Presse zu Stuttgarter Kickers – Dynamo Dresden (2:1)

Der Kickers-Bann ist gebrochen
Nach dem ersten Sieg in der dritten Liga ist der Glaube an die eigene Stärke zurückgekehrt

STUTTGART. Ein Rekordbesuch mit 6070 Zuschauern und dann noch der erste Saisonsieg beim 2:1 gegen Dynamo Dresden – was will man mehr? So konnten es die Fans der Stuttgarter Kickers gut verkraften, dass sie ein eher schwaches Spiel zu sehen bekamen.

Von Joachim Klumpp

Der Kickers-Manager Joachim Cast wusste am Samstag zeitweise gar nicht so recht, wo er nun hinschauen sollte: auf den Platz oder die Ränge? Denn der harte Kern der geschätzten zweieinhalbtausend Dynamo-Anhänger rüttelte hinter dem einen Tor immer wieder vehement am Fangzaun, so dass die Verantwortlichen Angst hatten, der würde eingerissen – und das Spiel abgebrochen. Doch dann hielt das gute Stück und endlich auch einmal die Abwehr, so dass nach 14 Spielen der erste Saisonsieg unter Dach und Fach war.

„Heute haben wir auch mal das Glück gehabt, das uns zuletzt gefehlt hat“, gab der Manager zu. Davon wollte der Trainer Edgar Schmitt offiziell nichts wissen, was irgendwie verständlich ist nach so einer langen Durststrecke, bei der schon mehrfach die sicher geglaubten Punkte in letzter Sekunde entrissen worden sind. Aber dass die Mannschaft durchaus noch anfällig ist, zeigte die Schlussphase, als sie sich von einem alles andere als übermächtigen Gegner in die Defensive drängen ließ, so dass buchstäblich bis zum Abpfiff um den Sieg gezittert werden musste. Der Co-Trainer Rainer Kraft brachte es nach den 90 Minuten auf den Punkt: „Das Spiel war nicht gut – dafür das Ergebnis.“

Am Samstag zählten nur die drei Punkte. Wobei Schmitt zugab: „Die Kunst ist es ja, die Mischung aus schönem und erfolgreichem Fußball zu finden.“ Die Kickers sind da zumindest auf einem guten Weg, und der Präsident Dirk Eichelbaum sieht sich rund zwei Wochen vor der Hauptversammlung in der Wahl des Trainers bereits bestätigt: „Unter Edgar Schmitt ist hier doch immer etwas geboten, auch wenn das diesmal sicher ein typisches Spiel für ein Unentschieden war.“

Was vielleicht auch daran lag, dass Schmitt personell ein wenig experimentierte. Teils gezwungenermaßen, teils freiwillig. So fiel der eigentlich für die linke Abwehrseite vorgesehene Marcel Rapp über Nacht mit Grippe aus, und Bashiru Gambo bekam zunächst eine Denkpause auf der Bank. Der Trainer nahm dem Ghanaer („er ist wie mein Sohn“) etwas übel, dass der sich wegen einer Schulterverletzung im Training hat hängenlassen. „Wir können nur als Team funktionieren“, betonte Schmitt deshalb nochmals. In dieser Rolle übernahm der Kapitän Alexander Rosen eine echte Vorbildfunktion, was Lauf- und Einsatzbereitschaft angeht. Schmitt: „Er verkörpert genau das, was wir brauchen, um nicht abzusteigen.“

Und davon ist der Trainer überzeugt, mehr denn je sogar. Da ließ sich dann auch ein wenig nonchalant darüber hinwegsehen, dass der Siegtreffer einem Eigentor entsprang und nach vorne einiges nicht so rund lief wie gewohnt. Orlando Smeekes fand überhaupt nicht ins Spiel, während bei Angelo Vaccaro recht deutlich wurde, dass das Mittelfeld nicht sein angestammtes Revier ist. Und die Abwehr, in der der Trainer Marcus Mann in die Pflicht nimmt, musste sich wiederholt auf den Schlussmann Manuel Salz verlassen. „Dennoch, das war wichtig für den Kopf“, sagte der Verteidiger Markus Ortlieb. Der Glaube ist zurück – und vielleicht kann der ja noch Berge versetzen.

Der Trainer jedenfalls gibt sich selbstbewusst, aber nicht überheblich. Sein Fazit: „Uns muss erst einmal einer schlagen.“ Da ist was Wahres dran. Denn das ist, unter Schmitt, bisher lediglich Offenbach gelungen.

Stuttgart: Salz – Reiß, Mann, Ortlieb, Härter – Vaccaro, Rosen, Kettemann (51. Gambo) – Traut, Schürg (79. Kacani), Smeekes (63. Tucci).

Dresden: Keller – Girke (84. Dobry), Grembowietz, Hübener, Cozza – Kügler (71. Savran), Truckenbrod, Pfeffer (63. Röttger), Wagefeld – Bröker, Jungnickel.

Stuttgarter Zeitung

Kickers kämpfen, zittern, feiern
2:1 – Mit wenig Spielkultur, aber viel Einsatz gelingt endlich der erste Sieg

Stuttgart – Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers ist für seinen hohen Einsatz mit dem ersten Saisonsieg belohnt worden. Das 2:1 (1:1) gegen Dynamo Dresden legte aber auch die Defizite im Spielaufbau und in der Defensive unbarmherzig an den Tag.

VON JÜRGEN FREY

Um 15.48 Uhr am Samstag war es vollbracht. Trainer Edgar Schmitt riss mit dem Schlusspfiff die Arme nach oben, brüllte seine Erleichterung heraus, dann drückte er seinen Assistenten Rainer Kraft und Manager Joachim Cast ganz fest an sich. Es waren keine Steine, die dem Trio vom Herzen gefallen waren. Und auch keine Felsen. Es war eine ganze Gebirgskette. Auch den Spielern war die Erleichterung über den ersten Saisonsieg im 14. Anlauf anzusehen. „Wir wissen nun, dass wir so ein Spiel auch über die Zeit bringen können. Das gibt uns Selbstvertrauen und neuen Mut“, sagte Kapitän Alexander Rosen, der Anführer eines leidenschaftlich kämpfenden Kickers-Kollektivs.

Wie der Dreier zustande kam, interessierte hinterher keinen mehr. Dass Torwart Manuel Salz mit drei Rettungstaten im Spiel eins gegen eins die Blauen im Spiel hielt? Dass zum Siegtreffer ein Eigentor herhalten musste? Dass die Kickers so gut wie keine Spielkultur zeigten? Schwamm drüber. „Das alles“, sagte Manager Cast mit einem breiten Grinsen, „das alles interessiert mich heute überhaupt nicht.“

Wer will es ihm verübeln? Schließlich hatten die Kickers schon oft in dieser Saison riesigen Aufwand betrieben – aber in der Schlussphase ging ihnen der Lohn flöten. Jetzt endlich ernteten die Blauen die Früchte ihrer Arbeit. Und Präsident Dirk Eichelbaum fühlt sich in seiner Entscheidung, den Trainer zu wechseln, bestätigt. „Edgar Schmitt hat doch schon in Aalen den attraktivsten Fußball der Liga spielen lassen, nun ist doch auch bei uns in jedem Spiel Leben in der Bude.“ In der Tat gehören harmloses Geplänkel, langweiliges Ballgeschiebe der Vergangenheit an. Die Spieler zeigen Risikobereitschaft und Mut zu Einzelaktionen. Und dennoch steht fest: Stellen die Blauen nicht ihre Abstimmungsprobleme in der Defensive ab, wird es zum Klassenverbleib nicht reichen. Es wäre ungerecht, für dieses Dilemma nur die Abwehr verantwortlich zu machen. Viel zu offen, viel zu ungeordnet und zu wenig kompakt präsentieren sich die Blauen schon im Mittelfeld. Und was die Kreativität nach vorne betrifft, steht und fällt vieles mit Bashiru Gambo. Als „unersetzlich“ bezeichnete ihn Schmitt. Dennoch brachte er ihn erst nach 50 Minuten. Aus disziplinarischen Gründen, weil der Ghanaer wegen Schulterproblemen erst am Donnerstag wieder ins Training kam. „Er hat sich ausgeruht, bevor er müde wurde“, sagte Schmitt. Ganz im Gegensatz zum kampfstarken Kickers-Team gegen Dynamo.

Stuttgarter Nachrichten

Dresdens Fans sorgen für Wirbel
Fangzaun drohte einzustürzen

Joachim Cast hat die Spiele der Kickers schon aufmerksamer beobachtet als am Samstag. Mit bangem Blick schaute der Manager in der zweiten Halbzeit immer wieder hinüber zu den Fans von Dynamo Dresden. Über 2000 hatten ihre Mannschaft ins Gazistadion begleitet. Sie sorgten für prickelnde Stimmung. Aber wenn“s dumm gelaufen wäre, hätten ein paar Unverbesserliche zudem für einen Spielabbruch gesorgt. Etwa 15 Dynamo-Anhänger waren auf das Fangnetz hinter dem Tor gestiegen und rüttelten daran minutenlang. Dresdens Sportdirektor Ralf Minge griff zum Mikrofon, doch auch er konnte die Fans nicht zur Vernunft bringen. „Wären die Pfosten aus der Verankerungen gebrochen und der Zaun eingestürzt, wäre das Spiel vorbei gewesen“, sagte Cast. Am Ende ging alles gut. Zwar beleidigten die Dynamo-Fans ihre Spieler verbal, ansonsten blieben sie friedlich. Cast meldete „keine weiteren besonderen Vorkommnisse“ und telefonierte noch am Abend mit DFB-Sicherheitsexperte Gerhard Kißlinger. „Er war zufrieden, wie es lief, für uns gibt es kein Nachspiel.“ jüf

Stuttgarter Nachrichten

Wenn Gebirgsketten vom Herzen fallen

Die Stuttgarter Kickers feiern beim 2:1 gegen Dynamo Dresden ihren ersten Saisonsieg

Stuttgart – Im 14. Anlauf hat es geklappt: Die Stuttgarter Kickers haben im Kellerduell gegen Dynamo Dresden mit 2:1 (1:1) ihren ersten Sieg in der dritten Fußball-Liga gefeiert. Zwar bleiben die „Blauen“ Tabellenschlusslicht, verkürzten aber den Abstand zu einem Nichtabstiegsplatz auf zwei Punkte – und tankten kräftig Selbstvertrauen.

Von Beate Wockenfuß

„Uns ist nicht nur ein Stein, sondern eine ganze Gebirgskette vom Herzen gefallen“, jubelte Kickers-Kapitän Alexander Rosen, nachdem er auf einer Ehrenrunde mit seinen Mannschaftskollegen ausgiebig den ersten Dreier mit den Fans gefeiert hatte. Nach zuletzt mehreren dramatischen Remis und gefühlten Siegen, stand den „Blauen“ die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. „Endlich hatten wir das Glück auch mal auf unserer Seite. Das gibt uns Auftrieb“, war auch der erneut starke Torhüter Manuel Salz froh, dass die Durststrecke beendet ist. Glück hatten die Kickers, weil die Dresdner erstens an eklatanter Abschlussschwäche litten und zweitens mit einem Eigentor für den Siegtreffer sorgten. „Das ist völlig egal, das nackte Ergebnis zählt“, betonte Manager Joachim Cast. Es war so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit. Schließlich hatten die Kickers in dieser Saison schon weitaus bessere Spiele gezeigt und dann doch nicht gewonnen. „Sicher war es kein Spiel für Fußball-Ästheten, sondern ein Kampfspiel mit einem Arbeitssieg“, so Cast. Jens Truckenbrod hatte die Gäste früh in Führung gebracht (11.). Den Ausgleich erzielte Sascha Traut mit einem Hammer aus 20 Metern, nachdem Ralf Kettemann einen Freistoß auf ihn quergelegt hatte (37.). Mehr Chancen hatten in der Folge die Sachsen, die sie aber alle vergaben. Der Dresdner Jens Grembowietz war es schließlich, der eine Flanke von Thorsten Reiß unhaltbar ins eigene Tor abfälschte (74.). Danach kämpften die Kickers aufopferungsvoll, um diesmal den Vorsprung über die Zeit zu retten. „Wir haben Mut und Leidenschaft entgegengesetzt und verdient gewonnen“, lobte Coach Edgar Schmitt. Dynamo-Trainer Ruud Kaiser sah es etwas anders. „Wir hätten hier 3:1 oder 4:1 siegen müssen“, haderte er mit der Chancenverwertung, nahm sein Team aber auch in Schutz: „Wir haben sehr gut gespielt. Die Gegentore waren unglaubliches Pech.“ Doch das interessierte nach dem Abpfiff im „blauen“ Lager keinen mehr. Die Kickers freuten sich nicht nur über den Sieg, sondern auch über einen neuen Saisonrekord von 6070 Zuschauern – von denen 2500 aus Dresden kamen. Ausschreitungen gab es nicht, auch wenn die Stimmung mehrfach zu kippen drohte. Einige Dynamo-Anhänger wurden zwischenzeitlich von Tribünen- zu Zaungästen und brachten die Absperrung mehrfach ins Wanken. Dresdens Sportdirektor Ralf Minge konnte sie aber per Mikrofon zumindest etwas besänftigen. Die Fans der Kickers waren dagegen glücklich und hoffen nun, dass der Knoten geplatzt und die Wende eingeleitet ist. „Wir sind bei der Musik und wissen, dass wir es können“, erklärte Schmitt. Dem kollektiven Jubel folgte aber sofort der kollektive Tritt auf die Euphoriebremse. „Wir bleiben bescheiden, wollen nur über den Strich“, sagte der Coach. Und auch Rosen betonte: „Das ist nur als ein erster Schritt zu sehen.“

Statistik
Stuttgarter Kickers: Salz – Reiß, Mann, Ortlieb, Härter – Kettemann (50. Gambo), Rosen, Vaccaro – Traut, Schürg (80. Kacani), Smeekes (62. Tucci).

Dynamo Dresden: Keller – Cozza, Hübener, Grembowietz, Girke (86. Dobry) – Wagefeld – Truckenbrod, Jungnickel – Kügler (71. Savran), Bröker, Pfeffer (62. Röttger).

Schiedsrichter: Schriever (Dorum).

Zuschauer: 6070.

Tore: 0:1 Truckenbrod (11.), 1:1 Traut (37.), 2:1 Grembowietz (74./Eigentor).

Gelbe Karten: Mann, Härter / Bröker, Truckenbrod, Grembowietz, Cozza.

Beste Spieler: Salz, Rosen / Wagefeld, Hübener.

Eßlinger Zeitung

Dresden weiter in der Krise

Erster Sieg für die Kickers
Im 14. Anlauf hat es endlich geklappt. Die Stuttgarter Kickers gewannen gegen Dynamo Dresden mit 2:1 (1:1) und feierten so den ersten Sieg in der laufenden Saison. Durch den Dreier schlossen die Schwaben nach Punkten zu Werder Bremen II auf. Die Krise bei Dynamo Dresden hat sich nach der erneuten Niederlage dagegen vergrößert. Das Team von Trainer Ruud Kaiser wartet seit fünf Partien auf einen Sieg.

Gegenüber dem 3:3-Unentschieden in Wuppertal nahm Kickers-Coach Edgar Schmitt zwei Änderungen vor: Härter und Schürg spielten für Landeka und Gambo (Schulterprobleme). Mit fünf frischen Kräften reagierte Dresdens Trainer Ruud Kaiser auf die 0:3-Pleite gegen Paderborn. Girke, Grembowietz, Kügler, Pfeffer und Jungnickel spielten für Palionis, Nikol, Petrovic, Röttger und Gerrit Müller.

Dynamo Dresden begann engagiert und dominierte die Anfangsphase. Bereits nach fünf Minuten verpasste Bröker bei der ersten Chance die Führung für die Sachsen. Die holte aber Truckenbrod nach. Der 28-Jährige nutzte einen Fehler in der Kickers-Abwehr eiskalt zur Führung für Dynamo aus (11.).

Die Kickers mussten sich nach dem Rückstand erst sortieren, konnten sich mit zunehmender Dauer gegen nun zu passive Dresdner mehr Spielanteile erarbeiten. Die Folge war der 1:1-Ausgleich durch Traut in der 37. Minute. Mit diesem Ergebnis ging es auch in die Kabinen.

Im zweiten Abschnitt wogte die Partie, die technisch keineswegs hochklassig war, hin und her. Mehr Vorteile hatten die Sachsen. Das Siegtor allerdings erzielten die Schwaben mit Unterstützung von Grembowietz. Dem Dynamo-Verteidiger unterlief in der 74. Minute ein Eigentor. Dresden warf in der Schlussphase alles nach vorne, konnte der Partie aber keine Wende mehr geben.

Die Stuttgarter Kickers sind am kommenden Samstag bei Eintracht Braunschweig gefordert. Dynamo Dresden empfängt ebenfalls am Samstag Fortuna Düsseldorf.

Kicker

Kaiser: So viel Pech ist eine Frechheit
Von Sven Geisler, Stuttgart

Der Dynamo-Trainer redet nach der 1:2-Niederlage bei den Stuttgarter Kickers die Krise der Dresdner schön.

Die Dresdner Dynamos haben das Kellerduell in der 3.Fußball-Liga bei den zuvor sieglosen Stuttgarter Kickers mit 1:2 (1:1) verloren. Wer jedoch danach die Analyse von SGD-Trainer Ruud Kaiser hörte, hätte glauben können, die Gelb-Schwarzen haben eine Weltklasse-Partie geliefert und der Gegner sich den Sieg auf hinterhältige Art und Weise erschlichen.

„Wenn man in einem Auswärtsspiel sieben, acht Torchancen kreiert – besser kann man ja nicht Fußball spielen“, meinte der Niederländer, und er stellte fest: „Normalerweise muss es 3:1, 4:1 für Dynamo Dresden stehen.“ Und so war sein Stuttgarter Kollege „unheimlich froh, dass wir kein Debakel erlebt haben“. Mit beißender Ironie konterte Edgar Schmitt Kaisers Sicht der 90Minuten, und er bilanzierte mit heiserer Stimme sachlich: „Wir haben verdient gewonnen, weil wir Leidenschaft und Mut entgegengebracht haben. Da können andere erzählen, was sie wollen.“

Dreimal vor dem Torwart

Kaiser verwies zum Beispiel auf die drei Situationen, in denen ein Dresdner allein auf Kickers-Keeper Manuel Salz zugelaufen war. Thomas Bröker schoss erst weit drüber anstatt auf den in der Mitte freistehenden Jens Truckenbrod zu passen (50.), dann schaufelte er Salz die Kunststoffkugel direkt in die Arme (57.), und schließlich semmelte Lars Jungnickel das Spielgerät in die Wolken, anstatt auf den mitgelaufenen Bröker abzulegen (69.). Diese Szene hatte Sportdirektor Ralf Minge wohl vor Augen, als er außer Pech und Unvermögen „einen Hauch Egoismus“ als Grund für Dynamos desolate Chancenverwertung verantwortlich machte.

Tatsächlich hatten die Dresdner mehr Möglichkeiten als die Gastgeber, aber nur Truckenbrod nutzte eine mit straffem Schuss zum Führungstreffer in der elften Minute – ein magerer Ertrag für einen hohen Aufwand. Dynamo hat in 13Spielen erst elf Tore erzielt; schlechter ist nur der VfR Aalen (10).

Die Abschlussschwäche seiner Stürmer konnte Kaiser bisher nicht beheben. Bei Bröker ist keine Entwicklung zu erkennen; anders als beispielsweise einst bei Thomas Neubert, der in Dresden als Chancentod begann und schließlich wegen seiner Tore für die Fans zum „Fußball-Gott“ aufstieg. Halil Savran, der in den ersten beiden Partien erfolgreich war, lief nach seiner Einwechslung in Stuttgart, als trüge er eine Zentnerlast auf dem Rücken, obwohl ihm der Trainer eine zweiwöchige Ruhepause gegönnt hatte.

Pavel Dobry, der beste Torschütze der vergangenen Saison, kam als Joker für sechs Minuten zum Zuge. Dabei hatte der Tscheche beim einzigen Mal, als er länger als eine Halbzeit angreifen durfte, in Offenbach zweimal getroffen (2:2).

Kaiser beklagt sich über die Gegentore. „Was kann man machen gegen einen Freistoß, der keiner ist? Was kann man machen gegen ein Eigentor? So viel Pech – das ist unglaublich; eine Frechheit.“

Über den Freistoßpfiff kann man zweifellos streiten, weil Truckenbrod zwar gegen Sascha Traut grätschte, aber den Ball traf. Die Ausführung jedoch war lehrbuchreif: Zwei Stuttgarter sorgen hinter der Mauer für Unruhe, dann legt der vermeintliche Schütze Ralf Kettmann ab, und Traut trifft den Innenpfosten. Unhaltbar. Eine ähnlich gute Variante ist den Dresdnern in dieser Saison noch nicht eingefallen. Deren harmlose Standards wirken nicht einstudiert.

Ungeschicktes Eigentor

Unglücklich wie ungeschickt war das Eigentor von Jens Grembowietz, der den Ruf von Torwart Axel Keller zu spät gehört hatte. Aber die scharfe Eingabe gab nicht zufällig Thorsten Reiß von der rechten Stuttgarter Seite. Dynamos Linksverteidiger Benjamin Girke, der sich den Einsatz in der Startelf durch seine passable Leistung gegen Paderborn verdient hatte, zeigte erhebliche Schwächen im Stellungsspiel und Zweikampfverhalten. Trotzdem sah Kaiser auch im Nachhinein keinen Grund, den 20-Jährigen auszuwechseln.

Vor einer Woche hieß es, der Gegner sei nun mal eine Klasse besser. Diesmal argumentiert der Chefcoach, dass im Fußball nicht immer die bessere Mannschaft gewinnt. Er sei trotzdem „ein bisschen entspannt“, weil die Mannschaft eine Reaktion gezeigt habe. Kämpferisch müssen sich die Gelb-Schwarzen nichts vorwerfen. Das reichte jedoch nicht, um den ersten Sieg der Kickers zu verhindern.

Am Mittwoch muss Dynamo zum Nachholspiel gegen WerderII nach Bremen, das beim Stand von 1:1 wegen Nebels abgebrochen worden war. „Das hätten wir gewonnen“, hatte Kaiser danach erklärt. Wenn die Dresdner diesen Sieg nicht nachholen, sieht es für die sportliche Zukunft des Vereins trübe aus – und Kaiser würde wohl niemand mehr abkaufen, wenn er die Krise schönredet: „Wir machen weiter, wie wir heute gespielt haben. Dann wird alles gut.“

Sächsische Zeitung

Vorberichte II: Stuttgarter Kickers – Dynamo Dresden

Kickers heute gegen Dresden

Höchste Sicherheitsstufe

STUTTGART (ump). Vor dem Gastspiel von Dynamo Dresden heute (14 Uhr) im Gazi-Stadion bei den Stuttgarter Kickers herrscht Sicherheitsstufe eins. Was vor allem an den Gästen aus Sachsen liegt, deren Anhänger in der dritten Fußballliga zuletzt einige Male unangenehm aufgefallen sind – und das nicht nur in der Fremde. Nach dem letzten Heimspiel gegen Paderborn (0:3) warteten einige sogenannte Fans mit einer makabren Aktion auf: Auf dem Trainingsgelände wurden in einer Nacht-und-Nebel-Aktion elf Gräber ausgehoben und mit Holzkreuzen versehen. „Die Schmerzgrenze ist damit überschritten“, sagte der Sportdirektor Ralf Minge, der Club stellte zudem Strafanzeige gegen unbekannt.

Trotz solcher Zwischenfälle hofft der Kickers-Manager Joachim Cast, „dass die Fans daraus ihre Lehren gezogen haben und sich in Stuttgart friedlich verhalten“. Rund 1000 Karten sind in Dresden abgesetzt worden, doch bei den Verantwortlichen rechnet man mit mindestens der doppelten Anzahl von Dynamo-Fans. Aus diesem Grunde erfolgt die Stadionöffnung heute ausnahmsweise bereits zwei Stunden vor dem Anpfiff, also um 12 Uhr. „Wir appellieren an alle Zuschauer, dass sie möglichst frühzeitig vor Ort sind“, sagt Cast, um angesichts der erhöhten Sicherheitskontrollen an den Kassen einen reibungslosen Einlass zu gewährleisten. Zudem hoffen die Stuttgarter Kickers darauf, dass der Saisonrekord von 5875 Besuchern aus der Partie gegen den VfB II fällt.

Ausschnitte vom Spiel gegen Dresden sind nur in den dritten Programmen zu sehen, obwohl die Partie von den Namen der beiden Mannschaften her auch für die ARD-Sportschau prädestiniert gewesen wäre. Offensichtlich aber nicht vom Tabellenplatz her: schließlich trifft der Letzte auf den 16.

Stuttgarter Zeitung

Kickers: Vaccaro und Gambo auf der Bank?

Stuttgart (jüf) – Das Abschlusstraining bringt oft die entscheidenden Fingerzeige für die Anfangsformation im folgenden Spiel. Am Freitag war das bei Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers nicht der Fall. Vor der Partie gegen Dynamo Dresden (Samstag, 14 Uhr/Gazistadion) traten im abschließenden Trainingsspiel die Kleinsten gegen die Größten an. Dennoch deutet vieles darauf hin, dass Marcus Mann zusammen mit Jens Härter in der Innenverteidigung spielen wird und Marcel Rapp links hinten zum Einsatz kommt. Möglicherweise sitzen Spielmacher Bashiru Gambo und Stürmer Angelo Vaccaro zunächst auf der Bank. Gambo stieg wegen Schulterproblemen erst am Donnerstag wieder ins Training ein, Vaccaro pausierte drei Tage lang wegen Problemen mit dem Ischiasnerv.

Stuttgarter Nachrichten

Stuttgarter Kickers: Ortliebs wundersamer Weg

„Abgesägt und reanimiert“

Exakt ein Jahr lang stand Markus Ortlieb bei den Stuttgarter Kickers auf dem Abstellgleis und durfte nur noch in der Reserve ran.

Doch seit Edgar Schmitt Stefan Minkwitz an der Seitenlinie ablöste, steht Ortlieb oben wieder in der Startelf. „Die haben mich erst abgesägt und jetzt reanimiert. Das war nicht zu erwarten“, grinst der 27-Jährige. Sein ehrlicher Zusatz: „Ich habe schon ein wenig darauf spekuliert, dass es noch einmal klappt, wenn der Coach fliegt.“

Die Rückkehr in die 3. Liga hat der Allrounder seiner Beharrlichkeit zu verdanken. Oder, besser ausgedrückt: dem Mangel an Alternativen. „Im Sommer wollte ich eigentlich weg, habe aber nichts gefunden“, gibt Ortlieb zu, der mit einem Vertrag bis 2009 ausgestattet ist.

Doch mit dem neuen Chef kehrte auch die Rolle des Stammspielers zurück. Dafür nimmt er es gerne in Kauf, dass er statt der bevorzugten „Sechser“-Position derzeit in der Innenverteidigung eingesetzt wird. „Ich kann im Moment keine großen Ansprüche stellen“, erklärt Ortlieb schulterzuckend.

Energischer wird der Schwabe, wenn es um die derzeitige Situation der Kickers geht, die mit vier Punkten Rückstand zum rettenden Ufer das Tabellenende zieren. „Zum Jubeln ist das nicht, und es frischt nicht gerade die Stimmung auf, jedes Mal wieder einen Tiefschlag zu bekommen. Aber es geht weiter“, betont der Ex-Wuppertaler. Er spricht aus Erfahrung…

Reviersport

Vorberichte Stuttgarter Kickers – Dynamo Dresden

Balanceakt der Kickers
Noch fehlt beim Fußballdrittligisten die gesunde Mischung aus Offensiv- und Defensivverhalten

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers empfangen morgen (14 Uhr) in der dritten Fußballliga Dynamo Dresden. Dann soll endlich der erste Saisonsieg gelingen – wozu allerdings eine verbesserte Abwehrleistung nötig wäre.

Von Joachim Klumpp

„Ein Quantum Trost“, so heißt der neue James-Bond-Film, der gestern offiziell angelaufen ist. Bei der Vorpremiere am Mittwochabend war die gesamte Kickers-Mannschaft in einem Stuttgarter Kino zu Gast, darunter waren eine Handvoll Spieler, die im passenden Outfit Autogramme signierten.

Wobei sich der Filmtitel in diesen Tagen durchaus auf den Drittligisten übertragen ließe. Schließlich wartet der Verein noch auf seine ganz spezielle Premiere: den ersten Sieg der Saison. Ob der morgen gegen Dynamo Dresden fällig ist? „Wir müssen es endlich einmal schaffen, zu null zu spielen“, sagt der Trainer Edgar Schmitt. Denn auch er weiß: damit wäre ein großer Schritt zu diesem Ziel getan. Schließlich ist die Mannschaft unter seiner Regie in sechs Spielen nur einmal ohne Treffer geblieben (beim 0:4 in Offenbach). Ansonsten aber stellt sich die Offensivabteilung durchaus drittligatauglich dar, „da gehören wir – ohne überheblich zu sein – sogar zum mittleren bis oberen Drittel der Liga“, sagt der Trainer selbstbewusst.

Was für die Defensive nicht gilt. Die ist so etwas wie die Schießbude, und zwar im gesamten deutschen Profifußball. Kein Club aus den ersten vier Ligen – und das sind immerhin 110 Mannschaften – hat mehr Treffer kassiert als die Kickers mit ihren 30 Gegentoren. „Unser ganzes Defensivverhalten ist zu naiv“, sagt dazu der Manager Joachim Cast – und schließt in diesen Vorwurf nicht nur die formalen Abwehrspieler mit ein. Damit würde man es sich zu einfach machen, auch wenn der Innenverteidiger Marcus Mann selbstkritisch sagt: „Natürlich stehen wir besonders in der Pflicht.“

Aber das Abwehrverhalten beginnt bekanntlich im Sturm – und deshalb ist jeder Spieler gefordert. „Die Mannschaft hat keinen Schaden genommen“, sagte Edgar Schmitt gestern nach dem Training. Und er geht noch einen Schritt weiter: „Sie war auch nicht beeindruckt, als ich gesagt habe: wir brauchen einen neuen Abwehrchef.“ Eine Aussage, die darauf schließen lässt, dass der Trainer seinem aktuellen Personal nicht zutraut, die Misere alleine zu beheben. Was Schmitt nun etwas relativiert hat. „Es geht ja nicht darum, einen Spieler rauszuwerfen, sondern der Mannschaft durch einen ruhenden Pol Selbstsicherheit zu geben.“

Wobei in dieser Hinsicht das letzte Wort sowieso noch nicht gefallen ist, denn dafür müssten zunächst einmal die finanziellen Voraussetzungen vorhanden sein, was – Stand heute – nicht der Fall ist. Sollte es so bleiben, wäre das für Schmitt kein Beinbruch, jedenfalls betont er: „Wir packen es auch mit dem jetzigen Kader.“ Genauso sieht es der Verteidiger Marcel Rapp: „Warten wir mal noch bis zur Winterpause ab, dann relativiert sich das alles“, sagt der 29-Jährige, der morgen gegen Dynamo Dresden möglicherweise auf der linken Abwehrseite zum Zuge kommen wird, die sich zuletzt als Achillesferse erwiesen hat. Wobei es dem auf dieser Position eingesetzten Josip Landeka mit 21 Jahren an Erfahrung fehlt. Zudem, das sei zu dessen Ehrenrettung gesagt, ist er vornehmlich als Offensivkraft geholt worden, musste aber nach Sasa Janic“ Ausfall notgedrungen hinten aushelfen. „Manche sind Opfer der Umstände“, sagt Edgar Schmitt dazu.

Der Trainer hat aber auch die individuellen Fehler der Spieler angesprochen: „Wir haben mit vielen gesprochen und gesagt, wir müssen die Ordnung und Positionen halten. Nicht in der letzten Minute noch versuchen, links vorne ein Dribbling anzusetzen – da bleibt mir die Sprache weg.“

Inzwischen hat er sie wieder gefunden. In dieser Woche haben zwei Spieler der zweiten Mannschaft sowie vier A-Jugendliche mittrainiert. „Damit wollen wir ihnen das Gefühl geben, sie werden hier beobachtet.“ Und irgendwann vielleicht gebraucht. Unabhängig davon hält Schmitt an seinem 4-3-3-System fest, auch Orlando Smeekes zuliebe, der aufgrund von Trainingsrückstand und Trainerwechsel seine wahren Stärken noch nicht hundertprozentig ausspielen konnte. Wobei der Niederländer genau das verkörpert, was für die gesamte Mannschaft gilt. „Wir haben ja Spaß am Fußball“, sagt Schmitt. Der deshalb morgen nach dem Spiel auf keinen Fall wieder Trost spenden will.

Stuttgarter Zeitung

Doppelte Brisanz im Kellerduell

Stuttgart (bw) – Morgen (14 Uhr) steigt im Gazi-Stadion das Duell zweier Traditionsvereine. Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers empfängt Dynamo Dresden – und mit dem mehrfachen DDR-Meister und FDGB-Pokalsieger werden auch 2000 bis 3000 Fans der Schwarz-Gelben erwartet. Obwohl einigen Dynamo-Sympathisanten ihr schlechter Ruf vorauseilt und es jüngst beim Spiel in Jena erneut zu Krawallen kam, rechnet Kickers-Manager Joachim Cast nicht mit Ausschreitungen auf der Waldau: „Ich denke, es wird ruhig bleiben.“ Trotzdem werden die Sicherheitsvorkehrungen für die Partie verschärft. „Das ist ein Ausmaß, das wir noch nie erlebt haben“, sagt Cast. So wird die Anzahl der Ordnungskräfte von den sonst üblichen 80 auf 260 erhöht. Am Eingang werden verstärkt Personenkontrollen durchgeführt, was zu längeren Wartezeiten führen kann. Sicherheitszäune wurden installiert und der Block C auf der Gegentribüne wird als Pufferzone zwischen den Fanlagern eingerichtet. Durch die große Anhängerschaft der Sachsen freuen sich die Kickers aber auch auf eine stimmungsvolle Kulisse beim ohnehin brisanten Kellerduell.

Eßlinger Zeitung

Anstoß: 08.11.2008 14:00
Stadion: Gazi-Stadion auf der Waldau

Schiedsrichter: Schriever (Dorum)
Assistenten: Brauer (Hildesheim), Müller (Felsberg)

Stuttgarter Kickers: Einziger Wackelkandidat ist Gambo (Schulterprobleme). Weiterhin fehlen Sasa Janic und Jörn Schmiedel (beide Schambeinentzündung).

Dynamo Dresden: Girke, Müller, Petrovic stehen bereit. Möglicherweise setzt Trainer Kaiser weiter auf Routinier Nikol im defensiven Mittelfeld.

Aufstellung

Stuttgarter Kickers
Salz – Reiß, Mann, M. Ortlieb, Landeka – Rosen, Gambo, Kettemann – Traut, Vaccaro, Smeekes; Trainer: Schmitt

Dynamo Dresden
A. Keller – Truckenbrod, Hübener, Grembowietz, C. Cozza – Kügler, Wagefeld, Jungnickel, Pfeffer – Röttger, Bröker; Trainer: Kaiser

Kicker

StN: Kickers-Abwehrchef steht gegen Dresden im Blickpunkt

Der Mann für alle Fälle

Stuttgart – Er ist einer der besten Fußballer beim Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers, doch zuletzt bekam Marcus Mann die Abwehr nicht in den Griff. Am morgigen Samstag (14 Uhr/Gazistadion) gegen Dynamo Dresden soll alles besser werden: Der erste Saisonsieg ist fest eingeplant.

Es war am Tag nach dem 3:3 beim Wuppertaler SV. Marcus Mann nahm sich vor, zu joggen. Nach fünf Minuten gab er auf und ging spazieren. „Ich war so fertig, so leer, ich konnte nicht mehr“, sagt der 24-Jährige. Dass sein Team schon wieder eine 3:1-Führung kurz vor Schluss hergeschenkt hatte, ließ ihn schlapp machen. In einer mehr oder weniger schlaflosen Nacht hatte sich der Abwehrchef den Kopf zermartert. Doch eine richtig schlüssige Erklärung für die Flut an Gegentoren fand er nicht. Nur so viel steht für ihn fest: „Unsere Fehler werden in dieser Saison viel, viel schneller bestraft.“

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Die dritte Liga ist mit der letztjährigen Regionalliga eben nicht zu vergleichen. 35 Gegentore hatten die Blauen 2007/08 in 34 Spielen kassiert. Jetzt sind es bereits 30 – nach 13 Spieltagen. Wer will es Trainer Edgar Schmitt verdenken, dass er zuletzt öffentlich die Verpflichtung eines neuen Abwehrstrategen forderte. Das traf Mann. Er suchte er das Gespräch mit dem Coach. Heraus kam ein Stück weit Entwarnung. „Wenn wir einen erfahrenen Spieler holen könnten, dann um die anderen stärker zu machen“, stellte Schmitt klar.

Er schätzt Manns Kopfball- und Zweikampfstärke, seine gute Technik und Spielübersicht. Sollte in der Winterpause eine Verstärkung kommen, spricht vieles dafür, dass er in der Innenverteidigung neben Mann spielen würde. Denn bis auf eine Auszeit wegen einer Gelbsperre war der gebürtige Leonberger immer gesetzt. Nur seine Partner im Abwehrzentrum wechselten. Mal war es Marcel Rapp, dann Jens Härter, dann Markus Ortlieb. Manns Vorteil: Er ist vielseitig einsetzbar. Der Mann für alle Fälle kann im zentralen defensiven Mittelfeld spielen, wenn es sein muss auch im offensiven, oder rechts in der Viererkette.

Seine gute Ausbildung kommt ihm dabei zu Gute. Bereits in der D-Jugend wechselte er vom SKV Rutesheim zum Karlsruher SC – und wurde zu einem Kilometerfresser in Sachen Sport. Seine Eltern chauffierten ihn die knapp 60 Kilometer einfach in den Wildpark. Mindestens viermal die Woche. Jahrelang. Bei den Aktiven war er unter Trainer Edmund Becker Kapitän der Amateurmannschaft, den Sprung zu den Profis schaffte er trotz zwei Zweitligaeinsätzen nicht. Über die Station Darmstadt 98 landete der Student (Sportwissenschaften, Sportmanagement) vor der vergangenen Saison bei den Blauen. Eine Partie hat er besonders in Erinnerung: Das 2:0 im März dieses Jahres gegen den SC Pfullendorf. Vor diesem Schlüsselspiel hatte ihn Ex-Trainer Stefan Minkwitz aus dem Mittelfeld nach hinten beordert – als Abwehrchef. Die Umstellung war mitentscheidend für die Aufholjagd in Richtung dritte Liga. Und diesmal? „Wir werden unser Ziel wieder erreichen“, ist sich Mann sicher. Wenn es nach ihm ginge, am liebsten ohne eine Umstellung im Abwehrzentrum, aber mit einem Sieg gegen Dynamo Dresden als Initialzündung.

Offizielle Homepage

StN: Bond-Preview mit Kickers-Autogramm-Stunde

Ein Quäntchen Trost

Kein Martini, kein „Meine Name ist Bond. James Bond“ – dafür aber 106 Minuten geballte Action. Damit zeigte sich bei der Preview zu „Ein Quantum Trost“ im Cinemaxx neben 650 Gästen auch der Kickers-Spieler Angelo Vaccaro zufrieden.

VON ANDREA JENEWEIN

Schicker Parkplatz, da direkt vor dem Cinemaxx Kino im Bosch-Areal. Aber er ist ja auch für den Aston Martin V8 Vantage Coupé reserviert, das James-Bond-Auto.

Während die herbeiströmenden Kinogäste sich fast alle vor der schicken Karosse verneigen, um einen Blick auf das Preisschild zu erhaschen, das in der Windschutzscheibe liegt – 121 613,15 Euro -, wartete Sascha Feller auf ein ganz anderes Auto. Den Mannschaftsbus der Stuttgarter Kickers. Der nämlich, so weiß der eingefleischte Kickers-Fan, soll hier gleich vorfahren. Zur Preview des neuen James-Bond-Filmes „Ein Quantum Trost“ am gestrigen Abend geben die Blauen Autogramme, und zwar auf eigens für diesen Anlass angefertigten Karten.

Feller ist nicht nur Kickers-Fan, er hat auch fast alle Bond-Filme gesehen. „Mein Vater war schon immer süchtig nach den Filmen“, sagt er. Plötzlich fixiert sein Blick doch den Aston Martin. „Da ist Angelo Vaccaro“, sagt er ehrfürchtig. Tatsächlich, da steht der Mittelstürmer. Oder vielmehr: Er liegt beinahe. Auf der Haube des grauen Flitzers posiert er zusammen mit einem blonden Werbe-Mädchen für die Fotografen.

Dann strömen die Massen. Allein im Cinemaxx wollen 650 Menschen den 22. Bond sehen. Im Saal wird es dunkel – das erste Bild, das die Besucher sehen, ist der Aston Martin – in welchem James Bond einen heißen Reifen fährt. Und am Ende, nach nur 106 Minuten – es ist der kürzeste Bond-Film aller Zeiten – hat man tatsächlich Action pur zu sehen bekommen.

Das findet auch Vaccaro, „Da waren viele gute, schön schnelle Action-Szenen drin“, sagt er, während er mit seinen Kollegen die Autogrammkarten unterschreibt. „Feuerball“ und „Gewinnen und verlieren“ steht auf diesen zu lesen – und die Blauen sind darauf in bester Bond-Pose zu sehen. Nun, schließlich könnten die Kickers momentan auch ein Quäntchen Trost gut vertragen.

Aber Vaccaro ist noch ganz bei Bond. „Ich fand den Film mal was ganz anderes – auch wenn der Regisseur ein paar Klassiker weggelassen hat, etwa den Martini oder das ,Mein Name ist Bond. James Bond““, meint er und reicht einem jungen Mädchen seine Autogrammkarte. Und er ist der Überzeugung: „Ein paar Liebesszenen mehr hätten es gerne sein dürfen.“

Das Ende des Films habe man nicht unbedingt verstanden, sagt Vaccaro, aber es lasse auf eine Fortsetzung hoffen. Die gibt erstmal er mit den Kickers: Die Mannschaft spielt am Wochenende in Dresden. Vaccaro hofft, 90 Minuten durchzuspielen. Und seine Fans auf anderthalb Stunden Action.

Stuttgarter Nachrichten

StZ: „Die Kickers müssen nicht in die Psychiatrie“

Der Kölner Sportpsychologe Jens Kleinert über die mentalen Probleme des Fußball-Drittligisten und wie diese überwunden werden können

Die Stuttgarter Kickers haben ein Problem: Immer wieder kassiert der Tabellenletzte der dritten Fußballliga in der Schlussphase Gegentore und gibt so Punkte ab – zuletzt beim 3:3 in Wuppertal, als die Mannschaft bis zur 88. Minute noch mit 3:1 führte. Ein Fall für die Couch? Fabian Heckenberger hat sich mit Jens Kleinert, Professor für Psychologie an der Sporthochschule Köln, über die Angst vor dem späten Misserfolg der Kickers unterhalten.

Herr Kleinert, gibt es bei Sportlern so etwas wie die Angst vor dem Gewinnen?

Das gibt es kaum, nur wenn sich vor allem Einzelsportler in einer extremen Favoritenrolle befinden. Dann kann es sein, dass der Druck, gewinnen zu müssen, zur Angst wird. Bei Mannschaften gibt es das seltener.

Dennoch verspielen die Kickers häufig in der Schlussphase wichtige Punkte, indem das Team späte Gegentreffer kassiert.

Das ist dann aber keine Angst vor dem Gewinnen, sondern Angst, das Erreichte noch zu verlieren. Also Furcht davor, das, was man sich in den bisherigen Spielminuten erarbeitet hat, wieder hergeben zu müssen. Das ist übrigens gar kein speziell sportliches Phänomen, das findet man in vielen Drucksituationen im Alltag.

Der Kickers-Trainer Edgar Schmitt spricht in diesem Zusammenhang von einer Neurose. Haben die Kickers eine Neurose?

Nein, Neurose ist ein Ausdruck aus der klinischen Psychologie und der Psychiatrie. In der Sportpsychologie kommen Neurosen nicht vor. Neurosen sind stabile Krankheitsbilder, die sich nur schwer behandeln lassen.

Nach den späten Gegentreffern zum 1:2, die Bayern München 1999 gegen Manchester den Sieg in der Champions League gekostet haben, war das Wort Trauma in aller Munde. Passt dieser Begriff besser?

Ein Trauma ist ein einmaliges, drastisches Ereignis, das mein Denken und Handeln stark beeinträchtigt. Das mag bei Bayern München vielleicht so gewesen sein. Bei den Kickers dagegen sind das ja mehrere Ereignisse – kein einmaliger, großer Schock. Aber auch der Begriff Trauma ist für den Sport eigentlich zu stark. Durch den Gebrauch solcher Worte dramatisiert und verschlimmert man die Situation meist nur.

Wie würden Sie dann das Phänomen bezeichnen?

Es geht um Angst und um Misserfolgsdenken. Je öfter ich späte Gegentore bekomme, desto eher denke ich in der nächsten Schlussphase wieder: oh nein, jetzt nur kein Tor kassieren, und ich bekomme Angst. Genau dieser Gedanke an negative Konsequenzen führt aber dazu, dass ich eine schlechtere Leistung zeige. Angst beeinträchtigt die Koordinationsfähigkeit, und ich spiele ungenaue Pässe. Das wiederum erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass ich noch ein Gegentor bekomme. Das nennt man eine Sich-selbst-erfüllende-Prophezeiung – ein Teufelskreis.

Wie kann der durchbrochen werden?

Zunächst: die Kickers müssen nicht in die Psychiatrie, sondern auf den Trainingsplatz oder zur Mannschaftssitzung in die Kabine. Dort kann der Trainer verschiedene Maßnahmen ergreifen: Er kann etwa positive Erlebnisse ins Bewusstsein rufen – einen wichtigen Sieg etwa.

Das haben die Kickers in dieser Saison noch nicht vorzuweisen.

Na gut. Eine weitere Methode wäre, dass die Spieler im Training lernen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wir setzen da Selbstgespräche oder Selbstbefehle ein, die dem Spieler helfen, sich auf das richtige Ziel zu konzentrieren. Solche Selbstgespräche sind etwas Positives und motivieren.

In der nächsten Partie gegen Dynamo Dresden sollen die Spieler also laut mit sich selbst sprechen?

Nein, laut übe ich das nur im Training ein, in einem Pflichtspiel würde ich das nicht empfehlen. Das wäre wohl etwas absonderlich. Sonst ruft vielleicht wirklich jemand noch den Psychiater. Die Kickers-Spieler müssen es sich innerlich sagen – als Selbstinstruktion. Oder sie könnten sich an ein Bild eines aggressiv geführten und gewonnenen Zweikampfes erinnern.

Was hat das für einen Sinn?

Es geht bei all diesen Maßnahmen darum, das Misserfolgsdenken aus dem Kopf zu bekommen, durch irgendeinen positiven Gedanken oder Selbstbefehl. Man kann nicht an etwas Negatives und zeitgleich an etwas Positives denken. Die Spieler brauchen also einen positiven zielführenden Gedanken im Kopf, wie der genau aussieht, kann sehr unterschiedlich sein. Er muss nur den möglichen befürchteten Misserfolg verdrängen.

Der Kickers-Trainer Edgar Schmitt fordert nun die Verpflichtung eines neuen Abwehrchefs. Könnte ein von den bisherigen Ereignissen unbelasteter Spieler den anderen helfen, den Teufelskreis im Kopf zu durchbrechen?

Natürlich. Das kann die anderen Abwehrspieler anspornen und von den negativen Gedanken ablenken. Im Mannschaftssport übertragen sich Gefühle und Emotionen von Akteur zu Akteur auf dem Feld. Angst kann in einem Team ansteckend sein. Ein Spieler infiziert den anderen über seine Erscheinung, sein Verhalten. Ein neuer Mann, der Sicherheit ausstrahlt, könnte diese Ansteckungskette durchaus stoppen.

Die Kickers-Gegentore
Spieltag Ergebnis Minute

1. Spieltag 0:2 in Burghausen25./49.
2. Spieltag 0:2 gegen Düsseldorf65./.79.
3. Spieltag 0:2 in Unterhaching13./45.
4. Spieltag 0:1 gegen Sandhausen 9.
5. Spieltag 1:1 in Regensburg86.
6. Spieltag 1:2 gegen Aue5./88.
7. Spieltag 2:3 in Erfurt7./68./90.
8. Spieltag 1:1 gegen Emden81.
9. Spieltag 3:3 bei Bayern II44./81./90.
10. Spieltag 4:4 gegen VfB II8./32./44./70.
11. Spieltag 0:4 in Offenbach44./67./81./86.
12. Spieltag 2:2 gegen Berlin10./31.
13. Spieltag 3:3 in Wuppertal61./88./90.

Stuttgarter Zeitung

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen im Heimspiel gegen Dynamo Dresden – Regelung der Restkarten für den Gästebereich

Zum nächsten Heimspiel am kommenden Samstag, 8. November 2008 im GAZi-Stadion auf der Waldau erwarten die Stuttgarter Kickers die SG Dynamo Dresden. Da viele Fans des mehrmaligen DDR-Meisters und Pokalsiegers aus Dresden und aus ganz Süddeutschland angekündigt sind, rechnen die Kickers mit ca 2.500 Dynamo-Fans auf der Waldau.

Nach mehreren Besprechungsterminen mit den Stuttgarter Sicherheitsbehörden und dem DFB wurden in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen von Dynamo Dresden die Partie sicherheitstechnisch und organisatorisch vorbereitet. Hier finden Sie einige wichtige Informationen, um ein möglichst faires, ruhiges und spannendes Spiel unter dem Fernsehturm zwischen den beiden Traditionsvereinen zu erleben.

Stadionöffnung wird aufgrund der Zuschauererwartung bereits zwei Stunden vor Spielbeginn sein (12.00 Uhr). Die Stuttgarter Kickers bitten alle Fans rechtzeitig zum Spiel anzureisen und aufgrund der sehr begrenzten Parkplatzmöglichkeiten rund um das Stadion auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Die VVS wird mit Sonderzügen im 10-Minuten-Rhythmus mit der Stadtbahnlinie U7 zwischen Killesberg – Hauptbahnhof – Ostfildern verkehren. Für die Fans aus Dresden wird die Stadtbahnlinie U15 zwischen Mönchfeld / Zuffenhausen – Hauptbahnhof – Ruhbank / Fernsehturm bis zur Endhaltestelle Ruhbank / Fernsehturm empfohlen. Die Eintrittskarte berechtigt zur kostenlosen Fahrt mit allen VVS-Verkehrsmitteln (2.Klasse). Nach Spielende stehen zwei Entlastungszüge für den schnellen Abtransport Richtung Hauptbahnhof bereit.

Aufgrund der erhöhten Sicherheitslage werden an allen Stadionzugängen Personenkontrollen nach verbotenen Gegenständen durchgeführt. Wir bitten alle Zuschauer um Beachtung und Verständnis, dass es dadurch zu längeren Wartezeiten beim Betreten des Stadions kommen kann.

Nach intensiven Überlegungen und Planungen einigten sich die Stuttgarter Kickers und die Sicherheitsträger, den Block C auf der Gegentribüne als Pufferbereich zwischen den Kickers-Fans und den Dresden-Fans einzurichten. Die Stuttgarter Kickers bitten daher alle Dauerkartenbesitzer des Blocks C in den benachbarten Block B oder A zu stehen.
„Aufgrund der großen Anzahl zu erwartender Gästefans haben die Sicherheitsträger und wir uns darauf verständigt, den C-Block als Pufferbereich zwischen beiden Fanlagern einzurichten. Wir bitten unsere treuen Fans und Dauerkartenbesitzer im C-Block um Verständnis“, so Manager Joachim Cast. Als Dank für das Entgegenkommen erhalten diese Dauerkartenbesitzer im Kickers-Fanshop eine Stehplatz-Freikarte für ein Kickers-Heimspiel ihrer Wahl.

An die Fans von Dynamo Dresden: Insgesamt stehen den Fans aus Dresden 2.800 Tickets im Stehplatzbereich zur Verfügung. Die Dynamo-Geschäftsstelle hat 2.000 Tickets für den F-Block für den Vorverkauf erhalten. Die Tickets können noch bis Freitag, 7. November um 15 Uhr direkt in Dresden erworben werden. Sollte die Kapazität im F-Block nicht ausreichen, wird zusätzlich noch der D-Block mit einem Fassungsvermögen von 800 Plätzen geöffnet. Diese Tickets gibt es im Fanshop der Stuttgarter Kickers bis Freitag, 7. November um 15 Uhr gegen Vorlage eines amtlichen Lichtbild-Ausweises für alle Kartenkäufer. Die Stuttgarter Kickers bitten deshalb alle Dynamo-Fans aus dem Großraum Stuttgart, sich ihr Ticket bereits im Vorverkauf zu sichern.

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