Presse zu Stuttgarter Kickers – Hessen Kassel (0:2)

Zeidlers Zwist mit den Zuschauern

Die Kickers unterliegen 0:2 gegen Kassel, und einige Fans verlieren schon die Geduld

STUTTGART. Der Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers kann zu Hause einfach nicht mehr gewinnen. Nach dem 0:2 gegen Kassel entlud sich der Unmut auch am Trainer. „Das ist für mich Faszination und Motivation“, sagt der Trainer Peter Zeidler dazu.

Von Joachim Klumpp

Es gibt im Fußballgeschäft Manager, die sitzen während des Spiels lieber auf der Tribüne, andere wiederum bevorzugen die Bank. So wie Joachim Cast bei den Stuttgarter Kickers. „Das ist manchmal vielleicht besser“, sagte er am Samstag nach dem Spiel gegen Kassel Kassel. „Da bekommt man nicht alles so mit.“ Zum Beispiel den Unmut der Zuschauer. Der war nach der 0:2-Niederlage unter den 3190 Besuchern deutlich vernehmbar, vor allem auf der Haupttribüne, wo die Klientel von jeher besonders kritisch ist. Woran sich wiederum die Gemüter erhitzten, mit unterschiedlichen Reaktionen. „Ich kann die Leute ein bisschen verstehen“, sagte das Präsidiumsmitglied Walter Kelsch – im Gegensatz zum Präsidenten Dirk Eichelbaum. „Die Reaktionen der Zuschauer hier machen das Arbeiten nicht leichter.“ Der Hauptbetroffene Peter Zeiler nahm die Situation (noch) gelassen. „Das ist die Faszination Kickers – und Motivation für mich.“ Nämlich endlich auch einmal zu Hause zu gewinnen.

Doch im eigenen Stadion tut sich die Mannschaft nach wie vor schwer, das Spiel zu machen. Derartige Probleme haben ihre Ursache meist im Mittelfeld. Zeidler selbst gab unter der Woche zu: „Wir sind noch auf der Suche nach der Idealformation.“ Die hat er auch gegen Kassel nicht gefunden, wenngleich der Trainer es diesmal mit Benedikt Deigendesch im offensiven Mittelfeld versuchte; der zeigte ein paar ordentliche Ansätze, mehr aber auch nicht.

Drei Spiele, drei Niederlagen im Gazistadion, das sagt alles. Auch wenn der Manager Joachim Cast beschied: „Das war bisher unser bestes Heimspiel.“ Allerdings auch gegen den schwächsten Gegner. Denn im Vergleich zu Regensburg oder Siegen verkörperte Kassel allenfalls Regionalliga-Mittelmaß, wenngleich es nicht ganz von ungefähr kommt, dass die Mannschaft auswärts noch keinen Gegentreffer bekam. Defensive ist Trumpf.

Die Kickers verstanden es vor allem vor der Pause nicht, diesen Widerstand über die Flügel zu knacken. Erst mit der Einwechslung von Mustafa Parmak (für den verletzten Gambo) kam mehr Schwung ins Spiel. „Wenn es bei der Mannschaft nicht so läuft, muss man ab und zu auch nach sich selbst schauen“, sagte Parmak – und hat inzwischen seinen Vertrag bis 2010 verlängert. Was den Kickers entgegenkommen sollte, sofern er fit ist. Mit Parmak – und jetzt Gambo – fehlten die beiden kreativsten Köpfe bei den Kickers bisher in regelmäßigen Abständen, was das konstruktive Zusammenspiel nicht gerade fördert. Zumal Markus Ortlieb erneut nicht überzeugen konnte. Die Optionen defensiv heißen Mann und Akcay, offensiv Parmak mal hinter den Spitzen. „Ich fühle mich da wohl“, sagt der Spieler, doch entscheiden tut der Trainer.

Der zerbricht sich tagtäglich den Kopf, wohl wissend, dass die Zeit nicht für ihn spricht. Irgendwann muss die Stammformation stehen. Auch wenn Zeidler sagt: „Ich habe positive Ansätze gesehen.“ Doch mit Ausnahme von Parmak hielten die sich in Grenzen, auch wenn man von jungen Spielern wie Rodrigues oder Deigendesch nicht gleich Wunderdinge erwarten darf. Eher schon von einem Sascha Benda, der auf der rechten Abwehrseite (gegen den starken Ex-VfB-Spieler Denis Berger) einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte und möglicherweise eine Option fürs Mittelfeld wäre, wie in Pfullendorf gehandhabt.

Alternativen gibt es also durchaus. Aber die müssen passen, wie bei einem Puzzle. Dort sind 23 Teile ein Kinderspiel, im Fußball gestaltet es sich manchmal schwieriger, aus 23 Mann eine Einheit zu formen.

Doch auch der Trainer weiß: „So langsam müssen wir uns finden.“ Nicht nur der Fans wegen. Was man gegen deren Unmut tun kann? „Jedes Spiel gewinnen“, sagte der Präsident Eichelbaum sarkastisch, „am besten zweistellig.“ Vielleicht würde aber in zwei Wochen gegen Sandhausen ja schon ein ganz gewöhnliches 1:0 reichen.

Stuttgarter Kickers: Yelldell – Benda (46. Mann), Rapp, Härter, Stierle – Gambo (41. Parmak), Ortlieb, Deigendesch, Rodrigues (77. Tucci) – Kacani, Vaccaro.

Hessen Kassel: Adler – Suslik, Willers, Keim, Kümmerle – Beyer (76. Möller), Busch, Fießer, Berger – Bauer (87. Schmidt), Strobel (64. Zinke).

Schiedsrichter: Leicher (Weihmichl)

Tore: 0:1 Strobel (41.), 0:2 Fießer (86.)

Gelb-Rote Karte: Keim (Kassel, 85.)

Stuttgarter Zeitung

Kickers: Wille und Herzblut reichen nicht

Die Blauen vergeben beim 0:2 gegen Kassel viele Chancen – Eichelbaum kritisiert die Zuschauer

Stuttgart – Die Spieler der Stuttgarter Kickers haben alles gegeben. Doch selbst gegen den bisher schwächsten Gegner in Degerloch reichte das nicht zum ersten Heimsieg der Saison – 0:2 (0:1) gegen den KSV Hessen Kassel.

VON JÜRGEN FREY

Der Scout des Zweitligisten SC Paderborn verließ die Tribüne kurz vor Spielende und brummelte etwas von „Not gegen Elend“. Kassels Trainer Matthias Hamann wollte hinterher ein „rassiges Regionalligaspiel“ gesehen haben, in dem seine Mannschaft „sehr gut nach vorne gespielt“ habe. Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte: Die Kickers zeigten ihr bestes Heimspiel, allerdings präsentierten sich die ersten beiden Gegner Jahn Regensburg und SF Siegen deutlich stärker als Kassel. Als „defensiv-destruktiv“ bezeichnete Kickers-Manager Joachim Cast den Auftritt der Hessen, die mit ihrem ersten Schuss aufs Tor kurz vor der Pause glücklich in Führung gingen.

Das Positive aus Sicht der Blauen: Sie erarbeiteten sich mehrere klare Chancen, allein Sokol Kacani scheiterte zweimal an Pfosten und Latte. Die Kickers spielten mit Herz und Leidenschaft. Der Wille war da. Bei jedem Einzelnen. Doch klar wurde auch: Es fehlt eine Führungspersönlichkeit im Mittelfeld. Und darunter leidet die Spielsteuerung. Viel zu früh wurden in der zweiten Halbzeit die Bälle hoch und weit nach vorne geschlagen, anstatt die teilweise hüftsteifen Hessen am Boden auszuspielen. „Im Mittelfeld passt es noch nicht. Der Trainer sucht noch seine Idealformation“, erkannte Mustafa Parmak das Hauptproblem der Kickers. Der 25-Jährige, der seinen Vertrag bis 2010 verlängert hat, brachte nach seiner Einwechslung viel Schwung und drängte sich für einen Platz in der Anfangformation auf. „Ich hätte lieber schlecht gespielt und dafür drei Punkte auf dem Konto“, sagte Parmak und schüttelte noch Minuten nach dem Spiel enttäuscht den Kopf: „Immer wenn wir die Chance haben, uns oben festzusetzen, patzen wir. Das war schon in der vergangenen Saison der Fall.“ Auch der sportliche Leiter Walter Kelsch zeigte sich verärgert: „Wir haben die Riesenchance verpasst, auf Platz zwei vorzustoßen.“ An der Tabelle wollte sich der Trainer dagegen nicht aufhalten. „Ich sehe unsere Entwicklung eher nach oben als nach unten“, sagte Peter Zeidler mit etwas Abstand zum Spiel.

Unmittelbar nach dem Abpfiff hatte er mit starrem Blick und ohne Regung auf die Haupttribüne geschaut. Der Coach fixierte einen der Zuschauer, die sehr schnell mit wenig aufbauenden Äußerungen die Mannschaft und speziell den schwachen Sascha Benda bedacht hatten. „Das ist Teil der Faszination Kickers, das ist spannend, ich sehe dies als Herausforderung“, erklärte Zeidler später – und spielte das Reizklima herunter. Präsident Dirk Eichelbaum wurde deutlicher: „Das katastrophale Zuschauerverhalten vieler Besucher auf der Haupttribüne nervt mich.“ Was er dagegen tun will? „Jedes Spiel gewinnen, am besten zweistellig“, erwiderte der Kickers-Chef ironisch.

Dabei würde den meisten wohl schon ein 1:0 reichen – im nächsten Heimspiel am 14. September gegen den SV Sandhausen.

Stuttgarter Nachrichten

„So herum ist das eine Katastrophe“

Die auswärtsstarken Stuttgarter Kickers warten weiter auf den ersten Heimsieg der Saison – 0:2 gegen Hessen Kassel

Stuttgart – Jens Härter war nach dem Abpfiff viel zu enttäuscht, um eine schlagfertige Antwort parat zu haben. „Nein, bestimmt nicht“, meinte der Kapitän des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers nach dem 0:2 (0:1) gegen Hessen Kassel auf die Frage, ob die Mannschaft nun am besten immer auswärts antreten sollte. Die Zwischenbilanz der Kickers: Drei Siege in drei Spielen auf fremdem Platz, aber zu Hause aus drei Begegnungen nur ein Zähler.

Von Sigor Paesler

Der Fan, der extra aus Sachsen angereist war, war empört. Und dann musste er sich auch noch Spott anhören. Den Mann mit der abgetragenen Kickers-Mütze ärgerte sich nämlich nicht über die Niederlage der Mannschaft. Er wollte sich mit einem Trikot und weiteren Fan-Artikeln eindecken und fand keine Gelegenheit dazu. Warum er nach so einem Spiel ein Kickers-Leibchen erwerben wolle, musste er sich prompt fragen lassen – und stapfte dann etwas verwirrt in Richtung A-Block, wo es doch noch ein paar nageneue Trikots zu kaufen gab.Aber auch dem Mann aus Sachsen dürfte zuvor aufgefallen sein, dass die „Blauen“ zwar einerseits unverdient den Platz als Verlierer verlassen hatten, andererseits aber deutlich wurde, dass Trainer Peter Zeidler und seine Mannen noch eine Menge Arbeit vor sich haben. Nachdem der Coach jedoch in der vergangenen Woche nach dem sehr glücklichen 1:0 beim FC Bayern München II darauf verwiesen hatte, dass noch eine Menge Luft nach oben sei, betonte er diesmal „einige positive Dinge, die ich beobachtet habe“. Der Trainer als Psychologe. „Man kann nicht sagen, dass wir schlecht gespielt haben. Die Richtung stimmt“, meinte er.Zurecht verwies der Trainer darauf, dass die „Blauen“ mit zehn Punkten aus sechs Spielen immer noch im Soll seien: „Wir bewahren die Ruhe und wissen, woran wir arbeiten müssen.“ Während Zeidlers Analyse differenziert ausfiel, konnte man sich über die Äußerungen seines Kasseler Kollegen nur wundern. Matthias Hamann nämlich hatte ebenso ein „rassiges Regionalliga-spiel“ gesehen wie „Chancen im Minutentakt“ und als Krönung einen „hoch verdienten Sieg“ seiner Mannschaft. Tatsächlich kamen die Hessen durch ihre erste Chance zum 1:0 durch Erich Strobel (42.). Der starke frühere VfB-Profi Denis Berger hatte vorbereitet. Die Stuttgarter hatten zwar große Defizite im Spielaufbau, hatten aber vor allem durch Sokol Kacani genug Chancen, um die Begegnung für sich zu entscheiden. Lediglich Mustafa Parmak, dessen Vertrag bis 2010 verlängert wurde, setzte einige spielerische Akzente. Das 0:2 entsprang einem Konter kurz vor Schluss.Richtig angefressen war Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum. Zum einen, weil von der Haupttribüne schon früh wüste Beschimpfungen aufs Feld geprasselt waren. „Letzte Woche glücklich gewonnen, dieses Mal unglücklich verloren, so herum ist das eine Katastrophe“, mäkelteEichelbaum. Zum Trost: Am Samstag folgt in Karlsruhe wieder ein Auswärtsspiel.
Statistik

Stuttgarter Kickers: Yelldell – Benda (46. Mann), Rapp, Härter, Stierle – Gambo (41. Parmak), Ortlieb, Deigendesch, Rodrigues (77. Tucci) – Kacani, Vaccaro.

Hessen Kassel: Adler – Suslik, Willers, Keim, Kümmerle – Beyer (76. Möller), Busch, Fießer, Berger – Bauer (87. Schmidt), Strobel (64. Zinke).

Schiedsrichter: Leicher (Weihmichl).

Zuschauer: 3190.

Tore: 0:1 Strobel (42.), 0:2 Fießer (86.).

Gelbe Karten: Rapp, Parmak, Kacani / Suslik, Keim.

Gelb-Rote Karte: – / Keim (85./wiederholtes Foulspiel).

Beste Spieler: Stierle, Parmak / Berger, Beyer.

Eßlinger Zeitung

Überragender Berger
24-jähriger Mittelfeldmann war in Stuttgart kaum zu stoppen
In Topform: Denis Berger war von den Kickers nicht in den griff zu kriegen. Archivfoto: Fischer

Matthias Hamann stand gelöst im Vip-Raum im Degerloch, gönnte sich ein Weizenbier und warf nebenher einen Blick auf die Bundesligaergebnisse. Der Trainer hatte die Ruhe weg. Nicht nur wegen des 2:0-Sieges, sondern auch weil er gleich über Nacht in Stuttgart blieb. Gestern stand für den Pferdenarr ein Abstecher nach Iffezheim zur Rennwoche an.

Doch nicht nur der Trainer „schwänzte“ die Rückreise – auch Denis Berger blieb gleich nach dem Schlusspfiff im Schwabenland, an alter Wirkungsstätte gewissermaßen. „Das war schon vorher so ausgemacht“, betonte der Trainer. Es hätte sonst leicht als Belohnung für eine starke Leistung des Mittelfeldspielers gewertet werden können. Er war der überragende Mann auf dem Platz, vor allem in der ersten Hälfte kaum zu stoppen. Nicht von ungefähr bereitete er Kassels Führung mit einer Flanke von links mustergültig vor. Der Kickers-Trainer Peter Zeidler sah sich in der Halbzeit denn auch gezwungen, Sascha Benda auszuwechseln, nachdem der Berger nie in den Griff bekommen hatte.

Nicht von ungefähr hatte der Trainer Berger in den vergangenen Wochen nach der Verletzung des etatmäßigen Spielführers Thorsten Schönewolf zum Kapitän befördert. „Zuerst war er noch etwas übermotiviert und wollte zu viel“, sagte Hamann, „heute hat er das richtige Maß gefunden.“

Das kann ja noch kommen. Berger jedenfalls ist mit seinen 24 Jahren noch nicht im Zenit der Karriere. „Aber jetzt muss er bei uns Verantwortung übernehmen“, so der Coach. Schließlich hat Berger schon in Österreichs Juniorennationalmannschaft gespielt, lange bei den Amateuren des VfB Stuttgart und beim ExZweitligisten Sportfreunde Siegen. „Er hat ein riesiges Potenzial“, sagt Marc Arnold. Und in Stuttgart hat er es endlich auch mal eindrucksvoll abgerufen.

HNA

Löwen kontern Kickers aus
K. Stuttgart – Kassel 0:2. Erich Strobel und Jan Fießer sichern ersten Auswärtssieg

Von Joachim Klumpp

Stuttgart. Nach dem dritten Auswärtssieg im dritten Spiel am vergangenen Wochenende bei Bayern München II hatte der Kickers-Manager Joachim Cast vor dem Heimauftritt gegen den KSV Hessen Kassel noch gewarnt, den Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Kassel? „Gegen die haben wir letzte Saison zweimal verloren.“ Und am Samstag wieder – 0:2.

Weshalb der KSV-Manager Marc Arnold nach dem Schlusspfiff vor 3190 Zuschauern zufrieden auf dem Rasen stand und sagte: „Wie fast immer, wenn ich hier bin. Unser Konzept ist aufgegangen.“ Das kann man so sagen: Denn die Löwen holten aus ihren Tor-möglichkeiten fast das Optimale raus. Die erste ernsthafte Aktion des Stuttgarter Schlussmannes David Yelldell war es jedenfalls, den Ball aus dem Netz zu holen. Denis Berger hatte von links geflankt und Erich Strobel den Ball wunderschön volley ins Tordreieck gesetzt (41.)

„Die erste Halbzeit war noch etwas von der Taktik geprägt“, sagte Kassels Trainer Matthias Hamann. Doch die stach. Zumindest bei den Gästen. Sie basierte auf einer starken Defensive mit zwei Viererketten und Konterspiel. Dabei ist es sicher kein Zufall, dass der KSV auswärts auch im dritten Spiel der Saison ohne Gegentor blieb. Wenngleich das nach dem Wechsel ein paar Mal in der Luft lag. Sokol Kacani, der in der elften Minute bereits den Pfosten getroffen hatte, köpfte zum Beispiel in der 59. Minute an die Latte. „Die Kickers hatten Chancen fast im Minutentakt“, gab Matthias Hamann zu. „Da haben wir uns mit Glück und Geschick rausgewunden“, so der Trainer, nachdem es in der zweiten Hälfte praktisch ein Spiel auf ein Tor war: das von Kassel.

Gebracht hat es den Kickers nichts. „Die haben sicher höhere Ziele als wir und schielen vielleicht sogar auf Platz zwei“, meinte Jan Fießer, der seine gute Leistung mit dem Tor in der 86. Minute krönte, als er einen Pass von Bauer eiskalt verwertete. Und das in Unterzahl, nachdem kurz zuvor Dominik Suslik mit Gelb-Rot vom Platz geflogen war, wegen wiederholten Foulspiels. Doch auch das brachte den KSV nicht mehr aus seinem Konzept. Die Mannschaft kämpfte aufopferungsvoll, allen voran Sebastian Busch, der sich nach einem Zusammenprall mit Kacani eine Platzwunde an der Stirn einhandelte und gleich zweimal einen Kopfverband verpasst bekam, nachdem sich der erste gelöst hatte. „Letztendlich war es ein verdienter Sieg“, meinte Matthias Hamann, nachdem seine Mannschaft in der Schlussphase sogar noch ein, zwei Kontermöglichkeiten vergeben hatte.

HNA

Kickers – KSV Hessen Kassel 0:2 (0:1)

Die Kickers schafften auch im dritten Heimspiel der Saison nicht den erhoffenen Heimerfolg. Gegen den KSV Hessen Kassel verlor die Mannschaft von Trainer Peter Zeidler vor 3.190 Zuschauer im GAZi-Stadion auf der Waldau mit 0:2 (0:1) Toren. Die Blauen zeigten dennoch ihr bestes Heimspiel in diesem Jahr, nutzten aber ihre Chancen nicht. Die Gäste gingen mit der ersten Möglichkeit durch Erich Strobel völlig unerwartet in Führung (41.), einen der beiden Konter schloss Jan Fisser zum 0:2 Endstand ab (85.).

Zur Aufstellung:

Vor David Yelldell im Kickers-Tor spielten heute Sascha Benda, Jens Härter, Marcel Rapp und Oliver Stierle in der Abwehrreihe. Im Mittelfeld bekam erstmals Bendikt Deigendesch seine Chance von Beginn an, er spielte zentral mit Markus Ortlieb zusammen. Auf den Flügeln liefen Dominique Rodrigues und Bashiru Gambo auf, vorne im Sturm Angelo Vaccaro und Sokol Kacani. Trainer Peter Zeidler mussten auf die verletzen oder angeschlagenen Spieler Moritz Steinle, Mustafa Akcay und Nico Beigang verzichten. Auf der Bank nahmen zunächst Mustafa Parmak, Marcus Mann, Recep Yildiz, Marco Tucci und Sven Sökler Platz.

Der Spielverlauf:

In der chancenarmen ersten Halbzeit waren die Kickers von Anfang an bissig in den Zweikämpfen. Die Gegenspieler wurde eng gedeckt, die Mannschaft versucht schon früh in Ballbesitz zu kommen. Doch Kassel zog sich weit zurück und überließ den Kickers das Spiel. Bereits in der 11. Minute zeigten die Kickers einen wunderschönen Angriff, als der Ball aus der Abwehr heraus über mehrere Station direkt nach vorne getragen wurde. Bashiru Gambo schickte Sokol Kacani schließlich steil, bis er freistehend ca. 12 Meter rechter Position zum Abschluss kam. Sein Flachschuss sprang vom den linken Pfosten wieder zurück an die Strafraumgrenze, wo Dominique Rodrigues leider völlig verzog und sein Nachschuss weit über dem Tor landete. Beide Male stand aber Angelo Vaccaro frei, schade dass ihn seine Mitspieler nicht gesehen hatten. Sokol Kacani wurde in der 20. Minute wieder direkt freigespielt, sein Linksschuss parierte Oliver Adler im Gästetor aber sicher.
Nach der guten Anfangsphase ließ der Spielfluß bei den Degerlocher leider nach. Die Kickers taten sich wieder schwer, das Spiel zu machen. Die Gäste machten ab der Mittellinie dicht und lauerten auf die Fehler der Blauen, die heute aber viel konzentrierter spielten. So wurde der Ball zwar häufig hinten über die Abwehrreihe gespielt, doch zumindest blieben sie so in Ballbesitz und es kam nicht zu unnötigen Ballverlusten oder Fehlpässen.
In der 40. Minute musste dann Trainer Peter Zeidler wechselt, für den am Oberschenkel verletzten Bashiru Gambo kam Mustafa Parmak in die Partie. Nur 60 Sekunden später gingen die Gäste mit ihrer ersten Chance in Führung. Bei einem langen Diagonalball ließ Sascha Benda im Rücken Denis Berger laufen, der auf den Grundlinie seine Flanke an David Yelldell vorbei auf den zweiten Pfosten zog, wo Erich Strobel mutterseelenallein stand und volley zum 0:1 vollstreckte. Diesen Schock mit dem unerwarteten Rückstand nahmen die Kickers auch in die Pause.

Zur zweiten Hälfte kam Marcus Mann für Sascha Benda in die Partie, Markus Ortlieb rückte dafür auf die rechte Abwehrseite. Nach gut einer Stunde hatten Marcus Mann per Kopf nach einem Freistoß von Mustafa Parmak die erste Möglichkeit, doch sein Kopfball war zu unplatziert. In der 64. Minute setze sich Mustafa Parmak auf der rechten Seite mit einem tollen Solo durch, flankte in der Rückraum auf Dominique Rodrigues, der mit seinem schwächeren rechten Fuß abzog, doch sein Schuss war leider zu harmlos, so dass der Gästekeeper mit einer schönen Flugeinlage den Ball abfangen konnte.

Wied er nur wenige Minuten später war es erneut Mustafa Parmak, der über rechts viel Druck machten, dann nach außen auf den aufgerückten Markus Ortlieb passte. Dieser flankte scharf in die Mitte, wo Sokol Kacani am Höchsten stieg. Seinen Kopfball setzte er als Aufsetzer, doch sprang der Ball von der Unterkante der Latte wieder heraus. Der Abpraller landete bei Angelo Vaccaro, der mit einem Drehschuss aus fünf Metern sofort abzog, doch sein Schuss köpfte Kassels Willens tatsächlich noch von der Linie. Beim dritten Versuch zog Marcus Mann aus dem Rückraum ab, doch die Gästeabwehr rückte schnell auf, so dass mehrere Kickers-Spieler im Abseits standen.
Wieder nur Zeigerumdrehungen später die nächste Möglichkeit für die Blauen. Nach einer Parmak-Ecke brachte Benedikt Deigendesch einen geklärten Ball wieder zurück in den Strafraum, doch wieder rückte die Gästeabwehr schnell heraus, so dass das Tor von Sokol Kacani korrekterweise keine Anerkennung fand (68.).
Eine Viertelstunde vor Schluss zappelte die Kugel wieder im Netz, doch wieder zählte es nicht. Mustafa Parmak steckte den Ball schön durch auf Angelo Vaccaro, doch noch zwei Gegenspieler versetze und Gästekeeper Adler tunnelte. Doch beim Pass stand der Italiener leider ein paar Zentimeter im Abseits, wie später im TV zu sehen war (75.).
Von den Gästen aus Hessen war bis dato überhaupt nichts zu sehen. Doch sie überstanden diese Druckphase der Kickers viel mit Glück und auch Geschick ohne Gegentreffer und setzten dann ihren ersten Konter. Der eingewechselte Daniel Müller zog an der Strafraumgrenze viel zu früh am, sein Schuss ging rechts oben am Tor vorbei (80.).
Auf der Gegenseite brannte es wieder im Strafraum der Hessen: Angelo Vaccaro setzte bei einem Ball nach, der Richtung Toraus ging nach, schlug die Kugel wieder in den Fünfmeterraum, doch vor Sokol Kacani brachte ein Gästeabwehrspieler wieder einen Fuß dazwischen (83.). Nur Sekunden später sah Gästeabwehrspieler Suslik wegen einem unnötigen Foula an der Mittellinie die Ampelkarte wegen wiederholtem Foulspiel.
Aber mit dem zweiten Konter und der eigentlich dritten wirklichen Chance im Spiel entschieden die Gäste aus Kassel aber die Partie. Gästetorjäger Thorsten Bauer erlief sich einen Befreiungsschlag, passte nach der Mittellinie diagonal auf Jan Fisser, der völlig freistehend vor David Yelldell zum Abschluß kam und links am Kickers-Schlußmann vorbei zum 0:2 traf. Der heute überhaupt nicht geprüfte Kickers-Torhüter war noch mit der Hand dran, doch war der Schuss zu stark (85.).
Doch auch in den letzten Minuten versuchten die Blauen nochmals alles. Der Ball von Angelo Vaccaro flog im Strafraum an Freund und Feind vorbei, auch Sokol Kacani und Mustafa Parmak verpassen knapp. Kurz vor dem Schlusspfiff landete ein Heber von Jens Härter noch auf dem Netz.
So konnte die Mannschaft von Trainer Peter Zeidler auch ihr drittes Heimspiel nicht gewinnen, dennoch zollten die Fans der Mannschaft nach dem Schlusspfiff viel Applaus. Die Gäste nutzen ihre wenigen Chancen eiskalt und entführten damit alle drei Punkte.

Die Trainerstimmen:

Matthias Hamann: Wir sahen heute ein rassiges Regionalligaspiel mit vielen Chancen auf beiden Seiten. In der ersten Halbzeit sind wir nach den anfänglichen Druckphase der Kickers gut gestanden und haben eigentlich nur eine Chance zugelassen. Über unsere starke Mitte im Mittelfeld sind wir so zu unseren Möglichkeiten gekommen und haben uns die Führung verdient. In der zweiten Hälfte mussten wir einige brenzlige Situation überstehen, aber mit Glück und Geschick haben wir uns immer wieder rausgewunden. Schließlich konnten wir einen Konter setzen zum verdienten Sieg, Jetzt fahren wir freudig nach Kassel zurück.“

Peter Zeidler: „Ob der Sieg der Gäste heute verdient war, weiß ich noch nicht. Aber ich werde mir das Spiel nochmals in Ruhe anschauen. Wir haben gegen einen taktisch guten Gegner verloren, dennoch habe ich heute etliche positive Dinge gesehen. Auch wenn wir heute unbedingt gewinnen wollten und die Niederlage für unsere Fans nicht angenehm war, dennoch haben wir Beifall nach dem Schlusspfiff bekommen. Die Fans haben ein feines Gespür, und das sagt sicherlich viel aus über das heutige Spiel. Ich sah heute trotzdem eine Entwicklung nach oben. Aber das Ergebnis und die Niederlage zählen.“

Die Spielstatistik:

Kickers: Yelldell – Benda (46. Mann), Rapp, Härter, Stierle- Ortlieb, Rodrigues (77. Tucci), Deigendesch, Gambo (40.Parmak) – Vaccaro, Kacani – Trainer: Zeidler

Kassel: Adler – Suslik, Willers, Keim, Kümmerle – Beyer (76. Möller), Fießer, Busch, Berger – Th. Bauer (86. A. Schmidt), Strobel (65. Zinke) – Trainer: Hamann

Zuschauer:
3.190 Fans im GAZi-Stadion auf der Waldau

Torfolge:
0:1 Strobel (41.)
0:2 Fießer (85.)

Schiedsrichter:
Leicher (Weihmichel)
Gelbe Karten: Rapp, Kacani, Parmak – Keim, Bauer
Gelb-Rote Karte: Suslik (83., wiederholtes Foulspiel)

Offizielle Homepage

Vorberichte: Stuttgarter Kickers – Hessen Kassel

Zeidler sucht die Idealbesetzung

STUTTGART (ump). Vor dem Heimspiel morgen (14 Uhr) gegen Hessen Kassel schickt der Kickers-Manager schon mal eine Botschaft an allzu große Optimisten. „Letzte Saison haben wir zweimal gegen diesen Gegner verloren“, sagt Joachim Cast nur zur Erinnerung – und Warnung. Denn der dritte Tabellenplatz der Kickers täuscht etwas über die Leistungen des Fußball-Regionalligisten hinweg. „Wir sind noch keine Spitzenmannschaft“, gibt der Manager zu. Doch der Trainer Peter Zeidler arbeitet daran, dass sich die Spieler kontinuierlich verbessern. Wobei vor allem die Idealformation im Mittelfeld bisher immer noch nicht gefunden ist. Deshalb ist auch morgen wieder die eine oder andere Umstellung denkbar. Für Yildiz, Steinle und Beigang kommt ein Einsatz allerdings zu früh, zudem fällt Saban Genisyürek etwa zwei Wochen aus. Nicht nur deshalb kommt dem Trainer gelegen, dass das Achtelfinale im WFV-Pokal beim Oberligisten VfL Kirchheim voraussichtlich erst am 13. Oktober stattfinden wird. „So können wir die nächsten Wochen endlich mal komplett durchtrainieren“, sagt Zeidler.
Stuttgarter Zeitung

Impulse in luftiger Höhe

Kickers setzen vor dem Spiel gegen Kassel auf teambildende Maßnahmen

Stuttgart – Im dritten Anlauf peilt Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers den ersten Heimsieg dieser Saison an. Teambildende Maßnahmen vor dem Duell mit Hessen Kassel am morgigen Samstag (14 Uhr/Gazistadion) sollen ihren Teil dazu beitragen.

VON JÜRGEN FREY

Nein, die Kickers werden sich am Samstagvormittag nicht in den Bus setzen und eine Auswärtsfahrt simulieren. Von solchen oder ähnlichen Spielchen hält Trainer Peter Zeidler gar nichts: „Wir brauchen jetzt keinen Heimkomplex zu konstruieren, nur weil wir zweimal zu Hause nicht gewonnen haben.“ Der 45-Jährige setzt lieber auf konzentriertes Training und ein bisschen Ablenkung vom Alltag. Diese Woche standen im Hochseilgarten in Degerloch Übungen zur Persönlichkeits- und Teamentwicklung auf dem Programm. Zum Teil in luftiger Höhe von acht bis zwölf Metern ging es darum, sich gegenseitig abzusichern. „Es mussten Strategien und Pläne erstellt werden, Konflikte waren zu lösen, und der Stärkere musste dem Schwächeren helfen“, berichtet Zeidler, „das alles hat sehr viel Spaß gemacht.“

Die gute Stimmung im Team soll sich nach drei Auswärtssiegen nun auch auf das Punktekonto vor heimischem Publikum niederschlagen. Die verletzten Moritz Steinle und Nico Beigang nehmen noch nicht am Mannschaftstraining teil. Für Rekonvaleszent Recep Yildiz kommt eine Berufung in den Kader noch zu früh. Im Gegensatz zu Mustafa Parmak: Der Mittelfeldspieler wird nach überstandener Zahnwurzelbehandlung zunächst aber nur auf der Bank Platz nehmen. Ein Wiedersehen feiern die Blauen gegen Kassel mit Michael Kümmerle. Der ehemalige Kickers-Jugendspieler verstärkt die Abwehr der Hessen.

Stuttgarter Nachrichten

Peter Zeidlers Zwischenfazit fällt zweigeteilt aus. „Die Ausbeute ist natürlich toll mit im Schnitt zwei Punkten pro Spiel“, sagt der Kickers-Trainer. Gleichzeitig betont er, dass Platz drei „überhaupt noch nicht aussagekräftig“ sei: „Was die Leistung betrifft, ist noch sehr viel Luft nach oben. Wir haben nur phasenweise gezeigt, wozu wir in der Lage sind.“ In einigen Begegnungen wie zuletzt beim 1:0 in München hatten die „Blauen“ viel Glück. Noch ist auch die Stammformation nicht gefunden, in allen Mannschaftsteilen hat Zeidler schon gewechselt. Gegen Kassel möchten die Kickers spielerisch einen Schritt nach vorne machen und den ersten Heimsieg der Saison holen. Eine Alternative zumindest als Einwechselspieler ist der nach Krankheit wiedergenesene Mustafa Parmak. Nico Beigang und Moritz Steinle (beide Knöchelverletzung) sind zumindest wieder im Training.

So wollen sie spielen: Yelldell – Benda, Rapp, Härter, Stierle – Rodrigues, Akcay, Ortlieb, Gambo – Tucci, Vaccaro.

Eßlinger Zeitung

Vorschau
Spielinfos:

Anstoß: 01.09.2007 14:00
Stadion: GAZI-Stadion auf der Waldau

Schiedsrichter: Leicher (Weihmichl)
Assistenten: Emmer (Thurmansbang), Berg (Landshut)

Stuttgarter Kickers: Parmak (krank) ist wieder im Kader, Beigang und Steinle (beide Knöchelverletzung) trainieren wieder. Im Mittelfeld/Angriff hat Zeidler die Qual der Wahl.

Hessen Kassel: Sofern Zinke (Oberschenkelprobleme) spielen kann, ist er eine Alternative für die Defensive. Schönewolf (Schultereckgelenkssprengung) fällt weiter aus.
Aufstellung
Stuttgarter Kickers
Yelldell – Benda, Rapp, Härter, Stierle – Rodrigues, Akcay, M. Ortlieb, Gambo – Tucci, Vaccaro; Trainer: Zeidler

Hessen Kassel
Adler – Suslik, Willers, Keim, Kümmerle – Beyer, Busch, Fießer, Berger – Bauer, Strobel; Trainer: Hamann

Kicker

Stuttg.Kickers – Hessen Kassel
Nach dem Sieg bei Bayern II soll nun gegen Kassel der vierte Sieg im sechsten Saisonspiel gelandet werden, durch den Auswärtssieg wurde das Selbstvertrauen weiter gestärkt, so Kickers-Coach Peter Zeidler. Parmak hat seine Krankheit überwunden, Beigang und Steinle trainieren wieder, somit hat der Kickers-Coach im Mittelfeld und Angriff die Qual der Wahl.
Kassels-Coach Matthias Hamann muss weiter auf Schönewolf verzichten, die Schultereckgelenksprengung zwingt ihn zu einem längeren Ausfall. Auch Zinke hat Oberschenkelprobleme ist ist im Moment noch fraglich. Der Punktgewinn gegen Unterhaching hat überzeugt, der Kasseler-Coach will keine Veränderungen vornehmen und ausserdem hat man in dieser saison noch keine Niederlage auswärts hinnehmen müssen und das soll so bleiben.

IRSport

Die Statistik

In der zweiten Bundesliga waren die Kickers und die diversen Vorgängervereine von Hessen Kassel Stammgäste, daher gab es zwischen den beiden Vereine aus genügend Vergleiche: Insgesamt 58 Spiele. Die Bilanz der Kickers ist dabei nicht berauschend: Insgesamt konnten die Blauen 22 Spiele gewinnen, Kassel 27. Auch in Degerloch konnte Kassel bereits zehn von 28 Spielen gewinnen. Die letzte Saison mit den zwei Niederladen war also nicht untypisch für die Blauen gegen Kassel. Zumindest von der Statistik her also nicht unbedingt die günstigsten Vorzeichen für die Chance auf den Sprung auf einen Aufstiegsplatz. Die Wahrheit wird sich allerdings auf dem Platz abspielen.
Das Kickersarchiv

Höhenangst statt Torschusspanik

Am Mittwoch standen die Kickers, wo sie am Ende der Saison stehen wollen: ganz weit oben

Degerloch. Im Hochseilgarten der SSB

probten die Kickers den Aufstieg, den Aufstieg auf ein zehn Meter hohes Klettergerüst aus Holz und Stahl. Die Trainingseinheit sollte den Teamgeist stärken und Spaß bringen. Die Kletterei hat auch symbolischen Wert: Diese Saison soll es hoch hinausgehen. „Höhenangst statt Torschusspanik“ weiterlesen

Das Sorgenkind Mustafa Parmak

Der Kickers-Profi hat bisher nur 30 Minuten gespielt und sagt: Ich hoffe, die Seuche ist jetzt vorbei

STUTTGART. Mustafa Parmak kommt in dieser Saison einfach nicht in Tritt. Aufgrund diverser Verletzungen weist der Mittelfeldspieler beim Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers große Fehlzeiten auf. Morgen gegen Kassel will er einen Neuanfang wagen.

Von Joachim Klumpp

„Mustafa Parmak ist am Samstag dabei“, sagt der Kickers-Manager Joachim Cast – und fügt noch rasch hinzu: „Falls nichts mehr dazwischenkommt.“ Das weiß man bei dem 25-Jährigen allerdings nie. Zwar hat er den Abstecher der Mannschaft am Mittwochmorgen in den Hochseilgarten auf der Waldau schadlos überstanden, doch bei Parmak steckt der Teufel im Detail.

Bestes Beispiel war das vergangene Wochenende, als Parmak fest für die Partie bei Bayern München II eingeplant war. Bis er am Samstag mit einer dicken Backe auf dem Trainingsgelände erschien. Zahn-OP, an einen Einsatz am Sonntag war nicht zu denken. Zum wiederholten Male. Allein in dieser Saison hat sich der Mittelfeldspieler mit drei verschiedenen Verletzungen und Krankheiten herumplagen müssen. Am letzten Tag des Trainingslagers zog er sich einen Muskelfaserriss zu, danach warf ihn ein Grippevirus aus der Bahn. Womit sich Parmaks Spielpraxis bis jetzt auf einen Kurzeinsatz gegen Regensburg beschränkt. 30 Minuten lang, zu wenig für seine Ansprüche. „Mit einem fitten Parmak sind wir noch stärker“, sagt der Trainer Peter Zeidler, der weiß, dass Spieler wie Sven Sökler oder der vergangene Woche auf der rechten Außenbahn nominierte Marcus Mann eher Notlösungen sind.

Parmak hat das Potenzial für mehr, sprich für die zweite Liga. „Wir wissen, dass er unter Beobachtung steht“, sagt Joachim Cast. Andererseits bleibt den möglichen Interessenten die Anfälligkeit des Fußballprofis nicht verborgen. Zum Glück für die Kickers. „Wenn er regelmäßig seine Leistung abrufen würde, wäre er wahrscheinlich nicht mehr bei uns“, gibt der Manager zu.

Auch Parmak selbst macht kein Geheimnis daraus, dass es ihn in die zweite Liga zieht. „Zunächst einmal aber muss ich hier mein Potenzial abrufen“, sagt der Türke. Und einen Freibrief gibt es auch für so einen kreativen Kopf wie ihn nicht, das hat Parmak schon erfahren. Ohne die nötigen Trainingseinheiten verzichtet Zeidler lieber auf ihn. „Er braucht eine gewisse Basis.“ Vor allem konditionell. Deshalb wird er am Samstag gegen Hessen Kassel (14 Uhr) zwar im Kader der Kickers stehen, aber nicht in der Startformation. Dennoch betont Zeidler: „Wir stehen voll und ganz hinter ihm.“

Gestern nahm sich der Trainer sein Sorgenkind noch einmal persönlich zur Seite, um ihn mental aufzubauen. „Er braucht diese Unterstützung“, weiß der Pädagoge Zeidler um die Sensibilität des Mittelfeldspielers. Weshalb der Manager nicht ausschließen will, dass die Anfälligkeit – auch vergangene Saison brachte er es lediglich auf 20 Einsätze (davon nur elf über 90 Minuten) – psychischer Natur sein könnte. Der Präsident Dirk Eichelbaum sieht zudem noch Optimierungsmöglichkeiten in Parmaks Lebenswandel, zum Beispiel in der Ernährung. „Körperliche Ursachen können wir jedenfalls ausschließen“, sagt Cast, nachdem der Spieler schon medizinisch von oben bis unten durchgecheckt worden ist. Das Fazit: bei den Blutwerten gab es keine Auffälligkeiten.

Der Manager kennt die Stärken Parmaks: „Er ist der Spieler, der den Unterschied ausmachen und mit seinen Fähigkeiten Spiele entscheiden kann.“ Schließlich ist er schnell, trickreich, dribbelstark und torgefährlich auch bei Standardsituationen. Mit fünf Treffern belegte er vergangene Saison Platz drei der internen Torjägerliste. Jetzt muss Parmak seine Fertigkeiten nur noch konstant abrufen. „Ich will ja auch etwas zum Erfolg der Mannschaft beitragen“, sagt der 25-Jährige, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft.

Die Kickers würden den Kontrakt gerne verlängern, wohl lieber heute als morgen. Parmak zögert noch. Er hofft, dass seine Aktien – also sein Marktwert – steigen. Was auf der Ersatzbank oder im Krankenbett allerdings schlecht geht. „Ich hoffe, die Seuche ist jetzt vorbei“, sagt Parmak.

Stuttgarter Zeitung

Kicker: Stuttgarter Kickers: Guter Einstand für den neuen Coach

Trainer Zeidler sieht „Luft nach oben“

Nach der Ära Robin Dutt hat Peter Zeidler (45) zu Saisonbeginn das Traineramt bei den Stuttgarter Kickers übernommen – und einen ordentlichen Start hingelegt.
Kickers-Coach Peter zeidler

kicker: Die Mannschaft steht nach fünf Spielen auf Platz drei. Alles läuft bisher bestens

Peter Zeidler: Die Ausbeute ist natürlich toll. Was die Leistung betrifft, ist aber noch sehr viel Luft nach oben. Wir haben nur phasenweise gezeigt, wozu wir in der Lage sind. In der Konsequenz ist diese Platzierung überhaupt nicht aussagekräftig.

kicker: Aber die guten Ergebnisse müssten Selbstvertrauen geben.

Zeidler: Ja, Gemeinschaftserlebnisse wie gegen Siegen, als wir das Spiel gedreht haben, oder in München, wo wir eine unglaubliche Abwehrschlacht bestanden haben, schweißen zusammen.

kicker: Ihr Vorgänger hat erfolgreich gearbeitet und dem Team seinen Stempel aufgedrückt. Wann wird Ihre Handschrift erkennbar sein?

Zeidler: Wichtig ist, dass die Kommunikation zwischen Robin Dutt und mir sehr positiv war. Ich kann hier auf etwas aufbauen. Ich denke, dass meine Handschrift schon zu erkennen ist und hoffe, dass das bald noch deutlicher sein wird. Die Arbeitsatmosphäre ist sehr gut, alle trainieren fleißig. Das sind Dinge, die der Trainer zu verantworten hat.

kicker: Welchen Eindruck machen die Neuzugänge?

Zeidler: Wir haben hundertprozentig die Richtigen geholt. Einige sind Stammspieler, andere haben auch schon Akzente gesetzt. Wie sie sich einbringen, ist hervorragend. Aber der Integrationsprozess ist bei keinem abgeschossen.

kicker: Angelo Vaccaro, der im Winter kam, hat zunächst nicht überzeugt. Jetzt erzielte er schon drei Tore.

Zeidler: Er ist an der Spitze der Regionalliga angekommen. Angelo hat im Sommer sehr gut gearbeitet, da gab es keine Dolce Vita am Strand. Er darf nicht bequem werden, aber dafür bin ich ja da.

Interview: Sigor Paesler

Kicker

StN: Platz drei ist nicht nur Zufall

Die Stärken der Kickers
 
STUTTGART (ump). Aller guten Dinge sind drei: die Stuttgarter Kickers haben in München im dritten Auswärtsspiel den dritten Sieg eingefahren – und sind jetzt schon Tabellendritter der Fußball-Regionalliga. „Wir können es aber noch besser“, sagt der Trainer Peter Zeidler.

Gestern haben die Spieler des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers frei gehabt. Als Belohnung für den 1:0-Sieg am Sonntag bei Bayern München II? Der Trainer Peter Zeidler zögert mit der Antwort, und sagt: „Um uns auf den Trainingsaufbau der Woche gedanklich vorzubereiten.“ Denn von heute an stehen wieder täglich zwei Einheiten auf dem Programm. Schließlich kommt Zeidler zu dem Schluss: „Wir können uns noch steigern.“ Dabei sind die Kickers nach dem dritten Auswärtssieg schon Dritter. Zufall oder System? Die (drei) Erfolgsgeheimnisse.

> Der Torwart: David Yelldell gilt als ruhiger Zeitgenosse. Ein Charakterzug, der auf der Torhüterposition nicht unbedingt ein Vorteil ist. Denn der Mann zwischen den Pfosten sollte auch mal die Vorderleute lautstark dirigieren oder – im extremsten Fall – auch mal anfahren, wofür zum Beispiel ein Oliver Kahn gefürchtet ist. Doch der Keeper mit dem US-Pass besticht mehr durch Taten als Worte. Er hat schon zu Saisonbeginn in Ingolstadt den Sieg gerettet, doch München war seine Krönung. „Sensationell wäre untertrieben“, sagt Zeidler zur Leistung des 26-Jährigen am Sonntag. Der Torwart, der zwei Jahre in England Erfahrung gesammelt hat, wehrte die Gratulationen nach dem Schlusspfiff ab: „Das ist doch normal.“ So ist eben seine Art – bescheiden. Der Trainer konstatiert dennoch: „David hat sich von seiner Persönlichkeit her weiterentwickelt. Ihn wird auch ein Fehler nicht umwerfen.“

> Der Torjäger: Angelo Vaccaro hat in München seinen Torriecher erneut beweisen, nachdem der interne Konkurrent Sokol Kacani (beide drei Treffer) zuvor zwei Chancen leichtfertig vergeben hatte. „Es ist kein Zufall, dass er trifft“, sagt Zeidler aufgrund seiner Eindrücke in der täglichen Arbeit. Nach einer eher verkorksten Rückrunde bei den Kickers hat sich der Italiener akribisch auf die neue Saison und den neuen Trainer vorbereitet: Der Sommerurlaub wurde kurzerhand gestrichen. „Das zahlt sich jetzt aus“, sagt Zeidler. Der zu bedenken gibt, dass sein Stürmer in den vergangenen zwei Wochen nur zwei Trainingseinheiten voll absolvieren konnte. Die Kniebeschwerden bereiten immer noch Sorgen. Aber wenn Vaccaro fit bleibt, ist er für zehn Tore gut. Mindestens.

> Die Auswechselbank: Sie ist bisher eine weitere Stärke der Kickers. Ob Kacani in Pfullendorf, Gambo gegen Siegen, oder jetzt Deigendesch, der mit dem ersten Ballkontakt das Siegtor vorbereitete – die Einwechselspieler bringen neue Impulse. „Wir haben uns ja was dabei gedacht, als wir ihn geholt haben“, sagt Zeidler über den Mittelfeldspieler, den er aus Nürnberg mitgebracht hat. „Auch er will schnell in die Mannschaft.“

Das wollen andere auch: Steinle, Yildiz – nicht zu vergessen Mustafa Parmak, der wegen einer Zahn-OP kurzfristig ausfiel. „Mit ihm sind wir noch stärker“, sagt Zeidler. Das klingt fast wie eine Drohung. Doch der Trainer bremst: „Wir werden nicht den Fehler machen und in Euphorie verfallen. Aber solche Erfolgserlebnisse wie in München bringen uns von der Struktur der Mannschaft natürlich weiter.“ Noch weiter als auf den dritten Platz – das wäre dann der Aufstieg.

Stuttgarter Nachrichten