KSV Hessen Kassel – Kickers 1:1 (0:1)

Die Stuttgarter Kickers spielten am 23. Spieltag der Regionalliga Süd 1:1-Unentschieden beim KSV Hessen Kassel. Vor 4.500 Zuschauern im Auestadion in Kassel traf Sokol Kacani nach Vorarbeit von Alexander Rosen und Angelo Vaccaro bereits nach vier Minuten zum 0:1 für die Blauen. Für die Gastgeber köpfte Thorsten Schönewolf nach einem Freistoß zum 1:1-Ausgleich ein (71.). Beide Mannschaften spielten noch auf Sieg, so ging es bis in die Schlussminuten hin und her mit Chancen auf beiden Seiten. Doch blieb es am Ende beim 1:1-Unentschieden.

Zur Aufstellung:

Stefan Minkwitz vertraute heute in Kassel derselben Startelf, die am Dienstag den ersten Heimsieg der Saison einfuhr. David Yelldell stand im Kickers-Tor, von rechts die Abwehrreihe mit Sascha Benda, Marcus Mann, Marcel Rapp und Moritz Steinle. Vor der Abwehr spielten Mustafa Akcay und Alexander Rosen, auf den Außenbahnen Mustafa Parmak und Oliver Stierle. Vorne stürmte neben Angelo Vaccaro auch wieder Sokol Kacani.

Der Spielverlauf:

Die Kickers erwischten einen Traumstart, den bereits in der vierten Spielminute wurde Angelo Vaccaro von Alexander Rosen schön in die Tiefe geschickt, der den Ball auf seinen Sturmpartner Sokol Kacani ablegte. Kacani hatte keine Mühe zur frühen 1:0-Führung für die Blauen einzuschieben.
Der KSV wachte nun nach dem Gegentreffer natürlich auf: Gleich nach dem Anstoß der Gastgeber vereitelte David Yelldell eine gute Möglichkeit von Kassels Scholze. In der 11. Spielminute die nächste Chance zum Ausgleich, als Bauer den Ball auf Haas per Brust abtropfen lässt, doch dessen Schuss aus sechs Metern knapp über das Tor ging. In der Folgzeit war Kassel zwar die aktivere Mannschaft, aber ohne wirklich torgefährliche Aktionen. Die Kickers standen in der Abwehr sicher und kamen auch immer wieder zu eigenen Kontern. Kurz vor dem Pausenpfiff vergaben aber Kassels Jan Friesser und Daniel Beyer zwei gute Möglichkeiten zum Ausgleich.
Ohne Wechsel auf beiden Seiten ging es in den zweiten Durchgang, in der Kassels Andreas Haas die erste Möglichkeit hatten. Er stand völlig unbedrängt 18 Meter vor dem Tor, doch David Yelldell rettete mit dem rechten Oberarm. Auf der anderen Seite vergab Angelo Vaccaro, als er sich nach einem langen Ball von Sascha Benda gegen zwei Gegenspieler durchsetzte und im Fallen abschloss, doch sein Versuch ging am herauseilenden Keeper vorbei und hopelte um Zentimeter am langen Pfosten ins Toraus. Mit zunehmender Spieldauer verlagerte sich die Partie immer mehr in die Hälfte der Kickers. Kassel drängte auf den Ausgleich, doch scheiterten sie immer wieder am starken Kickers-Schlussmann David Yelldell oder die Kickers-Abwehr konnte klären.

In der 65. Minute kochten die Emotionen im Stadion immer mehr hoch: David Yelldell schlig den Ball ins Seitenaus und wurde dabei von Kassels Haas von hinten in die Beine gegrätscht. Nach einem Gerangel wurden beide Akteure vom Schiedsrichter verwarnt. Nur wenige Minuten später die nächste strittige Aktion: Nach einer langen Flanke wird Marcus Mann im Strafraum geschoben, dabei bekommt er im Luftkampf den Ball an die Hand, doch der Schiedsrichter verwehrte zurecht der lautstark geforderten Handelfmeter:
In der 71. Spielminute fiel dennoch der 1:1-Ausgleich: Nach einem Freistoß von der rechten Seite setzte sich Thorsten Schönewolf resolut gegen Sokol Kacani im Strafraum durch und köpfte aus kurzer Distanz zum 1:1 ein.
In der Schlussviertelstunde war die Partie nun sehr hektisch und zerfahren, denn beide Mannschaften wollten dieses wichtige Spiel gewinnen. So gab es bis zum Schlusspfiff Chancen auf beiden Seiten. Für die Kickers vergab Mustafa Parmak mit seinem Schuss, den Kassels Schlussmann mit dem Fuß parieren konnte (83.). Drei Minuten vor Spielende setzte sich Mustafa Parmak gegen zwei Gegenspieler durch und legte mustergültig auf Angelo Vaccaro quer, doch dessen Versuch aus 15 Meter ging leider drüber. Aber auch Kassel hatte die Möglichkeiten, den Sieg einzufahren. Ein Seitfallzieher von Hass tuschierte noch den Außenpfosten (85.), mit dem Schlußpfiff ging sein Drehschuss knapp am rechten Pfosten vorbei.

Die Spielstatistik:

Hessen Kassel: Adler – Gölbasi, Schönewolf, Zinke, Kümmerle – Beyer (78. Möller), Fießer, Busch, Scholze (59. Bayrak) – Bauer, Haas – Trainer: Hamann
Kickers: David Yelldell – Sascha Benda, Marcus Mann, Marcel Rapp, Moritz Steinle – Mustafa Akcay (52. Recep Yildiz), Alexander Rosen, Mustafa Parmak, Oliver Stierle (58. Ferhat Cerci) – Sokol Kacani, Angelo Vaccaro (87. Marco Tucci) – Trainer: Stefan Minkwitz

Zuschauer:
4.500 Fans im Auestadion in Kassel

Torfolge:
0:1 Sokol Kacani (4.)
1:1 Thorsten Schönewolf (71.)

Schiedsrichter:
Florian Benedum (Mehlingen)

Verwarnungen:
Gelbe Karten: Kümmerle, Haas, Busch – Mann, Yelldell, Rosen

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Kickers II verlieren gegen Crailsheim mit 1:3 Toren

Die U23-Mannschaft der Kickers verlor am Nachmittag mit 1:3 (1:1) gegen den TSV Crailsheim. Nach zuletzt zwei Siegen in Folge musste sich die junge Mannschaft von Trainer Björn Hinck dem Spitzenteam aus Crailsheim geschlagen geben. Zwar verwandelte Sven Sökler einen Handelfmeter (26.) nach dem Führungstreffer der Gäste durch Daniel Zaccanti (16.) zum zwischenzeitlichen 1:1, doch Joseph Fameyeh (69.) und Rüdiger Rehm (78.) besiegelten mit ihren Toren im zweiten Durchgang die Heimniederlage für die Blauen in der Oberliga BaWü. Kickers-Stürmer Muhamed Bajrami und Gästespieler Daniel Zaccanti sahen in den Schlußminuten jeweils noch die Ampelkarte.

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Welt: Klinsmanns Erben vor dem Konkurs

Den Stuttgarter Kickers droht in der Regionalliga die Insolvenz – „Traurig, was passiert“

Stuttgart – Die Auswahl der Musik hätte treffender nicht sein können. „The Final Countdown“ von der Gruppe Europe dröhnte aus den Boxen im Stadion an der Waldau, bevor die Stuttgarter Kickers in der Regionalliga Süd zu ihrem Nachholspiel gegen den SC Pfullendorf antraten. Das Lied hatte nachhaltige Wirkung. Denn die Profis des Tabellen-19. siegten 2:0 und schafften damit nicht nur den ersten Heimsieg der Saison, sondern den ersten Erfolg seit dem 26. Mai 2007 überhaupt.

Dennoch hält sich der Jubel in Grenzen. „Es war ein erster Schritt, mehr nicht“, sagt Stefan Minkwitz. Er ist der Trainer des 109 Jahre alte Traditionsverein aus dem Stadtteil Degerloch, aus dem so berühmte Spieler wie Jürgen Klinsmann, Guido Buchwald, Karl Allgöwer oder Fredi Bobic hervorgegangen sind.

Nach der enttäuschenden Hinrunde hatte der Verein in der Winterpause für das neue Jahr „die Mutter aller Rückrunden“ ausgerufen. Doch noch beträgt der Rückstand auf Platz zehn sieben Punkte. Den aber wollen die Kickers unbedingt erreichen, um in der neuen Saison Mitglied der dann neu eingeführten eingleisigen Dritten Liga zu sein.

Da es bis dahin aber noch ein weiter Weg und nicht wirklich abzusehen ist, ob die Kickers die Qualifikation schaffen, geht bei einigen Spielern die Angst vor der Zukunft um. Von der Vereinigung der Vertragsspieler (VdV) haben sie kürzlich einen Brief erhalten, in dem ihnen noch einmal aufgezeigt wurde, dass ihre laufenden Verträge bei einem Abstieg in die vierte Liga ungültig seien. Sie müssten sich arbeitslos melden, anderenfalls wären sie gesperrt und nicht spielberechtigt.

Derart düstere Aussichten lähmen offensichtlich die Glieder. Wobei die Qualität des Teams ohnehin nicht die beste ist. Wie selbst Präsident Dirk Eichelbaum findet, der seinen Angestellten kürzlich ein vernichtendes Urteil ausgestellt hat: „Aus dieser Truppe würde nicht mal Ottmar Hitzfeld was rausholen“, sagte der Kickers-Chef und fügte mit etwas Sarkasmus hinzu: „Sie dürfen weiterwursteln, bis sie sich arbeitslos gemacht haben.“

Harte Worte mit Blick auf einen Verein, der an der Seite des Lokalrivalen VfB Stuttgart, den „Roten“, einige Jahre durchaus eine Rolle im bezahlten Fußball gespielt hat. Vor dem Krieg waren die „Blauen“, wie die Kickers genannt werden, bekannt durch ihren „100-Tore-Sturm“ um Spieler wie Günter Sosna, Siegfried Kronenbitter oder Edmund Conen. 1989 und 1992 schafften sie den Aufstieg in die Bundesliga, 1987 erreichten sie sogar das DFB-Pokalfinale. Doch der sportliche Erfolg ging schon damals einher mit einem ständigen Kampf um die Existenz. Nur weil der inzwischen verstorbene Präsident und Brillenfabrikant Axel Dünnwald-Metzler, der von 1979 bis 2003 im Amt war, immer wieder mit privatem Geld aushalf, konnten die Kickers überleben.

Nach seinem Rücktritt war es Hans Kullen, der die Geschicke leitete. Der Versicherungskaufmann von der Schwäbischen Alb stellte Privatgeld als zinsloses Darlehen zur Verfügung, um den Verein am Leben zu erhalten. Dennoch gab es immer wieder Streit. Als Kullen keine Rückendeckung mehr spürte, warf er 2007 entnervt das Handtuch und wechselte in die Führungsetage des SSV Reutlingen. „Ich habe den Verein mit einem Guthaben von 601 000 Euro verlassen. Drei Monate später waren davon nur noch 136 000 übrig. Wo ist das ganze Geld geblieben?“, fragt er.

Nun fordert Kullen sein Darlehen von 450 276,62 Euro und Vertragszinsen in Höhe von 57 273,67 Euro zurück: „Das bin ich meinen Kindern und Enkeln schuldig.“ Er sagt, er habe seine Nachfolger mehrmals gebeten, ihm ein Angebot zu machen, wie die Angelegenheit am friedlichsten zu regeln sei. Doch bis heute sei keine Reaktion erfolgt. „Deshalb habe ich jetzt meinen Rechtsanwalt zur Durchsetzung meiner Interessen beauftragt“, sagt er.

Sollten die Kickers diesen Kampf verlieren, stehen sie vor der Insolvenz. Aus dem blauen Adel von einst sind Bettelmänner geworden. Weltmeister Guido Buchwald findet es „traurig, was dort abläuft. Mir blutet das Herz“.

Welt

Presse zur Klage von Hans Kullen, Gambos Rückkehr und dem kollektivem Aufatmen

Gambo gibt sich einsichtig
Der Ghanaer will den Kickers in dieser Saison noch helfen – Kullen hat Klage eingereicht

STUTTGART. Mustafa Parmak geht mit gutem Beispiel voran. Der Mittelfeldspieler hat im Training Sonderschichten eingelegt – und so den Grundstein für den Erfolg gegen Pfullendorf gelegt. „Der war lebenswichtig“, sagt nicht nur der Manager Joachim Cast.

Von Joachim Klumpp

Übung macht den Meister. Auch im Fußball. Das hat sich am Dienstagabend im Gazi-Stadion mal wieder gezeigt. Nach gut einer Stunde zirkelte dort der Kickers-Spieler Mustafa Parmak einen Freistoß aus rund 25 Metern derart platziert in den Winkel, dass selbst der hervorragende Pfullendorfer Torwart Ralf Hermanutz machtlos war. 1:0 für den Stuttgarter Regionalligisten, der Bann war gebrochen, der Weg frei zum ersten Heimsieg in dieser Saison.

Parmak sei Dank. Und dessen Eifer – sogar noch kurz vor dem Spiel. Am Nachmittag war der 25-Jährige nämlich bereits etwas früher als üblich in Degerloch erschienen und entschied sich spontan, auf dem Trainingsgelände noch Freistöße zu üben. Ganz alleine, nur mit ein paar dieser gelben Plastik-Dummies, die eine gegnerische Abwehrmauer simulieren. Und das alles, obwohl der Trainer Stefan Minkwitz anfangs gar nicht begeistert war von solchen Sondereinheiten. Parmak: „Er hat mir gesagt: ,Nachher verletzt du dich noch.““ Doch Parmak, dem nicht gerade der Ruf eines Trainingsweltmeisters vorauseilt, ließ sich von seinem Vorhaben nicht mehr abbringen – sehr zum Wohle der Kickers, die nun wieder größere Chancen auf den begehrten zehnten Platz haben, der für die Qualifikation zur dritte Liga ausreicht.

Aber blenden lässt sich vom 2:0-Erfolg, zu dem Parmak auch noch den zweiten Treffer beisteuerte, gegen den SC Pfullendorf niemand – der Präsident nicht, der Manager nicht, der Trainer nicht. Tenor unisono: „Der Sieg war lebenswichtig.“ Pflicht eben. Mehr nicht. Gegen einen vermeintlich schwachen Gegner stimmte vor allem die Einstellung der Mannschaft, von der ersten bis zur letzten Minute, vom Torwart bis zum Linksaußen. „Heute war ich mit allen Spielern zufrieden“, sagte ein sichtlich erleichterter Trainer Stefan Minkwitz. „Ich hoffe, es geht so weiter.“

Weiter geht es auf jeden Fall mit Bashiru Gambo. Der Ghanaer hatte sich durch seinen reichlich lustlosen Auftritt am vergangen Samstag – während und offensichtlich auch nach der Niederlage gegen den FC Bayern München II – den Unmut der Verantwortlichen zugezogen. „Er hat aus disziplinarischen Gründen eine Denkpause bekommen“, begründete der Trainer am Dienstag seine kurzfristige Nichtnominierung. Der Spieler nahm sich das offensichtlich zu Herzen und sagt: „Natürlich werde ich mich im Training voll reinhängen, ich gebe jetzt 110 Prozent.“ Mit dieser Botschaft ging er gestern direkt auf den Trainer zu, der sagte: „Hundert Prozent reichen mir schon mal, ich werde ihn genau beobachten.“ Ob Gambo morgen mit dem Team nach Kassel reist, wird sich kurzfristig entscheiden. „Dort müssen wir jetzt nachlegen“, betonte Minkwitz.

Apropos nachlegen: das hat auch der Expräsident Hans Kullen getan. Wie bereits längere Zeit angekündigt ging jetzt die Klage auf Zurückzahlung seines Darlehens von 450 000 Euro (plus Zinsen über 57 000 Euro) bei den Kickers ein. Der Verein wiederum hat ein Anwaltsbüro eingeschaltet, um die Angelegenheit beim Landgericht Stuttgart klären zu lassen. Der Präsident Dirk Eichelbaum sagt dazu: „Der Sache selbst treten wir gelassen entgegen und vertrauen auf Justitia.“ Doch wie heißt es so schön: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Da ist es doch beruhigend, dass es die Mannschaft sportlich zumindest selbst in der Hand hat, sich für die dritte Liga zu qualifizieren.

Stuttgarter Zeitung

Neue Hoffnung auf das blaue Wunder
Kickers kämpfen an allen Fronten: Verein bekommt Kullens Klage über 507549 Euro zugestellt

Stuttgart – Es war ein Lebenszeichen. Nicht mehr und nicht weniger. Nach dem 2:0 gegen den SC Pfullendorf geht für die Stuttgarter Kickers der Kampf ums nackte Überleben weiter.

VON JÜRGEN FREY

Die Fans im B-Block sangen „Oh, wie ist das schön“, die Spieler jubelten ausgelassen – und im Kabinengang stand Präsident Dirk Eichelbaum und sagte zunächst nur ein Wort: „Endlich.“ Endlich gibt es neue Hoffnung auf ein blaues Wunder. Endlich herrscht beim Fußball-Regionalligisten wieder so etwas wie Aufbruchstimmung. „Das war heute die Hallo-wach-Pille. Nun hat jeder kapiert, dass wir noch eine Chance auf die dritte Liga haben“, sagte Eichelbaum.

Es wird ein steiniger Weg hoch auf den zehnten Platz. Zwölf Spiele stehen noch auf dem Programm. Sechs Punkte beträgt der Rückstand. Am Karsamstag (14 Uhr) geht es zu Hessen Kassel, einem direkten Konkurrenten. Eichelbaum verspricht: „Wenn wir dort ohne Niederlage davonkommen, starten wir durch.“ Auf und neben dem Platz. Unter anderem plant der Kickers-Chef Kartenaktionen mit Schulen. So weit die positiven Aspekte – es gibt aber nach wie vor noch das ein oder andere Unerfreuliche:

Die Klage des Ex-Präsidenten: Hans Kullen hat am 19. Februar am Landgericht Stuttgart Klage eingereicht. In dieser Woche wurde sie den Kickers zugestellt. Kullen fordert die Zurückzahlung seines Darlehens in Höhe von 450 276 Euro (plus 57 273 Zinsen). Eichelbaum bleibt gelassen und wiederholt seinen Standpunkt: „Kullens Rangrücktritt ist zeitlich unbefristet. So lange die Überschuldung des Vereins besteht, hat er keine Chance auf das Geld.“ Bekommt Kullen doch recht, hätten die Blauen ein Riesenproblem. Der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Mauch sagt klipp und klar: „Dann wären wir platt. Die Insolvenz wäre garantiert. Wir sind so schon knapp genug.“

Die Einstellung von Bashiru Gambo: Der Mittelfeldspieler war nach dem Trauerspiel gegen den FC Bayern II fröhlich pfeifend zum Auslaufen getrabt. Trainer Stefan Minkwitz suspendierte ihn für die Partie gegen Pfullendorf. Am gestrigen Mittwoch versicherte Gambo hoch und heilig, künftig wieder alles für die Kickers geben zu wollen. „Ich werde ihn weiter beobachten“, sagte Minkwitz und ließ offen, ob er für die Partie in Kassel wieder in den Kader rückt. Dass der Mann aus Ghana seinen Rauswurf provozieren wollte, hält Eichelbaum für ausgeschlossen: „Dann hätte er in der Winterpause nur den Finger heben müssen, als wir fragten, wer keine Lust mehr hat.“

Die Leiden der Verletzten: Neuzugang Gino Russo wurde wegen einer Wundheilungsstörung an der Achillessehne schon wieder operiert. Für ihn ist die Saison gelaufen, ohne einmal für die Blauen gespielt zu haben. Kapitän Jens Härter ist ins Mannschaftstraining eingestiegen. Treten wieder Schmerzen am Knie auf, wird er operiert.

Stuttgarter Nachrichten

„Großen wird der Hintern gepudert“ Opfer der Bedingungen Die Leiden lindern Kickers gehören zu Stuttgart Allez les bleus! Der Gegenpol zum VfB
Lesermeinungen zur Misere der Stuttgarter Kickers: Noch ist nichts verloren

Stuttgart – Unseren Lesern sei Dank: Die Diskussionen um die Situation der Stuttgarter Kickers geht weiter. Nach dem 2:0-Sieg gegen den SC Pfullendorf keimt zwar wieder gelinde Hoffnung auf. Der Tenor der Meinungsbeiträge bleibt aber verhalten – und die Fans leiden unverändert.

Jenseits aller subjektiven Fehler, die in Degerloch gemacht wurden, stellt sich die Frage, ob nicht doch überwiegend objektive Bedingungen für den drohenden Untergang der Blauen entscheidend sind. Betrachtet man auch die Situation in anderen deutschen Metropolen, muss man feststellen, dass in zweien (München und Hamburg) der TSV 1860 und St. Pauli teilweise mit erheblichen Problemen zu kämpfen haben oder hatten. In Köln (Fortuna), Berlin (TeBe) und Hannover (Arminia) sind die „zweiten Vereine“ ganz aus dem Blickfeld des Profifußballs verschwunden. In Frankfurt war der FSV lange Zeit in der Hessenliga abgetaucht.

Die mediale Konzentration, vor allem die des Fernsehens, auf sportliche Premiumprodukte engt die wirtschaftlichen Handlungsspielräume für Vereine wie die Kickers erheblich ein. Daher muss man darüber nachdenken, wieso gerade in der Stadt und der Region Stuttgart neben dem VfB die Bedingungen für einen weiteren Verein im bezahlten Fußball besser sein sollen als anderswo.

Joachim Bayh, Stuttgart, per E-Mail

Meine herzlichsten Grüße an Ihren Kolumnisten Joe Bauer. Der Mann spricht mir aus der Seele und nötigt mir Respekt ab! Er leidet. Und das ist genau das, was den Kickers-Größen gut zu Gesicht stehen würde. Denn wer leidet, dem fällt in aller Regel auch was ein, wie er seine Leiden lindern kann.

Liegt es wirklich nur an den fehlenden Investoren? Es gibt Fußballer, die reißen sich für den Betrag x den Allerwertesten auf, wogegen andere für denselben Betrag keine 200 Meter in einem Spiel laufen, den Weg von der Kabine schon eingerechnet. Einfach mal anfangen nachzudenken!

H. D. Teigler, Nürtingen, per E-Mail

Ich weiß nicht, was da bei den Stuttgarter Kickers in den vergangenen Jahren falsch gelaufen ist. Es tut weh, wenn man liest, dass es dem Verein anscheinend so schlecht geht. Die Kickers gehören zu Stuttgart, genauso wie der VfB.

Es sollte alles Mögliche getan werden, den Verein bei seinen Bemühungen, aus der Krise zu kommen, zu unterstützen.

Uli Haußer, Berlin

Jetzt gilt es, in Kassel nachzulegen! Der letzte Funke Hoffnung ist durch diesen souveränen und hochverdienten Heimsieg gegen Pfullendorf noch nicht erloschen! Allez les bleus!

Thorsten Gross, Bochum

Die Diskussion im Internet:

www.stuttgarter-nachrichten.de/meinung

Ich war zwar seit meinen Kindertagen VfB-Fan, finde es aber bei aller Rivalität traurig, was in Degerloch seit Jahren passiert. Die Stuttgarter Kickers waren schon immer ein schöner Gegenpol zum großen VfB. Ein Gegenpol, den eine Stadt wie Stuttgart braucht.

Ich meine, die Fans der Roten und der Verein selbst sollten in dieser Situation helfen (etwa durch Freundschaftsspiele, bevorzugten Spielerverleih, Kickersgroschen, u. ä.). Man sollte sich des Potenzials erinnern, welches in der Vergangenheit bezüglich Spielerqualität und monetären Mitteln zwischen den beiden Vereinen hin und her wanderte. Es ist doch nun wirklich naheliegend, als erstes auf den anderen Rand des Talkessels zu schauen – wenn denn dort Qualität vorhanden wäre. Außerdem ist, rein sportlich gesehen, eine Vereinsrivalität zwischen erster und Amateurliga weder sinnvoll, noch macht sie Spaß.

Auch sollte man sich aufseiten des Gemeinderats überlegen, ob tatsächlich nur durch den VfB Vorteile für die Stadt entstehen. Ein zweiter Profiverein verfehlt auch seine Marketingwirkung nicht und sollte daher gefördert werden.

Samir Solimann, Stuttgart, per E-Mail

Die Kleinen gehen kaputt
Es ist ein trauriges Kapitel, das sich zurzeit bei den Kickers abspielt. Nicht nur für die Stadt Stuttgart, sondern für die ganze Region wäre es sehr bedauerlich, sollten die Kickers die Qualifikation für die dritte Liga nicht schaffen. Ich glaube, der Zug in die Viertklassigkeit ist bereits abgefahren, da der Abstand zum rettenden Ufer zu groß ist. Außerdem bin ich der Meinung, dass die Mannschaft ein mentales Problem hat. Spieler, die Angst davor haben, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, können den Schalter im Punktspiel nicht mehr umlegen. Angst lähmt. Da kann auch ein Wundermann (Sundermann) nicht mehr helfen. Es ist wie im normalen Leben: Die Kleinen geht kaputt, den Großen wird der Hintern gepudert.

S. Hamm, Nurfringen, per E-Mail

Stuttgarter Nachrichten

Ex-Chef Kullen verklagt die Kickers
 
Stuttgart (bw) – War der Sieg gegen den SC Pfullendorf die Wende im Kampf um die Qualifikation für die dritte Liga? Darauf hofft Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers und will am Samstag (14 Uhr) in der Auswärtspartie bei Hessen Kassel nachlegen. Ausgerechnet jetzt gibt es Ärger mit dem früheren Vereinspräsidenten Hans Kullen. Tabellenführer VfB Stuttgart II empfängt heute (18.30 Uhr) den VfR Aalen.

Der ehemalige Chef der „Blauen“ hat Klage eingereicht. Wie die Kickers gestern mitteilten, verlange Kulle die Rückzahlung seines Darlehens in Höhe von 450 276,62 Euro. Zuletzt war nach dem ersten Heimsieg in dieser Saison Durchatmen angesagt. „Der Erfolg gibt Selbstvertrauen, jetzt gilt es, dran zu bleiben und weiter zu punkten“, sagt Manager Joachim Cast. Von Trainer Stefan Minkwitz gab es ein dickes Lob für das Team, das ein deutliches Lebenszeichen gesendet hat. „Ich hoffe, es geht so weiter“, betont der Coach und setzt daher in Kassel auf die Elf, der der Befreiungsschlag gelungen war. „Es besteht kein Grund, etwas an der Aufstellung zu ändern“, erklärt Minkwitz, der weiterhin auf die verletzten Jens Härter (Knie) und Gino Russo (Ferse) verzichten muss. Der Trainer rechnet mit einem harten Stück Arbeit in Hessen: „Das wird nicht einfach. Kassel ist in der selben Lage wie wir.“ Zudem hat der Gegner in Thorsten Bauer den momentan besten Torschützen der Liga (15 Treffer) in seinen Reihen.

So wollen sie spielen: Yelldell – Benda, Mann, Rapp, Steinle – Parmak, Rosen, Akcay, Stierle – Kacani, Vaccaro.
 
Eßlinger Zeitung

„Zur Not auch mal ein Foul begehen“

Michael Kümmerle spricht vor dem Spiel des KSV Hessen Kassel gegen die Stuttgarter Kickers auch über die Abwehrprobleme

Von Florian Hagemann

Kassel. Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel steht vor einem richtungsweisenden Spiel: Gegen die Stuttgarter Kickers am Samstag im Auestadion (Anpfiff: 14 Uhr) muss ein Sieg her, um im Kampf um die Qualifikation für die dritte Liga nicht den Anschluss zu verlieren. Über die Situation sprachen wir mit Abwehrspieler Michael Kümmerle.

Michael Kümmerle, der KSV Hessen Kassel hat in 22 Regionalligaspielen bisher 37 Gegentore kassiert. Wie konnte es zu dieser hohen Zahl kommen?

Kümmerle: Wenn ich das wüsste! Ein Grund liegt sicherlich darin, dass unser Spiel recht offensiv ausgerichtet ist – und wir daher in der Defensivarbeit anfällig sind. Die ganze Mannschaft muss konsequenter nach hinten arbeiten.

Also sind die 37 Gegentore nicht das Problem der Abwehr, sondern das des Mittelfelds und des Sturms?

Kümmerle: Die vielen Gegentore sind das Problem der gesamten Mannschaft. Wir unterbinden das Spiel des Gegners nicht konsequent genug. Zur Not müssen wir auch mal rechtzeitig ein Foul begehen und dürfen nicht erst warten, bis die anderen kurz vor unserem Tor sind.

Sie sind der Spieler der Vierer-Abwehrkette mit den meisten Einsätzen, Sie haben nur einmal wegen einer Gelbsperre gefehlt. Ansonsten setzt sich die Vierer-Abwehrkette Woche für Woche fast immer neu zusammen. Sorgt diese Rotation womöglich für Verunsicherung?

Kümmerle: Das glaube ich nicht. Jeder weiß, was er zu tun hat – auch wenn er in der Woche zuvor nicht gespielt hat. Was sicher noch verbessert werden kann, ist generell die Absprache untereinander. Es muss auch mal laut werden. Dabei haben wir Leute dafür, die das machen können.

Warum spielt der KSV am Wochenende gegen die Stuttgarter Kickers zu null?

Kümmerle: Wir werden die Zweikämpfe von Anfang an bedingungslos annehmen. Die Platzverhältnisse werden uns schon dazu anhalten. In Unterhaching hat uns der gute Platz dazu verleitet, mehr schön zu spielen als zu kämpfen. Das hat sich letztlich gerächt.

Verliert der KSV am Samstag, könnte erstmals Rang zehn in weitere Ferne rücken – und damit die Qualifikation für die eingleisige dritte Liga. Ist der Druck vor der Partie nun besonders groß?

Kümmerle: Wir gehen mit Sicherheit nicht mit Angst in die nächsten Spiele, die für uns so wichtig sind. Die Mannschaft ist intakt, sie weiß, um was es geht. Und wenn wir am Samstag von Anfang an auf der Höhe sind, werden auch unsere Fans uns wieder unterstützen. Sie werden am Anfang vielleicht skeptisch sein, aber wir werden sie auf unsere Seite bringen.

Sie waren vier Jahre bei den Stuttgarter Kickers, Ihrer ersten Profistation. Schlägt Ihr Herz noch für die Schwaben?

Kümmerle: Was heißt schlagen? Ich verfolge die turbulente Entwicklung dort, kenne Trainer Stefan Minkwitz ganz gut. Mit ihm habe ich noch zusammen bei den Kickers gespielt. Aber mein Herz schlägt nicht mehr für die Stuttgarter Kickers. Mein Herz schlägt für den KSV.

Für die Kickers haben Sie aber in 59 Zweitligaspielen fünf Tore erzielt, für den KSV ist Ihnen in 29 Regionalligabegegnungen noch kein einziger Treffer gelungen. Es wird Zeit, oder?

Kümmerle: Das stimmt. Aber ich muss mich vor jedem Spiel zurücknehmen, damit ich nicht zu offensiv werde. Außerdem spielt in der Regel mit Denis Berger ein Spieler vor mir, der immer sehr weit vorne agiert. Da muss ich mich zurückhalten.

Denis Berger fehlt wegen der fünften Gelben Karte…

Kümmerle: Stimmt. Mal schauen, was geht. Aber wichtig ist, dass wir hinten sicher sind.

HNA-Online

Ex-Präsident klagt gegen Kickers

Ex-Präsident Hans Kullen hat gegen die Stuttgarter Kickers eine Klage eingereicht.

Nach Angaben des Klubs klage Kullen auf die „Zurückzahlung seines von ihm behaupteten Darlehens von 450.276,62 Euro sowie von Vertragszinsen in Höhe von 57.273,67 Euro“. Der Verein habe ein Anwalts-Büro eingeschaltet, um die Angelegenheit beim Landgericht Stuttgart klären zu lassen. „Eigentlich war es unvorstellbar, dass mein Vorgänger Klage gegen den Verein erhebt. Der Sache selbst treten wir jedoch gelassen entgegen“, so Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum.

Sport1

Presse zu Stuttgarter Kickers – SC Pfullendorf (2:0)

Die Kickers leben noch – dank Parmak
Mit einem Doppelschlag innerhalb von nur drei Minuten sichert der Mittelfeldspieler den 2:0-Sieg gegen den SC Pfullendorf
 
STUTTGART. Was lange währt, wird endlich gut: die Kickers schlagen den SC Pfullendorf mit 2:0 (0:0) und schaffen im elften Versuch den ersten Heimsieg in dieser Regionalligasaison. „Aber jetzt müssen wir in Kassel nachlegen“, sagt der Manager Joachim Cast.

Von Joachim Klumpp

Die Ausgangslage war für den Kickers-Präsidenten Dirk Eichelbaum eindeutig: „Am Samstag gegen Bayern war unsere letzte Chance, gegen Pfullendorf ist unsere allerletzte.“ Die hat die Mannschaft gestern Abend genutzt. Mit dem 2:0-(0:0-)Erfolg gegen Pfullendorf sorgte das Team nicht nur für den ersten Heimsieg der Saison, sondern auch für neue Hoffnung im Kampf um die Qualifikation zur dritten Liga. „Ich denke, wir haben heute alles richtig gemacht“, sagte der Kickers-Trainer Stefan Minkwitz.

Der hatte seine Elf gleich auf vier Positionen verändert. Die zuletzt verletzten Stierle und Akcay rückten ebenso ins Team wie Moritz Steinle und im Sturm natürlich der zuletzt gesperrte Angelo Vaccaro. Die kämpferische Note sollte bei dieser Formation ganz eindeutig dominieren, so dass für Bashiru Gambo nicht einmal mehr Platz auf der Bank war; der Ghanaer bekam eine Denkpause nach dem Bayern-Auftritt. „Von einem Kapitän muss ich in unserer Situation mehr erwarten“, sagte Minkwitz und meinte damit das berühmte „Gras fressen“.

Das wollte die Mannschaft gegen Pfullendorf, was zwei Gelbe Karten bereits in der Anfangsphase dokumentierten. Der Wille war also vorhanden, die Chancen waren es auch. Zwei Kopfbälle von Sokol Kacani parierte Pfullendorfs Schlussmann Ralf Hermanutz. Die Kickers dominierten die Partie, allerdings gegen einen ersatzgeschwächten Gast, der noch harmloser auftrat als vor drei Tagen der FC Bayern München II. Der SCP-Trainer Michael Feichtenbeiner sagte: „Wir waren zum richtigen Zeitpunkt der richtige Aufbaugegner.“ Sehr zur Freude der immerhin 2860 Zuschauer, die den Ernst der Lage erkannt zu haben scheinen.

Die Mannschaft auch. Dass es bis zur Pause torlos blieb, lag letztendlich an Hermanutz, der gegen Stierle aus kurzer Distanz klärte. Das war nach 41 Minuten – und fast schon die letzte Aktion des Kapitäns. „Er soll spielen, solange ihn die Füße tragen“, hatte Minkwitz gesagt, um ihn nach 56 Minuten gegen Cerci auszutauschen. In dieser Phase verlor das Spiel der Kickers an Linie, weshalb der Trainer bereits den zweiten Wechsel vorbereitete; doch dazu kam es nicht – sondern zum 1:0, als Mustafa Parmak einen Freistoß aus 25 Metern in den Winkel zirkelte (63.), Maßarbeit. Der Schuss saß – und Yildiz durfte sich (zunächst) wieder setzen.

Dafür standen die Fans zwei Minuten später schon wieder – und zwar auf den Bänken. Erneut hieß der Torschütze Parmak, der eine Flanke des starken Alex Rosen volley ins kurze Eck setzte. Damit nicht genug der Aufregung: in der 72. Minute wurde Cerci im Strafraum gelegt – Elfmeter. Doch einmal mehr war Hermanutz der Spielverderber, als er den von Vaccaro gut geschossenen Strafstoß mit einer Glanzparade parierte. Kurz darauf flog dann Pfullendorfs Beskid wegen einer Tätlichkeit vom Platz.

„Der SVK ist wieder da“, hallte es von den Rängen. Dort saß auch Wolfgang Wolf, den viele gerne als Trainer in Degerloch gesehen hätten. Doch der Pfälzer sagte: „Ich bin als Glückbringer hier.“ Und in dieser Funktion darf er gerne wiederkommen.

Stuttgarter Kickers: Yelldell – Benda, Mann, Rapp, Steinle – Parmak, Rosen (80. Yildiz), Akcay, Stierle (56. Cerci) – Vaccaro (87. Tucci), Kacani.

Schiedsrichter: Hofmann (Ansbach).

Tore: 1:0 Parmak (63.), 2:0 Parmak (65.).

Rote Karte: Beskid (77./Tätlichkeit).

Stuttgarter Zeitung

2:0 – Parmak lässt die Blauen wieder hoffen
Lebenszeichen der Kickers: Sieg gegen Pfullendorf

Stuttgart – Die Stuttgarter Kickers leben noch! Am Dienstagabend gelang dem Fußball-Regionalligisten ein 2:0(0:0)-Erfolg gegen den SC Pfullendorf – es war der erste Heimsieg seit dem 26. Mai 2007 und der erste Dreier unter Trainer Stefan Minkwitz. Beide Tore erzielte Mustafa Parmak.

VON JÜRGEN FREY

Schon drei Stunden vor dem Kellerduell stand Mustafa Parmak auf dem Platz. Der Mittelfeldspieler der Kickers übte Freistöße, als hätte er geahnt, was kommen würde. Nach 63 Minuten legte sich Parmak den Ball zurecht, drosch einen Freistoß aus 25 Metern in den Winkel – 1:0, ein Traumtor. Doch damit hatte der Meisterschütze noch nicht genug. Nur drei Minuten später stand er nach einer Flanke des starken Neuzugangs Alexander Rosen richtig, traf zum 2:0. Kurz darauf scheiterte Angelo Vaccaro nach einem Foul an Ferhat Cerci am überragenden Pfullendorfer Torwart Ralf Hermanutz. Zum ersten Sieg nach zwölf Spielen reichte es dennoch. „Mir fällt eine Last vom Herzen“, sagte Trainer Stefan Minkwitz, „aber es ist nur ein erster Schritt gewesen – mehr nicht.“

Gelaufen sind die Kickers von Beginn an enorm viel. Sie zeigten Aggressivität und Einsatzwillen – so wie es Minkwitz nach der schwachen Leistung gegen Bayern München II (0:1) gefordert hatte. Einziges Manko vor der Pause war die Torausbeute. Vaccaro nach schöner Vorarbeit von Parmak (18.) und Sokol Kacani nach einer Flanke von Sascha Benda (26.) scheiterten am glänzend parierenden Hermanutz. Auch Oliver Stierle (41.) vergab eine gute Chance. „So ein Engagement hätte ich mir schon gegen die Bayern gewünscht“, meinte Kickers-Präsidiumsmitglied Walter Kelsch in der Pause, „aber wir werden es packen.“

Der Ex-Profi behielt recht, was vor allem an Mustafa Parmak lag. Der treffsichere 25-Jährige schlug just in der Phase zu, als die insgesamt harmlosen Pfullendorfer das Spiel in den Griff zu bekommen schienen. Danach schaukelte der Gastgeber den Vorsprung sicher nach Hause. Präsident Dirk Eichelbaum lobte: „So eine leidenschaftliche Leistung habe ich lange nicht gesehen.“

Über den ersten Sieg der Blauen seit dem 22. September freute sich auch Wolfgang Wolf. „Es war zu sehen, dass die Mannschaft will“, erklärte der Ex-Trainer, „sie ist ein hohes Tempo gegangen.“ Doch auch nach dem Sprung auf Rang 15 müssen die Kickers weiter Gas geben – am besten schon am Karsamstag in Kassel. „Es gibt keinen Grund, euphorisch zu sein“, sagte Manager Joachim Cast, „wir müssen nun nachlegen.“

Stuttgarter Nachrichten

„Mein Herz gehört den Kickers“ Ein Stück Kultur geht verloren Trauern um den liebsten Rivalen Gute Stimmung Kein System, keine Kondition Das Wunder ist noch möglich
Leserstimmen zur Krise beim Fußball-Regionalligisten und ein kühner Vorschlag: Freier Eintritt für alle!

Stuttgart – Wir baten unsere Leser um ihre Meinung zum drohenden Untergang der Stuttgarter Kickers. Das Echo war enorm – und die vielen Zuschriften belegen: Den Fußballfans in und um Stuttgart ist nicht gleichgültig, was aus den Blauen wird.

Unsere Granden haben den Spagat zwischen kaufmännischem, verwalterischem Kalkül und dem Mut zur sportlichen Umkehr durch Investitionen in der Winterpause (neuer Trainer, arrivierter Stürmer) nicht gewagt. Nun gilt es, unverzüglich einen Masterplan für die kommende Saison in der vierten Liga zu entwerfen. Kann nicht kurzfristig, nachdem wir alle unsere maßlose Trauer abgeschüttelt haben, glaubhafte Aufbruchstimmung erzeugt werden, dann besteht die Gefahr, dass unsere Liebe, unsere Tradition für immer im Nirwana der Bedeutungslosigkeit verschwinden und Stuttgart um ein Stück Kult(ur)-Gut ärmer ist!

Bernd Schelling, Korntal-Münchingen

www.stuttgarter-nachrichten.de/meinung

Für mich als Roten ist dieses Trauerspiel amüsante Unterhaltung, wie sie ein Drehbuchautor kaum besser bieten könnte. Im Endeffekt hat das ganze Theater doch nicht erst in der Winterpause angefangen. Eine Manschaft wird doch nicht erst im Winter schlecht, und nicht erst im Winter treffen Stürmer nicht mehr.

Immer wieder wenn so eine Krise kam, wurde dann irgendein „Messias“ verpflichtet, der aber irgendwie bei anderen Vereinen nicht wirklich auf dem Damm war, oder vielleicht manchmal seinen Zenit auch schon etwas überschritten hatte. Aber egal: Augen zu und dann sehenden Auges in die vierte Liga. Souverän waren die Kickers schon lange nicht mehr, weder Manschaft, noch sportliche Führung.

Ein Abstieg würde mir überhaupt nicht weh tun, im Gegenteil, ich würde mich mit einer gewissen Süffisanz darüber freuen. Der verdiente Lohn für nicht geleistete Arbeit. Ein komplettes Aus der Kickers hingegen würde selbst mich etwas traurig stimmen. Denn in diesem Fall ginge Stuttgart und selbst uns Roten (Stadtrivalen sind einfach immer die liebsten Rivalen) ein Teil der Tradition verloren, welche die gesamte Stuttgarter (Fan-)Landschaft irgendwie auch ausmacht.

Axel Schmid, Feuerbach, per E-Mail

Die Unterstützung der Fans würde ich mir als Vereinsverantwortliche dadurch sichern, dass ich zu den kommenden drei Heimspielen freien Eintritt proklamiere. Dann kommen die Zuschauer und sind in der entsprechend guten Stimmung.

Jürgen Lutz, Erdmannhausen, per E-Mail

Da stellt ein Präsidium einen Trainer ein, dessen größte Erfolge bis dahin zwei Unentschieden in zehn Spielen mit der A-Jugend waren. Den Erfolg sieht man: Kein System, keine Kondition, keine Geschlossenheit, willkürliche Auswechslungen – die Spieler haben nichts dazugelernt. Im Gegenteil: Sogar die Leistungsträger haben abgebaut. Der Manager stellt dann lapidar fest, dass seine bisherigen Einschätzungen der Mannschaft Trugschlüsse waren. Er darf trotzdem weiterwursteln. Der Präsident und das für die Mannschaft zuständige Präsidiumsmitglied Walter Kelsch tönen: Das ziehen wir jetzt durch!

Ja, was um Gottes Willen wollen sie denn durchziehen? Ihre Plan- und Hilflosigkeit? Das Chaos in der Jugendabteilung? Ich bin nicht nur wütend, sondern auch unendlich traurig.

Franz Steinhard, Stuttgart

Die Kickers können das Wunder noch schaffen. Wenn man die anderen Mannschaften sieht, drängt sich keine auf, die wesentlich besser ist. Glück gehört nun mal dazu. Fehler wurden in der Einkaufspolitik gemacht. Sprüche wie vom selbst ernannten Fußball-Experten Walter Kelsch helfen nicht weiter. Obendrein holt man Jürgen Sundermann als Berater aus der Rente. Trotzdem: Mein Herz gehört auch in Zukunft den Kickers.

Martin Landwehr, Stuttgart, per E-Mail

Stuttgarter Nachrichten

Der Absturz
VON JÜRGEN FREY

Gäbe es einen Wettbewerb für die Fähigkeit, sich dauerhaft in die eigene Tasche zu lügen, die Stuttgarter Kickers wären in der Champions League. Aber der Fußball besteht nun mal nicht aus Erinnerungen, Wünschen und Durchhalteparolen. Titel und Tore sind gefragt. Und wenn die ausbleiben, zumindest Taten. Doch die aktuelle Führungsmannschaft reagierte mit einer unfassbaren Fantasielosigkeit auf den drohenden Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Sie schraubte mit ihrer Planlosigkeit den Club systematisch nach unten.

An die Qualifikation für die dritte Liga glauben nach dem gestrigen Spiel endgültig nicht einmal mehr die allergrößten Superoptimisten. Jetzt geht es um Schadenbegrenzung. Und bei Lichte betrachtet gibt es nun nur zwei Möglichkeiten: Die Kickers-Granden kommen zu der Erkenntnis, dass es wenig Sinn macht, in der vierten Liga über eine Million Euro Altlasten vor sich herzuschieben, und bereiten die Insolvenz vor. Oder sie greifen ab sofort entschlossen in die Speichen für einen Neuanfang ohne Träumereien in der dreigleisigen Regionalliga – und sprechen mit Sponsoren, Spielern und einem erfahrenen Trainer, der den Blick für Talente in der Region hat. Das große Problem dabei ist, dass genau die Leute die Weichen stellen müssen, die konsequenterweise am Saisonende eigentlich geschlossen zurücktreten müssten.

Stuttgarter Nachrichten

„Ein lebensnotwendiger Sieg“
 
Stuttgarter Kickers schlagen den SC Pfullendorf 2:0 – Erster Heimerfolg in dieser Saison
 
Stuttgart – Befreiungsschlag für die Stuttgarter Kickers: Im elften Anlauf ist dem Fußball-Regionalligisten der erste Heimsieg in dieser Saison gelungen. Mit dem 2:0 (0:0) in der Nachholpartie gegen den SC Pfullendorf verkürzte die Mannschaft von Trainer Stefan Minkwitz den Abstand zum zehnen Tabellenplatz, der zur Qualifikation für die dritte Liga notwendig ist, auf sechs Punkte.
 
Von Beate Wockenfuß

„Mir ist eine Riesenlast vom Herzen gefallen“, sagte Minkwitz, warnte aber davor, den Sieg überzubewerten: „Das war ein erster Schritt.“ Auch Manager Joachim Cast war erleichtert: „Das war ein lebensnotwendiger Sieg und das Erfolgserlebnis, auf das wir so lange gewartet haben.“ Mann des Tages war Mustafa Parmak. Der Mittelfeldspieler erzielte beide Tore (63./66.), blieb aber bescheiden: „Dass ich der Torschütze war, ist nicht so wichtig. Der Sieg war eine Erlösung für die ganze Mannschaft. Jeder hat heute für den anderen gekämpft.“Minkwitz hatte die Startformation im Vergleich zu der 0:1-Niederlage gegen den FC Bayern München II gleich auf mehreren Positionen verändert. Moritz Steinle rückte in die Abwehrreihe. Die wieder genesenen Mustafa Akcay und Oliver Stierle liefen im Mittelfeld auf. Zudem schickte Minkwitz in Sokol Kacani und Angelo Vaccaro, der für das Spiel gegen München nach der fünften Gelben Karte gesperrt gewesen war, gleich zwei Spitzen ins Rennen. Dagegen war Bashiru Gambo nicht im Kader. Dem Mittelfeldspieler wurde von Minkwitz wegen zuletzt schwacher Leistung als Kapitän eine Denkpause verordnet.Die Kickers begannen engagiert. Nach zwei Minuten setzte Kacani mit einem Kopfball ein erstes Achtungszeichen, der Stürmer brachte aber den Ball nicht im Pfullendorfer Tor unter. In der 18. Minute zeigte die Stuttgarter Offensivabteilung eine schöne Kombination: Kacani spielte einen Steilpass auf Mustafa Parmak, der auf Vaccaro flankte. Der Kickers-Torjäger scheiterte aber an dem Pfullendorfer Schlussmann Ralf Hermanutz. Doch die „Blauen“ machten weiter Druck. Die Gäste dagegen waren harmlos und erspielten sich vor der Pause nicht eine einzige Chance. Nach dem Seitenwechsel sah es zunächst so aus, als ob die Pfullendorfer besser ins Spiel kommen würden. Doch dann hatte der überragende Parmak seinen großen Auftritt. Nach einem Foul an Alexander Rosen verwandelte der Mittelfeldspieler den fälligen Freistoß aus 25 Metern zum 1:0 (63.). Drei Minuten später folgte Parmaks zweiter Streich: Eine Flanke von Rosen bugsierte er direkt in die Maschen.Vaccaro hätte per Foulelfmeter alles klar machen können, er fand aber in Hermanutz seinen Meister (71.). In der 77. Minute flog der Pullendorfer Ewald Beskid wegen einer Tätlichkeit an Marcel Rapp mit Rot vom Platz – und die Kickers fuhren ungefährdet die drei Punkte ein.

Statistik
Stuttgarter Kickers: Yelldell – Benda, Mann, Rapp, Steinle – Parmak, Rosen (80. Yildiz), Akcay, Stierle (56. Cerci) – Vaccaro (87. Tucci), Kacani.

SC Pfullendorf: Hermanutz – Gerster, Lerandy, Kiefer, Trefzger – Flum, Isailovic (68. Toprak), Knackmuß – Ghigani (80. Stadelmann) – Gül, Beskid

Schiedsrichter: Hofmann (Ansbach).

Zuschauer: 2860.

Tore: 1:0 Parmak (63.), 2:0 Parmak (66.).

Gelbe Karten: Vaccaro, Rosen, Akcay / Ghigani, Flum.

Rote Karte: Beskid (77./Pfullendorf) wegen einer Tätlichkeit.

Beste Spieler: Parmak, Akcay / Hermanutz, Ghigani.

Besonderes Vorkommnis: Vaccaro verschießt Foulelfmeter (72.).
 
Eßlinger Zeitung

Kickers stürzen SCP in die Krise
AUS STUTTGART INES FUCHS

Der SC Pfullendorf hat gestern Abend das Nachholspiel in der Fußball- Regionalliga bei den Stuttgarter Kickers mit 0:2 (0:0) verloren. Während Pfullendorfs Torhüter Ralf Hermanutz das Feichtenbeiner-Team in der ersten Hälfte noch im Spiel hielt, gingen die Gäste in Durchgang zwei unter.

Fußball Regionalliga Stuttgarter Kickers SC Pfullendorf 2:0 (0:0)Michael Feichtenbeiner weiß, wie sich Stefan Minkwitz derzeit fühlt. Vor genau acht Jahren erging es dem heutigen Trainer des SC Pfullendorf so wie Minkwitz heute – er hatte als Coach des Stuttgarter Traditionsvereins keinen Erfolg. Gestern nun standen sich der ehemalige und der heutige Trainer der Kickers als Gegner gegenüber: Die Stuttgarter empfingen den SCP zur Nachholpartie in der Fußball-Regionalliga. Aufgrund der Umstände war im Stuttgarter Gazistadion kein schönes Fußballspiel zu erwarten – schließlich ging es für beide Vereine um alles oder nichts. Wer nächste Saison in der Dritten Liga spielen will, musste die Partie in Stuttgart-Degerloch gewinnen, so einfach war das.

Die Umsetzung des Ganzen war jedoch wie erwartet ganz und gar nicht einfach. Beide Mannschaften fanden nur schwer ins Spiel, der Druck, der auf beiden Teams lastete, machte sich deutlich bemerkbar. Auf beiden Seiten landeten die Pässe mehrfach beim Gegner oder im Aus statt bei den eigenen Mannschaftskollegen. Während die Kickers jedoch wenigstens von Beginn an Kampfeinsatz zeigten und immerhin in regelmäßigen Abständen den Weg zum Tor fanden, präsentierte sich beim SC Pfullendorf nur ein einziger Mann in guter Form: Torwart Ralf Hermanutz.

Der Pfullendorfer Schlussmann machte in der ersten Hälfte gleich vier Großchancen der Gastgeber zunichte – es hätte zur Pause durchaus 4:0 stehen können. Während Hermanutz ein ums andere Mal mit glänzenden Reaktionen auffiel, waren seine Kollegen von jeder Normalform weit entfernt. Vor allem im Sturm lief beim SCP nichts zusammen – die Ausfälle der Offensivkräfte Marco Calamita und Neno Rogosic machten sich bemerkbar. Keine einzige Torchance hatten die Pfullendorfer in den ersten 45 Minuten – eine traurige Bilanz, wenn man die Bedeutung der Begegnung bedenkt.

„Je länger es 0:0 steht, desto größer werden unsere Chancen“, hatte Feichtenbeiner vor der Partie gesagt. Und auch nach der Pause schien die Partie Feichtenbeiner zu bestätigen: In den ersten 15 Minuten des zweiten Durchgangs passierte gar nichts, das Spiel plätscherte im Mittelfeld dahin.

Doch dann entschied Schiedsrichter Walter Hofmann in der 63. Minute auf Freistoß für die Kickers. Mustafa Parmak trat an – und traf. „Das hat uns das Genick gebrochen“, sagte Feichtenbeiner. Der SCP lag mit 0:1 zurück und es sollte noch dicker kommen für die Linzgauer: Nur vier Minuten später traf Parmak mit einem Weitschuss noch einmal, nach 66. Minuten stand es 2:0. Hätte Hermanutz in der 69. Minute nicht auch noch einen Elfmeter pariert, wäre es 3:0 gestanden. Zu allem Überfluss kassierte Pfullendorfs Ewald Beskid in der 78. Minute nach einer Tätlichkeit auch noch die Rote Karte – die Partie war gelaufen.

Die Stuttgarter Kickers wendeten die Tragödie erst einmal ab – und schossen den SC Pfullendorf nun endgültig in die Krise.

Südkurier

Freudentränen nach 2:0 Sieg!

Die Stuttgarter Kickers können zu Hause noch gewinnen. Gegen den SC Pfullendorf gelang nach einer Negativserie von zwölf Spielen ohne Sieg und nach zehn Monaten ohne Heimsieg endlich wieder ein dreifacher Punktgewinn. Vor 2680 Zuschauern erzielte Mustafa Parmak beide Treffer. Angelo Vaccaro vergab einen noch einen weiteren Treffer, er scheiterte mit einem Foulelfmeter am Pfullendorfer Torhüter.

Mit diesem Sieg haben die Blauen sechs Punkte Rückstand auf Platz zehn, der zur Teilnahme an der neuen eingleisigen Regionalliga berechtigt. Am Samstag geht es zum Tabellenelften Hessen Kassel.