Hängepartie um Sascha Benda – Kein neuer Stürmer mehr oder taktische Aussage?

Stuttgart (jüf) – Langsam wird die Zeit knapp. Am Donnerstag läuft die Wechselfrist ab – und noch immer ist nicht sicher, ob Sascha Benda den Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers verlassen wird. „Es sieht so aus, als ob er bei den Blauen bleiben wird“, sagt zwar sein Berater Rainer Störk, doch Kickers-Manager Joachim Cast gibt auf diese Worte nicht allzu viel: „Je näher der 31. Januar rückt, umso mehr wird taktiert.“ Fest steht: Ligarivale SV Elversberg hat dem Mittelfeldspieler einen längerfristigen Vertrag angeboten, soll aber nicht bereit sein, eine fünfstellige Ablösesumme zu bezahlen.

Unterdessen verdichten sich die Anzeichen, dass die ausgemusterten Markus Ortlieb und Sven Sökler bei den Kickers bleiben – und die Saison in der zweiten Mannschaft zu Ende spielen werden. Keine guten Nachrichten gibt es von Neuzugang Gino Russo. Die Achillessehne des Stürmers hat sich entzündet, er fällt bis auf weiteres aus. Dass ein weiterer Angreifer verpflichtet wird, hält Manager Cast für eher unwahrscheinlich: „Der Markt gibt wenig her.“

Stuttgarter Nachrichten

StZ: Wer berät bei den Kickers wen?

Der Fall Jürgen Sundermann führt bei dem Fußball-Regionalligisten zu IrritationenStuttgart_ Das Jahr beginnt bekanntlich mit guten Vorsätzen. An denen mangelte es auch bei den Stuttgarter Kickers nicht. Die Prämisse: alles soll besser werden. Was manchmal leichter gesagt ist als getan. Das jüngste Beispiel heißt Jürgen Sundermann. Der ehemalige Bundesligatrainer ist seit Wochen Stammgast auf der Tribüne bei den Kickers. Der Kontakt kam in erster Linie durch das Präsidiumsmitglied Walter Kelsch zustande, der unter Sundermann einst beim VfB Stuttgart stürmte. Der Exnationalspieler präsentierte den weit gereisten Senior den Vorstandskollegen, offensichtlich mit Erfolg. Denn Sundermann soll dem Fußball-Regionalligisten helfen. In welcher Rolle? „Spieler und Trainer können auf ihn zukommen und sich Tipps holen“, so lautet die eher vage Stellenbeschreibung des Präsidenten Dirk Eichelbaum. Dessen Nachsatz: „Das birgt kein Konfliktpotenzial.“

Wenn sich der Präsident da mal nicht täuscht. Der Einstand zumindest verlief alles andere als glücklich, um nicht zu sagen amateurhaft. Es scheint – wieder einmal -, als ob die linke Hand im Verein nicht so genau weiß, was die rechte tut. Der für das Tagesgeschäft zuständige Manager Joachim Cast jedenfalls sagte zu der Personalie stets: „Es gab bisher nur ein Gespräch, noch ist nichts offiziell.“ Dem widerspricht sein Chef: „Es gibt einen Präsidiumsbeschluss“, sagt Eichelbaum leicht verwundert.

Dabei verwundert bei den Kickers schon lange nichts mehr. Dass der Präsidiumsbeschluss nicht nach außen transportiert worden ist, zeugt entweder von Schwachstellen in der Öffentlichkeitsarbeit oder von Vorbehalten gegenüber der sportlichen Führungsebene. Wobei es durchaus nachvollziehbar scheint, dass der Trainer Stefan Minkwitz und der Manager über diese Entscheidung nicht in Jubelstürme ausbrechen werden. Schließlich liegen die Erfolge Sundermanns schon lange zurück.

Überhaupt erinnert das Ganze verdächtig an die Kickers-Angewohnheit der vergangenen Jahre, den ramponierten sportlichen Ruf durch klangvolle Namen aufpolieren zu wollen. Genannt seien nur Guido Buchwald oder Arie Haan. Die beiden waren ebenfalls in beratender Funktion bei den Blauen tätig, allerdings nie lange.

Jetzt also Sundermann, Wundermann? Man darf auf die Zusammenarbeit gespannt sein, Konfliktpotenzial ist programmiert. Was auch daran liegen mag, dass Minkwitz und Cast in die Entscheidung nicht eingebunden waren. Das wirkt äußerst befremdlich, in einem Verein, dessen Verantwortliche dem Exchef Hans Kullen immer wieder mangelnde Kommunikation vorgeworfen haben. „Möglicherweise haben die Beteiligten Angst, einen Aufpasser zur Seite gestellt zu bekommen – aber das ist nicht der Fall“, sagt der Präsident Eichelbaum.

Das ist seine subjektive Sicht der Dinge. Klar ist schon jetzt, dass diese Aktion nicht dazu beiträgt, die Harmonie auf Degerlochs Höhen zu verbessern. Schließlich litt der Club schon in der Vorrunde darunter, dass es immer mal wieder Abstimmungsprobleme zwischen Management und Präsidium gab, speziell in Person von Walter Kelsch, der auch die Ablösung des Trainers Peter Zeidler maßgeblich forciert hat. Doch statt jetzt dem Nachfolgetandem Minkwitz und Malchow Vertrauen zu geben und den Rücken zu stärken, wird schnell noch ein neues Bindeglied installiert. Keine ideale Voraussetzungen also für das Unternehmen dritte Liga, eher ein Hauch von Aktionismus, auch wenn Cast sagt: „Jürgen Sundermann hat einen ganz sympathischen Eindruck gemacht.“

So weit, so gut? Sundermann will nicht in Aufstellung oder Mannschaft reinreden. Er soll die Spiele besuchen, im Training vorbeischauen. Sich seine Meinung bilden – aber keinen Einfluss nehmen. Schwer vorstellbar. Zumal Sundermann kaum die Rolle des Grüßgottonkels übernehmen wird, sondern sich in irgendeiner Form auch profilieren möchte. „Es ist ja niemand gezwungen, sich dessen Ratschläge zu holen“, betont der Präsident. Stellt sich die Frage, warum Sundermann, der heute 68 Jahre alt wird, dann überhaupt geholt worden ist. Ehrenamtlich, wie es heißt. „Wenn Spieler und Trainer keine Tipps von ihm wollen, dann hole ich mir welche“, sagt Dirk Eichelbaum. Vielleicht zum Thema: wie verbessere ich das Betriebsklima?

Stuttgarter Zeitung

Rückrundentermine der Stuttgarter Kickers festgelegt

Beim Staffeltag mit dem Deutschen Fußball-Bund wurden die weiteren Rückrundentermine in der Regionalliga Süd festgelegt. Die Stuttgarter Kickers beginnen mit einem Heimspiel gegen den SC Pfullendorf am Samstag, 1. März um 14 Uhr im GAZi-Stadion auf der Waldau. Die letzte Begegnung findet am 31. Mai mit der Auswärtspartie bei der SpVgg. Elversberg statt. Zweimal treten die Blauen zuhause an einem Freitagabend an und eine Begegnung wird am Dienstagabend ausgetragen. Die Termine findet ihr hier.

Stuttgarter Kickers: Dribbelstarker Neuzugang

Cerci: „Ziel ist die 3. Liga – mindestens“
Gespannt warten die Kickers-Fans auf den neuen Mittelstürmer, der noch verpflichtet werden und die bisher so offensivschwachen Schwaben in die Dritte Liga schießen soll. Aber noch immer können die Stuttgarter keinen Vollzug melden.

„Wir haben bei der Suche zwei große Nachteile: einen sportlichen, durch unseren 16. Tabellenplatz, und einen finanziellen“, sagt Manager Joachim Cast. Denn große Sprünge können die chronisch klammen Kickers nicht machen. Sprich: eine Ablöse und ein hohes Gehalt zahlen.

Immerhin: Nach Alexander Rosen (28) sind mit Ferhat Cerci (26, Vertrag bis Saisonende) und dem bis 2009 gebundenen Gino Rus- so (22) bereits die Neuzugänge zwei und drei da. Während der schnelle und kopfballstarke Angreifer Russo laut Cast eher als „Perspektivspieler“ gesehen wird, dürfte der dribbelstarke Cerci im linken offensiven Mittelfeld zunächst gesetzt sein. Der in Hamm geborene Sohn türkischer Eltern erlag im vergangenen Sommer nach einer starken Saison bei Kickers Emden einem „finanziell sehr guten Angebot“ des türkischen Zweitligisten Kocaelispor. Er sah die Chance, sich dort eventuell für einen Klub in der ersten Liga der Türkei zu empfehlen.

Doch dann wurden vier Monatsgehälter nicht überwiesen. Deshalb kündigte Cerci, dessen Frau im Sommer das erste Kind erwartet, und kehrte nach Deutschland zurück. „Die Kickers müssten mit diesen Voraussetzungen viel weiter sein, als sie es gerade sind. Mein Ziel mit dem Verein ist die 3. Liga – mindestens“, sagt Cerci. Im Falle der Qualifikation würde er seinen Vertrag vielleicht verlängern. „Erst die Qualifikation und dann die Geburt – das wäre doch super.“

Matthias Jung

Kicker

Ein Dino soll die blaue Art erhalten

Jürgen Sundermann (67) als ehrenamtlicher Berater der Stuttgarter Kickers: Coup oder Verzweiflungstat?

Stuttgart – Es geht ums nackte Überleben. Da kommt den Stuttgarter Kickers jede helfende Hand gerade recht. Jetzt hat sie Jürgen Sundermann (67) den Blauen gereicht. Und die Chefetage des Fußball-Regionalligisten nahm dankend an.

VON GUNTER BARNER

Es soll Sportsfreunde geben, die hartnäckig die Meinung vertreten, das Präsidium der Stuttgarter Kickers verstehe sich auf die Erfordernisse des Fußballs so gut wie ein Nashorn aufs Schlittschuhlaufen. Und wer die Entwicklung des Traditionsvereins von der Waldau in den vergangenen Jahren im Blick hat, der findet wenig Argumente, um diesem Gesamtbild grundlegend zu widersprechen.

Als aktuellster Beleg gilt die Hinrunde der Regionalliga Süd: Die neuzeitlichen Ausgaben der blauen Götter kickten so grausam, als hätten sie insgeheim beschlossen, beim nächsten Cannstatter Volksfest die Geisterbahn zu ersetzen. Und die Häuptlinge an der Spitze des ehemaligen Renommierclubs hinterließen dabei ganz den Eindruck, als müssten sie sich den Schrecken Woche für Woche von der Seele reden. Jeder durfte was sagen, und jeder sagte was anderes. Am Ende musste Trainer Peter Zeidler gehen, Co-Trainer Stefan Minkwitz übernahm – und führte das Team auf Platz 16. Nur zwei waren noch schlechter.

Das ist ein ernstzunehmendes Problem, weil nur die besten zehn Teams am Ende der Saison den Sprung in die eingleisige dritte Liga schaffen. Nur dort gibt es das Geld aus Fernsehen und Vermarktung, von dem die Blauen so erbärmlich wenig haben.

Nun suchten die Schuldenverwalter unterm Fernsehturm in all dem Elend bei einem Haudegen Rat, der ohnehin regelmäßig von den morschen Sitzen der Haupttribüne aus seine Analysen betreibt: Jürgen Sundermann (67), den mindestens 50-Jährigen unter den Fußballbegeisterten noch in allerbester Erinnerung. Zwar sank der Stern des Fußball-Vagabunden aus Leonberg nach seiner Ära beim VfB Stuttgart (1976 bis 1982) kontinuierlich, aber irgendwie gelang es dem Fußball-Lehrer immer wieder, sich im Zentrum des Spiels zu halten. Meist nicht allzu lange – und immer öfter zum Missvergnügen derer, die mit ihm zu tun hatten. Doch so wie die Kickers-Getreuen noch allzu gern das helle Licht der alten Zeiten erstrahlen lassen, so sonnt sich Sundermann im Glanz der früheren Tage.

Zu vorgerückter Stunde, bei einem frisch gezapften Pils, erzählt er gern die Anekdoten aus den guten alten Zeiten. Das befeuert die Stimmung, rückt ihn aber gefährlich nah an die Rolle des tragischen Helden, der partout nicht loslassen kann, was ihm einst zu Ruhm verhalf. Jetzt soll der Dino mit all seiner Erfahrung dazu beitragen, die blaue Art auf Degerlochs Höhen zu erhalten. Rein ehrenamtlich, wie alle Beteiligten unaufgefordert versichern.

„Wir wollen keinen Ober-Trainer haben“, sagt Präsident Dirk Eichelbaum, „Spieler und Manager können sich aber Rat holen, wann immer sie ihn brauchen.“ Kaum anzunehmen, dass Stefan Minkwitz und sein Co-Trainer Alexander Malchow demnächst in stundenlange Klausur mit dem Senior-Coach gehen. Sie haben eigene Pläne. Nach allem, was man hört, klingen die alles andere als schlecht.

Coup oder Verzweiflungstat? Am Tresen im Kickers-Clubheim schütteln sie in diesen Tagen nur noch den Kopf über die Abenteuer-Geschichten im Kickers-Vorstand. Sundermann sei ein netter Kerl, sagen sie, aber seine große Zeit sei nun mal definitiv vorbei. Womöglich ist es genau das, was ihn mit den Blauen am meisten verbindet.

Stuttgarter Nachrichten

Jürgen Sundermann

Jürgen Sundermann wurde am 25. Januar 1940 in Mülheim an der Ruhr geboren. Er ist verheiratet mit Monika. Die beiden haben zwei erwachsene Söhne. Seine größten Erfolge feierte er als Trainer beim VfB. Er arbeitete als Coach auch in der ehemaligen CSSR und in der Schweiz. Ihm gelang mit dem VfB der Wiederaufstieg in die Bundesliga, danach begeisterte das Team mit Offensivfußball.

Stationen in Deutschland

Spieler

Vikt. Köln, Regionalliga (1963/64)

Hertha BSC, Bundesliga (1964/65)

Trainer

VfB Stuttgart (1976 bis 1982)

Stuttgarter Kickers (1982 bis 23. 1. 1983)

FC Schalke 04 (ab 24. 1. 1983)

Hertha BSC Berlin (bis 12. 10. 1988)

VfB Leipzig (1991 bis 1993)

Waldhof Mannheim (1993/1994)

VfB Leipzig (22. 2. bis 9. 4. 1994)

VfB Stuttgart (25. 4. bis 30. 6. 1995)

Stuttgarter Nachrichten

Kickers gewinnen ihr erstes Testspiel

Von Daniel Scheck

Die Kickers haben das erste Vorbereitungsspiel mit 8:1 (5:0) gegen Landesligist Nufringen gewonnen. In der ersten Halbzeit war es ein munteres Spiel der Blauen, bei dem auffällig war, dass die Mannschaft den Auftrag hatte, den Ball laufen zu lassen und auf Tempo zu spielen. Dies wurde gut umgesetzt, die Spieler waren viel in Bewegung und baten sich immer wieder an. In der zweiten Halbzeit flachte das Ganze, auch aufgrund einiger Wechsel, etwas ab. Hier war allerdings auffällig, dass wieder gehäuft aus der zweiten Reihe geschossen wurde.

Aufstellung 1. Halbzeit:
Yelldell – Rosen, Wildersinn, Rapp, Baradell – Parmak, Deigendesch, Mann, Cerci – Tucci, Vaccaro.
Zweite Halbzeit:
Salz – Leist, Yildiz, Rapp, Rosen – Steinle, Mann, Gambo, Deigendesch – Vaccaro, Kacani.

Tore:
1:0 Tucci (16.)
2:0 Cerci, als er mit Vaccaro alleine auf den Torwart zulief und den Querpass verwandelte. (26.)
3:0 Vaccaro per Elfer nach Foul des Torwarts an Parmak (30.)
4:0 Cerci, der am Fünfmeterraum in Ballbesitz kam und diesen sicher verwandelte (39.)
5:0 Parmak nach einer schönen Kombination über Cerci, der nach rechts auf Rosen spielte, dieser den Ball zurücklegte und Parmak verwandelte. (40.)
5:1 per Elfmeter.
6:1 Vaccaro per Seitfallzieher nach Flanke Kacani von rechts – Supertor
7:1 Mann
8:1 Mann nach schöner Kombination über Deigendesch und Steinle.

Rosen und Cerci machten einen guten Eindruck. Alexander Rosen scheint als Außenverteidiger vorgesehen zu sein, wobei er rechts wesentlich effektiver war als in der zweiten Halbzeit auf links.
Cerci war ständig unterwegs und wechselte häufig die Seiten. Mit ihm wirkte das Spiel über die linke Seite druckvoller als in der Vergangenheit. Sah gut aus.
Steinle machte in der zweiten Halbzeit eine überraschend gute Figur im rechten Mittelfeld, besser als auf der Verteidigerposition.

Gino Russo hat nicht gespielt, Härter und Akcay waren in Zivil da, Stierle drehte in der ersten Halbzeit mit weiteren Spielern Runden auf der Laufbahn.

Sundermann: „Die Kickers werden groß rauskommen“

Von HELMUT HEIMANN

Jürgen Sundermann (67) wird Berater bei den Stuttgarter Kickers. Wir sprachen mit der Trainer-Legende aus Leonberg.BILD: Warum kehren Sie nach 25 Jahren zu den Kickers zurück?

Sundermann: „Ich hatte dank vieler Freunde immer enge Beziehungen zu den Kickers. Zuletzt war ich bei einigen Spielen und habe gemerkt, wie die Anhänger leiden, aber auch, wie viel Sympathie der Klub immer noch genießt.“

BILD: Wie können die Kickers ihren Tiefpunkt überwinden?

Sundermann: „Bei einem Tiefpunkt gibt‘s zwei Möglichkeiten. Entweder du gehst unter oder du kommst groß raus. Die Kickers werden groß rauskommen. Dann beginnt hier eine neue Ära.“

BILD: Was macht Sie so optimistisch?

Sundermann: „Die Mannschaft hat Potential, aber kein Selbstvertrauen. Diesbezüglich möchte ich helfen. Darauf bin ich spezialisiert und hatte schon viele Erfolge.“

BILD: Kehren Sie auf die Bank zurück, wenn es unter Trainer Minkwitz nicht besser läuft als zuletzt?

Sundermann: „Darüber mache ich mir keine Gedanken. Training und Aufstellung interessieren mich nicht. Ich bin auch kein Kontrolleur oder Besserwisser, will nur mithelfen, dass die Qualifikation zur 3. Liga erreicht wird.“

BILD