VfR Aalen – Stuttgarter Kickers 3:1 (0:0)

Der Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers hat am Samstagnachmittag sein Auswärtsspiel beim VfR Aalen vor 8200 Zuschauern mit 1:3 (0:0) verloren. Nach der Führung für die Gäste durch den Treffer von Josip Landeka in der 52. Spielminute wendete die Mannschaft von der Ostalb die Partie durch die Tore von Marco Sailer (54.), Kristoffer Andersen (84.) und Christan Alder (92., Foulelfmeter). Weitere Wermutstropfen aus Sicht der Gäste: Angelo Vaccaro und Bashiru Gambo sahen Gelb-Rot und fehlen im nächsten Heimspiel gegen den SV Werder Bremen II.

Die Geschichte der ersten Halbzeit auf der Ostalb ist schnell erzählt. Nachdem die Hausherren in ihrer ersten Partie unter dem neuen Coach Petrik Sander besser ins Spiel gefunden hatten, brauchten die Gäste eine gute Viertelstunde, ehe sie sich mit den Gegebenheiten akklimatisiert hatten. Ein seifiges, aber insgesamt gut bespielbares Geläuf in der Scholz-Arena ließ flotte Kombinationen zunächst nicht zu.

Echte Torchancen in den ersten 45 Spielminuten waren ausschließlich für die Mannschaft von Kickers-Trainer Edgar Schmitt zu notieren. Die erste und gleichzeitig beste im ersten Abschnitt hatte Josip Landeka in der 24. Minute. Seinen Schuss aus halblinker Position parierte der Aalener Torhüter Tobias Linse. Die zweite Möglichkeit bot sich Sascha Traut. Der rechte Mittelfeldmann der Blauen zog aus halbrechter Tordistanz ab, Sekunden vor dem Pausenpfiff von Schiedsrichter Thorsten Joerend zwang er mit einem strammen Flachschuss den Keeper der Heimelf zu einer Fußabwehr. Der VfR Aalen wusste beim Debüt seines bereits dritten Cheftrainers in dieser Spielzeit nicht zu überzeugen. Die Folge: die Mannschaft von Sander wurde beim Gang in die Halbzeitpause mit lautstarken Pfiffen von ihren Fans verabschiedet.

Mit dem jeweils gleichen Personal gingen die beiden Trainer in die zweite Spielhälfte des Württemberg-Derbys, das insgesamt 8200 Zuschauer (Saisonrekord für den VfR Aalen) bei frostigen Temperaturen auf den Rängen verfolgten. Erwärmendes boten die Akteure auf dem Rasen zunächst jedoch nicht. Die Kräfteverhältnisse zwischen dem Tabellenzwölften und dem Tabellenneunzehnten blieben fürs Erste ausgeglichen. Das erste Ausrufezeichen setzten danach die Kickers: durch den Führungstreffer von Landeka in der 52. Minute. Der Linksfuß zog bei einem Freistoß aus 35 Metern einfach einmal ab – und zur Überraschung aller landete der noch abgefälschte Aufsetzer im linken unteren Toreck zum 0:1. Nur zwei Minuten danach gelang Aalen der Ausgleich. Marco Sailer nutze eine Fehlerkette in der Kickers-Abwehr mit einem Schuss als spitzem Winkel zum 1:1. In der Folge wurde die Partie ruppiger, aber nicht überhart. Der Platzverweis für den Kickers-Angreifer Angelo Vaccaro (Gelb-Rot in der 57. Minute/wiederholtes Foulspiel) war deshalb eine viel zu harte Entscheidung.

Die Kickers in der verbleibenden Spielzeit folglich in numerischer Unterzahl, kämpften dennoch verbissen. Für einen Schreckmoment aus Sicht der Gäste sorgte in der 66. Minute der Aalener Torschütze Sailer – sein Gewaltschuss im Gäste-Strafraum donnerte an die Querlatte des von Salz gehüteten Gehäuses. Zehn Minuten später zeigte der eingewechselte Orlando auf der Gegenseite eines von den gegnerischen Abwehrspielern gefürchteten Soli. Nachdem er jedoch vier Aalener Akteure bereits abgehängt hatte, wehrte das letzte Hindernis vor dem Ziel, der Keeper Linse, seinen Flachschuss zur Ecke ab. In der Schlussviertelstunde setzten die Hausherren alles auf eine Karte und erhöhten den Druck auf das gegnerische Tor – und belohnten sich in der 84. Minute mit dem Treffer zum 2:1. Kristoffer Andersen traf im Anschluss eine mehrfach zuvor abgewehrte Torschussserie flach aus halbrechter Schussposition uns Kickers-Tor.

Allen Offensivbemühungen der Kickers zum Trotz: ein weiterer Treffer fiel nur noch auf der Gegenseite. In der Nachspielzeit entschied der Unparteiische nach einer Attacke von Marcel Rapp an seinem Gegenspieler Benjamin Schöckel auf Strafstoß, den Christian Alder zum 3:1-Endstand sicher verwerte. Weiterer Wermutstropfen für die Blauen: Nach dem Schlusspfiff sah auch noch der bereits verwarnte Bashiru Gambo Gelb-Rot – und wird demgemäß im nächsten Heimspiel der Stuttgarter Kickers am kommenden Sonntag gegen den SV Werder Bremen II (GAZI-Stadion, 14 Uhr) ebenso wie Angelo Vaccaro fehlen.

Aus Aalen berichtete Frank Pfauth

Die Trainerstimmen:

Edgar Schmitt: „Wir sind natürlich enttäuscht. Wir haben eigentlich ganz gut angefangen, sind gut gestanden. Es war Spannung im Spiel, zwar kein hochklassiges Spiel, wofür wir aber auch nicht zuständig waren. Wir schießen dann das 1:0 und drei Minuten später machen wir wieder diese individuellen Fehler zum 1:1. Damit war immer noch nichts passiert, aber es ist natürlich subjektiv unsererseits, aber der Schiedsrichter darf niemals zwei gelb-rote Karten geben. Niemals. Der Platzverweis gegen Vaccaro war lächerlich. Meiner Meinung nach haben wir es danach immer noch einigermaßen im Griff gehabt. Doch Aalen ist dann immer stärker geworden, weil sie einfach sehr gute Einzelspieler haben. Markus Sailer macht dann sehr schön das 1:1, ist cool geblieben, dann das 2:1 durch den starken Andersen. Und so hat das Spiel dann seinen Lauf genommen. Dann gibt der Schiedsrichter noch den Elfmeter, ich habe mich nur darüber aufgeregt, weil ich wusste, dass er noch einen gibt. Zumindest dann kann man meine Spieler in Ruhe lassen, okay das war`s, aber dann gibt er nach dem Schlusspfiff noch Gelb-Rot für Bashi Gambo, was natürlich ein großer Verlust für uns ist. Das regt mich auf. Aber insgesamt muss ich agen, dass Aalen nach dem 1:1 stärker geworden ist. Vielleicht hätten wir mit etwas Glück durch Orlando das 2:1 machen können. Aber insgesamt war es dann okay. Schade für uns.“

Petrick Sander: „Man hat der Mannschaft schon angemerkt, dass etwas Verunsicherung da ist, dass sie den Rucksack mit dem 0:4 noch mit sich rum trägt und die Veränderungen innerhalb des Vereines gehen logischerweise auch nicht spurlos an einer Mannschaft vorbei. Das hat man zu Beginn gemerkt, wo Stockfehler drin waren und wo die Kickers zu gefährlichen Angriffen gekommen sind. Aber Tobias Linse war heute unsere Garant da hinten, er hat sehr souverän und sachlich agiert. Wir sind dann eigentlich zufrieden mit dem 0:0 in die Halbzeit gegangen und wussten dass wir in der zweiten Halbzeit noch Chancen bekommen. Dann ist es umso bitterer, dass man durch so einen abgefälschten Freistoß in Rückstand gerät. Aber wie die Mannschaft das weggesteckt hat und mit welcher Moral sie zurückgekommen is, das war schon sehr imposant. Nach dem Schlusspfiff ist eine spürbarer Erleichterung eingetreten, es war auch ein sehr wichtiger Sieg. Ich freu mich für die Jungs, aber es gibt noch viel Arbeit, es gilt noch vieles aufzuarbeiten, noch zu verbessern. Den Sieg am Schiedsrichter festzumachen, daran beteilige ich mich nicht. Es ist sicherlich nicht einfach so ein Spiel zu leiten. Aber insgesamt ein verdienter Sieg für uns, der über den Kampf, die Moral und Leidenschaft kam. Deshalb bin ich mit den Jungs auch sehr zufrieden.“

Die Spielstatistik:

VfR Aalen: Linse – Schöckel, Alder, Bader, Stegmayer – Haller, Hofmann, Andersen (90. Holzer), Bohl – Sailer (87. Okic), Bouadoud (69. Mayer) – Trainer: Sander

Stuttgarter Kickers: Salz – Reiß, Ortlieb, Rapp, Härter – Deigendesch, Traut (87. Tucci), Gambo, Landeka – Schürg (70. Orlando), Vaccaro – Trainer: Schmitt

Zuschauer:
8.200 Fans in der Aalener Scholz-Arena

Torfolge:
0:1 Landeka (51.)
1:1 Sailer (55.)
2:1 Andersen (85.)
3:1 Alder (90., Foulelfmeter)

Schiedsrichter:
Joerend (Lübbecke)

Verwarnungen:
Gelbe Karten: Bader, Alder, Bouadoud – Smeekes, Traut
Gelb-Rote Karten: Vaccaro (57., wegen wiederholten Foulspiels), Gambo (90. +5, vermutzlich wegen Schiedsrichterbeleidigung)

Offizielle Homepage

Vorberichte III: VfR Aalen – Stuttgarter Kickers

Eine Liga, zwei Welten

Kickers-Gegner VfR Aalen hat die Blauen finanziell um Längen abgehängt

Stuttgart – Das Vorbild heißt Hoffenheim 1899. Doch von einer ähnlichen Entwicklung ist der VfR Aalen weit entfernt. Was nichts daran ändert: Den Ligakonkurrenten Stuttgarter Kickers hat der Fußball-Drittligist vor dem direkten Duell an diesem Samstag (14 Uhr/Scholz-Arena) finanziell und personell um Längen abgehängt.

VON JÜRGEN FREY

Für Edgar Schmitt ist der Fall klar. „Wir haben Herz und Tradition. Aalen Geld.“ Der Kickers-Trainer muss es wissen: Er war vom 15. Januar 2007 bis zum 27. August 2008 Coach beim VfR und kennt damit die Strukturen beider Clubs. Ein Vergleich:

Die Finanzen: Der Etat des VfR ist mit etwa sechs Millionen Euro doppelt so hoch wie der der Blauen. Dies liegt vor allem an zwei großen Geldgebern. Das Energietechnikunternehmen Imtech pumpt pro Saison rund drei Millionen Euro in den Club. Tendenz stark steigend. Für den Rest kommt hauptsächlich Präsident und Schrottunternehmer Berndt-Ulrich Scholz auf. Die kleineren Geldgeber spielen auf der Ostalb eine eher untergeordnete Rolle.

Ganz im Gegensatz zu den Kickers. Vom Hauptsponsor, der Garmo AG, fließen pro Saison rund 250 000 Euro in die Kasse. Um den restlichen Werbeetat zu decken, laufen sich die Marketingstrategen die Hacken ab. „Was die Werbeeinnahmen betrifft, sind wir nicht wettbewerbsfähig“, sagt Aufsichtsratschef Rainer Lorz und belegte dies bei der Mitgliederversammlung mit Zahlen. Im Schnitt belaufen sich die Werbeeinnahmen der Drittligisten auf 2,4 Millionen Euro (und machen damit 50 Prozent des Etats aus), bei den Blauen sind es mit rund einer Million Euro rund 30 Prozent des Etats.

Die Infrastruktur: Mit knapp 12 000 Zuschauern passen in die Scholz-Arena etwa genauso viele Besucher wie ins Gazistadion. Doch das moderne Schmuckkästchen auf der Ostalb hat viele Vorteile: zum Beispiel knapp 5000 überdachte Sitzplätze (1380 in Degerloch), eine Rasenheizung, eine Anzeigetafel und viele Extras mehr.

Das Personal: Manager Joachim Cast ist bei den Blauen fast so etwas wie ein Alleinunterhalter auf der Geschäftsstelle. Aalen gönnt sich Weltmeister Jürgen Kohler als Sportdirektor, Ex-Bundesligaprofi Martin Braun als Geschäftsführer. Hinzu kommen ein hauptamtlicher Marketingmanager sowie weitere Spezialisten für Merchandising, Ticketing und Rechnungswesen.

„Wir spielen zwar in einer Liga, aber in bestimmten Bereichen trennen die beiden Clubs Welten“, weiß Edgar Schmitt. Dass der sportliche nicht dazu gehört, will er an diesem Samstag mit seinem Team beweisen.

Stuttgarter Nachrichten

Wenn Tradition auf Geld trifft

Trainer Edgar Schmitt ist mit den Kickers bei seinem Ex-Verein VfR Aalen zu Gast

Stuttgart (bw) – Das Schwabenderby in der dritten Fußball-Liga steht unter ganz besonderen Vorzeichen: Trainer Edgar Schmitt tritt morgen (14 Uhr) mit den Stuttgarter Kickers bei seinem Ex-Verein VfR Aalen an. Der VfB Stuttgart II empfängt gleichzeitig Kickers Emden.

Ziemlich genau drei Monate ist es her, dass Schmitt beim VfR völlig überraschend entlassen wurde. Begründet wurde dies mit der negativen sportlichen Entwicklung. Doch Schmitt empfindet vor seiner Rückkehr weder Genugtuung noch Groll. „Ich habe damit abgeschlossen. Für mich ist es ein Spiel wie jedes andere auch“, erklärte er gestern betont emotionslos. Auf die Frage nach dem Unterschied zwischen den beiden Vereinen, kann sich der 45-Jährige jedoch einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen. So verfügen die Kickers seiner Meinung nach über „Tradition, Herz, Leidenschaft und professionelle Strukturen“ – der VfR dagegen über genügend Geld. „Wenn die Vereine fusionieren würden, wäre alles vorhanden“, sagte Schmitt und schob schmunzelnd hinterher: „Das finden die in Aalen jetzt bestimmt nicht so lustig.“ Vorfreude auf die Partie macht sich trotzdem bei ihm breit. Erstens weil seine Familie da sein wird, mit der er vor den Toren Aalens nur wenige Kilometer entfernt von der Scholz-Arena wohnt. Und zweitens, weil er bei den VfR-Fans offenbar immer noch sehr beliebt ist. „Man hört, dass sich viele Zuschauer auf mich freuen“, sagte Schmitt und lächelte dabei triumphierend. Der Tabellenvorletzte reist ohne Alexander Rosen (Muskelfaserriss) und Marcus Mann (Rot-gesperrt), aber trotzdem guter Hoffnung auf die Ostalb. Auch wenn Schmitt gestern sehr martialisch formulierte: „Ein Schuss mehr Brutalität würde uns gut tun.“ Aber dies sei letztlich eine Mentalitätsfrage. „Das können die Jungs einfach nicht.“ So wollen sie spielen: Salz – Reiß, Ortlieb, Rapp, Härter – Deigendesch, Gambo, Landeka – Traut, Schürg, Smeekes.

Eßlinger Zeitung

Vorberichte II: VfR Aalen – Stuttgarter Kickers

Kampf um Punkte und Partner

Kickers vor dem Derby in Aalen

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers stecken in der dritten Fußballliga mitten in einer ereignisreichen Woche. Nach der Niederlage gegen Jena stand am Mittwoch die Hauptversammlung auf dem Programm – morgen (14 Uhr) folgt zum Abschluss das Derby in Aalen.

Von Joachim Klumpp

Edgar Schmitt hat am Mittwochabend Sitzfleisch bewiesen. Während der Trainer der Stuttgarter Kickers am Spielfeldrand seinen Emotionen schon mal freien Lauf lässt, saß er während der rund dreieinhalbstündigen Hauptversammlung im ADM-Sportpark ruhig auf seinem Stuhl. „Und dann bin ich erst zu nichts gewählt worden“, sagte Schmitt gestern lächelnd. Zumindest nicht direkt, denn allenthalben ist klar, was seine Aufgabe ist: den Klassenverbleib zu schaffen. „Davon bin ich überzeugt“, sagte der Präsident Dirk Eichelbaum vor den Mitgliedern. „Wenn wir dann höhere Ziele angehen wollen, muss auch der Etat erhöht werden.“

Gemach, gemach. Zunächst einmal geht es nicht nur um das sportliche Überleben in der dritten Liga, sondern ums finanzielle, das auch in dieser Spielzeit wieder eine Gratwanderung ist, nachdem aktuell ein Fehlbetrag von 300 000 Euro im Etat bis zum Saisonende klafft. Der sogar noch größer werden könnte, weil das ehemalige Präsidiumsmitglied Walter Kelsch ein Darlehen über 50 000 Euro zum Januar 2009 fristgerecht gekündigt hat, auch wenn Eichelbaum zuversichtlich ist, „das unter Sportsfreunden zu lösen“. Abwarten, schließlich sind beide Seiten im Sommer nicht im Frieden geschieden.

Warum regelmäßig Defizite im Etat auftauchen, darüber hat sich der Aufsichtsratvorsitzende Rainer Lorz Gedanken gemacht. Seine Erklärung: „Vor allem bei den Werbeerträgen hinken wir im Vergleich zu den anderen Drittligisten hinterher.“ Die hätten in diesem Bereich im Schnitt 2,4 Millionen Euro zur Verfügung, bei den Kickers ist für diese Saison die Hälfte veranschlagt (etwa 1,1 Millionen sind davon gesichert), wobei der fürs Marketing zuständige Dieter Wahl darauf verweist, „dass wir eine Plus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr haben“. Inwieweit weitere Sponsoren dazukommen, bleibt – nicht nur angesichts der Wirtschaftslage – fraglich. „Wir müssen jetzt erst einmal über den Winter kommen“, sagt Wahl. Und Lorz fügte hinzu: „Wenn man nach Offenbach mit den Exprofis Andreas Möller und Michael Sternkopf oder zum VfR Aalen schaut, dann zeigt das, wohin die Reise geht.“

Morgen erst einmal – nach Aalen, zu Schmitts Exclub, für den er zu Saisonbeginn noch vier Spiele auf der Bank sitzen durfte. Doch inzwischen ist das Vergangenheit. „Ich muss mit keinem abrechnen“, sagt Schmitt, der nur drei Kilometer entfernt vom Aalener Stadion wohnt und das (der schulpflichtigen Kinder wegen) bis zum Saisonende so beibehalten will. Schmitt sagt: „Ich habe gehört, dass viele Zuschauer sich auf ein Wiedersehen freuen.“ 8000 Besucher erwartet der VfR, allerdings auch, weil der Club eine Freikartenaktion im Stadion ausgerufen hat.

Apropos Stadion: gestern hatten die Kickers den Gesprächstermin beim Deutschen Fußball-Bund wegen des zunächst um zwei Jahre aufgeschobenen Umbaus. „Der DFB wird jetzt erst einmal mit der Stadt Kontakt aufnehmen“, sagte der Manager Joachim Cast von den Kickers, die in diesem Fall auf eine konzertierte Aktion mit dem VfB setzen, dessen zweite Mannschaft allerdings andere Voraussetzungen hat: ihr genügen die vorhandenen tausend Tribünenplätze (statt 2000 bei den Kickers), um die Auflagen zu erfüllen. Aber selbst diese werden morgen (14 Uhr) nicht alle gefüllt sein, wenn die Kickers Emden im Gazi-Stadion zu Gast sind.

Stuttgarter Zeitung

Der VfR Aalen hat viel Geld, aber kein Konzept

Trotz bester Voraussetzungen tut sich der ehrgeizige Fußball-Drittligist schwer damit, den Aufstieg in die zweite Liga zu verwirklichen

AALEN. Beim Auswärtsspiel der Stuttgarter Kickers morgen in Aalen wird in Petrik Sander schon der dritte VfR-Trainer in dieser Saison an der Seitenlinie stehen. Er soll in den nächsten Jahren die großen sportlichen Ziele erreichen – trotz aller Nebengeräusche.

Von Johannes Scharnbeck

Berndt-Ulrich Scholz war begeistert. „Sehr schön, sehr schön“, sagte der Präsident des VfR Aalen immer wieder, als er am Montag zum ersten Mal die neue Geschäftsstelle des Fußball-Drittligisten besichtigte. Das „VfR-Forum“ mit seinen durchsichtigen Glasfronten an der Nord- und Südseite des Gebäudes – auch von innen kann jeder dank der großen Glastüren in alle Büros hineinschauen – repräsentiert perfekt das Selbstbild des Vereins. Ein moderner, aufstrebender Club, ausgestattet mit einem Masterplan, wollen die Aalener sein. Ein Club, der in die zweite Liga gehört. Doch Anspruch und Wirklichkeit wollen in letzter Zeit auf der Ostalb gar nicht mehr zusammenpassen. Der VfR Aalen wechselte auf seltsame Weise die sportliche Leitung aus und erlebte so die turbulentesten Monate der Vereinsgeschichte.

Jetzt soll natürlich alles anders werden, besser versteht sich. Am Montag stellte Scholz in der durchgestylten Geschäftsstelle nämlich auch einen neuen Trainer (den mittlerweile dritten dieser Saison) vor: Petrik Sander. Dabei war der frühere Bundesligacoach von Energie Cottbus gar nicht die erste Wahl, sondern Markus Schupp (ehemals Wacker Burghausen). Doch der zögerte zu lange. Sander wird nun gemeinsam mit Jürgen Kohler, der wegen Herzproblemen als Trainer zurückgetreten war und noch als Sportdirektor fungiert, das neue Führungsduo bilden. Schon morgen im Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers sollen beide zeigen, dass Aalens Verantwortliche doch richtig gehandelt haben. Denn morgen (14 Uhr) treffen Sander und Kohler auf ihren Vorgänger Edgar Schmitt. Doch selbst wenn diese Partie für den VfR erfolgreich ausgehen sollte, an Ansehen haben Scholz und sein ehrgeiziger Aufsichtsrat seit längerem verloren. Momentan steht der Verein nicht für innovative Ideen, sondern für unkoordinierte und sprunghafte Entscheidungen – von den eigenen hohen Ansprüchen ist er weit entfernt.

Schon zum Ende der vergangenen Saison erhielt das Bild des ambitionierten Konzeptclubs erste Risse. Drei Spieltage vor Schluss entließ Scholz auf Wunsch der Mannschaft den Manager Helmut Dietterle mit der Begründung, Streitigkeiten zwischen Dietterle und dem damaligen Trainer Schmitt würden die Spieler vom Aufstiegsrennen ablenken. Den Sprung in die zweite Liga verpasste das Team dennoch. Für diese Saison statteten der Schrottunternehmer Scholz sowie der zweite große Sponsor Imtech den VfR mit 5,5 Millionen Euro und dem damit zweithöchsten Etat aller 20 Drittligisten aus. Doch schon nach vier Spieltagen verlor die Führungsriege die Nerven. Sie feuerte Edgar Schmitt, dabei war seine Bilanz nicht gerade entlassungswürdig: ein Sieg, zwei Unentschieden, eine Niederlage.

„Wir hatten zwei Möglichkeiten. Entweder wir machen weiter wie bisher, nehmen viel Geld in die Hand und werden weiter Dritter oder Vierter. Oder wir haben ein neues Konzept, bei dem wir das Trainergespann austauschen und in drei Jahren die zweite Liga erreichen“, lautete die bizarre Kündigungserklärung von Johannes Moser, dem Vorsitzenden des VfR-Aufsichtsrats und Imtech-Leiters der Region Südwest. Der Trainer mit dem neuen Konzept stand dann auch sofort parat: Jürgen Kohler, Weltmeister von 1990, Firmenrepräsentant von Imtech und ein guter Freund Mosers.

Der frühere Weltklasseverteidiger versprach: „Hier soll es irgendwann Bundesliga-Fußball geben.“ Aalens neue Strategie sah vor, Kohler den größtmöglichen Einfluss zu verschaffen. Er wurde Sportdirektor und Trainer in einem, so wie Felix Magath in Wolfsburg. Schmitt blieb allein die Zuneigung der Fans. Denn der offensive Fußball des früheren Karlsruher Stürmers kam an bei den Zuschauern. Mit Kohler verbesserte sich der VfR zudem nur von Platz 14 auf Rang zwölf, und das Team zeigte vor allem auf Sicherheit bedachten Fußball. Ihm gelangen nur drei Siege in 16 Spielen, es stellt die schlechteste Offensive der Liga (elf Tore) und hat 14 Punkte Rückstand auf einen Aufstiegsplatz.

Vor Sander, der ebenfalls behauptet, „die Bedingungen hier führen zwangsläufig in die zweite Liga“, stehen nun große Aufgaben. Er hat einen aufgeblähten, verunsicherten Kader von 36 Spielern und soll bis zu seinem Vertragsende im Sommer 2010 schon wieder ein neues Konzept umsetzen. „Nächstes Jahr gilt es, den Aufstieg zu schaffen“, betont Moser mittlerweile. An diesen ständigen Strategiewechseln zeigt sich das Dilemma der Aalener. Sie haben ein zweitligareifes Stadion, viel Geld, große Namen – aber eben kein erkennbares Konzept. „Wir brauchen jetzt kontinuierliche Arbeit, dann ist auch der gewünschte Erfolg möglich“, sagt der Geschäftsführer und ehemalige Freiburger Profi Martin Braun. Die schicke Geschäftsstelle soll schließlich nicht das Letzte sein, was den hohen Aalener Ansprüchen genügt.

Stuttgarter Zeitung

Heimspiel für Trainer Schmitt in Aalen

Stuttgart (jüf) – Er war von Januar 2007 bis Ende August 2008 Trainer beim VfR Aalen, noch immer wohnt Edgar Schmitt nur zwei Kilometer vom Aalener Stadion entfernt – für den Trainer des Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers müsste das Derby am morgigen Samstag (14 Uhr/Scholz-Arena) bei seinem Ex-Club eigentlich eine pikante Angelegenheit sein. Doch der 45-Jährige spielt die Brisanz herunter: „Meine Familie und viele Bekannte werden da sein, ich freue mich einfach nur auf dieses Spiel, zumal ich mit keinem mehr eine Rechnung offen habe.“ Dennoch kann sich Schmitt einen süffisanten Seitenhieb nicht verkneifen. Auf die Frage, wo die gravierendsten Unterschiede zwischen den beiden Clubs liegen, antwortete er: „Die Kickers haben Tradition und Herz, Aalen hat Geld. Würden die Vereine fusionieren, wäre alles perfekt.“ Immerhin konnten sich die Blauen Orlando Smeekes leisten. Und vieles spricht dafür, dass der Neuzugang in Aalen neben Michael Schürg stürmen wird. Angelo Vaccaro bleibt wohl nur die Jokerrolle.

Stuttgarter Nachrichten

Derbyknüller gegen die Kickers
Sander will gewinnen / Doch keiner kennt das VfR-Team besser als der gegnerische Trainer

Das Schwabenderby gegen die Stuttgarter Kickers am Samstag in der Scholz-Arena (Anpfiff 14 Uhr) ist zum Knüller der bisherigen Drittliga-Heimspiele des VfR Aalen avanciert. Die Spannung ist am Siedepunkt.

Es ist mehr als nur ein Derby, bei dem beide Teams vehement um (Sieg-)Punkte für den Klassenerhalt kämpfen werden. Während in Aalen Petrik Sander in diesen Tagen sich und seine Mannschaft auf sein Trainer-Comeback vorbereitet, stimmte in dieser Woche auf der Stuttgarter Waldau Edgar Schmitt sein Team auf den Auftritt an seiner ehemaligen Wirkungsstätte ein. Der Druck, der auf beiden Mannschaften liegt, ist enorm, die Erwartungshaltung der wahrscheinlich über 8000 Fußballfans, die am Samstag in den Aalener Rohrwang pilgern werden, ebenfalls.
Die Crux an der Geschichte: Während Aalens neuer Cheftrainer Petrik Sander erst seit wenigen Tagen dabei ist, sein Team kennen zu lernen, kennt die Aalener Mannschaft keiner besser als der Stuttgarter Trainer. Immerhin hat Edgar Schmitt die Rohrwang-Elf in den vergangenen eineinhalb Jahren bis zu seiner Entlassung am 27. August unter seinen Fittichen gehabt. Er müsste also in der Lage sein, seine Mannschaft punktgenau auf jeden einzelnen VfR-Spieler, dessen Stärken und Schwächen, einstellen zu können. Prekärer hätte sich die Situation für Petrik Sander zum Einstand in Aalen nicht darstellen können.
„Das kann man als Außenstehender so sehen“, sagt Sander, der den Stuttgartern deshalb dennoch nicht die Favoritenrolle überlassen will. „Wir gehen in diese Partie gehen um zu gewinnen“, nennt der neue Aalener Chefcoach (der am 22. September 2007 bei der 1:2-Niederlage beim Bundesligisten SC Cottbus letztmals auf der Bank saß) seine klare Zielsetzung für den Derbyschlager am Samstag.

Positive Energie
Er selbst freue sich, nach einem Jahr Pause „endlich wieder die Spannung zu fühlen, wenn es ins Stadion geht. Das ist eine tolle Sache. Ich versuche, das in positive Energie umzuwandeln und sie an die Spieler weiterzugeben.“
Seit Dienstag hat er die VfR-Kicker unter seinen Fittichen. „Wir haben in den vergangenen Tagen konzentriert und viel im taktischen Bereich gearbeitet, soweit das eben möglich war auf diesen widrigen Platzverhältnissen“, sagt Sander. Er ist zuversichtlich, dass er für Samstag eine Mannschaftskonstellation zusammenstellen kann, die gegen die Kickers erfolgreich sein kann. Der Druck ist groß. Deshalb entscheide neben der individuellen Fitness auch die mentale Stärke des einen oder anderen Spielers über seine Nominierung.
Eines allerdings steht fest: Moses Sichone wird am Samstag fehlen. Nach seiner gelb-roten Karte, die sich Sichone in Paderborn in der letzten Spielminute unnötiger Weise abgeholt hat, muss der VfR-Innenverteidiger ein Spiel pausieren und auf der Tribüne Platz nehmen. Für ihn soll entweder Michael Stickel aus dem defensiven Mittelfeld wieder in die Vierer-Abwehr-Kette rücken oder Pascal Bader wieder ins Team zurückkehren.

Aufbruchstimmung erzeugen
Und wie sieht es im Sturm aus? Wird die Mannschaft wieder mehr Offensivgeist zeigen, und wird dies am Spielsystem sichtbar werden? „Ich kann auch mit drei Stürmern defensiv spielen“, antwortet Sander und erklärt, dass das Spielsystem nicht allein für eine offensive oder defensive Spielweise steht. In Bezug auf das Spiel gegen die Kickers konkretisiert er deshalb: „Wir haben ein Heimspiel. Da muss man nach vorne spielen.“ Was Petrik Sander vor allem will, ist, die Zuschauer zu begeistern. „Alle Zuschauer, die am Samstag da sind, müssen in zwei Wochen wieder kommen – außer denen aus Stuttgart. Auch das muss unser Ziel sein. Wir müssen eine Aufbruchstimmung erzeugen und das Potenzial wecken, das in dieser Region vorhanden ist.“ Dass das eng mit dem sportlichen Erfolg verbunden ist, ist ihm klar.
Und noch eines weiß der ehemalige Cottbuser Goalgetter: Es ist auch für die Spieler nicht einfach, innerhalb von drei Monaten unter drei verschiedenen Trainern zu arbeiten. „Dass das schwierig ist, kann ich nachvollziehen“, sagt Sander. „Aber das darf nicht so weit führen, dass das ein Alibi für die Spieler wird.“
VfR Aalen: Linse – Schöckel, Stickel, Alder, Stegmayer – Haller, Hofmann, Mayer, Andersen – Sailer, Shynder.

Schwäbische Post

Vorberichte VfR Aalen – Stuttgarter Kickers

„Ich empfinde keine Genugtuung“

Kickers-Trainer Edgar Schmitt im Interview: „Die Anzahl der Aalener Gegentore zeigt mir gute Möglichkeiten auf“

Die Rückkehr ist keine gewöhnliche. Wenn Trainer Edgar Schmitt am Samstag mit den Stuttgarter Kickers im Drittliga-Derby beim VfR Aalen antritt, hat er noch immer viele Sympathisanten an seiner ehemaligen Wirkungsstätte. Viele Fans haben die Entlassung von „Euro-Eddy“ nie verstanden. Im Interview spricht der 45-Jährige über den Abstiegskampf, seine Zeit auf der Ostalb und darüber, dass „die Entwicklung in Aalen für Kenner nicht gerade überraschend kommt“.

Herr Schmitt, sind Sie nervös?
Schmitt: Nein, warum?
Weil Sie in wenigen Tagen erstmals an Ihre alte Wirkungsstätte zurückkehren.
Natürlich freue ich mich, dass ich meine ehemaligen Spieler wiedersehe. Ich freue mich, Betreuer Günther Hammer und Masseur Achim Hägele zu treffen. Und all die anderen. Aber sonst ist es für mich ein Spiel wie jedes andere.
Es fällt schwer, das zu glauben.
Man muss in diesem Geschäft eine professionelle Einstellung leben und diese führt zu dem, was ich eben sagte. Meine Konzentration gilt nun den Stuttgarter Kickers, und insofern spielt es keine Rolle, gegen wen wir antreten.
Empfinden Sie Genugtuung, wenn Sie die Entwicklung beim VfR Aalen sehen?
Nein. Jürgen Kohler wünsche ich vielmehr eine gute Besserung. Und auch sonst empfinde ich keine Genugtuung. Der VfR Aalen war meine erste Trainerstation, es war eine sehr lehrreiche Zeit. Schließlich habe ich in den gut eineinhalb Jahren alles kennengelernt, was der Profifußball zu bieten hat. Sowohl Positives als auch Negatives.
Und Sie wurden zu einem Zeitpunkt freigestellt, als im Umfeld kaum einer damit gerechnet hat.
Vielen ist die Freistellung auch heute noch nicht ganz klar. Ich jedenfalls ging damit professionell um, wobei mir auch das spontane Interesse anderer Verein gut getan hat.
Ihnen wird vorgeworfen, Sie hätten die Mannschaft nicht ausreichend verstärkt. Haben Sie die Dritte Liga unterschätzt?
Das habe ich nicht. Ich hatte auch fast keine Möglichkeiten, die Mannschaft zu verstärken. Meine Vertragsverlängerung zog sich aus schwer nachvollziehbaren Gründen hin, es wurde erst Ende Mai verlängert. Danach hatten Geschäftsführer Martin Braun und ich nur noch ganz wenig Zeit zu handeln, und der Spielermarkt war fast ausverkauft. Zwischenzeitlich hatte das damalige Management mehrere Spieler (Pascal Bader, Anton Shynder, Mario Hohn – Anm. d. Red.) ohne mein Wissen verpflichtet. Das zur Verfügung stehende Geld war ausgegeben und mir völlig unbekannte Spieler ohne Rücksprache verpflichtet.
Warum haben Sie nicht früher mit der Suche nach neuen Spielern begonnen?
Man hätte bereits im Januar mit der Suche nach neuen Spielern beginnen müssen, aber da wusste ja keiner, wie es weitergeht. So zogen sich die Entscheidungen bis Ende Mai hin, vorher konnte ich nicht tätig werden. Die Konsequenzen habe ich bereits geschildert. Ich bin mir jedoch sicher: Wenn um meine Person eine frühzeitige Entscheidung getroffen worden wäre, würde der VfR Aalen heute in der 2. Bundesliga spielen.
Statt dessen steht am Samstag das Derby in der Dritten Liga an. Treffen da zwei Mannschaften aufeinander, die gegen den Abstieg spielen?
Wir kämpfen um den Klassenerhalt, und ich bin mir sicher, dass wir es schaffen. Wenn der VfR gegen uns verliert, steht auch er unten drin. Aber absteigen werden die Aalener voraussichtlich nicht. Dazu ist die Qualität im Kader viel zu hoch.
Der VfR Aalen schafft es auch nicht mehr, das Publikum zu begeistern.
Für Kenner ist das nicht besonders überraschend. Die Mannschaft war immer darauf eingestellt, attraktiven, erfolgreichen Fußball zu spielen. Und damit hat sie begeistert. Plötzlich soll nur noch die Null stehen. Eine solche Umstellung ist kaum zu schaffen. Sicher nicht ohne Verlust der Attraktivität. Und leider auch mit Einbußen beim Erfolg.
Wenn Sie den VfR Aalen und die Stuttgarter Kickers miteinander vergleichen. Wo sehen Sie die gravierendsten Unterschiede der beiden Vereine?
Die Kickers verfügen über Tradition, Herz und Leidenschaft. Und über professionelle Strukturen und begeisternde Persönlichkeiten in der Führungsriege. Beim VfR Aalen ist hingegen genügend Geld vorhanden. Sollen die beiden Vereine jemals fusionieren, dann wäre alles vorhanden … Dieser Scherz sei erlaubt.
Statt einer Zusammenarbeit kommt es am Samstag zum Duell. Rechnen Sie sich realistische Chancen auf einen Sieg aus?
Ja, denn wir haben oft genug bewiesen, dass wir gegen starke Gegner mithalten können. Viele Spiele standen bei uns auf des Messers Schneide. Nur sind sie nicht immer auf die richtige Seite gekippt.
Fehlt Ihrer Mannschaft die Qualität für die Dritte Liga?
Nein, auf keinen Fall. Wir sind individuell gut besetzt. Wir müssen uns im Kollektiv sukzessive verbessern. Ich bin zuversichtlich, denn meine Spieler sind willig und lernbereit. Nicht schlecht wäre, wenn wir noch ein, zwei Führungsspieler dazu bekommen könnten.
Werden Sie in der Winterpause neue Spieler dazu holen?
Wenn machbar, dann ja. Und zwar, um das Team zu verbessern und zu stabilisieren. Wir werden aber keinen Spieler aus dem Kader stoßen.
Stimmt es, dass Sie sich beim VfR Aalen bedienen werden?
Ähnliches habe ich auch schon gehört, aber mir fehlen die Offerten des VfR. Ich glaube aber nicht, dass Aalen Spieler an die Kickers abgibt.
Tatsache ist, dass der VfR einige Spieler los werden will.
Wenn dem so ist, sollte man mich kontaktieren.
Der Name Mischa Welm ist schon mehrfach gefallen.
Wenn der VfR Aalen Mischa los werden möchte und wir ein entsprechendes Signal erhalten, sind wir gesprächsbereit.
Sie haben wie der VfR Aalen zuletzt häufig unentschieden gespielt. Diese Remis bringen keinen weiter.
Uns bringen diese Unentschieden mehr vorwärts als die Aalener. Dort herrscht eine andere, öffentlich gemachte Erwartungshaltung. Und wir nehmen für uns in Anspruch, die besseren Spiele gemacht zu haben. Denken Sie nur an unsere Unentschieden gegen die spielstarken Mannschaften wie den FC Bayern II oder den VfB Stuttgart II. Letzteres wird bereits „historisches Derby“ genannt. Dies steht im Gegensatz zu den emotionslosen 0:0-Spielen.
Wie groß ist der Vorteil im Derby, dass Sie die Mannschaft des VfR Aalen in- und auswendig kennen?
Kenne ich die Mannschaft wirklich noch? Ich glaube aber zu wissen, was wir tun müssen.
Wo sehen Sie die Stärken beim VfR Aalen?
Vielleicht die Defensive. Obwohl die Anzahl der Gegentore auch gute Möglichkeiten aufzeigt.
Beim VfR Aalen und im Umfeld sind Sie noch immer sehr beliebt.
Es ist für mich eine Wertschätzung meiner Leistung und und meiner Fußball-Philosophie. Die Fans haben ein untrügliches Gespür für gut und schlecht. Insofern freut mich das nachhaltig positive Echo natürlich umso mehr.

© Schwäbische Post 27.11.2008

Presse zur Jahreshauptversammlung – VfB kommt zum Testspiel

Schwarze und rote Zahlen bei den Blauen

Die Kickers erzielen Gewinn, doch im Etat klafft ein Loch

STUTTGART. Die sportliche Situation des Fußballdrittligisten Stuttgarter Kickers ist unbefriedigend, besser sieht es wirtschaftlich aus: das abgelaufene Geschäftsjahr 2007/08 endet mit einem Gewinn von 330 000 Euro.

Von Joachim Klumpp

Die relativ harmonische Stimmung bei der Hauptversammlung der Stuttgarter Kickers ist gestern Abend nur einmal etwas getrübt worden: als das Logo des Lokalrivalen VfB auf der Leinwand auftauchte, da gab es vereinzelt doch Pfiffe. Dabei hätten die 190 anwesenden Mitglieder dankbar sein sollen. Denn der Fußball-Bundesligist wird am 25. März nächsten Jahres in Degerloch zu einem – schon lange angekündigten – Benefizspiel antreten, durch das wiederum die finanzielle Lage der Kickers verbessert würde. Das ganze soll das ADM-Gedenkjahr schmücken, das die Kickers 2009 anlässlich des fünften Todes- und 70. Geburtstages ihres Ehrenpräsidenten Axel Dünnwald-Metzler ins Leben gerufen haben. Als Krönung obendrauf gibt es noch die berechtigte Hoffnung, dass im Lauf des Jahres auch der FC Bayern München seine Visitenkarte bei den Blauen abgibt. Dafür wiederum gab es – Applaus.

Und nicht nur dafür. Denn nachdem die sportliche Situation des Tabellenvorletzten in der dritten Liga unbefriedigend ist, konnte sich zumindest das wirtschaftliche Ergebnis sehen lassen. Als der Schatzmeister Friedrich Kummer einen Gewinn (zum Stichtag 30. Juni) von exakt 330 396,60 Euro verkündete, brandete Beifall im Clubheim auf. „Im Wesentlichen ist das auf die neu gegründete Beteiligungsgesellschaft zurückzuführen“, erklärte Kummer. Die besteht aktuell ausschließlich aus fünf Mitgliedern von Präsidium und Aufsichtsrat und wurde in einer kritischen finanziellen Situation der Vorsaison ins Leben gerufen, um den Verein mit Darlehen und der Abtretung der Transfererlöse zu helfen, was sich mit 525 000 Euro niederschlägt. In der Bilanz ist dieses Geld Vereinsvermögen, so dass der Stand der Verbindlichkeiten von knapp einer Million Euro auf nunmehr 591 684,17 Euro zurückgegangen ist. Da nach wie vor die Rangrücktrittsdarlehen des Expräsidenten Hans Kullen sowie von Ursi Dünnwald-Metzler existieren, ist der Verein aber nicht überschuldet. „Unser Ziel ist es, die Entschuldung des Vereins weiter voran zu treiben“, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Lorz.

Trotz des guten Ergebnisses im Geschäftsjahr 2007/08 können die Kickers keine großen Sprünge machen, was vor allem die Transfermöglichkeiten in der Winterpause betrifft. Das liegt in erster Linie daran, dass der angesetzte Saisonetat von etwa drei Millionen Euro bei den Ausgaben übertroffen wird, was mehrere Gründe hat: zum Beispiel erhöhte Kosten im Ordnungs- und Sicherheitsdienst bei Risikospielen, eine Verdreifachung der Stadionmiete – und natürlich auch die Verpflichtung des holländischen Spielers Orlando Smeekes sowie der Trainerwechsel. Hochgerechnet zum Saisonende fehlen dem Club damit etwa 300 000 Euro in der Kasse.

Deshalb muss auf der einen Seite eisern gespart werden (etwa durch den Verzicht auf ein Trainingslager im Januar), auf der anderen aber weiter versucht werden, die Einnahmen zu erhöhen, vor allem durch zusätzliche Werbeaktivitäten. Das Paradebeispiel dafür ist die zweite Auflage der Kampagne „Believe-in-Blue“, bei der Fans im Internet einzelne Bausteine (zu je 18,99 Euro) erwerben können und wo innerhalb kurzer Zeit bisher knapp 15 000 Euro eingegangen sind. Damit aber nicht genug: bei der Mitgliederversammlung kamen ganz aktuell sogar noch einmal 10 000 Euro dazu. Was den Präsidenten Dirk Eichelbaum zu der spontanen Aussage veranlasste: „Wenn immer zehntausend Euro zusammenkommen, machen wir künftig jeden Tag eine Hauptversammlung.“

Neben der leidigen Stadionfrage, in der die Kickers heute Abend einen Termin beim Deutschen Fußball-Bund haben, um auszuloten, ob es aufgrund des aufgeschobenen Umbaus nochmals eine Ausnahmeregelung geben könnte, wurden auch die Rechte am Kickers-Logo angesprochen, die noch die ausgegliederten Handballer besitzen. „Die Gespräche über eine gemeinsame Nutzung stehen aber unmittelbar bevor“, so Eichelbaum.

Ganz so weit wollten die Vertreter der Handballer, die sich dezent im Hintergrund hielten, noch nicht gehen. Sie werden das ausgearbeitete Vertragswerk, das vorsieht, dass der Hauptverein auf die jährlichen 1500 Euro Lizenzgebühr verzichtet, noch juristisch prüfen lassen. Tenor: wir sind bereit für eine Einigung, aber die gibt es noch nicht. Vielleicht hilft in dieser brisanten Frage ja das gemeinsame sportliche Leid. Während die Fußballer Vorletzter in der Tabelle sind, belegen die Handballer den letzten Platz.

Stuttgarter Zeitung

Gewinn täuscht über Ernst der Lage

Kickers vermelden für Geschäftsjahr 2007/08 Bilanzplus von 330000 Euro

Stuttgart – Die Stuttgarter Kickers haben im abgelaufenen Geschäftsjahr Gewinn gemacht und ihre Schulden verringert. Diese positiven Aspekte bei der gestrigen Mitgliederversammlung ändern nichts daran: Die Finanzierung des laufenden Spielbetriebs bleibt ein Tanz auf der Rasierklinge.

VON JÜRGEN FREY

Ein Sieg in 16 Spielen, Platz 19. Was die Zahlen in der dritten Liga angeht, können die Kickers alles andere als zufrieden sein. Da war das Zahlenwerk, das die Chefetage im Vereinsheim präsentierte, erfreulicher. Das Präsidium verkündete für das Geschäftsjahr 2007/08 einen Gewinn in Höhe von 330 396,80 Euro. Entsprechend harmonisch verlief die Versammlung – die 190 Mitglieder entlasteten sowohl Präsidium als auch Aufsichtsrat. Das bilanzielle Plus ist auf zwei Faktoren zurückzuführen:

Die Transfereinnahmen stiegen gegenüber dem Vorjahr von 330 000 Euro auf 802 892 Euro. Hintergrund: Der Verein hat die Transferrechte an die Kickers Beteiligungs GmbH & Co. KG verkauft.

Die außerordentlichen Erträge stiegen von 22 767 Euro auf 303 721 Euro. Dies ist vor allem auf einen Forderungsverzicht von Ursi Dünnwald-Metzler zurückzuführen.

Unterm Strich verringerten sich die Schulden von 922 080 Euro auf 591 684 Euro.

Diese positive Tendenz ändert nichts an den Liquiditätsproblemen. Bis zum 30. Juni 2009 wird der Etat um 300 000 Euro überzogen. Gründe: der Trainerwechsel und die Verpflichtung von Orlando Smeekes. „Die Finanzierung des Spielbetriebs ist ein Tanz auf der Rasierklinge“, sagte Präsident Dirk Eichelbaum. Den Ernst der Lage bestätigte Präsidiumsmitglied Dieter Wahl: „Wegen der Finanzkrise beißt man bei Sponsoren auf Granit.“ Der Marketingexperte meldete auch Positives: Am 25. März 2009 kommt der VfB zum Freundschaftsspiel – jeder Euro in der klammen Kickers-Kasse zählt.

Stuttgarter Nachrichten

Zumindest finanziell auf einem guten Weg

Die Stuttgarter Kickers vermelden auf der Mitgliederversammlung einen satten Gewinn

Stuttgart – Sportlich läuft es schlecht, finanziell geht es aufwärts: Während Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers weiter im Tabellenkeller festhängt, vermeldete Präsident Dirk Eichelbaum gestern Abend bei der Mitgliederversammlung für die abgelaufene Spielzeit (Stichtag: 30. Juni) ein „Rekordergebnis“ – und damit einhergehend einen erheblichen Schuldenabbau.

Von Beate Wockenfuß

„Hinter uns liegt das Jahr der Katze. Wir haben sieben Leben gebraucht“, sagte Eichelbaum angesichts der äußerst knappen Qualifikation für die eingleisige dritte Liga. Dort befindet sich das Team aktuell auf dem vorletzten Platz. Wie schon im vergangenen Jahr, so war es auch diesmal in Degerloch: Mitten in den Wirren einer sportlichen Depression der „Blauen“ überraschten die Vereinsbosse die leidgeprüften Anhänger bei der Jahreshauptversammlung mit positiven Nachrichten. Die etwa 190 anwesenden Mitglieder staunten nicht schlecht, als das für Finanzen zuständige Präsidiumsmitglied Friedrich Kummer die Geschäftszahlen für die Saison 2007/2008 präsentierte und dabei mit einem deutlichen Jahresüberschuss aufwartete. 330 397 Euro beträgt der erwirtschaftete Gewinn in der abgelaufenen Spielzeit – das bedeutet eine Steigerung um stattliche 139 Prozent gegenüber 2006/2007 (138 130 Euro). Schon damals hatte sich der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt.Zurückzuführen ist das neuerliche Plus auf die Anfang des Jahres gegründete Beteiligungs GmbH & Co. KG, an die der Verein seine Transferrechte verkauft hat. Damit sind die Kickers auf ihrem Weg aus den Schulden wieder ein großes Stück vorangekommen. 591 684 Euro gilt es jetzt „nur“ noch zu tilgen. Dazu gehört unter anderem das Darlehen von Ex-Präsident Hans Kullen. Über die Rückzahlung hatten sich der Verein und Eichelbaums Vorgänger nach monatelangem Streit erst Anfang Juli und damit nach dem Bilanz-Stichtag außergerichtlich geeinigt. Demnach soll über die kommenden acht Jahre hinweg eine nicht genannte Summe an Kullen gezahlt werden.Der ehemalige Präsident spielte bei der gestrigen Versammlung noch bei einem anderen Tagesordnungspunkt eine Rolle. Denn die Entlastung des alten Vorstands war im vergangenen Jahr wegen der unklaren juristischen Situation auf dieses Jahr verschoben worden. Diesmal ging die Entlastung ohne Diskussionen durch – ebenso für das aktuelle Präsidium.

2,86 Millionen Euro Ausgaben

Das lag vor allem an den positiven Zahlen: Insgesamt nahm der Verein in der vergangenen Spielzeit 2,93 Millionen Euro ein, das sind 105 834 Euro weniger als 2006/2007. Am deutlichsten sanken die Einnahmen im Bereich Spielbetrieb (minus 219 620 Euro), was an der verpassten Teilnahme am DFB-Pokal lag. Dieselbe Ursache hat der Rückgang im Bereich Fernsehen und Hörfunk (minus 207 540 Euro). Die Ausgaben auf der Waldau beliefen sich auf 2,86 Millionen Euro, das sind 42 961 Euro weniger als 2006/2007.

Das kommende Jahr wird bei den Kickers ganz im Gedenken an den im Jahr 2004 verstorbenen langjährigen Präsidenten Axel Dünnwald-Metzler stehen. Im Rahmen des „ADM-Gedenkjahres“ sind unter anderem zwei Freundschaftsspiele geplant. Bundesligist VfB Stuttgart gastiert am 25. März im Gazi-Stadion. Der FC Bayern hat ebenfalls für ein Spiel zugesagt, ein Termin steht jedoch noch nicht fest. Auch das bringt dem nach wie vor klammen Verein wertvolle Einnahmen.

Eßlinger Zeitung