Kicker: Kickers suspendieren Okpala

Stuttgart: Nach Handgreiflichkeit gegen einen Mitspieler

Nach einer Durststrecke von sieben torlosen Spielen hatte er endlich am letzten Samstag gegen Elversberg (2:0) wieder getroffen und den Stuttgarter Kickers so den ersten Sieg nach neun sieglosen Partien ermöglicht. Kaum wieder in der Erfolgsspur, hat er sich nun ein neues Problem eingebrockt: Wegen einer Handgreiflichkeit gegen einen Mitspieler nach dem Training wurde Christian Okpala von seinem Klub mit sofortiger Wirkung suspendiert.

„Uns blieb nach diesem Vorfall keine andere Wahl“, erklärte Kickers-Coach Robin Dutt die Maßnahme. Okpala wies den Vorwurf jedoch vehement von sich: „Das stimmt nicht. Ich werde mit einem Anwalt dagegen vorgehen.“

Im Sommer war der 30-jährige Torjäger, der in der aktuellen Regionalliga-Saison bislang sechs Treffer erzielte, vom Zweitliga-Aufsteiger FC Augsburg als Torschützenkönig der Süd-Staffel nach Stuttgart gewechselt, wo er noch einen Vertrag bis 2008 hat. Diesen möchte er allerdings nun nicht mehr erfüllen, stattdessen wolle er sich einen neuen Verein suchen: „Das kann für mich nicht so weitergehen mit den Stuttgarter Kickers.“

Einen Namen machte sich der gebürtige Nigerianer mit Schweizer Pass in der ersten Runde des DFB-Pokals, als er den Überraschungssieg der Kickers, die in der Regionalliga Süd derzeit den vierten Platz belegen, gegen den Hamburger SV (4:3 n.V.) mit zwei Treffern – darunter der entscheidende vierte in der Verlängerung per Foulelfmeter – perfekt machte.

Dutt reagierte darauf, dass einer seiner beiden Stürmer nun nicht eingesetzt wird, indem er für die Partie gegen den VfR Aalen zum Rückrundenstart am Samstag (14.30 Uhr) die Stürmer Bastian Bischoff und Sokol Kacani aus der Oberliga-Mannschaft in den Regionalliga-Kader berief. Einer der beiden wird wohl die zweite Angriffsposition neben Mirnes Mesic besetzen. „Ich hoffe, dass nach diesem bedauerlichen Vorfall, der einen groben Verstoß gegen dem Teamgeist darstellt, die Mannschaft noch enger zusammenrückt und die entsprechende Energie gegen Aalen freimacht“, hofft Manager Joachim Cast auf eine positive Reaktion der Mannschaft.

Kicker

Stuttgarter Kickers suspendieren Christian Okpala

Mit sofortiger Wirkung haben die Stuttgarter Kickers Christian Okpala vom Spiel- und Trainingsbetrieb suspendiert. Der 30jährige Stürmer ließ sich nach dem gestrigen Training zu einer Handgreiflichkeit in der Kabine gegenüber einem Mitspieler hinreißen. Nach Rücksprache mit dem Präsidium, dem Management und der Mannschaft wurde der anfangs der Saison von Augsburg geholte Hoffnungsträger beurlaubt. „Uns blieb nach diesem Vorfall keine andere Wahl“, bedauerte Trainer Dutt die Entscheidung. Für die Begegnung mit dem VfR Aalen am Samstagnachmittag (14.30 Uhr) hat Robin Dutt nun auch die Stürmer Bastian Bischoff und Sokol Kacani aus der Oberligamannschaft berufen und sie könnten nun neben Angriffsspieler Mirnes Mesic zum Rückrundenstart eine Chance erhalten.
„Ich hoffe, dass nach diesem bedauerlichen Vorfall, der einen groben Verstoß gegenüber dem Teamgeist darstellt, die Mannschaft nun noch dichter zusammenrückt und entsprechende Energie gegen Aalen freimacht“, ergänzt Manager Joachim Cast.

Offizielle Homepage

Vorberichte: Stuttgarter Kickers – VfR Aalen in der Statistik

Am Samstag beginnt bereits die Rückrunde der Regionalliga Süd. Und wir erinnern uns wohl alle gern an das erste Saisonspiel beim VfR Aalen. 5:2 gewannen unsere blauen Götter ihr Auftaktspiel.

Allerdings sollten wir nicht davon ausgehen, dass die samstägliche Begegnung ähnlich verlaufen wird. Der VfR Aalen hat sich nach extremen Startschwierigkeiten nach vorne gearbeitet und findet sich in der Tabelle auf Platz neun nur noch 3 Puntke hinter uns. Auswärts hat Aalen in dieser Saison noch dazu erst ein einziges Mal verloren (3:4 in Siegen). Und schließlich ist Aalen unser Angstgegner im heimischen Kickers-Stadion. In fünf Spielen verloren wir nun bereits vier Mal gegen die Ostälbler: 1:2, 1:2, 2:0, 0:1, 0:1. Nach dem Gesetz der Serie sind wir also wieder dran mit einem Sieg.

Mehr dazu im Kickersarchiv.

Presse zu Stuttgarter Kickers – SV Elversberg (2:0)

Tunnelblick und durch
 
Beim 2:0-Sieg der Kickers gegen Elversberg kommt dank Mustafa Parmak die Wende
 
STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers haben ihre Durststrecke in der Regionalliga beendet und nach neun sieglosen Spielen gegen Elversberg 2:0 gewonnen. „Das war eine Befreiung für die Mannschaft“, sagte Manuel Hartmann.

Von Joachim Klumpp

Da haben die Stuttgarter Kickers endlich mal wieder gewonnen – und dann war keiner da, mit dem man schön feiern konnte. Das obligatorische Abklatschen am Zaun mit den Fans jedenfalls fiel am Samstag aus, weil die Partie gegen Elversberg bekanntlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand (siehe auch Seite 21). Also bat Christian Okpala nach dem Schlusspfiff im Mittelkreis spontan zu einem Tänzchen. Was zum einen auf seinen 30. Geburtstag einstimmen sollte, den er heute feiert, zum anderen aber auch die Erlösung nach neun sieglosen Spielen offenbarte. Der Trainer Robin Dutt sagte: „Das war ein versöhnlicher Abschluss der Vorrunde.“

Denn gewisse Selbstzweifel nagen nach so einer Serie schon, das gab auch der Mittelfeldspieler Manuel Hartmann zu: „Je länger ein Spiel dauert, desto mehr denkt man, es kommt wieder kein Erfolgserlebnis – und man verkrampft.“ Ganz befreit wirkte die Mannschaft in der ungewohnten Atmosphäre nicht, doch wer weiß, wofür das gut war. So konnten zumindest keine Pfiffe von dem manchmal allzu kritischen Kickersanhang kommen, als das Team lange Zeit zwar spielbestimmend war, aber gegen die sehr tief stehenden Gäste aus dem Saarland nicht den nötigen Druck entwickelte, um zu vielen klaren Chancen zu kommen.

Der Trainer Robin Dutt verglich den Gegner hinterher mit einem Baum, an dessen Stamm man mit allen Kräften rüttelt, ohne dass er fällt. Wenn man sich nicht eine gewisse Taktik zurechtlegt, und die heißt bei den Holzfällern: man muss an der richtigen Stelle anschlagen. Das gelang den Kickers vor allem durch die Einwechslung von Mustafa Parmak, der die Schwachstellen des Gegners aufdeckte – und nicht von ungefähr an den entscheidenden Szenen beteiligt war. Die Führung bereitete er mustergültig vor, sodass Christian Okpala nur noch einzuschieben brauchte. Den 2:0-Endstand schließlich erzielte Parmak mit einem (abgefälschten) Freistoß selbst. Manuel Hartmann gab hinterher zu: „Das war eine Riesenbefreiung.“

Aber auch ein Befreiungsschlag? Man hat am Samstag sehr wohl gespürt, dass sich die Kickers noch schwer tun, wenn sie, anders als in der Woche zuvor beim Titelfavoriten in Hoffenheim, die Fäden in die Hand nehmen sollen und dann auf einen Kontrahenten treffen, der in Anbetracht der Ausfälle von vier Stammspielern an diesem Tag sicher auch mit einem 0:0 zufrieden gewesen wäre. Zumal die Elversberger Verantwortlichen vor der Partie beim Blick auf die leeren Ränge noch geunkt hatten: „Das sind wir gewohnt.“

Die Kickers nicht, und Hartmann sagte: „Ich habe das zwar nicht so gemerkt, weil ich im Spiel immer einen Tunnelblick habe. Aber natürlich tut man sich vor 10 000 Zuschauern leichter.“ So viele werden nächsten Samstag zum Beginn der Rückrunde gegen Aalen nicht kommen. Aber wie hatte sich Hoffenheims Trainer Rangnick diese Woche sinngemäß geäußert: wenn die Kickers bis zur Winterpause alles gewinnen, sind sie wieder vorne dran.

So weit denkt Dutt noch nicht. „So lange die zwei Mannschaften oben so einen Lauf haben, macht es keinen Sinn, auf die Tabelle zu schauen.“ Dabei stehen 27 Punkte zu Buche – und das ist die mit Abstand beste Bilanz der Vorrunde seit dem Abstieg.

Kickers: Yelldell – Steinle, Yildiz, Härter, Kanitz – Benda (59. Parmak), Hartmann, Akcay (70. Gambo), Stierle (82. Stierle) – Mesic, Okpala.

Tore: 1:0 Okpala (75.), 2:0 Parmak (78.)

Stuttgarter Zeitung

Ein Geisterspiel aus der Schlüssellochperspektive
 
Die Kickers im leeren Stadion – Und die Fans stehen davor
 
Ein wahrer Kickers-Fan lässt sich seinen Fußballsamstag von der Fußballgerichtsbarkeit nicht vermiesen. Beim Heimspiel gegen Elversberg mussten die Zuschauer wegen des Becherwurfs vor gut drei Wochen zwar draußen bleiben, so mancher „Blauer“ behielt trotzdem den Durchblick.

Von Christian Klenk

Die Linienrichter sind an diesem Samstag auf der Waldau sicher vor Bierbecherwerfern, denn die Zuschauer müssen nach dem Zwischenfall im Pokalspiel gegen Hertha BSC Ende Oktober draußen bleiben. Im Gazistadion findet ein Geisterspiel statt. Auf dem Spielfeld ackern die „Blauen“ und die Elversberger, als gäbe es kein Morgen, aber kein Fan spornt sie an, denn die Tribünen sind leer. So hat es der Deutsche Fußball-Bund (DFB) angeordnet und gleich noch 10 000 Euro Strafe verhängt. Die Ordner stehen deshalb nicht in den Blocks, sondern laufen am Stadionzaun Streife.

Der harte Kern der Kickers-Fans ist trotz Aussperrung auf die Waldau gekommen. Das Team hat Luft nach oben, da muss man die Daumen drücken. Im Clubheim, 500 Meter vom Spielort entfernt, hat das Kickers-Präsidium zwei Leinwände aufbauen lassen, auf denen das Spiel übertragen wird. Die Stadionwurst gibt es auch hier mit Senf, aber eben ohne Stadion. „Daheim zu bleiben wäre doch keine Alternative gewesen“, sagt Sascha Hiller. Und Thorsten Philipp lobt die nette Biergartenatmosphäre und die Idee mit dem Kickers-TV. Dennoch könne das Fernsehvergnügen einen Stadionbesuch nicht ersetzen. Die Fans ärgern sich über die Kollektivstrafe – weil einer durchgedreht sei, müssten nun alle draußen bleiben. Das tue weh.

Nico Cvjetkovic, seit 1968 ein „Blauer“ durch und durch, schaut sich das Spiel trotz Platzsperre live und in Farbe an: Er nutzt ein Guckloch in der blauen Plane, mit der der Stadionzaun verhängt ist. „Wir Zuschauer und die Spieler können doch nichts dafür. Die Ordner hätten den Vorfall damals verhindern müssen“, schimpft er. Sein Leidensgenosse Dietmar Hageleit ärgert sich über „den Komödienstadl, den der DFB da veranstaltet“. Manfred Schmidt macht sich derweil Gedanken, ob es richtig war, für die Bahnfahrt extra einen Fahrschein für 1,80 Euro zu lösen. Üblicherweise garantiert nämlich seine Dauerkarte die kostenfreie An- und Abreise mit dem VVS, „aber ich war nicht sicher, ob das Kombiticket heute gilt.“ „Natürlich“, meint Hageleit, „schließlich findet das Spiel statt.“

Einer Hand voll Fans bläst derweil in luftiger Höhe ein schneidiger Wind ins Gesicht. Mit einem Fernglas verfolgt Richy von der Aussichtsplattform aus das Regionalligaspiel. „Das ist eigentlich gar kein schlechter Platz. Es fehlt leider nur der Bierstand.“ Richy wohnt bei Frankfurt und ist extra für dieses Spiel gekommen. Also will er es auch sehen. Das sagt auch Klaus Siffrin, wohl der einzige Elversberger Fan, der seine Mannschaft zum Auswärtskick begleitete. Die Heimspiele im 8000-Seelen-Ort im Saarland seien grundsätzlich schlecht besucht, sagt Siffrin. „Das ist oft frustrierend und langweilig.“ Das Geisterspiel vom Fernsehturm aus zu verfolgen, sei dagegen eine tolle Sache. Siffrin ist deshalb auch nicht enttäuscht, dass das erste Tor just in dem Moment fällt, als er den Aufzug nach unten nimmt, um die letzten Spielminuten im Clubheim erleben zu können.

Dort ist die Stimmung prächtig, denn die Kickers gewinnen 2:0. Das Zuschauerverbot ist schnell vergessen, jetzt zählt nur noch der Sieg. Später bekommen die Fans die Spieler dann doch noch zu Gesicht. Die Mannschaft kommt zum gemeinsamen Abendessen. „Auch das ist für uns mal was Neues“, sagt Rechtsaußen Sven Sökler.

Stuttgarter Zeitung

2:0 – Parmak sorgt für die Erlösung
 
Stuttgarter Kickers gewinnen gegen die SV Elversberg – Mittelfeldspieler entscheidet das Spiel
 
Stuttgart – Nach neun sieglosen Spielen haben die Stuttgarter Kickers endlich wieder gewonnen. Im Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit siegte der Fußball-Regionalligist gegen die SV Elversberg mit 2:0 (0:0).

VON DIRK PREISS

Entsprechend groß war die Erleichterung, als die Partie abgepfiffen worden war. „Das ist eine riesige Befreiung“, sagte Mittelfeldspieler Manuel Hartmann, „wir haben gezeigt, dass das Team gefestigt ist“. Tatsächlich dominierten die Blauen von Beginn an das Geschehen gegen die ersatzgeschwächten Elversberger. Zwingende Tormöglichkeiten blieben aber aus. Bis Mustafa Parmak kam. Kickers-Trainer Robin Dutt schickte den Techniker in der 59. Minute für Sascha Benda aufs Feld – und wechselte den Erfolg ein. Das 1:0 (75.) durch Christian Okpala bereitete Parmak vor, das 2:0 (78.) besorgte er per Freistoß selbst. „Mit ihm waren wir viel gefährlicher“, sagte Dutt.

Zum Abschluss der Rückrunde trennen die Kickers nun sieben Punkte von einem Aufstiegsplatz. Rechenspiele seien laut Dutt aber unangebracht. „Wir wollen die restlichen drei Spiele in diesem Jahr gewinnen. Auf die Tabelle können wir dann wieder im Mai schauen.“

Stuttgarter Nachrichten

Die Kickers aus der Vogelperspektive
 
Die Fans des Fußball-Regionalligisten gehen unterschiedlich mit dem Zuschauerverbot um
 
Es ist einer dieser Tage, an welchen sie in Stuttgart froh sind, dass das Wahrzeichen der Stadt nicht irgendein Kellerverlies ist – sondern der Fernsehturm. Sonnenschein, angenehme Temperaturen und eine Fernsicht, wie man sie im sonst so trüben Herbst selten erlebt. Es gibt also viel zu sehen auf der Aussichtsplattform des Fernsehturms: den Schwarzwald, die Schwäbische Alb – und ein Fußballspiel.

VON DIRK PREISS

UND STEFAN KLINGER

Dieses Live-Erlebnis in 150 Metern Höhe gibt es sogar exklusiv. Die Kickers dürfen wegen des Becherwurfs im DFB-Pokal-Spiel gegen Hertha BSC Berlin keine Zuschauer ins Stadion lassen. Nur der Blick von oben ist erlaubt – was sich aber nicht wirklich herumgesprochen hat. „Wer kickt denn da unten?“, fragt ein älterer Herr mit Berliner Akzent, „da ist aber nicht viel los.“

Da hat er Recht. Doch dafür ist wenige hundert Meter weiter die Hütte voll. Die Kickers haben eine Live-Übertragung der Partie gegen Elversberg ins Clubhaus organisiert, für fünf Euro Eintritt gibt“s die Blauen live im Fernsehen. Rund 600 Fans sind zum Anpfiff um 14.30 Uhr da. Und Siegfried Walter, sonst bei jedem Spiel im Stadion, findet: „Eine tolle Stimmung hier.“

Im Stadion kommt zur selben Zeit dagegen keiner auf die Idee, so etwas zu behaupten. Auf der Haupttribüne sitzen ein paar Funktionäre, dazu langweilen sich einige Ordner, und Kickers-Spieler Manuel Hartmann wird hinterher sagen: „Eine Atmosphäre wie im Training.“ Die Beschreibung würde passen – wäre da nicht dieser eine prominente Gast. Im B-Block steht Franz Beckenbauer lebensgroß als Pappfigur. Sie haben ihm ein Kickers-Trikot übergezogen, weshalb Hartmann findet: „Der Franz hat uns toll unterstützt.“

Und er war nicht der Einzige. Doch von den anderen nehmen die Spieler während der Partie nichts wahr. Nicht von den 600 im Vereinsheim – und auch nicht von Achim Bauer. Der 34-Jährige könnte auf dem Fernsehturm die Fernsicht genießen, doch sein Feldstecher konzentriert sich auf das Geschehen im Gazistadion. Ein Kickers-Spiel von oben – „das wollte ich schon immer mal erleben“, sagt er. Jedoch zog er bisher das Live-Erlebnis im Stadion vor. Nun nutzt er die Gelegenheit. „Die Spieler“, versichert er, „erkenne ich am Laufstil.“ Und schnell ist klar: „Hier heraufzukommen hat sich echt gelohnt.“

Dasselbe Fazit zieht wenig später Dieter Wahl. Das Präsidiumsmitglied der Kickers hat im Clubhaus das Eintrittsgeld kassiert. „Die Kosten für die Übertragung sind so gut wie gedeckt“, sagt er zufrieden. Und vor dem Stadion ist alles ruhig geblieben. Ein paar Kiebitze an den Zäunen, ansonsten versucht keiner, das Zuschauerverbot zu überlisten. Den berittenen Polizeibeamten bleibt sogar Zeit für Imagepflege – kleine Kinder dürfen heute mit aufs Pferd.

Als die Mannschaft nach dem 2:0-Erfolg vom Stadion in die Vereinsgaststätte übersiedelt, ist der Jubel groß. Endlich wieder ein Sieg – was vielleicht sogar daran lag, dass keine Zuschauer im Stadion waren. „Ich konnte endlich mal Anweisungen geben, die auch gehört wurden“, sagt Kickers-Trainer Robin Dutt und grinst.

Ein Modell für die Zukunft ist das leere Stadion dennoch nicht. „Mit Fans macht es mehr Spaß“, sagt Hartmann. Und auch Dauerkartenbesitzer Siegfried Walter findet: „Ich freue mich schon auf das nächste Live-Erlebnis im Stadion.“ Lange warten muss er nicht: Am Samstag (14.30 Uhr) kommt der VfR Aalen. Die Fans dürfen dann ins Stadion – und die Touristen haben den Fernsehturm wieder ganz für sich allein.

Stuttgarter Nachrichten

Im B-Block steht nur Beckenbauer und schweigt
 
Die Stuttgarter Kickers gewinnen das „Geisterspiel“ gegen die SV Elversberg mit 2:0 – 500 Fans im ADM-Sportpark
 
Stuttgart – Auch wenn es zum ersten Sieg nach einer Durststrecke von neun Spielen reichte: Die Verantwortlichen des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers werden nach dem 2:0 (0:0) gegen die SV Elversberg bestimmt nicht beantragen, in Zukunft immer vor leeren Rängen auflaufen zu dürfen. Das „Geisterspiel“ soll einmalig bleiben. Allein schon wegen der entgangenen Einnahmen. So nahmen alle die Angelegenheit mit Humor.
 
Von Sigor Paesler

75 zähe Minuten sind absolviert. Die Kickers haben sich in der Defensive der Elversberger festgebissen, während sich die Gäste überhaupt nicht am Offensivspiel beteiligen. Gerade haben die Elversberger ihre einzige Konterchance vergeben und Kickers-Verteidiger Nico Kanitz hat die Latte getroffen. Dann spielt Mirnes Mesic einen schönen Pass auf den eingewechselten Mustafa Parmak, der schiebt zu Christian Okpala, und der sorgt mit seinem ersten Ligator seit dem 1. September für die verdiente Führung. Okpala rennt zu Trainer Robin Dutt und lässt sich abklatschen. Auf der Haupttribüne applaudiert eine Handvoll Menschen. Einige von ihnen sind bereits Funktionsträger der „Blauen“. Andere, wie der frühere Kickers- und VfB-Profi Walter Kelsch wollen sich auf der Jahreshauptversammlung morgen in den Aufsichtsrat wählen lassen. Ansonsten ist es still. Im B-Block steht nur ein Papp-Beckenbauer im Kickers-Trikot und schweigt. „Der Franz hat uns riesig unterstützt“, sagt Manuel Hartmann später und grinst.

Der Jubel der 500 Fans, die einige hundert Meter entfernt im ADM-Sportpark auf drei Leinwänden zuschauen, ist im Gazi-Stadion nicht zu hören. Dort wird es erst lauter, nachdem Mustafa Parmak mit einem abgefälschten Freistoß für die Entscheidung gesorgt hat (78.) und die Spieler in die Kabine gegangen sind. Musik wird angestellt, es wird gesungen und getanzt. Später geht es zu den Anhängern ins Clubheim und am Abend lädt Torschütze Okpala, der heute 30 wird, seine Kollegen noch zum Essen ein.

Der Sieg gegen die personell geschwächten Elversberger war passend zum Rahmen glanzlos, aber wichtig. „Jetzt haben wir die Vorrunde doch noch versöhnlich abgeschlossen“, sagte Dutt und verwies darauf, dass es die beste Hinrunde seit dem Abstieg aus der zweiten Liga war. „Gemeinsam mit dem 1:1 in Hoffenheim war das die Wende“, sagte Okpala, der das Ende seiner persönlichen Durststrecke nicht überbewerten wollte.

Anweisungen, die gehört werden
Vor dem Erfolg lag jedoch ein hartes Stück Arbeit. Die fehlende Kulisse, betonten Dutt und sein Gegenüber Brent Goulet, sei dabei kein großes Problem gewesen. „In den ersten Minuten ist es komisch, aber dann beschäftigt man sich so sehr mit dem Spiel, dass man gar nicht mehr drauf achtet“, sagte Dutt. Die gespenstische Atmosphäre hatte aber auch Vorteile. Dutt: „Da kannst du endlich mal Anweisungen geben, die auch gehört werden.“ Seinen Spielern hatte er dagegen eingetrichtert, sich möglichst still zu verhalten. „Wenn es so ruhig ist im Stadion, kann der Schiedsrichter bei Reklamationen nicht weghören.“ Sie haben sich daran gehalten und keine Gelbe Karte bekommen. Und auch den geforderten Sieg haben sie eingefahren. Auch wenn es in die Vereinschronik eingehen wird, ist das Spiel damit abgehakt. Am kommenden Samstag wollen die Stuttgarter zum Rückrundenstart gegen den VfR Aalen wieder gewinnen. Und dann auch wieder Jubel hören.

Eßlinger Zeitung

Parmak begeistert vor leeren Rängen
Die 500 Kickers-Fans im ADM-Sportpark mussten lange auf die Leinwände schauen, bis sie die Führung und den ersten Sieg der „Blauen“ nach neun Spielen ohne dreifachen Punktgewinn bejubeln konnten.

Die Stuttgarter im Stadion, das als Strafmaßnahme wegen dem Becherwurf im DFB-Pokalspiel gegen Hertha leer sein musste, taten sich schwer gegen ein Elversberger Team, das sich nicht am Offensivspiel beteiligte.

Dennoch hätten die Gäste durch einen Konter in Führung gehen können, doch Zinnow und Herzig vergaben. Dann schloss Okpala nach Vorarbeit des eingewechselten Parmak zum 1:0 ab. Parmak machte den verdienten Sieg mit einem abgefälschten Freistoß klar (78.).

Sigor Paesler

Kicker

Presse zu 1. FC Pforzheim – Stuttgarter Kickers II (1:3)

Die Stuttgarter Kickers II sind so etwas wie die Mannschaft der Stunde in der Fußball-Oberliga. 3:1 siegte Stuttgart gegen Pforzheim und hat damit aus den vergangenen fünf Spielen zehn Punkte geholt. Die SG Sonnenhof Großaspach freute sich derweil über ein 0:0 gegen Nöttingen.

Von Thomas Müller

Fünf Spiele, zehn Punkte: da ist es nicht gerade verwunderlich, dass sich der Trainer der Stuttgarter Kickers II, Björn Hinck, nach dem 3:1-Sieg seiner Mannschaft gegen Pforzheim hochbeglückt zeigt. „Es macht gerade riesig Spaß, mit den Jungs zu arbeiten“, sagte Hinck nach dem Spiel. In Pforzheim merkte man den Kickers von Beginn an das Selbstvertrauen der jüngsten Vergangenheit an. Und so dauerte es auch nicht lange, bis sich die spielerische Dominanz der Stuttgarter im Ergebnis niederschlug. Bereits nach sieben Minuten erzielte Sokol Kacani das 1:0. Und da dem gebürtigen Albaner momentan alles gelingen mag, ließ er in der 30. Minute den zweiten Treffer folgen. Es war bereits sein neuntes Saisontor.

„Eigentlich hätten wir nach 45 Minuten mit 4:0 führen müssen“, haderte Hinck allerdings mit der mangelnden Chancenverwertung seiner Mannschaft, die sich im zweiten Durchgang nicht entscheidend verbessern sollte. Im Gegenteil: als Pforzheim in der 79. Minute durch Julian Jaizay zum 1:2 Anschlusstreffer kam, wurde es noch einmal spannend. Der Kickers-Spieler Hassan Morina (90.) beendete mit seinem Tor allerdings das Zittern. Eigentlich möchte Hinck aus seiner homogenen Truppe keinen Spieler herausheben, doch zwei Spieler machen ihm derzeit besonders viel Freude. Kacani, der im Sommer aus Erfurt zu den Kickers kam, und der A-Jugendliche Julian Leist. „Er hat der Sprung in die Oberliga sehr gut getan. Wenn er sich weiter so entwickelt, hat er eine gute Perspektive“, sagt Hinck.

Stuttgarter Zeitung

Die Ziele der Stuttgarter Kickers II sind bescheidener: nichts mit dem Abstieg zu tun haben und möglichst viele Talente an die Regionalligamannschaft heranführen. Immerhin: Das Team von Trainer Björn Hinck hat aus den vergangenen fünf Spielen zehn Punkte geholt. Der Lohn: Platz neun in der Tabelle und ein solides Punktepolster zu den hinteren Regionen.

Stuttgarter Nachrichten

Zweifel an der Oberligareife
 
1. FC Pforzheim nach dem 1:3 gegen die Stuttgarter Kickers II tief im Abstiegssumpf – Trainer Sartori: Bin maßlos enttäuscht  
  
PFORZHEIM. Nach der Schmach beim Tabellenletzten SV Bonlanden folgte die Pleite gegen die Stuttgarter Kickers II. Mit 1:3 (0:2) verlor der 1. FC Pforzheim sein Oberliga-Heimspiel gegen die „Blauen“ aus Degerloch.

Die Zweifel an der Oberligareife des Aufsteigers werden nach dieser neuerlichen Niederlage lauter. Die Fans waren am Samstagnachmittag bitter enttäuscht vom Auftritt ihrer Mannschaft. Vor allem die Tatsache, dass der Club mehr als eine Stunde lang jeden Biss vermissen ließ, stimmte nachdenklich. „Wenn wir eine Chance haben wollen, müssen wir uns den A . . . aufreißen – aber von der ersten Minute an“, legte FCP-Torhüter Toma Trocha den Finger in die Wunde.

Die spielerisch und kämpferisch zunächst klar besseren Kickers gingen früh in Führung. Nach einer Rechtsflanke von Julian Leist kam in der Mitte der lange Kickers-Stürmer Sokol Kacani zum Kopfball. Alexander Zimmermann und Jörg Rebholz, beide auch nicht klein gewachsen, schauten andächtig zu. Torhüter Toma Trocha zögerte kurz mit dem Herauslaufen, meinte aber nach dem Spiel: „Ich hatte keine Chance, an den Ball zu kommen.“

FCP-Trainer Stefan Sartori war vor dieser wichtigen Partie gezwungen, die Abwehr total umzubauen. Da neben Michael Schrammel auch noch Christoph Nirmaier verletzt ausfiel, mussten Alexander Zimmermann (rechts) und Kapitän Marc Ringswald (links) verteidigen. Es war klar, dass diese Notlösung die Stabilität der FCP-Deckung nicht gerade steigern würde.

Wie in der 35. Minute, als der Stuttgarter Dominique Rodrigues die Viererkette der Platzherren mit einem genialen Pass in die Gasse klassisch aushebelte. Erneut Sokol Kacani war zur Stelle und markierte das 0:2. Zur Pause hätte es auch 0:3 oder 0:4 heißen können, doch Toma Trocha rettete bravourös gegen die völlig frei auf ihn zulaufenden Eugen Schneider (18. Minute), Kacani (45.) und Bastian Bischoff (45.+2).

Nach dem Seitenwechsel änderte sich zunächst wenig. Unter den Augen von Ronald Zimmermann, dem Präsidenten des Badischen Fußball-Verbandes, und BFV-Geschäftsführer Siegfried Müller, hatte Marko Kovac in der 59. Minute die Riesenchance zum 0:3. Doch dessen Kopfball aus wenigen Metern parierte Trocha mit einer famosen Reflexbewegung.

Nach etwa 65 Minuten erwachten die Platzherren aus ihrer Lethargie. Vor allem Fabrizio Iaia setzte mit großem Einsatz Zeichen. Als dann Julian Jaizay in der 75. Minute nach einer Freistoßflanke von Marc Ringswald per Kopf der Anschlusstreffer gelungen war, schien das Spiel zu kippen.

Nur zwei Minuten nach dem 1:2 hätte Alexander Zimmermann den Ausgleich machen müssen. Doch nach glänzender Vorarbeit von Iaia traf der 19-Jährige wenige Meter vor dem Tor den Ball nicht. Auch Julian Jaizay hatte mehrere Chancen, agierte aber meist zu umständlich und ungenau. Pech dann für den jungen FCP-Stürmer, als er in der 87. Minute aus elf Metern nur den Pfosten traf.

Der Ausgleich war drin für den Club, der am Ende alles nach vorne warf und in der ersten Minute der Nachspielzeit klassisch ausgekontert wurde. Der eingewechselte Hasan Morina traf zum letztlich verdienten 1:3 für die Gäste aus der Landeshauptstadt.

„Ich bin maßlos enttäuscht. Wir wollten eigentlich die Scharte von Bonlanden auswetzen, aber drei, vier Spieler konnten heute nicht an ihre Leistungsgrenze gehen“, sagte FCP-Trainer Stefan Sartori in der Pressekonferenz.

Nach dem kommenden Auswärtsspiel beim Bahlinger SC trifft der FCP zum Vorrunden-Kehraus am 2. Dezember auf den alten Rivalen SV Sandhausen. Das letzte Spiel des Jahres führt den Oberliga-Aufsteiger zur TSG Hoffenheim II. „Mit der heute gezeigten Leistung wird es schwer gegen die nächsten Gegner“, sieht Stefan Sartori die Dinge realistisch. Keine guten Aussichten.

Pforzheimer Zeitung

Spielberichte: Stuttgarter Kickers – SV Elversberg (2:0)

Kickers – SV Elversberg 2:0 (0:0)

Na also: Nach neun Partien ohne Sieg gewann das Team von Trainer Robin Dutt heute im sogenannten „Geisterspiel“ gegen den SV Elversberg mit 2:0 (0:0). Die Kickers brauchten aber bis zur Schlußviertelstunde, bis der Bann endlich gebrochen war: Gegen die stark ersatzgeschwächten und sehr defensiven Gäste trafen Christian Okplala in der 75. und Mustafa Parmak in der 78. Minute.
Zur Aufstellung: Trainer Robin Dutt ließ heute dieselbe Elf wie zuletzt in Hoffenheim auflaufen: Im 4-4-2-System spielte David Yelldell im Tor, davor Moritz Steinle, Recep Yildiz, Jens Härter und Nico Kanitz in der Abwehr. Den defensiven Part im Mittelfeld übernahm Manuel Hartmann zusammen mit Mustafa Akcay, die sich auch abwechseld in die Offensive einschalteten. Auf den Flügeln spielten Sascha Benda und Oliver Stierle, vorne im Sturm Mirnes Mesic und Christian Okpala. Gästetrainer Brent Goulet musste auf viele wichtige Stammspieler verzichten. Bei der SV 07 Elversberg fielen mit Torjäger Vitus Nagorny, Fabian Bröcker und Abdul Iyodo gleich drei Spieler auf Grund von Sperren aus, zudem kamen noch ein paar verletzte Spieler hinzu. Deshalb spielten die Gäste mit einem dicht gedrängten Fünfermittelfeld und nur einer Spitze.
Zum Spielverlauf:
Vor allem die Kickers mussten sich in der Anfangsphase an die ungewöhliche Stille im GAZi-Stadion auf der Waldau gewöhnen, denn man hörte wirklich jedes Wort. Nach zehn Minuten dann aber die erste gute Chancen, als Sascha Benda auf den freistehenden Mirnes Mesic spielte, dem aber zehn Metern vor dem Tor der Ball vom Fuß sprang. Mit einer besseren Ballannahme hätte er durchaus mehr daraus machen können. Das Spiel plätscherte dann so vor sich hin, die Gäste aus Elversberg zogen sich weit zurück und machten in der eigenen Hälfte dicht. So gab es kaum ein Durchkommen für die Blauen, die aber auch immer wieder hohe Bälle ins Halbfeld auf die beiden Spitzen spielten. Doch da stand die Gästeabwehr kompakt und kopfballstark, so dass Chancen absolute Mangelware blieben. Nach dreißig Minuten dann erst die nächste Möglichkeit: Christian Okpala bediente den aufgerückten Moritz Steinle, der aus elf Metern per Kopf aber das Tor um einen Meter knapp links verfehlte. Drei Minute später hatte Christian Okpala die Chance, als eine Kopfballabwehr der Gäste nach einen Freistoß von Sascha Benda bei ihm landete. Aber sein Schuss aus spitzem Winkel konnte Gästekeeper Knödler zur Ecke abwehren (33.).
Zur zweiten Halbzeit nichts Neues: Die Kickers beherrschten die Partie ohne sich zwingende Möglichkeiten herauszuspielen. Zwei Standardsituationen sorgten dann zunächst für Gefahr: Ein Freistoß von Sascha Benda aus 20 Metern konnte der Gästetorhüter Knödler gegen die tiefstehende Sonne abfangen (52.). Dann eine gute Position für Jens Härter: Freistoß aus gut 18 Metern halblinker Position, doch sein Schlenzer über die Mauer ging auch über das Tor (55.). Danach zumindest mal zwei nenneswerte Konter der Gäste, die Stürmer Maas mit einem Schuss ans Außennetz (58.) und einem Schuss entlang der Grundlinie über das Tor hinweg (60.) vergab. David Yelldell im Kickers-Tor wäre aber beide Male auf dem Posten gewesen. Die beste Chance bis dato im Spiel hatte dann aber der eingewechselte Elversberger Zinnow: Die Gäste konnte sich im Mittlefled den Ball erobern, wo Zinnow angespielte wurde und zu einen tollen Solo ansetzte – vorbei an Freund und Feind und schließlich auch an Kickers-Torhüter David Yelldell, der ihn aber entscheidend abdrängen konnte. Den Nachschuss von Delic blockte dann schließlich Recep Yildiz ab (68.). Doch spätestens mit der Einwechslung von Bashiru Gambo (70.) – Mustafa Parmak (58.) kam bereits in der 58. Minute – wurden die Kickers-Angriffe besser und durchdachter. Der Druck wuchs immer mehr, und als Nico Kanitz einen Kracher aus dem Rückraum an die Latte knallte, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Führungstreffer gelingen sollte. Die Gäste wurde merklich müder und ließen kräftemäßig nach, was die Blauen dann in der 75. Minute endlich ausnutzten: Ein toller Angriff über Mustafa Parmak über die rechte Seite, der mit Mirnes Meesic eine Doppelpass spielte, im Strafraum dann vor dem klärenden Elbversberger Abwehrspieler quer auf den freistendenden Christian Okpala legte, der ohne Mühe aus sieben Metern sicher zur 1:0 Führung vollstreckte. Und nur drei Minuten später zappelte das Leder erneut im Netz: Den Freistoß aus 20 Metern von Mustafa Parmak fälschte die Elversberger Mauer unhaltbar für Knödler im Gästetor zum 2:0 ab (78.). Somit war der erste Sieg nach neun sieglosen Partien unter Dach und Fach. Das Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit fand ohne Zwischenfälle statt. Ca. 600 Kickers-Fans verfolgten auf Leinwänden und TV-Geräten im Kickers-Clubrestaurant im ADM-Sportpark die Partie live.
Die Trainerstimmen:
Brent Goulet: „Mit dem letzten Aufgebot an Spielern sind wir nach Stuttgart gefahren um vielleicht durch eine Standardsituation oder ein Konter das 1:0 zu erzielen oder zumindest zu Null zu spielen. Wir sind heute sehr gut gestanden und es war auch alles soweit in Ordnung bis wir umstellen bzw. auswechseln mussten. Wir hatten einige angeschlagenen Spieler, mit zunehmender Spielzeit hat es nicht mehr so geklappt und wir haben die entscheidenden Zweikämpfe verloren. Zinnow hatten eine riesen Chance, die leider nicht zum Erfolg geführt hat. In der Schlußphase hatten wir aber nichts mehr entgegenzusetzen. Aufgrund des hohen Drucks war der Sieg für die Kickers hochverdient.“
Robin Dutt: „Wir kamen uns heute vor als ob wir zusammen einen alten Baum fällen mussten. Aber es gehört Taktik dazu, um zusammen an einer Stellen anzusetzen. Wir haben den Druck so lange aufrecht gehalten bis endlich das Tor fallen musste. Die Mannschaft war gewillt nach vorne zu spielen. Aber bei allem Druck war es wichtig nicht in einen Konter zu laufen, doch die Mannschaft hat sehr gut nach hinten gearbeitet und die Bälle früh zurückgewonnen. Die einzige Chance im Spiel für Elversberg von Zinnow wäre mehr als unverdient gewesen, aber alles konnte ja nicht gegen uns laufen. Elversberg stand zu lange zu tief, bis ein Fehler passierte und wir die Tore erzielt haben. Mit dem Sieg heute haben wir die Vorrunde versöhnlich abgeschlossen und stehen nun auf dem besten Platz seit dem Zweitligaabstieg.“
Die Spielstatistik:
SV Elversberg: Kevin Knödler – Daniel Schommer, Carsten Birk (70. Cüneyt Kocabicak), Jan Velkoborsky, Lamine Cisse – Timo Böttjer, Dubravko Kolinger, Denny Herzig, Almir Delic, Abdelaziz Tafer (46. Stefan Zinnow) – Stephan Maas (80. Holger Lemke) — Trainer: Brent Goulet Kickers: Nico Kanitz — Jens Härter, Recep Yildiz, Moritz Steinle — Manuel Hartmann, Mustafa Akcay (70. Bashiru Gambo), Sascha Benda (58. Mustafa Parmak), Oliver Srtierle (82. Sven Sökler) — Mirnes Mesic, Christian Okpala — Trainer: Robin Dutt
Schiedsrichter: Tobias Stieler (Obertshausen) Verwarnungen: Gelbe Karten: – ; Almir Delic, Daniel Schommer, Jan Velkoborsky
Zuschauer: 30 Medienvertreter und Funktionäre beider Vereine
Torfolge: 1:0 Christian Okpala (75.) 2:0 Mustafa Parmak (78.)

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Auch ohne Fans – Kickers schlagen Elversberg 2:0

Am Ende sind alle glücklich vereint

Stuttgart. Die Stuttgarter Kickers können doch noch gewinnen – sogar im Geisterspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Es war das zweite im deutschen Profifußball.

Hans Kullen läuft nicht viel. Sein körperlicher Einsatz ist ziemlich überschaubar. Der schlanke Mann hält sich zurück – was heute aber nicht schlimm ist. Denn Kullen ist kein Fußballprofi. Er ist 64 Jahre alt – und Präsident der Stuttgarter Kickers. Normalerweise eilt er vor den Heimspielen in der Regionalliga Süd durch die Katakomben des Gazistadions. Hier einen Sponsor begrüßen, dort einen Gönner. Ein Handschlag mit alten Kickers-Größen – auch ein wenig Zeit für die Journalisten sollte sein. Doch heute ist nicht normalerweise. Denn heute heißt es: Geisterspiel gegen die SV Elversberg.
14 Uhr, das Stadion ist leer. Keine Fans, keine Gesänge, keine Stimmung. Nur ein paar Offizielle, Sicherheitspersonal, Medienleute und einige Gäste – knapp 100 Personen. Alles eine Folge des Pokal-Skandalspiels gegen Hertha BSC Berlin im Oktober. Spielabbruch, 10 000 Euro Geldstrafe und ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit – nach Aachen gegen Nürnberg 2004 ist es das zweite im deutschen Profifußball. Obwohl sich allein die fehlenden Zuschauereinnahmen auf bis zu 20 000 Euro belaufen, versucht es Kullen mit Humor zu nehmen. „Heute ist eben alles noch persönlicher als sonst.“ Auf der Gegentribüne steht nur eine Pappfigur – Beckenbauer aus einer Werbung, aber mit Kickers-Trikot. Davor ein Fan-Transparent: „Immer hinter euch.“

Der erste Applaus gilt Kickers-Wirt Gustav Rörich. Etwa 500 Kickersfans haben sich bei prächtigem Herbstwetter zum öffentlichen Gucken (Public Viewing) im ADM-Sportpark eingefunden. Drei große Bildschirme, wobei man auf dem größten leider nichts public viewen kann, weil die Sonne dagegen sticht. Der Wirt gibt sein Bestes, rückt einen Schirm gegen die Sonne. Es geht besser. Die Fans singen sich warm (SVK, wir sind da, jedes Spiel, ist doch klar), aber irgendwie ins Nichts, denn gekickt wird ja ein paar 100 Meter weiter. „Wir hätten auch näher ans Stadion ran können, aber das haben wir dem DFB versprochen“, sagt Kickers-Präsidiumsmitglied Dieter Wahl, der persönlich die fünf Euro Obolus pro Person kassiert, wovon zwei Euro für krebskranke Kinder sind und die restlichen drei wohl kaum für die Deckung der Übertragungskosten reichen werden.

Die abstiegsbedrohte SV Elversberg igelt sich hinten ein, und die Kickers finden keine Mittel, den Abwehrrigel zu knacken. Die Partie schleppt sich dahin.

Kurz vor drei. „Wir werden alle dafür bestraft, weil einer Mist gebaut hat“, mault ein Kickersfan. Er spürt, dass seine Mannschaft Unterstützung braucht, aber sie dürfen ja nicht. Es wird ruhiger, die Leute trinken Bier oder Cola und schauen einem Spiel zu, dem man wirklich nicht zuschauen muss.

Kurz nach drei: Endlich sorgt ein Kopfball von Kickers-Verteidiger Moritz Steinle für ein wenig Stimmung bei den Verantwortlichen auf der Haupttribüne. Wenig später schreit Trainer Robin Dutt nach einer missglückten Flanke: „Moritz, geh doch weiter.“ Jeder Kommentar ist zu hören, jedes Knallen des Balls gegen die Werbebanden.

15.37 Uhr. Tiefpunkt unter blauen Sonnenschirmen. Die Leute gucken traurig ins Bier. Ein paar vereinzelte „Scheiß DFB“-Rufe und dann sagt einer: „Der VfB führt in München 1:0.“ Schlimmer kann es nicht werden.

15.42 Uhr. Dutt wechselt Mustafa Parmak ein – und mit ihm das Glück. Erst bereitet er das 1:0 durch Christian Okpala vor (76.) – das erste Tor des Stürmers seit dem Pokaltriumph über den HSV. Zwei Minuten später trifft Parmak selbst zum 2:0. Der erste Dreier der Kickers nach neun Spielen ohne Sieg. „Eine Riesenbefreiung“, sagt Mittelfeldspieler Manuel Hartmann. Und: „Ohne Fans ist das wie im Training.“

Na also, geht doch. Kurz nach vier dröhnt Status Quo durch den ADM-Park. „Rocking all over the world“. Zwei Tore in zwei Minuten. „Der SVK ist wieder da“, donnern die Fans und fügen ein glückseliges „Scheiß VfB“ hintendran, weil mittlerweile Bayern führt. Es ist also doch noch ein perfekter Nachmittag für die Blauen geworden.

16.45 Uhr. Auch der Trainer Dutt hat seinen Humor wieder gefunden. Für heute sehe er das Spiel ohne Zuschauer mal positiv. „Da kannst du endlich mal Anweisungen geben, die auch gehört werden.“ Dann wird es doch noch laut im Gazistadion – in der Kickers-Kabine. Zu einem flotten Beat wird gesungen und getanzt. Danach geht es in den ADM-Park zu den Fans. Am Ende wieder vereint.

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