Presse zum schwachen und enttäuschen Spiel VfB Stuttgart II – Stuttgarter Kickers (3:0)

Die VfB-Fans rufen: „Absteiger, Absteiger“
Die Kickers sind beim 0:3 im Drittligaderby ohne Chance

STUTTGART. Jeder blamiert sich, so gut er kann. So wie die Stuttgarter Kickers, die gestern das Derby der dritten Fußball-Liga gegen den VfB II mit 0:3 (0:2) verloren. „Wir waren heute physisch und psychisch unterlegen“, sagte der Kickers-Trainer Edgar Schmitt.

Von Joachim Klumpp

Eine Viertelstunde vor Schluss gingen im Gazi-Stadion gestern die Lichter aus. Doch selbst der Stromausfall konnte die Stuttgarter Kickers im Drittligaderby nicht mehr retten. Dank der Sommerzeit stand ein Spielabbruch nie zur Debatte, zumal das Flutlicht nach fünf Minuten wieder funktionierte – im Gegensatz zur Kickers-Mannschaft, die beim 0:3 (0:2) auf verlorenem Posten stand, von der ersten bis zur letzten Minute. „Wir waren heute physisch und psychisch unterlegen“, gab der Kickers-Trainer Edgar Schmitt zu.

So konnte sich selbst eine ersatzgeschwächte VfB-Mannschaft, bei der eine Handvoll Stammspieler fehlte, den Ball wie im Training zuschieben – und gelegentlich noch ein Tor erzielen. Zum Beispiel in der 21. Minute, als Tobias Feisthammel nach einem Freistoß mutterseelenallein zum 1:0 einköpfte. Dass der zweite Treffer kurz vor der Pause durch ein Eigentor fiel, passte ins Bild. Der Verteidiger Thomas Gentner köpfte nach einem Missverständnis mit Torwart Manuel Salz von der Strafraumgrenze ins Netz.

Zu diesem Zeitpunkt war Bashiru Gambo schon nicht mehr auf dem Platz, er wurde nach gut einer halben Stunde vom Trainer ausgewechselt – die Höchststrafe, an der der sensible Ghanaer wohl noch eine Zeit lang zu knabbern haben wird. Nach der Halbzeit verwaltete der VfB das Ergebnis, so dass der Trainer Rainer Adrion sagte: „Da hätte ich mir etwas mehr Souveränität gewünscht.“ Und auch der Kapitän Marijan Kovacevic übte Kritik: „Da haben wir zu wenig gemacht.“ Trotzdem fiel noch das 3:0 durch den eingewechselten Sven Schipplock (89.), so dass der VfB 2009 seine fünf Heimspiele im Gazi-Stadion alle zu null gewonnen hat.

Von so einer Serie können die Kickers nur träumen. „Wir waren wie gelähmt“, sagte der Manager Joachim Cast, der nur zu gut weiß, dass eine deutliche Leistungssteigerung nötig ist, wenn das Ziel Klassenverbleib geschafft werden soll. Die VfB-Fans unter den 3050 Zuschauern skandierten jedenfalls schon einmal: „Absteiger, Absteiger“, während Schmitt abermals betonte: „Wir schaffen es.“

Woher er seinen Optimismus nimmt? „Vier Punkte Abstand zum Nichtabstiegsplatz sind machbar.“ Allerdings nicht in der Verfassung von gestern, in der jegliches Feuer auf dem Platz fehlte. Zudem wirkte die taktische Marschroute mit drei defensiven Mittelfeldspielern in so einem verkappten Heimspiel nicht gerade optimal. „Man muss sich klar überlegen, woran so eine Leistung liegt“, sagte der Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum nur, der das wohl intern mit Edgar Schmitt besprechen wird. Ehe bei den Kickers endgültig die Lichter ausgehen.

VfB Stuttgart II: Ulreich – Pisot, Pischorn, Kovacevic, Feisthammel – Karikari, Kolinger, Didavi – Klauß (82. Ismaili), Hofmann (82. Schipplock), Hindelang (59. Klotz).

Stuttgarter Kickers: Salz – Steinle, Mann, Traub, Gentner – Rosen, Ortlieb, Deigendesch (46. Traut) – Gambo (33. Landeka) – Schürg (62. Galm), Smeekes.

Schiedsrichter: M. Kempter (Sauldorf).

Tore: 1:0 Feisthammel (21.), 2:0 Gentner (42./Eigentor), 3:0 Schipplock (89.).

Stuttgarter Zeitung

0:3 im Derby gegen VfB II

Kickers wie ein Absteiger

Stuttgart – Die Stuttgarter Kickers haben die Leidensfähigkeit ihrer Fans schon häufig auf die Probe gestellt. Beim 0:3 (0:2) im Drittligaderby gegen den VfB II erreichte sie eine neue Dimension. Die Blauen zeigten eine erschütternde Vorstellung.

Joachim Cast stand in den Katakomben des Gazistadions und starrte ins Leere. Als sich der Kickers-Manager wieder gefangen hatte, sagte er zunächst nur: „Heute bin ich bedient. Nach dieser Lektion fällt es schwer, optimistisch zu bleiben.“ Dann fragte er rhetorisch in die Runde: „Aber sollen wir jetzt den Laden zuschließen und das Licht ausmachen?“ Die Antwort gab er selbst: „Nein.“

Die Kickers wirkten vom Anpfiff weg wie gelähmt. Die Bälle wurden nur planlos nach vorne gedroschen. Das wäre an sich schon ärgerlich genug, doch dass den Spielern auch noch die Leidenschaft vermissen ließen, war das eigentlich Bedenklich an der Geschichte.

Der VfB tat dem Lokalrivalen jedenfalls nicht den Gefallen, sich vom Phlegma der Blauen anstecken zu lassen. Hoch konzentriert begann das Team von Trainer Rainer Adrion. Folge: die Tore durch Tobias Feisthammel (21.) und Thomas Gentner (42./Eigentor).

Kurz danach war Halbzeit, und Trainer Edgar Schmitt blieb nicht viel anderes übrig, als an die Ehre seiner Spieler zu appellieren. Viel besser wurde es nicht. Zwei mickrige Torchancen durch Josip Landeka (53.) und Michael Schürg (61.) gab es – das war’s. Echte Gegenwehr sieht anders aus. Der souveräne VfB musste nicht mehr tun als nötig. Der Sieg war schon lange vor dem 3:0 (89.) durch Sven Schipplock nicht in Gefahr.

Bis zum 7. April (19 Uhr) haben die Blauen nun Zeit, den Tiefschlag wegzustecken. Dann kommt Kickers Offenbach ins Gazistadion. „Heute waren wir in allen Belangen unterlegen“, sagte Kickers-Coach Schmitt, und gab sich zumindest nach außen kämpferischer als zuvor seine Spieler auf dem Platz: „Wir geben nicht auf, wir werden es schaffen.“ Es klang verdächtig nach einer Durchhalteparole.

Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

Stuttgarter Kickers weiterhin mit Roter Laterne

Gentner trifft ins falsche Tor
Tabellenschlusslicht Stuttgarter Kickers lieferte im Stadtderby beim VfB Stuttgart II eine wenig berauschende Leistung ab und so gingen die Hausherren verdient als Sieger aus dieser Partie.

Rainer Adrion, Trainer vom VfB Stuttgart II, stellte seine Startformation nach dem 1:1-Remis in Paderborn auf zwei Positionen um: Pisot und Hindelang spielten für Enderle und Walch.

Kickers-Coach Edgar Schmitt sah ebenfalls Handlungsbedarf und änderte seine Startaufstellung im Vergleich zum torlosen Remis gegen Bayern II auf zwei Positionen: Landeka und Tucci pausierten, Rosen und Schürg liefen dafür auf.

Bereits zu Beginn der ersten 45 Minuten zeigten die Kickers zu wenig Engagement, obwohl sie durch einen Sieg bei günstigem Verlauf drei Plätze nach oben hätten klettern können. Der VfB II hatte mehr vom Spiel und so war es wenig überraschend, als Feisthammel in der 21. Spielminute den Führungstreffer zum 1:0 erzielen konnte. Kurz vor der Pause kam dann bereits die Vorentscheidung: Aufgrund eines Missverständnisses zwischen Keeper Salz und Gentner, der den Ball zu seinem Schlussmann zurückköpfen wollte, landete das Spielgerät erneut im Tor der Schmitt-Elf.

Auch in der zweiten Hälfte wurde das Spiel für die Kickers nicht besser. Die Adrion-Elf verwaltete ihre Führung, die Kickers fanden keinen Weg durch die Defensive der Hausherren. Vielmehr Schipplock setzte in der 89. Spielminute noch den Schlusspunkt zum 3:0-Emdstand.

Der VfB Stuttgart II muss am kommenden Samstag in Düsseldorf ran und die Stuttgarter Kickers spielen am kommenden Dienstag zuhause gegen Offenbach.

Kicker

Kickers II siegen weiter

Die U23 Mannschaft der Stuttgarter Kickers baut ihre Siegesserie weiter aus. Bei der SpVgg Au gewinnen die „kleinen Blauen“ mit 3:1 (0:0). Goalgetter Marcel Ivanusa mit einem Doppelschlag (57. und 58.) sowie Marco Tucci in der Nachspielzeit trafen für die Kickers.

Am Samstag treffen die Kickers auf Tabellennachbar Normannia Gmünd.

0:3 nimmt Hoffnung

Mit einer 0:3 Niederlage beim Auswärtsspiel im eigenen Stadion gegen den VfB Stuttgart II haben es die Stuttgarter Kickers versäumt Boden im Abstiegskampf gut zu machen. Durch eine zudem schwache und enttäuschende Leistung haben sie es zudem geschafft, ihren eigenen Fans die Hoffnung zu nehmen.

Am kommenden Dienstag treffen die Blauen im Namensduell auf die Kickers aus Offenbach.

Cast erwartet „Feuer und Punkte“

Stuttgart (sip) – Aufgeheizte Stimmung vor dem Stuttgarter Fußball-Derby. Die Kickers, die heute (18 Uhr) im Gazi-Stadion offiziell ein Auswärtsspiel haben, brauchen dazu jedoch gar nicht den Gegner VfB II. Nach dem 0:0 des Drittliga-Schlusslichtes gegen den FC Bayern II hatte sich Trainer Edgar Schmitt in Rage geredet. „Was da einige gebracht haben, war eine Katastrohe“, schimpfte er. Anschließend gab es von Präsident Dirk Eichelbaum via „Stuttgarter Nachrichten“ einen Rüffel für die Brandrede. „Es war sicher kein besonders glücklicher Auftritt unseres Trainers. Da muss er an sich arbeiten“, sagte Eichelbaum.

Manager Joachim Cast kann keine Unstimmigkeiten erkennen. „Es gibt keinerlei Probleme zwischen den beiden“, sagte er gestern und lenkte den Blick auf das Wesentliche: „Ich erwarte von der Mannschaft Feuer, Leidenschaft – und Punkte.“ Der jüngste Auftritt gegen die Münchner sei zwar nicht berauschend gewesen: „Aber wir haben gepunktet und wir können auch nicht davon ausgehen, dass wir jedes Spiel gewinnen.“ Obwohl der Manager gestern in Frankfurt nach denen für die dritte Liga auch die Lizenzierungsunterlagen für die kommende Regionalliga-Saison ein-reichte, glaubt er fest an den Klassenverbleib: „Es ist eine positive Tendenz zu erkennen, wir lassen nicht mehr viele Chancen zu.“

Kickers-Kapitän Alexander Rosen musste gegen die Bayern wegen einer Bindehautentzündung passen, wird heute aber wohl zur Verfügung stehen. Dem VfB fehlen Patrick Funk und Sebastian Rudy, die in dieser Woche mit der U-19-Nationalmannschaft unterwegs sind. Der Einsatz der angeschlagenen Sebastian Enderle, Clemens Walch und Johannes Rahn ist fraglich. Die Voraussetzungen für eine spannende Partie sind gegeben. Das Hinspiel, das vor 5875 Zuschauern mit 4:4 endete und bei dem die Kickers zwei Mal einen Rückstand aufholten, war schon eines der aufregendsten der Saison.

So wollen sie spielen
VfB Stuttgart II: Ulreich – Feisthammel, Kovacevic, Pischorn, Enderle – Karikari, Kolinger, Didavi – Walch, Hofmann, Klauß.

Stuttgarter Kickers: Salz – Steinle, Mann, Traub, Gentner – Rosen, Ortlieb, Deigendesch – Gambo – Schürg, Smeekes.

Eßlinger Zeitung

StN: Kickers-Spieler Gentner: Heiß auf das Derby gegen den VfB

Stuttgart – Von der D- bis zur A-Jugend spielte Thomas Gentner für den VfB. Kein Wunder, dass für den Verteidiger der Kickers das Stuttgarter Drittliga-Derby am 1. April (18 Uhr/Gazistadion) gegen den VfB II etwas ganz Besonderes ist.

Die Tipps der großen Brüder gab es gleich nach dem Schlusspfiff. Christian Gentner (23/VfL Wolfsburg) hatte gemeinsam mit Michael (26/B-2-Trainer beim VfB) das spielfreie Bundesliga-Wochenende genutzt, um den Jüngsten aus dem Gentner-Trio zu unterstützen. Was Thomas nach dem 0:0 gegen den FC Bayern II zu hören bekam? „In der Defensive sei ich sehr gut gestanden, nach vorne soll ich mir ruhig noch mehr zutrauen“, verrät der 20-Jährige die Knackpunkte der familieninternen Kurzanalyse.

Schon heute will er sie sich zu Herzen nehmen. Schließlich geht es nicht nur um wichtige Punkte im Kampf um den Ligaverbleib, sondern auch gegen die alten Kameraden. „Klar bin ich heiß auf dieses Spiel“, sagt Gentner.
Dass der Mann mit dem starken linken Fuß überhaupt in der dritten Liga angekommen ist, ist schon eine kleine Sensation und zeigt seine Klasse. Denn verletzungsbedingte Rückschläge pflasterten seine Jugendzeit.

Doch Gentner, das Stehaufmännchen, kämpfte sich wieder zurück. Zwar reichte es nicht zur Übernahme ins VfB-II-Team, doch über den Umweg Kickers II landete er doch noch in Liga drei. Sein großer Traum: Mit den Brüdern irgendwann mal gemeinsam in der Bundesliga aufzutauchen. „Michael als Trainer, Christian und ich als Spieler – das wär’s.“

Stuttgarter Nachrichten

Vorberichte II VfB Stuttgart II – Stuttgarter Kickers

Kickers setzen auf die Fans

Derby soll zum Heimspiel werden
STUTTGART (ump). Alexander Rosen ist gestern zum Augenarzt gegangen, „nachdem ich mit meinen roten Augen immer noch aussehe wie Frankenstein“. Doch die Bindehautentzündung ist am Abklingen, so dass der Kapitän des Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers davon ausgeht, dass er morgen (18 Uhr) gegen den VfB Stuttgart II spielt. Das Derby im Gazistadion läuft zwar als Heimspiel für den VfB, doch die Kickers setzen auf die Unterstützung ihrer Fans. Zumal ein Sponsor eine Extraprämie für den Club ausschüttet. Die Rede ist von vier Euro pro Person – allerdings nur für jeden Besucher, der über der 3000-Zuschauer-Grenze liegt.

Doch nicht nur finanziell, besonders sportlich steht für den Tabellenletzten viel auf dem Spiel. Das weiß auch der Trainer Edgar Schmitt, der mit der Einstellung einiger Spieler gegen die Münchner nicht zufrieden war. „Unsere drei Stürmer haben sich nicht mit Ruhm bekleckert“, sagt Schmitt mit Blick auf die Leistungen von Orlando Smeekes, Bashiru Gambo, aber auch Marco Tucci, von dem er nach dessen Auftritt im Benefizspiel gegen die VfB-Profis mehr erwartet hatte. „Wir müssen die Schlagzahl hochhalten, sonst reicht es nicht“, betont Schmitt vor den verbleibenden elf Saisonspielen. Der Coach geht davon aus, dass die Kickers noch 16 Punkte zum Klassenverbleib benötigen. Das wird ein hartes Stück Arbeit, „aber das haben wir gewusst“, sagt Schmitt.

Stuttgarter Zeitung

Eichelbaum nimmt Trainer in die Pflicht
Kickers-Chef von Wutausbruch nicht begeistert

Stuttgart – Einerseits kann Dirk Eichelbaum den Ärger seines Trainers über die lasche Einstellung einiger Spieler gut verstehen. Andererseits kritisierte der Präsident der Stuttgarter Kickers vor dem Derby beim VfB II (morgen, 18 Uhr, Gazistadion) den öffentlichen Wutausbruch von Edgar Schmitt: „Da muss der Trainer an sich arbeiten.“

VON JÜRGEN FREY

Schmitt hatte gestern noch mal Zeit, über alles nachzudenken. Er fuhr mit dem Zug von seinem Wohnort Aalen zum Training nach Degerloch. Doch auch mit dem nötigen Abstand zum 0:0 gegen den FC Bayern II war sein Ärger noch nicht verraucht. „Ich bleibe dabei: Es gibt einfach Sachen, die mich unheimlich stören“, sagte er. Kurz nach der Partie hatte der 45-Jährige keinen Stein auf dem anderen gelassen und sich in Rage geredet. Auslöser waren Kleinigkeiten: Spieler hatten die falsche Radlerhose gewählt und während der Partie die Schuhe gewechselt. Die Mitglieder der Kickers-Gremien zuckten während Schmitts Brandrede sichtlich zusammen. Präsident Eichelbaum nimmt den Trainer in die Pflicht. „Wenn nicht jedes Mal solch ein Gefühlsausbruch kommt, ist es zwar kein Problem, aber es war sicher kein besonders glücklicher Auftritt unseres Trainers. Da muss er an sich arbeiten“, sagte er am Tag danach. Gleichzeitig brachte der Kickers-Chef auch Verständnis für das emotionale Feuerwerk seines leitenden Angestellten auf: „Ohne eine professionelle Einstellung der Spieler geht es nicht. Außerdem ist es mir lieber, der Trainer haut nach einem 0:0 drauf als nach einem 0:4.“

Damit ist die Sache vom Tisch. Die Konzentration gilt dem Derby. Alexander Rosen (Bindehautentzündung) dürfte wieder ins Team zurückkehren. Festgelegt hat sich der Coach auf die Angriffsformation: Michael Schürg stürmt neben Orlando Smeekes. Schmitts Begründung: „Schürg hat etwas, was ganz wenige haben. Wenn er fit ist, ist er ein Kracher.“ Am Beispiel Schürg lässt sich erklären, was Schmitt bei seiner Mission, die Blauen zu retten, so aufwühlt. Der Coach hält unheimlich viel vom 24-Jährigen. Doch er glaubt, der Stürmer könne noch viel mehr aus seinem Talent machen – wenn er in Sachen Professionalität noch einen Tick zulegen würde. „Andere Trainer sind respektlos und verachtend, ich erhöhe nur die Schlagzahl, um meine Spieler voranzubringen“, sagt Schmitt. Dass sich dabei für Außenstehende der Verdacht aufdrängt, er schieße auch mal übers Ziel hinaus, berührt ihn nicht: „Was andere denken, ist mir egal. Ich handle so, wie ich es am besten finde.“

Kassenöffnung im Gazistadion ist morgen um 16.30 Uhr. Heimrecht hat der VfB, von einer großen Kulisse würden aber auch die Kickers profitieren. Ein Sponsor garantiert den Blauen für jeden Fan, der die Zuschauerzahl über die 3000er-Marke anwachsen lässt, vier Euro.

Stuttgarter Nachrichten

NACHGEFRAGT RAINER ADRION, TRAINER DES VFB STUTTGART II
„Es geht um viel – für uns und für die Kickers“
Der 55-jährige Coach blickt zuversichtlich auf das morgige Stadt-Derby und freut sich schon auf seinen neuen Job ab Sommer beim DFB

Stuttgart – Für Rainer Adrion hat der Countdown begonnen. Der Trainer des Fußball-Drittligisten VfB Stuttgart II übernimmt am 1. Juli das U-21-Nationalteam. Über seine neuen (alten) Aufgaben beim DFB, den Abschiedsschmerz und das morgige Stadt-Derby (18 Uhr) gegen die Kickers spricht der 55-Jährige mit Beate Wockenfuß.

Das Hinspiel gegen die Kickers endete 4:4. Ist morgen ähnlich Spannendes zu erwarten?

Adrion: Ich denke, dass es wieder ein spannendes Spiel wird. Schließlich ist es ein Derby und es geht um viel – für uns und für die Kickers.

Sie haben das 0:0 der Kickers gegen den FC Bayern II auf der Tribüne mitverfolgt. Welche Erkenntnisse haben Sie gesammelt?

Adrion: Man merkt ihnen die Verunsicherung an. Sie haben einen sehr wechselhaften Spielverlauf. Mal sind sie gut drin, dann wieder in der Defensive anfällig.

Der VfB II steht derzeit auf Platz zehn. Was ist noch drin?

Adrion: Wir wollen uns noch so weit wie möglich in der Tabelle hocharbeiten. Das zweite Ziel ist die Ausbildung. Wir haben in dieser Saison bereits drei Spieler wieder an die Profis abgegeben.

Im Sommer wechseln Sie zum DFB. Wie schwer wird Ihnen der Abschied vom VfB fallen?

Adrion: Da ist natürlich etwas Wehmut dabei. Schließlich ist der VfB mein Verein. Aber ich bleibe ja auch in meiner neuen Tätigkeit mit dem VfB verbunden. Nicht zuletzt durch die Stuttgarter Nationalspieler.

Wären Sie auch noch mal zu einem anderen Verein gewechselt? Adrion: Das hätte ich wahrscheinlich nicht gemacht. Wir haben hier beim VfB ein ganz klares Konzept verfolgt. Das hat mir Spaß gemacht. Das Arbeiten auf internationaler Ebene beim DFB ist aber auch eine schöne Aufgabe.

Sind Sie stolz auf das Angebot?

Adrion: Ich habe mich gefreut, dass meine gute Arbeit über Jahre hinweg anerkannt wird. Zu dem, was ich bisher gemacht habe, lassen sich Parallelen ziehen. Ich werde wieder Spieler auf das A-Team vorbereiten und dabei auch mit den Jugend- Mannschaften kommunizieren. Das ist eine vertraute Aufgabe. Nur eine Stufe höher.

Wie entscheidend ist, dass Sie – wie beim VfB – wieder mit Joachim Löw zusammenarbeiten werden?

Adrion: Für ihn ist es wichtig, mit seinen Kollegen gut zurecht zu kommen. Das ist bei uns gewährleistet. Zudem passt es auch zwischen mir, Sportdirektor Matthias Sammer und Teammanager Oliver Bierhoff.

Sie gelten als bester Nachwuchstrainer Deutschlands. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Adrion (schmunzelt): Ich weiß nicht, ob das wirklich so ist. Der FC Bayern macht auch eine gute Nachwuchsarbeit. Aber der VfB hat sich in der Saison 2000/2001 mit seinen jungen Wilden sicher ein gutes Image erworben. Wir sind traditionell bemüht, Eigengewächse für die Elite auszubilden – sowohl sportlich als auch menschlich.

Mit wieviel Sorge haben sie die 0:4-Pleite ihres zukünftigen Teams gegen die Niederlande verfolgt?

Adrion: Ich sammle nur Eindrücke, begleite das Team als Beobachter. Mehr steht mir jetzt nicht zu. Denn der Trainer ist Horst Hrubesch.

Mit welchen Zielen treten Sie an?

Adrion: Ich habe einen Vertrag bis zur EM 2011. Wir wollen erst einmal die Qualifikation schaffen. Das nächste Ziel ist dann das Halbfinale. Denn damit wären wir bei Olympia 2012 dabei. Ja, und wenn wir schon mal im Halbfinale sind, dann will ich natürlich auch ins Finale.

Zum Schluss: Ihr Tipp fürs Derby?

Adrion: Ich denke, es wird ein enges Spiel, aber wir behalten die Oberhand. Wenn die Kickers danach eine Serie starten, könnte es mit dem Klassenverbleib noch klappen.

Eßlinger Zeitung

Kickers an diesem Mittwoch (18 Uhr) zu Gast im GAZi-Stadion – Sponsor honoriert Stadionbesuch
Auswärtsspiel gegen den VfB II + große blaue Unterstützung = Heimspiel-Atmosphäre

Für das Stuttgarter Drittliga-Lokalderby VfB II gegen die Blauen aus Degerloch an diesem Mittwoch (18 Uhr, GAZi-Stadion) werben die Stuttgarter Kickers um eine große blaue Kulisse. Bei dieser Drittligapartie hat der VfB Stuttgart mit seiner zweiten Mannschaft bekanntlich das Heimrecht. Doch die Stuttgarter Kickers haben die Devise ausgeben, mit einer großen und stimmgewaltigen Kulisse im GAZi-Stadion daraus ein blaues Heimspiel zu machen. Die Mannschaft von Cheftrainer Edgar Schmitt benötigt bei den noch ausstehenden Spielen im GAZi-Stadion auf der Waldau viele Zuschauer. Ein Sponsor der Blauen honoriert am Mittwoch mit einem beachtlichen Euro-Betrag in die Kickers-Kasse jeden Fan, der die Zuschauerzahl über die 3000er-Marke hinaus anwachsen lässt.

„Das GAZi-Stadion muss trotz nominellem Heimspiel des VfB Stuttgart II an diesem Mittwoch vom Spielbeginn an um 18 Uhr in blauer Hand“ sagt das Kickers-Präsidiumsmitglied Dieter Wahl. „Wir brauchen jeden Stuttgarter und jeden Fan aus der Region, dem das Schicksal der Kickers am Herzen liegt.“

Ganz wichtig: Jeder Zuschauer zahlt zwar für seine Eintrittskarte in die Kasse des VfB Stuttgart. Doch die Kickers profitieren ebenfalls von möglichst vielen Zuschauern. Ein blauer Sponsor garantiert den Blauen aus Degerloch für jeden über die Zahl 3000 hinausgehenden Zuschauer einen beachtlichen Euro-Betrag. Die simple Gleichung lautet: Je mehr Zuschauer kommen, desto mehr Geld kommt in die Kickers-Kasse, die zurzeit jeden Euro sehr gut gebrauchen kann.

„So kann dieses Auswärtsspiel der Stuttgarter Kickers zu einem ,Heimspiel‘ umfunktioniert werden – und die Kickers können als Gastmannschaft aufgrund ihrer hoffentlich vielen blauen Fans im Stadion gleich doppelt punkten“, sagt Dieter Wahl.

Offizielle Homepage

Vorberichte VfB Stuttgart II – Stuttgarter Kickers

„Wir sind im Soll“
Nachgefragt bei Rainer Adrion

Der VfB Stuttgart II hat am Freitag in Paderborn 1:1 gespielt und blickt jetzt dem Derby am Mittwoch gegen die Kickers entgegen. Joachim Klumpp hat sich mit dem Trainer Rainer Adrion unterhalten.

Was überwiegt: die Freude über den Punkt beim Tabellenzweiten oder der Ärger über den Ausgleich in der 89. Minute?

Natürlich ist es ärgerlich, dass wir kurz vor Schluss das vermeidbare Gegentor bekommen haben. Aber das war eine tolle Mannschaftsleistung. Wir sind momentan im Soll und mit der Situation zufrieden.

Einige Spieler haben zwei Tage vor Paderborn noch im Benefizspiel bei den Kickers mitgewirkt. Wie haben die das verkraftet?

Bei Sebastian Enderle wäre es wohl besser gewesen, wenn er dort nicht gespielt hätte. Er hat sich eine Zerrung zugezogen und wird wahrscheinlich am Mittwoch im Derby ausfallen.

Zu verschenken gibt es im Derby nichts – oder?

Auf gar keinen Fall. Wir sind immer noch nicht gerettet, die anderen Mannschaften im Abstiegskampf punkten alle oder gewinnen. Außerdem will ich die letzten zehn Spiele mit dem VfB so erfolgreich wie möglich abschneiden.

Noch ein Wort zu Rudy und Funk, die mit der U-19-Nationalmannschaft unterwegs sind. Kommen die fürs Derby infrage?

Die sind am Dienstag noch in Serbien – und können unmöglich am Mittwoch spielen. Außerdem ist noch unser zuletzt bester Stürmer Johannes Rahn fraglich, der schon in Paderborn wegen einer Knieprellung gefehlt hat.

Stuttgarter Zeitung

„Wir sind gerüstet fürs Derby“
VfB-Coach Adrion will mit einem Sieg gegen die Blauen auf 40 Punkte kommen

Stuttgart – Die Trainerfrage für die neue Saison ist nach wie vor offen, auch viele Spielerverträge laufen am Rundenende aus – dennoch geht Fußball-Drittligist VfB Stuttgart II optimistisch ins Derby am kommenden Mittwoch (18 Uhr) gegen die Kickers: „Wir wollen mit einem Sieg auf 40 Punkte kommen“, sagt Trainer Rainer Adrion.

Herr Adrion, ist Ihr Team gerüstet fürs Derby?

(Lacht) Ja, wir sind gerüstet. Wir sind immer gerüstet, jede Woche. Aber auf diese Aufgabe freuen wir uns natürlich schon besonders.

Weil Sie aus dem Hinspiel noch etwas gutzumachen haben?

Oh, dieses verrückte 4:4 nach unserer 4:1-Führung. Die erste Halbzeit damals war das Beste, was wir in dieser Saison gezeigt haben. Gutzumachen haben wir deshalb nichts. Es wird schwer, die Kickers wirken inzwischen stabiler als in der Vorrunde, aber wir wollen mit einem Sieg auf 40 Punkte kommen.

Ihr Team holte zuletzt ein 1:1 in Paderborn. Welche Erkenntnisse brachte das Spiel?

Dass wir uns alles hart erarbeiten müssen und in jedem Spiel an die Grenze gehen müssen. Dieses Stahlbad dritte Liga ist für die Entwicklung unserer Talente genau das Richtige.

An Patrick Funk und Marco Pischorn zeigt unter anderem Zweitligist FC Augsburg Interesse.

Also, den Patrick Funk geben wir sicher nicht ab. Das kann sich jeder Verein abschminken. Wir wollen unsere Jungen Wilden selbst ausbilden. Pischorn war schon bei den Profis, kam wieder zurück und spielt derzeit überragend. Er kann mindestens zweite Liga spielen, hat aber bei uns noch einen Vertrag bis 2010.

Viele andere Spielerverträge laufen aus, Ihr Nachfolger steht auch noch nicht fest. Sorgt dies nicht für Unruhe im Team?

Es stimmt, dass es noch mehrere Hängepartien gibt. Deshalb machen sich viele Gedanken um ihre Zukunft. Aber solange die Personalie Markus Babbel bei den Profis nicht endgültig geklärt ist, liegen eben viele Dinge in der Schwebe.

Ihre künftige Mannschaft, die deutsche U 21, scheint Sie dringend zu gebrauchen?

0:4 gegen Holland, vier Gegentore in einer Halbzeit, das klingt schon herb, kann aber immer mal passieren. Solche verrückte Spiele gibt es eben – und Duelle gegen Holland sind ja auch irgendwie ein Derby.

Fragen von Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

Presse zu Stuttgarter Kickers – FC Bayern München II (0:0)

Mit dem 0:0 gut bedient
Die Kickers spielen gegen München II zu verhalten – Am 21. Juli kommen die großen Bayern

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers haben sich in der dritten Liga gegen Bayern München II mit einem 0:0 zufriedengeben müssen. Der Trainer war enttäuscht: „Mit dieser Einstellung werden wir das große Ziel Klassenverbleib nicht schaffen“, sagte Edgar Schmitt.

Von Joachim Klumpp

Einige Spieler des Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers sind gestern offensichtlich mit der Einstellung in die Partie gegangen wie manche Schüler derzeit in die Abiturprüfung: Mut zur Lücke. Beispielsweise trug Thomas Gentner die falschen Radlerhosen, so dass er vom Schiedsrichter bereits nach zwei Minuten zum Umziehen geschickt wurde; anderen fehlte wohl der Bezug zu ihrer Position, wie Bashiru Gambo, der seiner Rolle als zweiter Stürmer nur unzureichend nachkam, so dass der Trainer Edgar Schmitt ihn kurz nach der Halbzeit auswechselte und nach dem 0:0 sehr verärgert war: „Weniger wegen dem Ergebnis, als wegen der unprofessionellen Einstellung. Wenn wir so weitermachen, werden wir das große Ziel Klassenverbleib jedenfalls nicht schaffen.“ Das saß.

Unabhängig von Nebenkriegsschauplätzen wie der korrekten Kleidung fällt bei den Kickers in diesem Jahr auf, dass die Mannschaft recht verhalten in ihre Heimspiele geht, zögerlich, fast ängstlich. Das war schon gegen Unterhaching so, gegen Erfurt – und gestern auch gegen die kleinen Bayern, deren Trainer Hermann Gerland sagte: „Wir haben in den ersten zwanzig Minuten gezeigt, dass wir etwas Fußball spielen können und müssen auch in Führung gehen.“ Vor allem Daniel Sikorski hatte zweimal (7. und 13.) das 1:0 auf dem Fuß und Kopf, scheiterte aber jeweils am Aluminium.

Die Kickers, bei denen kurzfristig der Kapitän Alexander Rosen wegen einer Bindehautentzündung ausfieI („Es ist schlecht, wenn man als Fußballer nichts sieht“), kamen jedenfalls ganz schwer ins Spiel und hätten sich auch nicht beklagen dürfen, wenn der Schiedsrichter nach einem Zusammenprall zwischen dem Torwart Manuel Salz und Münchens Müller auf Elfmeter entschieden hätte. „Mit dem 0:0 zur Pause waren wir gut bedient“, gab der Aufsichtsratvorsitzende Rainer Lorz zu. So sah es wohl auch der Trainer, der wetterte: „Wenn jeder macht, was er will, haben wir keine Chance.“

Nach dem Wechsel wurde es dann besser, die Kickers wirkten zielstrebiger, wozu auch die Einwechslung von Michael Schürg beitrug. Dennoch sagte Schmitt später: „Ich hatte nie das Gefühl, dass wir gewinnen.“ Daran änderte selbst Benedikt Deigendeschs Lattentreffer (84.) nichts – und verdient wären die drei Punkte auch nicht gewesen. Für die Bayern, die ohne den an der Hand verletzten Torhüter Jörg Butt angereist waren, aber auch nicht (Gerland: „Am Ende wurde es immer weniger“), so dass unterm Strich ein gerechtes Remis stand. „Damit müssen und können wir leben“, sagte der Kickers-Manager Joachim Cast, auch wenn die Mannschaft in der Tabelle weder Punkte noch Boden gutgemacht hat. Der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz beträgt weiter vier Zähler. Wie sagte Lorz: „Noch ist nichts verloren.“

Die nächsten Aufgaben warten schon: Bereits am Mittwoch steht das Derby bei den VfB-Amateuren (im heimischen Gazi-Stadion) auf dem Programm, sechs Tage später kommt es zum Aufeinandertreffen mit den Offenbacher Kickers. „Das sind zwei wichtige Spiele“, so Lorz, die bereits mit darüber entscheiden können, ob die Kickers am Saisonende noch einmal versetzt werden.

Unabhängig wie diese Saison verläuft, werden die Münchner Bayern aber wiederkommen – und zwar mit den Profis. Denn zum Abschluss des Tages gab das Präsidiumsmitglied Dieter Wahl gestern bekannt, dass der deutsche Rekordmeister am 21. Juli im Rahmen des ADM-Gedenkjahres in Degerloch gastieren wird. Und das war dann doch noch so etwas wie ein Sieg.

Stuttgart: Salz – Steinle, Traub, Mann, Gentner – Deigendesch, Tucci (53. Traut), Ortlieb, Landeka (76. Köpf) – Gambo (53. Schürg), Smeekes.

München: Riedmüller – Badstuber, Kopplin, Saba, Contento – Schütz – Fürstner, Ekici (62. Duhnke/88. Schürf), Haas – Müller, Sikorski.

Schiedsrichter: Tino Wenkel (Mühlhausen).

Zuschauer: 3770.

Stuttgarter Zeitung

0:0 – Schmitt lässt Dampf ab
Kickers-Trainer kritisiert mangelnde Professionalität: „So schaffen wir“s nicht“

Stuttgart – Für ein Schlusslicht, das Boden gutmachen muss, war es eindeutig zu wenig. Beim 0:0 des Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers gegen den FC Bayern München II versäumten es die Blauen vom Anpfiff weg, den nötigen Druck aufzubauen.

VON JÜRGEN FREY

So kannte man Edgar Schmitt schon als Spieler. Immer unter Strom, auch noch nach dem Schlusspfiff. Das hat sich als Trainer nicht geändert. Der Kickers-Coach ließ nach den 90 Minuten Dampf ab. Und das nicht zu knapp. Weniger vom Ergebnis sei er enttäuscht, sagte der 45-Jährige, sondern von der Einstellung der Mannschaft. „Da haben manche die falsche Radlerhose an, andere müssen die Schuhe wechseln“, schimpfte Schmitt – und kam zu der Erkenntnis: „So haben wir keine Chance.“

Der Mann war auf 180. Thomas Gentner wurde vom Schiedsrichter, als das Spiel schon lief, wieder in die Kabine geschickt. Seine Radlerhose hatte nicht die richtige Farbe. Orlando Smeekes zog sich während der Partie neue Kickstiefel an. Das waren die Beispiele, die Schmitt in Rage brachten. Was hinter dem Wutausbruch steckt, dürfte klar sein: Der Ex-Profi hat inzwischen erkannt, dass die Aufholjagd nur dann erfolgreich endet, wenn alles passt. Dazu gehören nun mal auch Kleinigkeiten.

Vor der Pause fehlte es den Blauen gegen die Bayern jedoch an elementaren Dingen. Ohne Kapitän Alexander Rosen (Bindehautentzündung) und Mustafa Parmak (Sprunggelenkverletzung) fehlte den Blauen ein Chef im Team, der die Bälle verteilt. Die Staffelung im Mittelfeld passte nicht. Hinzu kam, dass die Kickers viel zu ängstlich zur Sache gingen und die technisch starken Bayern spielen ließen. Folge: Zwei Riesenchancen für den Bundesliga-Nachwuchs durch Daniel Sikorski (12.) und Mehmet Ekici (15.). „Wenn man solche Möglichkeiten vergibt, hat man es auch nicht verdient zu gewinnen“, sagte Bayern-Trainer Hermann Gerland.

Nach dem Wechsel ein völlig anderes Bild. Die Bayern stellten ihre Offensivbemühungen praktisch ein. Die Blauen drückten aufs Tempo. Teilweise gab es sehenswerte Kombinationen. Doch glasklare Chancen blieben bis auf einen Lattenschuss durch Benedikt Deigendesch (82.) aus. „Wir haben zu wenig investiert, den Sieg zu wenig versucht zu erzwingen“, klagte Innenverteidiger Marcus Mann. Es fehlte das letzte Risiko. Das wiederum wollte Schmitt nicht gelten lassen. „Vor einem halben Jahr wussten hier manche noch nicht, wie sie die Schuhe binden sollen, wir können jetzt nicht plötzlich die Welt einreißen“, sagte er. Irgendwie war gestern nicht der Tag des Edgar Schmitt. Selbst die Nachricht, dass der FC Bayern mit seiner Bundesligatruppe am 21. Juli zum Benefizspiel ins Gazistadion kommt, konnte seine Laune nicht verbessern.

Stuttgarter Nachrichten

Zu wenig
Die Stuttgarter Kickers lassen beim 0:0 gegen den FC Bayern München II den nötigen Biss vermissen

Stuttgart – Für die Stuttgarter Kickers hat sich in der Tabelle der dritten Fußball-Liga nicht viel getan. Zwar holte das Schlusslicht zu Hause beim 0:0 gegen den FC Bayern München II einen Punkt, aber der Abstand auf die Nichtabstiegsplätze ist mit vier Zählern gleich geblieben – und das auch, weil die „Blauen“ den im Abstiegskampf nötigen Biss vermissen ließen.

Von Beate Wockenfuß

„Das ist Einstellungssache – und sonst nichts“, schimpfte Kickers-Trainer Edgar Schmitt. Dann warf er seinen Schützlingen gar Unprofessionalität vor. „Was da einige gebracht haben, war eine Katastrophe“, wetterte der Trainer, der schon nach 25 Minuten alle sechs Ersatzspieler zum Warmmachen geschickt hatte. „Der eine trägt schwarze Radlerhosen, was nicht erlaubt ist, der andere zieht mitten im Spiel die Schuhe aus, die Stürmer schießen Freistöße – da werde ich wahnsinnig“, tobte Schmitt und war kaum zu beruhigen: „Wenn wir die nächsten Spiele so angehen wie heute und jeder macht was er will, dann erreichen wir unser Ziel nicht.“Der Manöverkritik ging eine absolut schwache erste Hälfte der „Blauen“ voraus – und eine zweite, die zu wünschen übrig ließ. Die „kleinen“ Bayern beherrschten vor allem in den ersten 30 Minuten das Geschehen, waren optisch und spielerisch überlegen, verpassten es allerdings, aus ihren Chancen Tore zu machen. Die größte Möglichkeit vergab Daniel Sikorski in der 12. Minute als er per Kopf nur die Latte traf. Dagegen fand die Heimelf, die ohne ihren Kapitän Alexander Rosen (Bindehautentzündung) antreten musste, in dieser Phase überhaupt nicht ins Spiel. Das besserte sich erst nach der Pause, als die Gäste stetig nachließen. Die Kickers kämpften, waren aber nicht in der Lage, daraus Kapital zu schlagen. Zwar trafen auch Josip Landeka (60.) und Benedikt Deigendesch (83.) das Gehäuse, aber das Bemühen war für eine Mannschaft, die so tief im Abstiegskampf steckt, zu wenig. „In unserer Situation muss man in so einem Spiel auch mal den Sieg erzwingen“, klagte Innenverteidiger Marcus Mann. Und: „Wir haben nach vorne zu wenig Druck gemacht, einfach zu wenig investiert.“ Auch Manager Joachim Cast attestierte der Mannschaft Passivität: „Wir haben die Bayern zu viel spielen lassen und unsere Ordnung nicht gehalten.“ Alles, was zuletzt beim Sieg gegen Kickers Emden ideal gelaufen sei, habe diesmal nicht gepasst. Elf Spiele haben die „Blauen“ noch Zeit, um sich zu retten. Schließlich wollen sie den Profis des FC Bayern München beim nächsten ADM-Gedenkspiel am 21. Juli im Gazi-Stadion als Dritt- und nicht als Regionalligist gegenüberstehen.

Statistik

Stuttgarter Kickers: Salz – Steinle, Mann, Traub, Gentner – Deigendesch, Ortlieb, Landeka (76. Köpf) – Tucci (52. Traut) – Gambo (52. Schürg), Smeekes.

FC Bayern München II: Riedmüller – Kopplin, Schütz, Saba, Contento – Badstuber – Fürstner, Ekici (62. Duhnke/88. Schürf), Haas – Sikorski, Müller.

Schiedsrichter: Wenkel (Mühlhausen).

Zuschauer: 3770.

Gelbe Karten: Deigendesch / Ekici, Haas.

Beste Spieler: Salz, Steinle / Ekici, Sikorski.

Esslinger Zeitung

Deigendesch vergibt die Chance zum Sieg
Sikorski trifft nur die Latte
Bayerns Amateure kamen beim Tabellenletzten aus Stuttgart nicht über ein 0:0 hinaus, hatten dabei mit zwei Lattentreffern durch Sikorski Pech. Die Kickers, bei denen Landeka und Deigendesch ebenfalls nur das Gebälk trafen, kommen nicht näher an das rettende Ufer.

Kickers Coach Edgar Schmitt veränderte sein Team im Vergleich zum 1:0-Auswärtssieg in Emden auf zwei Positionen: Für Kettemann, der ein Mittelfußbruch erlitt, stand Landeka in der Anfangsformation, und Tucci begann für Rosen. Auf Seiten der Münchner nahm Trainer Hermann Gerland nach dem 4:0-Sieg zuhause gegen Aalen gleich drei Umstellungen vor: Im Tor ersetzte Riedmüller Butt. Außerdem standen Kopplin und Fürstner für Heinze und Kakoko in der Anfangself.

Die „kleinen“ Bayern bestimmten die Anfangsphase: Sikorski scheiterte zweimal an der Latte (8.,13.). Ekici konnte mit einem Volleyschuss aus fünf Metern den Ball nicht im Tor der Kickers unterbringen (16.). Auch Thomas Müller wurde wenig später nach einem schönen Solo im letzten Moment vom Ball getrennt (23.).

In der Folgezeit verflachte die Partie, doch fast gingen die Kickers kurz vor der Halbzeit in Führung. Allerdings schoss Tucci nach schöner Körpertäuschung über das Tor (45.).

Nach dem Seitenwechsel erarbeiteten sich die Schwaben ein leichtes Übergewicht. Trauts Schuss konnte Riedmüller sicher halten (55.). Nach einem Freistoß von Landeka rettete erneut die Latte – diesmal allerdings für die Gäste (59.).

Kurz vor dem Ende die Chance zum Sieg für die Kickers: Zum vierten Mal in diesem Spiel ging der Ball allerdings nur an das Gebälk – diesmal nach einem Schuss von Deigendesch (84.).

Die Stuttgarter Kickers sind am nächsten Mittwoch zu Gast beim VfB Stuttgart II. Bayerns Amateure empfangen am kommenden Mittwoch Fortuna Düsseldorf.

Kicker