Nur eine von vielen Baustellen

Von Joachim Klumpp 

Zumindest in einem Punkt haben die Stuttgarter Kickers in der Fußball-Regionalliga Süd derzeit die Nase vorne: Sie haben für die erste Trainerentlassung der Saison gesorgt. Was zunächst einmal ein Eingeständnis ist, in dieser wichtigsten Personalie – mit dem Wunschtrainer – falsch gelegen zu haben. Zeidler wiederum hat es im unruhigen Fahrwasser des Traditionsclubs allerdings auch nicht verstanden, eine klare Hierarchie im Kader aufzubauen, geschweige denn eine Spielerpersönlichkeit zu installieren. Überraschend kam die Entscheidung nach dem siebten Heimspiel ohne Sieg also nicht mehr, auch wenn man über den richtigen Zeitpunkt angesichts des Auftritts in der zweiten Hälfte gegen Frankfurt durchaus streiten kann.

Viel unerwarteter ist die Ernennung von Stefan Minkwitz zum Cheftrainer, schließlich ist der letzte Tabellenplatz mit den A-Junioren alles andere als eine Reputation. Dass der Exprofi das Umfeld in Degerloch wie kein anderer kennt, kann Vor- und Nachteil zugleich sein. Letztlich gaben wohl die finanziellen Zwänge der Kickers den Ausschlag, diese (kleine) Lösung zu favorisieren.

Zumal es in Degerloch weitere Baustellen gibt, fast so viele wie auf Deutschlands Autobahnen. Angefangen im sportlichen Bereich, wo die Situation bei Amateuren und Junioren bedenkliche Züge annimmt; über die finanzielle Schieflage des Vereins, bei der im Hinblick auf Etatplanung und Lizenzierung kaum Lösungsansätze zu registrieren sind; bis hin zum wichtigen Bereich Marketing, in dem bei der Sponsorensuche offenbar das Zufallsprinzip regiert. Kurzum: der Verein präsentiert sich schlechter als je zuvor.

Der an allen Fronten kämpfende Präsident Dirk Eichelbaum ist um seine Aufgabe jedenfalls nicht zu beneiden, auch weil in seinem Umfeld das Prinzip Worte statt Taten dominiert. Die folgten jetzt zumindest beim Thema Trainer. Doch Zeidlers Entlassung ist allenfalls ein Mosaiksteinchen, dessen Austausch aus dem Gesamtbild Kickers nicht automatisch ein Kunstwerk macht.

Stuttgarter Zeitung

U17 punktet in Mainz

Die B-Junioren der Kickers erreichten bei ihrem Bundesligaspiel beim FSV Mainz 05 ein 1:1 Unentschieden. Kimon Koutsiofitis konnte mit seinem dritten Saisontor in der zehnten Spielminute ausgleichen.

Nächsten Samstag erwarten die Kickers die bisher überraschend schwachen Nachwuchs des FC Bayern München. In der Tabelle bleiben die Kickers auf dem achten Tabellenplatz und haben fünf Punkte Vorsprung vor den Abstiegsrängen.

Die Kickers spielten mit:
Grgic; Schaal, Bondel, Wild (66. Frank) Weber, D. Müller, Avdic, Kotaidis; Koutsiofitis (71. Arslan),Cirasun, Munz

U19 verliert 0:4 gegen Bayern

Ohne Chance blieb die A-Jugend der Stuttgarter Kickers im heutigen Bundesligaspiel gegen den Nachwuchs des FC Bayern München. Die Jungs von Trainer Stefan Minkwitz unterlagen mit 0:4.

Damit bleiben die Kickers sieglos Tabellenletzter. Nächsten Samstag geht es zum Tabellendritten Karlsruher SC.
Die Kickers spielten mit:
Hauser; Abruscia, Kaiser (46. Günol), Thies; Auracher, Boric (46. Caliskan), Kühnert, Candan; Gümüssü (63.Fennell), Vargas-Müller (46. Pala), Zeliktas

U23 beendet Niederlagenserie – 2:0 in Linx!

Die Oberliga-Mannschaft der Stuttgarter Kickers hat es endlich geschafft. Nach zwölf Niederlagen in Serie gewannen die Kickers ihr heutiges Auswärtssspiel beim SV Linx mit 2:0. Sascha Benda (15. ) und Nico Beigang (55. ) erzielten die Treffer für den Tabellenletzten.

Nächsten Samstag treffen die Kickers auf den VfR Mannheim. Mit einem Sieg können die Kickers die Abstiegsränge verlassen.
Die Kickers spielten mit:
Salz; Baradel, Simsek, Leist, Ortlieb; Benda, Petruso (62. Schneider), Kovac (70. Rizzi), Ivanusa; Genisyürek (87. Weber), Beigang

Zeidler beurlaubt

Kickers Stuttgart: Minkwitz übernimmt
Aus für Zeidler

Nach dem mageren 1:1 gegen Aufsteiger FSV Frankfurt reagierte die Führung von Regionalligist Stuttgarter Kickers und hat seinen Trainer Peter Zeidler „mit sofortiger Wirkung“ beurlaubt. Nach einer Präsidiumssitzung am Sonntag teilte der Klub weiter mit, dass der bisherige Co-Trainer Stefan Minkwitz nun mehr als verantwortlicher Coach übernehmen wird.
Peter Zeidler, Ex-Coach der Stuttgarter Kickers

Als Grund für die Trennung gab die Vereinsführung die sportliche Talfahrt des aktuellen Tabellenzehnten an, der in sieben Heimspielen bisher sieglos geblieben ist.

Am Samstag war den Kickers nur ein 1:1 gegen den Aufsteiger FSV Frankfurt gelungen, durch das die Stuttgarter nun mehr auf Rang 10 noch knapp über dem ominösen Strich stehen.

Kicker

Spielberichte Stuttgarter Kickers – FSV Frankfurt (1:1)

Kickers – FSV Frankfurt 1:1 (0:1)

Vor 2720 Zuschauern im GAZi-Stadion auf der Waldau schafften die Kickers auch im siebten Heimspiel der Saison nicht den ersten dreifachen Punktgewinn. Das Team von Trainer Peter Zeidler kam gegen den hessischen Aufsteiger FSV Frankfurt nicht über ein 1:1-Unentschieden hinaus.
Nach einem Eckball kassierten die Kickers bereits in der 7. Minute durch den Kopfballtreffer von Hillebrand den 0:1-Gegentreffer. Die Kickers fanden danach nicht mehr zurück ins Spiel, erst nach der Pause nach einem Doppelwechsel mit Kacani und Parmak zogen die Blauen zeitweise ein wahres Powerplay auf. Chancen im Minutentakt sahen die Zuschauer im Stadion, doch mehr wie der Ausgleichstreffer durch Sokol Kacani (65.) sprang leider nicht heraus.

Zur Aufstellung:
Trainer Peter Zeidler ließ heute mit Marco Tucci und Angelo Vaccaro zwei Stürmer auflaufen, wobei schon nach einer Viertelstunde Bashiru Gambo in den Sturm beordert wurde und Marco Tucci zurück ins rechte Mittelfeld ging. Neben ihm spielten Mustafa Akcay, Markus Mann und Dominique Rodrigues. Die Abwehrreihe besetzten Moritz Steinle, Marco Wilderinn, Marcel Rapp und Oliver Stierle, im Tor selbstverständlich David Yelldell. Auf der Bank nahmen zunächst Mustafa Parmak Platz, der unter der Woche augrund muskulärer Probleme kaum trainieren konnte. Recep Yildiz, Benedikt Deigendesch, Sokol Kacani, Saban Genisyürek, Julian Leist und Ersatzkeeper Manuel Salz hießen die restlichen Auswechselspieler.

Zum Spielerverlauf:
Die Partie ging gleich munter los: Bashiru Gambo sorgte bereits nach wenigen Sekunden mit seinem abgefälschten Schuss für Gefahr, doch sein Versuch ging um Zentimeter am linken Pfosten vorbei (1.). Auch die Gäste spielten munter mit, ihr sehr engagierter und lautstarker Trainer Tomas Oral an der Aussenlinie lebte es seinen Spielern vor. Und Grund zum Jubeln hatte er schon früh: Nach einer Ecke köpfte Schumann freistehend auf das Kickers-Tor, David Yelldell konnte zwar noch reaktionsschnell abwehren, doch beim Abpraller reagierte Hillebrand am schnellsten und spitzelte den Ball zum 0:1 über die Linie (7.).
Der frühe Rückstand schockte die Kickers-Mannschaft, und das Team um Kapitän Oliver Stierle spielte super nervös, verängstigt und unsicher und hatte Glück, dass es nur mit dem knappen Rückstand in die Pause ging.
Die Frankfurter Chancen: Hillebrand setzte sich links durch, doch an seiner Hereingabe kam Cenci einen Schritt zu spät (10.). Nach einem Missverständnis zwischen Moritz Steinle und Marco Tucci nutzte El Haj Ali die Chance und zog ab, doch sein Schuss strich knapp über die Latte. Bei zwei folgenden Eckbällen brannte es beide Male lichterloh im Kickers-Strafraum, Oliver Stierle warf sich beim Schuss von Cenci gerade nochmals dazwischen (25.). Erst kurz vor der Pause zeigten die Blauen nochmals ihr Können, als Angelo Vaccaro den Ball direkt mit der Brust in den Lauf von Bashiru Gambo legte, doch dessen Schuss ging am langen Pfosten vorbei (38.). Eine Ballablage von Marco Tucci hatte wieder der Ghanaer die Möglichkeit, doch sein Schuss hielt der Gästekeeper sicher (42.). Kurz vor dem Pausenpfiff zog Frankfurts Kreuz aus gut 30 Metern ab, David Yelldell machte sich lange und konnte den strammen Schuss mit den Fingerspitzen über die Latte lenken (44.).
Nach der Pause reagierte Peter Zeidler und brachte für Marco Tucci und Dominique Rodrigues zwei neue Akteure: Sokol Kacani stürmte fortan zusammen mit Angelo Vaccaro, Mustafa Parmak sorgte für Druck auf dem rechten Flügel. Das Spiel der Kickers wurde nun immer besser und es gab zeitweise Chancen im Minutentakt. Die Kopfballablage von Bashiru Gambo nahm Angelo Vaccaro direkt, jedoch warf sich bei seinem Drehschuss ein Abwehrspieler gerade noch dazwischen (46.). Nur zwei Minuten später dieselbe Situation: Wieder wurde Angelo Vaccaro per Kopf von Bashiru Gambo bedient, doch sein Volleyschuss strich knapp am linken Pfosten vorbei (48.). Die Kickers drängten auf den Ausgleich und hatten nun deutliches Übergewicht im Mittelfeld. Nach einem Eckball fiel dann auch das erlösende 1:1. Sokol Kacani steig am höchsten und köpfte rechts unter die Latte zu seinem vierten Saisontreffer (65.). Das Stadion wachte nun wieder auf und die Fans trieben die Mannschaft weiter nach vorne. Den Schuss von Moritz Steinle fasste Schnürenberg im Frankfurter Kasten erst im Nachfassen (68.). Einen langen Ball auf Angelo Vaccaro erlief sich der Kickers-Stürmer und wollte aus 18 Metern abziehen, doch in letzter Sekunde kam das lange Bein eines Hessischen Abwehrspielers.

Mustafa Parmak ließ auch noch zwei Schüsse ab, doch der Frankfurt Keeper bewahrte sein Team vor einem Rückstand (76.) Nach einem der zahlreichen Ecken bekam Mustafa Akcay einen zunächst abgewehrten Ball vor die Füße. Der Mittelfeldspieler lupfte das Leder gefühlvoll aus gut 15 Metern über den Torwart hinweg auf die Latte, der Ball sprang zurück aufs Spielfeld, wo Marcel Rapp Richtung Tor köpfte, doch Frankfurts Schlussmann konnte auch diesen Ball entschärfen (78.). Nach einem schönen Übersteiger stand Mustafa Parmak zentral ca. 20 Meter vor dem Tor, als er mit links abzog. Er traf die Kugel voll, doch wieder strich sie am linken Pfosten vorbei und sprang von der hinteren Torstange von hinten ans Aussennetz, sodass alle Zuschauer schon den Torschrei auf den Lippen hatten (80.). Nach einen Flanke von Sokol Kacani hatte wieder Mustafa Parmak die Schusschance, doch auf der Linie wurde der Ball herausgeschlagen. Da die Kickers alles auf eine Karte setzten und das Spiel gewinnen wollten, ergaben sich zwangsläufig auch Konterchancen für die Gäste, die in der zweiten Halbzeit eigentlich kaum mehr was Zustande brachten. Die beste Chance hatte der eingewechselte Hagner, als er freistehend vor David Yelldell auftauchte, doch der Kickers-Keeper blieb lange stehen und konnte den Schuss mit seiner Schulter über die Latte lenken. Kurz vor Abpfiff brachte Bashiru Gambo nach einem langen Ball die Kugel nicht mehr unter Kontrolle und sein „Schüsschen“ mit der Spitze war kein Problem für Frankfurts Schürenberg.

So blieb es leider wieder nur bei einem 1:1-Unentschieden, und auch im siebten Heimspiel der Saison gelang der erste Heimerfolg nicht. Doch wie die Mannschaft sich in der zweiten Hälfte präsentierte und ein wahres Powerplay aufzog, stimmte selbst die noch in der ersten Halbzeit aufgebrachten Kickersfans wieder positiv.

Die Trainerstimmen:

Tomas Oral: „Wir wussten um die Schwere des Spiels heute und haben von Beginn an richtig gut dagegen gehalten. Nach einer Standardsituation sind wir auch verdient in Führung gegangen. Danach muss ich meiner Mannschaft ein riesen Kompliment aussprechen, den sie hat sich hervorragend an die taktische Marschroute gehalten. Hier hätten wir ein 2:0 gegen einen angeschlagenen Gegner nachlegen müssen. Die Kickers kamen in der zweiten Halbzeit immer mehr auf, wir wollten auf Konterstellung lauern. Doch dass die Kickers eine sehr gute Mannschaft haben, zeigten sie in der Phase, wo auch der Ausgleichstreffer fiel. Die Drangphase hatten wir sicher auch mit Glück überstanden und waren froh, dass wir nicht sogar in Rückstand geraten sind. So bin ich mit einem Auge zufrieden, mit dem anderen Augen aber unzufrieden. Denn der Kickers-Keeper hatte mit zwei, drei eigentlich Unhaltbare sein Team im Spiel gehalten. Ich denke die Zuschauer haben ein riesiges Regionalligaspiel gesehen. Mit der Leidenschaft, die die Kickers heute gezeigt haben, werden sie schnell diese Tabellenregionen wieder verlassen.“

Peter Zeidler: „Genau das durfte nicht passieren, dass wir früh in Rückstand geraten. Zu unserer sowieso schön nervösen und angespannten Situation kam dieser Schock hinzu. Wir konnten den Gegentreffer nicht verdauen und haben in der ganzen ersten Halbzeit nicht mehr zurück ins Spiel gefunden. Gott sein Dank kam dann der Pausenpfiff. Zur zweiten Halbzeit haben wir dann in allen Bereichen gut gespielt. Ich glaube wir hatten sieben oder acht hochkarätige Chancen und so den Siegtreffer mehrmals auf dem Fuß. Die Mannschaft hat eine enorme kämpferische Leistung gezeigt und viele Chance herausgespielt. Klar hatten wir Glück bei den Konterchancen, aber dass wir einen guten Keeper haben, wissen wir nicht erst seit heute. Leider wieder nur ein Punkt, doch jeder objektive und subjektive Beobachter hat gesehen, was in der zweiten Halbzeit hier auf dem Platz los war.“

Die Spielstatistik:

Kickers: David Yelldell – Moritz Steinle, Marco Wildersinn, Marcel Rapp, Oliver Stierle – Mustafa Akcay, Marcus Mann, Dominique Rodrigues (46. Mustafa Parmak), Basiru Gambo – Angelo Vaccaro, Marco Tucci (46. Sokol Kacani) – Trainer: Peter Zeidler

FSV Frankfurt: Schürenberg – Schumann, Husterer, Hickl, Hillebrand, Barletta, Mikolajczak, Kreuz, Winter (90. Gaubatz), Cenci (65.Koejoe), El-Hajali (78. Hagner) – Trainer: Oral

Zuschauer:
2.720 Fans im GAZi-Stadion auf der Waldau

Torfolge:
1:1 Dennis Hillebrand (7.)
1:1 Sokol Kacani (65.)

Schiedsrichter:
Torsten Bauer (Seesbach)

Verwarnungen:
Gelbe Karten: Wildersinn, Kacani, Akcay – Schumann

Offizielle Homepage

FSV holt Punkt in Stuttgart

Autor: MICHAEL WEILGUNY

Der FSV Frankfurt ist mittlerweile seit fünf Spielen ungeschlagen. Bei den Kickers aus Stuttgart holte die Truppe von Trainer Tomas Oral am 14. Spieltag ein 1:1.

Die Stuttgarter Kickers begannen stark in den ersten 45 Minuten und setzten den FSV Frankfurt gleich unter Druck. In die kurze Drangphase der Kickers hinein konnte aber Dennis Hillebrand nach einer Ecke von Christian Mikolajczak in der 7. Minute das 1:0 und damit sein 2. Saisontor für den FSV erzielen. Nach der Gästeführung war bei den Stuttgartern eine starke Verunsicherung zu spüren. Die Akteure von Kickers-Trainer Peter Zeidler, dessen Rauswurf zeitweise lauthals von den Heimfans gefordert wurde, agierten nervös und konnten das FSV-Tor zunächst nicht mehr in Gefahr bringen. Dafür hatten die Frankfurter, bei denen Angelo Barletta und Stefan Hickl wieder in die Anfangsformation gerückt waren, ihre Chancen. In der 15. Minute verpasste erneut Hillebrand nach einem Konter über den starken Markus Kreuz knapp das 2:0. Wenig später wurde ein Schuss von Stürmer Cenci aus wenigen Metern abgeblockt. Nach einer halben Stunde dann die nächste Chance für die Gäste. Doch der Schuss von Abwehrmann Daniel Schumann nach einer Ecke konnte von den Kickers auf der Linie geklärt werden.

Die Stuttgarter konnten sich erst in der Schlussphase der 1. Halbzeit wieder in Szene setzen. Die einzige Großchance vergab dabei Stürmer Bashiru Gambo in der 40. Minute nach einem Drehschuss, der das Tor von FSV-Keeper Florian Schürenberg nur knapp verfehlte. Den Schlusspunkt in der 1. Halbzeit setzten dann aber wieder die Frankfurter. Einen herrlichen Schuss von Kreuz aus rund 30 Metern konnte Kickers-Torhüter David Yelldell gerade noch aus dem Winkel holen.

In der 2. Halbzeit kamen die Kickers dann mit mehr Elan aus der Kabine und der Druck auf das FSV-Tor nahm zunächst zu. In der 46. Minute kam Gambo zu einer Großchance, scheiterte aber freistehend im FSV-Strafraum. Zehn Minuten später verpasste dann der eingewechselte Kacani für Stuttgart aus aussichtsreicher Position den Ausgleich. Die größte Chance hatten allerdings die Frankfurter. Mittelfeldmann Mikolajczak scheiterte in der 60. Minute völlig freistehend mit einem Lupfer vor dem Kickers-Gehäuse und verpasste damit die Vorentscheidung.

Als das Spiel danach mehr oder wenig vor sich hin plätscherte, kamen die Stuttgarter in der 66. Minute zum überraschenden Ausgleich. Kacani traf per Kopf nach einem Freistoß von der linken Seite unhaltbar für FSV-Keeper Schürenberg zum 1:1. Danach drängten die Kickers auf den Führungstreffer, die aber entweder an Schürenberg oder an der Latte des FSV-Gehäuses scheiterten. Aber auch die Frankfurter hätten das Spiel in einer dramatischen Schlussphase noch für sich entscheiden können. Die größte Chance hatte in der 90. Minute der eingewechselte Matthias Hagner, der aus kürzester Entfernung am stärksten Kickers-Akteur, Torhüter David Yelldel, scheiterte.

Am Ende blieb es im Stuttgarter GAZI-Stadion vor 2720 Zuschauern bei einem insgesamt gerechten 1:1. Bei besserer Chancenverwertung wäre für den FSV aber auch der vierte Auswärtssieg möglich gewesen. Am kommenden Samstag (10. November) erwartet der FSV Frankfurt dann um 14 Uhr im Frankfurter Volksbank Stadion den SV 07 Elversberg und hofft dabei auf den zweiten Heimsieg dieser Saison.

Statistik

Zuschauerzahl: 2 720

Torschützen: 0:1 Hillebrand (7. Min.), 1:1 Kacani (66. Min.)

Gelbe Karten: Kacani, Akcay (beide Stuttgart) / Schumann (FSV)

Rote Karten: keine

Schiedsrichter: Bauer (Seesbach)

Aufstellungen

Stuttgarter Kickers:
Yelldell – Steinle – Wildersinn – Rapp – Stierle – Rodrigues (56. Kacani) – Akcay – Gambo – Mann – Tucci (46. Parmak) – Vaccaro

FSV Frankfurt:
Schürenberg – Hickl – Schumann – Husterer – Hillebrand – Winter (90. Gaubatz) – Barletta – Mikolajczak – Kreuz – El Haj Ali (78. Hagner) – Cenci (65. Koejoe)

Homepage FSV Frankfurt

Spielbericht vom Hessischen Rundfunk

1:1 gegen Frankfurt

Zu einem gerechten 1:1 Unentschieden kamen die Stuttgarter Kickers heute gegen den Aufsteiger FSV Frankfurt. Es war ein Spiel von zwei Halbzeiten, die unterschiedlicher nicht hätten sein konnten. Die Gäste mit den insgesamt zwölf Neuzgängen spielten in der ersten Hälfte mit den Kickers Katz und Maus – die Kickers wurden vorgeführt. Trotzdem erzielten die Bornheimer nur einen Treffer. Die Kickers hatten eine einzige Torchance – und agierten nach dem frühen Gegentor wie ein Absteiger. Zweikampfschwach, kein geordneter Spielaufbau, Bälle verspringen, kein Umschalten von Abwehr auf Angriff. Frankfurt hätte die Kickers abschießen müssen.
Zur Pause kamen Parmak und Kacani für die schwachen Rodrigues und Tucci. Und das Spiel wurde gedreht. Die Kickers mit typischem Abstiegskampf. Sehr viel Einsatz, größtenteils weit geschlagene Bälle auf die Stürmer, aggresives Zweikampfverhalten und der Versuch, mit der Brechstange ein Tor zu erzielen. Sokol Kacani hielt irgendwann auch seinen Kopf richtig hin und der Ball zappelte zum vielumjubelten Ausgleichstreffer im Netz. Danach die Kickers mit Powerplay, aber ohne Glück. Akcay mit einem Lattertreffer, Gambo freistehenend, Steinle vorbei. Die Gäste kamen entsprechend zu riesigen Konterchancen, David Yelldell im Tor konnte mit seinen Reaktionen auf der Linie eine höhere bzw. erneute Gästeführung mehrfach glänzend verhindern.
Insgesamt ein gerechtes Unentschieden. Für die Kickers in der aktuellen Situation vielleicht zu wenig. Am morgigen Sonntag wird das Präsidium erneut über die Zukunft von Trainer Peter Zeidler beraten.

Presse zum Stadionumbau

Kickers-Stadion: Umbau nur bei Aufstieg

Millionenschwere Sanierung der Waldau-Arena umstritten – Kampf ums Eislaufzentrum – Planungsmittel für neue Sporthalle

Im Fußball wird 2008 die eingleisige dritte Bundesliga eingeführt. Eine taugliche Spielstätte gibt es in Stuttgart außer dem Daimlerstadion nicht. Eine Option wäre der Umbau des Stadions auf der Waldau. Dort steht auch die Sanierung des Eislaufzentrums an.

Von Jörg Nauke

Auf den Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist man im Rathaus derzeit nicht gut zu sprechen. Der Verband hat kurzerhand die Einführung einer dritten Profiliga beschlossen und die Kommunen als Eigentümer der meisten Stadien darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie gefälligst binnen zwei Jahren die festgelegten strengeren Kriterien zu erfüllen hätten.

Für die Landeshauptstadt bedeutet dies eine Investition von zehn bis 15 Millionen Euro – so viel würde es jedenfalls kosten, das heute vom Regionalligisten Stuttgarter Kickers genutzte Stadion im Degerlocher Sportgebiet Waldau auf den geforderten Stand zu bringen. Diese Ansammlung „von Schwarz- und Anbauten“, wie das Gazi-Stadion im Rathaus heißt, genießt heute Bestandsschutz. Müsste man sanieren, würde die verschärfte Versammlungsstättenverordnung greifen, was den Umbau weiter verteuert. Die Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann hat für die anstehenden Etatberatungen erst einmal 170 000 Euro Planungsmittel gefordert. Im Herbst 2008 könnte ein Projektbeschluss und im Frühjahr 2009 der Baubeschluss gefasst werden. „Die Kickers sind eben ein Traditionsverein“ sagt Eisenmann. „Da wird man um eine Sanierung wohl nicht herumkommen.“

Allerdings gibt es für diese Investition noch gar keine Mehrheit im Gemeinderat. Man will über Alternativen informiert werden, und überhaupt weiß man noch nicht, ob es die Kickers überhaupt in die neue dritte Liga schaffen. Der aktuelle zehnte Tabellenplatz würde genügen, doch die „Blauen“ sind derzeit in der Krise. Würden sie das Saisonziel verfehlen und als viertklassiger Regionalist ihr Dasein fristen, wäre das Umbauthema beendet – wäre da nicht auch noch die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart. Die Reserve, gerade Tabellenzweite, ist ein sicherer Drittligist und hat bereits angekündigt, künftig auf den „Golan-Höhen“ spielen zu wollen, denn das heimische Schlienz-Stadion am Wasen genügt ebenfalls nicht den Anforderungen des DFB. In den Fraktionen stellt man sich allerdings die Frage, ob im Falle einer Kickers-Pleite das 11 000 Zuschauer fassende Stadion tatsächlich modernisiert und mit 2000 Schalensitzen ausgestattet werden soll, wo doch dort nur die VfB-Reserve vor gerade 800 bis 1000 Fans spielen würde. Für diesen Fall täten es das Daimlerstadion oder Ausweichstandorte in der Region, heißt es bei der CDU-Fraktion, die jetzt die Planungsmittel genehmigen, aber dann intensiv die Tabelle beobachten will.

Die Debatte um den Umbau des Stadions auf der Waldau (und des Daimlerstadions) im Gemeinderat ist deshalb so spannend, weil sie vor dem Hintergrund stattfindet, dass für die anderen Sportarten keine adäquaten Sportstätten bereit gestellt werden. Es gibt weder ein Hallenbad mit 50-Meter-Becken noch eine ausreichend dimensionierte Ballsporthalle oder eine moderne Eishalle. Während in den Haushaltsberatungen bereits 700 000 Euro Planungsmittel für den Bau einer Sporthalle für 2000 Zuschauer beantragt wurden, um Vereinen wie dem Volleyball-Zweitligisten VC Stuttgart die Möglichkeit zu eröffnen, sich der Erstklassigkeit zu nähern, ist die Zukunft des Eislaufzentrums Waldau weiter ungewiss. Die Verwaltung hat die rund neun Millionen Euro teure Sanierung jedenfalls nicht auf ihrer Vorschlagsliste – es bedarf also einer parteiübergreifenden Initiative, um die untragbaren hygienischen Zustände in den Umkleidekabinen und Toiletten sowie die gravierenden baulichen Mängel zu beseitigen. Die SPD sucht jetzt Mehrheiten, um zu verhindern, dass der Umbau von 2009 auf 2011 verschoben wird. Die CDU wird sich damit aber schwertun, weil sie diesen Betrag an anderer Stelle ihrer Wunschliste einsparen müsste.

Morgen veranstaltet die Eissportabteilung des Tus Stuttgart einen Aktionstag. Seit der Schließung seiner Eishalle laufen dem Verein die Mitglieder davon. Nicht zuletzt wegen des großen Ansturms von rund 120 000 Kindern und Jugendlichen, die jährlich ihre Kurven auf dem Eis drehen, macht sich der Sportkreisvorsitzende Fred-Jürgen Stradinger für das Eislaufzentrum stark.

Stuttgarter Zeitung

Großbaustelle Waldau

Prioritäten

Von Jörg Nauke

Die Finanzlage der Stadt ist so gut wie nie zuvor. Da aber immer noch nicht so viel Geld vorhanden ist, wie der Gemeinderat gerne investieren würde, müssen weiterhin Prioritäten gesetzt werden. Das gilt auch für den Sport, den Bereich, der die Bürger besonders interessiert, weil fast jeder selbst in Bewegung ist, bei Wettkämpfen zuschaut oder einen Aktiven in der Familie hat.

Da es aber die Stadt in den vergangenen Jahren versäumt hat, eine ordentliche Sportinfrastruktur zu schaffen und sich stattdessen auf die finanzielle Unterstützung von publikumsträchtigen Veranstaltungen wie einer Rad-WM konzentriert hat, ist die Wunschliste jetzt besonders lang. So wird es höchste Zeit für eine Sporthalle, in die 2000 Zuschauer passen, denn andernfalls wird es auch in Zukunft keine ballspieltreibende Mannschaft in die Bundesliga schaffen. Der Erfolg des Volleyball-Zweitligisten VC Stuttgart hat den Fraktionen Mut gemacht, wenigstens Planungsmittel dafür zu beantragen.

Die größten Baustellen befinden sich derzeit aber auf der Waldau. Und hier wird es politisch, denn es geht auch – um Fußball. Der DFB hat nämlich die dritte Bundesliga erfunden. Künftig wird der SSV Reutlingen also nicht mehr gegen den SC Pfullendorf spielen, sondern bis nach Emden fahren, um im hohen Norden die Punkte abzuliefern. Und die Dresdner Fans prügeln sich dann nicht mehr mit den Magdeburgern, sondern mit den Anhängern der Stuttgarter Kickers.

Viel teurer als die Polizeieinsätze sind jedoch die Umbauten. Da der Deutsche Fußball-Bund annimmt, dass mit der Neuordnung die Ansprüche der Fans steigen, müssten ins Gazi-Stadion 2000 Schalensitze eingebaut, ein Raum für Dopingkontrollen eingerichtet und insgesamt zehn bis 15 Millionen Euro investiert werden. Aus städtischen Mitteln wohlgemerkt, denn bei den Blauen ist bekanntlich nichts zu holen. Die Stadt hat deren Tafelsilber schon vor Jahren gekauft, um den Verein vor der Pleite zu bewahren.

Die Stadt wäre allerdings gut beraten, die Regionalligatabelle genau zu verfolgen, bevor sie die Bagger anrücken lässt. Womöglich erledigt sich der Umbau von selbst, falls die Kickers die Qualifikation verpassen. Einen zweiten Anlauf würde es wohl kaum geben. Und nur wegen der VfB-Amateure mit ihrem kleinen Freundeskreis ließe sich die Investition ins Stadion wohl kaum rechtfertigen – zumal in unmittelbarer Nachbarschaft auf der Waldau das Eislaufzentrum auf seine Sanierung wartet. Dort verbringen 120 000 Kinder und Jugendliche pro Jahr sinnvoll ihre Freizeit, dort betreiben unter unwürdigen Bedingungen Eishockeyspieler und Eisprinzessinnen ihren Sport. Die Stadträte müsste mal die Umkleidekabinen und die sanitären Anlagen inspizieren – es fiele ihnen danach leicht, die richtigen Prioritäten zu setzen.

Stuttgarter Zeitung