. Vielleicht hilft in dieser brisanten Frage ja das gemeinsame sportliche Leid. Während die Fußballer Vorletzter in der Tabelle sind, belegen die Handballer den letzten Platz.
Stuttgarter Zeitung
Gewinn täuscht über Ernst der Lage
Kickers vermelden für Geschäftsjahr 2007/08 Bilanzplus von 330000 Euro
Stuttgart – Die Stuttgarter Kickers haben im abgelaufenen Geschäftsjahr Gewinn gemacht und ihre Schulden verringert. Diese positiven Aspekte bei der gestrigen Mitgliederversammlung ändern nichts daran: Die Finanzierung des laufenden Spielbetriebs bleibt ein Tanz auf der Rasierklinge.
VON JÜRGEN FREY
Ein Sieg in 16 Spielen, Platz 19. Was die Zahlen in der dritten Liga angeht, können die Kickers alles andere als zufrieden sein. Da war das Zahlenwerk, das die Chefetage im Vereinsheim präsentierte, erfreulicher. Das Präsidium verkündete für das Geschäftsjahr 2007/08 einen Gewinn in Höhe von 330 396,80 Euro. Entsprechend harmonisch verlief die Versammlung – die 190 Mitglieder entlasteten sowohl Präsidium als auch Aufsichtsrat. Das bilanzielle Plus ist auf zwei Faktoren zurückzuführen:
Die Transfereinnahmen stiegen gegenüber dem Vorjahr von 330 000 Euro auf 802 892 Euro. Hintergrund: Der Verein hat die Transferrechte an die Kickers Beteiligungs GmbH & Co. KG verkauft.
Die außerordentlichen Erträge stiegen von 22 767 Euro auf 303 721 Euro. Dies ist vor allem auf einen Forderungsverzicht von Ursi Dünnwald-Metzler zurückzuführen.
Unterm Strich verringerten sich die Schulden von 922 080 Euro auf 591 684 Euro.
Diese positive Tendenz ändert nichts an den Liquiditätsproblemen. Bis zum 30. Juni 2009 wird der Etat um 300 000 Euro überzogen. Gründe: der Trainerwechsel und die Verpflichtung von Orlando Smeekes. „Die Finanzierung des Spielbetriebs ist ein Tanz auf der Rasierklinge“, sagte Präsident Dirk Eichelbaum. Den Ernst der Lage bestätigte Präsidiumsmitglied Dieter Wahl: „Wegen der Finanzkrise beißt man bei Sponsoren auf Granit.“ Der Marketingexperte meldete auch Positives: Am 25. März 2009 kommt der VfB zum Freundschaftsspiel – jeder Euro in der klammen Kickers-Kasse zählt.
Stuttgarter Nachrichten
Zumindest finanziell auf einem guten Weg
Die Stuttgarter Kickers vermelden auf der Mitgliederversammlung einen satten Gewinn
Stuttgart – Sportlich läuft es schlecht, finanziell geht es aufwärts: Während Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers weiter im Tabellenkeller festhängt, vermeldete Präsident Dirk Eichelbaum gestern Abend bei der Mitgliederversammlung für die abgelaufene Spielzeit (Stichtag: 30. Juni) ein „Rekordergebnis“ – und damit einhergehend einen erheblichen Schuldenabbau.
Von Beate Wockenfuß
„Hinter uns liegt das Jahr der Katze. Wir haben sieben Leben gebraucht“, sagte Eichelbaum angesichts der äußerst knappen Qualifikation für die eingleisige dritte Liga. Dort befindet sich das Team aktuell auf dem vorletzten Platz. Wie schon im vergangenen Jahr, so war es auch diesmal in Degerloch: Mitten in den Wirren einer sportlichen Depression der „Blauen“ überraschten die Vereinsbosse die leidgeprüften Anhänger bei der Jahreshauptversammlung mit positiven Nachrichten. Die etwa 190 anwesenden Mitglieder staunten nicht schlecht, als das für Finanzen zuständige Präsidiumsmitglied Friedrich Kummer die Geschäftszahlen für die Saison 2007/2008 präsentierte und dabei mit einem deutlichen Jahresüberschuss aufwartete. 330 397 Euro beträgt der erwirtschaftete Gewinn in der abgelaufenen Spielzeit – das bedeutet eine Steigerung um stattliche 139 Prozent gegenüber 2006/2007 (138 130 Euro). Schon damals hatte sich der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.Zurückzuführen ist das neuerliche Plus auf die Anfang des Jahres gegründete Beteiligungs GmbH & Co. KG, an die der Verein seine Transferrechte verkauft hat. Damit sind die Kickers auf ihrem Weg aus den Schulden wieder ein großes Stück vorangekommen. 591 684 Euro gilt es jetzt „nur“ noch zu tilgen. Dazu gehört unter anderem das Darlehen von Ex-Präsident Hans Kullen. Über die Rückzahlung hatten sich der Verein und Eichelbaums Vorgänger nach monatelangem Streit erst Anfang Juli und damit nach dem Bilanz-Stichtag außergerichtlich geeinigt. Demnach soll über die kommenden acht Jahre hinweg eine nicht genannte Summe an Kullen gezahlt werden.Der ehemalige Präsident spielte bei der gestrigen Versammlung noch bei einem anderen Tagesordnungspunkt eine Rolle. Denn die Entlastung des alten Vorstands war im vergangenen Jahr wegen der unklaren juristischen Situation auf dieses Jahr verschoben worden. Diesmal ging die Entlastung ohne Diskussionen durch – ebenso für das aktuelle Präsidium.
2,86 Millionen Euro Ausgaben
Das lag vor allem an den positiven Zahlen: Insgesamt nahm der Verein in der vergangenen Spielzeit 2,93 Millionen Euro ein, das sind 105 834 Euro weniger als 2006/2007. Am deutlichsten sanken die Einnahmen im Bereich Spielbetrieb (minus 219 620 Euro), was an der verpassten Teilnahme am DFB-Pokal lag. Dieselbe Ursache hat der Rückgang im Bereich Fernsehen und Hörfunk (minus 207 540 Euro). Die Ausgaben auf der Waldau beliefen sich auf 2,86 Millionen Euro, das sind 42 961 Euro weniger als 2006/2007.
Das kommende Jahr wird bei den Kickers ganz im Gedenken an den im Jahr 2004 verstorbenen langjährigen Präsidenten Axel Dünnwald-Metzler stehen. Im Rahmen des „ADM-Gedenkjahres“ sind unter anderem zwei Freundschaftsspiele geplant. Bundesligist VfB Stuttgart gastiert am 25. März im Gazi-Stadion. Der FC Bayern hat ebenfalls für ein Spiel zugesagt, ein Termin steht jedoch noch nicht fest. Auch das bringt dem nach wie vor klammen Verein wertvolle Einnahmen.
Eßlinger Zeitung
Mitgliederversammlung: Streitobjekt Kickers-Emblem
Stuttgart – Die Tagesordnung für die Mitgliederversammlung der Stuttgarter Kickers am Mittwoch, 26. November (19 Uhr/Vereinsheim), wurde auf Antrag eines Mitglieds kurzfristig um einen Punkt ergänzt: Dabei geht es um die Rechte am Vereinsemblem.
Für Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum wäre es „die totale Schande“. Eine Posse und Blamage wäre es auf jeden Fall – wenn der SV Stuttgarter Kickers und der HV Stuttgarter Kickers sich vor Gericht um die Rechte am Logo streiten würden. Dieses Szenario war bis zum gestrigen Dienstag zwar immer noch nicht völlig auszuschließen, doch eine Einigung zwischen beiden Parteien ist die wahrscheinlichere Variante.
Der Reihe nach. In der Ära Hans Kullen entschied das Präsidium der Blauen mehrheitlich, die Rechte am Kickers-K beim Patent- und Markenamt für die nächsten zehn Jahre nicht zu verlängern. Der Club ging davon aus, auch so über den vollen Markenschutz zu verfügen, und sparte dadurch etwa 4500 Euro.
Jürgen Hollenbach, der Präsident des Handballvereins Stuttgarter Kickers, bekam davon Wind und sicherte sich die Rechte. Im September 2007 erhielt er die Urkunde zugestellt. Hollenbach stellte dies als reine Sicherheitsmaßnahme für die Kickers als Gesamtes dar: „Der Club muss froh sein, dass wir die Rechte haben, auch Markenpiraten hätte sie sich sichern können.“
Es vergingen Wochen und Monate, bis sich die beiden Lager aufeinander zubewegten. Am 13. November beschloss das Präsidium um Chef Eichelbaum, dem Vergleichsvorschlag des HV nach einer gemeinsamen Logo-Nutzung zuzustimmen. Knackpunkt dabei: Die Handballer müssen künftig nicht mehr die Lizenzgebühr von etwa 1500 Euro pro Jahr an den SV überweisen.
Dieser Betrag war nach der Ausgliederung der Handballer 2004 aus dem Hauptverein für die Nutzung des Schriftzuges und des Logos Stuttgarter Kickers vereinbart worden. Eigentlich wäre jetzt alles klar. Und die Blauen wollten mit aller Macht die Kuh vom Eis haben – und zwar vor der Mitgliederversammlung.
Doch Handballchef Hollenbach geht das alles zu schnell: „Unser Fachanwalt muss den Vertragsentwurf noch prüfen, dann müssen ihn meine Vorstandskollegen absegnen.“ In zehn Tagen soll alles klar sein. Dann endlich könnten die Kickers dieses unrühmliche Kapitel endlich schließen.
Jürgen Frey
Stuttgarter Nachrichten
Presse zur anstehenden Jahreshauptversammlung
„Die Konsolidierung des Vereins ist eine Herkulesaufgabe“
Interview mit dem Kickers-Präsidenten Dirk Eichelbaum zur wirtschaftlichen Situation des Fußballdrittligisten, dem verschobenen Stadionumbau und den Fernsehgeldern
Morgen steht die Hauptversammlung des Drittligisten Stuttgarter Kickers auf dem Programm. Während es sportlich beim Tabellenvorletzten nicht rund läuft, weist die Bilanz einen Gewinn von rund 170 000 Euro aus. Dennoch sagt der Präsident Dirk Eichelbaum im Gespräch mit Joachim Klumpp: „Wir brauchen aus den Fernsehgeldern mindestens einen siebenstelligen Betrag.“
Herr Eichelbaum, vor der letzten Hauptversammlung war die Rede von einem Investor für die Kickers. Wird der nun morgen aus dem Hut gezaubert oder ist das Thema abgehakt?
Das kommt darauf an, wie man das Thema angeht. Wir haben ja einen Investor, in Form einer Beteiligungsgesellschaft, die an den Spielerwerten partizipiert. Aber das Thema externer Investor steht aktuell nicht auf der Agenda. Und ich möchte auch nicht, dass es in Richtung Traumtänzerei gerückt wird.
Das bedeutet, die Kickers müssen vorerst mit einem Etat zwischen drei und dreieinhalb Millionen Euro pro Saison auskommen. Ist das machbar?
Das ist jedes Jahr aufs Neue sehr schwierig, weil alles auf Kante genäht ist und nirgends etwas dazwischenkommen darf.
Also keine zusätzlichen Kosten – wie ein Trainerwechsel?
Zum Beispiel.
Edgar Schmitt ist nun bereits der dritte Trainer innerhalb eines Jahres. Was macht Sie so sicher, dass es diesmal auf längere Sicht die richtige Wahl ist?
Weil er Begeisterung in der Mannschaft weckt – und das auch vorlebt. Und er es schafft, die Spieler so zu motivieren, dass sie wieder an ihre Stärken glauben. Und ich ganz sicher bin, dass wir, wenn die Saison zu Ende ist, mindestens drei Mannschaften hinter uns lassen.
Der Trainer hat den Wunsch geäußert, im Winter Verstärkung zu bekommen. Kann er das Präsidium motivieren, diesen zu erfüllen?
Wir haben das sehr wohl vernommen und werden sehen, ob das möglich ist. Aber versprechen kann ich das heute nicht. Das hängt von den Rahmendaten ab, wie sich wer noch engagieren möchte. Und ob wir eventuell Abgänge haben. Das planen wir zwar nicht, aber wir sind natürlich gesprächsbereit, wenn sich ein Spieler verändern möchte.
Beim Stichwort Engagement fällt uns der Vertrag mit der Agentur Event Sport Marketing in Leonberg ein. Da hört man wenig Erfolgsmeldungen. Warum?
Das läuft sicher für beide Seiten nicht zufriedenstellend. Aber auch da muss man die weitere Saison abwarten. Unsere Marketingeinnahmen insgesamt haben wir gesteigert, damit sind wir sehr zufrieden.
Weniger zufriedenstellend ist der Stadionumbau, der zunächst um zwei Jahre aufgeschoben wurde. Inwieweit belastet das die Planungen der Kickers?
Um es klar zu sagen: das belastet uns sehr, weil wir – Stand heute – für die nächste Saison in der dritten Liga keine geeignete Spielstätte haben. Und der DFB wird sicher nicht im Vorbeigehen sagen: dann spielt ihr halt so weiter.
Die Alternative wäre ja nur Mercedes-Benz-Arena, Reutlingen – oder?
Die Alternative wäre im Endeffekt, gar nicht für die dritte Liga zu melden, aber das kann“s ja wohl nicht sein. Deshalb wird es am Donnerstag ein Gespräch mit den Entscheidungsträgern des DFB geben. Wir müssen Klarheit haben, ob wir nochmal eine Ausnahmegenehmigung bekommen. Und zwar nicht erst im März, April – sondern zeitnah.
Wird auf der Hauptversammlung der alte und neue Vorstand komplett entlastet, also inklusive des Expräsidenten Hans Kullen, der gegen Jena auf der Tribüne saß?
Das hoffe ich und wünsche ich mir – und ich wüsste auch nicht, was dagegen spricht.
Sind denn beim Thema Satzungsänderung größere Änderungen zu erwarten?
Wir haben Satzungsänderungen vorbereitet, aber das sind eher Feinheiten, keine drastischen Dinge, wie eine Reduzierung des Aufsichtsrats. Und es gibt Anträge, die eher im weltanschaulichen Bereich liegen, von denen ich der Meinung bin, dass sie unsere Satzung schon hergibt.
Der Vertrag mit dem Hauptsponsor ist bereits verlängert worden, für die dritte Liga. Trotzdem gibt immer wieder Stimmen, die sagen, es ist zu wenig Geld.
Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Wir hatten eine klare Zielvorgabe, die haben wir erreicht, und es ist eine faire Lösung für beide Seiten. Der Hauptsponsor hat einen erstklassigen Vermarktungsbereich, weil vor allem der TV-Sektor über den Erwartungen liegt. Wir haben regelmäßig Sendezeiten zwischen 18 und 18.30 Uhr bei vier Millionen Menschen, mit einem Kernbereich der männlichen Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahre.
Wären die jetzt angekündigten gut 200 000 Euro Mehreinnahmen pro Saison aus dem Fernsehvertrag eine Summe, bei der Sie sagen: damit können wir leben?
Es ist immer noch weit von dem entfernt, was ich für angemessen halte. Vor allem, wenn man die Sendezeiten im dritten Programm, aber erst recht in der ARD sieht. Das einzige, wo wir keine größere Verbreitung haben, ist das ZDF. Mit 500 000, 600 000 oder auch 800 000 Euro ist das nicht gerecht honoriert; es müsste zumindest eine siebenstellige Summe sein.
Zumal der Forderungskatalog des DFB, zum Beispiel in Sachen Stadion, schon sehr nahe an der zweiten Liga ist.
Und der nächste Punkt ist die Jugendarbeit, wo Professionalisierung gefordert wird. Aber wenn ich Professionalisierung fordere, dann muss ich sehen, dass es Geld kostet, und zwar massiv Geld.
Wie weit ist man in Sachen des von 2010/11 an geforderten Jugendinternats?
Wir arbeiten daran. Wir sind zwar aus der A- und B-Junioren-Bundesliga abgestiegen, aber da wollen wir auf Sicht natürlich wieder hin. Nur konkurrieren wir dann mit Mannschaften, die einen Jugendetat haben, wie wir einen Gesamtetat.
Und wie sieht es mit dem Jugendkoordinator Zoltan Sebescen aus, um dessen Aufgaben es immer mal wieder Diskussionen gegeben hat?
Er hat uns davon in Kenntnis gesetzt, dass er sich in absehbarer Zeit beruflich verändern will. Deshalb muss man hier abwarten.
Auch wenn aktuell keine Neuwahlen anstehen: wie lange wollen Sie noch den Job des ehrenamtlichen Präsidenten der Stuttgarter Kickers machen?
Wenn“s jemand anders machen möchte und mit großem finanziellen Engagement an die Sache geht, dann bin ich auch bereit, das Amt außerplanmäßig abzugeben. Ansonsten ist es einfach so, dass wir uns vorgegeben haben, in einer Art Schicksalsgemeinschaft mit dem Aufsichtsrat, die Konsolidierung des Vereins voranzutreiben. Das ist eine Herkulesaufgabe. Was die Altverbindlichkeiten angeht, haben wir große Erfolge erreicht. Allerdings ist es sehr schwierig, das Ganze mit einem wirtschaftlich einträglichen Geschäftsbetrieb am Laufen zu halten.
Insofern wäre ein Weiterkommen im WFV-Pokal sicher hilfreich gewesen?
Vielleicht schafft es ja unsere zweite Mannschaft – die noch im laufenden Wettbewerb vertreten ist.
Stuttgarter Zeitung
Kickers-Präsident Eichelbaum im Interview
„Die Not schweißt zusammen“
Stuttgart – Die sportliche Situation beim Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers ist prekär, die Finanzlage wie immer angespannt. Dennoch blickt Präsident Dirk Eichelbaum der Mitgliederversammlung am Mittwoch, 26. November (19 Uhr/Kickers-Vereinsheim), gelassen entgegen.
Herr Eichelbaum, die Steilvorlage der Mannschaft für die Mitgliederversammlung blieb aus. Wie sehr tut das 0:3 gegen Jena weh?
Dieses Spiel ging leider total in die Hose. Und der Zeitpunkt der Niederlage war der denkbar ungünstigste.
Erwarten Sie eine turbulente Versammlung?
Nein, ich sehe dafür keine Ansatzpunkte. Die Mannschaft befindet sich nach dem Trainerwechsel, trotz des Rückschlags, auf einem guten Weg. Und finanziell können wir für das Geschäftsjahr 2007/08 einen Gewinn vermelden.
Sind Sie stolz auf diese 170.000 Euro?
Stolz nicht, da dieser Gewinn auf einen Sondereffekt zurückzuführen ist – die Einführung der Beteiligungs GmbH & Co. KG. Dies lässt sich nicht beliebig wiederholen.
Also droht in der einnahmefreien Winterpause wieder ein Liquiditätsengpass?
Derzeit nicht, aber wir haben einen auf der Kante genähten Etat und müssen ständig versuchen, neue Sponsoren zu generieren.
Stimmt es, dass Ex-Präsidiumsmitglied Walter Kelsch sein Darlehen in Höhe von 50.000 Euro zum 31. Januar 2009 gekündigt hat?
Das ist leider richtig. Wir wundern uns nur, weil er vor einem Jahr der Initiator dafür war, dass die Gremiumsmitglieder den Verein finanziell unterstützen.
Besteht denn in Anbetracht der angespannten Finanzlage überhaupt die Chance auf Verstärkungen in der Winterpause?
Ohne Spielerabgänge oder Sponsoren geht absolut nichts. Was mich allerdings optimistisch stimmt: Bisher hat sich bei den Blauen diesbezüglich immer etwas getan.
Der drohende sportliche und finanzielle Exitus ist ein ständiger Begleiter der Kickers. Worin liegt für Sie eigentlich der Reiz, das Präsidentenamt auszuüben?
Der Reiz war von Anfang an, einen als unsanierbar geltenden Club doch zu sanieren. Was die Altverbindlichkeiten betrifft, ist uns das gut gelungen. Die Not schweißt zusammen, wir in der Führungsetage verstehen uns als Schicksalsgemeinschaft.
Die bei einem sportlichen Abstieg am Saisonende das Ende der Kickers verkündet?
Nicht zwingend das Ende des Vereins, aber das Ende professioneller Strukturen. Wir könnten dann mit einer verstärkten Amateurmannschaft im ADM-Sportpark spielen – und ich sehe schon die Schlagzeilen: Gipfel der Schande – Ex-Bundesligist in der Regionalliga. Aber so weit wird es nicht kommen.
Wie groß sind Ihre Sorgen, dass Ihnen die Stadt wegen der aufgeschobenen Stadionmodernisierung einen Strich durch die Rechnung macht?
Sehr groß. Stand heute hätten wir keine Spielstätte für die nächste Saison. Was mir nicht in den Kopf will, ist die Argumentation der Stadt, die unsere Situation mit der in Aue, Emden und Regensburg vergleicht. Dabei müsste für Stuttgart Frankfurt der Maßstab sein. Und dort bekommt der FSV ein Stadion für 16 bis 17 Millionen Euro.
Die Sicherheitsauflagen sollen aber doch sofort erfüllt werden – reicht dies dem DFB nicht für die Lizenzerteilung?
Wenn das so wäre, möchte ich das schriftlich.
Haben Sie für sich entschieden, wie lange Sie Präsident bleiben möchten?
Axel Dünnwald-Metzler hat auf die Frage, wie man Millionär wird, mal gesagt: Man muss als Multimillionär Kickers-Präsident werden. Ich will zeigen, dass es auch anders geht und möchte den Club komplett sanieren. Wenn das Amt danach jemand anderer ausüben möchte, gebe ich es gerne ab.
Jürgen Frey, Gunter Barner
Stuttgarter Nachrichten