StZ: Kickers: noch kein Co-Trainer

Björn Hinck wägt ab

STUTTGART (ump). Heute Vormittag um zehn Uhr beginnt für Edgar Schmitt der praktische Teil seiner neuen Arbeit beim Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers, mit dem ersten Training im ADM-Sportpark. Möglicherweise wird dann auch der eine oder andere Spieler der zweiten Mannschaft dabei sein, selbst eine Rückkehr des zuletzt nicht mehr berücksichtigten Mittelfeldspielers Markus Ortlieb scheint durchaus möglich. „Das werde ich mit dem Manager Joachim Cast noch kurzfristig absprechen“, sagt Schmitt.

Dass er zum Trainingsbeginn bereits einen Assistenten an seiner Seite hat, ist dagegen nahezu ausgeschlossen. Gestern Abend wurden erst einmal entsprechende Sondierungsgespräche geführt. In erster Linie zwischen Schmitt und dem als Co-Trainer angedachten Björn Hinck. Der sagte vorab nur: „Es ehrt mich natürlich, dass ich für die Aufgabe in Betracht gezogen werde, andererseits muss ich das genau abwägen.“ Hinck hat einen interessanten Job beim Landratsamt in Böblingen, wo er sich allerdings unter Umständen auch beurlauben lassen könnte. „Erste Gespräche mit meinem Arbeitgeber hat es gegeben“, sagt Hinck, „alles andere muss man abwarten. Ich werde die Entscheidung sicher nicht überstürzen.“

Hinck selbst hat in den vergangenen Jahren trotz der beschränkten Möglichkeiten sehr gute Arbeit bei der zweiten Mannschaft geleistet, mit der er aktuell in der Oberliga auf dem zehnten Platz steht. Diese Aufgabe müsste der 31-Jährige für die Rolle bei der ersten Mannschaft abgeben, als möglicher Nachfolger käme Alexander Malchow infrage, der bei den Kickers noch einen Vertrag bis zum Saisonende besitzt. Der bisherige „Co“ des beurlaubten Stefan Minkwitz wollte sich gestern nicht konkret zu den Plänen äußern. „Ich werde zunächst einmal die Gespräche mit dem Präsidenten und dem Manager abwarten“, sagte Malchow, seine Entscheidung sei im Moment völlig offen. Der neue Chefcoach Schmitt ist so oder so überzeugt: „Wir werden eine Lösung finden, eine gute Lösung.“

Nebenbei will Edgar Schmitt, der momentan noch in Aalen wohnt, auch ein neues Domizil, möglichst ein Häuschen, im Einzugsgebiet der Kickers finden, möglicherweise auf den Fildern. Es gibt also genug zu tun für den neuen Trainer, der auf eine willige Mannschaft treffen dürfte. Bestes Beispiel: einige der Spieler absolvierten gestern ein Trainingsprogramm im ADM-Sportpark. Freiwillig wohlgemerkt, denn der Montag soll unter Schmitt künftig trainingsfrei sein.

Stuttgarter Zeitung

StZ: Die große Kickers-Frage: „Are you ready, Eddy?“

OSKAR BECK Mit Wundern kennt er sich aus: Vor 15 Jahren machte Edgar Schmitt das Spiel seines Lebens. So einen können die Stuttgarter Kickers als Trainer gebrauchen, meint der StZ-KolumnistOskar Beck.

Wenn man den neuen Trainer der Stuttgarter Kickers vorstellen will, stellt sich die Frage, womit man anfängt: mit seinem kurzen, verrückten Leben als Fußballstar – oder jenem Leben, das er am 28. Oktober 1993 morgens um 7.50 Uhr nicht verloren hat?

Edgar („Looping“) Schmitt nennt man ihn seither, denn so hat sich selten ein Fußballer überschlagen. Auf der Fahrt zum Training passiert plötzlich vor ihm ein Unfall. Er bremst. Zu spät. Er hebt ab, fliegt und überschlägt sich, viermal, fünfmal. Das krachende Chaos ist so schlimm, dass Schmitt hinterher sagt: „Wenn ich gestorben wäre, ich hätte es gar nicht mitgekriegt.“

Er lebt.

Er lebt sogar dermaßen, dass ihn jetzt, fünfzehn Jahre danach, die Kickers für ihren eigenen Überlebenskampf verpflichten. Der Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum sagt: „Unser Wunschkandidat.“ Denn was in Degerloch gebraucht wird, ist ein Überlebenskünstler, der sich wehrt gegen das Schicksal und dazuhin noch weiß, was zu tun ist, wenn man, wie die Kickers, ganz unten ist. Fangen wir also nicht vorne an, sondern unten.

Bitburg, Eifel, ein Tag Ende Mai 1994. Wir begleiten den verletzten KSC-Fußballer Edgar Schmitt auf einem schweren Gang, genau gesagt die Treppe hoch zur Praxis eines Fitmachers. 30 Stufen, 30-mal Schmerzen. Und oben die Folterkammer. Grausame Geräte. Eisen. Stahl.

„Are you ready, Eddy?“ fragt der Folterknecht, ein Holländer. Ja, Eddy ist bereit für die tägliche Qual. Laufband. Beinpresse. Beugen. Strecken. Eddy schindet sich, die Augen treten ihm schier aus dem Kopf, er kämpft mit sich, dem operierten Knie, seinem inneren Schweinehund und dem Fitmacher, der fordernd faucht: „Du sollst beugen, Junge!“

„Scheißknie“, stöhnt Schmitt.

Es sind Bilder der Qual, man möchte mitschreien vor Mitleid mit diesem armen Kerl, dem ein Kreuzbandriss und zwei Außenmeniskusrisse die Existenz bedrohen. So quält er sich ein halbes Jahr. Ein halbes Jahr ohne Ball ist für einen 31-jährigen Kicker wie Knast – um aus dem wieder rauszukommen, muss einer alles Gute aus sich rauskitzeln. Schmitt hat es damals geschafft – und muss sich deshalb heute nicht wundern, wenn das große Wort wieder fällt: Auch aus den Kickers, sagt der Präsident, soll der neue Trainer „alles rauskitzeln“.

Edgar Schmitt hat als Fußballer das Beste aus sich gemacht. Dabei war eigentlich alles schon zu spät. Bürokaufmann hat er gelernt und nebenbei zum Spaß Tore für Bitburg, Salmrohr, Saarbrücken und Trier geschossen – als er mit 28 noch Profi wurde, sagte er locker: „Der Fußball ist nicht mein Leben.“ Sein Leben ist die Familie in Dudeldorf in der Eifel, und Oma Charlotte. Doch zwei Jahre später muss die Oma, mit 84, plötzlich in eine TV-Kamera sagen: „Mensch, jetzt macht dieser alte Bock noch solche Sprünge.“ Sie meint den Enkel, den über Nacht prominent gewordenen Spätzünder: Binnen einer Woche überlebt er im Autowrack und macht den Kick seines Lebens.

Sein Tag aller Tage ist der 2. November 1993. Morgens wacht er noch auf als irgendein Schmitt, doch am Abend geht das Flutlicht an, und alle Welt nennt ihn fortan den „Euro-Eddy“, denn im KSC-Trikot schießt er dem FC Valencia alle Uefa-Cup-Lampen aus, die Anzeigetafel meldet: „7:0 – Schmitt . . . Schmitt . . . Schmitt . . . Schmitt.“

„So um drei nachts kam ich heim“, hat er uns später erzählt, „und als ich den Anrufbeantworter abhörte, dachte ich: spinnen jetzt alle? Das waren achtzig Anrufe.“ Die spanische Zeitung „Sport“ spinnt sogar mit dem Titel: „Schmitt, der Henker.“ Im ersten Schock hat der sich das Video seines wilden Abends nur sparsam angeschaut, so sehr ist er vor diesem Fremdling erschrocken, den er da „wie bekloppt“ stürmen, schäumen und schießen sah, diesem Hitzkopf und Pulverfass. „Edgar, hab ich zu mir gesagt, das bist du nicht mehr.“

Schmitt kennt sich anders. Er ist eigentlich der beste Mensch. Im Flugzeug bat er die Mitreisenden mal um eine milde Spende für die notleidenden Seehunde in der Eifel. „Gibt“s in der Eifel denn Seehunde?“ fragte einer. „Nein“, sagte Schmitt, „aber wenn es sie geben würde, hätten sie Hilfe nötig.“ Die 2000 Mark, die er zusammenbekam, hat er der Kinderkrebshilfe gespendet.

Da verknüpft einer den Spaß mit dem Biss, der in jenen verrückten Uefa-Cup-Wochen anno 94 dazu führte, dass Schmitt alleine acht der fünfzehn KSC-Tore gegen Eindhoven, Valencia, Bordeaux und Porto schoss. Danach saßen wir einmal in einem Karlsruher Café, und er schaufelte ein Stück Himbeertorte in sich hinein und sagte: „Um ein Spiel zu kippen, bin ich der Richtige.“

Kippt Eddy als Nächstes die Stimmung in Degerlochs Höhen?

Stuttgarter Zeitung

BILD: Euro Eddy: So will ich die Kickers retten

Von HELMUT HEIMANN

Große Hoffnung bei den Stuttgarter Kickers. Im BILD-Interview sagt der neue Trainer Edgar Schmitt (45, Spitzname: Euro-Eddy), wie er den abstiegsgefährdeten Drittligisten retten will.

BILD: Ist der neue Job ein Himmelfahrts-Kommando für Sie?

Schmitt: „Nein, sondern eine schwierige Aufgabe mit einer großen Chance für mich und die Mannschaft.“

BILD: Was macht Sie zuversichtlich?

Schmitt: „Weil die Mannschaft das Potential dazu hat. Ich habe sie mehrmals beobachtet und dabei noch etwas ganz Wichtiges festgestellt. Die Spieler streiten nicht untereinander, selbst wenn’s nicht läuft.“

BILD: Haben Sie schon mit Ihrem Vorgänger Stefan Minkwitz geredet?

Schmitt: „Ich werde ihn nicht anrufen. Es tut mir leid für ihn. Doch so ist nun mal das Geschäft. Vor vier Wochen wurde ich in Aalen entlassen.“

BILD: Werden die Kickers genauso offensiv spielen wie Ihr Ex-Klub?

Schmitt: „Ich orientiere mich am englischen Fußball mit schnellem Spiel nach vorne und dynamischen Außenverteidigern. Momentan ist wichtig, dass wir ergebnisorientiert spielen. Unser Ziel ist primär der Nichtabstieg und zwar so schnell wie möglich. Das verdient dieser Traditionsverein mit dem schönen Stadion und der guten Fankultur.“

BILD: Wird nicht leicht…

Schmitt: „Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen – wenn wir aggressiv und energisch rangehen.“

Edgar Schmitt mit Lebensgefährtin Corinna und Dobermann Buddy (6). Sie wohnen mit den Kindern Jil (12) und Amelie (5) noch in Aalen, suchen jetzt eine Vierzimmerwohnung oder ein Haus in Degerloch.

BILD

STN: „Mit den Kickers lässt sich viel bewegen“

Der Trainer der Blauen über seine Zeit als Profi, den Umgang mit Spielern und die Ziele mit den Blauen

Stuttgart – Edgar Schmitt soll den Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers vor dem Absturz retten. Der 45-jährige Ex-Profi ist sicher, dass er die Herausforderung meistert: „Die Elf ist jung, dynamisch, kampfstark und nicht zerstritten“, sagt er vor seinem Debüt am Samstag (14 Uhr/Gazistadion) gegen Kickers Emden.

Herr Schmidt, wir wundern uns, dass Sie erst am heutigen Dienstag mit dem ersten Training loslegen.
Ich dachte, die Mannschaft sei am Sonntag wie geplant ausgelaufen und hat dann am Montag frei. Als ich später erfuhr, dass am Sonntag gar kein Training war, wollte ich die ursprüngliche Planung nicht ändern.

Ist in der prekären Lage nicht jeder Tag kostbar?
Manchmal ist weniger auch mehr.

Die Spieler werden sich freuen.
Das weiß ich nicht. Wenn sie wüssten, dass sie dadurch am Samstag gewinnen, hätten sie bestimmt auch gerne trainiert. Die heutige Spielergeneration besteht nicht aus lauter Sauhunden, sie ist professioneller, als man denkt, und viel besser als ihr Ruf.

Dass viele ihre Freizeit hauptsächlich an der Playstation verbringen, ist ein Vorurteil?
Das tun sie nebenbei, aber viele gehen laufen und halten sich fit. Früher waren die Spieler Fußballer, heute Hochleistungssportler. Die physische Belastung ist viel höher geworden. Die dritte Liga heute hat ein Niveau wie vor zehn Jahren die zweite Liga.

Wie sah es bei Ihnen persönlich mit der Professionalität aus?
Ich war kein Musterschüler, habe meine Freiheiten sehr genossen. Mein starker Wille hat mich nach oben kommen lassen.

Allerdings erst mit 28 Jahren.
Ich habe nie in einer Auswahl gespielt. Bernd Hölzenbein und Dragoslav Stepanovic haben mich 1991 für eine Ablösesumme von 750.000 D-Mark vom damaligen Oberligisten Eintracht Trier zu Eintracht Frankfurt in die Bundesliga geholt.

Ihre beste Zeit hatten Sie beim KSC.
Diese Truppe damals war geprägt von einer unheimlichen Geschlossenheit. Typen wie Oliver Kahn, Wolfgang Rolff, Thorsten Fink, Michael Tarnat oder Icke Häßler zeichnete diese unglaubliche Willenskraft aus. Genauso wie den damaligen Trainer.

Den wilden Winnie.
Winfried Schäfer hat uns große Freiheiten gelassen, weil wir ein sehr verantwortungsvolles Team waren.

Hat er Sie stark geprägt?
Ich war in allen Spielklassen am Ball und hatte viele gute Trainer, aber ich gehe meinen eigenen Weg und habe meine eigene Philosophie.

Die wie aussieht?
Ich kommuniziere viel mit den Spielern. Ich sehe mich als Teil der neuen Trainergeneration. Ähnlich wie Jürgen Klinsmann oder Bruno Labbadia will auch ich analytisch vorgehen, Pressing spielen lassen und mit dem Team mutig nach vorne angreifen.

Sie wissen aber schon, dass Sie bei den Stuttgarter Kickers unterschrieben haben.
Große finanzielle Mittel hat der Club nicht, aber ich bin sicher, dass sich hier viel bewegen lässt. Zunächst aber geht es um den Ligaverbleib.

Zweifel an der Qualität der Mannschaft haben Sie nicht?
Hätte ich sonst hier unterschrieben? Fakt ist: Die Niederlagen gegen Aue und in Erfurt waren sehr unglücklich. Das Team kann ein hohes Tempo gehen. Es ist jung, dynamisch, kampfstark und nicht zerstritten.

Warum lief es dann so schlecht?
Ich glaube einfach, die Mannschaft ist in der Liga noch nicht richtig angekommen. Möglicherweise dachten manche Spieler nach der geglückten Drittligaqualifikation, es geht jetzt einfach von allein so weiter.

Wie wollen Sie den Schalter umlegen?
Wie gesagt, wir wollen den Gegner früh attackieren, offensiv, kreativ und attraktiv spielen, da können bei einer jungen Mannschaft Kräfte frei werden.

Besteht nicht die Gefahr, dass Ihre offensive Ausrichtung zulasten der dringend benötigten Ordnung im Defensivbereich geht?
Was heißt Gefahr? Der Trainerposten ist eine Gefahr, das ganze Leben ist eine Gefahr. Wir werden sehen.

Ende August wurden Sie beim VfR Aalen entlassen. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, Sie hätten sich von den Spielern vereinnahmen lassen und wenig taktische Vorgaben gegeben?
Es wird viel geredet. Klar ist, der Erfolg hat viele Väter, bei Niederlagen heißt es plötzlich, der Coach trainiert zu hart, oder er wählt die falsche Taktik. Gegen solche Vorwürfe ist man machtlos.

Fragen von Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

Presse zu Rot-Weiß Erfurt – Stuttgarter Kickers und zum neuen Trainer Edgar Schmitt

Minkwitz ist weg und Schmitt schon daDer Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers vollzieht den Trainerwechsel – Björn Hinck soll neuer Assistent werden

STUTTGART. Auch die beste Saisonleistung hat den Trainer Stefan Minkwitz nicht mehr im Amt gehalten. Einen Tag nach der 2:3-Niederlage in Erfurt stellten die Stuttgarter Kickers Edgar Schmitt als ihren neuen Trainer vor.

Von Joachim Klumpp

Spiel aus – Minkwitz raus. Ganz so schnell schossen die Verantwortlichen der Stuttgarter Kickers zwar nicht, aber wer die Worte des Präsidenten Dirk Eichelbaum am Samstag unmittelbar nach der 2:3-Niederlage in Erfurt richtig deutete, der wusste schon, dass der Trainerwechsel nur eine Frage von Stunden ist. Auf der Rückfahrt von Thüringen hatte der Clubchef zusammen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Rainer Lorz und dessen Stellvertreter Christian Dinkelacker denn auch genug Zeit, die letzten Details für eine Trennung durchzugehen. Die Einladung zur Pressekonferenz kam gestern also wenig überraschend, der Name des Nachfolgers ebenfalls: Edgar Schmitt soll“s richten.

Der 45-Jährige, der wegen seiner vier Treffer beim denkwürdigen 7:0-Sieg des Karlsruher SC gegen Valencia „Euro-Eddy“ genannt wird, wird morgen Vormittag erstmals das Training leiten. Mit wem an seiner Seite, das ist noch offen. „Wir haben uns aber aus gewissen Gründen für eine interne Lösung entschieden“, sagte Schmitt. Die Rochade könnte so aussehen, dass der bisherige Amateurtrainer Björn Hinck zum „Co“ aufrückt und Hincks Posten in der Oberliga vom bisherigen Minkwitz-Assistenten Alexander Malchow übernommen wird. „Das muss aber mit den betreffenden Personen noch endgültig abgeklärt werden“, sagte Eichelbaum gestern zu der angedachten Variante.

Minkwitz selbst ist offiziell beurlaubt, wie es im Juristendeutsch so schön heißt, schließlich besitzt er noch einen gültigen Kontrakt bis zum 30. Juni 2009, nachdem ursprünglich immer von einem Zweijahresvertrag gesprochen wurde. Doch der existierte nur per Option. Dennoch stehen dem 40-Jährigen bis Saisonende rund 50 000 Euro zu, die der Verein nun entweder an anderer Stelle einsparen (was schwierig werden dürfte) oder aber durch zusätzliche Einnahmen finanzieren muss. Im Zweifel dürften die Macher – zumindest vorübergehend – selbst einspringen. Wie sagte Christian Dinkelacker zuletzt: „An der finanziellen Seite darf ein Trainerwechsel nicht scheitern.“

Minkwitz hatte in Anbetracht des Schlüsselspiels in Erfurt nochmals alle Register gezogen, auf eine Dreierabwehrkette umgestellt und Gambo als zweite Sturmspitze nominiert. Das führte dazu, dass die Kickers ihr bestes Saisonspiel zeigten, durch individuelle Fehler aber letztlich – wie schon in Regensburg und gegen Aue – mit leeren Händen dastanden. Auch die Worte des Kollegen Karsten Baumann halfen da nichts mehr, der sagte: „Wir waren diesmal nicht besser, aber glücklicher.“

„Aber spätestens das Spiel in Erfurt hat gezeigt, dass ich eine intakte Mannschaft hinterlasse“, sagte Minkwitz, der nun erst einmal zwei Wochen im Urlaub abschalten möchte. Eine weiteres Engagement bei den Kickers ist zwar nicht komplett ausgeschlossen, scheint aber recht unwahrscheinlich.

Edgar Schmitt stand jedenfalls bereits in den Startlöchern, nachdem er inzwischen auch seinen Auflösungsvertrag beim Exclub VfR Aalen unterschrieben hat. „Mir war wichtig, dass diese Dinge geklärt sind“, sagte Eichelbaum. Schmitts Vertrag bei den Kickers läuft bis zum Saisonende, wobei er sich im Fall des Nichtabstiegs automatisch um ein Jahr verlängert. „Es wird zwar schwer, aber ich bin überzeugt, dass wir den Klassenverbleib schaffen werden“, sagte Schmitt, der die Mannschaft zuletzt beim 1:2 gegen Aue beobachtet hatte. „Eine unglückliche Niederlage“, meinte der frühere Topstürmer, der als seine Philosophie ausgibt: „Ich orientiere mich am englischen Fußball.“ Soll heißen: die Spieler müssen ständig in Bewegung sein und auch über die Flügel kommen.

Beim VfR Aalen ist dieses Konzept phasenweise voll aufgegangen, vergangene Saison belegte die Mannschaft zeitweise einen Aufstiegsplatz. Im Endeffekt wurde das Ziel zweite Liga aber verpasst, nicht zuletzt weil es intern Dissonanzen mit dem Sportlichen Leiter Helmut Dietterle gegeben hatte. Die drohen bei den Kickers nicht. Der Manager Cast sagt: „Ich bin immer loyal zum Trainer.“

RW Erfurt: Orlishausen – Schnetzler, Pohl (32. Möckel), Loose, Pinske – Wolf (72. Semmer), Cinaz, Rockenbach da Silva (84. Peßolat), Judt – Cannizzaro, Bunjaku.

Stuttgarter Kickers: Salz – Mann, Härter, Rapp – Traut, Rosen, Kettemann (83. Tucci), Prediger (83. Reiß), Landeka – Gambo (72. Smeekes), Schürg.

Stuttgarter Zeitung

„Frischer Wind“
Nachgefragt bei Dirk Eichelbaum

Der Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers hat gestern – nach der 2:3-Niederlage bei Rot-Weiß Erfurt – erwartungsgemäß seinen Trainer Stefan Minkwitz beurlaubt. „Das ist mir nicht leichtgefallen, aber wir konnten die sportliche Lage nicht ignorieren“, sagt der Präsident Dirk Eichelbaum im Gespräch mit Joachim Klumpp.

Herr Eichelbaum, wie schwer ist es Ihnen gefallen, ein blaues Urgestein wie Stefan Minkwitz zu beurlauben?

Das war natürlich keine angenehme Aufgabe. In meinem Büro habe ich ein Bild vom 31. Mai hängen, das Stefan Minkwitz zusammen mit mir nach der erfolgreichen Drittligaqualifikation in Elversberg zeigt. Aber die hat letztendlich ebenso wenig gereicht wie seine lange Verbundenheit mit den Kickers, um die sportliche Lage mit sieben Spielen ohne Sieg zu ignorieren.

Hand aufs Herz: was wäre denn passiert, wenn Erfurt am Samstag in letzter Sekunde nicht noch ein Tor erzielt und das Spiel 2:2 ausgegangen wäre?

Sicher hätten wir in den Gremien dann noch einmal darüber sprechen müssen, aber die Tendenz wäre trotzdem zur Trennung gegangen. Wir haben schon so lange herumgemacht, irgendwann musste auch mal eine Entscheidung her.

Die die Kickers aber auch finanziell belastet. Wie werden Sie die zusätzlichen Ausgaben stemmen?

Zunächst einmal, indem uns Edgar Schmitt entgegengekommen ist. Und natürlich erhoffen wir durch seine Verpflichtung auch nochmals frischen Wind. Nicht nur sportlich, sondern so, dass sich das in zusätzlichen Marketingeinnahmen niederschlägt.

Was sprach gerade für Edgar Schmitt? Es waren ja auch noch andere Kandidaten auf dem Markt, beispielsweise der frühere Augsburger Rainer Hörgl.

Aber Herr Hörgl hat in seiner Augsburger Zeit zum Beispiel Angelo Vaccaro aussortiert gehabt, so dass wir dieses Thema erst gar nicht vertieft haben. Als Edgar Schmitt auf dem Markt war, wussten wir: er ist die richtige Adresse für uns – und wir auch für ihn. Seine offensive Spielweise beim VfR Aalen, der vergangene Saison zeitweise den attraktivsten Fußball der Regionalliga gezeigt hat, ist uns nicht entgangen und hat uns imponiert. Er war unsere absolute Wunschlösung.

Stuttgarter Zeitung

Trainerwechsel bei den Kickers

Reiz und Risiko
Von Joachim Klumpp

Die Verantwortlichen der Stuttgarter Kickers haben gestern das getan, was die Mannschaft in der dritten Liga viel zu selten gemacht hat: reagiert. Die Entlassung des Trainers Stefan Minkwitz ist letztendlich nur die logische Konsequenz aus dem schlechtesten Saisonstart seit Kickers-Gedenken, ohne Sieg in sieben Spielen. Irgendwann war eben selbst der Bonus der Qualifikation für die dritte Liga aufgebraucht, auch wenn der Auftritt in Erfurt durchaus Anlass zur Hoffnung gab.

Ob jetzt alles gut wird? Sicher bringt der Trainerwechsel zunächst einen Schub für die Mannschaft, vielleicht erzeugt er sogar eine Aufbruchstimmung im Umfeld. Eine Garantie auf Erfolg ist er natürlich nicht. Einmal ganz abgesehen von der Frage, inwieweit der Kader überhaupt die Qualität für die dritte Liga besitzt. Weil die Personalplanung auch in den Bereich des Managers fällt, hätten nicht wenige Fans Joachim Cast am liebsten gleich mit in die Wüste geschickt. Bei aller Kritik sollte dabei aber nicht vergessen werden, dass so ein Rundumschlag mitten in der Saison den Verein mit seinen ehrenamtlichen Funktionären an den Rand der Handlungsunfähigkeit gebracht – und am Ende niemandem geholfen hätte.

Dass in Edgar Schmitt bereits der dritte Trainer innerhalb von elf Monaten in Degerloch das Zepter schwingt, muss indes zu denken geben – auch den Verantwortlichen. Denn jeder Wechsel erzeugt Unruhe, ganz abgesehen von den finanziellen Belastungen, die bei den Kickers den Etat regelmäßig über Gebühr strapazieren. Dabei war es Schmitt zuletzt in Aalen gewohnt, personell und finanziell für Drittligaverhältnisse aus dem Vollen schöpfen zu können. In dieser Hinsicht wird er sich umstellen müssen. Das ist Reiz und Risiko der neuen Aufgabe zugleich.

Stuttgarter Zeitung

Kommen und Gehen
Kickers-Trainer seit dem Zweitligaabstieg:

Rainer Zobel bis 26. August 2001
Marcus Sorg 26.08.01 – 09.03.03
Rainer Adrion 10.03.03 – 27.10.03
Robin Dutt 28.10.03 – 30.06.07
Peter Zeidler 01.07.07 – 04.11.07
Stefan Minkwitz 04.11.07 – 21.09.08
Edgar Schmitt seit 21. September 2008

Stuttgarter Zeitung

Edgar Schmitt ergreift die Flucht nach vorne
Planspiele mit Björn Hinck als Kickers-Co-Trainer

Stuttgart – Dieser Trainerwechsel überraschte keinen mehr: Am Tag nach dem 2:3 bei Rot-Weiß Erfurt stellte Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers Edgar Schmitt als Nachfolger von Stefan Minkwitz vor. Assistent soll Oberligacoach Björn Hinck werden, dessen Amt Alexander Malchow übernehmen könnte.

VON JÜRGEN FREY

Rückendeckung kann bei dieser schweren Aufgabe nicht schaden: Edgar Schmitt erschien am gestrigen Sonntag bei seiner Vorstellung in einem Hotel in Bonlanden nicht nur mit seinem Berater, sondern auch mit seiner Lebensgefährtin samt Hund. Schmitt versprühte Optimismus: „Das Team ist jung und dynamisch, ich bin überzeugt, dass wir das primäre Ziel Nichtabstieg schaffen werden.“ In diesem Fall würde sich sein bis zum Saisonende laufender Vertrag automatisch um ein Jahr verlängern. Zunächst aber leitet der 45-Jährige am Dienstag um 10 Uhr erstmals das Training, am Samstag (14 Uhr/Gazistadion) gegen Kickers Emden feiert er sein Debüt auf der Kickers-Bank. Wie er die Blauen vor dem Absturz bewahren will? Der ehemalige Stürmer setzt auf Offensive: „Ich bin ein Verfechter der englischen Fußball-Philosophie“, erklärt der Ex-Profi, „ich will Leben auf dem Platz sehen und mit dem Team schnell und mutig nach vorne spielen.“ Von der Devise, erst einmal die wacklige Hintermannschaft zu stabilisieren, hält er wenig: „Wenn man zu sehr auf Sicherheit setzt, besteht die Gefahr, dass man nur darauf wartet, dass etwas passiert.“

Schmitt machte bei den Kickers das Rennen vor den derzeit vereinslosen Marc Fascher (zuletzt SF Siegen) und Rainer Hörgl (früher FC Augsburg). „Schmitt war unser Wunschkandidat“, stellte Präsident Dirk Eichelbaum klar, „er ist ein kommunikativer Typ, der für attraktiven Fußball steht. Beim VfR Aalen war seine Handschrift deutlich zu erkennen.“ Mit dem Drittligarivalen, bei dem er Ende August beurlaubt wurde, einigte sich Schmitt in der vergangenen Woche über die Auflösung des Vertrags. Die Abfindung soll bei rund 175 000 Euro liegen. Deshalb konnte Schmitt den Blauen auch finanziell entgegenkommen. Er nimmt Abstriche im Grundgehalt in Kauf – sein Vertrag ist stark erfolgsabhängig. „Die neue Konstellation ist eine Chance für mich – und die Kickers.“ Allerdings birgt sie auch Risiken. Die finanzielle Lage für die Blauen spitzt sich durch die zusätzliche Belastung weiter zu. Dennoch trug der Aufsichtsrat die Entscheidung mit: „Die Chancen, durch Erfolge neue Einnahmen zu bekommen, sehen wir als größer an als das Risiko, weiter im Tabellenkeller herumzudümpeln“, sagte Rainer Lorz, der Chef des Kontrollgremiums. Und sein Stellvertreter Christian Dinkelacker ergänzte: „Die Patrone Trainer ist nun weg, jetzt ist die Mannschaft in der Pflicht.“

Minkwitz wusste trotz der besten Saisonleistung in Erfurt bereits auf der Rückfahrt, was die Stunde geschlagen hatte. Entgegen sonstigen Gepflogenheiten durften sich die Spieler an einer Raststätte sogar ein Bierchen genehmigen. Auch nach der offiziellen Bekanntgabe der Trennung am Sonntag gab sich der 40-Jährige entspannt – und selbstkritisch: „Irgendwann musste der Verein handeln, ein Trainer wird an Punkten gemessen, und da hatte ich nichts vorzuweisen“, zeigte er Verständnis für die Beurlaubung, stellte aber auch klar: „Ich hinterlasse hier keinen Scherbenhaufen.“ Zunächst fliegt er erst einmal in den Urlaub. Es gilt als äußerst unwahrscheinlich, dass er bei den Blauen in anderer Funktion weitermacht. Ob sein bisheriger Assistent und Freund Alexander Malchow den Kickers erhalten bleibt, ist dagegen noch offen. Dem Verein schwebt vor, den 39-Jährigen als Trainer der Oberligaelf zu behalten. Er würde dort Björn Hinck ablösen, der als Co-Trainer von Schmitt ins Drittligateam aufrücken soll, aber noch Details mit seinem Arbeitgeber klären muss. Die interne Rochade hätte einen entscheidenden Vorteil: Die Kickers geben nicht noch mehr Geld aus, das sie nicht haben.

Stuttgarter Nachrichten

Der Strohhalm
VON JÜRGEN FREY

Es sind die Gesetzmäßigkeiten in diesem gnadenlosen, aber gut dotierten Geschäft: Im freien Fall sollte der Sportsfreund die Reißleine ziehen. Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers hat sich nach nur einem Zähler aus sieben Punktspielen und dem peinlichen Aus im WFV-Pokal daran gehalten. Die beste Saisonleistung beim 2:3 in Erfurt ändert nichts daran: Stefan Minkwitz ist beurlaubt. Das klingt, als hätten sie ihm 14 Tage auf den Kanaren spendiert, doch die Wirklichkeit ist rauer. Die Blauen sind in Gefahr.

Aus diesem Grund kam die Entscheidung, einen Schlussstrich zu ziehen, nicht überraschend. Der glücklose Minkwitz hat seit Saisonbeginn alle Möglichkeiten ausgereizt, zweimal stellte er das System um, unterm Strich ohne zählbaren Erfolg. Der Glaube, in der bisherigen Konstellation Trainer/Mannschaft etwas zu bewegen, sank mit jedem verlorenen Spiel. Schon allein deshalb ist es richtig, auf einen neuen Mann zu setzen, der mit einer anderen Ansprache versucht, frische Kräfte zu mobilisieren.

Ob die Qualität der Mannschaft reicht, ist eine andere Frage. Daher wäre es fahrlässig, die Schuld an der Misere ausschließlich auf den Trainer abzuwälzen. Die Probleme liegen tiefer. Die Spiele verlor eine Mannschaft, die von allen Beteiligten zusammengestellt wurde. Minkwitz hat Wünsche geäußert; erfüllt – oder im Fall von Mirnes Mesic eben auch nicht – wurden sie von Manager Joachim Cast und vom Präsidium. In der Vereins- und Personalpolitik der Blauen reiht sich seit Jahren ein Fehlgriff an den anderen. Außerdem fehlen schlüssige Konzepte und Ideen – auch um die finanzielle Schieflage in den Griff zu bekommen. Der Trainerwechsel ist deshalb nicht mehr als das Klammern an einen Strohhalm.

Stuttgarter Nachrichten

Der „Wunschkandidat“ übernimmt

Die Kickers trennen sich nach dem 2:3 gegen Erfurt von Trainer Stefan Minkwitz und holen Edgar Schmitt

Stuttgart – Nach dem wochenlangen Hin und Her ging es nun doch recht schnell: Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers hat gestern Vormittag Trainer Stefan Minkwitz beurlaubt und am Nachmittag bereits Edgar Schmitt als Nachfolger präsentiert. Damit reagierte die Vereinsführung auf die sportliche Talfahrt, die sich auch am Samstag mit der 2:3 (1:1)-Auswärtsniederlage gegen den FC Rot-Weiß Erfurt fortsetzte.

Von Beate Wockenfuß

Gestern um 14.36 Uhr erschien Präsident Dirk Eichelbaum mit gelöstem Lächeln auf der eilig einberufenen Pressekonferenz. Ihm folgte – und das war zu diesem Zeitpunkt schon lange keine Überraschung mehr – Schmitt. Dass der frühere Profi des Karlsruher SC das Amt des Chef-Trainers bei den „Blauen“ übernehmen würde, war bereits am Samstagabend direkt nach der sechsten Niederlage der Kickers im siebten Saisonspiel zu erwarten. Vor Fernsehkameras wurde Eichelbaum noch in Erfurt mit dem Namen Schmitt konfrontiert und vermochte nicht wirklich, die Spekulationen um einen sofortigen Trainerwechsel auszuräumen. Man könne als Tabellenletzter mit nur einem Punkt auf dem Konto nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen, erklärte er da noch und fügte leicht irritiert hinzu: „Edgar Schmitt ist sicherlich ein geeigneter Kandidat, ääh wäre.“Noch am selben Abend wurde die seit einer Woche vorbereitete Wachablösung per Telefon perfekt gemacht. Der 45-Jährige unterschrieb gestern einen Einjahresvertrag, der sich um ein Jahr verlängert, wenn die Kickers den Klassenverbleib schaffen. Und genau das ist das primäre Ziel des neuen Trainers, der erst am 27. August beim Liga-Konkurrenten VfR Aalen wegen der „negativen sportlichen Entwicklung“ ausrangiert worden war. „Wir müssen sehen, dass wir da unten rauskommen. Das wird schwer genug“, betonte Schmitt, fügte aber betont zuversichtlich lächelnd hinzu: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir das schaffen.“Dass dies mit Minkwitz gelingen würde, den Glauben daran hatte die Vereinsführung nun endgültig verloren. Eichelbaum hatte den Coach, der im November vergangenen Jahres die Nachfolge von Peter Zeidler angetreten hatte, gestern Morgen telefonisch von der Beurlaubung in Kenntnis gesetzt.

Hinck als Co-Trainer?
Co-Trainer Alexander Malchow muss seinen Posten ebenfalls räumen, wird aber im Gegensatz zu Minkwitz beim Verein bleiben. Geplant ist, dass der bisherige Coach der zweiten Mannschaft, Björn Hinck, an Schmitts Seite wechselt und Malchow dafür auf seine Stelle rückt. Eine Entscheidung darüber soll möglichst schnell fallen. Morgen wird der Neue das erste Training leiten und das Team offensiv für das Heimspiel am Samstag (14 Uhr) gegen Kickers Emden ausrichten. „Edgar Schmitt ist unser Wunschkandidat“, betonte Eichelbaum immer wieder. Er wies aber auch darauf hin, dass die Verhandlungen mit Schmitt bei einem Sieg in Erfurt abgebrochen worden wären.

Immer wieder hatte der Präsident zuletzt das Festhalten an Minkwitz damit begründet, dass nicht das Ergebnis, sondern die Leistung zähle. Doch letztlich war es nun doch das ernüchternde 2:3 in Erfurt – bei dem Dirk Prediger und Josip Landeka für die Kickers-Tore sorgten -, das die Entlassung besiegelte. „Es gab zwar eine tendenzielle Aufwärtsbewegung, aber die hat sich wieder nicht in Punkten niedergeschlagen“, erklärte Eichelbaum. Er sagte aber auch, dass ihm dieser Schritt mit Blick auf Minkwitz‘ Verdienste sowohl als langjähriger Spieler als auch als Trainer nicht leicht gefallen sei: „Die Qualifikation für die dritte Liga hat uns verbunden, aber das hat nicht mehr gereicht, um die sportliche Lage zu ignorieren.“

Stuttgarter Kickers: Salz – Mann, Härter, Rapp – Traut, Rosen, Kettemann (83. Tucci), Prediger (83. Reiß), Landeka – Gambo (72. Smeekes), Schürg.

Eßlinger Zeitung

Stuttgart: Trennung von Minkwitz
Schmitt coacht die Kickers

Die Stuttgarter Kickers haben sich aufgrund der nicht zufrieden stellenden sportlichen Entwicklung von Trainer Stefan Minkwitz getrennt. Die Kickers stehen nach sieben Spieltagen mit nur einem Zähler auf dem letzten Tabellenplatz der dritten Liga. Nur wenige Stunden nach der Beurlaubung von Minkwitz stellte der Verein bei einer Pressekonferenz Edgar Schmitt als Nachfolger vor.

Der frühere DDR-Nationalspieler und spätere Bundesligaprofi Minkwitz war seit dem 4. November 2007 bei den Schwaben für die sportlichen Geschicke verantwortlich. In der vergangenen Saison führte er die Blauen dank eines 2:0-Erfolges in Elversberg am letzten Regionalliga-Spieltag noch in die 3. Liga, in der dann aber der sportliche Erfolg ausblieb.

Schmitt soll es richten

Bereits wenige Stunden nach der Beurlaubung von Minkwitz stellten die Stuttgarter Kickers bei einer Pressekonferenz Edgar Schmitt als Nachfolger vor.

In der neuformierten 3. Liga war der ehemalige Bundesliga-Profi Schmitt seinerseits erst Ende August beim Liga-Konkurrenten VfR Aalen aufgrund der negativen sportlichen Entwicklung entlassen und durch Weltmeister Jürgen Kohler ersetzt worden.

Kicker

RWE Sieg erst in der Nachspielzeit – Kickers gleichwertig

Bunjaku sorgt für Last-Minute-Sieg
In einem Spiel, bei dem Schlusslicht Stuttgarter Kickers über weite Strecken auf Augenhöhe agierte, sorgte Bunjaku erst in der Nachspielzeit für die Erfurter Erlösung. Karsten Baumann musste in der zweiten Hälfte auf die Tribüne, weil er zu heftig reklamierte.

Karsten Baumann, Coach der Erfurter, änderte seine Formation nach der 0:2-Niederlage gegen den SC Paderborn auf einer Position: Für Hauswald lief Wolf von Beginn an auf. Kickers-Trainer Stefan Minkwitz nahm nach der 1:2-Schlappe gegen Aue zwei Veränderungen vor und ließ Härter und Prediger für Deigendesch und Smeekes spielen.

Die Partie begann sehr schwungvoll. Zunächst brachte Judt seine Farben in Front, als er eine Flanke von Wolf zur 1:0-Führung verwertete (7.). Doch die Antwort der Gäste ließ nicht lange auf sich warten: Prediger köpfte nur vier Minuten später zum Ausgleich ein. Nach diesen turbulenten Anfangsminuten verflachte die Begegnung etwas, die Kickers agierten in den ersten 45 Minuten auf Augenhöhe – man merkte den Unterschied in der Tabelle nicht.

Nach der Pause erarbeitete sich die Heimelf mehr Spielanteile, allerdings hielten die Stuttgarter Kickers weiterhin gut mit. Den ersten Aufreger lieferte aber RWE-Trainer Karsten Baumann, der so heftig reklamierte, dass er vom Schiedsrichter auf die Tribüne verwiesen wurde. Zehn Minuten später die erneute Erfurter Führung durch Rockenbach da Silva, der von Bunjaku in Szene gesetzt (68.) wurde. Danach entwickelte sich erst zum Ende hin eine turbulente Schlussphase. Zunächst schaffte das Schlusslicht durch einen Handelfmeter, Loose sprang der Ball an die Hand, den Ausgleich (88.) und als es nach einem Unentschieden aussah, schlug Bunjaku in der Nachspielzeit zu (90.+2) und sorgte doch noch für den späten Heimdreier für Erfurt.

Die Erfurter müssen am 8. Spieltag in die Fremde: Sie gastieren in einer Woche bei Fortuna Düsseldorf. Auf die Kickers wartet im Parallelspiel die schwierige Aufagabe gegen Emden. Stuttgart kann dabei aber auf seinen Heimvorteil bauen.

Kicker

Edgar Schmitt neuer Trainer bei den Stuttgarter Kickers

Am heutigen Sonntagnachmittag haben die Verantwortlichen des Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers Edgar Schmitt als neuen Cheftrainer des Degerlocher Traditionsvereins im Rahmen einer Pressekonferenz im NH-Hotel Stuttgart-Airport in Filderstadt-Bonlanden vorgestellt. Der 45 Jahre alte Fußballlehrer war zuletzt bis Ende August beim Ligakonkurrenten VfR Aalen tätig. Schmitt hat einen Vertrag bis zum 30. Juni 2009 unterzeichnet und übernimmt mit sofortiger Wirkung das Amt seines Vorgängers Stefan Minkwitz. Dieser war zuvor am Sonntagvormittag aufgrund des sportlichen Misserfolgs der Drittliga-Mannschaft – nur ein Punkt aus sieben Partien – von den Vereinsverantwortlichen der Stuttgarter Kickers beurlaubt worden.

„Trotz der großen Verdienste, die sich Stefan Minkwitz bei den Stuttgarter Kickers erworben hatte, waren wir angesichts der momentanen sportlichen Lage verpflichtet, auf der Trainerposition etwas Neues zu probieren“, sagte der Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum, der Edgar Schmitt als „unseren Wunschkandidaten“ bezeichnete und ihn mit den Worten „herzlich willkommen an Bord der Blauen“ begrüßte und ihm als Einstandsgeschenk einen Kickers-Schal überreichte.

Edgar Schmitt sagte bei der Pressekonferenz, dass er sich „freut, diese hochinteressante Aufgabe bei den Stuttgarter Kickers, einem echten Traditionsverein, zu übernehmen“, sagte Edgar Schmitt bei seiner Vorstellung. „Ich bin optimistisch, diese Herausforderung angesichts der derzeitigen sportliche Lage mit meiner neuen Mannschaft lösen zu können“, sagte Schmitt weiter. Als erstes Ziel will Edgar Schmitt die Stuttgarter Kickers möglichst rasch aus dem Tabellenkeller der dritten Liga führen – als primäres Saisonziel nannte er den Klassenverbleib.

Am kommenden Dienstag (10 Uhr) wird Edgar Schmitt die erste Trainingseinheit mit seinem neuen Team im ADM-Sportpark abhalten. Seine Punktspielpremiere als neuer Coach der Blauen hat der ehemalige Bundesligaakteur am nächsten Samstag, 27. September. Im Heimspiel im Degerlocher GAZI-Stadion auf der Waldau empfangen die Stuttgarter Kickers den Tabellenzweiten Kickers Emden. Spielbeginn ist um 14 Uhr.

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U23-Team setzt sich mit 3:1 gegen Illertissen durch

Die „kleinen“ Blauen fuhren am Sonntag Nachmittag den zweiten Sieg in Folge in der Meisterschaft ein und setzen sich mit 3:1 gegen den FV Illertissen durch. Die Mannschaft von Trainer Björn Hinck belegt damit wieder den zehnten Tabellenplatz und kommt nach drei Siegen, einem Unentschieden und drei Niederlagen auf zehn Punkte.

Die Kickers waren über die gesamte Spielzeit das bessere und aktivere Team, Illertissen war nur am Ende der beiden Spielhälften gleichwertig. Nach 39. Spielminuten erzielte Markus Kärcher das 1:0, Moritz Steinle hatte über die rechte Seite vorbereitet. Dies war zugleich der Halbzeitstand. Kurz nach der Pause (48. Minute) erhöhte dann Angelo Vaccaro auf 2:0 – die Vorentscheidung in diesem Spiel. Vorbereitet wurde der zweite Kickers-Treffer von Marcel Ivanusa, der einen Pass von Marko Kovac direkt auf den Kickers-Stürmer weiterleitete. Vaccaro war nach dem Ende seiner Spielsperre in der 3. Liga für die Oberligabegegnung am Sonntag spielberechtigt.

Die endgültige Entscheidung dann eine Viertelstunde vor dem Spielende, als Sandro Abruscia den Ball von Angelo Vaccaro aufgelegt bekam. Der Schuss des 18jährigen aus gut 20 Metern passte genau ins lange Eck und bedeutete sein erstes Oberligator.

Nach einen groben Foul von Christian Sameisla schickte Schiedsrichter Manuel Hellwig Kickers-Spielführer Moritz Steinle mit einer Roten Karte vom Platz. Der Unparteiische sah einen Unsportlichkeit des Kickers-Spielführers und verwies ihm deshalb vom Feld. Das grobe Foul von Sameisla, der Moritz Steinle mit gestrecktem Bein von hinten foulte, sah die Gelbe Karte.

Kurz vor dem Abpfiff kamen die Gäste durch einen Freistoss von Steffen Kuhn noch zum 1:3, am deutlichen Sieg der Kickers änderte der Treffer aber nichts mehr.

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Vorberichte Rot-Weiß Erfurt – Stuttgarter Kickers und dem Ausfall vom Smeekes

Hiobsbotschaft für Minkwitz
Der Kickers-Spieler Orlando Smeekes fällt in Erfurt vermutlich wegen eines Muskelfaserrisses aus

STUTTGART. Stefan Minkwitz, der Trainer der Stuttgarter Kickers, ist um seine Aufgabe morgen in Erfurt nicht zu beneiden. Neben dem gesperrten Angelo Vaccaro fehlt in dem Schlüsselspiel der dritten Fußballliga wohl auch der Neuzugang Orlando Smeekes.

Von Joachim Klumpp

Siegen oder fliegen – selten einmal ist dieses Motto bei den Stuttgarter Kickers treffender gewesen, als vor dem Auswärtsspiel der dritten Liga morgen (14 Uhr) bei Rot-Weiß Erfurt. Wobei allenfalls noch die Frage im Raume steht, was bei einem Unentschieden passieren würde. Unabhängig von den Spekulationen um einen Trainerwechsel gibt sich der Coach Stefan Minkwitz nach wie vor kämpferisch: „Ich gehe in jedes Spiel, um zu gewinnen.“ Weil das in dieser Saison bei sechs Versuchen bisher aber noch nicht gelungen ist, braucht der Trainer (samt seinem Assistenten Alexander Malchow) jetzt zwingend ein Erfolgserlebnis, um die Arbeit über dieses Wochenende hinaus fortzusetzen.

Die Aufgabe wird nicht leichter, nachdem sich ausgerechnet der Neuzugang und Hoffnungsträger Orlando Smeekes am Dienstag im Testspiel auf Kunstrasen beim FC Welzheim (9:0) einen Muskelfaserriss zugezogen hat und damit höchstwahrscheinlich ausfallen wird. Der Niederländer soll aber heute um 14 Uhr mit der Mannschaft zunächst nach Thüringen reisen. „Vielleicht schafft die medizinische Abteilung ja doch noch eine Wunderheilung“, sagt Minkwitz.

Ein kleines Wunder benötigt wohl auch der Trainer selbst, zumal der vermeintliche Torjäger Angelo Vaccaro für das Spiel am Wochenende noch gesperrt ist. Dabei würden die Kickers gerade eine starke Offensive brauchen, um mögliche Schwächen der Erfurter Abwehr ausnützen zu können. „Ich hoffe, dass die Mannschaft sagt: jetzt erst recht“, sagt Minkwitz zur sportlichen Situation.

Am Mittwochabend tagten turnusgemäß Präsidium und Aufsichtsrat der Kickers, und natürlich kamen die Gremien auch am Thema Minkwitz nicht ganz vorbei, zumal sich der Verein einen Trainerwechsel im Grunde nicht leisten kann. „Wir haben aber keine Liquiditätsprobleme“, betont der Schatzmeister Friedrich Kummer, der mit der Wirtschaftssituation des Vereins nicht unzufrieden ist. „Die Marketingabteilung hat die Einnahmen gegenüber dem Vorjahr um rund 150 000 Euro gesteigert“, sagt Kummer – auch wenn damit noch ein kleiner Ansatz im Etat fehlt. „Aber das ist in dieser frühen Phase der Saison ja normal.“

Die genauen Zahlen werden den Mitgliedern auf der Hauptversammlung präsentiert, die ursprünglich bereits für die jetzige Phase unmittelbar nach den Sommerferien geplant war – inzwischen aber auf den traditionellen Termin Ende November verschoben wurde. Durch die sportliche Talfahrt haben die Verantwortlichen momentan andere Sorgen, die zum Saisonbeginn so nicht abzusehen waren. Und die könnten sich am Sonntag weiter zuspitzen, auch wenn die meisten Präsidiumsmitglieder geschäftliche und private Termine im Kalender stehen haben. „Wir gehen einmal davon aus, dass wir uns am Wochenende nicht zusammentelefonieren müssen“, sagen der Präsident und der Schatzmeister einstimmig. Ihr Mobiltelefon werden sie dennoch auf Empfang haben: für gute oder für schlechte Nachrichten.

Stuttgarter Zeitung

Kickers: Smeekes fällt in Erfurt ausStürmer mit Muskelfaserriss

Stuttgart (jük) – Hiobsbotschaft für Fußball-Drittligist Stuttgarter Kickers: Neuzugang Orlando Smeekes hat sich im Freundschaftsspiel gegen Kreisligist FC Welzheim einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen – sein Einsatz im Spiel bei Rot-Weiß Erfurt am morgigen Samstag (14 Uhr) ist äußerst unwahrscheinlich. „Wir werden alles versuchen“, sagt Trainer Stefan Minkwitz, „aber es sieht schlecht aus. Orlando wird aber in jedem Fall mit nach Erfurt fahren.“ Als Ursache sieht der Coach die Tatsache, dass der Niederländer, der zuletzt ohne Vertrag war, noch nicht zu 100 Prozent fit war.

Der Ausfall des 26-Jährigen ist ein harter Schlag für die Kickers und für Minkwitz. Im Angriff hat der Coach nun nur noch wenige Alternativen, da Angelo Vaccaro noch gesperrt ist. „Ich kann noch nicht sagen, ob wir mit einem oder zwei Stürmern beginnen“, sagt Minkwitz, „ich hoffe auf einen Jetzt-erst-recht-Effekt in meiner Mannschaft.“ In Erfurt geht es für den Club nicht nur darum, den ersten Saisonsieg einzufahren – es geht auch um die Zukunft des Trainers. Nach nur einem Punkt und zwei Treffern in sechs Spielen dürfte nur ein Sieg die vorzeitige Beurlaubung des 40-Jährigen verhindern. „Wir wollen immer gewinnen – ganz unabhängig von der aktuellen Situation“, sagt Minkwitz.

Stuttgarter Nachrichten

Vorschau

Spielinfos:

Anstoß: 20.09.2008 14:00
Stadion: Steigerwaldstadion

Schiedsrichter:

Rot-Weiß Erfurt: Wolf rückt für den gesperrten Hauswald in die Startelf. Weitere Änderungen sind trotz des 0:2 in Paderborn nicht wahrscheinlich.

Stuttgarter Kickers: Schmiedel, Russo und der gesperrte Vaccaro fehlen weiter. Rosen und Smeekes haben Adduktorenprobleme, können aber wohl spielen.

Aufstellung

Rot-Weiß Erfurt
Orlishausen – Schnetzler, M. Pohl, Loose, Pinske – D. Wolf, Cinaz, Rockenbach da Silva, T. Judt – Cannizzaro, Bunjaku; Trainer: Baumann

Stuttgarter Kickers
Salz – Deigendesch, Mann, Rapp, Landeka – Rosen, Gambo – Smeekes, Kettemann, Traut – Tucci; Trainer: Minkwitz

Kicker