Führungswechsel im Kickers-Präsidium: Prof. Rainer Lorz neuer Präsident der Blauen

Auch Guido Buchwald übernimmt Verantwortung im Gremium des Degerlocher Traditionsvereins

Einen Tag vor seiner diesjährigen Mitgliederversammlung am morgigen Montag, 29. November 2010, hat sich das Präsidium des Sportverein Stuttgarter Kickers am heutigen Sonntag neu formiert. Mit Wirkung zum 30. November 2010 werden der bisherige Präsident Edgar Kurz sowie Dieter Wahl, Tino Köstel und Axel Kolberg von ihren Ämtern im Präsidium der Stuttgarter Kickers zurücktreten. Friedrich Kummer hatte seinen Rücktritt aus dem Führungsgremium der Blauen bereits am 9. November erklärt. In einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am Sonntagnachmittag berief der Aufsichtsrat des Degerlocher Fußball-Regionalligisten das künftige Präsidium. Von Mittwoch, 1. Dezember 2010, an wird der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende, Prof. Dr. Rainer Lorz, übergangsweise das Amt des Präsidenten übernehmen. Derweil kommt Guido Buchwald zu den Blauen zurück: Der 49 Jahre alte Ex-Profi wird im neuen Präsidium für das Ressort Fußball/1.Mannschaft verantwortlich zeichnen.

Für die Finanzen ist künftig Tobias Schlauch im Präsidium des Degerlocher Traditionsvereins tätig. Der 33-Jährige stammt aus Esslingen und ist als Direktor bei der Deutschen Bank tätig. Der bislang im Präsidium für den Bereich Finanzen zuständige Gerhard Baumeister übernimmt künftig die Ressorts Marketing/Vertrieb und Andere Abteilungen. Christian Dinkelacker führt in Zukunft den Aufsichtsrat als dessen Vorsitzender, Alexander Lehmann wird sein Stellvertreter.

Der künftige Kickers-Präsident Prof. Dr. Rainer Lorz bedankte sich für die Arbeit des bisherigen Präsidiums. „Edgar Kurz, Dieter Wahl, Axel Kolberg, Tino Köstel und Friedrich Kummer haben sich in einer nicht einfachen Situation für die Stuttgarter Kickers engagiert. Dafür gilt Ihnen der Dank des Vereins und seiner Mitglieder.“

Guido Buchwald freut sich unterdessen auf die Aufgaben bei den Stuttgarter Kickers, mit denen er als Spieler 1979 Deutscher A-Jugend-Meister wurde und für den er anschließend vier Jahre lang als Profi in der zweiten Fußball-Bundesliga spielte.

„Als mich Edgar Kurz bereits vor zwei Wochen auf ein Engagement meinerseits bei den Kickers angesprochen hatte, habe ich spontan meiner Bereitschaft erklärt eine Funktion zu übernehmen. Auch in der neuen Konstellation des Präsidiums werde ich mich nun gerne vollumfänglich für die Kickers einbringen“, erklärt der 49-jährige Buchwald. „Es warten umfangreiche Aufgaben auf uns. Es gilt jetzt erfolgreich die Weichen zu stellen, um spätestens in der Saison 2011/2012 den Aufstieg in die 3. Liga zu realisieren“, sagt der Fußball-Weltmeister von 1990.

Bei der morgigen Mitgliederversammlung des SV Stuttgarter Kickers im Degerlocher SSB-Waldaupark (Beginn 19 Uhr) wird das tags darauf ausscheidende Präsidium über das vergangene Geschäftsjahr seinen Bericht abgeben. Das neue Präsidium unter der Führung von Prof. Dr. Rainer Lorz tritt dann am Mittwoch, 1. Dezember 2010, seine neuen Aufgaben an.

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Kickers-Heimspiel gegen SC Pfullendorf witterungsbedingt abgesagt

Das Heimspiel des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers an diesem Sonntag gegen den SC Pfullendorf ist im Anschluss einer Besichtigung einer Platzkommission durch den Süddeutschen Fußballverband (SFV) am heutigen Samstagvormittag abgesagt worden. Nach dem Wintereinbruch in dieser Woche liegt auf dem tief gefrorenen Rasenspielfeld des GAZi-Stadions in Degerloch eine geschlossene und acht Zentimeter hohe Schneedecke – an Fußball ist angesichts dessen nicht zu denken.

Ein Nachholtermin der Partie des 18. Spieltags in der Fußball-Regionalliga Süd steht bislang noch nicht fest.

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StZ: Buchwald ante portas

Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 27.11.2010
Kickers Der Fußball-Regionalligist will den Weltmeister in sein Präsidium aufnehmen.

Bei den Stuttgarter Kickers wurden auf dem Vereinsgelände gestern die Parkplätze knapp. Im Clubhaus tagte über Mittag fast die komplette Führungsriege einschließlich Investor. Der machte sich angesichts der sportlich bisher enttäuschenden Saison sowie sinkender Zuschauerzahlen Gedanken um sein finanzielles Engagement und die Liquidität des Clubs, gleichzeitig ging es aber auch um Namen. Noch vor der Hauptversammlung am Montag soll der Fußball-Weltmeister Guido Buchwald als neues Präsidiumsmitglied aufgenommen werden. „Ich habe mit den Verantwortlichen gesprochen und mir das angehört. Perfekt ist aber nichts“, sagte der Exprofi gestern. Dennoch spricht momentan alles dafür, dass diese Akte noch über das Wochenende geschlossen wird.

Als ehrenamtliches Vorstandsmitglied (für das möglicherweise der Kommunalpolitiker Dieter Wahl weicht) dürfte Buchwald allerdings kein Gehalt bekommen und somit auch die klamme Vereinskasse nicht weiter belasten. Im Gegensatz zu dem Sportkoordinator Michael Zeyer, der zunächst einmal weiter im Amt bleiben würde – wobei die Abgrenzung der jeweiligen Kompetenzen noch Klärungsbedarf erfordert. Zumal im Präsidium erst vor kurzem Friedrich Kummer vom Schatzmeister in den sportlichen Bereich der ersten Mannschaft wechselte und in Tino Köstel (Amateure und Nachwuchs) ein weiterer Fußballfachmann im Gremium sitzt. Zu guter Letzt will ja auch der Trainer Dirk Schuster noch ein Wörtchen mitsprechen.

Zum Spiel gegen Pfullendorf (morgen, 14 Uhr) sagte er: „Wir haben Dienstag und Mittwoch acht Stunden auf dem Platz gestanden und im Zweikampf Akzente gesetzt.“ Zudem plant er eine spezielle Ansprache vor dem Spiel. Falls das überhaupt stattfinden kann, denn der Wintereinbruch (siehe auch „Der Platz soll geräumt werden“) lässt kaum zwei Spiele innerhalb von 24 Stunden zu. Sollte die Partie ausfallen, hätte das zumindest den Vorteil, dass die Verantwortlichen diese Zeit nutzen könnten, um die letzten Details mit Guido Buchwald zu klären. ump

Stuttgarter Zeitung

StN: Eisige Atmosphäre bei den Kickers

Stuttgarter Kickers
Von Jürgen Frey, aktualisiert am 26.11.2010 um 19:25

Stuttgart – Das Gazistadion ruht unter einer Schneedecke, sieben Zentimeter hoch liegt der gefrorene Niederschlag, die Austragung des ersten Rückrunden-Punktspiels der Stuttgarter Kickers an diesem Sonntag (14 Uhr) gegen den SC Pfullendorf ist stark gefährdet. „Wir wollen unbedingt spielen“, sagt Dirk Schuster, Trainer des Fußball-Regionalligisten, „das Team brennt auf die Wiedergutmachung der schwachen Leistung beim 0:4 gegen Wormatia Worms.“

Selbst wenn es zum erwarteten Spielausfall kommen wird, langweilig wird es den Strategen auf Degerlochs Höhen nicht. Derzeit werden die entscheidenden personellen Weichen in der Führungsetage für die Zukunft gestellt. Wie berichtet, soll dabei Guido Buchwald die Schlüsselrolle übernehmen und künftig im Präsidium für die sportlichen Belange zuständig sein. In diesem Punkt sind sich die teils heftig zerstrittenen Parteien ausnahmsweise sogar mal einig. Das ist der kleinste gemeinsame Nenner.

Das Präsidium, inklusive Geschäftsführer Jens Zimmermann, würde sich gerne mit dem Weltmeister von 1990 als Neuzugang für die Führungsetage schmücken. Für den Aufsichtsrat hat die Idee ebenfalls Charme, und auch der anonyme Investor hätte nichts dagegen. Im Gegenteil: Wenn es nach Mister X gegangen wäre, hätte Buchwald schon vor einem Jahr bei den Blauen seinen Dienst begonnen. Doch die Häuptlinge des Viertligisten entschieden sich anders. Michael Zeyer bekam den Zuschlag als Sportkoordinator.

Und genau um seine Person geht es in den Grabenkämpfen zwischen dem Großteil des Präsidiums und dem Geschäftsführer auf der einen Seite sowie dem Aufsichtsrat und dem Investor auf der anderen. Es rumort schon seit Wochen, die Atmosphäre ist ähnlich eisig wie die Temperaturen im Gazistadion. Das Präsidium hat sich bereits vor zehn Tagen mehrheitlich gegen Zeyer entschieden. Das Kontrollgremium und der Investor dagegen schätzen Zeyers analytische Arbeitsweise. Sie beharren darauf, dass der Ex-Profi weitermacht und künftig den Doppelpass mit Buchwald spielt. Zumindest Zeyer könnte sich das gut vorstellen. „Buchwald wäre eine gute Lösung. Dadurch käme zusätzliche Kompetenz ins Präsidium.“

Die Fronten sind verhärtet. Von Donnerstag auf Freitag tagte der Aufsichtsrat bis tief in die Nacht. Am Freitag saß um die Mittagszeit das Präsidium zusammen. Auch danach jagte eine Gesprächsrunde die nächste. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch ohne konkretes Ergebnis. Wie es heißt, verbinden Präsident Edgar Kurz und seine treuesten Mitstreiter Dieter Wahl und Tino Köstel ihr Schicksal mit dem Abgang von Zeyer. Sollte der Sportkoordinator bleiben, scheint ein Rücktritt des Teams um Kurz nicht ausgeschlossen – womöglich sogar noch vor der Mitgliederversammlung am kommenden Montag.

Bliebe dann die knifflige Frage: Wer könnte das Amt von Kurz (Präsident seit 15. Juli 2009) übernehmen? Buchwald wohl kaum. Genauso wenig Rainer Lorz, er gilt als Idealbesetzung für das Amt des Aufsichtsratschefs. Präsidiumsmitglied Friedrich Kummer hat beruflich zu viel um die Ohren. Bliebe noch Gerhard Baumeister (47). Der Banker ist zwar erst seit 18. Oktober Schatzmeister, doch er soll einen guten Draht zu Buchwald, Lorz und zum Investor haben. Doch unterm Fernsehturm ist in dieser Geschichte bei den Kickers das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Stuttgarter Nachrichten

Großes Fragezeichen hinter Austragung des Kickers-Heimspiels gegen den SC Pfullendorf

Nach dem Wintereinbruch ist an diesem Sonntag nur schwer an Fußball im GAZi-Stadion zu denken

Die Austragung der Heimpartie des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers an diesem Sonntag (14 Uhr) gegen den SC Pfullendorf ist stark gefährdet. Der Grund: Auf dem Rasen-Spielfeld im GAZi-Stadion auf der Waldau liegt nach dem jüngsten Wintereinbruch momentan eine sieben Zentimeter hohe Schneedecke. Eine Wetteränderung soll es laut der aktuellen Wetterprognosen nicht geben.

Außerdem steht für die Drittligamannschaft des Bundesligisten VfB Stuttgart an diesem Samstag in Degerloch das Heimspiel gegen den VfR Aalen auf dem Spielplan. Angesichts dieser Umstände erscheint die geplante Ansetzung der Kickers-Begegnung am ersten Rückrunden-Spieltag in der Fußball-Regionalliga Süd sehr fraglich. Nach dem erwähnten VfB-Drittligaspiel wird am Samstagnachmittag eine Platzkommission den Rasenplatz im GAZi-Stadion besichtigen.

Bereits abgesagt worden sind am heutigen Freitag aufgrund der Witterung vier Regionalligapartien des 18. Spieltags:
SpVgg Weiden – Hessen Kassel
1. FC Nürnberg II – FC Memmingen
SSV Ulm 1846 – SpVgg Greuther Fürth II
SC Freiburg II – Karlsruher SC II

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StZ: Den Kickers droht die Zerreißprobe

Artikel aus der STUTTGARTER ZEITUNG vom 26.11.2010
Hauptversammlung
Beim Regionalligisten löst in erster Linie die Position des Sportkoordinators Diskussionen aus. Nachdem Michael Zeyer und der Trainer Dirk Schuster nicht harmonieren, ist inzwischen auch Guido Buchwald im Gespräch. Von Joachim Klumpp

Der Kickers-Präsident Edgar Kurz ist diese Woche zwei Tage in Kassel gewesen – rein geschäftlich wohlgemerkt, und nicht etwa, um beim örtlichen Fußballclub Nachhilfe zu nehmen, wie man erfolgreich in der Regionalliga spielt. Kassel ist nach der Hinrunde souveräner Tabellenführer, die Kickers sind schon abgeschlagen Neunter. Doch das ist bei den Blauen nicht die einzige Baustelle vor der Hauptversammlung am Montag.

Sportlich
Die Kickers sind nach der Hinserie Neunter, das ist exakt die gleiche Platzierung wie zum Abschluss der Vorsaison. Stagnation heißt in diesem Fall Rückschritt, zumal die Verantwortlichen offiziell Platz eins bis sechs als Saisonziel ausgegeben haben. Wobei nicht nur der Präsident Edgar Kurz weiß, dass die Meisterschaft und damit der Aufstiegszug ohne die Kickers abgefahren ist: „Das ist gelaufen“, sagt Kurz, „alles andere ist illusorisch.“

Deshalb gilt es, in der Winterpause die Weichen für die nächste Saison zu stellen. Wer kommt – und vor allem wer geht? Ganz oben auf der Verkaufsliste steht ein Spitzenverdiener: der ins zweite Team verbannte Stürmer Daniel Reule. Der hat die Erwartungen, neben dem einen oder anderen Mitspieler auch, nicht erfüllt. „Fußball ist eben teilweise unberechenbar“, sagt Edgar Kurz, „und nicht wie Schach, wo man sagen kann: der nächste Zug sitzt.“

Wirtschaftlich
Rote Zahlen sind bei den Blauen nichts Ungewöhnliches. „Wir müssen jeden Monat schauen, dass wir unseren Verpflichtungen nachkommen“, sagt Edgar Kurz. Was er nicht sagt: auch über Degerloch könnte das Damoklesschwert der Insolvenz schweben, das ja schon die Nachbarn SSV Reutlingen und möglicherweise den SSV Ulm (auch wenn deren Verantwortliche noch hoffen, dass das Verfahren nicht eröffnet werden muss) getroffen hat. „Auf Dauer ist man in dieser Liga tot“, sagt der Präsident und weiß nur zu gut, dass nächste Saison der Aufstieg geschafft werden muss.

Er betont in diesem Zusammenhang aber, dass der Club in den vergangenen anderthalb Jahren erst einmal etliche Altlasten klären musste. Die vereinbarten Ratenzahlungen an die Gläubiger – etwa das Finanzamt oder den Expräsidenten Hans Kullen – „gehen natürlich an die laufende Liquidität“, sagt Kurz.

Trainer
Edgar Kurz hat sich von Anfang an für Dirk Schuster eingesetzt und stärkt ihm auch jetzt den Rücken, zumal Trainer (und Mannschaft) selbst eine andere Erwartungshaltung hätten und bei den Neuverpflichtungen wie Ali Pala oder Marcel Brandstetter bewusst Spieler mit Perspektive geholt wurden, deren Verträge an das Aufstiegsziel 2012 ausgelegt wurden. „Der Trainer ist für mich kein Thema“, sagt Kurz, der in diesem Punkt bewusst auf Kontinuität setzt.

Investor
Ob das auch der zu dieser Saison eingestiegene Investor so sieht? Der hat den Kickers eine Anschubfinanzierung von angeblich etwa einer Million Euro zugesichert – allerdings mit der Erwartung einer Rendite über die Vertragslaufzeit, die auf zehn Jahre ausgelegt sein soll.

Das ist Chance und Risiko zugleich. Denn wer zahlt, will (nicht nur im Sport) Einfluss nehmen. Aus diesem Grunde wurde die Position des Koordinators Sport neu geschaffen und mit dem Exprofi Michael Zeyer besetzt. Das Problem dabei: der Verein scheint offensichtlich mit dessen Arbeitsweise nicht ganz zufrieden zu sein. Hinzu kommt, dass er sich mit dem Trainer Schuster nur sehr bedingt versteht, seit er Spieler wie Sascha Rößler und Björn Schlicke andiente, die nicht in Schusters Vorstellungen passten. Andererseits hat der Coach nach der enttäuschenden Hinserie nicht die besten Argumente.

Inzwischen steht eine Trennung von Zeyer im Raume – genauso wie der Name Guido Buchwald als dessen potenziellem Nachfolger. Die Gretchenfrage lautet: wie stellt sich der Zeyer nahestehende Investor dazu? Eine Antwort bei diesem heiklen Thema dürfte spätestens zur Hauptversammlung am Montag gefallen sein, denn sonst kann auf Degerlochs Höhen nicht vernünftig weitergearbeitet werden.

Persönlich
Edgar Kurz hat sich nach dem Rücktritt seines Vorgängers Dirk Eichelbaum zunächst interimsweise zur Verfügung gestellt, wurde auf der Hauptversammlung vor einem Jahr dann aber offiziell gewählt. „Ich stelle mich gerne in den Dienst des Vereins“, sagt der 69-Jährige heute. Zudem wurde das Präsidium auf sechs Personen erweitert, was auch der beruflichen (oder im Falle Dieter Wahls der politischen) Belastung der Personen geschuldet ist. „Es war von Anfang an klar, dass ich nur einen begrenzten zeitlichen Aufwand für die Kickers leisten kann“, sagt Kurz, der zudem darauf verweist, dass er und seine Kollegen für den Verein nicht nur Zeit, sondern auch Geld opfern.

Auch wenn der Versicherungskaufmann nach außen hin stets zurückhaltend auftritt, bezieht er intern in wichtigen Fragen klar Position. Ob die mehrheitsfähig ist, wird sich in den nächsten Wochen weisen.

Regionalliga
Fußball gespielt wird, nebenbei bemerkt, auch noch. Sofern das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht, geht es am Sonntag gegen den SC Pfullendorf. Drei Punkte wären da sehr hilfreich, nicht nur weil sich der Präsident nach geraumer Zeit auch persönlich wieder einmal ein Bild von der Mannschaft machen wird.

Stuttgarter Zeitung

StN: Guido Buchwald zu den Kickers

Platz im Präsidium
Von Gunter Barner und Jürgen Frey, aktualisiert am 25.11.2010 um 19:08

Stuttgart – Sportlich sind die Stuttgarter Kickers im Niemandsland der Fußball-Regionalliga abgetaucht, für die eine oder andere Überraschung sorgen sie noch immer. Jetzt sortiert sich die Führungscrew neu.

Für gewöhnlich sind die Stuttgarter Kickers ein recht auskunftsfreudiger Club. Schon deshalb, weil sie kaum mehr jemand was fragt. Seit einigen Tagen jedoch wirkt der Fußball-Regionalligist so fest verschlossen wie Fort Knox. Das wirklich Wichtige gibt es, wenn überhaupt, nur noch unter der Hand. Und das was am kommenden Montag bei der alljährlichen Mitgliederversammlung verkündet werden soll, ist für die Zukunft des Vereins durchaus von Bedeutung. Guido Buchwald (48) kehrt zu den Blauen zurück. Er soll künftig im sechsköpfigen Präsidium für die sportlichen Belange des Regionalligisten zuständig sein.

Zeyer wird die Kickers früher oder später verlassen

Weil die Blauen aber so arm sind wie eine Kirchenmaus, wird die Personalie mit dem Ex-Weltmeister vom heimlichen Sponsor des Clubs finanziert. Das Phantom mit dem Herz für die Kickers zahlt bisher aber schon für die Dienste des Sportkoordinators Michael Zeyer. Weshalb sich die Frage stellt, ob unterm Fernsehturm der Wohlstand ausgebrochen ist. Ist er nicht. Michael Zeyer, ein unbequemer Zeitgenosse mit eigenen Vorstellungen, wird die Kickers früher oder später wohl verlassen. Früher wäre Dirk Schuster auf alle Fälle lieber. Der Trainer, so ätzen seine Kritiker, sei nicht dabei gewesen, als die Diplomatie erfunden wurde. Beobachter des Geschehens behaupten, der Sportkoordinator sei in Schusters Büro fast so willkommen wie die Steuerfahndung. So ähnlich gilt das auch für Geschäftsführer Jens Zimmermann, der dem Vernehmen nach andere Götter äußerst ungern neben sich duldet. Das klingt nicht unbedingt nach gedeihlicher Teamarbeit zum Wohle des Vereins.

Diskutiert wird deshalb darüber, ob Guido Buchwald nicht auch den Job des Sport-Koordinators übernehmen sollte. Der Weltmeister von 1990, Ehren-Kapitän des VfB Stuttgart und Restwert aus den guten, alten Kickers-Zeiten, fordert: „Ich bin für hierarchisch klare Verhältnisse, und zwar in allen Bereichen.“ Mit Zeyer noch einige Zeit den Doppelpass zu spielen kommt für ihn allenfalls aus Gründen der Einarbeitung infrage. Danach muss klar sein, wer der Chef im Hause ist.

Kurz hält große Stücke auf Zimmermann

Präsident Edgar Kurz kehrt zwar nicht mit eisernem Besen, immerhin sorgt er nach einigem Zögern für Durchzug auf der Geschäftsstelle, die zuletzt mit dicker Luft durchdrängt war. Der Chef der Blauen geht zwar gern mal am Bodensee spazieren, während die Kickers-Elf um Punkte kämpft, im Personal-Streit ist er aber jederzeit präsent. Kurz hält große Stücke auf den Marketing-Experten Zimmermann. Der anonyme Sponsor dagegen hätte gern mehr solides Handwerk und weniger Chichi. Die Kosten für die Feierlichkeiten zum 111-Jahr-Jubiläum trieben den Sparkommissaren auf der Waldau den Angstschweiß auf die Stirn.

Unklar ist bisher noch, wer im sechsköpfigen Präsidium seinen Stuhl für den Rückkehrer räumen wird. Klar ist aber, dass die Führungscrew nicht unnötig aufgebläht werden soll. Angeblich überlegt Dieter Wahl, zuständig für die anderen Abteilungen außer Fußball, den Rückzug anzutreten.

Ganz gleich, wo genau das Personal-Karussell am Ende zum Stehen kommt, Buchwald erwartet eine Herkules-Aufgabe. Denn nach wie vor gilt, was schon den ehemaligen Präsidenten Axel Dünnwald-Metzler zur Verzweiflung trieb: „Wenn wir ausnahmsweise mal kein Problem haben, dann findet sich immer einer, der eines macht.“

Stuttgarter Nachrichten

StN: „Schuster gibt Verantwortung ab“

Stuttgarter Kickers
Von Jürgen Frey, aktualisiert am 23.11.2010 um 18:33

Stuttgart – Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers verändert seine Strukturen: Der Sportkoordinator wird künftig hierarchisch über dem Trainer stehen. „Wir müssen zielorientiert zusammenarbeiten“, sagt Präsident Edgar Kurz.

Herr Kurz, wovor haben Sie mehr Bammel: vor dem Heimspiel am Sonntag gegen den SC Pfullendorf oder der Mitgliederversammlung einen Tag später?

Ach, Angst habe ich überhaupt keine. Jeder gibt sein Bestes. Die Mannschaft hat zwar schon vier Heimniederlagen kassiert, aber wenn sie bringt, was sie bringen kann, ist mir vor Pfullendorf nicht bange.

Und bei der Mitgliederversammlung…

… werden wir turnusmäßig Rechenschaft ablegen, das eine oder andere wird möglicherweise nicht so guten Anklang finden.

Die Blauen präsentieren rote Zahlen?

Die Zahlen waren noch nie schwarz, seit ich bei den Kickers bin. Doch wir haben die Dinge sauber geordnet und geregelt. Was allerdings nichts daran ändert, dass das Dasein in der Regionalliga immer ein Tanz auf der Rasierklinge bleiben wird, ein ständiger Kampf ums Überleben.

Die 14 Punkte Rückstand auf die Spitze machen die Sache nicht einfacher.

Wir sind nicht auf Schlagdistanz nach ganz oben. Deshalb werden unsere Heimspiele keine Völkerwanderungen auslösen. Wir hatten uns mehr erhofft und müssen unser Saisonziel korrigieren.

Aus Platz eins bis sechs wird …

… zwei bis sechs, und gleichzeitig müssen wir die Weichen für die neue Saison stellen.

Es ist kein sportliches Weiterkommen gegenüber der vergangenen Saison festzustellen. Woran liegt das?

Die Entwicklung ist enttäuschend, keine Frage. Nach den Hallo-wach-Ergebnissen gegen die Frankfurter Clubs Eintracht (4:0) und FSV (7:2) kam noch mal Hoffnung auf. Doch dann waren wir in Worms dem bisherigen Schlusslicht in allen Belangen unterlegen. Eine Erklärung habe ich dafür nicht.

Sie sagten, der Trainer stehe unter Beobachtung.

Natürlich, und er weiß auch, dass ein Trainer immer am Erfolg gemessen wird. Doch Durststrecken gab es auch unter einem Trainer Robin Dutt bei den Kickers, und man hat an ihm festgehalten. Ich bin sicher: Dirk Schuster ist der Richtige. Und glauben Sie mir: Wenn er der Ansicht wäre, nichts mehr bewegen zu können, würde er gehen. Er ist kein Typ, der klammert. Dafür ist er viel zu stolz.

Manche sagen auch undiplomatisch und stur, wenn es um die Zusammenarbeit mit Sportkoordinator Michael Zeyer geht.

Damit hat er bei mir keine Pluspunkte gesammelt, aber wir sind dabei, eine Lösung zu finden.

Da Sie an Schuster festhalten, kann das nur bedeuten, dass Zeyer abgelöst wird.

Das haben Sie gesagt.

Stimmt es denn, dass die Rolle des Sportkoordinators grundsätzlich aufgewertet wird?

Ja, der Sportkoordinator wird aufgewertet.

Heißt das, der Sportkoordinator steht in der Hierarchie künftig über dem Trainer, ist ihm gegenüber weisungsbefugt, und Dirk Schuster gibt Verantwortung ab?

Im weitesten Sinne, ja. Dirk Schuster gibt Verantwortung ab und wird darin durchaus auch etwas Positives sehen. Entscheidend ist doch: Wir müssen endlich zielorientiert, im Sinne der Kickers, zusammenarbeiten.

Es zählt zu Ihren Stärken, viele Dinge diplomatisch, gelassen und unaufgeregt anzugehen. Manche Kritiker legen Ihnen dies als Führungsschwäche aus.

Wir sind ein freies Land, jeder darf seine Meinung äußern. Ich habe damit kein Problem.

Auch nicht damit, dass Ihnen vorgeworfen wird, die letzten Kickers-Heimspiele nicht gesehen zu haben, dafür aber Ihrem Sohn in Kaiserslautern die Daumen gedrückt haben?

Ich denke, das ist nicht fair. Man muss schon die Spielregeln einhalten, und die Bedingungen sehen, unter denen ich bereit war, bei den Kickers anzutreten. Es war mit den Gremien klar abgesprochen, dass ich gewisse Freiräume brauche, wichtigen geschäftlichen Verpflichtungen nachzukommen.

Rechnen Sie mit einer turbulenten Mitgliederversammlung, auch wenn keine Neuwahlen anstehen?

Neuwahlen wären mir lieber.

Sind Sie amtsmüde?

Nein, aber die Kritiker sollten nicht leichtfertig urteilen. Ich investiere weit mehr Zeit, als ursprünglich vorgesehen war. Im Übrigen freuen wir uns über jeden Zugang, der bei den Kickers mitarbeiten will.

Stuttgarter Nachrichten