StZ: Nachgefragt bei Joachim Cast

„So etwas wie ein Kultspiel“

Die Stuttgarter Kickers empfangen am Samstag (14 Uhr) in der dritten Fußballliga Dynamo Dresden. Das Spiel ist nicht nur wegen des letzten Tabellenplatzes der Kickers brisant, sondern auch unter Sicherheitsaspekten. „So ein Spiel hatten wir hier noch nie, was die Rahmenbedingungen angeht“, sagt der Kickers-Manager Joachim Cast im Gespräch mit Joachim Klumpp.

Herr Cast, am Samstag steht die Begegnung gegen Dynamo Dresden an. Ist denn da mit einem neuen Zuschauerrekord in dieser Saison zu rechnen, nachdem bereits zweitausend Karten an die Gäste aus Sachsen gegangen sind?

Das ist schwer zu sagen, im Moment sind in Dresden etwa 800 Karten verkauft. Aber erfahrungsgemäß kommen viele ihrer Fans ohne Karten, außerdem hat Dynamo etliche Anhänger hier im Umland, die sich die Karten vor Ort kaufen werden. Aber natürlich rechnen wir insgesamt mit mehr als 5000 Zuschauern, nachdem unsere Bestmarke gegen den VfB 5875 Besucher betragen hat.

Wie sehen die Sicherheitsbedingungen aus, nachdem die Dynamo-Anhänger vor kurzem bei der Partie in Jena aus der Rolle gefallen sind?

Wir hatten diesbezüglich letzte Woche bereits zwei Besprechungen mit den Behörden hier und noch einen Ortstermin am Donnerstag mit Vertretern des Deutschen Fußball-Bundes. Im Moment ist alles getan, was getan werden kann.

Wie sehen die Maßnahmen konkret aus?

Zunächst einmal wird der Ordnungsdienst bei uns auf rund 250 Mann aufgestockt, nachdem er normalerweise rund achtzig Leute umfasst. Dazu müssen zum Beispiel zusätzliche Dixi-Toiletten und Zäune im Gästeblock installiert werden.

Und wer übernimmt dafür die Kosten?

Für die Maßnahmen vor Ort ist die Stadt zuständig, aber es kann durchaus sein, dass auch auf den Verein noch Kosten zukommen. Da hoffen wir aber auf ein Entgegenkommen der Stadt – bisher haben wir immer eine Lösung gefunden.

Gab es denn bisher schon etwas Vergleichbares wie diese Partie?

So ein Spiel hatten wir hier noch nie – was die Rahmenbedingungen angeht. Es ist ja so, dass Dresden schon mal gegen die Kickers gespielt hat, aber noch zu Bundesligazeiten im damaligen Neckarstadion. In Degerloch waren sie noch nie – und offensichtlich ist das so etwas wie ein Kultspiel für die Fans.

Gibt es denn noch etwas Neues im Nachspiel zum Derby, das kurz unterbrochen werden musste?

Im Moment nicht. Wir – und auch der VfB – haben unsere Stellungnahme ja bereits am vergangenen Dienstag an den DFB geschickt. Ich denke, dass es diese Woche noch eine Entscheidung gibt – will jetzt aber nicht spekulieren, wie die ausfallen könnte.

Stuttgarter Zeitung

Presse zu Wuppertaler SV – Stuttgarter Kickers (3:3)

Trainer Schmitt: „Wie eine Neurose“

Das Kickers-Trauma der späten Gegentore geht auch beim 3:3 in Wuppertal weiter

STUTTGART. Der Kickers-Trainer Edgar Schmitt ist nach dem 3:3 in der dritten Liga am Freitagabend in Wuppertal bedient gewesen. „Ich bin enttäuscht und verärgert zugleich“, sagte der Chefcoach, der in der Winterpause gerne einen Abwehrchef verpflichten möchte.

Von Joachim Klumpp

Freitag, der 13. – das konnte ja nicht gutgehen. Der 13. Spieltag der dritten Liga jedenfalls brachte den Stuttgarter Kickers kein Glück und damit auch nicht den erhofften ersten Saisonsieg. Das 3:3 war bereits das fünfte Remis in sechs Spielen unter der Ära Edgar Schmitt, und in diesem Fall eindeutig eine gefühlte Niederlage.

Der Innenverteidiger Marcus Mann war jedenfalls auch am Tag danach noch wie geschockt . „Das tut richtig weh.“ Ähnlich sah es auch sein Trainer Edgar Schmitt: „Ich bin nicht nur enttäuscht, sondern auch verärgert.“ Darüber, dass es die Mannschaft – zum wiederholten Male – nicht verstanden hat, einen scheinbar sicher geglaubten Sieg über die Runden zu bringen. 3:1 stand es nach 83 Minuten durch Gambos Treffer. „Das ist fast schon wie eine Neurose“, sagt der Trainer, nach dem Motto: wir packen es doch nicht.

„Darüber müssen wir mit den Spielern sprechen.“ Sie weiter starkreden, bis es reicht. Denn zumindest eines stimmt positiv: die Mannschaft hat gezeigt, dass sie mit allen Clubs mithalten kann. Und das könnte noch der entscheidende Vorteil zu den Abstiegskonkurrenten wie Burghausen und Regensburg werden, die gegen Spitzenteams schon deutliche Niederlagen einstecken mussten. Dennoch weiß auch der Trainer: „Wir müssen langsam einmal anfangen zu gewinnen.“ Unentschieden helfen auf Dauer nicht weiter.

Im Gegenteil. In der Art und Weise vom Freitag bauen sie das Selbstvertrauen der Mannschaft nicht gerade auf. Die spielerisch limitierten Gastgeber versuchten es immer wieder mit langen Bällen auf Dirk Heinzmann – mit Erfolg. „Wir haben kein einziges Kopfballduell gewonnen“, sagt Schmitt und nimmt deshalb verstärkt seine Abwehrspieler in die Pflicht: „Da muss ich mir als Gegenspieler auch mal etwas einfallen lassen und aggressiv zur Sache gehen, aber die gegnerischen Stürmer haben keine Angst vor uns.“ Marcus Mann weiß, dass defensiv nicht alles nach Plan läuft: „Da sind wir als Verteidiger schon gefordert.“ Aber im Moment spielt die Angst mit, speziell bei Flanken. Schmitt ist vor dem letzten Freistoß schon freiwillig in Richtung Kabine gegangen, „weil ich wusste: da passiert was“.

Wie lange der Trainer noch so zuschaut? Im Moment sind ihm personell die Hände gebunden, aber spätestens in der Winterpause, wenn der Transfermarkt noch einmal geöffnet ist, besteht Handlungsbedarf. „Wir brauchen einen Abwehrchef“, sagt Schmitt, „wenn möglich, sollten wir auf dieser Position etwas tun.“ Weder Jens Härter, noch Marcus Mann noch Marcel Rapp traut der Trainer diese Rolle offensichtlich zu, und auf den Außenverteidigerpositionen ist der Kader sowieso schon dünn besetzt.

Doch bei allen Problemen in der Defensive sollte nicht vergessen werden, dass die Mannschaft nach vorne durchaus höheren Ansprüchen genügt. „Ich denke, da gehören wir vielleicht sogar zum oberen Drittel der Liga“, sagt Schmitt, der in Wuppertal vor allem von Orlando Smeekes angetan war. Der Niederländer bereitete nicht von ungefähr das erste Tor vor und markierte das zweite selbst. „Er war richtig stark und wird noch besser, sobald er hundertprozentig fit ist.“

Auch mit Rosen und Gambo, selbst Vaccaro und Schürg ist Schmitt zufrieden. „Es gibt tausend Sachen, die richtig gut sind.“ Aber leider eine, die ganz schlecht ist: die Kickers bekommen zu viele Gegentore. Und mit dem Resultat aus Wuppertal haben sie auch noch einen (unrühmlichen) Vereinsrekord aufgestellt: 13 Spiele in Serie ohne Sieg.

Wuppertal: Maly – Weikl (30. Erfen), Barg, Markolf, Stuckmann – Schäfer – Reichwein (46. Damm), Jerat, Lejan – Altin (46. Rietpietsch) – Heinzmann.

Stuttgart: Salz – Reiß, Mann, Ortlieb, Landeka (67. Härter) – Rosen, Gambo, Kettemann – Traut, Vaccaro (46. Schürg), Smeekes (64. Deigendesch).

Stuttgarter Zeitung

Schmitt fordert neuen Abwehrchef
Ohne Verstärkung sieht Kickers-Trainer für die Blauen schwarz

Wuppertal/Stuttgart – Wieder sah die Defensive schlecht aus, wieder gab es zwei späte Gegentore. Nach dem 3:3 beim Wuppertaler SV steht für Trainer Edgar Schmitt fest: Ein neuer Abwehrchef ist für die Stuttgarter Kickers in der dritten Liga überlebenswichtig.

VON JÜRGEN FREY

Am Samstag suchte Edgar Schmitt ein bisschen Ablenkung und schaute sich die Bundesligapartie VfB Stuttgart gegen 1. FC Köln an. Ein Mann stach ihm dabei besonders ins Auge: Matthieu Delpierre. „Genau so einen brauchen wir“, sagte der Kickers-Coach nach einer Stippvisite in der Mercedes-Benz-Arena. Natürlich weiß Schmitt, dass dies so realistisch ist wie der Sprung der Blauen in die Champions League. Doch was er damit sagen will: Ein Hüne wie der 1,93 m große Franzose fehlt den Kickers im Abwehrzentrum. „Wir brauchen einen kopfballstarken Führungsspieler in der Innenverteidigung, sonst schaffen wir es nicht, das sieht doch jeder“, erklärt Schmitt.

Die nackten Zahlen jedenfalls sind eindeutig. Die Abteilung Attacke funktioniert: In den sechs Spielen unter seiner Regie gab“s 13 Tore. Das ist gehobenes Drittliganiveau. Doch hinten klingelte es insgesamt schon 30-mal. Das Ärgerliche daran: In Wuppertal verschenkten die Blauen zum sechsten Mal in dieser Saison in der Schlussphase wertvolle Punkte. „Wir lassen uns völlig amateurhaft hintenreindrängen, es fehlt einer, der das Team führt, körperlich präsent ist und die Abwehr dirigiert“, betont Schmitt – und ergänzt: „Mit so einem Spieler an ihrer Seite würden auch unsere restlichen Verteidiger wachsen.“

Das Problem: Ein erfahrener Abwehrchef kostet Geld. Geld, das die Kickers eigentlich nicht haben. Selbst ein Mann wie Kandidat Mischa Welm, der bei Schmitts Ex-Club VfR Aalen in die zweite Mannschaft abgeschoben wurde, wäre bei den Blauen ein Topverdiener. Doch Schmitt bleibt hartnäckig. „Es geht um die Zukunft des Vereins, da muss man auch mal ins Risiko gehen.“ Was Dirk Eichelbaum zu diesem Thema sagt? Erst einmal zuckt er leicht zusammen, dann spielt der Präsident auf Zeit: „Jetzt lassen wir mal die Winterpause kommen, dann analysieren wir, wer zu welchem Preis auf dem Markt ist.“ Sieben Spiele sind es noch vor Weihnachten. Sieben Spiele, in denen der aktuelle Kader alles dafür tun muss, damit der Abstand ans rettende Ufer nicht zu groß wird. Eichelbaum ist optimistisch: „Jetzt kommen die Duelle gegen Teams auf Augenhöhe.“ Eine Garantie für den ersten Saisonsieg ist dies aber noch lange nicht.

Stuttgarter Nachrichten

„Hinten zu naiv“

Stuttgarter Kickers verspielen beim 3:3 in Wuppertal kurz vor Schluss den Sieg

Wuppertal (hag) – Auch im 13. Anlauf hat es für die Stuttgarter Kickers nicht geklappt mit dem ersten Sieg in der dritten Fußball-Liga. Beim 3:3 (0:1) beim Wuppertaler SV waren die Kickers wieder mal nahe dran.

Bis kurz vor Schluss lagen die Kickers mit 3:1 vorne und waren zudem „die gefährlichere und bessere Mannschaft“, wie Trainer Edgar Schmitt betont. Die Tore von Angelo Vaccaro (4.), Orlando Smeekes (50.) und Bashiru Gambo (84.) schienen zu reichen, weil Wuppertal abgesehen vom Anschlusstreffer von Dirk Heinzmann (61.) nach vorne wenig zustande brachte. Am Ende kam es aber knüppeldick für die Stuttgarter: Erst verwandelte Heinzmann einen Foulelfmeter (86.), dann köpfte Michael Stuckmann in der Nachspielzeit zum 3:3-Endstand ein. „Wir sind hinten zu naiv gewesen“, bedauert Schmitt. „Wenn man so einen Mist baut in den letzten fünf Minuten.“

Mit dem Offensivspiel des Teams, das mit einem 4-3-3-System antrat, war der Trainer zufrieden, „da brauchen wir uns vor keinem zu verstecken“. Auch die konditionellen Mängel seien mittlerweile behoben, „wir sind topfit über 90 Minuten“. Als Baustelle bleibt die Defensive. „Große Defizite im Abwehrbereich“ hat Schmitt in Wuppertal gesehen. Dennoch blickt er zuversichtlich in die Zukunft. „Die Mannschaft gibt immer wieder Gas. Es ist eine logische Konsequenz, dass wir irgendwann gewinnen.“

Stuttgarter Kickers: Salz – Reiß, Mann, Ortlieb, Landeka (67. Härter) – Rosen, Gambo, Kettemann – Traut, Smeekes (64. Deigendesch), Vaccaro (46. Schürg).

Eßlinger Zeitung

Kickers vergeben zweifache Führung

Wuppertaler Last-Minute-Punkt
Für die Stuttgarter Kickers hat es erneut nur für ein Unentschieden gereicht. Gegen kämpfende Wuppertaler vergaben die Schwaben zwei Führungen und mussten sich letztendlich mit einem Punkt zufrieden geben.

Der Wuppertaler Trainer Christoph John schickte dieselbe Elf auf den Platz, die am Dienstag in Paderborn einen 1:0-Erfolg eingefahren hatte. Bei den Stuttgarter Kickers hingegen gab es nach dem 2:2-Remis gegen Union drei Veränderungen, gleich zwei davon in der Viererabwehrkette: Für Deigendesch rückte Reiß auf die rechte Seite, und Ortlieb stand für Rapp in der Innenverteidigung. Im Sturm sollte Smeekes anstelle von Schürg für Tore sorgen.

Die Kickers fanden schnell zu ihrem Spiel und gingen bereits nach fünf Minuten nach einem Zuspiel von Smeekes durch einen Treffer ihres Goalgetters Vaccaro in Führung. Zwar fanden die Wuppertaler bis zur Halbzeitpause besser in die Partie, zwingende Chancen der Gastgeber blieben jedoch Mangelware. Und auch die Kickers verpassten es in dieser Phase, weiter Druck zu machen, um die Führung auszubauen.

Erst in der zweiten Hälfte übernahmen die Gäste die Partie: In der 50. Minute konnte der Vorbereiter des ersten Tors, Smeekes, einen Abpraller zum 2:0 verwandeln. Nach dem zweiten Treffer ließen die Stuttgarter den Gastgebern zu viel Platz. Dadurch gelang Heinzmann, der von Damm bedient wurde, der 1:2-Anschlusstreffer (62.). In der Schlussphase wurde es dann noch einmal spannend: Zunächst stellte Bashiru Gambo in der 85. Minute mit dem 3:1 aus kürzester Distanz den Zwei-Tore-Vorsprung wieder her. Doch Wuppertal wehrte sich gegen die drohende Niederlage: Ein Foul von Mann an Stuckmann im Sechzehner brachte den Gastgebern nach 87 Minuten einen Elfmeter, den Heinzmann sicher zum erneuten Anschlusstreffer verwandelte. Kurz vor dem Abpfiff war es erneut eine Standardsituation, die für den Endstand sorgte: Stuckmann köpfte einen Freistoß zum 3:3-Endstand ins Tor.

Wuppertal erwartet am Samstag eine schwere Partie: Sie treffen in Düsseldorf auf den Tabellen-Dritten. Die Stuttgarter Kickers empfangen ebenfalls am Samstag Dynamo Dresden.

Kicker

Gute Karten für „Air-Heinzi“

von Thomas Besche

Nach seinen beiden Tore gegen die Kickers dürfte der Stürmer auch im Derby gegen die Fortuna erste Wahl sein.

Wuppertal. „Teamgeist und Moral sind da. Es wächst etwas zusammen“, sagt WSV-Trainer Christoph John und zieht ein positives Fazit einer anstrengenden englischen Woche. „Wir haben tüchtig Punkte geholt und uns in unseren Leistungen deutlich verbessert. Das Paderborn-Spiel hat das Selbstvertrauen gestärkt. Aber das Spiel gegen die Stuttgarter Kickers hat auch gezeigt, dass wir zu 100Prozent konzentriert sein müssen und nicht nachlassen dürfen“, so John. Der Kräfteverschleiß beim 3:3 gegen die Kickers war unverkennbar.

Ziel für das Derby gegen Fortuna Düsseldorf am kommenden Samstag in der LTU-Arena sei es, wieder mit einer ausgeruhten und frischen Mannschaft anzutreten. „Im Derby geht’s hoch her. In Düsseldorf müssen wir kompakt wie in Paderborn stehen. Wir können nicht davon ausgehen, jedes Mal ein Spiel zu drehen. Fortuna ist ein anderes Kaliber.“

Michael Stuckmann ging bereits mit einem grippalen Infekt ins Stuttgart-Spiel und wird die nächsten Trainingseinheiten pausieren. „Er ist im Moment eine Bank in der Abwehr und dazu auch noch gefährlich. Er ist in der Rolle des Leistungsträgers nicht wegzudenken“, sagt WSV-Trainer Christoph John. Tim Jerat zog sich eine Hüftprellung zu und wird ebenfalls mit dem Training aussetzen. Christopher Mahrt plagte zuletzt eine Mandelentzündung.
Wesentlichen Anteil daran, dass der WSV trotz eines 1:3-Rückstandes nach 84 Minuten noch ein 3:3 gegen die Kickers holte, hatte Stürmer Dirk Heinzmann mit seinen beiden ersten Saisontoren. „Er kam in den ersten Wochen weniger zur Geltung, aber wir wissen um seine Bedeutung innerhalb der Mannschaft und um seine Kopfballstärke.

Am Freitag hat für ihn alles gepasst“, sagt John über „Air-Heinzmann“, der ein Zuspiel von Tobias Damm verwertete und einen Elfmeter sicher verwandelte. Die Elfer schießt normalerweise Marcel Reichwein. Doch der war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr im Spiel. „Ich war mir bei Heinzi 100prozentig sicher, denn er hat auch im Training eine sehr gute Quote. Er hat sich gegen die Kickers empfohlen, ein gutes Bewerbungsschreiben abgegeben“, meint John, ohne dem gebürtigen Düsseldorfer für den kommenden Samstag eine Auflaufgarantie zu geben.

Das hängt wie immer von Johns taktischer Ausrichtung ab. „Reichwein hat gegen Paderborn getroffen, Heinzmann zweimal gegen die Kickers. Wichtig ist, dass die Stürmer das Gefühl haben, dass sie wieder treffen“, sagt John.

Westdeutsche Zeitung

Vorberichte Wuppertaler SV – Stuttgarter Kickers

Geht es nach Edgar Schmitt müssen sich seine Stuttgarter Kickers heute im Auswärtsspiel beim Wuppertaler SV (19 Uhr) gar nicht besonders steigern, sondern genauso stark spielen wie in den letzten 65 Minuten am Dienstagabend beim 2:2 gegen Union Berlin. „Weil wir so gut waren, konnte Union nur schlecht spielen“, sagt der Kickers-Trainer: „So werden wir auch in Wuppertal erfolgreich sein und den ersten Sieg holen.“

Stuttgarter Zeitung

Schmitt riskiert seine Stimme
Kickers-Trainer redet seine Mannschaft vor dem Spiel in Wuppertal stark

Stuttgart – Die englische Woche in der dritten Fußball-Liga hat den Stuttgarter Kickers eine Niederlage und ein Unentschieden beschert. Als krönender Abschluss wäre ein Sieg herzlich willkommen, doch Gegner Wuppertal hat zuletzt eine erfolgreiche Miniserie gestartet.

VON JÜRGEN KEMMNER

Edgar Schmitts Stimme ist stark angegriffen. Das überrascht nicht: Die Stimmbänder des Kickers-Trainers sind in den vergangenen Wochen fast im Dauereinsatz – während der Spiele und besonders im Training. Der 45-Jährige muss seine Männer starkreden. „Es herrscht eine Verunsicherung im Team, ich muss die Jungs locker bekommen und ihnen die Angst nehmen.“ Der Coach geht vor der Partie am heutigen Freitag (19 Uhr) beim Wuppertaler SV mit bestem Beispiel voran und demonstriert Selbstbewusstsein satt. „Warum wird behauptet, wir seien beim 2:2 gegen Union Berlin nur deshalb so gut gewesen, weil die schlecht waren? Ich denke, dass wir wirklich stark waren.“

Mag sein. Allerdings haben nicht nur die Blauen ihre Psyche aufgefrischt, auch Wuppertal befindet sich im mentalen Höhenflug nach sieben Punkten in drei Spielen, darunter der Sieg in Paderborn. Der Wunsch, dass Wuppertal das Schlusslicht aus Degerloch unterschätzen möge, kommt Schmitt nicht in den Sinn. Wäre auch kontraproduktiv – wer seinem Team Lektionen in Sportpsychologie erteilt, geht selbstverständlich mit gutem Beispiel voran. „Wir vertrauen auf unser Potenzial und müssen nicht auf den Gegner schauen“, sagt der Coach.

Es mag ja zutreffen, dass Spiele vor allem im Kopf gewonnen werden, aber Fußball ist kein Schach, und deshalb geht“s ganz ohne Technik und Kondition nicht. Ziel Nummer eins für Schmitt: Die Kickers müssen über die vollen 90 Minuten auf dem Platz präsent sein. „Noch haben wir immer einen Durchhänger“, sagt er, „mal zu Beginn, mal gegen Ende – aber wir entwickeln uns in die richtige Richtung. Das geht nicht im Handumdrehen.“ Es dauert, bis Schmitts hartes Training erste positive Auswirkungen zeigt. Darüber hinaus stehen viele junge Spieler im Kader, die sich an die dünne Luft in der dritten Liga gewöhnen müssen. Der Lernprozess läuft auf psychischer und physischer Ebene, ein Sieg in Wuppertal würde ihn beschleunigen. Um den zu erreichen, riskiert Schmitt gern auch seine Stimme.

Stuttgarter Nachrichten

Beim Tabellen-13. Wuppertaler SV wollen die Stuttgarter an die zuletzt gegen Union Berlin (2:2) gezeigte Leistung anknüpfen. Trainer Edgar Schmitt will allerdings ein bis zwei Veränderungen in der Startformation vornehmen. Zum einen, um nach dem kraftraubenden Spiel am Dienstag die Belastungen innerhalb der Mannschaft „etwas umzuverteilen“ (Pressesprecher Frank Pfauth), zum anderen, um offensiver zu spielen. Schmitt plant mit einem 4-3-3-System statt dem bisherigen 4-2-2. Als dritter Stürmer wird wohl Orlando Smeekes ins Team rücken. In der Innenverteidigung könnte Jens Härter anfangen, der gegen Berlin für Marcel Rapp eingewechselt wurde. Ausfälle haben die Kickers, abgesehen von den Langzeitverletzten, keine zu beklagen.

So wollen sie spielen: Salz – Deigendesch, Mann, Härter, Landeka – Traut, Gambo, Rosen – Vaccaro, Schürg, Smeekes.

Eßlinger Zeitung

StZ: Ein Team mit zwei Gesichtern

Die Kickers zeigen in der dritten Liga keine Konstanz und warten weiter auf den ersten Saisonsieg

STUTTGART. Zwei völlig unterschiedliche Spielhälften haben die Stuttgarter Kickers am Dienstagabend gegen den Tabellenführer Union Berlin (2:2) gezeigt. Dieses Problem zieht sich schon durch die ganze Saison. Auch der neue Kickers-Trainer Edgar Schmitt ist ratlos.

Von Marco Seliger

Edgar Schmitt ist genervt gewesen. Schon eine halbe Minute lang klingelte im Presseraum nach dem Spiel gegen Union Berlin ein Handy, ohne dass jemand abgenommen oder den Anruf unterdrückt hätte. „Kann das jetzt mal jemand ausschalten, das ärgert mich“, sagte Schmitt. Das Handy verstummte, die Pressekonferenz war beendet und Schmitt konnte nach Hause gehen, um seine heiseren Stimmbänder auszukurieren. Wenn doch nur alles so einfach zu lösen wäre.

Die Probleme seiner Mannschaft sind im Gegensatz zu einem Handy nämlich nicht so einfach abzuschalten. Zwar spielten die Stuttgarter Kickers gegen den Tabellenführer aus Berlin eine Stunde lang sehr gut und erreichten nach dem 0:2-Rückstand noch das 2:2. Erschreckend war aber auch die desolate Vorstellung in der ersten halben Stunde. Die Kickers zeigen momentan in schöner Regelmäßigkeit zwei Gesichter in einem Spiel. Zu Beginn der Saison waren die Gegentore in den Schlussphasen noch das Problem, jetzt ist es die mangelnde Konstanz. Die Kickers spielen in einem Spiel erst desolat und dann überragend. Oder umgekehrt.

Bei Bayern München II führten die Stuttgarter 3:0, um dann in den letzten 20 Minuten noch einzubrechen und den Ausgleich zu kassieren. Im Derby gegen den VfB II erreichten die Kickers nach deprimierender erster Hälfte und dem 1:4-Rückstand noch ein 4:4. Bei den Offenbacher Kickers waren sie in der ersten Stunde spielbestimmend, brachen dann aber ein und mussten noch vier Gegentore hinnehmen. Und jetzt lief das Spiel gegen Berlin wieder nach umgekehrtem Strickmuster: erst schlecht, dann gut.

Der Kickers-Trainer Edgar Schmitt verweist bei kritischen Nachfragen gerne darauf, dass viele seiner Spieler aus der Oberliga gekommen sind und den höheren Rhythmus nicht gewohnt seien. Die Einstellung sei nicht das Problem, sagt Schmitt, auch nicht die Kondition wie zu Beginn der Saison: „Wir haben uns in den vergangenen Wochen psychisch und physisch weiterentwickelt und die Schlagzahl erhöht. Wir sind immer näher dran an einem Sieg.“ Der wird auch bald nötig sein – sonst verlieren die Kickers den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze. Nach zwölf Saisonspielen warten die Stuttgarter immer noch auf den ersten Sieg und sind mit fünf Punkten weiter Tabellenletzter.

Der starke Auftritt gegen Berlin nach der ersten halben Stunde sollte dabei Mut machen – auch wenn das Unentschieden sicher auch dadurch möglich wurde, dass die Berliner nach dem 2:0 viel zu lässig spielten. „Wir haben uns auf der sicheren Seite gewähnt und nur noch Hacke-Spitze-eins-zwei-drei gespielt, das geht einfach nicht“, sagte der Berliner Trainer Uwe Neuhaus. Man müsse sich in jedem Spiel die Punkte neu erarbeiten. Dass für die Berliner immerhin noch ein Punkt bei den Kickers herausgesprungen ist, verdanken sie neben einer starken Leistung des Torhüters Jan Glinker auch dem eingewechselten Kickers-Neuzugang Orlando Smeekes. Der hatte in der Nachspielzeit die große Chance zum 3:2. Smeekes lief von halbrechts allein auf Glinker zu und hätte in die Mitte zum besser postierten Benedikt Deigendesch passen müssen.

Der Trainer Edgar Schmitt hatte in der Vorwoche Smeekes“ zu komplizierte Spielweise kritisiert – gegen Berlin hätte ein einfacher Pass in die Mitte gereicht, um den Trainer milder zu stimmen. „Da hätte er rüberspielen müssen, das kann ich einfach nicht verstehen“, sagte Schmitt. Ob Smeekes morgen beim Wuppertaler SV die Chance bekommt, seine Sache besser zu machen, ist daher fraglich. Die Wuppertaler gewannen am Dienstag überraschend mit 1:0 beim Meisterschaftsfavoriten SC Paderborn.

„Wir müssen das Positive aus dem Berlin-Spiel mitnehmen“, sagte der Kickers Manager Joachim Cast. Das haben sich die Kickers in den vergangenen Wochen aber schon einige Male vorgenommen – und es nicht umsetzen können. „Wir können das schaffen, und wir werden es schaffen“, sagt Edgar Schmitt – was soll er auch sonst sagen. Der Trainer will bis zur Winterpause „17 oder 18 Punkte“ auf dem Konto haben. Dazu müssten die Kickers aus den verbleibenden acht Spielen mindestens vier gewinnen. Dazu braucht es aber dringend eines: Konstanz.

Stuttgarter Zeitung

Presse zu Stuttgarter Kickers – Union Berlin (2:2)

Kickers erkämpfen sich einen Punkt

Vaccaro schießt die Stuttgarter mit zwei Elfmetern zum 2:2 gegen den Tabellenführer Union Berlin

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers haben gegen den Spitzenreiter der dritten Liga, Union Berlin, nach einem 0:2-Rückstand noch ein 2:2 erreicht. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte der Stuttgarter Torschütze Angelo Vaccaro.

Von Marco Seliger

Es hat wohl kaum jemanden gegeben, der nach dieser ersten halben Stunde damit gerechnet hatte, dass die Stuttgarter Kickers noch einmal zurückfinden würden in dieses Spiel gegen den Spitzenreiter Union Berlin. Karim Benyamina hatte in den ersten 30 Minuten zwei Tore für die Berliner erzielt, außerdem spielte Union eine Klasse besser als die Gastgeber. Doch Angelo Vaccaro schaffte es mit seinen beiden verwandelten Foulelfmetern, dass die Serie des Tabellenführers nach vier Siegen in Folge riss – und das ausgerechnet beim Schlusslicht in Stuttgart. „Wir sind auf dem richtigen Weg. Irgendwann werden wir das Quäntchen Glück haben und so ein Spiel mit einem Tor Unterschied gewinnen“, sagte Vaccaro.

Zunächst sah jedoch alles nach einem klaren Favoritensieg aus: Berlin spielte schnell nach vorne, und die Kickers-Defensive war überfordert. Schon nach neun Minuten hätte Marco Gebhardt fast die Berliner Führung erzielt. Eine Minute später war es dann so weit. Nach einer Kombination über die linke Seite passte Gebhardt in die Mitte, wo Karim Benyamina das 1:0 erzielte.

Es war erschreckend, wie bieder die Kickers zunächst nach vorne spielten und wie unsicher die Defensive stand. Nach zwei ungenutzten Berliner Torchancen machte Benyamina nach einer halben Stunde sein zweites Tor. Wieder hatte Gebhardt den Treffer vorbereitet, der Außenverteidiger Benedikt Deigendesch war überfordert mit dem doppelten Vorlagengeber. Erste Pfiffe der Zuschauer waren zu hören. Den Kickers drohte ein Debakel. „Wir haben schlecht angefangen und waren ähnlich naiv wie beim 0:4 in Offenbach. Das darf nicht passieren“, sagte der Kickers-Trainer Edgar Schmitt.

Nach 35 Minuten erzielten die Stuttgarter dann aber völlig unerwartet den Anschlusstreffer. Angelo Vaccaro traf per Elfmeter zum 1:2, nachdem Daniel Göhlert den Stuttgarter Kapitän Alexander Rosen im Strafraum gefoult hatte. Die Kickers spielten jetzt wie ausgewechselt und brachten die nun wackelige Berliner Defensive in Bedrängnis. „Nach dem Anschlusstreffer haben wir wieder Luft bekommen und waren dann kämpferisch gut dabei“, sagte Schmitt. Nur sieben Minuten nach dem ersten Elfmeter gab es schon den nächsten: Der Berliner Macchabe Younga-Mouhani hatte Bashiru Gambo von hinten angerempelt. Der nahm die Einladung an, fiel zu Boden – und bekam den Strafstoß. Wieder trat Vaccaro an, und wieder traf er.

Die zweite Hälfte begann dann so, wie die erste aufgehört hatte – mit den Kickers im Vorwärtsgang. Vaccaro traf nach 47 Minuten die Latte. Der Berliner Daniel Göhlert schoss dann nach einer Stunde freistehend am Tor vorbei. Orlando Smeekes hatte in der Nachspielzeit die große Chance zum Siegtreffer für die Kickers. Er lief alleine auf das Tor zu, scheiterte aber an Glinker.

Stuttgart: Salz – Deigendesch, Mann, Rapp (63. Härter), Landeka – Traut (72. Smeekes), Rosen, Gambo (67. Kettemann), Ortlieb – Schürg, Vaccaro.

Berlin: Glinker – Göhlert, Stuff, Kohlmann – Younga-Mouhani, Menz – Mattuschka – Dogan (78. Bönig), Gebhardt – Patschinski (77. Jahn), Benyamina.

Schiedsrichter: Stieler (Obertshausen).

Tore: 0:1 Benyamina (10.), 0:2 Benyamina (31.), 1:2 Vaccaro (35., Foulelfmeter), 2:2 Vaccaro (42., Foulelfmeter).

Stuttgarter Zeitung

2:2 – Vaccaro behält die Nerven

Zwei Elfmeter-Tore des Kickers-Stürmers gegen Tabellenführer Union Berlin

Stuttgart – Zum ersten Sieg unter Edgar Schmitt hat es nicht gereicht, aber das 2:2 gegen Spitzenreiter Union Berlin war ein deutlicher Schritt nach vorne. „Das Team wird immer besser und fitter“, sagte der Trainer des Drittligisten Stuttgarter Kickers zufrieden, „ich bin zuversichtlich, dass wir bald den ersten Dreier machen.“

VON JÜRGEN KEMMNER

Die Kickers-Kogge dümpelt derzeit vor sich hin, und dann geht auch noch der Kapitän von Bord – zumindest vorübergehend. Präsident Dirk Eichelbaum macht Urlaub in Portugal. Das hatte am Dienstagabend den Vorteil, dass er seine Nerven schonen konnte. Doch Eichelbaum verpasste auch eine gute Leistung seiner Mannschaft. „Das waren zwei Punkte zu wenig“, meinte Mittelfeldmann Alexander Rosen, „wir haben den Tabellenführer eine Stunde lang beherrscht.“

Ganz so war es nicht, doch Rosen stand noch unter dem Eindruck der letzten Minute. Der eingewechselte Orlando Smeekes war alleine auf das Union-Tor zugelaufen, doch anstatt quer auf Kollege Benedikt Deigendesch zu passen, versuchte er es eigensinnig selbst – und scheiterte an Torwart Jan Glinker. „Den Ball muss er rüberlegen“, ärgerte sich Schmitt, „dann gewinnen wir.“

Dabei hatte es zunächst überhaupt nicht danach ausgesehen, als sollten die Kickers gegen die seit zehn Spielen ungeschlagenen Gäste eine Chance haben. Union trat auf wie ein Spitzenreiter: selbstbewusst, ideenreich, technisch stark. Die Blauen sahen nur die Hacken ihrer Gegenspieler, vor allem Deigendesch war völlig überfordert. Immer wieder kamen die Berliner über seine rechte Abwehrseite durch – und auf diesem Weg auch zu zwei Toren (10./31.). Karim Benyamina verwertete jeweils Flanken des bis dahin überragenden Marco Gebhardt.

Die Kickers? Mussten sich Pfiffe von den eigenen Fans anhören, die ein Debakel befürchteten. Doch die Blauen schlugen zurück, wenn auch mit Glück. In einem Laufduell brachte Daniel Göhlert völlig unnötig Alexander Rosen zu Fall, Angelo Vaccaro verwandelte den Elfmeter souverän (35.). Und der Kickers-Stürmer behielt auch sechs Minuten später beim nächsten Strafstoß die Nerven. Niemand wusste, ob Schiedsrichter Tobias Stieler (Obertshausen) ein Handspiel oder ein Foul von Christian Stuff gesehen hatte. Vaccaro war“s egal, die Kickers jubelten – so unverhofft haben sie noch selten einen Rückstand egalisiert.

Es blieb beim 2:2, nachdem beide Mannschaften in der ausgeglichenen zweiten Hälfte gute Chancen vergeben hatten. Die beste bot sich Orlando Smeekes.

Stuttgarter Nachrichten

Nahe dran

Drittligist Stuttgarter Kickers schafft gegen den Tabellenführer 1. FC Union Berlin nach einem 0:2 noch ein 2:2

Stuttgart – Es hat für den Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers zwar auch im zwölften Anlauf nicht zum ersten Saisonsieg gereicht, aber der Tabellenletzte verbuchte einen bemerkenswerten Achtungserfolg und trotzte dem Spitzenreiter 1. FC Union Berlin nach einem 0:2-Rückstand ein 2:2 (2:2) ab. Beide Tore der „Blauen“ erzielte Angelo Vaccaro jeweils per Foulelfmeter.

Von Beate Wockenfuß

Den Punkt haben sich die Kickers verdient, weil sie nach dem 0:2-Rückstand nicht aufgaben und in der zweiten Hälfte die aktivere Mannschaft waren. Die Formkurve zeigt nach oben. Das sah auch Trainer Edgar Schmitt so, der die Mannschaft „auf einem guten Weg und nahe dran“ sieht. Allerdings monierte er auch, dass die Kickers „sehr schlecht angefangen“ und die beiden Gegentore durch individuelle Fehler kassiert haben. Nach 32 Minuten hieß es schon 0:2. Karim Benyamina brachte den Tabellenführer nach Marco Gebhardts Flanke per Kopf in Führung (10.). Der zweite Treffer fiel nach dem selben Muster: Flanke Gebhardt, Kopfball Banyamina – Tor. Die Berliner hatten bis dahin die klar bessere Spielanlage und waren kombinationssicherer, während bei den Kickers wenig zusammenlief. Das änderte sich, als Angelo Vaccaro einen Foulelfmeter zum 1:2 verwandelte (35.). Zuvor hatte Daniel Göhlert Alexander Rosen zu Fall gebracht. Die Kickers machten Druck, und ein weiterer Elfmeter brachte den Ausgleich. Macchabe Younga-Mouhani hatte Bashiru Gambo gefoult – Vaccaro verwandelte sicher (42.).Die Kickers blieben nach dem Wechsel tonangebend und wollten sich unbedingt den ersten Saisonsieg erkämpfen. Sie spielten mutiger und hatten Pech, dass Vaccaros Heber auf die Latte klatschte (48.). Auf der anderen Seite vergab Thorsten Mattuschka eine Riesenchance der Berliner. In der Schlussphase hatte Orlando Smeekes noch eine Möglichkeit für die Kickers, doch Torwart Jan Glinker parierte. „Die zweite Hälfte war richtig gut. Da hat das Stadion uns gehört“, meinte Schmitt.

Stuttgarter Kickers: Salz – Deigendesch, Mann, Rapp (63. Härter), Landeka – Traut (71. Smeekes), Ortlieb, Gambo (66. Kettemann), Rosen – Vaccaro, Schürg.

1. FC Union Berlin: Glinker – Menz, Stuff, Göhlert – Younga- Mouhani, Kohlmann – Mattuschka, Dogan (79. Bönig), Gebhardt – Patschinski (78. Jahn), Benyamina.

Schiedsrichter: Stieler (Obersthausen).

Zuschauer: 3630.

Tore: 0:1 Benyamina (10.), 0:2 Benyamina (31.), 1:2 Vaccaro (35./Foulelfmeter), 2:2 Vaccaro (42./Foulelfmeter).

Gelbe Karten: Gambo, Landeka / Göhlert, Dogan, Menz.

Beste Spieler: Vaccaro, Salz / Gebhardt, Benyamina.

Eßlinger Zeitung

Riesenspiel! Vaccaro rettet die Blauen

Kickers schaffen nach 0:2 noch 2:2 gegen Spitzenreiter
Von KLAUS HENRICH

Auch im 3. Heimspiel unter Edgar Schmitt schafften die Stuttgarter Kickers vor 3700 Fans wieder ein Unentschieden. Das 2:2 (2:2) gegen Spitzenreiter Union Berlin allerdings war hochverdient. Schmitt: „Wir waren im zweiten Durchgang mit Herz und Leidenschaft dabei.“

Was man in der ersten halben Stunde nicht sagen konnte. Berlin diktierte das Spiel und führte durch zwei Treffer durch Karim Benyamina (10./30.) mit 2:0. Die Innenverteidigung der Blauen war total überfordert.

Dann aber wachten die Kickers auf, machten mehr Druck! Mit Erfolg: Angelo Vaccaro verwandelt einen Elfer (Foul an Rosen) – 1:2 (35.). Und nochmal Vaccaro: Gambo wird im Strafraum gelegt, Vaccaro verwandelt den Strafstoß (42.)!

Die Blauen in der Folge wie verwandelt. Vaccaro rasiert in seinem stärksten Spiel mit einem Heber die Querlatte (50.).

Für die Blauen das Zeichen zu einem Sturmlauf. Der dritte Treffer lag in der Luft. Doch statt zu einem der beiden mitgelaufenen Mitspieler zu passen, will‘s der eingewechselte Orlando Smeekes alleine machen und scheitert am Berliner Keeper Glinker (90.).

BILD

Vorberichte: Stuttgarter Kickers – 1. FC Union Berlin

Kickers-Startelf unverändert

Schmitt glaubt an die Wende
STUTTGART (scha). Vor dem Heimspiel heute (19 Uhr) gegen den Tabellenführer Union Berlin geben sich die Stuttgarter Kickers kämpferisch. Auf der Internetseite des Fußball-Drittligisten prangt neben dem Foto des Gazi-Stadions in Degerloch groß der Schriftzug: „Kein Berliner Regierungsviertel, hier regiert der SVK!“ Auch der Kickers-Trainer Edgar Schmitt sagt: „Ich bin optimistisch. Warum sollten wir nicht gegen Union unser erstes Ligaspiel gewinnen? Wir werden jedenfalls alles probieren.“

Doch die Vorzeichen sehen nicht allzu rosig aus für den Tabellenletzten. Die abwehrstarken Berliner reisen als frischgebackener Spitzenreiter an, haben die vergangenen vier Spiele gewonnen und stellen mit 21 Toren aus elf Partien zudem den zweitbesten Sturm der Liga. Und gerade in der Defensive hatten die Kickers zuletzt die größten Probleme. Trotz der enttäuschenden zweiten Hälfte beim 0:4 in Offenbach sowie den zwölf Gegentoren in vier Partien wird Schmitt seine Startformation aber nicht ändern: „Wir haben am Samstag 60 Minuten lang gut gespielt, daher werde ich nicht umstellen.“

Der Kickers-Trainer setzt vielmehr auf knallharte Fehleranalyse. „Ich habe den Spielern im Training gezeigt, was sie alles falsch gemacht haben“, sagt er und ergänzt „wenn wir unsere Grundordnung halten, haben wir auch als krasser Außenseiter eine Chance.“ Schmitt weiß jedoch ebenso, dass seine Mannschaft nach elf sieglosen Partien unbedingt ein Erfolgserlebnis braucht.

Stuttgarter Zeitung

Das eiserne Bollwerk
Dank einer starken Abwehr kommt Union Berlin als Tabellenführer der dritten Liga nach Stuttgart

BERLIN. Union Berlin ist so etwas wie die Mannschaft der Stunde in der dritten Fußballliga. Seit zehn Spielen ist das Team von Uwe Neuhaus ungeschlagen. Heute gastiert Union beim Tabellenletzten Stuttgarter Kickers.

Von Matthias Koch

Die Spieler des 1. FC Union Berlin dürften gestern noch immer ziemlich euphorisiert aus dem Flugzeug in Echterdingen gestiegen sein. Am Samstag stürzte die Mannschaft nämlich den SC Paderborn vom ersten Tabellenplatz der dritten Liga. „Das war eindeutig mein schönster Sieg mit Union. Die Art und Weise, wie die Mannschaft den 0:2-Rückstand in Unterzahl noch umgedreht hat, war beeindruckend“, sagte der Trainer Uwe Neuhaus nach dem 3:2-Erfolg über Paderborn.

Union hat in Liga drei zurzeit so etwas, was man im Sport gerne als Lauf bezeichnet. Die Berliner sind seit zehn Spielen ungeschlagen, und die vergangenen vier Partien entschieden sie allesamt für sich. Zusammen mit Fortuna Düsseldorf stellen die Eisernen mit lediglich neun Gegentoren die beste Abwehr der dritthöchsten Spielklasse. Obwohl das Wort Aufstieg beim letztjährigen Tabellenvierten der Regionalliga Nord in den vergangenen Wochen zu den Tabubegriffen gehörte, äußerten sich nach der Aufholjagd gegen Paderborn auch die Verantwortlichen etwas forscher. „Wenn man die zweite Hälfte gesehen hat, weiß man, was in der Truppe steckt. Ich traue ihr alles zu“, jubelte der Präsident Dirk Zingler. Auch der Trainer Neuhaus, der als Meister des Understatements bekannt ist, kam – zumindest verbal – mal ein bisschen aus sich heraus. „Das Paderborn-Spiel war ein kleiner Schritt auf einem sehr langen Weg. Dass wir möglichst oben bleiben wollen, ist doch klar. Nur mal Erster zu sein reicht uns nicht“, erklärte der 48-Jährige.

Ein bisschen werden die Köpenicker nun auch für ihre nachhaltige Einkaufspolitik belohnt. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten verlor Union bis auf Guido Spork keinen Stammspieler. Und die Neuzugänge Patrick Kohlmann (Rot-Weiß Erfurt) und Hüzeyfe Dogan (SV Wuppertal) ergänzen ideal das Ensemble einer eingespielten Truppe, in der es viele erfahrene Akteure gibt. Michael Bemben, Shergo Biran, Marco Gebhardt, Torsten Mattuschka, Macchambes Younga-Mouhani und Nico Patschinski waren früher alle in der ersten Liga zu finden. Sebastian Bönig, Hüzeyfe Dogan, Jan Glinker, Daniel Göhlert, Dustin Heun und Christian Stuff liefen zudem schon in der zweiten Liga auf.

Die Ausgeglichenheit des Kaders ist sicherlich auch finanziell bedingt. Namhafte Stars kann sich der 1. FC Union, der auch aus wirtschaftlichen Gründen auf das Wintertrainingslager in der Türkei verzichten wird, nicht leisten. Dennoch mussten langjährige Stammspieler wie Sebastian Bönig, Christian Stuff, Torsten Mattuschka oder Nico Patschinski schon mehrfach auf der Ersatzbank Platz nehmen. „Wir haben auf jeder Position einen großen Konkurrenzkampf. Damit wird das Training auf hohem Niveau gehalten“, sagt der Sportchef Christian Beeck. Union überbrückte somit ohne größere Probleme den Ausfall der Langzeitverletzten Dustin Heun und Daniel Schulz sowie die zwischenzeitlichen Blessuren von Stammkräften.

Beim Spiel in Stuttgart wird sich heute nun zeigen, ob der neue Tabellenführer vom Rausch des Spitzenspiels gegen Paderborn auf den nüchternen Ligaalltag beim Tabellenletzten umschalten kann. Karim Benyamina, der in den vergangenen zwei Partien drei Tore erzielte, will eine Blamage bei den Kickers aus gutem Grund verhindern: „Wenn wir nicht gewinnen, waren die Punkte gegen Paderborn umsonst.“

In der Fremde haben die Berliner jedoch nur zum Auftakt beim FC Bayern II (1:2) verloren. Und im Prinzip spielt der Verein in der Phase des Umbaus des Stadions Alte Försterei, an dessen Modernisierung seit Juni über 800 Anhänger ehrenamtlich beteiligt sind, bis Ende 2008 immer auswärts. Dass der ungeliebte Jahn-Sportpark, die frühere Heimstätte des Erzrivalen BFC Dynamo, mal zur Goldgrube für Union werden würde, hatte aber wohl kein einziger Fan auf der Rechnung. Dort ging keine der sechs Heimpartien verloren. „Ich kann es nicht erklären. Irgendetwas ist da, was uns immer punkten lässt“, sagt der Angreifer Karim Benyamina. Für den Trainer Uwe Neuhaus hängt die Erfolgsgeschichte seiner Elf aber nicht mit dem Jahn-Sportpark zusammen: „Wir spielen einfach eine gute Serie, die wir auch in der Alten Försterei geschafft hätten.“

Stuttgarter Zeitung

Kickers: Optimismus statt Trübsal
Tabellenführer Union Berlin zu Gast auf der Waldau – Schmitt: „Gute Chancen“

Stuttgart – Bei Fußball-Drittligist Kickers herrscht keine Weltuntergangsstimmung. Auch nicht nach der 0:4-Pleite in Offenbach. Klar ist aber: Der erste Sieg muss her. Am besten schon am heutigen Dienstagabend (19 Uhr). Zu Gast ist aber ausgerechnet Tabellenführer Union Berlin.

VON JULIA RAPP

Am Montagvormittag vor dem Training nahm sich Edgar Schmitt seine Kicker noch einmal zur Brust. Eine halbe Stunde führte er ihnen die Lehren aus der Partie gegen Offenbach vor Augen: „Wir müssen die Ordnung besser halten, als Team auftreten, jeder muss das abrufen, was er kann“, sagte er. Danach war die 0:4-Pleite vom Samstag endgültig abgehakt.

„Natürlich waren wir alle maßlos enttäuscht, aber das ist vergessen“, betonte Schmitt, „jetzt blicken wir optimistisch nach vorne.“ Nach vorne heißt in diesem Fall auf das Heimspiel im Gazistadion auf der Waldau am heutigen Dienstagabend. Der Gegner des Tabellenschlusslichtes ist Union Berlin, der derzeitige Spitzenreiter.

„Wenn jeder das abruft, was er kann, haben wir gute Chancen, gegen Union zu bestehen. Das Potenzial ist da“, gab sich Schmitt am Tag vor der Partie optimistisch. Es wäre ein überaus wichtiger Sieg für die Blauen. Fünf Punkte sind die Kickers derzeit von einem Nichtabstiegsplatz entfernt. „Das ist schwierig, aber machbar. Es nützt nichts, Trübsal zu blasen“, sagte Manager Achim Cast, und der Trainer fügte hinzu: „Wenn wir zweimal gewinnen, sind wir wieder dabei.“ Bei weiteren Niederlagen allerdings könnte sich der Abstand bedrohlich vergrößern. Doch daran möchte in Degerloch derzeit niemand denken.

Auch gegen den Tabellenführer, der über den zweitbesten Sturm der Liga verfügt (21 Tore), will Schmitt an seiner offensiven Taktik festhalten. „Wir werden so auflaufen wie gegen Offenbach“, sagte der Trainer. Mut machen ihm die guten 60 Minuten vom vergangenen Samstag. Gegen Union Berlin dürfen es heute Abend gerne auch 90 sein.

Stuttgarter Nachrichten

Kein Grund zur Panik

Tabellenschlusslicht Stuttgarter Kickers empfängt heute voller Zuversicht den Spitzenreiter 1. FC Union Berlin

Stuttgart (bw) – Auch nach der siebten Niederlage im elften Spiel ist der Optimismus bei Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers ungebrochen. „Wir haben nichts zu verlieren“, freut sich Trainer Edgar Schmitt auf die heutige Partie (19 Uhr) gegen den 1. FC Union Berlin. (…)

Stuttgarter Kickers
Nichts zu verlieren, ist so nicht ganz richtig. Bisher ist der Abstand des Tabellenschlusslichts zu den Nichtabstiegsplätzen mit fünf Punkten zwar konstant geblieben. Aber lange können sich die Kickers nicht mehr darauf verlassen, dass die direkte Konkurrenz ebenfalls nur selten punktet. „Es ist doch noch nichts passiert“, meinte Schmitt gestern erneut betont gelassen. Er spüre keinen Druck, erklärte er. Und Manager Joachim Cast unterstützte diese Taktik: „Es nützt doch nichts, jetzt Trübsal zu blasen. Die Situation ist schwierig, aber nicht unlösbar.“ Dass heute ausgerechnet der frischgebackene Spitzenreiter aus der Hauptstadt mit breiter Brust anreist, schreckt Schmitt nicht. Zuversicht schöpft er aus der Vorstellung der „Blauen“ in den ersten 60 Minuten bei der 0:4-Pleite gegen Kickers Offenbach: „Da haben wir richtig gut gespielt.“ Was danach allerdings passierte („Das war sehr schlecht.“), war gestern Thema der extra einberufenen Mannschaftssitzung vor dem Training. „Es gab einiges zu bereden“, berichtete Schmitt vielsagend. Und das Ergebnis der 25-minütigen Aufarbeitung der Geschehnisse? „Wir müssen optimistisch weitermachen, dann werden wir sicher bald den ersten Sieg einfahren.“ Heute im Gazi-Stadion vertraut der Coach auf dieselben Spieler, die in Offenbach in der Startelf standen. „Ich hoffe, dass sie diesmal länger durchhalten“, erklärt er die neue Bewährungschance. Weiterhin ausfallen werden Franco Petruso (Reha nach Knieverletzung), Sasa Janic und Jörn Schmiedel (beide Schambeinentzündung).

So wollen sie spielen: Salz – Deigendesch, Mann, Rapp, Landeka – Traut, Rosen, Gambo, Ortlieb – Schürg, Vaccaro.

Eßlinger Zeitung

Euro-Eddy: Ist sein Zauber schon verflogen?

Von KLAUS HENRICH
Die Stuttgarter Kickers heute gegen Spitzenreiter Union Berlin (19 Uhr, Gazi-Stadion). Da droht die nächste Pleite für das Schlusslicht von der Waldau…

Besonders für den neuen Trainer, Edgar Schmitt (45), steht viel auf dem Spiel. Denn der Effekt, den sich die Blauen von seiner Verpflichtung erhofft hatten, hat bislang nicht eingesetzt.

Drei Unentschieden und zuletzt die deftige 0:4-Packung in Offenbach – so lautet Schmitts durchwachsene Bilanz. Kriegt Euro-Eddy heute die Kurve? Oder ist sein Zauber etwa schon nach fünf Spielen verflogen?

Manager Joachim Cast glaubt an den Trainer: „Wir haben eine Niederlage erlitten, trotzdem haben wir unter ihm deutliche Fortschritte gemacht, vor allem im Offensivspiel. Was fehlt, ist ein Erfolgserlebnis.“

Ob‘s ausgerechnet heute gegen den Ersten klappt?

Da will sich auch Cast nicht festlegen. Aber Schmitt ist nach einer Mannschaftsaussprache fest entschlossen, im elften Saisonspiel endlich den ersten Dreier einzufahren.

Er baut weiter auf volle Offensive, lässt mit drei Spitzen (Vaccaro, Schürg, Traut) angreifen.

Schmitt: „Wir spielen zu-hause, deshalb müssen wir das Spiel machen.“

BILD

Presse zu Offenbacher Kickers – Stuttgarter Kickers (4:0)

Bei den Kickers brechen alle Dämme

Die Offenbacher nutzen Stuttgarts Defensivschwächen nach der Pause aus und gewinnen 4:0

OFFENBACH. Die Stuttgarter Kickers warten in der dritten Liga nicht nur weiter auf den ersten Sieg, am Samstag haben sie mit dem 0:4 (0:0) in Offenbach auch noch die höchste Saisonniederlage kassiert. „Nach dem Rückstand haben wir die Ordnung verloren“, sagte der Trainer Edgar Schmitt.

Von Joachim Klumpp

Was haben ein Lukas Podolski, Massimilian Porcello, Andrej Woronin – und Mirnes Mesic gemeinsam? Sie jubeln nicht mehr nach ihren Toren, zumindest nicht immer. Und zwar dann nicht, wenn es gegen ihren Exverein geht. Egal, ob in der Bundesliga mit Bayern, Karlsruhe und Hertha, oder in der dritten Liga mit Offenbach, wo Mesic am Samstag gegen die Stuttgarter Kickers zum 4:0-Sieg einen Treffer beisteuerte und zwei weitere vorbereitete. Jubel verboten.

Doch mehr Rücksicht konnte Mesic, der lange bei den Schwaben gespielt hat und im Sommer als Zugang im Gespräch war, nicht nehmen. Nach dem Abpfiff sagte er: „Diese Chancen konnte ich nicht auslassen, auch wenn es mir leid tut, dass die Kickers da unten sind.“ Letzter, nach wie vor. Dabei sah es zur Pause nicht danach aus, als die Kickers (aus Offenbach) mit Pfiffen in die Kabine begleitet wurden. Die Kickers (aus Stuttgart) hätten führen können, ja müssen, wenn Sascha Traut, Michael Schürg oder Benedikt Deigendesch ihre Chancen genutzt hätten – so wie Steffen Haas kurz nach der Pause. „Cool“, sagte selbst Stuttgarts Trainer Edgar Schmitt. Danach, spätestens aber beim 0:2 brachen bei den Kickers alle Dämme. „So darf man die Ordnung im Spiel nicht verlieren“, ärgerte sich Schmitt. Zumal die vor der Pause vorhanden war, durch geschicktes Verschieben im Mittelfeld – Alexander Rosen und Markus Ortlieb defensiv, Bashiru Gambo und Sascha Traut offensiv – wurde der Gegner immer wieder zu Fehlern gezwungen, weshalb sich die Freude des Offenbachers Trainers Hans-Jürgen Boysen „in Grenzen hielt“.

Die von Schmitt erst recht, nach so einer „Klatsche“, wie er selbst sagte. Sicher ist es erfreulich, dass die Mannschaft unter „Euro-Eddy“ im Spiel nach vorne dazugelernt hat, doch das Defensivverhalten ist in dieser Form nicht drittligatauglich. Und mit nun zwölf Gegentreffern in vier Spielen wird der Klassenverbleib zur Illusion. „Gerade im Abstiegskampf ist es wichtig, dass man hinten gut steht“, sagt der Manager Joachim Cast. Doch ähnlich wie schon zuvor gegen den VfB Stuttgart II nutzte der Gegner die Verwirrung nach dem 0:1 aus. Hier muss korrigiert werden, möglicherweise in der Hinsicht, dass nach einem Rückstand erst einmal Ruhe ins Spiel kommt, anstatt zu versuchen, postwendend den Ausgleich, den Anschluss- oder auch nur den Ehrentreffer zu markieren.

Zumal wenn dann noch ein Orlando Smeekes in Aktion tritt, der auf dem Bieberer Berg an ein Boxauto erinnerte; immer volle Pulle nach vorne, aber ohne Rückwärtsgang. So konnte der – neben Mesic – überragende Stefan Zinnow auf der rechten Seite schalten und walten, wie er wollte, „ihn haben wir nie in den Griff bekommen“, gab Cast zu. Nur zur Erklärung: der Ex-Elversberger hat bis jetzt, ähnlich wie Mesic, keine überragende Saison beim Zweitligaabsteiger, doch die Einladung der Stuttgarter Abwehr konnte niemand ausschlagen. Dabei gab Schmitt zu: „Die Mannschaft war nicht ausgepowert – aber das ist auch eine Frage der Qualität.“

Wobei im genannten Mittelfeld durchaus geballte Erfahrung vorhanden war, schwieriger sieht es auf den Außenverteidigerpositionen aus, auf denen Benedikt Deigendesch und Josip Landeka zeitweilig überfordert wirkten; und der nominelle Torjäger Angelo Vaccaro rennt auch unter dem neuen Trainer seiner Form her. „Schade“, sagte Schmitt, der schon nach seinem ersten Spiel angekündigt hatte: „Irgendwann kommen Mannschaften, mit denen wir auf Augenhöhe sind.“ Ob er damit Spitzenreiter Union Berlin meinte? Der gastiert morgen in Degerloch – Siegen ist trotzdem nicht verboten.

Offenbach: Wulnikowski – Damm, Heitmeier, Hysky, Kokocinski – Huber, Haas (82. Schutzbach) – Zinnow, Fröhlich (40. Morys), Tosunoglu (46. Baier) – Mesic.

Stuttgart: Salz – Deigendesch, Mann, Rapp, Landeka (75. Kettemann) – Rosen, Ortlieb (75. Kacani) – Traut, Gambo – Schürg, Vaccaro (56. Smeekes).

Stuttgarter Zeitung

Kickers läuft die Zeit davon

Nach 0:4 in Offenbach muss erster Sieg her – Union Berlin nächster Gegner

Stuttgart – Nach drei Unentschieden in Folge hat Edgar Schmitt, der neue Trainer der Stuttgarter Kickers, beim 0:4 (0:0) bei den Offenbacher Kickers die erste Niederlage kassiert.

VON JÜRGEN KEMMNER

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt. Zur Pause hätte der Stuttgarter Drittligist nach einer überzeugenden Darbietung mindestens 2:0 führen müssen, nach dem 0:2 brach das Team völlig auseinander und kassierte eine Klatsche. Die Blauen hatten wenigstens Glück im Unglück: Noch immer beträgt der Abstand auf die Nichtabstiegsränge fünf Zähler – aber es drängt die Zeit: Die Kickers haben den ersten Sieg so nötig wie die angeschlagenen Banken das Rettungspaket der Bundesregierung.

„Die erste Hälfte war das Beste, seit ich bei den Kickers bin“, sagte Edgar Schmitt, „aber im Abschluss und vom 0:2 an in der Abwehr haben wir uns zu naiv angestellt.“ Naiv – einige Spieler sind den Anforderungen der Liga nicht immer gewachsen. Der Coach räumte selbst ein, dass „manchen Akteuren die nötige Härte noch fehlt“. Da das Budget es kaum erlaubt, Verstärkungen in der Winterpause zu holen, muss Schmitt seinen Kader auf Ligareife trimmen. Doch das kostet Geduld, Spucke und Zeit – aber Zeit ist genau das Gut, von dem die Blauen wahrscheinlich noch weniger besitzen als Geld.

Mit jedem Spieltag besteht bei einer Niederlage die Angst, dass die Kickers vom rettenden Ufer wegtreiben. „Die Spieler zu entwickeln ist ein Prozess, das geht nicht mit Brachialgewalt“, sagte der 45-Jährige. Eine Gratwanderung für Schmitt – nicht mit dem Vorschlaghammer, auch nicht mit Samthandschuhen bringt er den Kickers-Motor zum Laufen. Je länger das Erfolgserlebnis ausbleibt, umso kleiner wird das Selbstvertrauen der Spieler, umso größer die Nervosität im Umfeld. Noch herrscht Ruhe. Mut machte den Blauen Ex-Trainer Hans-Jürgen Boysen, nun in Offenbacher Diensten: „Wenn die Kickers zu Hause so auftreten wie in der ersten Hälfte bei uns, gelingen ihnen noch viele Siege.“ Am Dienstag (19 Uhr) ist Tabellenführer Union Berlin im Gazistadion zu Gast. Es gibt leichtere Aufgaben.

Stuttgarter Nachrichten

„Das hat auch etwas mit Qualität zu tun“

Die Stuttgarter Kickers kassieren in Offenbach eine herbe 0:4-Niederlage

Offenbach (bw) – Die Stuttgarter Kickers bleiben der zuverlässigste Punktelieferant in der dritten Fußball-Liga: Das deftige 0:4 (0:0) bei Kickers Offenbach war die siebte Niederlage im elften Saisonspiel.

Damit sind die Stuttgarter weiterhin das einzige Team in den drei Profi-Ligen, dem noch kein Sieg in der neuen Spielzeit gelungen ist. Trainer Edgar Schmitt war nach der ersten Pleite unter seiner Regie entsprechend bedient. „So darf man einfach nicht die Ordnung verlieren“, schimpfte er und fügte hinzu: „Das hat auch etwas mit Qualität zu tun.“ Der enttäuschte Coach diag­nostizierte bei seinen Schützlingen „Naivität“ – in der ersten Hälfte im Angriff, in der zweiten Hälfte auch in der Abwehr.Denn bis zur Pause machten eigentlich die Kickers aus Schwaben das Spiel, erarbeiteten sich mehrere gute Chancen, scheiterten aber stets beim Abschluss. „Das war die beste erste Hälfte in meiner Zeit bei den Kickers. Da hätten wir das Tor machen müssen“, haderte Schmitt.Das rächte sich kurz nach Wiederanpfiff. Steffen Haas sorgte für die Offenbacher Führung (49.), die Stefan Zinnow auf 2:0 (67.) ausbaute. Dann leisteten die geschockten Gäste kaum noch Gegenwehr. Der ehemalige „Blaue“ Mirnes Mesic erhöhte auf 3:0 (81.). Seine Freude über das Tor hielt sich jedoch sichtbar in Grenzen. „Es tut mir im Herzen weh, meinen alten Club da unten drin stehen zu sehen“, bekundete der Stürmer sein Mitleid mit dem Tabellenschlusslicht – das ihn allerdings nicht davon abhielt, nach dem 1:0 und dem 2:0 auch das 4:0 durch Zinnow (86.) vorzubereiten. Für heute Morgen hat Schmitt eine Mannschaftssitzung einberufen und eine „klare Ansprache“ angekün­digt. Viel Zeit zum Verarbeiten bleibt indes nicht. Bereits morgen (19 Uhr) ist Spitzenreiter 1. FC Union Berlin im Gazi-Stadion zu Gast. Stuttgarter Kickers: Salz – Deigendesch, Mann, Rapp, Landeka (75. Kettemann) – Traut, Rosen, Gambo, Ortlieb (75. Kacani) – Schürg, Vaccaro (56. Smeekes).

Eßlinger Zeitung