„Wir müssen die sympathische Alternative zum VfB werden“

Dirk Eichelbaum, der neue Präsident des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers, über die Ziele des Vereins, die Trainerfrage und seinen Internet-Spitznamen Moneyman
 
Am späten Dienstagabend ist Dirk Eichelbaum zum neuen Präsidenten der Stuttgarter Kickers ernannt worden. Der 42-jährige Rechtsanwalt und bisherige Schatzmeister soll den Verein nach dem Rücktritt beinahe des kompletten Vorstands in eine bessere Zukunft führen, nicht zuletzt durch die Erhöhung des Etats. „Das wird eine Herkulesaufgabe“, sagt Eichelbaum im Gespräch mit Joachim Klumpp.

Herr Eichelbaum, Sie haben das Präsidentenamt bei den Kickers zuletzt nicht als Lustgewinn bezeichnet. Warum haben Sie es sich trotzdem angetan?

Zunächst einmal, weil der Präsident zurückgetreten ist und sich auch nicht mehr umstimmen ließ. Dann war ich der Einzige, der sich das vorstellen konnte, weil es aus meiner Sicht keinen Sinn gemacht hätte, den Posten jetzt extern zu besetzen.

Viele Kritiker im Umfeld des Vereins haben in Hans Kullen die Wurzel allen Übels gesehen. Macht man es sich mit dieser Sichtweise nicht zu einfach?

So einseitig darf man das nicht sehen, davor habe ich immer gewarnt. Man sollte schließlich nicht unterschätzen, dass Hans Kullen für viele ein Sympathieträger war, was man schon allein an dem Massenrücktritt im Präsidium sieht. Dadurch ist klar, dass es zunächst einen Rückschritt geben wird. Und es muss sich weisen, ob das, was an Potenzial hinzukommt, größer ist als das, was wegbricht. Da sind jetzt alle Skeptiker – nicht nur der Aufsichtsrat – in der Pflicht. Letztendlich muss sich zeigen, ob das mit der großen Kickers-Familie funktioniert oder nicht.

Der Aufsichtsrat unter seiner jetzigen Führung hat in der Vergangenheit nicht gerade zum wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen. Sind Sie optimistisch, dass sich diesbezüglich etwas verbessert?

Was die Kontakte angeht, auf jeden Fall – die wird man jetzt gezielter einsetzen. Man muss einfach sehen, dass es in der Vergangenheit ein unüberbrückbares Kommunikationshindernis gab, ausgelöst durch die hemdsärmlige Vereinsführung von Herrn Kullen. Ich persönlich habe ein großes Herz für diese Handschlagpolitik, aber breite Zustimmung hat das leider nie gefunden. Außerdem liegen die großen finanziellen Leistungen der Sanierungsarbeit in der Vergangenheit, und die geraten leider schnell in Vergessenheit.

Für die Zukunft wurde Kullen ein fehlendes Konzept vorgeworfen. Zu Recht?

Für die Etataufstockung in Zukunft hat er sich immer einen starken Männerbund vorgestellt, der in die eigene Tasche greift, aber das ist keine Existenzgrundlage für den Verein, damit stand Kullen allein auf weiter Flur. Der Ansatz des Aufsichtsrats und von mir ist der, dass der Verein über seine Stellung hier in Stuttgart attraktiv für Unternehmen ist, als kleine und sympathische Alternative zu der sportlichen Konkurrenz des VfB in der Stadt. Das muss klappen. Und wenn das gar nicht gelingt, dann haben die Stuttgarter Kickers keine Daseinsberechtigung.

Glauben Sie, dass es genug Unternehmen gibt, die diese Philosophie mittragen?

Wenn wir die Herzlichkeit im Verein vorleben, dann gibt es genug, die sagen, wir können uns damit identifizieren. Auch wenn noch keiner der großen Wirtschaftskapitäne der Stadt angerufen und gefragt hat, wo er das Geld hin überweisen soll. Aber wir haben ausgezeichnete Werbewerte, wenn man auf die TV-Kontakte schaut, die weit über dem ursprünglichen Ansatz liegen, auch wenn man sehen muss, ob sich das dauerhaft halten lässt. Deshalb sehe ich gute Möglichkeiten zur nachhaltigen Gesundung des Vereins. Das ist das erklärte Ziel. Und wenn ich nicht die Vision hätte, dass so etwas funktioniert, hätte ich es niemals gemacht.

Ein Dauerthema in Sachen Werbepartner ist der Hauptsponsor. Sind Sie da überzeugt, dass die Garmo AG jetzt weitermacht, vielleicht sogar – wie vom Verein gewünscht – zu verbesserten Konditionen?

Da steht noch ein Gespräch mit der neuen Führung aus, dem ich nicht vorgreifen möchte. Zumal die Garmo AG ja eine Option bis zum 31. März hat, die sie ziehen kann. Wenn sie das nicht tut, müssen wir uns nach Alternativen umsehen. Aber da bin ich mir sicher, dass die Chancen durch die veränderte Situation gestiegen sind.

Unabhängig vom Engagement des Hauptsponsors soll der Etat erhöht werden, es stehen als Steigerung Zahlen zwischen einer und zwei Millionen Euro im Raum. Ist das realistisch?

Dass der Etat erhöht werden soll, entspricht den Tatsachen. Aber diese Summe ist schon sehr ambitioniert. Das halte ich ohne den Einsatz von Risikokapital nicht für möglich. Und dass solche Kapitalgeber auftreten, ohne dass wir die Lizenzspielerabteilung ausgliedern, halte ich für illusorisch. Ich arbeite ja seit anderthalb Jahren an der Einbindung von Risikokapital in den Verein.

Mit welcher Erfahrung?

Dass es sehr, sehr schwierig ist, seriöse Angebote zu bekommen. Wenn ich mich auf dubiose Geschichten einlasse, und die gehen schief, dann kann ich aus Stuttgart verschwinden. Das ist nicht mehrheitsfähig. Da bin ich selbstkritisch genug, dass ich nur eine solide Lösung nehme, wenn sie sich anbietet. Eine solche zeichnet sich aber derzeit nicht ab, da sind wir über die Findungsphase noch nicht hinausgekommen.

Im Internet haben Sie sich Moneyman genannt. Bedeutet das nun, dass Sie in finanziellen Dingen einen ähnlich harten Kurs fahren wie Ihr Vorgänger?

Zunächst einmal war das ja ein Witz, weil ich mich im Internet nicht als Schatzmeister oder Eichelbaum anmelden wollte. Aber als Insolvenzverwalter bin ich knappe Kassen gewohnt. Und die Mittel, die wir haben, sind sehr knapp. Unter Herrn Kullen wurden die vorhandenen Ressourcen sparsam eingesetzt – daran wird sich unter meiner Führung sicher nichts ändern.

Und in der Trainerfrage?

Auch da will ich größtmögliche Kontinuität. Das heißt, Robin Dutt ist mein absoluter Favorit, und er hat mir gegenüber nochmals bestätigt, dass er nur in die zweite Liga geht, wenn er ein überzeugendes Angebot hat. Jetzt liegt es an ihm, sich bis zum 31. März zu entscheiden.

Würden Sie sich an Ihrem ersten Arbeitstag eher als Interimslösung oder als Dauerlösung bezeichnen?

Weder noch. Es geht primär darum, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Wenn das sehr gut gelingt, steigt natürlich die Bereitschaft, die Arbeit nicht nur temporär zu sehen. Ich möchte mit der neuen Führung einen Etat für die nächste Saison zusammenstellen, mit dem wir konkurrenzfähig sind. Wenn wir zu den geplanten 2,4 Millionen Euro noch 200 000 Euro draufpacken könnten, wäre das ein großer Schritt. Aber das ist eine Herkulesaufgabe.

Stuttgarter Zeitung

Presse am Tag Eins nach dem Kullen-Rücktritt

Eichelbaum findet geordnete Finanzen vor
 
Der bisherige Kickers-Präsident Kullen verabschiedet sich mit schwarzen Zahlen – Aufsichtsrat plant eine Etaterhöhung
 
STUTTGART. Die Wachablösung bei den Stuttgarter Kickers ist gestern wie erwartet vollzogen worden. „Ich verlasse den Verein erhobenen Hauptes“, sagte der scheidende Präsident Hans Kullen, nachdem er nochmals die wirtschaftlichen Zahlen vorgelegt hatte.

Von Joachim Klumpp

Den Tag seines Abschieds in Degerloch hat Hans Kullen mit einem Mittagessen in einem schwäbischen Spezialitätenlokal in Degerloch eingeläutet. Wobei das nicht als Henkersmahlzeit ausgelegt werden sollte. Denn einige Stunden später verließ er das Vereinsgelände der Stuttgarter Kickers am Königsträßle erleichtert und „erhobenen Hauptes“, wie der 65-Jährige betonte.

Zuvor hat er dem versammelten Präsidium nochmals eine Bilanz seiner Arbeit vorgelegt – gepaart mit den entsprechenden Zahlen. Und die konnten sich durchaus sehen lassen. Denn trotz der zweimonatigen Winterpause ohne Spielbetrieb weisen die Kickers folgendes Guthaben auf: 368 000 Euro auf Festgeld- und Girokonto, dazu kommen bis zum Saisonende noch anteilig 70 000 Euro aus der Okpala-Ablöse vom Ligakonkurrenten Sportfreunde Siegen, knappe 60 000 Euro Nachschlag für den Mesic-Transfer (falls die TSG Hoffenheim erwartungsgemäß aufsteigen sollte) sowie die jährliche Überweisung von 100 000 Euro der Stadt Stuttgart für die Namensrechte am Gazistadion. Alles in allem ergibt das eine Liquidität von 600 000 Euro, die natürlich in den laufenden Spielbetrieb einfließt. Dennoch sagt Kullen: „Die Bilanz in dieser Saison müsste die beste der Kickers seit Jahren sein.“

Dem widerspricht selbst der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Mauch nicht: „Exzellent“, sagt er zu den aktuellen Zahlen. Doch beim Blick in die Zukunft wird ihm etwas bange – und er fragt: „Wer hat die Instrumente für die dritte Liga?“ Kullen hatte sie nach Ansicht des Kontrollorgans anscheinend nicht: „Da fehlte ein Konzept.“ Vor allem, um die Deckungslücke für die nächste Spielzeit zu schließen, in der der Traditionsverein mit 2,4 Millionen Euro plus einem kleinen Aufschlag kalkuliert hat. Nach Ansicht des Aufsichtsrats muss der Etat aber deutlich erhöht werden – die Rede ist von einer bis zwei Millionen Euro. Vor allem der Exprofi Walter Kelsch, der gemeinsam mit Friedrich Kummer (neuer Schatzmeister) aus dem Aufsichtsrat in das neue Präsidium gewechselt und dort für die sportlichen Belange verantwortlich ist, soll sich für diesen Kurswechsel stark gemacht haben.

Ob jetzt alles besser wird? „Sicher“, sagt Christian Mauch, der aber auch hinzufügt: „Mir wäre es am liebsten gewesen, wenn das alte Präsidium weitergemacht hätte.“ Doch Kullens Mitstreiter Jürgen Köhn, Edgar Kurz und Dieter Wahl folgten dem Schritt des Kickers-Präsidenten genauso wie das bisherige Aufsichtsratsmitglied Klaus Lang, weil sie mit der Vorgehensweise und dem Umgang innerhalb der Gremien nicht einverstanden waren. „Es ist schon schade, was hier abgelaufen ist“, sagt Köhn, „da fühlt man sich in der Tat etwas deplatziert.“ Jedenfalls habe es vom Kickers-Aufsichtsrat niemand für nötig empfunden, ihm von der veränderten Konstellation etwas mitzuteilen.

„Das wird heftig“, sagt ein früheres Aufsichtsratsmitglied zu der anstehenden kompletten Umstrukturierung des Präsidiums, das sich in den nächsten Wochen darum bemühen muss, nicht nur die vielschichtigen Strömungen innerhalb des Vereins unter einen Hut zu bringen, sondern auch einen Mann fürs Marketing zu finden. Dirk Eichelbaum wirft dabei sicher mehr diplomatisches Geschick in die Waagschale als sein Vorgänger – in der Sache allerdings kann der Insolvenzspezialist noch härter sein als Kullen, das hat er bei den Vertragsauflösungen der Spieler Akwuegbu oder Okpala bewiesen.

Der 42-jährige Jurist sagte vor der für gestern Abend anberaumten Sitzung von Präsidium und Aufsichtsrat: „Ich will hier keine Schlammschlacht.“ Stattdessen will er versuchen möglicherweise sogar eine Verbundenheit Kullens zu den Kickers zu erhalten. Auch wenn Eichelbaum weiß: „Das wird schwer.“ Am nächsten Samstag jedenfalls beim Punktspiel der Kickers in Darmstadt dürfte der Expräsident nicht im Stadion sein. „Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen“, sagte Kullen gestern. Dabei hatte so manches Kickers-Mitglied noch gezweifelt, ob Kullen seine Ankündigung zum Rücktritt überhaupt wahr macht. Doch diese Sorge war letztlich unbegründet. Und auch um sein Darlehen von knapp 450 000 Euro macht sich der ausgeschiedene Präsident keine Gedanken: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Herren im Aufsichtsrat die Blöße geben und es nicht zurückzahlen werden.“ Dafür bleibt den Verantwortlichen zunächst einmal auch bis zum Juni nächsten Jahres Zeit.

Stuttgarter Zeitung

Die Kickers ohne Kullen
Ein Neuanfang mit Hindernissen
 
Von Joachim Klumpp
 
Zumindest was den Präsidenten anbelangt haben die Stuttgarter Kickers in der Vergangenheit Kontinuität bewiesen. In diesem Amt gab es deutlich weniger Wechsel als auf dem Trainerstuhl. Hans Kullen war nach Walter Queißner und Axel Dünnwald-Metzler erst der dritte Vereinschef in den vergangenen 40 Jahren. Allerdings saß der streitbare Versicherungskaufmann von Anfang an auf einer Art Schleudersitz. Zu den massiven finanziellen Problemen gesellten sich persönliche Vorbehalte gegen den Reutlinger, der seinen Sparkurs entgegen vielen Widerständen rigoros durchsetzte. Mit Erfolg: denn Kullen übergibt den Verein anders, als er ihn vorgefunden hat – in geordneten finanziellen Verhältnissen. Dies bestreiten selbst die Kritiker nicht. Dass er bei seiner Konsolidierung nicht immer auf die Befindlichkeiten der Betroffenen Rücksicht genommen hat, nahm der Präsident wissentlich in Kauf, getreu dem Motto: Man kann es nicht allen Recht machen.

Hans Kullen geht, wer kommt? Zunächst einmal Dirk Eichelbaum. Auch der 42-jährige Jurist wird die Erfahrung machen, dass das Zusammenspiel der Kräfte bei den Kickers nicht immer einfach ist. Zudem ist er in finanzieller Hinsicht auf die Unterstützung des Aufsichtsrats angewiesen, dessen Aktivitäten in der Vergangenheit – vorsichtig ausgedrückt – nicht entscheidend zum wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen haben.

Das soll sich ändern, und die Mitglieder des Kontrollorgans wissen selbst am besten, dass sie hier in der Pflicht sind. Schließlich gilt es, die Weichen für die eingleisige dritte Liga zu stellen, was durchaus eine Herausforderung darstellt – nicht nur, weil die Trainerfrage ungelöst ist. Doch wie hat der Coach Robin Dutt zuletzt gesagt: „Jeder bekommt das Umfeld, das er verdient.“ So gesehen fängt die Arbeit erst an. Denn die Kickers sind zwar den ungeliebten Präsidenten los, aber nicht automatisch alle Probleme.

Stuttgarter Zeitung

Die Kickers-Gremien
 
> Präsidium: Dirk Eichelbaum (42/Rechtsanwalt) Präsident; Walter Kelsch (51/Versicherungs- und Immobilienkaufmann sowie Exprofi); Friedrich Kummer (46/Geschäftsführer ADP Employer Service).

> Aufsichtsrat: Christian Mauch (43/Orthopäde) Vorsitzender; Christian Dinkelacker (42/selbstständig) Stellvertreter; Heinz Höfinger (63/ehemaliger Geschäftsführer TNT Post Holding), Rainer Lorz (44/Rechtsanwalt), Alexander Lehmann (37/Geschäftsführer Minol), Kai Uwe Völschow (37/Geschäftsführer Business.com).

Stuttgarter Zeitung

Eichelbaum nimmt die Rebellen in die Pflicht
 
Neuer Kickers-Präsident fordert Unterstützung: „Aufsichtsrat darf mich nicht im Regen stehen lassen“
 
Stuttgart – Die Wachablösung beim Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers ist perfekt: Dirk Eichelbaum hat gestern Hans Kullen als Präsident abgelöst. „Der Aufsichtsrat darf mich jetzt nicht im Regen stehen lassen“, fordert der neue Chef der Blauen.

VON JÜRGEN FREY

Ursprünglich wollte Hans Kullen seinen Rücktritt schon um die Nachmittagszeit offiziell verkünden. Er verspürte keine große Lust mehr, an der Präsidiums- und Aufsichtsratssitzung am Dienstagabend teilzunehmen. „Was soll ich da noch groß rumsitzen“, hatte der 65-Jährige am Montag gesagt. Seine bisherigen Präsidiumskollegen Dieter Wahl, Jürgen Köhn und Edgar Kurz baten Kullen, sich es anders zu überlegen. „Sie schlugen vor, dass wir unsere Amtszeit gemeinsam stilvoll beenden“, sagte der Versicherungskaufmann. Das taten sie dann auch – und Kullen präsentierte zum Abschied dabei eine Bilanz seiner Arbeit, garniert mit Zahlen. Mit Stand vom 23. Februar weisen die Kickers laut Kullen folgende Guthaben auf: 368 000 Euro auf Festgeld- und Girokonten, dazu kommen bis zum Saisonende noch 74 000 Euro Ablösesumme für Christian Okpala von den SF Siegen, 59 000 Euro Nachschlag für Mirnes Mesic (bei einem Aufstieg der TSG Hoffenheim) sowie die jährliche Überweisung von 100 000 Euro der Stadt für die Namensrechte am Gazistadion. Alles in allem ergibt das eine Liquidität von 601 000 Euro, die natürlich in den laufenden Spielbetrieb einfließt. Kullen: „Ich gehe erhobenen Hauptes. Von Misswirtschaft kann keine Rede sein.“

Die hat dem Mann aus Hülben auch nie jemand unterstellt. Seine Geldspritzen sind unbestritten – seine Alleingänge aber auch. Erst vor kurzem hatte er nach Informationen unserer Zeitung dem früheren Aalener Trainer Peter Zeidler (jetzt 1. FC Nürnberg II) signalisiert, bei einem Weggang von Robin Dutt dessen Nachfolger zu werden.

Nun werden der gebürtige Calwer Dirk Eichelbaum und sein neues Team die Personalfragen zu klären haben. Die Aufsichtsratsmitglieder Walter Kelsch (für die Bereiche Lizenzspieler und Jugend) und Friedrich Kummer (Finanzen) werden ins Präsidium aufrücken. Ein Marketingexperte kommt noch hinzu. Da Klaus Lang, der frühere Stuttgarter Finanzbürgermeister, als Aufsichtsratsmitglied zurücktrat, besteht das Kontrollgremium nun nur noch aus sechs Personen. Die Rebellen, die in der entscheidenden Sitzung – ohne Lang und Kai Uwe Völschow – einstimmig ihr Misstrauen gegen Kullen ausgesprochen hatten, nimmt Eichelbaum in die Pflicht. Ebenfalls seine neuen Präsidiumskollegen. „Sie alle sind jetzt gefordert“, betont Eichelbaum.

Er selbst natürlich auch. Zum Beispiel in der Trainerfrage. „Eine meiner ersten Amtshandlungen wird es sein, mit Robin Dutt zu reden.“ Unter allen Umständen wolle er versuchen, den Coach bei den Blauen zu halten. „Ich hoffe, es geht ein Ruck durch Degerloch“, sagt der 42-jährige Rechtsanwalt, der in der Jugend für die SF Gechingen am Ball war.

Auf eine Aufbruchstimmung unterm Fernsehturm hofft auch Christian Mauch. „Wir brauchen viel Kraft und Energie für die neue Saison“, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende – und nannte noch einmal die Gründe für den Wechsel an der Spitze: „Mein Gremium ist verantwortlich für die Einhaltung des Etats. Hans Kullen hatte jedoch für die neue Saison keine Lösung parat, ihn seriös zu decken.“ Nun hofft er auf Geldgeber, die sich wegen Kullen bisher vornehm zurückhielten. An ihnen liegt es nun, Farbe für die Blauen zu bekennen.

Stuttgarter Nachrichten

Taten statt Worte
 
VON GUNTER BARNER
 
Eigentlich verwundert am Rücktritt von Hans Kullen nur eines: Dass es so lange gedauert hat. Sein Weg als Präsident bei den Stuttgarter Kickers ist gepflastert mit Namen, die seinetwegen den Rückzug antraten. Verprellt, enttäuscht und vor den Kopf gestoßen. Letzten Endes ist Hans Kullen jedoch nicht an rebellierenden Aufsichtsräten gescheitert, sondern am mangelnden Fein- und Taktgefühl für die Belange eines Vereins mit einer beachtenswerten Geschichte. Er polarisierte statt zu integrieren. Er herrschte statt zu führen. Und er ignorierte im blinden Eifer die rasant wachsende Zahl seiner Kritiker.

Kein Zweifel: Seine Geldspritzen retteten den Fußball-Regionalligisten vor der Insolvenz. Mit kaufmännischem Geschick fuhr er die laufenden Kosten drastisch herunter. Das verdient allen Respekt. Doch mit seiner sozial unverträglichen Gutsherren-Attitüde machte der Poltergeist von der Schwäbischen Alb seine Verdienste häufig wieder zunichte.

Für Wohl und Wehe des Traditionsclubs zeichnen ab sofort jene verantwortlich, die den einsamen Kutscher vom Bock stürzten. Sie müssen sich jetzt vor die Karre spannen, die zuletzt feststeckte in einem Sumpf aus Frust über die sportliche Stagnation, aus Verärgerung über die Soli des stocksturen Präsidenten und die Perspektivlosigkeit in der Entwicklung der Finanzen.

Wer auch immer die Stuttgarter Kickers in die Zukunft führen soll, er wird ein Team um sich scharen müssen, das sich mehr an Taten denn an Worten messen lässt. Denn so berechtigt die Kritik an Kullen bisweilen war, so unbestritten ist auch, dass es in Reihen der Blauen zwar viele wortgewaltige Besserwisser gibt, aber erschreckend wenige, die im Ernstfall den Geldbeutel zücken und die Ärmel hochkrempeln.

Stuttgarter Nachrichten

Stuttgart: Führungswechsel bei den Kickers vollzogen

Eichelbaum wird Präsident
Nach dem Rücktritt des bisherigen Präsidenten Hans Kullen hat der Aufsichtsrat der Stuttgarter Kickers am Dienstagabend wie erwartet den Rechtsanwalt Dirk Eichelbaum zu seinem Nachfolger gewählt. Zugleich wechseln die bisherigen Aufsichtsratsmitglieder Walter Kelsch (sportlicher Bereich) und Friedrich Kummer (Schatzmeister) ins Präsidium des Vereins.

„Sicherlich ist durch den Rücktritt von Herrn Kullen und der weiteren Präsidiumsmitglieder eine schwierige Situation entstanden. Wir sind aber überzeugt, diese mit der neuen Mannschaft und mit vereinten Kräften meistern zu können“, sagte Eichelbaum.

Kullen hatte seinen Rücktritt nach einem Zerwürfnis mit dem Aufsichtsrat der „Blauen“ während eines Treffens am vergangenen Samstag erklärt. Gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“ sagte Kullen, er verlasse den Verein „erhobenen Hauptes“ und verwies auf passable Finanzen: „Die Bilanz in dieser Saison müsste die beste der Kickers seit Jahren sein.“ Die Liquidität belaufe sich auf 600.000 Euro.

An den Zahlen des Regionalligisten wollte auch der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Mauch nicht rütteln. Allerdings fehle Kullen ein Konzept für die Zukunft. Nach Meinung des Aufsichtsrates müsse der Etat für die kommende Saison deutlich erhöht werden.

Mit Kullen, der selber einen sechsstelligen Betrag in den Verein gesteckt hat, erklärten auch die Präsidiumsmitglieder Dieter Wahl, Edgar Kurz und Jürgen Köhn ihren Rücktritt, gleiches gilt für das Aufsichtsratsmitglied Klaus Lang.

Der neue Präsident Eichelbaum will nun als erstes mit Trainer Robin Dutt reden, um ihn auf jeden Fall bei den Kickers zu halten.

Kicker

Kicker: Stuttgart: Eichelbaum soll Nachfolger von Kullen werden

Führungswechsel bei den Kickers
Die Stuttgarter Kickers stehen vor einer Führungskrise: Vor einer Sitzung der Führungsgremien bestätigte Präsident Hans Kullen Medienberichte über seine bevorstehende Demission. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte er, er könne sich „nichts anderes vorstellen als den Rücktritt“.

Hintergrund ist ein Zerwürfnis des 65-Jährigen mit dem Aufsichtsrat der „Blauen“ während eines Treffens am vergangenen Samstag. Dabei soll es um die Vereinsfinanzen, den noch nicht gesicherten Vertrag mit Hauptsponsor Gazi für die kommende Saison, Kullens Führungsstil und das finanzielle Engagement der Aufsichtsrats-Mitglieder gegangen sein. Kullen, der selber einen sechsstelligen Betrag in den Verein gesteckt hat, hatte nach eigenen Angaben einen neuen Hauptsponsor an der Angel, dessen Engagement vielleicht sogar höher gewesen wäre als das von Gazi-Chef Eduardo Garcia. „Der steigt jetzt aber nicht mehr ein“, so Kullen.

Mit Kullen werden wohl auch die Präsidiumsmitglieder Dieter Wahl, Edgar Kurz und Jürgen Köhn ihre Ämter aufgeben. Nachfolger Kullens, der im Juli 2003 das Amt von Axel Dünnwald-Metzler übernahm, soll der bisherige Schatzmeister Dirk Eichelbaum werden. Der 42-Jährige wurde darum vom Aufsichtsrat gebeten.

Gegenüber der Stuttgarter Zeitung sagte der Rechtsanwalt: „Um Kontinuität zu wahren und das totale Chaos zu verhindern, habe ich meine Bereitschaft erklärt“, allerdings unter einer Voraussetzung: „Der Wechsel muss mit Stil und Anstand über die Bühne gehen. Es darf keine schmutzige Wäsche gewaschen werden.“ Außerdem sieht er sich selbst nur als Übergangslösung. Gegenüber der dpa sagte Eichelbaum: „Sobald jemand kommt, der die Aufgabe mit einem gewissen Mäzenatentum verbindet, würde ich das Amt aber dieser Person überlassen.“

Kicker

Die Jugend-Homepage „www.kickers-juniorteam“ geht online

Nun ist sie endlich fertig: die neue offizielle Homepage der Kickers-Junioren geht online. Nach endlosen Stunden der Einrichtung, Programmierung und Einweisung werden ab sofort viele News der 13 Jugendmannschaften, Spielberichte, Ergebnisse, Informationen zu den Feriencamps, der GAZi-Fußballschule und auch zu den Sponsoren zu lesen sein. Jede Mannschaft pflegt seinen eigenen Bereich auf der Seite und kann so die User mit allen Neuigkeiten über das Team informieren. Das Layout dieses eigenen Portals für die Kickers-Jugend stimmt fast mit dem von der offiziellen Hauptseite überein. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm in der „Kickers- Familie“.
Surfen Sie bei der Kikcers-Jugend vorbei:
www.kickers-juniorteam.de

Offizielle Homepage

Presse zum Rücktritt von Hans Kullen

„Das ist keine Lustkandidatur“

Dirk Eichelbaum folgt Hans Kullen als Kickers-Präsident

STUTTGART. Heute wird Hans Kullen offiziell seinen Rücktritt als Präsident des Traditionsvereins Stuttgarter Kickers verkünden. „Wenn die Pflicht ruft, mach ich das“, sagt der bisherige Schatzmeister Dirk Eichelbaum.

Von Joachim Klumpp

Die Hoffnung stirbt zuletzt. So langsam aber macht sich Dirk Eichelbaum (42) mit dem Gedanken vertraut, von heute an Präsident der Stuttgarter Kickers zu sein. Der Rechtsanwalt sagte gestern: „Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass Herr Kullen weitermacht.“ Der wiederum betont: „Mein Entschluss steht fest.“ Rücktritt. Heute will er dies offiziell kundtun, wobei drei weitere Mitglieder des Präsidiums – die Herren Köhn, Kurz und Wahl – diesem Schritt folgen wollen. „Das ist keine Lustkandidatur. Aber es kommen ja sonst nicht viele in Frage“, sagt Eichelbaum zu der Konstellation, nachdem der angesprochene Exprofi Walter Kelsch abgelehnt hat. „Und es macht keinen Sinn, wenn wir jetzt jemand von außen holen, der mit der Situation im Klub nicht vertraut ist.“

Die sieht so aus, dass eine Abordnung des Aufsichtsrats den Präsidenten am Samstag vor dem Spiel gegen den FC Ingolstadt (1:1) dazu aufgefordert hat, sein Amt niederzulegen. „Warum soll ich weiterkämpfen, wenn ich keinerlei Rückendeckung habe“, sagt Kullen: „Das macht keinen Sinn mehr, zumal die Anerkennung fehlt.“

Vor allem die, den Verein wirtschaftlich von einem Sanierungsfall in ein gesundes Fahrwasser gebracht zu haben (siehe Grafik), was Eichelbaum bestätigt. „Es sieht gar nicht so schlecht aus, wenn man bedenkt, dass im Sommer einige lukrative Freundschaftsspiele anstehen.“ Gegen Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart, möglicherweise auch noch Hertha BSC. Dennoch gibt der Präsident in spe zu: „Jetzt sind die Personen gefordert, die den Präsidenten weg haben wollten.“

Kullen gegenüber wurde zuletzt vehement suggeriert, dass er in Sachen Sponsorensuche der entscheidende Hemmschuh sei. Bleibt abzuwarten, ob mit einem Führungswechsel der Befreiungsschlag in diesem Bereich kommt. Eichelbaum sagt dazu: „Ich dämpfe allzu große Erwartungen.“ Klar sei, dass der Verein einen Hauptsponsor brauche („die Frage ist, ob wir nicht noch ein besseres Angebot finden als das jetzige“) und eine breitere Basis bei den Werbepartnern. Dirk Eichelbaum betont: „Ich persönlich wehre mich dagegen, Hans Kullen als unerwünschte Person zu betrachten. In der Sache sind wir gut miteinander ausgekommen.“ Auch die Transfers Okpala und Mesic seien einstimmig vom Präsidium beschlossen worden.

Allerdings habe es immer wieder Reibungspunkte gegeben. Gewissermaßen das i-Tüpfelchen sei gewesen, dass Kullen nicht mehr wie in der Vergangenheit den Zinsverzicht auf sein Darlehen (von exakt 437 000 Euro) unterzeichnet habe, was die aktuelle Bilanz mit rund 50 000 Euro belasten dürfte. „Das habe ich bewusst gemacht, weil der Aufsichtsrat nicht in der Lage war, für einen Bankkredit zu bürgen“, kontert Kullen. Auch den Vorwurf, die Anschaffung des neuen Mannschaftsbusses für 200 000 Euro im Alleingang abgewickelt zu haben, dementiert Kullen vehement: „Ich habe vom Präsidium und Aufsichtsrat den Auftrag gehabt, und das für den Verein im Preis-Leistungs-Verhältnis beste Angebot umgesetzt.“

An solchen Beispielen wird deutlich, mit welcher Regelmäßigkeit die kleinsten Ursachen große Wirkung bei den Kickers haben. In dieser Gemengelage hat sich Kullen nun fast vier Jahre lang aufgerieben, nicht immer mit dem nötigen Fingerspitzengefühl, das steht außer Frage, dafür wusste man bei dem 65-Jährigen, woran man ist. Und Weggefährten bezeichneten ihn als durchaus lernfähig.

Das Präsidiumsmitglied Dieter Wahl jedenfalls ist von der Vorgesehensweise des Kontrollorgans zutiefst enttäuscht. „Bis heute hat vom Aufsichtsrat niemand mit mir persönlich gesprochen“, sagt der CDU-Stadtrat: „Das ist nicht der Stil der Kickers.“ Genauso wenig wie die Tatsache, dass das Gremium just am Stichtag für die Einreichung der Lizenzunterlagen (1. März) den Präsidenten zu einem Gespräch einbestellt hatte, das schließlich am Samstag vor dem Spiel gegen Ingolstadt nachgeholt wurde. Mit den bekannten Konsequenzen. „Inzwischen ist mir die gute Laune einiger Besucher klar geworden“, sagt Wahl zur Stimmung im VIP-Raum, die dem sportlichen Ergebnis von 1:1 nicht gerecht wurde. „Dabei muss man sich vorstellen, dass der Aufsichtsrat noch im November Herrn Kullen einstimmig zum Weitermachen aufgefordert hatte.“

Ein ehemaliger Funktionär sagt zur Rolle des neunköpfigen Aufsichtsrats: „Dabei geht es um persönliche Eitelkeiten und Intrigen.“ In einer Abstimmung vor dem Derby sollen sich die Anwesenden (ohne Klaus Lang und Kai-Uwe Völschow) einstimmig gegen Kullen ausgesprochen haben. Sollte der heute nicht zurücktreten, würden dies Teile des Aufsichtsrats tun, was unweigerlich zu Neuwahlen führen würde. Ansonsten fehlen neben Eichelbaum noch drei Mitglieder, damit das Präsidium weiter handlungsfähig ist.

„Ich mache mir nur etwas Sorgen um die Mannschaft“, sagt Kullen, der immer einen engen Kontakt zu den Spielern gepflegt hat. Ob der Trainer diese Gefahr auch sieht? „Die darf es nicht geben“, sagt Robin Dutt. Und überhaupt: „Diejenigen, die schon länger dabei sind, sind solche Situationen bei den Kickers ja gewohnt.“ Leider.

Stuttgarter Zeitung

Kullen geht – die Bedenken bleiben

Finanzielle Fragezeichen: Designierter neuer Kickers-Präsident Eichelbaum vor großer Herausforderung

Stuttgart – Wenn nicht noch ein Wunder passiert, wird Hans Kullen am heutigen Dienstag offiziell seinen Rücktritt als Präsident der Stuttgarter Kickers verkünden. Auf seinen designierten Nachfolger Dirk Eichelbaum wartet ein hartes Stück Arbeit.

VON JÜRGEN FREY

Hans Kullen klingt am Telefon gelassen. Er wirkt so, als sei er irgendwie mit sich im Reinen. „Wenn es keinen Spaß mehr macht“, sagt er in aller Seelenruhe, „dann muss man eben aufhören.“ Diesen Schritt will er heute verkünden. Die genauen Gründe, warum er nach dreieinhalb Jahren Amtszeit als Chef der Blauen seinen Hut nimmt, deutet der Versicherungskaufmann bisher nur an: Die Unterstützung aus dem Aufsichtsrat habe ihm gefehlt. Deren Mitglieder bezeichnet er als „Wölfe im Schafspelz, die erst in einiger Zeit merken werden, was ein Hans Kullen wirklich wert war“.

Der forsche Aufsichtsrat hatte dem Mann aus Hülben am vergangenen Samstag das Misstrauen ausgesprochen. Immer wieder habe der teamunfähige Kullen wichtige Entscheidungen mit dem Kontrollgremium nicht abgestimmt, heißt es. Das Fass zum Überlaufen brachte vor zwei Wochen etwas anderes: Erstmals hatte Kullen nicht auf die Zinsen für sein Darlehen in Höhe von zirka 450 000 Euro verzichten wollen. Daraufhin soll auch Ursi Dünnwald-Metzler die Zinsverzichtserklärung für ihr Darlehen (650 000 Euro) nicht unterschrieben haben. Die Zinsen für beide Darlehen belaufen sich auf etwa 40 000 Euro pro Jahr.

Nun soll Dirk Eichelbaum das Kickers-Schiff auf Kurs bringen. Der Aufsichtsrat hat den Schatzmeister gebeten, das Präsidentenamt zu übernehmen. „Um Kontinuität zu wahren und das totale Chaos zu verhindern, habe ich meine Bereitschaft erklärt“, sagt der Rechtsanwalt. Unter einer Voraussetzung: „Der Wechsel muss mit Stil und Anstand über die Bühne gehen. Es darf keine schmutzige Wäsche gewaschen werden.“ Da aus dem aktuellen Präsidium neben Kullen auch Edgar Kurz, Jürgen Köhn und Dieter Wahl („Ich bin überrascht und entsetzt über den Aufsichtsrat“) zurücktreten werden, braucht der neue starke Mann mindestens drei weitere Mitstreiter. Neu hinzukommen soll unter anderen Aufsichtsratsmitglied Walter Kelsch, der als eine der Triebfedern für den Umsturz in Degerloch gilt. Der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Mauch sagt zu den Beweggründen nur so viel: „Hans Kullen hatte keine Lösung parat im Hinblick auf einen Hauptsponsor und die Etatlücke in der neuen Runde.“

Bedenken, was die finanzielle Lage betrifft, bleiben auch so. Laut Eichelbaum seien Verhandlungen des Aufsichtsrats mit bisherigen und neuen Sponsoren weit gediehen, doch der 42-Jährige räumt diverse Unwägbarkeiten unumwunden ein: „Hans Kullen weiß genau, dass in der dritten Liga die Rückzahlung seines Darlehens nicht möglich ist. Sobald er seinen Rangrücktritt über den 30. Juni 2008 hinaus nicht verlängert, bekommen wir keine Lizenz.“ Die Blauen in die Insolvenz zu schicken, hätte jedoch auch für Kullen schmerzhafte Folgen – sein Geld wäre weg. Kullen gibt sich gelassen: „Ich mache mir keine Sorgen um mein Geld. Ob ich es morgen oder übermorgen bekomme, ist für mich nicht wichtig.“

Für die Kickers schon.

Stuttgarter Nachrichten

Sie haben das Sagen: Die Kickers-Gremien

Präsident: Hans Kullen (65/Versicherungskaufmann). Weiter im Präsidium: Dirk Eichelbaum (42/Rechtsanwalt – Ressort Finanzen und Recht), Dieter Wahl (57/Versicherungsfachwirt – Marketing und Öffentlichkeitsarbeit), Edgar Kurz (65/Versicherungskaufmann – Amateur- und Jugendfußball), Jürgen Köhn (64/ehemaliger ADAC-Geschäftsführer – andere Abteilungen).

Aufsichtsratsvorsitzender: Dr. Christian Mauch (43/Orthopäde). Stellvertreter: Christian Dinkelacker (42/Unternehmer). Schriftführer: Dr. Rainer Lorz (44/Rechtsanwalt). Weitere Mitglieder: Kai Uwe Völschow (37/Geschäftsführer business.com), Dr. Klaus Lang (67/ehemaliger Finanzbürgermeister Stadt Stuttgart), Heinz Höfinger (63/ehemaliger Geschäftsführer TNT Post Holding), Walter Kelsch (51/selbstständiger Unternehmer und Ex-Profi), Friedrich Kummer (46/Geschäftsführer ADP Employer Service), Alexander Lehmann (37/Geschäftsführer Minol Messtechnik).

Stuttgarter Nachrichten

Realitätsvernebelung setzt sich fort

Ach, wie war das schön. Die Blauen ungeschlagener Tabellenführer der Regionalliga Süd. Ein grandioser Pokalauftritt gegen den Hamburger SV. Der Höhenflug sorgte für Selbstbewustsein. Oder Realitätsvernebelung?

Die Kickers sind finanziell weiterhin äußerst bescheiden ausgestattet, der Etat liegt im Mittelmaß der Regionalliga Süd, der Schuldenberg drückt weiterhin. Das Mäzenatentum war jahrzehntelang die Lebensversicherung der Kickers. Danke ADM! Sogar zu Bundesligazeiten wohlgemerkt. Und das Mäzenatentum ist die Lebensversicherung der Kickers. Danke Hans Kullen!

Der Umbau des Vereins weg vom Mäzenatentum hin zu einem professionall vermarkteten Profiverein ist für die Stuttgarter Kickers langfristig wünschenswert. Wer hängt schon gern am Tropf einer Einzelperson. Ein ausreichendes Argument. Doch für einen Verein der Größe der Stuttgarter Kickers ist ein solcher Umbau erstens langwierig und zweitens äußerst schwierig wenn gar nicht im Bereich des Machbaren. Welche Unternehmen sponsoren ein Regionalligateam in Stuttgart mit kaum Präsenz in Radio und Fernsehen? Was hat ein Porsche, ein Daimler oder sonstige Unternehmen davon, ihr Geld bei den Kickers anzulegen? Nichts. Kein Regionalligaverein hat einen solchen Sponsor. Liga Drei ist Mäzenatentum.

Doch die Kickers waren trotz widriger Umstände drauf und dran. Nach einem Drittel der Saison Tabellenführer, Pokalhelden und Aufstieg so gut wie sicher. Die Fans auf Wolke Sieben, die Spieler auf Wolke Sechs, die Gönner konnten sich zurücklegen. Es funktioniert doch auch so. Die Kickers bald wieder da wo sie hingehören. Wenn nicht gleich in der Bundesliga dann wenigstens in Liga zwei. Unkenrufe von Präsident Hans Kullen, er habe auf gut deutsch die Schnauze voll, immer die Tasche aufzumachen, wenn irgendwo was fehlte, interessierten keine. Bald sprudeln die Gelder im Profifußball.

Der Ball ist rund. Ein Spiel dauert 90 Minuten. Und eine Saison ist lang. Der Einbruch kam. Und zwar in allen Bereichen. Im Pokal das über die Jahre aufgebaute Image innerhalb kürzester Zeit zerstört, in der Liga der sportliche Einbruch, dazu die aus sportlicher Sicht nicht zu erklärenden Abgänge von Mesic und Okpala. Die Wechselgerüchte um Trainer Robin Dutt.

Das entscheidende „aus sportlicher Sicht nicht zu erklären“. Hier liegt der Hase begraben. Die Lizenzunterlagen für kommende Saison mussten zum 01. März abgegeben werden. Der Vertrag mit dem Hauptsponsor nicht unterzeichnet, ein Darlehen wurde wiederum benötigt um die Lizenz überhaupt zu erlangen. Ein Präsident und Mäzen, der von vielen Seiten unter Beschuß steht. Mangelnde Führungsqualitäten, mangelnde Kommunikation innerhalb des Vereins, einige für das Image schwierige Fanindividuen, was wird ihm nicht vorgeworfen.

Doch die Realität will nicht gesehen werden: Das Mäzenatentum. Ohne Kullens Geld war der Verein am Ende. Und wird es womöglich auch wieder sein. Der Verkauf von Mesic war kein Zufall, das Geld war bitter nötig. Die Hinhaltetaktiv von Robin Dutt in Sachen Vertragsverlängerung. Warum möchte keiner seine Beweggründe sehen? Robin Dutt möchte in die 2. Bundesliga. Am liebsten mit den Kickers. Durch Talentförderung und Ausschöpfen der eigenen Fähigkeiten allein ist es in den Profifußball nicht zu schaffen. Qualität muss auch hinzu gekauft werden. Das weiß auch Robin Dutt. Und für diese Qualität werden Mäzen benötigt. Cash. Bargeld. Das was Wehen und Hoffenheim seit Jahren investiert, bekommen Sie nun anhand ihrer Tabellensituation zurück. Und was bewegt sich bei den Kickers? Nichts. Nichtmal die Spieler, so würden zumindest die Bruddler auf der Haupttribüne zustimmen.

Die Kickers dagegen sind in der Regionalliga wieder da angekommen, wo sie hingehören. Das Saisonziel ist und war Platz Eins bis Sechs. Aktuell stehen die Kickers auf Platz Vier. Sportliches Saisonziel erreicht. Sie stehen da, wo sie aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten maximal hingehören. Höhenflüge sind selten und oft von kurzer Dauer. Ein Schweben auf Wolke Sieben kann manchmal die Realität vernebeln.

Presse zu Stuttgarte Kickers – FC Ingolstadt (1:1)

Großer Kampf bleibt unbelohnt
 
1:1 – Ein Missverständnis kostet die Blauen gegen Ingolstadt zwei Punkte
 
Stuttgart – Trotz einer starken kämpferischen Leistung hat es für Regionalligist Stuttgarter Kickers gegen den FC Ingolstadt nur zu einem 1:1 gereicht. Trainer Robin Dutt stellte sich vor sein Team: „Diese Jungs haben Anerkennung verdient.“

VON JÜRGEN FREY

Bis zur 83. Minute sah es so aus, als würde der direkt verwandelte Eckball von Sascha Benda den Kickers drei Punkte bescheren. Dann nutzte Ingolstadts agiler Stürmer Andras Tölcseres ein Missverständnis zwischen dem ansonsten starken Torwart David Yelldell und Innenverteidiger Recep Yildiz zum 1:1. „Wir betreiben einen Riesenaufwand und bekommen dann so ein dummes Gegentor“, schimpfte Stürmer Angelo Vaccaro. Spielerisch blieben die Blauen vieles schuldig, Herz und Leidenschaft konnte ihnen keiner absprechen. Zu Recht bescheinigte Trainer Robin Dutt seiner Elf für ihre kämpferische Leistung eine „Eins plus“.

Umso mehr ärgerten ihn wieder einmal die Schmährufe von der Tribüne: „Die Leute müssen lernen, ihren Verein einzuschätzen. Was diese Mannschaft im Verhältnis zu den finanziellen Möglichkeit leistet – das wird man vielleicht erst in zwei, drei Jahren realisieren“, sagte Dutt – und kritisierte indirekt auch die Führungsetage: „Stimmung kann man auch steuern. Jedes Umfeld bekommt das, was es verdient.“ Seine eigene Trainerzukunft bezeichnete er als offen. Seit dem „sehr fairen Vertragsangebot“ (Dutt) vom vergangenen Dienstag habe er erstmals eine Entscheidungsgrundlage. „Damit kann ich definitiv ausschließen, innerhalb der Regionalliga zu wechseln.“

Stuttgarter Nachrichten

Nur ein Glücksmoment

Regionalligist Stuttgarter Kickers leistet beim 1:1 gegen den FC Ingolstadt zumindest kämpferisch Wiedergutmachung
 
Stuttgart – Bei Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers ist das Unternehmen Wiedergutmachung geglückt – zumindest, was den Einsatz betrifft. „Die kämpferische Leistung war eins plus“, lobte Trainer Robin Dutt nach dem 1:1 (1:0) gegen Aufsteiger FC Ingolstadt, bei dem vor allem der heftige Wind und der tiefe Boden kein spielerisches Glanzstück zuließen.

Damit scheinen sich mittlerweile auch die Spieler abzufinden. Sie haben sich nun offensichtlich dazu entschieden, das Beste aus dieser Situation zu machen. Der Druck, der am Wochenende zuvor im Stadtderby beim VfB II (0:1) die Beine lähmte, war am Samstag im Gazi-Stadion nicht mehr vorhanden. Es ging wesentlich engagierter zur Sache. „Wir wollen den Rest der Saison so gut wie möglich gestalten“, erklärte Angelo Vaccaro. Dass dem Stürmer bei seinem zweiten Einsatz wieder kein Treffer gelang, lag mit daran, dass er und Sean Dundee kaum aus dem Mittelfeld bedient wurden. Das resultierte wiederum auch aus den fast irregulären Bedingungen. „Die Platzverhältnisse und der Wind haben es für beide Mannschaften schwer gemacht“, sagte Dutt und bezeichnete den Führungstreffer daher als „Glücksmoment“: In der sechsten Minute nutzte Sascha Benda den Wind und sein Geschick, um eine Ecke direkt zu verwandeln. Auch bei weiteren Eckstößen blieb diese Variante mit dem Schuss zum Tor hin die einzige Möglichkeit, für Gefahr zu sorgen. Vom Winde verweht waren eine Reihe von Aktionen, der tiefe Platz erschwerte Pässe und ließ auch nach der Führung keine souveräne Spielgestaltung der Hausherren zu. Die Gäste kamen zu einigen Chancen, die allerdings nicht verwertet wurden. „In der ersten Hälfte hat das kämpferische Element gefehlt, um das Spiel zu machen und den Sieg nach Hause zu bringen“, meinte Dutt. Nach der Pause wurde es besser, die Kickers eroberten viele Bälle, doch hatten keine echten Torchancen. Der Aufsteiger zwar auch nicht, aber sein stetes Bemühen führte noch zum Erfolg. In der 84. Minute erzielte der auffälligste Ingolstädter Andras Tölcseres den verdienten Ausgleich zum 1:1 – profitierte dabei aber von einem Ausrutscher von David Yelldell auf dem aufgeweichten Boden.

Trotz des verpassten Sieges brachte das Spiel die Erkenntnis, dass das Team den Aufstieg zwar abgehakt, sich aber nicht aufgegeben hat. Neben einem guten Saisonabschluss kämpfen die Spieler nun vor allem auch um ihren Trainer. Dessen Zukunft ist zwar weiter offen, dennoch hatte er Neues zu berichten: „Ich habe von den Kickers ein sehr faires Angebot erhalten und kann nun definitiv ausschließen, dass ich innerhalb der Regionalliga wechsle.“

Stuttgarter Kickers: Yelldell – Steinle, Yildiz, Härter, Stierle – Hartmann – Benda, Gambo (79. Kanitz), Weller (64. Rodrigues) – Vaccaro, Dundee (61. Bischoff).

FC Ingolstadt: Lutz – Schmidt, Kroll, Rosenwirth – Keidel, Sbordone, Schmidberger – Schlauderer (59. Wohlfahrt), Jungwirth (73. Fink), Obele (59. Buchner) – Tölcseres.

Schiedsrichter: Christ (Kaiserslautern).

Zuschauer: 2083.

Tore: 1:0 Benda (6.), 1:1 Tölcseres (84.).

Gelbe Karten: Gambo, Stierle, Yildiz / Kroll, Keidel.

Beste Spieler: Yelldell, Gambo / Obele, Tölcseres.

Eßlinger Zeitung

Kampf gegen Wind, Rasen und die Kickers
    
Stuttgart (DK) Über 90 Minuten hat der FC Ingolstadt bei den Stuttgarter Kickers tapfer gekämpft – und wurde in der Schlussphase schließlich doch noch belohnt. Andras Tölcseres sorgte sechs Minuten vor dem Ende der Regionalliga-Partie für den verdienten Ausgleich zum 1:1 (1:0).

Der Stürmer sorgte damit für einen weiteren Punkt in der erfolgreichen FC-Auswärtsbilanz aus der Hinrunde, die nun auch in Stuttgart fortgeschrieben werden konnte.
Es war ein regelrechtes Kampfspiel am Samstagnachmittag im Gazi-Stadion. Das lag vor allem daran, dass diesmal mehr als nur zwei Gegner aufeinander trafen. Der starke Wind und die schlechten Platzverhältnisse spielten eine nicht unerhebliche Rolle in der Begegnung zwischen dem Vierten und dem Achten der Tabelle. „Leider war das Spiel dadurch nicht immer berechenbar“, sagte FC-Trainer Jürgen Press, der gerade deshalb mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden sein konnte.

Ähnlich wie zum Rückrundenauftakt gegen Pirmasens spielte das Team bei den Kickers, die sich eine Woche zuvor aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet hatten, erneut frisch nach vorn und ließ sich auch nicht von dem frühen Rückstand beeindrucken. Gleich in der sechsten Minute hatte der Stuttgarter Sascha Benda mit Geschick und der Unterstützung des Windes einen Eckball direkt ins Tor des chancenlosen Michael Lutz befördert. Nach dem 0:1 blieb Ingolstadt fleißig, kam dadurch auch zu einigen Tormöglichkeiten.

Acht Minuten nach der Führung hatte Herbert Obele, der auf der linken Seite ein starkes Spiel machte, den Ausgleich auf dem Fuß. Sein Schuss landete jedoch am Außennetz. In der 24. Minute scheiterte Kapitän Markus Rosenwirth am gut aufgelegten Stuttgarter Torhüter David Yelldell. Sehr engagiert war auch Andras Tölcseres. Der wendige Solist im Sturm ackerte, erarbeitete sich viele Bälle – scheiterte jedoch im Abschluss, sowohl in der 34. Minute nach einem Pass von Michael Schmidberger als auch kurz vor dem Halbzeitpfiff per Kopf nach einer Flanke von Obele. Mit diesem Offensivdrang setzte der FC die Gastgeber unter Druck, die nur noch bei Standards gefährlich wurden. Ingolstadts Trainer Jürgen Press war denn auch zufrieden mit der Leistung seines Teams: “ In der ersten Halbzeit waren wir sehr stark, hatten Chancen über Chancen und hätten daher locker mit 5:1 führen können. Da sind die Kickers mit einem blauen Auge davon gekommen.“

In der zweiten Hälfte steigerten sich die Stuttgarter. Stürmer Sean Dundee verstolperte aber die 2:0-Führung. Auf der anderen Seite fand der unermüdlich kämpfende Tölcseres stets in Yelldell seinen Meister. In der 84. Minute konnte er den Keeper der Kickers schließlich doch einmal überwinden und den Ausgleich erzielen.

Dass der aufgeweichte Rasen, auf dem Yelldell in diesem Moment ausrutschte, großen Anteil am Tor hatte, trübte die Freude bei den Ingolstädtern nicht. „Wir haben den Punkt mehr als verdient“, fand Markus Rosenwirth nach der nicht immer regulären Partie zwischen den Kickers, dem FC, dem Wind und dem Rasen.

Donaukurier

Starker Yelldell rutscht aus – 1:1
Bei schlechter Witterung gab es kaum spielerische Höhepunkte, aber zwei Tore mit Seltenheitswert: Beim 1:0 verwandelte Benda mit Wind-Unterstützung eine Ecke direkt.

Vor dem 1:1 rutschte der ansonsten starke Yelldell auf dem aufgeweichten Boden aus, der unermüdliche Tölcseres traf. Mit Dundee und Vaccaro waren die Kickers im Angriff erneut schwach. Ingolstadt scheiterte mehrfach an Yelldell, einmal klärte Stierle auf der Linie (77.).

Matthias Jung

Kicker