Vorberichte: SSV Reutlingen – Stuttgarter Kickers – Teil II

„Gefahr einer Insolvenz sehe ich nicht“

Manager Joachim Cast von den Stuttgarter Kickers im TAGBLATT-Interview vor dem heutigen Derby in Reutlingen

STUTTGART. Turbulente Tage bei Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers: Erst der Rücktritt von Präsident Hans Kullen, dann dessen Rückforderung seiner Darlehen in Höhe von rund 450000 Euro. Auch sportlich läuft es beim Tabellenfünften derzeit nicht gut: Nur einen Punkt haben die Kickers in den vergangenen drei Spielen geholt. „Diese Woche haben wir mit den Spielern Klartext gesprochen“, sagt Stuttgarts Manager Joachim Cast im TAGBLATT-Interview vor dem Spiel der Kickers beim SSV Reutlingen am heutigen Freitag (19 Uhr).
TAGBLATT: Herr Cast, was hat sich für Sie und Ihre Arbeit verändert, seit Hans Kullen nicht mehr Präsident der Kickers ist?

Joachim Cast: Ich stochere grundsätzlich nicht in der Vergangenheit herum. Auf jeden Fall hat Hans Kullen viel für den Verein geleistet. Auch ich selbst habe ihm viel zu verdanken, er hat mir schließlich den Job bei den Kickers verschafft. Wir haben jetzt in der neuen Konstellation die Kompetenzen und Aufgabengebiete klar verteilt und abgegrenzt, mehr gibt es hierzu nicht zu sagen.

Aber wenn Kullen mit seiner Rückforderung von 450000 Euro, die er den Kickers als Darlehen gegeben hat, durchkommt, dann droht dem Verein die Insolvenz, oder?

Fakt ist: Er hat dem Verein vor etwa vier Jahren ein Darlehen gegeben um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu gewährleisten. Durch die alljährlichen Rangrücktrittserklärungen, die im Rahmen der Lizenzierung von ihm und anderen Gläubigern gegeben wurden, hat der Verein das Problem quasi immer vor sich hergeschoben. Um den künftigen Ablauf kümmern sich nun die Juristen. Ich bin mir sicher, dass hier tragfähige Lösungen gefunden werden. Die Gefahr einer Insolvenz sehe ich daher nicht. Ich lasse mich aber dadurch auch nicht in meiner operativen und strategischen Arbeit beeinflussen und beschäftige mich jetzt, nachdem wir mit Peter Zeidler einen neuen Trainer verpflichtet haben, mit der Kaderplanung für die kommende Saison.

Was hat für Trainer Zeidler gesprochen?

Er kennt die Region, er kennt die Regionalliga als früherer Trainer in Aalen, er kennt die Kickers, er kommt aus der Region. Er hat beim 1. FC NürnbergII mit jungen Leuten gearbeitet und sie an die Bundesliga herangeführt. Ich schätze seine pädagogischen und psychologischen Fähigkeiten, gerade im Umgang mit jungen Leuten. Zudem hat er sich in den Gesprächen hervorragend präsentiert.

Bei der Kaderplanung hat der SSV Reutlingen mit den Kickers konkurriert um den U23-Spieler Bastian Bischoff…

…dessen Vertrag bei uns ausläuft. Er hatte seit vier Wochen ein verbessertes Angebot von uns. Das hat er gestern allerdings abgelehnt. Wir planen daher ohne ihn. Bischoff muss wissen, dass er vor zwei Jahren aus der Bezirksliga gekommen ist und bei uns die Aufstiegsmöglichkeit in die Regionalliga bekommen hat. Wir wollten finanziell aber nicht über das festgesetzte Limit hinausgehen. Der SSV hat allerdings in Absprache mit uns Kontakt zu Bischoff aufgenommen, das war alles korrekt.

Was kommt nächste Saison auf die Kickers zu?

Für uns ist es existenziell wichtig, dass wir uns für die eingleisige Dritte Liga qualifizieren. Wenn nicht, kann ich meinen Schlüssel abgeben, dann wird es die Kickers in dieser Form nicht mehr geben. Aber daran verschwende ich keinen Gedanken. Überdies geht es den meisten Regionalligisten so – auch der SSV Reutlingen hätte Probleme, wenn er sich nicht qualifiziert. Es wird das vielzitierte Hauen und Stechen um die Plätze geben, da werden vielleicht einige Klubs über ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten hinaus investieren. Wir werden die nächste Saison trotz allem mit Augenmaß und solider Vereinsführung angehen.

Sie waren zwischen 1995 und 2001 beim SSV Reutlingen. Was sagen Sie zur Entwicklung Ihres Ex-Klubs?

Die sehe ich sehr positiv. Unter Peter Starzmann wird sehr solide und kontinuierlich gearbeitet. Tabellenplatz sechs ist die logische Folge. Auch wirtschaftlich scheint mittlerweile unter der Federführung von Klaus Weiss alles wieder in geregelten Bahnen zu verlaufen.

Die Kickers haben zuletzt zwei Mal zuhause verloren . Da wird sich die Begeisterung auf der Waldau in Grenzen halten, oder?

Die Fans sind schon schwer enttäuscht, vor allem beim 0:3 gegen Siegen vor einer Woche war die Leistung indiskutabel. Diese Woche haben wir mit den Spielern Klartext gesprochen, jetzt muss in Reutlingen die Reaktion der Mannschaft folgen. Beide Mannschaften brauchen aber noch Punkte, denn die Liga ist sehr eng zusammengerückt.

Fragen von Thomas de Marco

Schwäbisches Tageblatt

SSV: Heute Abend Lokalderby gegen die Kickers

Freitag, der 13., kann Trainer Peter Starzmann vom Fußball-Regionalligisten SSV Reutlingen vor dem Lokalderby heute Abend (19 Uhr) gegen die Stuttgarter Kickers nicht schrecken.

„Freitag ist mir der liebste Tag, da haben wir abends immer gepunktet seit ich Trainer in Reutlingen bin“, sagt er. Das wäre auch gegen die Kickers nicht schlecht, denn noch müssen die Reutlinger aufpassen, dass sie nach unten nicht noch in Gefahr geraten. „Wir sollten hellwach bleiben und unsere Hausaufgaben machen“, sagt Starzmann.

Fehlen wird heute Abend allerdings Abwehrspieler Volker Grimminger, dessen Knieverletzung vom Spiel in Pirmasens (1:1) am vergangenen Samstag sich als Innenbandabriss herausstellte: Er fällt vier Wochen aus. Gefährdet ist auch der Einsatz von Mittelfeldspieler Oliver Otto, der einen Schlag auf die Wade abbekommen hat. Bei den Stuttgarter Kickers hat sich der verletzte Ex-Bundesligaspieler Sean Dundee (Karlsruher SC und VfB Stuttgart) zurückgemeldet.

Starzmann rechnet mit bis zu 5000 Zuschauern heute Abend an der Kreuzeiche. „Der Vorverkauf hat in den vergangenen Tagen enorm angezogen“, sagt der SSV-Trainer, „das wird ein richtig schönes Derby.“ Angesagt hätte sich neben Trainer Ralf Rangnick vom Liga-Konkurrenten Hoffenheim unter anderem auch eine Delegation vom Bundesligisten Energie Cottbus auf Beobachtungstour.

Schwäbisches Tageblatt

SSV Reutlingen – Strömen heute 5 000 Zuschauer ins Kreuzeiche-Stadion? Trainer-Lob für Oliver Otto 
 
Peter Starzmann verspricht Tore 
 
VON MANFRED KRETSCHMER 
 
REUTLINGEN. SSV-Marketing-Manager Harald Prinz rechnet mit über 4 000 Zuschauern, Trainer Peter Starzmann hofft auf mehr als 5 000 Fans. Wenn sich heute ab 19 Uhr in der Fußball-Regionalliga Süd Reutlingen und die Stuttgarter Kickers gegenüberstehen, dürfte es im Kreuzeiche-Stadion vor Spannung knistern. Und einige Prominente der Fußball-Branche werden auf der Tribüne Platz nehmen: Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick hat sich ebenso angesagt wie zwei Spielbeobachter des Bundesligisten Energie Cottbus.

SSV Reutlingen kontra Stuttgarter Kickers – immer wenn dieses Derby angesagt ist, lässt sich Starzmann zu einer Prognose hinreißen. Vor dem Hinspiel verkündete er vollmundig, dass es auf gar keinen Fall ein 0:0 geben werde. Und wie endete das Spiel? 0:0. Diesmal sagt der Reutlinger Kommandogeber: »Es werden Tore fallen. Dieses Derby setzt bei beiden Mannschaften Kräfte frei.« Sein Gegenüber Robin Dutt von den Kickers meint dazu lapidar: »Ich hoffe für die Zuschauer, dass Tore fallen.«

Beim SSV wird es gegenüber dem vergangenen Samstag, als in Pirmasens ein 1:1-Remis heraussprang, mindestens eine Änderung geben. Thomas Scheuring rückt für den verletzten Volker Grimminger auf die rechte Seite in der Abwehr-Viererkette. Scheuring fehlte zuletzt krankheitsbedingt. Er muss aber heute ran, weil Starzmann auf dieser Position kaum Alternativen hat.

Angeschlagen sind bei den Hausherren Torhüter Erol Sabanov (Bänderdehnung im Knie) und Oliver Otto (starke Wadenprellung). Apropos Otto: Für Starzmann ist der 34-Jährige »unser konstantester Spieler im Jahr 2007«. Der defensive Mittelfeldspieler erlebt derzeit seinen zweiten Frühling.

Routinier hält Vortrag

Der Coach bat deshalb den ehemaligen Jugend-Nationalspieler um einen kleinen Vortrag vor seinen Mitspielern. Starzmann: »Er sollte der Mannschaft sagen, wie er unter der Woche lebt und was er am Spieltag macht, um sein körperliches und mentales Leistungsniveau abzurufen.« Der Coach möchte mit dieser Maßnahme die Eigenmotivation seiner Schützlinge weiter stärken.

Im Aufgebot der Stuttgarter Kickers steht heute ein Akteur, der möglicherweise nächste Runde das Reutlinger Trikot überstreift: Bastian Bischoff. Der 22-jährige Stürmer aus Bad Urach, der einst für den TSV Wittlingen in der Bezirksliga Alb spielte, wird die »Blauen« zum Saisonende definitiv verlassen. Eine Entscheidung pro SSV sei allerdings noch nicht gefallen, so Starzmann. (GEA)

Reutlinger General-Anzeiger

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