StN: Parmak wechselt nach Koblenz

Stuttgart/Koblenz – Der offensive Mittelfeldspieler Mustafa Parmak wechselt vom Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers zur TuS Koblenz. Der 26-Jährige unterschrieb am Montag beim Zweitligisten einen Vertrag bis 30. Juni 2010 und trainierte am Nachmittag bereits mit der Mannschaft von Trainer Uwe Rapolder. Das teilte sein Berater Michael Hofstetter nach wochenlangen Verhandlungen zwischen den Beteiligten.

Koblenz zahlt allerdings nicht die 175.000 Euro Ablöse, die nach Parmaks ursprünglich bis 2010 laufendem Vertrag bei den Kickers für einen vorzeitigen Wechsel vorgesehen waren. Stattdessen erhalten die Stuttgarter im Tausch den Koblenzer Mittelfeldspieler Sascha Traut (23), der ebenfalls einen Zweijahres-Kontrakt bis 2010 unterschreiben soll. Zudem bekommen die „Blauen“ einen finanziellen Ausgleich. Über Art und Höhe sei Stillschweigen vereinbart worden, erklärte Kickers-Manager Joachim Cast.

„Wir sind uns sicher, dass wir die für alle Seiten vernünftigste Lösung gefunden haben““, sagte Cast. Der aus der Jugend des Bundesligisten Karlsruher SC stammende und wie Parmak auf der rechten Außenbahn spielende Traut „wird uns auf jeden Fall verstärken und weiterhelfen. Wir sind überzeugt von ihm.“

Stuttgarter Nachrichten

Presse zum Testspiel gegen Winterthur und den offenen Personalien Mustafa Parmak und Denis Lapaczinski

Kickers 1:1 gegen Winterthur

Parmak steht vor dem Wechsel
STUTTGART (ump). Die Mannschaft des Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers hat am Samstag vor 350 Zuschauern in Villingendorf einen echten Härtetest absolvieren müssen. Denn beim 1:1 (Tor: Jens Härter) gegen den Schweizer Zweitligisten FC Winterthur steckte einigen Spielern noch die Bergtour von unter der Woche in den Knochen, so dass der Trainer Stefan Minkwitz den Spielern erste einmal bis heute Mittag freigab und sagte: „Vom Ergebnis her bin ich zufrieden, ansonsten haben wir gegen eine technisch überlegene Mannschaft auch Glück gehabt.“

Das konnte der Torwart Benjamin Huber nur bedingt sagen. Der Neuzugang vom FC Ingolstadt sollte erstmals über die komplette Spielzeit getestet werden, musste aber zehn Minuten vor Schluss nach einem Zusammenprall mit Benedikt Deigendesch verletzt vom Feld. Der Spieler selbst befürchtete zunächst einen Mittelfußbruch, der Trainer aber sagt: „Er geht am Montag zum Arzt. Ich denke, dass es nur eine Dehnung ist“, so Minkwitz, und fügt hinzu: „Man hat gesehen, dass wir zwei sehr gute Torhüter haben.“

Bei Denis Lapaczinski dagegen hat man gesehen, dass ihm etwas die Spielpraxis fehlt, dennoch hat der 26-jährige Innenverteidiger 90 Minuten durchgehalten. „Wir werden ihn genau beobachten. Er wird jetzt noch bis Mittwoch bei uns mittrainieren, danach sieht man weiter“, sagt Minkwitz, der in der Hängepartie mit Mustafa Parmak (der bis gestern krankgeschrieben war) nunmehr auf eine rasche Lösung hofft. Offenbar sind sich die Kickers mit TuS Koblenz so weit einig, dass der Wechsel möglicherweise schon heute vollzogen werden kann. Unabhängig davon trauert Minkwitz noch Mirnes Mesic (Offenbach) nach. „Ich hätte ihn gerne gehabt, weil er in der dritten Liga sicher einer der besten Stürmer ist, aber das hilft jetzt nichts mehr.“

Das letzte Vorbereitungsspiel – und damit die Generalprobe für den Saisonstart bei Wacker Burghausen – bestreiten die Kickers am Freitagabend in Adelberg gegen den künftigen Regionalligisten SSV Ulm.

Stuttgarter Zeitung

Kickers: Lapaczinski drängt sich nicht auf

Stuttgart (jüf) – Die Beine nach der Bergtour in den Allgäuer Alpen waren noch schwer. Deshalb hielten sich die Erkenntnisse von Stefan Minkwitz, dem Trainer des Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers, nach dem 1:1 im Testspiel gegen den FC Winterthur in Grenzen. Die wenigen, die es gab: Torschütze Jens Härter kann auch auf der Position vor der Abwehr spielen, und Gastspieler Denis Lapaczinski (Hoffenheim 1899 II) drängte sich nicht auf Anhieb für eine Verpflichtung auf. „Er hat nicht so überzeugt, aber seine Nebenleute waren auch kaputt“, sagte Minkwitz, der den Innenverteidiger nun noch bis Mittwoch im Training beobachten will. Zu finanzieren wäre der 26-Jährige ohnehin nur, wenn der Wechsel von Mustafa Parmak zur TuS Koblenz klappt – wonach es aussieht. „Es ist nur noch ein kleines Detail zu klären“, sagt Parmaks Berater Michael Hofstetter. Und Minkwitz ergänzt: „Die Sache nervt sehr.“Schließlich bleibt ihm vor dem Rundenstart am 26. Juli in Burghausen nur noch ein Testspiel: am kommenden Freitag (18.30 Uhr) in Adelberg gegen den SSV Ulm 1846.

Stuttgarter Nachrichten

1:1 gegen den FC Winterthur

Mit einem 1:1 Unentschieden endete der Test gegen den schweizer Zweitligisten aus Winterthur. Nach dem Rückstand in der 24. Spielminute, erzielte Jens Härter nach einer Ecke von Josip Landeka drei Minuten nach Anpfiff zur zweiten Spielhälfte den Ausgleich. Das Spiel am Samstag Nachmittag in Villingendorf bei Rottweil verfolgten ca. 350 Zuschauer.  
  
Schrecksekunde kurz nach dem Gegentor: Bendedikt Deigendesch prallte in der 28. Minute unglücklich mit Kickers-Keeper Benny Huber zusammen und musste anschließend mit Unterleibsschmerzen im Krankenhaus behandelt werden. Dort gab es aber schnell Entwarnung für den 22jährigen und nach dem freien Sonntag ist er bereits am Montag wieder beim Training dabei.

Bei den Stuttgarter Kickers war Dennis Lapaczinski als Gastspieler mit im Aufgebot . Der 26jährige spielte bereits für Hertha BSC Berlin und Hansa Rostock in der Bundesliga, davor beim VfB Stuttgart II und beim SSV Reutlingen. Seit der Saison 2006/2007 gehört er zum Kader der TSG 1899 Hoffenheim, kam dort aber hauptsächlich in der zweiten Mannschaft zum Einsatz. In der Saison 2002/2003 kam der gebürtige Reutlinger zu fünf Partien in der deutschen U21-Nationalmannschaft. Beim Testspiel der Kickers gegen Winterthur kam Lapaczinski nun über 90 Minuten zum Einsatz.
 

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StN: Kleitsch: Koordinator bei den Blauen? Parmak weiter verhindert

Stuttgart (jüf) – Einst waren die Stuttgarter Kickers im Nachwuchsbereich eine Topadresse. Die Qualifikation der ersten Mannschaft für die dritte Liga wollen die Blauen zum Anlass nehmen, wieder dorthin zu kommen. Gesamtjugendleiter Zoltan Sebescen hat der Führungsetage seine konzeptionellen Vorstellungen bereits unterbreitet, eine Rückmeldung steht noch aus. Was möglicherweise auch an einer interessanten Alternative zu dem 32-jährigen Ex-Profi liegen könnte. Hansi Kleitsch, ehemaliger A-Juniorentrainer des VfB Stuttgart und derzeit arbeitslos, ist bei den Blauen als Jugend-Koordinator im Gespräch. Ein erster Erfahrungsaustausch mit dem 56-jährigen Talentschmied fand bereits statt. Anfang nächster Woche soll eine Entscheidung fallen. Sebescen und Kleitsch dürfte sich der Verein aus finanziellen Gründen auf keinen Fall leisten können.

Unterdessen wird der Fall Mustafa Parmak immer mehr zur Posse. Am Freitag erschien der Mittelfeldspieler nun doch nicht zum Training – stattdessen wurde seine Krankmeldung ein weiteres Mal, bis zu diesem Sonntag, verlängert. Unabhängig davon, ob der 26-Jährige noch zu TuS Koblenz wechselt oder doch bei den Blauen bleibt, steht für Trainer Stefan Minkwitz fest: „Parmak schadet sich selbst am meisten.“

Stuttgarter Nachrichten

StN: Kickers: Mesic kommt nicht – dafür Lapaczinski? Kettemann verletzt

Cast vertritt die dritte Liga im DFB 

Stuttgart (jüf) – Den Wechsel von Mustafa Parmak zu Zweitligist TuS Koblenz hat Joachim Cast auch am gestrigen Donnerstag nicht erfolgreich über die Bühne bringen können. Der zuletzt krankgeschriebene Mittelfeldspieler der Stuttgarter Kickers erscheint heute erstmals zum Training. Dafür gab es für den Manager der Blauen ein Erfolgserlebnis in eigener Sache: Cast wurde auf der Staffeltagung der Drittligavereine von den Teilnehmern als Vertreter der dritten Liga in den Spielausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) berufen. Unterstützt wird der 40-Jährige dabei von Paul Jäger (Fortuna Düsseldorf) und Bernd Maas (Dynamo Dresden).

Die Mannschaft der Kickers kehrte unterdessen von ihrem Kurztrainingslager aus Tirol zurück. Einen Ausfall gibt es zu beklagen: Ralf Kettemann steht nach einem Ermüdungsbruch mindestens eine Woche nicht zur Verfügung. Dagegen wird Denis Lapaczinski (26/zuletzt Hoffenheim 1899 II) heute im Training getestet. Der Innenverteidiger wird dank einer Gastspielerlaubnis auch im Testspiel am Samstag (15 Uhr/auf dem Gelände des SV Villingendorf) gegen den FC Winterthur zum Einsatz kommen. Danach soll über eine Verpflichtung entschieden werden. Erledigt hat sich dagegen das Thema Mirnes Mesic (SC Freiburg). Die Rückholaktion klappt aus finanziellen Gründen nicht. Der 30-jährige Stürmer wird einen Dreijahresvertrag bei Drittligist Kickers Offenbach unterschreiben. Einen neuen Pressesprecher haben die Blauen dagegen gefunden: Stadionsprecher Frank Pfauth löst Guido Dobbratz ab.

Stuttgarter Nachrichten

StZ: Kickers-Stürmer Schürg

Tore pflastern seinen Weg

Stuttgart – Michael Schürg hat beim Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers bisher bestens eingeschlagen: Der Neuzugang aus Ulm erzielte in jedem Vorbereitungsspiel mindestens ein Tor. Und der Manager Joachim Cast sagt: „Er ist eben ein echter Torjäger.“

Von Joachim Klumpp

Als Michael Schürg Anfang Mai dieses Jahres schon mal mit dem SSV Ulm bei den Stuttgarter Kickers (allerdings deren zweiter Mannschaft) vorgespielt hatte, saß keiner aus der Führungsriege unter den 600 Fans im Gazi-Stadion. Die Verantwortlichen hielten parallel dazu eine Präsidiumssitzung ab. Das war insofern nicht weiter tragisch, weil der Spieler Schürg seit längerem im Notizbuch des Fußball-Drittligisten gestanden hatte und eigentlich bereits in der Winterpause nach Degerloch hätte wechseln sollen. Was an den Ablöseforderungen des Oberligisten SGV Freiberg scheiterte. Also nahm Schürg den Umweg über Ulm in Kauf, schoss den Oberligisten SSV 1846 noch schnell in die Regionalliga und verabschiedete sich nach einem halben Jahr auch schon wieder: Auftrag erfüllt.

„Ich wollte unbedingt in die dritte Liga“, sagt Schürg, das Angebot der Kickers kam da wie gerufen: „Für mich war es wichtig, dass ich in der Region bleiben konnte. Ich brauche ein gewisses Wohlbefinden.“ Seinen Bekanntenkreis also und die vertraute Umgebung. Er wohnt in Renningen, 20 Kilometer von Degerloch entfernt, besser geht es fast nicht. Da schlug der vielumworbene Torjäger sogar lukrativere Angebote aus, von den Offenbacher Kickers und dem Wuppertaler SV zum Beispiel, nachdem er für eine festgeschriebene Ablöse von 10.000 Euro den SSV Ulm trotz Vertrags bis 2009 verlassen konnte.

Die Wechsel zu den Kickers fiel nicht mehr allzu schwer, in keiner Beziehung. Richtig gravierend war dagegen die Umstellung von Freiberg zu Ulm gewesen, erinnert sich der 23-Jährige, weil plötzlich unter professionellen Bedingungen gearbeitet wurde. Zudem war aufgrund der Ablöse und seines Torriechers die Erwartungshaltung und der Druck von außen recht hoch. Dazu kam ein weitaus größeres Medieninteresse. „Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen“, sagt Schürg. Er hat es geschafft und in 16 Spielen elf Tore geschossen, in der gesamten Saison 24 Tore (auch wenn es nach seiner eigenen Rechnung nur 22 waren), das reichte zum Torjägerpokal von Toto-Lotto für den treffsichersten Stürmer Baden-Württembergs in den höheren Spielklassen, noch vor einem gewissen Mario Gomez zum Beispiel.

„Er ist eben ein echter Torjäger“, sagt der Kickers-Manager Joachim Cast. In jedem Testspiel war er zwar nur 45 Minuten am Ball, traf aber jedes Mal (in Memmingen sogar zweimal). „Ein Typ wie Mesic eben“, sagt Cast noch, wobei das Warten auf das Original vergeblich ist. Nachdem keine finanziellen Mittel von außen kamen, ist das Thema ad acta gelegt, Mirnes Mesic verhandelt inzwischen intensiv mit den anderen Kickers (Offenbach). „Wir mussten eine Entscheidung treffen – für alle Beteiligten“, sagt Cast.

Ob damit die Stürmersuche abgehakt ist? Cast sagt: „Wir haben momentan fünf Angreifer im Kader“ – und somit keine akuten Handlungsbedarf. Mit den vier Konkurrenten hat Schürg schon zusammengespielt: Tucci, Kacani, Vaccaro, Genisyürek. „Und mit allen hat es super geklappt“, sagt Schürg, der im Gespräch weitaus ruhiger als auf dem Platz wirkt, fast ein wenig schüchtern. Doch im Spiel wird Schürg zum kleinen Schurken. Unberechenbar, mit beiden Füßen schussstark, auch kopfballstark, der typische Strafraumstürmer. „Nach den bisherigen Eindrücken ist er im Sturm die Nummer eins“, sagt Cast. Der Trainer Stefan Minkwitz gibt sich etwas zurückhaltender. „Ich habe schon viele Trainingsweltmeister gesehen“, sagt der 40-Jährige, gibt aber zu: „Bisher hat er einen guten Eindruck hinterlassen, und er macht das, was er machen soll – Tore schießen.“

Dabei ist zu Hause eigentlich Tore verhindern angesagt gewesen. Der Vater war Schlussmann (in der Jugend auch bei den Kickers), später in Feuerbach – und zwischendurch Trainer des Sohnes in verschiedenen Rutesheimer Jugendteams. Nach seinem Wechsel zu Freiberg gab es für den Versicherungskaufmann den ersten und einzigen Rückschlag. Schon nach fünf Trainingseinheiten brach er sich das Wadenbein, ein halbes Jahr Pause war die Folge. Doch Schürg arbeitete an seinem Comeback – und schoss in der Rückrunde noch acht Tore.

Tore pflastern also seine Karriere. So soll es bleiben. Schließlich wollen sich die Verantwortlichen der Kickers möglichst oft persönlich ein Bild von Schürgs Qualitäten machen.

Stuttgarter Zeitung

StZ: Kickers-Fans vor dem Amtsgericht

Neun junge Männer im Alter zwischen 17 und 24 Jahren müssen sich seit gestern vor dem Stuttgarter Amtsgericht wegen vorsätzlicher Körperverletzung verantworten. Die Staatsanwältin wirft ihnen vor, am 25. November 2006 zusammen mit anderen Fans der Stuttgarter Kickers und des SSV Jahn Regensburg eine zehnköpfige Fangruppe aus Aalen angegriffen zu haben.

Die Vorfälle liegen schon lange zurück – und die Angeklagten haben mittlerweile Stadionverbot auf der Waldau. Nach Ansicht der Ermittler sei es gegen 13.40 Uhr beim Umsteigen in die Stadtbahnlinie U 7 am Bopser zu einer Schlägerei gekommen: Ein 18-Jähriger soll als „Rädelsführer“ einem Aalener Fan in den Bauch getreten haben, und als der zu Boden ging, auch weitere Fußtritte getätigt haben. Ein weiterer Aalener soll von der Gruppe umgestoßen worden sein. Auf der Waldau sollen die Fußballfans erneut geschubst und getreten haben. Konkret benannt werden in der Anklage aber nur die Taten von drei Angeklagten.

Das Spektrum der Angeklagten ist weit: Drei aus dem Kreis Ludwigsburg kennen sich von gemeinsamen Bandproben, einer hat gerade sein Abitur gemacht, ein weiterer besucht noch das Gymnasium. Einer ist Koch, ein anderer Bäckergeselle mit Hobby Segelfliegen, ein dritter spielt Trompete in der Kirche und möchte Industriekaufmann werden. Fußball ist ihr Hobby – doch keiner macht den Eindruck, auf Randale und Schläge aus zu sein. Der angebliche Rädelsführer erzählt dem Jugendrichter, die Aalener Fans hätten sie schon im Hauptbahnhof provoziert und in der Stadtbahn beleidigt. An der Haltestelle Bopser habe er einem in den Bauch getreten – der Rest sei aber gegenseitiges Geschubse gewesen. An drei weiteren Verhandlungstagen sollen Zeugen zur Aufklärung beitragen.jan

Stuttgarter Zeitung

StZ zum zweitligareifen Stadionausbau und erhöhter Stadionmiete

Zweitligataugliches Stadion für drittklassige Vereine?

Kickers regen Neubau der Haupttribüne an – Stadt favorisiert „kleine“ Sanierung für 5,4 Millionen Euro – Weiterer Ausbau möglich

Vor wenigen Wochen haben die Stuttgarter Kickers bereits mit einem Fuß in der vierten Liga gestanden. In letzter Sekunde wurde Schlimmeres verhindert. Im Zusammenhang mit der Sanierung des Gazi-Stadions träumt man jetzt aber von der zweiten Liga.

Von Jörg Nauke

Vor einem Monat stand der Stuttgarter Traditionsverein am Abgrund, und hätten am letzten Spieltag nicht alle Widersacher (und die Kickers selbst) für die „Blauen“ gespielt, dann wäre er jetzt sogar einen Schritt weiter. So aber wurde in letzter Sekunde die Qualifikation für die neu geschaffene dritte Bundesliga geschafft und die Zugehörigkeit zum bezahlten Fußball erhalten. Das gilt im Übrigen auch für die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart, die wegen der zu beengten Verhältnisse in ihrem Schlienzstadion am Wasen künftig auch auf der Waldau spielen muss.

Diese Umstände zwingen die Stadt nun, die Spielstätte Gazi-Stadion entsprechend der Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) „zur Erfüllung der baulichen und technischen Anforderungen“ zu modernisieren. Da die erste Drittligasaison schon in Kürze beginnt, hat die Stadt bereits notwendige provisorische Umbauten veranlasst. Weil mit dem sportlichen Aufstieg auch die Gefahr von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen heimischen und auswärtigen Fans steigt, wird unter anderem die Polizei ein eigenes Revier mit Zellen am Stadion bekommen, vorerst in Containern.

Der Gemeinderat soll in der kommenden Woche vom Raumprogramm Kenntnis nehmen und der Sportverwaltung grünes Licht für einen Ausbau mit Kosten von 5,4 Millionen Euro geben. Er beinhaltet: die beidseitige Erweiterung der Haupttribüne um 2000 Einzelsitzplätze, die Sanierung derselben und den vollständigen Neubau des Tribünendachs, so dass dort alle Besucher im Trockenen sitzen würden; den Neubau einer Sicherheitszentrale für Polizei, Ordnungsdienst, Feuerwehr und Sanitäter; Wärmedämmung, neue Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektro und ausreichende Notstromversorgung sowie der Bau eines WC-Bereichs für die Besucher.

Dass das altehrwürdige Stadion drittligatauglich gemacht werden sollte, ist im Gemeinderat trotz anderer dringend notwendiger Maßnahmen wie die Sanierung des Eislaufzentrums Waldau unstrittig. Dass nun aber nach einem Gespräch mit den Kickers-Bossen die Fraktionen mit einem Antrag an die Verwaltung herangetreten sind, in dem die Frage nach Kosten für eine noch weiter gehende Sanierung gestellt wird, die den Nutzern „eine bessere wirtschaftliche Basis ermöglichen kann“, wurde im Rathaus mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Schließlich stand kürzlich auch noch ein Verzicht auf jedwede Sanierung zur Debatte.

Es wird in der Sitzung am 17. Juli konkret darum gehen, ob das Stadion mit seinen Drittligisten in einem ersten Schritt so ertüchtigt wird, dass man sich die Möglichkeit erhält, es im Erfolgsfall zweitligatauglich zu machen. Dafür braucht es eine Rasenheizung, die Erhöhung der Kapazität auf 15 000 Zuschauer und weitere 1000 Sitzplätze. Weil man mit der von der Stadt favorisierten Sparvariante nicht auf das geforderte Sitzplatzkontingent käme, sondern nur mit Abriss und Neubau der Haupttribüne, steht ein wegweisender Beschluss an, der Mehrkosten von einer Million Euro (Gesamtaufwand dann 6,4 Millionen Euro) bedeuten würde. Würden die Kickers aufsteigen, müssten zur Erfüllung der Auflagen aber noch einige Tausend Stehplätze geschaffen werden. Das ginge dann noch einmal richtig ins Geld.

Stuttgarter Zeitung

Kickers und das Geld
Nach der Sanierung des Gazi-Stadions müssen die Kickers doppelt so viel Miete an die Stadt bezahlen wie bisher, nämlich 40 000 Euro pro Saison. Das gilt auch für die VfB-Amateure. Nach Abschluss der Umbaumaßnahmen ist eine Erhöhung um weitere 10 000 bis 15 000 Euro geplant. Außerdem ist die Stadt an den Gastronomieeinnahmen beteiligt. Sie rechnet mit rund 20 000 Euro pro Saison, so dass insgesamt rund 100 000 Euro in die Stadtkasse fließen werden.

Mehr ist von den Kickers jedoch nicht zu holen. Der Gemeinderat muss in der nächsten Sitzung sogar beschließen, dass dem Verein weiter die Rückzahlung seiner Schulden aus dem Stadionumbau 1997 gestundet wird. Zwei Drittel dieser Kosten von rund 2,5 Millionen Euro entfielen auf die Stuttgarter Kickers, die Rückzahlung sollte in 17 Jahresraten à 153 387 Euro erfolgen. Nachdem die „Blauen“ 383 468 Euro abbezahlt hatten, erfolgte der Abstieg in die Regionalliga und das vorläufige Ende der Tilgungsleistung. 2004 wurden die Namensrechte am Waldau-Stadion für eine Million Euro 2004 veräußert, die Hälfte davon floss in die Schuldentilgung. Mittlerweile sind aus dem ursprünglichen Betrag von 1,687 Millionen Euro 883 000 Euro bezahlt und noch 804 000 Euro offen.jon

Stuttgarter Zeitung