Länderspiel der U15-Junioren zwischen Deutschland und der Schweiz bei den Kickers

Länderspiel der U15-Junioren zwischen Deutschland und der Schweiz bei den Kickers 
   
Die Stuttgarter Kickers sind mal wieder Ausrichter für ein Junioren-Länderspiel. Anlässlich der ARD-Themenwoche „Kinder unsere Zukunft“ kommt es am Freitag, 20. April 2007 um 10.25 Uhr im GAZi-Stadion auf der Waldau zu einem U15-Junioren Länderspiel zwischen Deutschland und der Schweiz. Prominente Paten wie die Fußball-Weltmeisterin Renate Lingor und DFB-Präsident Theo Zwanziger werden im Stadion erwartet. Vom Führungsteam der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wird entweder Bundestrainer Jogi Löw oder Team-Manager Oliver Bierhoff anwesend sein. Als Moderationsteam wird das ARD-Top-Duo Gerhard Delling und Günter Netzer am Start sein. Die ARD wird die Partie live aus dem GAZi-Stadion von 10.00 bis 12.00 Uhr senden.

In Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium soll an diesem Tag für die Schulen im Großraum Stuttgart ein „Tag des Schulfußballs“ veranstaltet werden. Neben dem Länderspiel gibt es bereits ab 8.00 Uhr ein Rahmenprogramm rund um das Stadion: zahlreiche Mitmach-Aktivitäten wie Soccer-Courts, Übungen des DFB-Fußballabzeichens, Torwandschießen und vieles mehr werden den Schülern und Besuchern angeboten. Ab 10.00 Uhr unterhält dann der Tigerenten-Club des SWR im Stadion, zudem führt die GAZi-Fußballschule der Kickers vor der Partie ein Demotrainig vor.

Die U15-Junioren stehen nur selten bei Länderspielen auf dem Platz. Bei den Jüngsten im Kreise der DFB-Auswahlen steht die Sichtung im Vordergrund. DFB-Trainer Bernd Stöber verschafft sich vornehmlich bei Lehrgängen einen Überblick über die Stärken und Schwächen der einzelnen Akteure, deswegen gilt die Begegnung gegen den Schweizer Nachwuchs als echter Härtetest auf dem Weg zu weiteren Einsätzen in den verschiedenen Junioren-Nationalteams.

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SZ/BZ: Degerlochs Höhen und Tiefen

Fußball: Der ehemalige Geschäftsführer der Stuttgarter Kickers, Kahraman Erdin aus Dagersheim, zum Rücktritt von Hans Kullen

Von unserem Redakteur Steffen Müller

Auf der einen Seite des Neckars herrscht fußballerisch eitel Sonnenschein, während es auf Degerlochs Höhen hinter den Kulissen wieder einmal ordentlich kracht. Nach dem nicht ganz freiwilligen Abschied von Kickers-Präsident Hans Kullen, tritt jetzt Dirk Eichelbaum dessen Nachfolge an. 
  
Der Dagersheimer Kahraman Erdin war zwei Jahre Geschäftsführer der Stuttgarter Kickers, ehe er bei Gazi, dem Hauptsponsor der Blauen, die Leitung des Bereichs PR und Sportmarketing übernahm.

Ob nach Kullens Abschied bei den Kickers jetzt alles besser wird, will Erdin erst einmal abwarten. Hans Kullen wurde vom Aufsichtsrat das Misstrauen ausgesprochen. Am Dienstag trat der Präsident zurück (die SZ/BZ berichtete im überregionalen Sportteil): „Es wird alles davon abhängen ob das neue Präsidium und der neue Aufsichtsrat erfolgversprechende Konzepte in der Schublade haben“, sagt Erdin. Dem geschassten Kullen wurde von Aufsichtratschef Mauch vorgeworfen, eben diese Konzepte nicht zu haben. Allerdings dürften auch zahlreiche Kommunikationsprobleme zwischen dem streitbaren Kullen und den Mitgliedern des Aufsichtsrats zum Fall des Präsidenten geführt haben.

„Von Personen unabhängig“

Auch das Verhältnis von Gazi-Chef Dr. Eduardo Garcia und seinem Sportmarketing-Chef Erdin zu Kullen war nicht das beste. Einen Zusammenhang zwischen den Meinungsverschiedenheiten zwischen Hans Kullen und Eduardo Garcia mit dem Rücktritt des Präsidenten sieht Erdin indes nicht: „Unser Engagement bei den Kickers ist von Personen unabhängig. Es geht um den Verein und nicht um persönliche Eitelkeiten.“

Dennoch wird darüber spekuliert, dass der Hauptsponsor sein Engagement bei den Kickers nach dem Abschied von Kullen erhöhen könnte: „Das ist momentan kein Thema. Bis zum 31. März werden wir prüfen, ob wir unser Engagement bei den Kickers auch in Zukunft fortsetzen. In diesem Zusammenhang werden wir natürlich auch die Planungen im Verein betrachten. Es sieht derzeit nicht danach aus, dass wir einen Rückzug in Erwägung ziehen“, sagt Erdin, „auf der anderen Seite stehen größere finanzielle Zuwendungen momentan aber auch nicht auf der Tagesordnung.“

Ein Rückzug von Gazi würde die Kickers in eine tiefe finanzielle Krise stürzen: „Wir haben natürlich eine gewisse Verantwortung für die Kickers und werden sie auch nicht hops gehen lassen. Dr. Garcia ist ein echter Degerlocher und eng mit diesem Verein verwurzelt. Ihm liegen die Kickers am Herzen. Mir geht es da genauso. Obwohl mir das Aus als Geschäftsführer damals weh tat, stehe ich auch in meiner jetzigen Funktion voll hinter den Blauen.“

Erdin wurde vor drei Jahren nicht zuletzt wegen Problemen mit Kullen entlassen: „Das Thema ist für mich schon lange abgehakt. Ich habe weder etwas für noch gegen Hans Kullen“, sagt der Dagersheimer, der als Fußballer unter anderem für Tennis Borussia Berlin, den VfB Stuttgart, den VfB Oldenburg und den FC Marbach aktiv war.

Ruhe im Umfeld ist wichtig

Bereits in der sechsten Saison unterstützt die Stuttgarter Firma Garmo mit ihrer Marke Gazi die Kickers. Allein durch den Kauf der Namensrechte am Waldau-Stadion fließen jährlich 100 000 Euro an den Verein: „Das Stadion gehört ja der Stadt, aber wir haben uns dafür eingesetzt, dass die Kickers das Geld bekommen“, sagt Erdin. „Darüber hinaus sind wir als Hauptsponsor bei den Kickers aktiv, unterstützen sowohl die erste Mannschaft sowie auch und vor allem die Nachwuchsarbeit des Vereins. Wir engagieren uns weit über die vertraglich festgeschriebenen Sponsorengelder hinaus.“

Für die Zukunft wünscht sich Erdin vor allem eins: „Bei den Kickers muss im Umfeld endlich Ruhe einkehren. Dieser Traditionsverein muss mit sportlichen Erfolgen auf sich aufmerksam machen. Da wäre auch uns als Sponsor daran gelegen. So ein Engagement lohnt sich nämlich langfristig nur auf nationaler Ebene“, sagt Erdin, der aber betont: „Die Kickers sind für uns viel mehr als ein Verein, bei dem wir als Sponsor agieren. Wenn wir beispielsweise den FC St. Pauli oder Fortuna Düsseldorf unterstützen würden, hätte das für uns möglicherweise kurzfristig einen größeren Marketing-Effekt. Mit diesen Vereinen haben wir aber nichts zu tun. Gazi ist eine Stuttgarter Firma und die Kickers sind der Verein, der uns am Herzen liegt. Deshalb setzen wir auch auf die Blauen.“

Am liebsten wäre Erdin ein baldiger Aufstieg der Kickers in die zweite Liga: „Die zweite Bundesliga wäre optimal. Dieses Jahr dachten wir, es könnte klappen – gerade nach dem guten Start. Jetzt gehen aber so starke Spieler wie Okpala, Mesic und vielleicht auch Trainer Robin Dutt. Die Aufstiegsplätze sind so gut wie unerreichbar. Die Kickers brauchen jetzt endlich mehr Konstanz um kommende Saison das Minimalziel zu erreichen: Die Qualifikation für die neue dritte Profiliga.“

Auf den neuen Kickerspräsidenten Dirk Eichelbaum kommt also viel Arbeit zu. Mehr Rückendeckung als sein Vorgänger dürfte der gebürtige Calwer, der früher für die Sportfreunde Gechingen gegen den Ball trat, zumindest haben. 

Sindelfinger Zeitung

Neuer Chef der Schicksalsgemeinschaft

Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum blickt optimistisch in die sportliche und wirtschaftliche Zukunft

Stuttgart – Der Wechsel an der Spitze des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers ist vollzogen. Wie erwartet hat der bisherige Schatzmeister Dirk Eichelbaum die Amtsgeschäfte des zurückgetretenen Präsidenten Hans Kullen übernommen. Um den Verein wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen, erwartet der neue Chef, „dass jetzt alle einem Strang ziehen“.

Eine der vorrangigsten Aufgaben sei nun, den Etat des Tabellenvierten zu sichern. „Wir müssen weitere Sponsoren finden, die es uns ermöglichen, unsere Arbeit fortzusetzen“, sagt der Stuttgarter Rechtsanwalt. Ob und in welchem Maße Hauptsponsor Eduardo Garcia sein Engagement bei den Kickers fortführen wird, soll bei einem Gespräch in der kommenden Woche geklärt werden. Im Juni läuft der Vertrag mit dem Milchprodukteunternehmen aus. „Nach dem Rücktritt von Hans Kullen ist eine weitere Zusammenarbeit aber wahrscheinlicher geworden“, sagt Eichelbaum.

Nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in sportlicher Hinsicht ist der neue Chef der Kickers optimistisch. Ganz im Gegensatz zu Trainer Robin Dutt ist für Eichelbaum der diesjährige Aufstieg in die zweite Liga noch nicht vom Tisch: „Ohne der Mannschaft Druck machen zu wollen – aber die Sache wird erst am Ende der Saison entschieden, noch ist alles möglich.“ Er werde die Spieler auf jeden Fall mit motivieren, dass sie die Saison trotz aller Turbulenzen gut zu Ende bringen, denn: „Dieses Ereignis ist kein Grund zur Verunsicherung.“

Hoffen auf Dutts Zusage

Auch die Planung des Kaders für die neue Saison will Dirk Eichelbaum jetzt angehen. Abschließen könne er sie aber nicht, bevor nicht klar ist, wer in der Spielzeit 2007/08 an der sportlichen Spitze des Vereins steht. Die Trainerfrage liegt dem 42-Jährigen besonders am Herzen. „Robin Dutt ist mein Wunschkandidat für den Posten, ich habe auch persönlich ein gutes Verhältnis zu ihm“, erklärt er und hofft daher inständig, ihn in Degerloch halten zu können. Bis 31. März will Dutt, den es in die zweite Liga zieht, dem Präsidium seine Entscheidung bekannt geben. Die Chancen, dass der Trainer bleibt, stehen laut Eichelbaum bei „50 zu 50“. Daher müsse sich der Verein auch nach möglichen Nachfolgern umsehen. Es gebe sogar schon Kandidaten, die ihre Gesprächsbereitschaft signalisiert hätten. Doch noch will Eichelbaum seine Hoffnung nicht aufgeben: „Der Trainer weiß, dass wir volles Vertrauen zu ihm haben.“

Dutt selbst lässt sich derweil immer noch nicht in die Karten schauen. Der Machtwechsel an der Führungsspitze habe keinen Einfluss auf seine persönlichen Planungen, betont er: „Ich mache meine Zukunft nicht von Personen abhängig, sondern von meinen eigenen Bedürfnissen.“ Auch auf seine Arbeit werde die personelle Umstrukturierung keine Auswirkungen haben. Denn mit dem neuen Präsidenten komme er genauso gut zurecht wie mit dem alten, erklärt Dutt: „Ich habe zu beiden ein sehr gutes Verhältnis.“ Dem ausgeschiedenen Kullen habe er viel zu verdanken und gegenüber Eichelbaum keinerlei Vorbehalte.

Die Trainerfrage ist nicht nur für Eichelbaum vorrangig, sondern auch für Ex-Aufsichtsrat Walter Kelsch, der nun den sportlichen Bereich verantwortet: „Große Aufgaben stehen an. Jetzt müssen wir uns erst mal auf die Rückrunde konzentrieren. Aber ich bin optimistisch, dass sich die Mannschaft stabilisiert.“

Eßlinger Zeitung

StZ: Die neue Führung bei den Kickers

Ein Sessel ist noch frei
 
STUTTGART (ump). Der Führungswechsel bei den Stuttgarter Kickers ist am Dienstagabend recht geräuschlos über die Bühne gegangen. Wie erwartet wurde Dirk Eichelbaum vom Aufsichtsrat zum Nachfolger von Hans Kullen bestimmt, zudem rückte der Exprofi Walter Kelsch für den sportlichen Bereich auf, als Schatzmeister fungiert künftig Friedrich Kummer. Die vierte laut Satzung vorgeschriebene Position fürs Marketing soll zeitnah besetzt werden. „Ich habe da schon einen Wunschkandidaten im Auge“, sagt Eichelbaum.

Von den verbliebenen Aufsichtsratsmitgliedern soll sich Christian Dinkelacker künftig vermehrt um die Sponsorenbetreuung kümmern, der Anwalt Rainer Lorz die rechtlichen Fragen abdecken. „Und vielleicht gibt es auch noch die eine oder andere Veränderung auf der Geschäftsstelle“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Mauch.

Zudem muss der Kader für die nächste Saison zusammengestellt werden, wobei das Gerüst mit zwölf vertraglich gebundenen Akteuren steht. „Die jungen Spieler haben eine sehr gute Saison hinter sich“, sagt Kelsch, „aber es hat sich gezeigt, dass wir den einen oder anderen verpflichten müssen, der Verantwortung übernimmt.“ Verantwortung, die er auch von den bereits verpflichteten Spielern Dundee und Weller erwartet. „Ich hoffe, dass sie Impulse geben können. Die beiden sind ja nur ausgeliehen und spielen auch um ihre Zukunft bei den Kickers.“

Stuttgarter Zeitung

„Wir müssen die sympathische Alternative zum VfB werden“

Dirk Eichelbaum, der neue Präsident des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers, über die Ziele des Vereins, die Trainerfrage und seinen Internet-Spitznamen Moneyman
 
Am späten Dienstagabend ist Dirk Eichelbaum zum neuen Präsidenten der Stuttgarter Kickers ernannt worden. Der 42-jährige Rechtsanwalt und bisherige Schatzmeister soll den Verein nach dem Rücktritt beinahe des kompletten Vorstands in eine bessere Zukunft führen, nicht zuletzt durch die Erhöhung des Etats. „Das wird eine Herkulesaufgabe“, sagt Eichelbaum im Gespräch mit Joachim Klumpp.

Herr Eichelbaum, Sie haben das Präsidentenamt bei den Kickers zuletzt nicht als Lustgewinn bezeichnet. Warum haben Sie es sich trotzdem angetan?

Zunächst einmal, weil der Präsident zurückgetreten ist und sich auch nicht mehr umstimmen ließ. Dann war ich der Einzige, der sich das vorstellen konnte, weil es aus meiner Sicht keinen Sinn gemacht hätte, den Posten jetzt extern zu besetzen.

Viele Kritiker im Umfeld des Vereins haben in Hans Kullen die Wurzel allen Übels gesehen. Macht man es sich mit dieser Sichtweise nicht zu einfach?

So einseitig darf man das nicht sehen, davor habe ich immer gewarnt. Man sollte schließlich nicht unterschätzen, dass Hans Kullen für viele ein Sympathieträger war, was man schon allein an dem Massenrücktritt im Präsidium sieht. Dadurch ist klar, dass es zunächst einen Rückschritt geben wird. Und es muss sich weisen, ob das, was an Potenzial hinzukommt, größer ist als das, was wegbricht. Da sind jetzt alle Skeptiker – nicht nur der Aufsichtsrat – in der Pflicht. Letztendlich muss sich zeigen, ob das mit der großen Kickers-Familie funktioniert oder nicht.

Der Aufsichtsrat unter seiner jetzigen Führung hat in der Vergangenheit nicht gerade zum wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen. Sind Sie optimistisch, dass sich diesbezüglich etwas verbessert?

Was die Kontakte angeht, auf jeden Fall – die wird man jetzt gezielter einsetzen. Man muss einfach sehen, dass es in der Vergangenheit ein unüberbrückbares Kommunikationshindernis gab, ausgelöst durch die hemdsärmlige Vereinsführung von Herrn Kullen. Ich persönlich habe ein großes Herz für diese Handschlagpolitik, aber breite Zustimmung hat das leider nie gefunden. Außerdem liegen die großen finanziellen Leistungen der Sanierungsarbeit in der Vergangenheit, und die geraten leider schnell in Vergessenheit.

Für die Zukunft wurde Kullen ein fehlendes Konzept vorgeworfen. Zu Recht?

Für die Etataufstockung in Zukunft hat er sich immer einen starken Männerbund vorgestellt, der in die eigene Tasche greift, aber das ist keine Existenzgrundlage für den Verein, damit stand Kullen allein auf weiter Flur. Der Ansatz des Aufsichtsrats und von mir ist der, dass der Verein über seine Stellung hier in Stuttgart attraktiv für Unternehmen ist, als kleine und sympathische Alternative zu der sportlichen Konkurrenz des VfB in der Stadt. Das muss klappen. Und wenn das gar nicht gelingt, dann haben die Stuttgarter Kickers keine Daseinsberechtigung.

Glauben Sie, dass es genug Unternehmen gibt, die diese Philosophie mittragen?

Wenn wir die Herzlichkeit im Verein vorleben, dann gibt es genug, die sagen, wir können uns damit identifizieren. Auch wenn noch keiner der großen Wirtschaftskapitäne der Stadt angerufen und gefragt hat, wo er das Geld hin überweisen soll. Aber wir haben ausgezeichnete Werbewerte, wenn man auf die TV-Kontakte schaut, die weit über dem ursprünglichen Ansatz liegen, auch wenn man sehen muss, ob sich das dauerhaft halten lässt. Deshalb sehe ich gute Möglichkeiten zur nachhaltigen Gesundung des Vereins. Das ist das erklärte Ziel. Und wenn ich nicht die Vision hätte, dass so etwas funktioniert, hätte ich es niemals gemacht.

Ein Dauerthema in Sachen Werbepartner ist der Hauptsponsor. Sind Sie da überzeugt, dass die Garmo AG jetzt weitermacht, vielleicht sogar – wie vom Verein gewünscht – zu verbesserten Konditionen?

Da steht noch ein Gespräch mit der neuen Führung aus, dem ich nicht vorgreifen möchte. Zumal die Garmo AG ja eine Option bis zum 31. März hat, die sie ziehen kann. Wenn sie das nicht tut, müssen wir uns nach Alternativen umsehen. Aber da bin ich mir sicher, dass die Chancen durch die veränderte Situation gestiegen sind.

Unabhängig vom Engagement des Hauptsponsors soll der Etat erhöht werden, es stehen als Steigerung Zahlen zwischen einer und zwei Millionen Euro im Raum. Ist das realistisch?

Dass der Etat erhöht werden soll, entspricht den Tatsachen. Aber diese Summe ist schon sehr ambitioniert. Das halte ich ohne den Einsatz von Risikokapital nicht für möglich. Und dass solche Kapitalgeber auftreten, ohne dass wir die Lizenzspielerabteilung ausgliedern, halte ich für illusorisch. Ich arbeite ja seit anderthalb Jahren an der Einbindung von Risikokapital in den Verein.

Mit welcher Erfahrung?

Dass es sehr, sehr schwierig ist, seriöse Angebote zu bekommen. Wenn ich mich auf dubiose Geschichten einlasse, und die gehen schief, dann kann ich aus Stuttgart verschwinden. Das ist nicht mehrheitsfähig. Da bin ich selbstkritisch genug, dass ich nur eine solide Lösung nehme, wenn sie sich anbietet. Eine solche zeichnet sich aber derzeit nicht ab, da sind wir über die Findungsphase noch nicht hinausgekommen.

Im Internet haben Sie sich Moneyman genannt. Bedeutet das nun, dass Sie in finanziellen Dingen einen ähnlich harten Kurs fahren wie Ihr Vorgänger?

Zunächst einmal war das ja ein Witz, weil ich mich im Internet nicht als Schatzmeister oder Eichelbaum anmelden wollte. Aber als Insolvenzverwalter bin ich knappe Kassen gewohnt. Und die Mittel, die wir haben, sind sehr knapp. Unter Herrn Kullen wurden die vorhandenen Ressourcen sparsam eingesetzt – daran wird sich unter meiner Führung sicher nichts ändern.

Und in der Trainerfrage?

Auch da will ich größtmögliche Kontinuität. Das heißt, Robin Dutt ist mein absoluter Favorit, und er hat mir gegenüber nochmals bestätigt, dass er nur in die zweite Liga geht, wenn er ein überzeugendes Angebot hat. Jetzt liegt es an ihm, sich bis zum 31. März zu entscheiden.

Würden Sie sich an Ihrem ersten Arbeitstag eher als Interimslösung oder als Dauerlösung bezeichnen?

Weder noch. Es geht primär darum, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Wenn das sehr gut gelingt, steigt natürlich die Bereitschaft, die Arbeit nicht nur temporär zu sehen. Ich möchte mit der neuen Führung einen Etat für die nächste Saison zusammenstellen, mit dem wir konkurrenzfähig sind. Wenn wir zu den geplanten 2,4 Millionen Euro noch 200 000 Euro draufpacken könnten, wäre das ein großer Schritt. Aber das ist eine Herkulesaufgabe.

Stuttgarter Zeitung

Presse am Tag Eins nach dem Kullen-Rücktritt

Eichelbaum findet geordnete Finanzen vor
 
Der bisherige Kickers-Präsident Kullen verabschiedet sich mit schwarzen Zahlen – Aufsichtsrat plant eine Etaterhöhung
 
STUTTGART. Die Wachablösung bei den Stuttgarter Kickers ist gestern wie erwartet vollzogen worden. „Ich verlasse den Verein erhobenen Hauptes“, sagte der scheidende Präsident Hans Kullen, nachdem er nochmals die wirtschaftlichen Zahlen vorgelegt hatte.

Von Joachim Klumpp

Den Tag seines Abschieds in Degerloch hat Hans Kullen mit einem Mittagessen in einem schwäbischen Spezialitätenlokal in Degerloch eingeläutet. Wobei das nicht als Henkersmahlzeit ausgelegt werden sollte. Denn einige Stunden später verließ er das Vereinsgelände der Stuttgarter Kickers am Königsträßle erleichtert und „erhobenen Hauptes“, wie der 65-Jährige betonte.

Zuvor hat er dem versammelten Präsidium nochmals eine Bilanz seiner Arbeit vorgelegt – gepaart mit den entsprechenden Zahlen. Und die konnten sich durchaus sehen lassen. Denn trotz der zweimonatigen Winterpause ohne Spielbetrieb weisen die Kickers folgendes Guthaben auf: 368 000 Euro auf Festgeld- und Girokonto, dazu kommen bis zum Saisonende noch anteilig 70 000 Euro aus der Okpala-Ablöse vom Ligakonkurrenten Sportfreunde Siegen, knappe 60 000 Euro Nachschlag für den Mesic-Transfer (falls die TSG Hoffenheim erwartungsgemäß aufsteigen sollte) sowie die jährliche Überweisung von 100 000 Euro der Stadt Stuttgart für die Namensrechte am Gazistadion. Alles in allem ergibt das eine Liquidität von 600 000 Euro, die natürlich in den laufenden Spielbetrieb einfließt. Dennoch sagt Kullen: „Die Bilanz in dieser Saison müsste die beste der Kickers seit Jahren sein.“

Dem widerspricht selbst der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Mauch nicht: „Exzellent“, sagt er zu den aktuellen Zahlen. Doch beim Blick in die Zukunft wird ihm etwas bange – und er fragt: „Wer hat die Instrumente für die dritte Liga?“ Kullen hatte sie nach Ansicht des Kontrollorgans anscheinend nicht: „Da fehlte ein Konzept.“ Vor allem, um die Deckungslücke für die nächste Spielzeit zu schließen, in der der Traditionsverein mit 2,4 Millionen Euro plus einem kleinen Aufschlag kalkuliert hat. Nach Ansicht des Aufsichtsrats muss der Etat aber deutlich erhöht werden – die Rede ist von einer bis zwei Millionen Euro. Vor allem der Exprofi Walter Kelsch, der gemeinsam mit Friedrich Kummer (neuer Schatzmeister) aus dem Aufsichtsrat in das neue Präsidium gewechselt und dort für die sportlichen Belange verantwortlich ist, soll sich für diesen Kurswechsel stark gemacht haben.

Ob jetzt alles besser wird? „Sicher“, sagt Christian Mauch, der aber auch hinzufügt: „Mir wäre es am liebsten gewesen, wenn das alte Präsidium weitergemacht hätte.“ Doch Kullens Mitstreiter Jürgen Köhn, Edgar Kurz und Dieter Wahl folgten dem Schritt des Kickers-Präsidenten genauso wie das bisherige Aufsichtsratsmitglied Klaus Lang, weil sie mit der Vorgehensweise und dem Umgang innerhalb der Gremien nicht einverstanden waren. „Es ist schon schade, was hier abgelaufen ist“, sagt Köhn, „da fühlt man sich in der Tat etwas deplatziert.“ Jedenfalls habe es vom Kickers-Aufsichtsrat niemand für nötig empfunden, ihm von der veränderten Konstellation etwas mitzuteilen.

„Das wird heftig“, sagt ein früheres Aufsichtsratsmitglied zu der anstehenden kompletten Umstrukturierung des Präsidiums, das sich in den nächsten Wochen darum bemühen muss, nicht nur die vielschichtigen Strömungen innerhalb des Vereins unter einen Hut zu bringen, sondern auch einen Mann fürs Marketing zu finden. Dirk Eichelbaum wirft dabei sicher mehr diplomatisches Geschick in die Waagschale als sein Vorgänger – in der Sache allerdings kann der Insolvenzspezialist noch härter sein als Kullen, das hat er bei den Vertragsauflösungen der Spieler Akwuegbu oder Okpala bewiesen.

Der 42-jährige Jurist sagte vor der für gestern Abend anberaumten Sitzung von Präsidium und Aufsichtsrat: „Ich will hier keine Schlammschlacht.“ Stattdessen will er versuchen möglicherweise sogar eine Verbundenheit Kullens zu den Kickers zu erhalten. Auch wenn Eichelbaum weiß: „Das wird schwer.“ Am nächsten Samstag jedenfalls beim Punktspiel der Kickers in Darmstadt dürfte der Expräsident nicht im Stadion sein. „Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen“, sagte Kullen gestern. Dabei hatte so manches Kickers-Mitglied noch gezweifelt, ob Kullen seine Ankündigung zum Rücktritt überhaupt wahr macht. Doch diese Sorge war letztlich unbegründet. Und auch um sein Darlehen von knapp 450 000 Euro macht sich der ausgeschiedene Präsident keine Gedanken: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Herren im Aufsichtsrat die Blöße geben und es nicht zurückzahlen werden.“ Dafür bleibt den Verantwortlichen zunächst einmal auch bis zum Juni nächsten Jahres Zeit.

Stuttgarter Zeitung

Die Kickers ohne Kullen
Ein Neuanfang mit Hindernissen
 
Von Joachim Klumpp
 
Zumindest was den Präsidenten anbelangt haben die Stuttgarter Kickers in der Vergangenheit Kontinuität bewiesen. In diesem Amt gab es deutlich weniger Wechsel als auf dem Trainerstuhl. Hans Kullen war nach Walter Queißner und Axel Dünnwald-Metzler erst der dritte Vereinschef in den vergangenen 40 Jahren. Allerdings saß der streitbare Versicherungskaufmann von Anfang an auf einer Art Schleudersitz. Zu den massiven finanziellen Problemen gesellten sich persönliche Vorbehalte gegen den Reutlinger, der seinen Sparkurs entgegen vielen Widerständen rigoros durchsetzte. Mit Erfolg: denn Kullen übergibt den Verein anders, als er ihn vorgefunden hat – in geordneten finanziellen Verhältnissen. Dies bestreiten selbst die Kritiker nicht. Dass er bei seiner Konsolidierung nicht immer auf die Befindlichkeiten der Betroffenen Rücksicht genommen hat, nahm der Präsident wissentlich in Kauf, getreu dem Motto: Man kann es nicht allen Recht machen.

Hans Kullen geht, wer kommt? Zunächst einmal Dirk Eichelbaum. Auch der 42-jährige Jurist wird die Erfahrung machen, dass das Zusammenspiel der Kräfte bei den Kickers nicht immer einfach ist. Zudem ist er in finanzieller Hinsicht auf die Unterstützung des Aufsichtsrats angewiesen, dessen Aktivitäten in der Vergangenheit – vorsichtig ausgedrückt – nicht entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen haben.

Das soll sich ändern, und die Mitglieder des Kontrollorgans wissen selbst am besten, dass sie hier in der Pflicht sind. Schließlich gilt es, die Weichen für die eingleisige dritte Liga zu stellen, was durchaus eine Herausforderung darstellt – nicht nur, weil die Trainerfrage ungelöst ist. Doch wie hat der Coach Robin Dutt zuletzt gesagt: „Jeder bekommt das Umfeld, das er verdient.“ So gesehen fängt die Arbeit erst an. Denn die Kickers sind zwar den ungeliebten Präsidenten los, aber nicht automatisch alle Probleme.

Stuttgarter Zeitung

Die Kickers-Gremien
 
> Präsidium: Dirk Eichelbaum (42/Rechtsanwalt) Präsident; Walter Kelsch (51/Versicherungs- und Immobilienkaufmann sowie Exprofi); Friedrich Kummer (46/Geschäftsführer ADP Employer Service).

> Aufsichtsrat: Christian Mauch (43/Orthopäde) Vorsitzender; Christian Dinkelacker (42/selbstständig) Stellvertreter; Heinz Höfinger (63/ehemaliger Geschäftsführer TNT Post Holding), Rainer Lorz (44/Rechtsanwalt), Alexander Lehmann (37/Geschäftsführer Minol), Kai Uwe Völschow (37/Geschäftsführer Business.com).

Stuttgarter Zeitung

Eichelbaum nimmt die Rebellen in die Pflicht
 
Neuer Kickers-Präsident fordert Unterstützung: „Aufsichtsrat darf mich nicht im Regen stehen lassen“
 
Stuttgart – Die Wachablösung beim Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers ist perfekt: Dirk Eichelbaum hat gestern Hans Kullen als Präsident abgelöst. „Der Aufsichtsrat darf mich jetzt nicht im Regen stehen lassen“, fordert der neue Chef der Blauen.

VON JÜRGEN FREY

Ursprünglich wollte Hans Kullen seinen Rücktritt schon um die Nachmittagszeit offiziell verkünden. Er verspürte keine große Lust mehr, an der Präsidiums- und Aufsichtsratssitzung am Dienstagabend teilzunehmen. „Was soll ich da noch groß rumsitzen“, hatte der 65-Jährige am Montag gesagt. Seine bisherigen Präsidiumskollegen Dieter Wahl, Jürgen Köhn und Edgar Kurz baten Kullen, sich es anders zu überlegen. „Sie schlugen vor, dass wir unsere Amtszeit gemeinsam stilvoll beenden“, sagte der Versicherungskaufmann. Das taten sie dann auch – und Kullen präsentierte zum Abschied dabei eine Bilanz seiner Arbeit, garniert mit Zahlen. Mit Stand vom 23. Februar weisen die Kickers laut Kullen folgende Guthaben auf: 368 000 Euro auf Festgeld- und Girokonten, dazu kommen bis zum Saisonende noch 74 000 Euro Ablösesumme für Christian Okpala von den SF Siegen, 59 000 Euro Nachschlag für Mirnes Mesic (bei einem Aufstieg der TSG Hoffenheim) sowie die jährliche Überweisung von 100 000 Euro der Stadt für die Namensrechte am Gazistadion. Alles in allem ergibt das eine Liquidität von 601 000 Euro, die natürlich in den laufenden Spielbetrieb einfließt. Kullen: „Ich gehe erhobenen Hauptes. Von Misswirtschaft kann keine Rede sein.“

Die hat dem Mann aus Hülben auch nie jemand unterstellt. Seine Geldspritzen sind unbestritten – seine Alleingänge aber auch. Erst vor kurzem hatte er nach Informationen unserer Zeitung dem früheren Aalener Trainer Peter Zeidler (jetzt 1. FC Nürnberg II) signalisiert, bei einem Weggang von Robin Dutt dessen Nachfolger zu werden.

Nun werden der gebürtige Calwer Dirk Eichelbaum und sein neues Team die Personalfragen zu klären haben. Die Aufsichtsratsmitglieder Walter Kelsch (für die Bereiche Lizenzspieler und Jugend) und Friedrich Kummer (Finanzen) werden ins Präsidium aufrücken. Ein Marketingexperte kommt noch hinzu. Da Klaus Lang, der frühere Stuttgarter Finanzbürgermeister, als Aufsichtsratsmitglied zurücktrat, besteht das Kontrollgremium nun nur noch aus sechs Personen. Die Rebellen, die in der entscheidenden Sitzung – ohne Lang und Kai Uwe Völschow – einstimmig ihr Misstrauen gegen Kullen ausgesprochen hatten, nimmt Eichelbaum in die Pflicht. Ebenfalls seine neuen Präsidiumskollegen. „Sie alle sind jetzt gefordert“, betont Eichelbaum.

Er selbst natürlich auch. Zum Beispiel in der Trainerfrage. „Eine meiner ersten Amtshandlungen wird es sein, mit Robin Dutt zu reden.“ Unter allen Umständen wolle er versuchen, den Coach bei den Blauen zu halten. „Ich hoffe, es geht ein Ruck durch Degerloch“, sagt der 42-jährige Rechtsanwalt, der in der Jugend für die SF Gechingen am Ball war.

Auf eine Aufbruchstimmung unterm Fernsehturm hofft auch Christian Mauch. „Wir brauchen viel Kraft und Energie für die neue Saison“, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende – und nannte noch einmal die Gründe für den Wechsel an der Spitze: „Mein Gremium ist verantwortlich für die Einhaltung des Etats. Hans Kullen hatte jedoch für die neue Saison keine Lösung parat, ihn seriös zu decken.“ Nun hofft er auf Geldgeber, die sich wegen Kullen bisher vornehm zurückhielten. An ihnen liegt es nun, Farbe für die Blauen zu bekennen.

Stuttgarter Nachrichten

Taten statt Worte
 
VON GUNTER BARNER
 
Eigentlich verwundert am Rücktritt von Hans Kullen nur eines: Dass es so lange gedauert hat. Sein Weg als Präsident bei den Stuttgarter Kickers ist gepflastert mit Namen, die seinetwegen den Rückzug antraten. Verprellt, enttäuscht und vor den Kopf gestoßen. Letzten Endes ist Hans Kullen jedoch nicht an rebellierenden Aufsichtsräten gescheitert, sondern am mangelnden Fein- und Taktgefühl für die Belange eines Vereins mit einer beachtenswerten Geschichte. Er polarisierte statt zu integrieren. Er herrschte statt zu führen. Und er ignorierte im blinden Eifer die rasant wachsende Zahl seiner Kritiker.

Kein Zweifel: Seine Geldspritzen retteten den Fußball-Regionalligisten vor der Insolvenz. Mit kaufmännischem Geschick fuhr er die laufenden Kosten drastisch herunter. Das verdient allen Respekt. Doch mit seiner sozial unverträglichen Gutsherren-Attitüde machte der Poltergeist von der Schwäbischen Alb seine Verdienste häufig wieder zunichte.

Für Wohl und Wehe des Traditionsclubs zeichnen ab sofort jene verantwortlich, die den einsamen Kutscher vom Bock stürzten. Sie müssen sich jetzt vor die Karre spannen, die zuletzt feststeckte in einem Sumpf aus Frust über die sportliche Stagnation, aus Verärgerung über die Soli des stocksturen Präsidenten und die Perspektivlosigkeit in der Entwicklung der Finanzen.

Wer auch immer die Stuttgarter Kickers in die Zukunft führen soll, er wird ein Team um sich scharen müssen, das sich mehr an Taten denn an Worten messen lässt. Denn so berechtigt die Kritik an Kullen bisweilen war, so unbestritten ist auch, dass es in Reihen der Blauen zwar viele wortgewaltige Besserwisser gibt, aber erschreckend wenige, die im Ernstfall den Geldbeutel zücken und die Ärmel hochkrempeln.

Stuttgarter Nachrichten

Stuttgart: Führungswechsel bei den Kickers vollzogen

Eichelbaum wird Präsident
Nach dem Rücktritt des bisherigen Präsidenten Hans Kullen hat der Aufsichtsrat der Stuttgarter Kickers am Dienstagabend wie erwartet den Rechtsanwalt Dirk Eichelbaum zu seinem Nachfolger gewählt. Zugleich wechseln die bisherigen Aufsichtsratsmitglieder Walter Kelsch (sportlicher Bereich) und Friedrich Kummer (Schatzmeister) ins Präsidium des Vereins.

„Sicherlich ist durch den Rücktritt von Herrn Kullen und der weiteren Präsidiumsmitglieder eine schwierige Situation entstanden. Wir sind aber überzeugt, diese mit der neuen Mannschaft und mit vereinten Kräften meistern zu können“, sagte Eichelbaum.

Kullen hatte seinen Rücktritt nach einem Zerwürfnis mit dem Aufsichtsrat der „Blauen“ während eines Treffens am vergangenen Samstag erklärt. Gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“ sagte Kullen, er verlasse den Verein „erhobenen Hauptes“ und verwies auf passable Finanzen: „Die Bilanz in dieser Saison müsste die beste der Kickers seit Jahren sein.“ Die Liquidität belaufe sich auf 600.000 Euro.

An den Zahlen des Regionalligisten wollte auch der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Mauch nicht rütteln. Allerdings fehle Kullen ein Konzept für die Zukunft. Nach Meinung des Aufsichtsrates müsse der Etat für die kommende Saison deutlich erhöht werden.

Mit Kullen, der selber einen sechsstelligen Betrag in den Verein gesteckt hat, erklärten auch die Präsidiumsmitglieder Dieter Wahl, Edgar Kurz und Jürgen Köhn ihren Rücktritt, gleiches gilt für das Aufsichtsratsmitglied Klaus Lang.

Der neue Präsident Eichelbaum will nun als erstes mit Trainer Robin Dutt reden, um ihn auf jeden Fall bei den Kickers zu halten.

Kicker

Die Jugend-Homepage „www.kickers-juniorteam“ geht online

Nun ist sie endlich fertig: die neue offizielle Homepage der Kickers-Junioren geht online. Nach endlosen Stunden der Einrichtung, Programmierung und Einweisung werden ab sofort viele News der 13 Jugendmannschaften, Spielberichte, Ergebnisse, Informationen zu den Feriencamps, der GAZi-Fußballschule und auch zu den Sponsoren zu lesen sein. Jede Mannschaft pflegt seinen eigenen Bereich auf der Seite und kann so die User mit allen Neuigkeiten über das Team informieren. Das Layout dieses eigenen Portals für die Kickers-Jugend stimmt fast mit dem von der offiziellen Hauptseite überein. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm in der „Kickers- Familie“.
Surfen Sie bei der Kikcers-Jugend vorbei:
www.kickers-juniorteam.de

Offizielle Homepage

Presse zum Rücktritt von Hans Kullen

„Das ist keine Lustkandidatur“

Dirk Eichelbaum folgt Hans Kullen als Kickers-Präsident

STUTTGART. Heute wird Hans Kullen offiziell seinen Rücktritt als Präsident des Traditionsvereins Stuttgarter Kickers verkünden. „Wenn die Pflicht ruft, mach ich das“, sagt der bisherige Schatzmeister Dirk Eichelbaum.

Von Joachim Klumpp

Die Hoffnung stirbt zuletzt. So langsam aber macht sich Dirk Eichelbaum (42) mit dem Gedanken vertraut, von heute an Präsident der Stuttgarter Kickers zu sein. Der Rechtsanwalt sagte gestern: „Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass Herr Kullen weitermacht.“ Der wiederum betont: „Mein Entschluss steht fest.“ Rücktritt. Heute will er dies offiziell kundtun, wobei drei weitere Mitglieder des Präsidiums – die Herren Köhn, Kurz und Wahl – diesem Schritt folgen wollen. „Das ist keine Lustkandidatur. Aber es kommen ja sonst nicht viele in Frage“, sagt Eichelbaum zu der Konstellation, nachdem der angesprochene Exprofi Walter Kelsch abgelehnt hat. „Und es macht keinen Sinn, wenn wir jetzt jemand von außen holen, der mit der Situation im Klub nicht vertraut ist.“

Die sieht so aus, dass eine Abordnung des Aufsichtsrats den Präsidenten am Samstag vor dem Spiel gegen den FC Ingolstadt (1:1) dazu aufgefordert hat, sein Amt niederzulegen. „Warum soll ich weiterkämpfen, wenn ich keinerlei Rückendeckung habe“, sagt Kullen: „Das macht keinen Sinn mehr, zumal die Anerkennung fehlt.“

Vor allem die, den Verein wirtschaftlich von einem Sanierungsfall in ein gesundes Fahrwasser gebracht zu haben (siehe Grafik), was Eichelbaum bestätigt. „Es sieht gar nicht so schlecht aus, wenn man bedenkt, dass im Sommer einige lukrative Freundschaftsspiele anstehen.“ Gegen Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart, möglicherweise auch noch Hertha BSC. Dennoch gibt der Präsident in spe zu: „Jetzt sind die Personen gefordert, die den Präsidenten weg haben wollten.“

Kullen gegenüber wurde zuletzt vehement suggeriert, dass er in Sachen Sponsorensuche der entscheidende Hemmschuh sei. Bleibt abzuwarten, ob mit einem Führungswechsel der Befreiungsschlag in diesem Bereich kommt. Eichelbaum sagt dazu: „Ich dämpfe allzu große Erwartungen.“ Klar sei, dass der Verein einen Hauptsponsor brauche („die Frage ist, ob wir nicht noch ein besseres Angebot finden als das jetzige“) und eine breitere Basis bei den Werbepartnern. Dirk Eichelbaum betont: „Ich persönlich wehre mich dagegen, Hans Kullen als unerwünschte Person zu betrachten. In der Sache sind wir gut miteinander ausgekommen.“ Auch die Transfers Okpala und Mesic seien einstimmig vom Präsidium beschlossen worden.

Allerdings habe es immer wieder Reibungspunkte gegeben. Gewissermaßen das i-Tüpfelchen sei gewesen, dass Kullen nicht mehr wie in der Vergangenheit den Zinsverzicht auf sein Darlehen (von exakt 437 000 Euro) unterzeichnet habe, was die aktuelle Bilanz mit rund 50 000 Euro belasten dürfte. „Das habe ich bewusst gemacht, weil der Aufsichtsrat nicht in der Lage war, für einen Bankkredit zu bürgen“, kontert Kullen. Auch den Vorwurf, die Anschaffung des neuen Mannschaftsbusses für 200 000 Euro im Alleingang abgewickelt zu haben, dementiert Kullen vehement: „Ich habe vom Präsidium und Aufsichtsrat den Auftrag gehabt, und das für den Verein im Preis-Leistungs-Verhältnis beste Angebot umgesetzt.“

An solchen Beispielen wird deutlich, mit welcher Regelmäßigkeit die kleinsten Ursachen große Wirkung bei den Kickers haben. In dieser Gemengelage hat sich Kullen nun fast vier Jahre lang aufgerieben, nicht immer mit dem nötigen Fingerspitzengefühl, das steht außer Frage, dafür wusste man bei dem 65-Jährigen, woran man ist. Und Weggefährten bezeichneten ihn als durchaus lernfähig.

Das Präsidiumsmitglied Dieter Wahl jedenfalls ist von der Vorgesehensweise des Kontrollorgans zutiefst enttäuscht. „Bis heute hat vom Aufsichtsrat niemand mit mir persönlich gesprochen“, sagt der CDU-Stadtrat: „Das ist nicht der Stil der Kickers.“ Genauso wenig wie die Tatsache, dass das Gremium just am Stichtag für die Einreichung der Lizenzunterlagen (1. März) den Präsidenten zu einem Gespräch einbestellt hatte, das schließlich am Samstag vor dem Spiel gegen Ingolstadt nachgeholt wurde. Mit den bekannten Konsequenzen. „Inzwischen ist mir die gute Laune einiger Besucher klar geworden“, sagt Wahl zur Stimmung im VIP-Raum, die dem sportlichen Ergebnis von 1:1 nicht gerecht wurde. „Dabei muss man sich vorstellen, dass der Aufsichtsrat noch im November Herrn Kullen einstimmig zum Weitermachen aufgefordert hatte.“

Ein ehemaliger Funktionär sagt zur Rolle des neunköpfigen Aufsichtsrats: „Dabei geht es um persönliche Eitelkeiten und Intrigen.“ In einer Abstimmung vor dem Derby sollen sich die Anwesenden (ohne Klaus Lang und Kai-Uwe Völschow) einstimmig gegen Kullen ausgesprochen haben. Sollte der heute nicht zurücktreten, würden dies Teile des Aufsichtsrats tun, was unweigerlich zu Neuwahlen führen würde. Ansonsten fehlen neben Eichelbaum noch drei Mitglieder, damit das Präsidium weiter handlungsfähig ist.

„Ich mache mir nur etwas Sorgen um die Mannschaft“, sagt Kullen, der immer einen engen Kontakt zu den Spielern gepflegt hat. Ob der Trainer diese Gefahr auch sieht? „Die darf es nicht geben“, sagt Robin Dutt. Und überhaupt: „Diejenigen, die schon länger dabei sind, sind solche Situationen bei den Kickers ja gewohnt.“ Leider.

Stuttgarter Zeitung

Kullen geht – die Bedenken bleiben

Finanzielle Fragezeichen: Designierter neuer Kickers-Präsident Eichelbaum vor großer Herausforderung

Stuttgart – Wenn nicht noch ein Wunder passiert, wird Hans Kullen am heutigen Dienstag offiziell seinen Rücktritt als Präsident der Stuttgarter Kickers verkünden. Auf seinen designierten Nachfolger Dirk Eichelbaum wartet ein hartes Stück Arbeit.

VON JÜRGEN FREY

Hans Kullen klingt am Telefon gelassen. Er wirkt so, als sei er irgendwie mit sich im Reinen. „Wenn es keinen Spaß mehr macht“, sagt er in aller Seelenruhe, „dann muss man eben aufhören.“ Diesen Schritt will er heute verkünden. Die genauen Gründe, warum er nach dreieinhalb Jahren Amtszeit als Chef der Blauen seinen Hut nimmt, deutet der Versicherungskaufmann bisher nur an: Die Unterstützung aus dem Aufsichtsrat habe ihm gefehlt. Deren Mitglieder bezeichnet er als „Wölfe im Schafspelz, die erst in einiger Zeit merken werden, was ein Hans Kullen wirklich wert war“.

Der forsche Aufsichtsrat hatte dem Mann aus Hülben am vergangenen Samstag das Misstrauen ausgesprochen. Immer wieder habe der teamunfähige Kullen wichtige Entscheidungen mit dem Kontrollgremium nicht abgestimmt, heißt es. Das Fass zum Überlaufen brachte vor zwei Wochen etwas anderes: Erstmals hatte Kullen nicht auf die Zinsen für sein Darlehen in Höhe von zirka 450 000 Euro verzichten wollen. Daraufhin soll auch Ursi Dünnwald-Metzler die Zinsverzichtserklärung für ihr Darlehen (650 000 Euro) nicht unterschrieben haben. Die Zinsen für beide Darlehen belaufen sich auf etwa 40 000 Euro pro Jahr.

Nun soll Dirk Eichelbaum das Kickers-Schiff auf Kurs bringen. Der Aufsichtsrat hat den Schatzmeister gebeten, das Präsidentenamt zu übernehmen. „Um Kontinuität zu wahren und das totale Chaos zu verhindern, habe ich meine Bereitschaft erklärt“, sagt der Rechtsanwalt. Unter einer Voraussetzung: „Der Wechsel muss mit Stil und Anstand über die Bühne gehen. Es darf keine schmutzige Wäsche gewaschen werden.“ Da aus dem aktuellen Präsidium neben Kullen auch Edgar Kurz, Jürgen Köhn und Dieter Wahl („Ich bin überrascht und entsetzt über den Aufsichtsrat“) zurücktreten werden, braucht der neue starke Mann mindestens drei weitere Mitstreiter. Neu hinzukommen soll unter anderen Aufsichtsratsmitglied Walter Kelsch, der als eine der Triebfedern für den Umsturz in Degerloch gilt. Der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Mauch sagt zu den Beweggründen nur so viel: „Hans Kullen hatte keine Lösung parat im Hinblick auf einen Hauptsponsor und die Etatlücke in der neuen Runde.“

Bedenken, was die finanzielle Lage betrifft, bleiben auch so. Laut Eichelbaum seien Verhandlungen des Aufsichtsrats mit bisherigen und neuen Sponsoren weit gediehen, doch der 42-Jährige räumt diverse Unwägbarkeiten unumwunden ein: „Hans Kullen weiß genau, dass in der dritten Liga die Rückzahlung seines Darlehens nicht möglich ist. Sobald er seinen Rangrücktritt über den 30. Juni 2008 hinaus nicht verlängert, bekommen wir keine Lizenz.“ Die Blauen in die Insolvenz zu schicken, hätte jedoch auch für Kullen schmerzhafte Folgen – sein Geld wäre weg. Kullen gibt sich gelassen: „Ich mache mir keine Sorgen um mein Geld. Ob ich es morgen oder übermorgen bekomme, ist für mich nicht wichtig.“

Für die Kickers schon.

Stuttgarter Nachrichten

Sie haben das Sagen: Die Kickers-Gremien

Präsident: Hans Kullen (65/Versicherungskaufmann). Weiter im Präsidium: Dirk Eichelbaum (42/Rechtsanwalt – Ressort Finanzen und Recht), Dieter Wahl (57/Versicherungsfachwirt – Marketing und Öffentlichkeitsarbeit), Edgar Kurz (65/Versicherungskaufmann – Amateur- und Jugendfußball), Jürgen Köhn (64/ehemaliger ADAC-Geschäftsführer – andere Abteilungen).

Aufsichtsratsvorsitzender: Dr. Christian Mauch (43/Orthopäde). Stellvertreter: Christian Dinkelacker (42/Unternehmer). Schriftführer: Dr. Rainer Lorz (44/Rechtsanwalt). Weitere Mitglieder: Kai Uwe Völschow (37/Geschäftsführer business.com), Dr. Klaus Lang (67/ehemaliger Finanzbürgermeister Stadt Stuttgart), Heinz Höfinger (63/ehemaliger Geschäftsführer TNT Post Holding), Walter Kelsch (51/selbstständiger Unternehmer und Ex-Profi), Friedrich Kummer (46/Geschäftsführer ADP Employer Service), Alexander Lehmann (37/Geschäftsführer Minol Messtechnik).

Stuttgarter Nachrichten