Presse zu Stuttgarter Kickers – Hessen Kassel (2:4)

Die Saison ist gelaufen – nach elf Spielen
Regionalliga Für die Kickers brechen schwere Zeiten an.Von Joachim Klumpp

Goldener Oktober? Von wegen, und das in jeder Beziehung. Über Nacht war es ungemütlich geworden, nass und kalt, so dass lediglich 2150 Zuschauer den Weg zum Spiel der Stuttgarter Kickers gegen den Spitzenreiter Hessen Kassel ins Gazi-Stadion fanden – und auch noch eine 2:4-Niederlage erlebten. Während die Gäste danach auf den ICE zum Bahnhof eilten, ist für die Kickers der Zug in Richtung Tabellenspitze der Fußball-Regionalliga abgefahren. Und das nach elf Spielen, einem Drittel der Saison. „So haben wir uns das nicht vorgestellt“, sagt der Präsident Edgar Kurz. „Dabei stimmt bei uns eigentlich alles, bis auf den sportlichen Erfolg.“

Das Ziel hieß Platz eins bis sechs, doch selbst von Letzterem sind die Kickers als Tabellen-13. weit entfernt. Obwohl der Etat vor dieser Saison deutlich aufgestockt worden ist, auf gut zwei Millionen Euro. Nachdem die Kickers vor einem Jahr einen Punkt mehr hatten, stellt sich die Frage: Wie ist das Geld investiert worden? Offenbar nicht optimal. Die Neuzugänge jedenfalls haben die Erwartungen bisher kaum erfüllt: egal ob Ali Pala oder der spät eingewechselte Daniel Reule, Oliver Stierle oder Marcel Brandstetter, die verletzt fehlten, genau wie der kurzfristig erkrankte Marcel Rapp und der gesperrte Enzo Marchese.

So stand eine extrem junge Mannschaft auf dem Platz, in der Marcel Ivanusa mit 25 schon der älteste Spieler war. Der Gästecoach Mirko Dickhaut zeigte sich angetan: „Ich denke, die Kickers sind auf dem richtigen Weg.“ Mittelfristig vielleicht, doch so viel Zeit haben sie nicht. Denn eines ist klar: spätestens in der nächsten Saison muss der Aufstieg klappen, „sonst haben wir ein ernsthaftes Problem“ (Kurz).

Ein Problem finanzieller Natur. Denn bei dem als Anschubfinanzierung eingesetzten Kapital von rund einer Million Euro handelt es sich um ein Geschäft, bei dem der Investor Rendite sehen will, die es nur in der dritten Liga gibt. Vorerst droht schon in der laufenden Runde ein Loch, zumindest bei den Zuschauern. Hätte Kassel nicht rund 300 Fans mitgebracht, wäre die Besucherzahl am Samstag unter die 2000er-Marke gerutscht, bei der der Verein gerade noch so plus/minus null über die Runden kommt. Künftig droht also die Gefahr, bei jedem Spiel draufzulegen.

„Wir arbeiten unter professionellen Bedingungen, da können wir mit der Situation nicht zufrieden sein“, sagt der Sportkoordinator Michael Zeyer. Die Ergebnisse bestätigen den Exprofi, und man kann davon ausgehen, dass der sich in künftige Personalentscheidungen mehr einbringen wird als noch vor dieser Saison, als er diesbezüglich mit dem Trainer nicht immer auf einer Wellenlänge lag.

Bleibt die Frage, wie die Kickers mit der Situation – zum Aufstieg zu wenig, zum Abstieg zu viel – in der restlichen Saison umgehen. „Wir müssen uns zunächst einmal rehabilitieren“, fordert der Präsident Edgar Kurz, der am Wochenende schon wieder ein 111-Jahr-Jubiläum hatte (diesmal in seiner Firma), „und dann über den Tellerrand hinausschauen.“ Soll heißen: in der Winterpause muss entschieden werden, ob nochmals für die Rückrunde investiert wird oder erst im Hinblick auf die neue Saison. So oder so dürfte ein gewisses Umdenken stattfinden, wie das Beispiel Hessen Kassel zeigt, das auch dank Erfahrung im Kader an der Spitze steht, während die Kickers bisher bevorzugt Talenten oder Eigengewächsen den Vorzug gaben.

Da ist auch der Trainer Dirk Schuster gefordert, dessen Stellung längst nicht mehr so unangreifbar ist wie noch zu Saisonbeginn. Deshalb sollte kurzfristig etwas passieren. „Von der Leistung her habe ich einen Aufwärtstrend gesehen“, sagte er am Samstag, nachdem aus den vergangenen sieben Spielen nur ein Sieg heraussprang.

Auffallend war zuletzt, dass die Mannschaft körperlich einbricht oder zumindest ihre Kräfte falsch einteilt: Nach starkem Beginn baut sie häufig ab (wie beim 2:2 nach einer 2:0-Führung gegen Ulm). Und jetzt wartet wieder eine englische Woche mit dem Nachholspiel morgen in Darmstadt. „Die Aufgabe wird nicht einfacher“, ahnt Schuster. Zumal Michele Rizzi nach seiner fünften Gelben Karte fehlt.

Kickers Wagner – Auracher, Köpf, Fennell, Gerster (81. Reule) – Rizzi (66. Steinle) – Abruscia, Gondorf, Ivanusa (77. Savranlioglu) – Türpitz, Pala. Tore 1:0 Abruscia (3.), 1:1 Ochs (11.), 1:2 Mayer (13.), 2:2 Ivanusa (35.), 2:3 Damm (72.), 2:4 Koitka (90+1).

Stuttgarter Zeitung

Kickers unterliegen dem Spitzenreiter

Stuttgart (red) – Die Feierlichkeiten zum 111. Geburtstag sind vergessen: Durch die zweite Niederlage in Folge ist Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers auf Platz 13 abgerutscht – und damit endgültig im (unteren) Mittelmaß. Die ersatzgeschwächte Mannschaft unterlag vor 2150 Zuschauern Tabellenführer Hessen Kassel mit 2:4 (2:2). Trainer Dirk Schuster zog ein nüchternes Fazit: „In unserer aktuellen Situation haben wir uns sehr anständig verkauft. Mehr aber leider nicht, denn die Mannschaft mit der größeren Erfahrung hat sich durchgesetzt“.

Dabei hatte es für die Stuttgarter ausgezeichnet angefangen. Bereits in der 3. Minute schloss Sandro Abruscia nach sehenswerter Vorarbeit von Philip Türpitz zum 1:0 ab. Rene Ochs und Andreas Mayer mit einem Freistoß drehten den Spieß jedoch schnell um (11./13.). Da Marcel Ivanusa aber noch vor der Pause nach einem Torwartfehler ausglich, blieben die „Blauen“ im Spiel (35.).

Nach dem Wechsel trafen aber nur noch die Hessen: Tobias Damm (73.) und Kai Koitka (90.+2) sorgten für den letztlich verdienten Sieg des Spitzenreiters.

Eßlinger Zeitung

Stuttgarter Kickers: Keine Wende
Schuster beklagt individuelle Fehler

Die Kickers haben dieWende ver­passt: Nach dem 2:4 im „Schlüssel­spiel“ (Präsident Edgar Kurz) gegen Kassel und nur einem Sieg in den letzten sieben Partien droht eine Saison im Mittelmaß – und damit noch größere finanzielle Probleme. Das Ziel Platz eins bis sechs geben sie aber nicht auf. „Abgerechnet wird am Schluss“, sagte Geschäfts­führer Jens Zimmermann.

Zunächst war Stuttgart dem indi­viduell besser besetzten Tabellen­führer ebenbürtig, nach der Pause aber zu undynamisch. „Wir haben es nicht mehr geschafft, offensiv zu verteidigen und die Bälle aggres­siv zu erobern“, sagte Trainer Dirk Schuster. Weil Kapitän Marcel Rapp (Grippe) und drei weitere Stamm­kräfte ausfielen, bot er eine extrem junge Elf auf – und ärgerte sich über individuelle Fehler: „Wir haben drei Gegentore selbst gemacht. Wir bescheißen uns immer wieder selbst.“ Doch auch den Kickers-Treffern gingen Patzer voraus.

KSV-Trainer Mirko Dickhaut war froh, dass seine Elf nach guten Tests gegen Hannover (1:2) und Bielefeld (2:2) nicht überheblich auftrat. „Ich kann mich auf mein Team verlas­sen“, lobte er. Kassel profitierte vom Druck auf die Kickers. „Wir wollten zu sehr den Sieg“, fand Verteidiger Simon Köpf.

Matthias Jung

Kicker

Presse zu FV Illertissen – Stuttgarter Kickers II (1:1)

Prickelnde Torszenen haben Seltenheitswert

Illertissen Optimisten werden nach dem 1:1 (1:1) von Fußball-Oberligist FV Illertissen gegen die Stuttgarter Kickers II sagen: Der FVI ist nach dem siebten Heimspiel auf eigenem Platz weiter ungeschlagen; Pessimisten dagegen, dass es bereits das fünfte Unentschieden im Vöhlin-Stadion war.

Die Gäste aus Stuttgart erwiesen sich als der erwartet spielstarke Gegner. Andererseits stimmte bei den Illertissern das taktische Gefüge und die Kickers kamen kaum zu Torchancen. Da es den Illertalern ähnlich erging, lebte das Spiel nicht gerade von prickelnden Torszenen. Beide Trainer waren trotzdem nicht unzufrieden und sprachen von einem Punktgewinn.

FVI-Coach Karl-Heinz Bachthaler hatte nur eine Änderung vorgenommen: Christian Endler kam für Sascha Endres ins Team. Das Hauptgeschehen spielte sich im Mittelfeld ab, wo bei den Gästen der Ex-Ulmer Enzo Marchese das Zepter schwang. Er gehört eigentlich zum Regionalligakader der Kickers. Dort war er nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt, doch die Spielbestimmungen erlauben einen Einsatz in der zweiten Garnitur. Immer wieder gefährlich waren seine Standards. Nach einem davon köpfte Mittelstürmer Dominik Parham knapp neben das Tor (28.). Dessen Teamkollege Daniel Kaiser war entschlossener. Er jagte die Kugel nach einem Konter vom Elfmeterpunkt aus zum 0:1 ins Netz (30.).

Christian Sameisla sorgt für den Ausgleich

Ärgerlich für die Illertisser, doch in der 41. Minute schafften sie das 1:1. Kickers-Spieler Mägerle verlängerte einen hohen Ball per Kopf genau in den Lauf von Christian Sameisla, der ihn an Torhüter Mario Aller vorbei ins Netz spitzelte.

In der zweiten Hälfte nahm das Spiel noch mehr Fahrt auf. „Wir haben aber unsere Spielzüge nicht sauber zu Ende gespielt“, bemängelte Kickers-Trainer Björn Hinck. „Die Kickers haben uns nicht richtig ins Spiel kommen lassen“, sah Karl-Heinz Bachthaler das Geschehen. In der 86. Minute hätte der FVI aber fast noch den Siegtreffer erzielt. Nach schönem Spielzug blieb aber Wolfgang Erhards Flugkopfball an einem Stuttgarter Abwehrbein hängen. Pech für die Illertisser, auch wenn ein Sieg zu dem Zeitpunkt glücklich gewesen wäre.

Illertissen: Schoppel – Böck (58. Birk-Braun), Passer, Klar, Endler – Peruzzi (58. Erhard), S. Zweifel, J. Zweifel, Kuhn – Hämmerle (68. Heidecker), Sameisla. (hs)

Augsburger Allgemeine

Vorberichte Stuttgarter Kickers – Hessen Kassel

Schuster setzt auf die Fans
Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 16.10.2010

Der Gegner als Zugpferd? Heute (14 Uhr) gastiert der Spitzenreiter Hessen Kassel im Gazi-Stadion bei den Stuttgarter Kickers – da braucht es keine besonderen Aktionen rund ums Spiel. „Der Tabellenführer kommt, das muss genügen“, sagt der Geschäftsführer Jens Zimmermann vor der für seinen Club richtungweisenden Partie in der Fußball-Regionalliga: „Ich sehe die große Chancen für einen Befreiungsschlag.“ Nach sechs Spielen mit nur einem Sieg kämpfen die Kickers gegen das Schattendasein in der sowieso schon unattraktiven Liga. „Für uns ist das Spiel eine Herausforderung“, sagt der Trainer Dirk Schuster, „wir wollen beweisen, dass wir zu mehr in der Lage sind als zuletzt gezeigt.“

In der Favoritenrolle sieht er sein Team nicht, zumal in Enzo Marchese, Marcel Brandstetter und wohl auch Oliver Stierle drei Stammspieler fehlen. Am System wird das nichts ändern: „Jéräme Gondorf hat die besten Chancen, als Spielmacher aufzulaufen“, sagt Schuster, der zudem wie gewohnt auf zwei Stürmer setzen wird: Ali Pala hat beim WFV-Länderpokal einen guten Eindruck hinterlassen, ebenso wie Philip Türpitz. Daniel Reule ist wieder fit und Mahir Savranlioglu wird ebenfalls als Angreifer geführt. „Ein Sieg wäre sicher für alle förderlich“, weiß Schuster, „und wir arbeiten mit aller Macht darauf hin.“ Das soll sich von der ersten Minute an zeigen. „Wir wollen die Zuschauer mitnehmen.“ Und die Punkte am besten auch. ump

Stuttgarter Zeitung

Kickers contra Kassel: Tradition verpflichtet
Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 15.10.2010
Regionalliga Stuttgart empfängt den Spitzenreiter, der ein Vorbild sein könnte. Von Joachim Klumpp

Wenn morgen (14 Uhr) Hessen Kassel im Gazi-Stadion aufläuft, dann geht es für die Stuttgarter Kickers in der Fußball-Regionalliga fast schon um alles oder nichts – zumindest was den Aufstieg in dieser Saison angeht. Denn bei einer Niederlage und dann 14 Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter wäre der Zug in Richtung Meisterschaft abgefahren. Ansonsten liegen die beiden Traditionsvereine indes nicht so weit auseinander. Die Parallelen und Unterschiede:

Ausgangslage
Hessen Kassel und die Stuttgarter Kickers gehören beide zu den sogenannten Traditionsmannschaften in der Regionalliga. Wobei der aktuelle Kassler Verein erst seit dem 3. Februar 1998 existiert, nachdem der Vorgängerclub Insolvenz anmelden musste. Die Folge war ein Neuanfang in der achten Liga unter dem seitherigen Vorstandsvorsitzenden Jens Rose („ein anderer wollte es nicht machen“), der am Ende der Saison möglichst mit dem Aufstieg gekrönt werden soll. Die Kickers konnten eine Insolvenz in den vergangenen Jahren mit vereinten Kräften stets vermeiden, wandeln finanziell aber nach wie vor auf einem schmalen Grat. „Als Zehnter hat man bald keine Zuschauer mehr“, sagt der Präsident Edgar Kurz.

Vergangenheit
Während die Stuttgarter Kickers die Qualifikation zu der neu geschaffenen dritten Liga 2008 auf den letzten Drücker schafften, mussten die Hessen damals den bitteren Gang in die vierte Liga antreten. Mit einem klaren Dreijahresplan: erst etablieren, dann vorne mitspielen – jetzt der Aufstieg. Dieser Ablauf deckt sich mit den (zeitversetzten) Zielen der Stuttgarter Kickers, die bekanntlich nach einem Jahr aus der dritten Liga abgestiegen sind und danach ebenfalls ein Konzept über drei Jahre ausgegeben haben.

Konzept
In der Regionalliga hat Kassel beim Neuaufbau vornehmlich auf junge und talentierte Spieler gesetzt, die hauptsächlich über fußballerische Qualitäten verfügen sollten, ganz ähnlich wie die Kickers unter dem Trainer Dirk Schuster. Nach der relativ enttäuschenden Vorsaison allerdings ist ein Kurswechsel in Kassel erfolgt, verbunden mit der Erkenntnis, dass man mit einem Schönheitspreis in dieser Klasse nicht aufsteigt. „Wir wollten Spieler, die Gras fressen“, drückt es der Vorsitzende Rose drastisch aus. Zum Beispiel Andreas Mayer (zuletzt SSV Ulm), der zudem die nötige Erfahrung besitzt. Genau wie der Ex-Gladbacher Enrico Gaede oder Tobias Damm, der mit dem langjährigen Torjäger Thorsten Bauer ein gefährliches Angriffsduo bildet. „Von der Papierform her sind wir deutlich unterlegen“, sagt Schuster. Wobei es auch bei den Kickers durchaus Diskussionen gibt, ob der eingeschlagene personelle Weg zum Erfolg führt, nicht nur weil der Sportkoordinator Michael Zeyer zum Teil konträre Vorstellungen hat.

Infrastruktur
Beide Vereine sind von den Rahmenbedingungen gut aufgestellt, wobei Kassel beim nächsten Heimspiel gegen Nürnberg II endlich das komplett sanierte Auestadion einweihen wird. Mit einer Kapazität für dann 18 800 Zuschauer (davon rund die Hälfte Sitzplätze), „ist es absolut zweitligareif“, wie Rose betont. Selbst die Laufbahn, die wegen der Fördermittel des 22-Millionen-Projektes unabdingbar war, tut der guten Stimmung keinen Abbruch, wie zuletzt 9500 Zuschauer gegen Darmstadt unterstrichen. „Das war Drittligaatmosphäre“, schwärmt der Gästecoach Kosta Runjaic. So weit sind die Kickers zwar nicht, aber auch das Gazi-Stadion kann sich eine Klasse höher durchaus sehen lassen. Welche Bedeutung beide Vereine für die Regionalliga haben, unterstreicht die Zuschauertabelle: da führt Kassel vor den Kickers – allerdings mit genauso deutlichem Abstand wie in der sportlichen Tabelle (5417 zu 2653 Besucher).

Finanzen
Ausgeglichen gestaltet sich das Budget der beiden Vereine – mit jeweils um die zwei Millionen Euro (für den Gesamtverein). Das ist überschaubar, wobei Rose sagt: „Die Frage ist doch immer: Wie viel muss man ausgeben, damit der Erfolg planbar ist?“ Zumindest bei den Fahrtkosten spart der Verein, der erst am Spieltag – mit dem Zug – anreisen will.

Aktuell
Hessen Kassel hat das spielfreie Wochenende mit zwei Freundschaftsspielen – gegen Hannover 96 (1:2) und Arminia Bielefeld (2:2) – durchaus erfolgreich überbrückt, während die Kickers das Testspiel beim Drittligisten VfB II mit 1:3 verloren. Dennoch sagt der Trainer Schuster: „Das war besser als jedes Training.“ Definitiv fehlen werden der gesperrte Enzo Marchese sowie Marcel Brandstetter (Muskelfaserriss). Oliver Stierle ist zwar wieder ins Training eingestiegen, dürfte aber zumindest nicht von Beginn an zum Einsatz kommen. Dagegen kann Kassel weitgehend aus dem Vollen schöpfen kann. Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Verteidiger Benjamin Weigelt (Bauchmuskelzerrung).

Zukunft
Kassel will aufsteigen, muss aber nach eigenen Angaben nicht, weil keine langfristigen Verbindlichkeiten bestehen. Die Kickers müssen (dieses Jahr) nicht hoch, würden aber nur allzu gerne. Erst zuletzt hat der Präsident Edgar Kurz betont: „Diese Todesliga ist auf Dauer mit den Ansprüchen des Vereins nicht finanzierbar.“ Im Hinblick auf das Schlüsselspiel fügte er hinzu: „Ein Sieg gegen Kassel wäre ein wichtiges Signal.“ Vor allem für das Umfeld: Fans, Sponsoren – und Kritiker.

Stuttgarter Zeitung

Schuster fordert Leidenschaft

Stuttgart (red) – Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers empfängt heute (14 Uhr) den Tabellenführer Hessen Kassel. Bereits elf Punkte trennen die beiden Mannschaften voneinander. Um den Abstand zu verringern, fordert Kickers-Trainer Dirk Schuster einen von Beginn an selbstbewussten Auftritt, Power und Leidenschaft: „Wir wollen den Gegner unter Druck setzen. Dann haben wir eine reelle Siegchance.“

Vor dem Comeback steht Oliver Stierle nach überstandenem Muskelfaserriss. Für Spielmacher Enzo Marchese (fünfte Gelbe Karte) wird wohl Jerome Gondorf in die Zentrale rücken. Außerdem fehlen Angreifer Marcel Brandstetter (Muskelfaserriss) und der Langzeitverletzte Dirk Prediger (Kreuzbandriss).

Eßlinger Zeitung

Damm will Spitze sein

Kassel. Wer an den Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel dieser Tage denkt, der blickt auf den 24. Oktober: Spiel gegen den 1. FC Nürnberg II, viele Zuschauer, Einweihung der Haupttribüne. Und das ist die Gefahr für diesen Samstag.

Bislang schon fünf Tore für den KSV erzielt: Auf Tobias Damm (weißes Hemd) hoffen die Löwen-Fans auch am Samstag in Suttgart. Das Foto entstand im Spiel gegen Weiden. Foto:? Fischer

Denn da hat die Mannschaft von Trainer Mirko Dickhaut auch noch ein nicht ganz so unwichtiges Spiel zu absolvieren. Bei den Stuttgarter Kickers gilt es, den Vorsprung an der Tabellenspitze zu verteidigen. Anpfiff im Gazi-Stadion in Stuttgart-Degerloch ist um 14 Uhr.

Dickhaut hat sich zuletzt nur mit dieser Partie beschäftigt. Beleg dafür ist, dass er mit dem Team die neuen Umkleidekabinen im Auestadion erst nächste Woche besichtigen will. Volle Konzentration auf Stuttgart. Bis dahin will er auch die guten Testspielergebnisse gegen den Bundesligisten Hannover (1:2) und den Zweitligisten Bielefeld (2:2) aus den Köpfen der Spieler bekommen: „Wenn wir jetzt glauben, dass wir Stuttgart locker besiegen, bekommen wir einen auf die Mütze.“

Dickhaut glaubt aber, seine Schützlinge seien so stabil, dass sie „immer Antrieb haben“. Eine zusätzliche Motivation könnte sein – jetzt dreht sich der Spieß um: Bei einem Sieg kommen wohl noch mehr Besucher zur Einweihung der Haupttribüne am 24. Oktober. Das sieht auch Tobias Damm so: „Wenn wir einen Dreier aus Stuttgart mitbringen, ist die Hütte gegen Nürnberg voll.“

Damm kommt vor der Partie beim Tabellenzehnten eine besondere Rolle zu: Er weiß, dass er spielen wird, aber er weiß noch nicht genau, auf welcher Position er eingesetzt wird. Bei den angesprochenen Testbegegnungen fungierte er auf der rechten Seite als offensiver Mittelfeldspieler und wusste zu überzeugen.

„Bin so torgefährlicher“
Der bald 27-Jährige selbst sieht sich aber weiterhin eher als Spitze. „Als Stürmer in der Mitte fühle ich mich wohler. Da bin ich auch torgefährlicher.“ Da passt es, dass die Tendenz von Trainer Dickhaut vor dem Spiel gegen Stuttgart zu einem System mit zwei Angreifern geht: Thorsten Bauer und Tobias Damm. Ganz abgeschlossen hat er seine Überlegungen aber noch nicht. Gut möglich, dass er während des Spiels auch noch einmal umstellt. Er hat jetzt die Gewissheit, dass auch die Alternative zum bisher in der Saison praktizierten System funktioniert.

Mehr Alternativen hat er auch wieder in personeller Hinsicht. Dickhaut kann wahrscheinlich auf den zuletzt verletzten Benjamin Weigelt zurückgreifen, dessen Heilung unter der Woche gute Fortschritte gemacht hat. Ob der Außenverteidiger die Fahrt am Samstag in die Hauptstadt Baden-Württembergs mitmachen wird, entscheidet sich heute. Bleibt ein kleines Problem: Der KSV Hessen reist mit dem Zug an. Endstation: der Stuttgarter Hauptbahnhof. Da weiß derzeit niemand so recht, was einen erwartet. „Wir hoffen, dass da alles glatt läuft“, sagt Mirko Dickhaut.

Von Florian Hagemann

HNA.de

StZ: Die Revanche bleibt aus

Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 11.10.2010
Kickers Die Legenden-Elf unterliegt Viktoria Berlin 3:5, die aktuelle Mannschaft bangt um Marcel Brandstetter. Von Joachim Klumpp

Die Stuttgarter Kickers haben gerufen – und (fast) alle sind gekommen. Ob Kazimir Kmiecik aus Polen oder Dimitrios Moutas aus Griechenland, um nur die beiden Spieler mit der weitesten Anreise zu nennen, die für das 111-Jahr-Jubiläum des Traditionsclubs gewählt worden waren. Die Mannschaft spielte gegen den Verbandsligisten Viktoria Berlin – den Verein, gegen es im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1908 ein 0:3 gegeben hatte. Und auch die Revanche am Samstag misslang. Die Legenden-Elf unterlag 3:5, wobei der Exmanager Dieter Dollmann einen Elfmeter vergab.

„Eine gelungene Veranstaltung“, sagte Präsident Edgar Kurz, „wenn es sportlich nur auch so bei uns laufen würde.“ Die erste Mannschaft hatte am Wochenende spielfrei – fast zumindest. Denn am Freitag unterlag sie in einem Testspiel dem VfB Stuttgart II mit 1:3. „Das war besser als jedes Training“, sagte der Coach Dirk Schuster, zumal das auch nicht immer reibungslos verläuft. Tags zuvor hatte sich der Stürmer Marcel Brandstetter verletzt. Die Diagnose Muskelfaserriss dürfte einen Einsatz im Heimspiel am Samstag nahezu unmöglich machen – ausgerechnet gegen den Regionalliga-Spitzenreiter Hessen Kassel.

Stuttgarter Zeitung

StZ: „Die Regionalliga ist tödlich“ Nachgefragt

Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 08.10.2010
Die Jahrhundertelf der Stuttgarter Kickers mit Guido Buchwald trifft morgen (15.30 Uhr) auf Viktoria Berlin.

Herr Buchwald, waren Sie denn überrascht, bei der Wahl des Jubiläumsteams der Stuttgarter Kickers die meisten Stimmen bekommen zu haben – noch vor einem Spieler wie Jürgen Klinsmann?

Zunächst hatte ich gar nicht unbedingt damit gerechnet, überhaupt in die Jahrhundertelf gewählt zu werden. Dass ich dann sogar der Stimmenkönig geworden bin, freut mich natürlich.

Mit welcher Erwartung gehen Sie denn in das Spiel gegen Viktoria Berlin, den Finalgegner um die Deutsche Meisterschaft 1908?

Zunächst einmal damit, dass das ein tolles Ereignis ist, wo man alte Bekannte trifft und wo die Tradition der Kickers auflebt. Denn der Verein hat in Stuttgart immer noch einen Stellenwert, auch wenn er sportlich bis in die vierte Liga abgerutscht ist.

Und selbst da verkörpert die Mannschaft momentan nur Mittelmaß. Woran liegt das Ihrer Ansicht nach, nachdem der Club vorne mitspielen wollte?

Ich habe in der Vorbereitung einige Spiele gesehen, auch das Derby gegen den VfB, und war danach überzeugt, dass die Mannschaft intakt ist. Warum sie jetzt einen Durchhänger hat, ist für mich schwer nachvollziehbar. Ich kenne die Regionalliga und war sicher, dass die Kickers vorne mitspielen werden.

Wenn Sie die Regionalliga kennen: Ist ein Traditionsverein wie die Kickers da auf Dauer denn überlebensfähig?

Von der Konstellation, wie die Liga jetzt gehandhabt wird – ein Beispiel sind die sinkenden Fernsehgelder -, ist das unheimlich schwer. Man muss da also schnell wieder raus. Sonst wird man auch für Sponsoren und das Umfeld uninteressant. Oder aber der DFB ringt sich doch noch durch, etwas zu ändern. Bei nur einem Aufsteiger droht rasch Langeweile – und das ist tödlich.

Sie haben einst bei den Kickers gespielt und sind immer wieder im Gespräch, eine Funktion zu übernehmen. Ist das denkbar?

Also momentan kann ich mir das nicht vorstellen. Seit Herr Kurz das Amt des Präsidenten übernommen hat, ist der Verein gut aufgestellt und hat sich in der Außenwirkung positiv entwickelt. Aber ich versuche schon, immer wieder unterstützend zu wirken. Schließlich hängt mein Herz nach wie vor noch an den Kickers.

Die Fragen stellte Joachim Klumpp.

Stuttgarter Zeitung

StZ:“Natürlich müssen wir uns hinterfragen“

Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 06.10.2010
Fußball Der zehnte Platz gibt demKickers-Präsidenten Edgar Kurz zu denken. Von Joachim Klumpp

Tradition verpflichtet. Deshalb hat der Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers seinen obligatorischen „blauen Montag“ auf dem Cannstatter Wasen nicht abgesagt, trotz der 0:1-Niederlage beim SC Freiburg II. „Da unterscheiden wir uns vom FC Bayern“, sagt der Präsident Edgar Kurz, nachdem der Bundesligist seinen Wiesn-Besuch kurzerhand gestrichen hatte. In einem anderen Punkt aber gibt es eine Übereinstimmung. Nachdem der Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge mit Blick auf die Tabelle betont hatte, „ich weigere mich, den Titel jetzt schon abzuschreiben“, bläst Kurz ins gleiche Horn: „Aber wir sind sehr weit von dem Weg entfernt, den wir uns vorgenommen hatten.“

Der sollte zwar nicht zwingend zum Aufstieg führen, aber zumindest in Richtung des ersten Platzes – und dorthin fehlen dem Tabellenzehnten schon elf Punkte. Schlimmer noch: der Trend zeigt nach unten, nachdem die Mannschaft von den jüngsten sechs Spielen nur eines gewonnen hat und in Freiburg weder das Ergebnis gestimmt hat noch die Leistung. „Das ist bedenklich“, gibt Kurz zu. Doch dass der Fußball nicht immer berechenbar ist, zeigten auch Beispiele wie der FC Bayern oder der VfB Stuttgart, „ohne von uns ablenken zu wollen“, so Kurz: „Natürlich müssen wir uns hinterfragen, ob wir alles richtig gemacht haben.“

In erster Linie gilt das für die Kaderzusammenstellung, zumal es diesbezüglich im Sommer zu Differenzen kam zwischen dem Trainer Dirk Schuster und dem von einem anonymen Investor eingesetzten Sportkoordinator Michael Zeyer, der zum Beispiel Sascha Rösler (zuletzt 1860 München) holen wollte. Die atmosphärischen Störungen sind auch Kurz nicht verborgen geblieben: „Man muss sich nicht lieben, um Erfolg zu haben. Aber wir wollen die Kickers voranbringen, deshalb muss jeder seine Qualitäten einbringen.“ Zumal der Investor für sein Geld etwas sehen will und es nur noch eine Frage der Zeit (oder der Niederlagen) sein könnte, bis er sich aktiver einmischt.

Schließlich hatte Dirk Schuster vor der Saison von einem besseren Kader als im Vorjahr gesprochen; Worte, an denen er sich messen lassen muss. Er sagt: „Es müssen neben Enzo Marchese auch andere Spieler Verantwortung übernehmen.“ Michele Rizzi im Mittelfeld etwa oder der momentan verletzte Oliver Stierle, der die Erwartungen zuvor ebenfalls nicht hundertprozentig erfüllen konnte. Bleibt die Frage, ob die Kickers personell noch nachbessern, mit arbeitslosen Akteuren. „Der Markt gibt nicht viel her“, sagt Schuster.

Zudem hat sich der Verein auf die Fahne geschrieben, zunächst Spielern aus den eigenen Reihen eine Chance zu geben. Daher rückten gestern auch drei Mann aus dem bisher recht erfolgreichen Oberligastamm des Trainers Björn Hinck nach oben: Ugur Yilmaz, Fabio Leutenecker und Ramazan Kandazoglu. Ob das zur Leistungssteigerung ausreicht, ist eine andere Frage.

Außer Frage steht: das vermeintliche Spitzenspiel daheim gegen Hessen Kassel in anderthalb Wochen wird jetzt zu einem Schlüsselspiel. Bei einer Niederlage und dann 14 Punkten Rückstand würden die Probleme wohl erst richtig anfangen: sportlich, wirtschaftlich und personell.

Stuttgarter Zeitung