StZ: Der nächste Anlauf auf dem Weg nach oben

Nach mehreren schweren Verletzungen will sich Angelo Vaccaro bei den Stuttgarter Kickers für höhere Aufgaben empfehlen
 
Zum Auftakt der Fußball-Regionalliga treten die Stuttgarter Kickers im Derby am Samstag (14.30 Uhr/Schlienzstadion) beim VfB Stuttgart II an. Mit dabei ist der Neuzugang Angelo Vaccaro, der einst zweimal im VfB-Profiteam stürmte – und noch immer von der Bundesliga träumt.

Von Marko Schumacher

Vieles wird so sein wie damals, als Angelo Vaccaro die große weite Fußballwelt noch zu Füßen lag. Wie früher wird er am Samstag von Mössingen hinunter nach Cannstatt zum VfB-Gelände fahren, er wird den schmalen Weg von der Umkleidekabine ins Schlienzstadion laufen, versuchen, ein Tor zu schießen, und hinterher mit seinen Bekannten quatschen. Mit Rainer Adrion zum Beispiel, seinem früheren Trainer, mit Hilmar Müller, seinem früheren Betreuer, mit Jochen Schneider, seinem früheren Manager.

Nur von seinen früheren Mannschaftskollegen bei den VfB-Amateuren wird niemand mehr da sein. Kein Hleb, kein Hinkel, kein Kuranyi, kein Hildebrand, kein Amanatidis, kein Tiffert. Alle sind sie längst gestandene Profis mit millionenschweren Verträgen, manche sind Nationalspieler. Angelo Vaccaro verdient sein Geld in der dritten Liga, seit der Winterpause bei den Stuttgarter Kickers. „Ich gönne den Jungs den Erfolg von Herzen“, sagt er: „Aber natürlich denkt man sich manchmal: da könnte ich doch auch stehen.“

Angelo Vaccaro, 25, war einst die große Sturmhoffnung beim VfB, ihm wurde unter all den Hochbegabten die größte Zukunft vorausgesagt. Mit 18 Jahren feierte er im Jahr 2000 bei den Profis unter Ralf Rangnick sein Debüt in der Bundesliga und bekam einen Vierjahresvertrag. Da wächst ein neuer Toptorjäger heran, sagten alle – doch dann wurde Rangnick entlassen und durch Felix Magath ersetzt. Und der ließ den jungen Italiener im Abstiegskampf links liegen, weil er ihm nicht zielstrebig genug erschien. „Vielleicht hätte ich mich damals durchbeißen müssen“, sagt Vaccaro – und genau so sieht es auch Rainer Adrion: „Er hat es zu locker gesehen. Ihm hat die Härte gegen sich selbst gefehlt.“ Vaccaro sei der nächste Kandidat für den Sprung nach oben gewesen: „Aber so ist es oft im Fußball: wenn du eigentlich dran bist, dann bist du noch lange nicht drin.“ Drin war wenig später Kevin Kuranyi – und Vaccaro landete wieder bei den Amateuren und wechselte 2002 nach Unterhaching.

Dort begann die Leidenszeit erst so richtig. Vaccaro hatte gut begonnen und war zum Publikumsliebling geworden, als das Kreuzband im linken Knie riss. „In der 58. Minute beim Spiel gegen Offenbach, nachdem ich in der 54. Minute das 2:1 erzielt hatte.“ Vaccaro kämpfte sich heran, kam schneller zurück, als alle glaubten – dann riss dasselbe Kreuzband erneut. Wieder Operation, Krankenhaus, Krücken, Reha und die Frage: „Was bringt das alles überhaupt?“ Insgesamt 18 Monate fiel Vaccaro aus, und als er wieder gesund war, dauerte es Wochen, bis die Form zurückkam. Er habe etwas Neues gebraucht, sagt er, und wechselte im Sommer 2005 nach Augsburg in die Regionalliga.

Das Verletzungspech holte ihn auch dort ein. Wieder begann er gut, schoss Tore und bereitete welche vor – dann rissen im Wintertrainingslager zwei Bänder im Sprunggelenk. Er kam zurück – und lag bald wieder flach. Diesmal rissen die Adduktoren. Wieder acht Monate Pause, die Rückrunde in Augsburg war futsch, die Vorbereitung auf die neue Saison ebenfalls, eine echte Chance bekam er nach dem Aufstieg in die zweite Liga nicht. Andere Stürmer waren vor ihm, zu mehr als Kurzeinsätzen reichte es nicht. Er sah in Augsburg keine Perspektive mehr und schaute sich nach Alternativen um. Im Winter hatte er ein paar Anfragen – und entschied sich schließlich für den Wechsel zu den Kickers. Weil er ein sehr gutes Gespräch mit dem Trainer Robin Dutt hatte; und weil er hier ein intaktes Umfeld vorfindet, die Familie in Mössingen, die alten Freunde, all das eben, was den Einstieg erleichtert.

„Für mich ist das kein Rückschritt, für mich ist das so etwas wie ein Neuanfang“, sagt Vaccaro, der mit Sean Dundee die bisherigen Stürmer Mirnes Mesic und Christian Okpala ersetzt. Er will spielen, er will endlich von Verletzungen verschont bleiben, er will zeigen, dass er noch immer ein guter Angreifer ist. „Ich brauche jemanden, der mir Vertrauen schenkt und an mich glaubt“, sagt er.

Robin Dutt hat ein gutes Gefühl: „Im Laufe der Vorbereitung ist er immer fitter geworden und macht einen körperlich hervorragenden Eindruck“, sagt der Kickers-Trainer, der an dem Neuzugang vor allem dessen hohe Laufbereitschaft und den vorzüglichen Torabschluss schätzt. Ein kompletter Stürmer sei Vaccaro, einer, der den Kickers weiterhelfen werde, da ist sich Dutt ganz sicher.

Bis 2009 hat Vaccaro in Degerloch unterschrieben. Dann ist er mit 27 im besten Fußballeralter, dann will er wieder oben spielen, mindestens in der zweiten Liga. „Wenn man einmal die Luft dort oben geschnuppert hat, dann will man immer wieder da hin“, sagt Angelo Vaccaro. Den Traum von der Bundesliga jedenfalls, „den habe ich noch lange nicht aufgegeben“.

Stuttgarter Zeitung

Presse zum letzten Testspiel gegen VfR Aalen (2:1)

Reif für die Rückrunde
 
Kickers gewinnen Generalprobe, aber der Feinschliff fehlt noch
 
STUTTGART (ump). Am Ende hatten die Stuttgarter Kickers den Ligakonkurrenten VfR Aalen zwar mit 2:1 (0:1) besiegt, aber drei Punkte gab es dafür dennoch nicht. Schließlich handelte es sich am Samstag nur um die Generalprobe für die zweite Saisonhälfte der Fußball-Regionalliga, die nächsten Samstag mit dem Derby beim VfB Stuttgart II beginnt. „Dennoch war es ein optimaler Test“, sagte der Trainer Robin Dutt. Zum einen, weil seine Mannschaft den 0:1-Rückstand nach der Pause noch gedreht hatte, zum anderen weil noch nicht alles Gold war, was glänzte. „In der ersten Hälfte sind wir zu weit vom Gegner weg gestanden“, bemängelte Dutt, der sagt: „Am Feinschliff werden wir diese Woche noch arbeiten.“

Erfreulich war, dass sich die drei Neuzugänge insgesamt bereits ganz gut ins Spiel der Kickers integriert haben, nicht nur weil Thomas Weller und Angelo Vaccaro sich auch in die Torschützenliste eintrugen und Sean Dundee zumindest zeigte, dass er sich bei den Kickers noch einmal reinhängen möchte, um möglicherweise über diese Saison hinaus in Degerloch bleiben zu können. Ob das auch der Trainer tut, ist offen. Doch Dutt geht offen mit der Situation um: „Sie belastet mich überhaupt nicht – und die Mannschaft auch nicht.“ Zwar gibt es zwei, drei Spieler (allen voran Manuel Hartmann), die ihre eigene Zukunft gerne mit der des Trainers verbinden würden, doch denen kann Dutt nur den Rat geben: „Sie sollen ihre Entscheidung unabhängig fällen.“

Dutt selbst jedenfalls freut sich zunächst einmal, dass er mehr Alternativen besitzt, speziell im Mittelfeld, wo praktisch alle Positionen – auch qualitativ – doppelt besetzt sind. Interessant ist vor allem die Frage nach dem Spielmacher, wobei Gambo nach der Pause gegenüber Kanyuk sicher ein paar Vorteile besitzt. Im Angriff dürften die beiden Neuen Vaccaro und Dundee gesetzt sein, auch wenn Bischoff und Kacani auf ihre Chance lauern. Nur hinten sind die Alternativen rar, zumal sich Marco Wildersinn mit seinem katastrophalen Fehler vor dem 0:1 nicht unbedingt als Alternative aufdrängte.

Während Steinle und Hartmann geschont wurden, fallen Mustafa Akcay und wohl auch Mustafa Parmak beim Derby aus. „Ich hoffe, dass ich in zwei Wochen wieder dabei bin“, sagt Parmak. Zum Heimspiel gegen Ingolstadt muss dann auch das Fangnetz auf der Gegengeraden (als Folgen des Becherwurfs im Pokal) im Gazistadion installiert sein. Preis: etwa 50 000 Euro. „Wir verhandeln noch mit der Stadt, ob sie sich an den Kosten beteiligt“, sagt der Manager Joachim Cast.

Stuttgarter Zeitung

Optimismus bei den Kickers
 
2:1-Sieg des Regionalligisten gegen den VfR Aalen zum Ende der Vorbereitung
 
Stuttgart – Ein guter Schluss ziert alles: Zum Ende der Vorbereitungsphase hat Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers Ligakonkurrent VfR Aalen 2:1 besiegt. Nicht nur deshalb blickt Trainer Robin Dutt der zweiten Saisonhälfte optimistisch entgegen.

VON STEFAN KLINGER

Als Robin Dutt am Samstag um 16.20 Uhr den Rasen des Gazistadions verließ, ging er mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck in die Kabine. Die Gelassenheit des Kickers-Trainers hatte dabei weniger mit dem Erfolg gegen den VfR Aalen zu tun. Vielmehr erfreuten ihn die vielen positiven Eindrücke aus den vergangenen Wochen. Denn nach der fünfwöchigen Vorbereitungsphase sieht Dutt sein Team gewappnet für den Auftakt am kommenden Samstag um 14.30 Uhr beim VfB Stuttgart II. „Wir müssen zwar noch zwei, drei kleinere Dinge verbessern, sind aber auf einem guten Weg“, sagte Dutt.

Die jüngsten Ergebnisse bestätigen diese Einschätzung. Seit Anfang Januar traten die Blauen zu Testspielen gegen Mannschaften an, die mindestens in der Oberliga spielen. Verloren haben sie davon keines – bis auf zwei Remis verließen die Kickers das Feld immer als Sieger. Noch viel wichtiger ist, dass sich die Neuzugänge Sean Dundee, Angelo Vaccaro und Thomas Weller gut ins Team einfügen. „Mit ihrem Auftreten bin ich zufrieden, zumal Weller und Vaccaro gegen Aalen getroffen haben“, sagt Dutt. Ganz sorgenfrei ist der Kickers-Coach dennoch nicht. Mustafa Akcay (Muskelfaserriss im Adduktorenbereich) steht am Samstag definitiv nicht zur Verfügung. Und hinter dem Einsatz von Mustafa Parmak (Achillessehnenprobleme) steht ein Fragezeichen.

Einiges zu klären gibt es derzeit auch für Manager Joachim Cast. Vor der Tribüne auf der Gegengeraden wird dieser Tage das vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach den Vorkommnissen im DFB-Pokalspiel gegen Berlin geforderte engmaschige Netz angebracht. Cast verhandelt mit Vertretern der Stadt Stuttgart, damit sich diese an den Kosten in Höhe von etwa 50 000 Euro beteiligt.

Stuttgarter Nachrichten

Spielbericht zum 2:1-Testspielsieg gegen den VfR Aalen

Im letzten Testspiel vor dem weiteren Rückrundenverlauf der Regionalliga Süd kamen die Stuttgarter Kickers gegen den Ligakonkurrenten VfR Aalen zu 2:1 (0:1) Sieg. Den Erfolg verdankten die Blauen vor allem einer merklichen Leistungssteigerung nach dem Seitenwechsel. Die Tore erzielten Thomas Weller (51.) und Angelo Vacarro (80.), nachdem Aalen durch Steegmann in der 33. Minute mit 1:0 in Führung gegangen war.

Trainer Robin Dutt musste in der heutigen Begegnung auf die angeschlagenen Spieler Mustafa Parmak, Moritz Steinle, Mustafa Akcay und Nico Kanitz verzichten. Überraschend hatte sich der Kickers-Coach entschlossen Recep Yildiz im defensiven Mittelfeld auflaufen zu lassen, zudem begann Sven Sökler als rechter Aussenverteidiger. In der Innenverteidigung spielte neben Mannschaftkapitän Jens Härter wieder Marco Wildersinn. Doch ausgerecht ihm unterlief der erste Fehler im Spiel, den die Aalener Gäste resolut durch Stürmer Marcus Steegmann zur 1:0-Führung ausnutzte (31.).
Zuvor hatte aber bereits Angeklo Vaccaro die Möglichkeit zur Kickers-Führung, scheiterte mit seinem Schuss aber knapp (30.).

Nach einer relativ ausgeglichenen ersten Halbzeit erspielten sich die Kickers vor allem durch die Hereinnahme von Bashiru Gambo eine leichte Überlegenheit. Auch Neuzugang Thomas Weller verstärkte den Druck über die linke Aussenbahn, sodass die Kickers immer mehr zur dominierenden Manschaft wurden. Folgerichtig kamen die Degerlocher nach einer schönen Kombination auch zum 1:1 Ausgleich, als Thomas Weller entschlossen nachsetzte und Gästetorhüter Wulnikowski aus zehn Metern mit seinem Schuss überwand (51.).

Unermüdlich kämpften im Angriff auch die beiden anderen Neuzugänge Sean Dundee und Angelo Vaccaro, dem es auch vorbehalten blieb mit einem schönen Rechtsschuss den 2:1-Siegtreffer zu erzielen (80.).

Die Trainerstimmen:

Kickers-Trainer Robin Dutt: „Wir sind auf einem guten Weg, müssen uns aber jetzt noch die letztes Spritzigkeit erarbeiten.“
Aalens Trainer Edgar Schmitt: „Wir hätten in der zweiten Halbzeit noch mehr in der Offensive machen müssen, sind aber ansonsten sicher in der Abwehr gestanden.“

Die Spielstatistik:

Kickers: Yelldell – Sökler (77. Hartmann), Wildersinn (46. Bischoff), Härter, Stierle – Yildiz, Benda, Weller, Kanyuk (46. Gambo) – Dundee, Vaccaro (81. Kacani) – Trainer: Dutt
Aalen: Wulnikowski – Stickel (21. Köpf), Christ, Hillebrand (73. Wingerter), Steegmann, da Silva, Sailer (50. Okic), Okle (73. Haller), Maier (73. Fall), Alder, Metzelder – Trainer: Schmitt

Quelle: stuttgarter-kickers.de

Kickers: Härtetest gegen den VfR Aalen

Eine Woche vor dem weiteren Verlauf der Rückrunde kommt es für die Stuttgarter Kickers am Samstagnachmittag, 17. Februar 2007 um 14.30 Uhr im GAZi-Stadion auf der Waldau zu einem echten Härtetest gegen den Ligakonkurrenten VfR Aalen.

Kickers-Trainer Robin Dutt kann dabei mit Sean Dundee, Angelo Vaccaro und Thomas Weller alle drei Neuzugänge einsetzen und erhofft sich einen wichtigen Aufschluß für die Startformation eine Woche später im Lokalderby beim VfB Stuttgart II.

Mit neuem Ehrgeiz kommt auch der VfR Aalen, denn der neue Trainer Edgar Schmitt und Manager Helmut Dietterle sollen das Team in der Tabelle noch möglichst weit nach oben führen. Für beide Mannschaft dürfte das Freundschaftsspiel in Degerloch also zu einer interessanten Standortorientierung nach der langen Winterpause werden

Offizielle Homepage

Kickers im Kicker Test

Stuttgarter Kickers: Tabellenführung, Schwächephase, Pokal-Coup, Becherwurf

Gute Zeiten, schlechte Zeiten und ein Stürmertausch

Die Kickers haben turbulente Zeiten hinter sich. Erst lange Tabellenführer und der Pokal-Coup gegen den HSV, dann die Schwächephase und der Skandal im Pokalspiel mit dem Becherwurf gegen Hertha – und schließlich die schlagzeilenträchtigen Wechsel in der Winterpause.

Qualität statt Masse hieß es vor der Runde. Doch am Ende hatten die Stuttgarter mit zwei ihrer drei Zugänge Pech. Laszlo Kanyuk fiel durch eine hartnäckige Verletzung lange aus und soll nun nach der Pause die erhofften Impulse im Mittelfeld geben. Stürmer Christian Okpala ließ nach starkem Start nach und wurde nach einer Handgreiflichkeit in der Kabine suspendiert und – zumindest gewinnbringend – abgegeben. Standard-Spezialist Sascha Benda hat einen Stammplatz, aber bei nicht ruhendem Ball auch noch Luft nach oben.

Gewinner und Verlierer

Allrounder Recep Yildiz ist vom Ergänzungsspieler aus der Zweiten zur Stammkraft geworden und schaffte es sogar in die U 21 der Türkei. Gegenüber Marco Wildersinn, der in der Vorsaison in der Innenverteidigung noch gesetzt war, hat er den großen Vorteil, auch torgefährlich zu sein. Im Mittelfeld nutzte Manuel Hartmann nach Kanyuks Ausfall seine Chance, spielte auf der „Sechs“ eine gute Rolle und zeigte auch in der offensiven Variante starke Spiele.

Stärken und Schwächen

Die Stärken sind seit Jahren die gleichen, wurden aber kontinuierlich ausgebaut: Die Mannschaft ist sehr eingespielt, tritt geschlossen auf und kann aufgrund der Konditionsstärke gegen Spielendezulegen. In manchen Situationen fehlt eine Persönlichkeit, die die Fäden in die Hand nimmt. Auch die Chancenverwertung könnte besser sein.

Trainer und Umfeld

„Auch ich werde irgendwann entlassen“, hatte Trainer Robin Dutt bei seiner Beförderung zum Chefcoach am 28. Oktober2003 gesagt. Seither hat er sich eine unangefochtene Position erarbeitet und stattdessen überlegen die Verantwortlichen nun, wie sie ihn über das Saisonende hinaus halten können. Angebote aus der Zweiten Liga, wohin Dutt unbedingt will, liegen offenbar vor. Im Umfeld gibt es wie üblich bei den „Blauen“ immer mal wieder Störfeuer, insgesamt aber ist es ruhig – die in wirtschaftlicher und sportlicher Hinsicht erfolgreiche Arbeit wird anerkannt.

Fazit und Prognose

Durch den Tausch des Sturmduos (Vaccaro und Dundee statt Okpala und Mesic) ist die Aufstiegschancesicher nicht größer geworden. Aberdie Ausgangslage hat sich nicht geändert: Die Kickers sind der Haupt-Jäger von Wehen und Hoffenheim, haben aber nur Außenseiterchancen.

Sigor Paesler

Kicker

StZ: Die Umstellung fällt Weller nicht schwer

Vom FC Schaffhausen zu den Stuttgarter Kickers
 
Am Samstag (14.30 Uhr, Gazistadion) bestreiten die Stuttgarter Kickers die Generalprobe für die Rückserie in der Fußball-Regionalliga gegen den VfR Aalen. Mit dabei wird dann auch der Neuzugang Thomas Weller sein, der die linke Seite verstärken soll.

Von Joachim Klumpp

Bei dem ersten offiziellen Auftritt für seinen neuen Verein hat Thomas Weller viele Hände schütteln müssen. Schließlich spielten die Stuttgarter Kickers gegen den FC Schaffhausen, für den der 25-Jährige noch bis Ende des vergangenen Jahres unter Vertrag stand. Und wo er so etwas wie der Publikumsliebling des Schweizer Super-League-Klubs war. Aber eben nicht unbedingt der Liebling des Trainers Jürgen Seeberger, ebenfalls ein Deutscher. Der attestierte Weller zwar ein sehr gutes Auge, speziell bei Standardsituationen, „aber der letzte Zug zum Tor fehlte“. Kein Treffer stand in der Vorrunde zu Buche, obwohl Weller auf 14 Einsätze kam, wenn auch nicht immer von Beginn an. Der Grund? Zunächst lief es bei ihm ganz ordentlich, aber bei der Mannschaft nicht; und als die gegen die Topklubs Basel und beim FC Zürich fast sensationell gewann, gehörte er nicht mehr zur Anfangsformation. Künstlerpech. Außerdem sei die Grundausrichtung eher defensiv gewesen: „Das liegt mir nicht so.“

Unterm Strich jedenfalls suchte Weller eine neue Herausforderung, deshalb löste er seinen Vertrag zum Jahresende vorzeitig auf. „Ich wäre gerne in der Schweiz geblieben“, sagt Weller, doch Kontakte zum Tabellenzweiten FC St. Gallen zerschlugen sich, weil der Verein stattdessen einen Argentinier verpflichtete. „So gesehen bin ich jetzt froh, dass es mit den Kickers geklappt hat.“ Hier will er sich nochmals für höhere Aufgaben empfehlen. „Der Teamgeist stimmt, es wird offensiv gespielt – und die Chancen auf den Aufstieg sind durchaus noch vorhanden.“ Trotz der sechs Punkte Rückstand auf den Klassenkrösus TSG Hoffenheim. Weller jedenfalls will in den Profifußball, warum nicht mit den Kickers? Deren Trainer Robin Dutt hat den Mittelfeldspieler, der früher bei 1860 München und Paderborn gespielt hat, schon länger im Auge: „Er ist ein spielstarker Typ für die linke Seite“, sagt der Coach, der dem Neuzugang durchaus Hoffnungen auf einen Stammplatz macht. „Wenn er so weiterarbeitet wie bisher, ist er auf einem sehr guten Weg. Er ist schnell und technisch stark.“

Ein Zeugnis, das Thomas Weller den meisten Kollegen aus der Schweiz ausstellt. „Vom Technisch-Taktischen brauchen sie sich hinter dem deutschen Fußball nicht zu verstecken“, sagt Weller, „einzig die Power fehlt manchmal im Spiel, darauf wird in der Schweiz vielleicht nicht so viel Wert gelegt.“ Außer beim FC Schaffhausen, der sich mit bescheidenen Mitteln nun schon im dritten Jahr in der höchsten Liga hält. Die Rahmenbedingungen des Grenzklubs erinnern eher an die Regionalliga. Im Vergleich zum Stadion „Breite“ des FCS mit einer Kapazität von nur 7300 Plätzen wirkt das Gazistadion dagegen wie ein Schmuckkästchen, der Zuschauerschnitt ist mit gut 3000 der geringste der Liga und bewegt sich somit nur auf deutschem Regionalliganiveau.

„Das Umfeld ist sicher nicht so professionell“, sagt Weller, der im Sommer 2005 vom FC Vaduz kam, wo sein Vater, der ehemalige VfB-Profi Hanjo Weller, derzeit Interimstrainer ist. Und wo fast paradiesische Zustände herrschen, zumindest für Schweizer Verhältnisse. Denn Geld spielt in dem Fürstentum mit den vielen Briefkastenfirmen keine so große Rolle, „dort kann man richtig gut verdienen, deshalb kommen oft auch namhafte Spieler“. Und als Liechtensteiner Abonnementspokalsieger ist der Klub inzwischen auch im Europapokal zu Hause.

Das wird bei den Kickers unmöglich, zumal der Verein im DFB-Pokal ja ausgeschieden ist, trotz des Achtungserfolgs gegen den Hamburger SV, den auch Weller aus der Ferne mitbekommen hat. „So etwas wäre in der Schweiz fast unmöglich. Dort ist das Leistungsgefälle zwischen der ersten und dritten Liga zu hoch“, sagt Weller, der die deutschen Klubs in der Breite des Kaders besser ausgestellt sieht. Was er als Vorteil sieht: „Letztlich kann man nur als Mannschaft Erfolg haben. Und mit der will ich hier etwas erreichen“, sagt der ledige Fußballer, der momentan im Hotel wohnt und nur zu seinem Hauptwohnsitz nach Romanshorn fährt, sofern es der Trainingsplan bei den Stuttgarter Kickers erlaubt.

„Wichtig ist, dass wir einen guten Start erwischen, dann kann es im Fußball schnell gehen.“ Die Mannschaft jedenfalls habe das Potenzial, ganz oben mitzuspielen. Und auch der Trainer Robin Dutt sagt nach der Vorbereitung: „Die neuen Spieler haben sicher nochmal frischen Schwung reingebracht. Die können in der Regionalliga sicher alle drei Akzente setzen.“ Das wäre ganz im Sinne von Thomas Weller. Denn sein Vertrag läuft vorerst nur bis zum Saisonende. Das sind maximal 14 Spiele, um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Und vielleicht sogar zum Publikumsliebling zu avancieren.

Stuttgarter Zeitung

Trainerdiskussion bei den Kickers

Alles eine Frage des Zeitpunkts
 
STUTTGART (ump). Die Fortsetzung der Fußball-Regionalliga erfolgt zwar erst in neun Tagen, „aber so langsam wird es Zeit, dass es losgeht“, sagt Stefan Minkwitz, der Co-Trainer der Stuttgarter Kickers. Vielleicht auch, um das Augenmerk von einer wohl unvermeidlichen Trainerdiskussion abzulenken. Denn nachdem Robin Dutt seinen Vertrag bisher nicht verlängert und stattdessen zuletzt nochmals seinen Wunsch geäußert hat, nächste Saison in der zweiten Liga arbeiten zu wollen, stehen die Zeichen zwar nicht auf Sturm, aber auf Abschied. Auch wenn Dutt selbst betont: „Für mich hat sich nichts geändert. Der Verein hat Zeit, seine Hausaufgaben zu machen. Und dann wird bis Ende März die Entscheidung fallen.“

Bleibt die Frage, ob sich dieser Zeitplan halten lässt. Wobei es dem Trainer nicht nur um einen besser dotierten Vertrag geht, „sondern auch um die Entwicklungsmöglichkeiten der Mannschaft“, wie der 42-Jährige betont. Doch um den Kader zu verstärken müsste der Etat erhöht werden, wobei es schon schwer genug ist, den Status quo mit 2,4 Millionen Euro zu halten. „Zunächst einmal müssen wir die Entscheidung des Trainers abwarten“, sagt der Präsident Hans Kullen, der andererseits keinen gesteigerten Wert auf eine öffentlich geführte Trainerdiskussion legt. „Wir wollen schließlich unsere sportliche Chance noch wahrnehmen.“ In diesem Punkt ist er mit Dutt auf einer Linie: „Darauf gilt meine ganze Konzentration.“

Unabhängig davon wird bei den Kickers-Fans schon über einen möglichen Nachfolger diskutiert, wobei die Namen Frank Wormuth (zuletzt VfR Aalen) und Marco Kurz (1860 München II) kursieren. Sie würden vom Anforderungsprofil zwar zu den Kickers passen, doch beide haben einen Nachteil: Wormuth ist aus Reutlinger Zeiten mit Kullen befreundet, und Kurz“ Vater Edgar wiederum sitzt im Präsidium der Kickers. Da käme schnell der Verdacht der Vetterleswirtschaft auf – unabhängig von der fachlichen Qualifikation.

Stuttgarter Zeitung