StZ: Bei den Kickers herrscht Ruhe

Zeidler macht sich ein genaues Bild
 
STUTTGART (ump). Peter Zeidler kann sich über mangelnde Arbeit derzeit nicht beklagen. Der Nochtrainer des 1. FC Nürnberg II nutzt jede freie Minute, um sich ein Bild über seinen neuen Arbeitgeber Stuttgarter Kickers und dessen Personal zu machen. So weilte er am Samstag beim Spiel der zweiten Mannschaft, nachdem er 17 Stunden zuvor noch Augenzeuge des etwas glücklichen 1:0-Sieges der Regionalligaelf beim SSV Reutlingen gewesen ist. „Ein wichtiger Sieg“, so Zeidler.

Auch der künftige Trainer weiß genau: jetzt herrscht erst einmal wieder Ruhe unterm Fernsehturm. Der Präsident Dirk Eichelbaum sagte dazu nur: „Bei einer Niederlage wäre ja klar gewesen, was für eine Frage kommt.“ Die nach dem Trainer Robin Dutt und einer möglichen vorzeitigen Ablösung. Dutt zeigte sich gelassen, nach einer Woche, in der ein etwas raueres Klima geherrscht hatte. „Im Training war ich etwas wortkarger als sonst“, sagte Dutt und fügte zu: „Die Mannschaft hat viel Kritik einstecken müssen, nun soll sie auch das Lob abbekommen.“ Für eine taktisch disziplinierte Leistung, keine Fußballgala wohlgemerkt.

„Wichtig war, dass wir die richtige Antwort gegeben haben“, sagte der Kapitän Jens Härter. Schließlich will sich der eine oder andere Spieler noch empfehlen. Marco Wildersinn (gegen Reutlingens Torjäger Haas) ist das gut gelungen, Nico Kanitz (spielte nur 18 Minuten) weniger. Der Manager Joachim Cast gibt zu: „Für ihn ist es schwer, wenn er kaum Chancen zu Bewährung bekommt.“ Die Zeichen stehen auf Trennung. Dagegen haben die Kickers dem umworbenen Manuel Hartmann ein deutlich verbessertes Angebot unterbreitet, und der neue Trainer hat ihn als einen der ersten Spieler kontaktiert: „Ich habe mit ihm gesprochen und gesagt, dass ich große Stücke auf ihn halte“, sagt Zeidler, der hinzufügt: „Ansonsten schauen wir für alle Mannschaftsbereiche – außer der Torwartposition – nach neuen Leuten.“

Naheliegend wäre, die eine oder andere Verstärkung aus Nürnberg mitzubringen. Im Sturm etwa Pagenburg (der Siegtorschütze bei den Profis vom Samstag) oder auch Christoph Weber, die einen Lizenzspielervertrag haben. „Die Überlegung hatte ich auch“, gibt Zeidler zu, allerdings hat die Sache einen Haken: „Die guten Spieler wird der Club nicht ausleihen – schließlich will sich der Verein nächste Saison unbedingt für die Regionalliga qualifizieren.“ Dafür muss in der Bayernliga einer der ersten vier Plätze geschafft werden, so sehen es die am Freitag vom DFB bestätigten Kriterien vor.

Strenge Anforderungen gelten auch beim Sprung in die zweite Liga, für die sich der SV Wehen sportlich so gut wie qualifiziert hat. Gerüchte, dass der Verein keine Lizenz bekomme, hält der Kickers-Präsident zwar für unwahrscheinlich, dennoch gibt er die Devise aus: Jeder Punkt zählt. „Wenn es doch so weit kommen würde, wäre es ja doppelt ärgerlich, wenn wir am Ende leichtfertig einen besseren Platz verspielt hätten.“

Stuttgarter Zeitung

Erfolgerlebnis!

Mit 1:0 gewannen die Stuttgarter Kickers im Derby beim SSV 05 Reutlingen. Manuel Hartmann sorgte quasi mit dem Halbzeitpfiff für das lang ersehnte Erfolgserlebnis der Blauen.

Die Blauen rangieren damit vorerst auf dem vierten Tabellenplatz. Nächstes Wochenende erwarten die Kickers den Tabellensiebzehnten FC Pirmasens. Im Hinspiel setze es die erste Saisonniederlage für die Kickers.
Die Kickers spielten mit:
Yelldell; Stierle, Härter, Wildersinn, Benda; Parmak, Hartmann, Gambo (79. Kanyuk), Weller (72. Kanitz); Tucci, Dundee (66. Yildiz)

Vorberichte: SSV Reutlingen – Stuttgarter Kickers – Teil II

„Gefahr einer Insolvenz sehe ich nicht“

Manager Joachim Cast von den Stuttgarter Kickers im TAGBLATT-Interview vor dem heutigen Derby in Reutlingen

STUTTGART. Turbulente Tage bei Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers: Erst der Rücktritt von Präsident Hans Kullen, dann dessen Rückforderung seiner Darlehen in Höhe von rund 450000 Euro. Auch sportlich läuft es beim Tabellenfünften derzeit nicht gut: Nur einen Punkt haben die Kickers in den vergangenen drei Spielen geholt. „Diese Woche haben wir mit den Spielern Klartext gesprochen“, sagt Stuttgarts Manager Joachim Cast im TAGBLATT-Interview vor dem Spiel der Kickers beim SSV Reutlingen am heutigen Freitag (19 Uhr).
TAGBLATT: Herr Cast, was hat sich für Sie und Ihre Arbeit verändert, seit Hans Kullen nicht mehr Präsident der Kickers ist?

Joachim Cast: Ich stochere grundsätzlich nicht in der Vergangenheit herum. Auf jeden Fall hat Hans Kullen viel für den Verein geleistet. Auch ich selbst habe ihm viel zu verdanken, er hat mir schließlich den Job bei den Kickers verschafft. Wir haben jetzt in der neuen Konstellation die Kompetenzen und Aufgabengebiete klar verteilt und abgegrenzt, mehr gibt es hierzu nicht zu sagen.

Aber wenn Kullen mit seiner Rückforderung von 450000 Euro, die er den Kickers als Darlehen gegeben hat, durchkommt, dann droht dem Verein die Insolvenz, oder?

Fakt ist: Er hat dem Verein vor etwa vier Jahren ein Darlehen gegeben um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu gewährleisten. Durch die alljährlichen Rangrücktrittserklärungen, die im Rahmen der Lizenzierung von ihm und anderen Gläubigern gegeben wurden, hat der Verein das Problem quasi immer vor sich hergeschoben. Um den künftigen Ablauf kümmern sich nun die Juristen. Ich bin mir sicher, dass hier tragfähige Lösungen gefunden werden. Die Gefahr einer Insolvenz sehe ich daher nicht. Ich lasse mich aber dadurch auch nicht in meiner operativen und strategischen Arbeit beeinflussen und beschäftige mich jetzt, nachdem wir mit Peter Zeidler einen neuen Trainer verpflichtet haben, mit der Kaderplanung für die kommende Saison.

Was hat für Trainer Zeidler gesprochen?

Er kennt die Region, er kennt die Regionalliga als früherer Trainer in Aalen, er kennt die Kickers, er kommt aus der Region. Er hat beim 1. FC NürnbergII mit jungen Leuten gearbeitet und sie an die Bundesliga herangeführt. Ich schätze seine pädagogischen und psychologischen Fähigkeiten, gerade im Umgang mit jungen Leuten. Zudem hat er sich in den Gesprächen hervorragend präsentiert.

Bei der Kaderplanung hat der SSV Reutlingen mit den Kickers konkurriert um den U23-Spieler Bastian Bischoff…

…dessen Vertrag bei uns ausläuft. Er hatte seit vier Wochen ein verbessertes Angebot von uns. Das hat er gestern allerdings abgelehnt. Wir planen daher ohne ihn. Bischoff muss wissen, dass er vor zwei Jahren aus der Bezirksliga gekommen ist und bei uns die Aufstiegsmöglichkeit in die Regionalliga bekommen hat. Wir wollten finanziell aber nicht über das festgesetzte Limit hinausgehen. Der SSV hat allerdings in Absprache mit uns Kontakt zu Bischoff aufgenommen, das war alles korrekt.

Was kommt nächste Saison auf die Kickers zu?

Für uns ist es existenziell wichtig, dass wir uns für die eingleisige Dritte Liga qualifizieren. Wenn nicht, kann ich meinen Schlüssel abgeben, dann wird es die Kickers in dieser Form nicht mehr geben. Aber daran verschwende ich keinen Gedanken. Überdies geht es den meisten Regionalligisten so – auch der SSV Reutlingen hätte Probleme, wenn er sich nicht qualifiziert. Es wird das vielzitierte Hauen und Stechen um die Plätze geben, da werden vielleicht einige Klubs über ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten hinaus investieren. Wir werden die nächste Saison trotz allem mit Augenmaß und solider Vereinsführung angehen.

Sie waren zwischen 1995 und 2001 beim SSV Reutlingen. Was sagen Sie zur Entwicklung Ihres Ex-Klubs?

Die sehe ich sehr positiv. Unter Peter Starzmann wird sehr solide und kontinuierlich gearbeitet. Tabellenplatz sechs ist die logische Folge. Auch wirtschaftlich scheint mittlerweile unter der Federführung von Klaus Weiss alles wieder in geregelten Bahnen zu verlaufen.

Die Kickers haben zuletzt zwei Mal zuhause verloren . Da wird sich die Begeisterung auf der Waldau in Grenzen halten, oder?

Die Fans sind schon schwer enttäuscht, vor allem beim 0:3 gegen Siegen vor einer Woche war die Leistung indiskutabel. Diese Woche haben wir mit den Spielern Klartext gesprochen, jetzt muss in Reutlingen die Reaktion der Mannschaft folgen. Beide Mannschaften brauchen aber noch Punkte, denn die Liga ist sehr eng zusammengerückt.

Fragen von Thomas de Marco

Schwäbisches Tageblatt

SSV: Heute Abend Lokalderby gegen die Kickers

Freitag, der 13., kann Trainer Peter Starzmann vom Fußball-Regionalligisten SSV Reutlingen vor dem Lokalderby heute Abend (19 Uhr) gegen die Stuttgarter Kickers nicht schrecken.

„Freitag ist mir der liebste Tag, da haben wir abends immer gepunktet seit ich Trainer in Reutlingen bin“, sagt er. Das wäre auch gegen die Kickers nicht schlecht, denn noch müssen die Reutlinger aufpassen, dass sie nach unten nicht noch in Gefahr geraten. „Wir sollten hellwach bleiben und unsere Hausaufgaben machen“, sagt Starzmann.

Fehlen wird heute Abend allerdings Abwehrspieler Volker Grimminger, dessen Knieverletzung vom Spiel in Pirmasens (1:1) am vergangenen Samstag sich als Innenbandabriss herausstellte: Er fällt vier Wochen aus. Gefährdet ist auch der Einsatz von Mittelfeldspieler Oliver Otto, der einen Schlag auf die Wade abbekommen hat. Bei den Stuttgarter Kickers hat sich der verletzte Ex-Bundesligaspieler Sean Dundee (Karlsruher SC und VfB Stuttgart) zurückgemeldet.

Starzmann rechnet mit bis zu 5000 Zuschauern heute Abend an der Kreuzeiche. „Der Vorverkauf hat in den vergangenen Tagen enorm angezogen“, sagt der SSV-Trainer, „das wird ein richtig schönes Derby.“ Angesagt hätte sich neben Trainer Ralf Rangnick vom Liga-Konkurrenten Hoffenheim unter anderem auch eine Delegation vom Bundesligisten Energie Cottbus auf Beobachtungstour.

Schwäbisches Tageblatt

SSV Reutlingen – Strömen heute 5 000 Zuschauer ins Kreuzeiche-Stadion? Trainer-Lob für Oliver Otto 
 
Peter Starzmann verspricht Tore 
 
VON MANFRED KRETSCHMER 
 
REUTLINGEN. SSV-Marketing-Manager Harald Prinz rechnet mit über 4 000 Zuschauern, Trainer Peter Starzmann hofft auf mehr als 5 000 Fans. Wenn sich heute ab 19 Uhr in der Fußball-Regionalliga Süd Reutlingen und die Stuttgarter Kickers gegenüberstehen, dürfte es im Kreuzeiche-Stadion vor Spannung knistern. Und einige Prominente der Fußball-Branche werden auf der Tribüne Platz nehmen: Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick hat sich ebenso angesagt wie zwei Spielbeobachter des Bundesligisten Energie Cottbus.

SSV Reutlingen kontra Stuttgarter Kickers – immer wenn dieses Derby angesagt ist, lässt sich Starzmann zu einer Prognose hinreißen. Vor dem Hinspiel verkündete er vollmundig, dass es auf gar keinen Fall ein 0:0 geben werde. Und wie endete das Spiel? 0:0. Diesmal sagt der Reutlinger Kommandogeber: »Es werden Tore fallen. Dieses Derby setzt bei beiden Mannschaften Kräfte frei.« Sein Gegenüber Robin Dutt von den Kickers meint dazu lapidar: »Ich hoffe für die Zuschauer, dass Tore fallen.«

Beim SSV wird es gegenüber dem vergangenen Samstag, als in Pirmasens ein 1:1-Remis heraussprang, mindestens eine Änderung geben. Thomas Scheuring rückt für den verletzten Volker Grimminger auf die rechte Seite in der Abwehr-Viererkette. Scheuring fehlte zuletzt krankheitsbedingt. Er muss aber heute ran, weil Starzmann auf dieser Position kaum Alternativen hat.

Angeschlagen sind bei den Hausherren Torhüter Erol Sabanov (Bänderdehnung im Knie) und Oliver Otto (starke Wadenprellung). Apropos Otto: Für Starzmann ist der 34-Jährige »unser konstantester Spieler im Jahr 2007«. Der defensive Mittelfeldspieler erlebt derzeit seinen zweiten Frühling.

Routinier hält Vortrag

Der Coach bat deshalb den ehemaligen Jugend-Nationalspieler um einen kleinen Vortrag vor seinen Mitspielern. Starzmann: »Er sollte der Mannschaft sagen, wie er unter der Woche lebt und was er am Spieltag macht, um sein körperliches und mentales Leistungsniveau abzurufen.« Der Coach möchte mit dieser Maßnahme die Eigenmotivation seiner Schützlinge weiter stärken.

Im Aufgebot der Stuttgarter Kickers steht heute ein Akteur, der möglicherweise nächste Runde das Reutlinger Trikot überstreift: Bastian Bischoff. Der 22-jährige Stürmer aus Bad Urach, der einst für den TSV Wittlingen in der Bezirksliga Alb spielte, wird die »Blauen« zum Saisonende definitiv verlassen. Eine Entscheidung pro SSV sei allerdings noch nicht gefallen, so Starzmann. (GEA)

Reutlinger General-Anzeiger

StZ: Das Doppelinterview mit den Managern J. Cast u. H. Prinz

„Die dritte Liga kommt zu früh“
 
DAS DOPPELINTERVIEW

Das Derby heute Abend in der Fußball-Regionalliga zwischen dem SSV Reutlingen und den Stuttgarter Kickers (19 Uhr, Kreuzeiche) wirft bereits einen Schatten auf die nächste Saison, in der es um die Qualifikation für die neue eingleisige dritte Liga geht. Matthias A. Schmid und Marko Schumacher haben den beiden Managern Harald Prinz (SSV) und Joachim Cast (Kickers) sechs Fragen dazu gestellt.

Im nächsten Jahr kämpfen Ihre Klubs um die Qualifikation für die neue eingleisige dritte Liga. Das erfordert auch einen höheren Etat. Sind die Sponsoren denn großzügiger als bisher?

Cast (Kickers): Bisher nicht. Wir planen wie dieses Jahr mit einem Etat von 2,4 Millionen Euro und werden uns damit im unteren Drittel bewegen. Natürlich hoffen wir, dass noch etwas dazukommt.

Prinz (SSV): Wie heißt es denn so schön: Geld schießt zwar keine Tore, Armut aber auch nicht. Die Unternehmer müssen natürlich mit ins Boot, sonst funktioniert es nicht. Das wissen alle.
Was erhoffen Sie sich eigentlich von der dritten Liga?

Cast (Kickers): Natürlich wird es für die Zuschauer am Anfang attraktiver. Allerdings gibt es zu viele Fragezeichen und zu viele Unwägbarkeiten. Die Konzeption der dritten Liga ist im Grundsatz zwar in Ordnung – sie kommt aber zu früh. Keiner weiß so genau, was einen erwartet, vor allem finanziell.

Prinz (SSV): Sportlich wird es auf jeden Fall attraktiver mit Mannschaften wie St. Pauli oder Düsseldorf. Auch finanziell dürfte es sich lohnen, die höheren Fernsehgelder würden uns auf jeden Fall gut tun. Auch erhoffen wir uns einen größeren Zuschauerzuspruch, vergleichbar mit den Zweitligazeiten.

Welche besonderen Auflagen müssen die Klubs dafür erfüllen?

Cast (Kickers): Das wissen wir noch nicht genau. Die Rede ist von höheren Anforderungen an die Infrastruktur wie Stadion und Geschäftsstelle.

Prinz (SSV): Dazu kann ich erst etwas sagen, wenn die Unterlagen Ende April von der Deutschen Fußball-Liga zurückkommen.

Welche infrastrukturellen Voraussetzungen vom Gegner hätten Sie gerne?

Cast (Kickers): Da fällt mir spontan die Haupttribüne des Reutlinger Kreuzeichestadions ein. Ausstattung, Komfort und Sicht sind bundesligatauglich. Die würde ich sofort nehmen.

Prinz (SSV): Ich bin noch zu frisch im Geschäft, um mich darüber äußern zu können. Aber die Kickers haben eine große Vergangenheit und einen umtriebigen Manager Joachim Cast.

Wie beurteilen Sie generell die Arbeit Ihres Gegners?

Cast (Kickers): Die Entwicklung ist äußerst positiv. Es ist sensationell, was dort in den vergangenen Jahren geleistet wurde. Wirtschaftlich hat man wieder eine solide Basis, und sportlich hat Peter Starzmann eine eingespielte, intakte Mannschaft auf die Beine gestellt.

Prinz (SSV): Hinter den Kickers liegen seit dem Rücktritt von Dünnwald-Metzler unruhige Zeiten. Doch der Verein hat sich wieder berappelt. Sie tun sich aber als Nummer zwei in der Stadt hinter dem großen VfB schwer, geeignete Sponsoren zu finden.

Abschließend Ihr Tipp zum Spiel?

Cast (Kickers): Ich tippe grundsätzlich nicht.

Prinz (SSV): Der SSV gewinnt mit 2:1.

Stuttgarter Zeitung

Kicker: Stuttgart: Der neue Kickers-Coach Zeidler

„Das Ziel ist klar formuliert“

Am 1. Juli tritt Peter Zeidler, der im Moment noch 1. FC Nürnberg II trainiert, bei den Stuttgarter Kickers die Nachfolge von Robin Dutt an, der zum SC Freiburg wechselt. Im kicker-Interview äußert sich der 44-Jährige über Ziele, Pläne und Visionen.
Peter Zeidler

kicker: Herr Zeidler, Sie wollten den Job bei den Kickers unbedingt. Warum?

Peter Zeidler: Die Kickers sind ein Traditionsverein, den ich schon lange beobachte. Die gesamte Konzeption, die in den Gesprächen dargelegt wurde, hat mich überzeugt. Der Verein ist mit der Oberligamannschaft und der hervorragenden Jugendarbeit sehr gut aufgestellt. Hier zu arbeiten, reizt mich sehr.

kicker: Im Umfeld gibt es immer wieder Unruhen, zuletzt durch den Rücktritt von Präsident Hans Kullen. Hat Sie das nicht abgeschreckt?

Zeidler: Ich kann mich nur zum neuen Präsidium äußern. Da habe ich sehr gute Gespräche geführt, die mich beeindruckt haben. Was mir wichtig ist: Es ist ein gutes Gefühl, in Joachim Cast einen kompetenten Manager im Verein zu wissen. Ich habe erlebt, wie es ist, wenn das nicht gegeben ist. Da sind einem die Hände gebunden.

kicker: Die Kickers sind finanziell nicht auf Rosen gebettet, dennoch wird die Qualifikation für die eingleisige Dritte Liga von Ihnen erwartet.

Zeidler: Das Ziel ist klar formuliert. Das schaffen wir, wenn wir fleißig arbeiten. Im finanziellen Bereich gehören wir in der kommenden Saison sicher nicht zu den Top-Teams. Deshalb ist mir wichtig, die Situation realistisch einzuschätzen. Mehr als die Qualifikation für die Dritte Liga ist zunächst nicht drin.

Interview: Sigor Paesler

Kicker

GEA: Hans Kullen – ein Mann der Taten

Fußball – Der ehemalige SSV-Präsident genießt seine Freizeit. Bei den Kickers 601 000 Euro Plus erwirtschaftet  
 
VON MANFRED KRETSCHMER 
 
REUTLINGEN. Hans Kullen ist mit sich im Reinen. »Am Freitag komme ich ins Kreuzeiche-Stadion und schaue mir das Regionalliga-Spiel zwischen Reutlingen und den Stuttgarter Kickers an«, sagt der 65-Jährige. Er lächelt. Und fügt hinzu: »Ich war zuletzt bei fast jedem SSV-Heimspiel dabei.« 

Hans Kullen hat mit den beiden schwäbischen Traditions-Klubs eine ganz besondere Beziehung. Beim SSV übernahm er während der Turbulenzen nach dem Zweitliga-Abstieg das Ruder und verewigte sich wenig später als »66-Tage-Präsident« in den Annalen. Kurze Zeit danach stieg der Versicherungskaufmann bei den Stuttgarter Kickers als Vereinschef ein. Dieses Amt legte er kürzlich nach dreieinhalb Jahren nieder.

»Verstehe nicht, dass man von mir erwartet, Geld zu verschenken«

Hans Kullen und die Stuttgarter Kickers – dieses Kapitel ist längst nicht geschlossen. Vor wenigen Tagen machte die Kunde die Runde, dass der in Reicheneck wohnende Hülbener von den Kickers Geld will. Er fordert die Rückzahlung seines Darlehens in Höhe von 437 000 Euro. Damit bringt er das neue Führungsgremium auf der Waldau mächtig ins Schwitzen. Denn dieses möchte den für die nächste Fußball-Regionalliga-Saison vorgesehenen Etat in Höhe von 2,4 Millionen Euro kräftig erhöhen. Der Aufsichtsrat um Ex-Nationalspieler Walter Kelsch plant eine Haushalts-Aufstockung um ein bis zwei Millionen Euro. Die Macher auf der Waldau sind deshalb alles andere als erfreut, demnächst ein Darlehen zurückzahlen zu müssen.

»Für mich ist es neu, dass es ein Verbrechen ist, wenn einer sein Geld zurück will. Ich verstehe nicht, weshalb man von mir erwartet, Geld zu verschenken«, formuliert Kullen. Wegen einer »Rang-rücktrittsvereinbarung« bis 30. Juni 2008 dürfte er die gesamte Summe erst in gut einem Jahr erhalten. Aber: Eine Zinsverzichtserklärung hat Kullen, im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, diesmal nicht unterschrieben. »Ich will meine Zinsen zum 30. Juni 2007 und das Darlehen spätestens in einem Jahr«, erklärt er unmissverständlich.

Weshalb hat Kullen die Brocken nach dreieinhalb Jahren als erster Mann der »Blauen« hingeworfen? Kurz vor seinem Rücktritt, so war zu hören, habe der Aufsichtsrat Kullen das Misstrauen ausgesprochen – er sei teamunfähig und habe wichtige Entscheidungen mit dem Kontrollgremium nicht abgestimmt.

Kullen wiederum erklärt, er habe schon vor geraumer Zeit seinen Ausstieg zum 30. Juni diesen Jahres angekündigt. »Auf finanziellem Gebiet hatte ich keine Unterstützung. Ich wollte nicht weiterhin den Alleinunterhalter spielen.«

Vor allem die Mitglieder des Aufsichtsrates hätten sich nicht genügend engagiert. Kullen machte übrigens nicht als einziger den Abflug – auch seine Präsidiumskollegen Dieter Wahl, Jürgen Köhn und Edgar Kurz zogen sich zurück. Mit seiner hemdsärmeligen Art eckte Kullen in der Kickers-Familie immer wieder an. Er ist nun mal ein Mann der offenen Worte, ein Mann der Taten. »Mein Motto heißt: Nicht nur reden, sondern tun«, so Kullen.

Und getan hat er sehr viel beim Ex-Bundesligisten. Seine Bilanz ist imposant. »Als ich kam, stand der Verein vor der Insolvenz; als ich ging, war ein Plus von 601 000 Euro da.«

»Ich wollte nicht weiterhin den Alleinunterhalter spielen«

Kullen erinnert sich, dass er vor seiner Wahl zum Kickers-Präsidenten geleimt worden war. »Man hat mir 21 000 Euro Miese versprochen.« In Wirklichkeit sei der Verein »total überschuldet« gewesen und zudem sportlich vor einem Scherbenhaufen gestanden. Kullen: »Die Stuttgarter Kickers wären 2003 in die Oberliga abgestiegen, sind aber letztlich drin geblieben, weil der SSV Reutlingen und Waldhof Mannheim keine Regionalliga-Lizenz erhielten.« Normalerweise hätte er sich damals gleich wieder verabschieden können von seinem neuen Amt. Doch Kullen nahm nach eigenen Angaben »mein Herz in beide Hände« und leitete die Konsolidierung ein. Sportlich ging’s aufwärts und auf wirtschaftlichem Sektor gelang ihm das Kunststück, in neun Monaten 1,2 Millionen Euro einzusparen.

Hans Kullen ist mit sich im Reinen. »Ich habe erhobenen Hauptes als Präsident der Kickers aufgehört«, verkündet er voller Stolz. In ein neues Amt drängt es ihn in diesen Tagen nicht. »Ich könnte schon längst wieder eines haben, wenn ich gewollt hätte. Ich genieße jetzt aber meine Freizeit.« Beispielsweise geht er als normaler Zuschauer ins Kreuzeiche-Stadion. Morgen Abend. Zum Derby zwischen dem SSV Reutlingen und den Stuttgarter Kickers. (GEA)

Reutlinger General-Anzeiger

Simsek und Ivanusa bleiben bei den Kickers II

Weiter auf Kontinuität setzen die Stuttgarter Kickers II: So wurden heute die Verträge mit den talentieren Spielern Gökhan Simsek und Marcel Ivanusa jeweils um ein Jahr bis 2008 verlängert. Beide Spieler sind jeweils 20 Jahre alt und spielen schon seit der Jugend bei den Kickers.
Weitere Vertragsverlängerungen im Team von Trainer Björn Hinck sollen in den nächsten Tage und Wochen erfolgen. 

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