Presse einen Tag vor dem Auftakt gegen den VfB Stuttgart II

Fußball-Regionalliga, 21. Spieltag
Kickers wollen Aufholjagd starten

STUTTGART (schu). Üblicherweise ist Robin Dutt betont zurückhaltend, wenn es um die Bedeutung eines Fußballspiels geht. In diesem Falle aber macht der Trainer der Stuttgarter Kickers eine Ausnahme und sagt vor dem Regionalligaderby morgen (14.30 Uhr, Schlienzstadion) beim VfB Stuttgart II: „Diese Partie ist für uns richtungsweisend. Denn wenn wir noch einmal angreifen wollen, dann dürfen wir uns zum Auftakt keine Niederlage erlauben. Sonst ist das Thema gegessen, bevor es richtig angefangen hat.“

Ein Sieg beim Tabellendritten aus Bad Cannstatt, gegen den es im Hinspiel ein 1:1 gegeben hat, soll die Aufholjagd im Kampf um den Aufstieg einläuten. Sechs Punkte beträgt der Rückstand auf Hoffenheim, sogar elf auf den Tabellenführer Wehen – trotzdem glauben die Kickers an ihre Chance. Die Hoffnungen ruhen nicht zuletzt auf den drei Neuzugängen Angelo Vaccaro, Sean Dundee und Thomas Weller, die alle beim VfB zum Einsatz kommen sollen. „Das sind gestandene Profis, die keine lange Eingewöhnungszeit brauchen“, sagt Dutt und freut sich insbesondere darüber, wie gut das neue Angriffsduo Dundee/Vaccaro harmoniert: „Ich war nach dem Weggang von Mesic und Okpala skeptisch. Das hat sich schnell gelegt, weil die beiden Neuen ein gutes Sturmteam bilden“, so der Trainer der morgen auf Mustafa Parmak (Probleme an der Achillessehne), Mustafa Akcay (Muskelfaserriss) und Bastian Bischoff (Grippe) verzichten muss.

Veränderungen gab es auch beim VfB II, wo der Trainer Rainer Adrion in der Winterpause die A-Jugendlichen Manuel Fischer und Tobias Feisthammel nach oben geholt hat und Bernd Nehrig und Raphael Schaschko nach Unterhaching abgewandert sind. „Unser guter Tabellenplatz versetzt uns in die komfortable Lage, neue Leute auf höhere Aufgaben vorzubereiten“, sagt Adrion.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

VfB II: Hammel – Beck, Kovacevic, Dangelmayr, Schwabe – Weis, Schuon, Perchtold, Morys – Szalai, Galm.

Kickers: Yelldell – Steinle, Yildiz, Härter, Stierle – Benda, Hartmann, Gambo (Kanyuk), Weller – Vaccaro, Dundee.

Stuttgarter Zeitung

Jetzt oder nie: Kickers unter Druck

Dutt und Kullen sprechen vor dem Derby von einer Art Endspiel – VfB II will dagegenhalten

Stuttgart – Präsident Hans Kullen gibt seine Nervosität offen zu. Trainer Robin Dutt spricht von einer richtungweisenden Partie: Die Stuttgarter Kickers stilisieren das Derby beim VfB Stuttgart II (Samstag, 14.30 Uhr/Schlienzstadion) zu einer Art Endspiel hoch.

VON JÜRGEN FREY

Die nackten Fakten geben nicht unbedingt Anlass zum Überschwang: Sechs Punkte beträgt der Rückstand der Blauen auf den Regionalligazweiten TSG Hoffenheim, personelle Nackenschläge gab es zu verkraften, und die offene Trainerfrage am Saisonende macht die Planung auch nicht einfacher. Doch Hans Kullen lässt sich nicht unterkriegen: „Wir haben nach wie vor unsere Außenseiterchancen“, betont der Kickers-Chef und hält hartnäckig an seiner Prognose fest: „So günstig wie in dieser Saison können wir nie wieder in die zweite Liga kommen.“ In der neuen Runde geht es um die Qualifikation für die dritte Profiliga. Ein Aufrüsten der Clubs ist zu erwarten. Um den Sprung in die zweithöchste Spielklasse zu schaffen, müsse man den Etat von derzeit 2,4 Millionen Euro wohl verdoppeln, vermutet Kullen. Stand heute ist das reine Utopie.

Genau deshalb gibt der Häuptling der Blauen die Parole „jetzt oder nie“ aus. Und Trainer Robin Dutt wehrt sich nicht gegen den Druck. Er weiß genau: Die Kickers können sich beim VfB keine Niederlage erlauben. „Wenn wir verlieren und Hoffenheim in Elversberg gewinnt, ist unsere geplante Aufholjagd doch beendet, bevor sie angefangen hat“, sagt der Coach, der im Derby auf die verletzten Mustafa Akcay und Mustafa Parmak sowie wahrscheinlich auf den kranken Bastian Bischoff verzichten muss. Was Dutts eigene Zukunft betrifft, spielen Verein und Trainer nach wie vor auf Zeit. Spätestens Ende März werde eine Entscheidung fallen, sagen beide Seiten. „Wir werden um den Trainer kämpfen, aber wir sind auf einen möglichen Abgang vorbereitet“, sagte Kullen gestern. Unterdessen kursieren bereits Namen von Nachfolgekandidaten wie Stefan Minkwitz, Alexander Malchow oder Frank Wormuth in Degerloch. Außerdem heißt es, Dutt habe bereits Gespräche mit Zweitligist SpVgg Greuther Fürth geführt.

Das alles interessiert Rainer Adrion, den Trainer des VfB II, wenig. Ihm geht es vielmehr darum, seine Spieler vor dem Derby heiß zu machen. „Für die Kickers ist es ein Endspiel, meine Jungs müssen kapieren, dass es kein Freizeitkick wird, nach dem Motto: Wir haben ja noch 14 andere Spiele“, sagt Adrion. Die Kulisse im Schlienzstadion soll seine Spieler beflügeln. 4000 Zuschauer werden erwartet. Viele davon werden auf Manuel Fischer blicken: Das 17-jährige Nachwuchs-Ass der Roten bekommt im Sturm eine Chance neben Adam Szalai (19).

Stuttgarter Nachrichten

Vorberichte: VfB Stuttgart II – Stuttgarter Kickers

Anstoß: 24.02.2007 14:30
Stadion: Robert-Schlienz-Stadion

Schiedsrichter: Kempter (Sauldorf)
Assistenten: Kempter (Sauldorf), Petersen (Stuttgart)

VfB Stuttgart II: Weis (Bänderdehnung) und Galm (Zerrung) sind fraglich. Im Mittelfeld ist Schuster eine Alternative, im Sturm steht Fischer in der Warteschleife.

Stuttgarter Kickers: Akcay (Muskelfaserriss), Parmak (Achillessehne) und Steinle (Grippe) sind angeschlagen, im Mittelfeld fällt die Entscheidung zwischen Kanyuk und Gambo.
Aufstellung
VfB Stuttgart II
Hammel – Beck, Dangelmayr, M. Kovacevic, Schwabe – Weis, Schuon, Perchtold, Morys – Galm, Szalai; Trainer: Adrion

Stuttgarter Kickers
Yelldell – Steinle, Yildiz, Härter, Stierle – M. Hartmann – Benda, Kanyuk, Weller – Vaccaro, Dundee; Trainer: Dutt

Kicker

EßZ: „Die Chance vergrößern“

„Die Chance vergrößern“

Die Kickers haben den Aufstieg noch nicht abgeschrieben
 
Stuttgart (sip) – Hans Kullen überlegt. „Den Umständen entsprechend sind wir fast optimal aufgestellt“, sagt der Präsident der Stuttgarter Kickers, bevor mit dem Derby am Samstag (14.30 Uhr) beim VfB Stuttgart II die Winterpause endet. Die Kickers haben das Rennen um den Aufstieg in die zweite Liga noch nicht aufgegeben.

Sechs Punkte haben die Kickers als Tabellenvierter Rückstand auf die TSG Hoffenheim, die auf dem Aufstiegsplatz zwei steht. Dazwischen rangiert der nicht aufstiegsberechtigte VfB II. Natürlich wissen die „Blauen“, dass sie nicht der Favorit sind. „Wir wollen unsere Außenseiterchance von Woche zu Woche vergrößern“, gibt Trainer Robin Dutt die Marschroute vor.

Unter den „Umständen“, die Kullen nennt, sind die jüngsten Transfertätigkeiten zu verstehen. Das komplette Sturmduo wurde in der Winterpause ausgetauscht. Christian Okpala ging, nachdem er nach einer Handgreiflichkeit suspendiert worden war, zu den SF Siegen. Spektakulärer noch war der Wechsel von Top-Leistungsträger Mirnes Mesic ausgerechnet zum wichtigsten Aufstiegskonkurrenten Hoffenheim. Nachdem der Bosnier bereits für die neue Saison beim Team von Trainer Ralf Rangnick unterschrieben hatte, ließen ihn die Kickers schweren Herzens, aber durch eine Ablösesumme versüßt, schon früher gehen. Als Ersatz wurden schnell Angelo Vaccaro (FC Augsburg) und Sean Dundee (Kickers Offenbach) geholt. „Sie haben sich gut eingeführt“, sagt Dutt. Als dritter Neuzugang kam Thomas Weller (FC Schaffhausen), der in den Vorbereitungsspielen auf der linken Mittelfeldseite einen starken Eindruck hinterlassen hat. Dutt: „Er ist technisch gut, schnell und bisher auch torgefährlich, was in Schaffhausen manchmal bemängelt wurde.“

Vor allem im Mittelfeld hat der Coach die Qual der Wahl. Manuel Hartmann, Laszlo Kanyuk, Bashiru Gambo und der momentan verletzte Mustafa Akcay streiten sich in der Zentrale um zwei Plätze.

Eine Personalie wird die Kickers in den kommenden Wochen verstärkt beschäftigen: Die Anzeichen verdichten sich, dass Dutt den Verein am Ende der Saison verlassen wird. „Ich befürchte mehr als ich sagen kann“, meint Kullen vielsagend. Dutt selbst, der beim SC Freiburg und bei der SpVgg Greuther Fürth im Gespräch sein soll, kündigt nur an, „Mitte bis Ende März eine Entscheidung bekannt zu geben“. Einen negativen Einfluss auf die Leistung der Mannschaft befürchtet er nicht: „Und für mich ist es eher zusätzliche Motivation.“

Das Auftakt-Derby hat für Dutt gleich richtungsweisenden Charakter. „Es ist eine schwere Aufgabe“, sagt er, „aber mir ist es lieber, als gegen den Letzten zu spielen. Ein Sieg gegen den VfB wäre für das Selbstvertrauen viel mehr wert.“ Und ein Zeichen, im Aufstiegsrennen noch ein gehöriges Wörtchen mitreden zu wollen.

Eßlinger Zeitung

Die Geographie des Fußballs

Joachim Cast blickt auf intensive zweieinhalb Jahre als Kickers-Manager zurück und steht vor großen Herausforderungen
 
Von Sigor Paesler

Stuttgart – Joachim Cast hat den Jargon der Branche bestens drauf. „In dem Geschäft zählen keine Emotionen“, antwortet er auf die Frage, welches Gefühl er bei den anstehenden Vertragsverhandlungen mit Trainer Robin Dutt habe. Dann muss er aber grinsen. Denn eigentlich ist der 38-Jährige keiner, der gerne Floskeln in den Mund nimmt. Auch sonst versieht er übliche Aussagen auf Journalistenfragen gerne mit Kommentaren wie: „Wie sagt man in einem solchen Fall . . .“ Und dann erklärt er die Sache lieber doch so, wie er es sieht oder bittet ganz einfach um Verständnis, wenn er beispielsweise zu laufenden Verhandlungen keinen Kommentar abgeben kann. Der ehemalige Verteidiger ist seit zweieinhalb Jahren Manager des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers und hat auch sonst in dieser Zeit viel gelernt.

Gerade das vergangene halbe Jahr war sehr intensiv. Vor allem die Transfers der Stürmer Christian Okpala zu den SF Siegen und Mirnes Mesic zur TSG Hoffenheim sowie die Verpflichtungen von Angelo Vaccaro und Sean Dundee haben den Manager gefordert. In den teilweise zähen Ablöseverhandlungen mit den Siegenern und Hoffenheimern ging es um viel Geld für die immer noch klammen Stuttgarter. „Ich glaube, unter dem Strich haben wir das ganz gut hinbekommen“, sagt Cast und lächelt zufrieden.

Im Moment brütet Cast über den Lizenzierungsunterlagen für die kommende Saison und führt die Vertragsverhandlungen mit den Spielern. Das ist nicht einfach. Die Mannschaft steht in der Spitzengruppe der Regionalliga, die meisten Akteure haben ihren Marktwert gesteigert. 300 000 Euro müsse der Verein zusätzlich in die Hand nehmen, um die sieben auslaufenden Verträge verlängern zu können, hat Präsident Hans Kullen ausgerechnet. Und für Zugänge soll ja auch noch etwas übrig bleiben. Mehr Geld als da ist, kann der Manager aber nicht ausgeben. „Der Verein steht vor großen Herausforderungen“, sagt Cast. Und damit auch er.

Cast, der mit dem SSV Reutlingen unter Trainer Armin Veh in der zweiten Liga spielte, erinnert sich noch gut, wie er bei seinem Antritt im Juli 2004 kritische Fragen beantworten musste. Als ehemaliger Fußballer und Absolvent eines Geographie-Studiums, aber ohne Ausbildung und Erfahrung im Bereich Wirtschaft, schien er einigen im großen Umfeld des Vereins für den Job nicht geeignet. Damals wie heute sagt er: „Auch wenn es kein Wirtschaftsstudium war, habe ich doch gelernt, strukturiert an Sachverhalte heranzugehen und Probleme zu lösen.“ In der Geographie des Fußballs kennt er sich schon lange besser aus als in der Wissenschaft. Zudem sind Ex-Profis als Manager in der Branche ja keine Seltenheit, wie man etwa beim VfB Stuttgart und (dem gelernten Kfz-Mechaniker) Horst Heldt sieht.

 

„Ich bin ein Teamplayer“
Natürlich ist es bei Vertragsgesprächen ein Vorteil, dass Cast selbst lange auf der anderen Seite saß und den Verein schon eine Weile kennt. Auf die Frage, mit welchen Spielern des aktuellen Kaders er noch zusammengespielt hat, muss er nachdenken. „Oliver Stierle, Moritz Steinle, Mustafa Akcay – ich hätte gedacht, dass es mehr sind.“

Eine Eigenschaft, die Cast als Fußballer auszeichnete, kommt ihm auch im neuen Job zugute: „Ich war schon als Spieler ein Teamplayer, das bin ich auch jetzt.“ Kommunikation gehört zu seinen Stärken. Er weiß, wo er sich Tipps holen kann und nimmt sie auch an. Den Skeptikern stand er in seiner Anfangszeit zwar Rede und Antwort, ließ die Kritik aber nicht zu nahe an sich herankommen. Heute weiß er, dass er die Prüfung bestanden hat. „Ich habe viele Erfahrungen gesammelt und gehe an einige Sachen jetzt gelassener heran“, sagt er. Und: „Ich glaube, ich habe mir ein gewisses Standing erarbeitet.“

Präsident Kullen bestätigt das. „Er macht einen mehr als guten Job, bringt unheimlich viel Einsatz und ist sehr lernbereit“, sagt er und lobt Casts Eigenschaft, vieles ohne große Worte wegzuarbeiten – „oft schon, bevor es zu einem Problem wird“.

Schließlich sagt Cast doch noch etwas über die Zukunft von Trainer Dutt: „Das Team, das im Moment zusammenarbeitet, passt hervorragend. Es wäre wünschenswert, wenn es bestehen bliebe.“ Aber auch: „Das Konzept muss von Personen unabhängig sein.“ Möglicherweise auch von seiner. „Es ist nicht mein Ziel, bis zum Alter von 65 Jahren Manager eines Drittligisten zu sein. Natürlich würde ich gerne in der Bundesliga arbeiten“, sagt Cast, betont dann aber gleich, dass er zumindest seine mittelfristige Zukunft bei den „Blauen“ sieht. Und immerhin besteht ja noch die Möglichkeit, mit den Stuttgartern den Sprung in die zweite Liga zu schaffen. Für dieses Ziel bringt Cast, der im Dezember im Kanada-Urlaub seine lanjährige Lebensgefährtin Heike geheiratet hat, seine ganze bislang erworbene Erfahrung ein. Auch dafür gibt es eine Floskel: „Wir versuchen es, so lange es rechnerisch möglich ist.“ Aber die kennt Joachim Cast nicht erst, seit er Manager bei den Stuttgarter Kickers ist.

Eßlinger Zeitung

StZ: Der nächste Anlauf auf dem Weg nach oben

Nach mehreren schweren Verletzungen will sich Angelo Vaccaro bei den Stuttgarter Kickers für höhere Aufgaben empfehlen
 
Zum Auftakt der Fußball-Regionalliga treten die Stuttgarter Kickers im Derby am Samstag (14.30 Uhr/Schlienzstadion) beim VfB Stuttgart II an. Mit dabei ist der Neuzugang Angelo Vaccaro, der einst zweimal im VfB-Profiteam stürmte – und noch immer von der Bundesliga träumt.

Von Marko Schumacher

Vieles wird so sein wie damals, als Angelo Vaccaro die große weite Fußballwelt noch zu Füßen lag. Wie früher wird er am Samstag von Mössingen hinunter nach Cannstatt zum VfB-Gelände fahren, er wird den schmalen Weg von der Umkleidekabine ins Schlienzstadion laufen, versuchen, ein Tor zu schießen, und hinterher mit seinen Bekannten quatschen. Mit Rainer Adrion zum Beispiel, seinem früheren Trainer, mit Hilmar Müller, seinem früheren Betreuer, mit Jochen Schneider, seinem früheren Manager.

Nur von seinen früheren Mannschaftskollegen bei den VfB-Amateuren wird niemand mehr da sein. Kein Hleb, kein Hinkel, kein Kuranyi, kein Hildebrand, kein Amanatidis, kein Tiffert. Alle sind sie längst gestandene Profis mit millionenschweren Verträgen, manche sind Nationalspieler. Angelo Vaccaro verdient sein Geld in der dritten Liga, seit der Winterpause bei den Stuttgarter Kickers. „Ich gönne den Jungs den Erfolg von Herzen“, sagt er: „Aber natürlich denkt man sich manchmal: da könnte ich doch auch stehen.“

Angelo Vaccaro, 25, war einst die große Sturmhoffnung beim VfB, ihm wurde unter all den Hochbegabten die größte Zukunft vorausgesagt. Mit 18 Jahren feierte er im Jahr 2000 bei den Profis unter Ralf Rangnick sein Debüt in der Bundesliga und bekam einen Vierjahresvertrag. Da wächst ein neuer Toptorjäger heran, sagten alle – doch dann wurde Rangnick entlassen und durch Felix Magath ersetzt. Und der ließ den jungen Italiener im Abstiegskampf links liegen, weil er ihm nicht zielstrebig genug erschien. „Vielleicht hätte ich mich damals durchbeißen müssen“, sagt Vaccaro – und genau so sieht es auch Rainer Adrion: „Er hat es zu locker gesehen. Ihm hat die Härte gegen sich selbst gefehlt.“ Vaccaro sei der nächste Kandidat für den Sprung nach oben gewesen: „Aber so ist es oft im Fußball: wenn du eigentlich dran bist, dann bist du noch lange nicht drin.“ Drin war wenig später Kevin Kuranyi – und Vaccaro landete wieder bei den Amateuren und wechselte 2002 nach Unterhaching.

Dort begann die Leidenszeit erst so richtig. Vaccaro hatte gut begonnen und war zum Publikumsliebling geworden, als das Kreuzband im linken Knie riss. „In der 58. Minute beim Spiel gegen Offenbach, nachdem ich in der 54. Minute das 2:1 erzielt hatte.“ Vaccaro kämpfte sich heran, kam schneller zurück, als alle glaubten – dann riss dasselbe Kreuzband erneut. Wieder Operation, Krankenhaus, Krücken, Reha und die Frage: „Was bringt das alles überhaupt?“ Insgesamt 18 Monate fiel Vaccaro aus, und als er wieder gesund war, dauerte es Wochen, bis die Form zurückkam. Er habe etwas Neues gebraucht, sagt er, und wechselte im Sommer 2005 nach Augsburg in die Regionalliga.

Das Verletzungspech holte ihn auch dort ein. Wieder begann er gut, schoss Tore und bereitete welche vor – dann rissen im Wintertrainingslager zwei Bänder im Sprunggelenk. Er kam zurück – und lag bald wieder flach. Diesmal rissen die Adduktoren. Wieder acht Monate Pause, die Rückrunde in Augsburg war futsch, die Vorbereitung auf die neue Saison ebenfalls, eine echte Chance bekam er nach dem Aufstieg in die zweite Liga nicht. Andere Stürmer waren vor ihm, zu mehr als Kurzeinsätzen reichte es nicht. Er sah in Augsburg keine Perspektive mehr und schaute sich nach Alternativen um. Im Winter hatte er ein paar Anfragen – und entschied sich schließlich für den Wechsel zu den Kickers. Weil er ein sehr gutes Gespräch mit dem Trainer Robin Dutt hatte; und weil er hier ein intaktes Umfeld vorfindet, die Familie in Mössingen, die alten Freunde, all das eben, was den Einstieg erleichtert.

„Für mich ist das kein Rückschritt, für mich ist das so etwas wie ein Neuanfang“, sagt Vaccaro, der mit Sean Dundee die bisherigen Stürmer Mirnes Mesic und Christian Okpala ersetzt. Er will spielen, er will endlich von Verletzungen verschont bleiben, er will zeigen, dass er noch immer ein guter Angreifer ist. „Ich brauche jemanden, der mir Vertrauen schenkt und an mich glaubt“, sagt er.

Robin Dutt hat ein gutes Gefühl: „Im Laufe der Vorbereitung ist er immer fitter geworden und macht einen körperlich hervorragenden Eindruck“, sagt der Kickers-Trainer, der an dem Neuzugang vor allem dessen hohe Laufbereitschaft und den vorzüglichen Torabschluss schätzt. Ein kompletter Stürmer sei Vaccaro, einer, der den Kickers weiterhelfen werde, da ist sich Dutt ganz sicher.

Bis 2009 hat Vaccaro in Degerloch unterschrieben. Dann ist er mit 27 im besten Fußballeralter, dann will er wieder oben spielen, mindestens in der zweiten Liga. „Wenn man einmal die Luft dort oben geschnuppert hat, dann will man immer wieder da hin“, sagt Angelo Vaccaro. Den Traum von der Bundesliga jedenfalls, „den habe ich noch lange nicht aufgegeben“.

Stuttgarter Zeitung

Kickers II: Die nächsten Heimspiele auf der Festwiese

Da die Bezirkssportanlage Degerloch wegen Sanierungsarbeiten noch immer nicht zur Verfügung steht, muß die 2.Mannschaft der Kickers in den nächsten Heimspielen auf die Festwiese nach Bad Cannstatt ausweichen. So findet bereits die Oberligabegegnung am Sonntag, 25.02.2007 um 15:00 Uhr gegen 1.FC Normania Gmünd auf der Festwiese statt. Auch die nächsten Heimspieles gegen die SG Sonnenhof Großaspach, TSV Crailsheim und SC Freiburg II werden auf der Anlage in Bad Cannstatt ausgetragen.

Das Spiel gegen den SSV Ulm 1846, das noch nicht terminiert wurde, findet dagegen aus Sicherheitsgründen im GAZi–Stadion auf der Waldau statt.

Offizielle Homepage

Presse zum letzten Testspiel gegen VfR Aalen (2:1)

Reif für die Rückrunde
 
Kickers gewinnen Generalprobe, aber der Feinschliff fehlt noch
 
STUTTGART (ump). Am Ende hatten die Stuttgarter Kickers den Ligakonkurrenten VfR Aalen zwar mit 2:1 (0:1) besiegt, aber drei Punkte gab es dafür dennoch nicht. Schließlich handelte es sich am Samstag nur um die Generalprobe für die zweite Saisonhälfte der Fußball-Regionalliga, die nächsten Samstag mit dem Derby beim VfB Stuttgart II beginnt. „Dennoch war es ein optimaler Test“, sagte der Trainer Robin Dutt. Zum einen, weil seine Mannschaft den 0:1-Rückstand nach der Pause noch gedreht hatte, zum anderen weil noch nicht alles Gold war, was glänzte. „In der ersten Hälfte sind wir zu weit vom Gegner weg gestanden“, bemängelte Dutt, der sagt: „Am Feinschliff werden wir diese Woche noch arbeiten.“

Erfreulich war, dass sich die drei Neuzugänge insgesamt bereits ganz gut ins Spiel der Kickers integriert haben, nicht nur weil Thomas Weller und Angelo Vaccaro sich auch in die Torschützenliste eintrugen und Sean Dundee zumindest zeigte, dass er sich bei den Kickers noch einmal reinhängen möchte, um möglicherweise über diese Saison hinaus in Degerloch bleiben zu können. Ob das auch der Trainer tut, ist offen. Doch Dutt geht offen mit der Situation um: „Sie belastet mich überhaupt nicht – und die Mannschaft auch nicht.“ Zwar gibt es zwei, drei Spieler (allen voran Manuel Hartmann), die ihre eigene Zukunft gerne mit der des Trainers verbinden würden, doch denen kann Dutt nur den Rat geben: „Sie sollen ihre Entscheidung unabhängig fällen.“

Dutt selbst jedenfalls freut sich zunächst einmal, dass er mehr Alternativen besitzt, speziell im Mittelfeld, wo praktisch alle Positionen – auch qualitativ – doppelt besetzt sind. Interessant ist vor allem die Frage nach dem Spielmacher, wobei Gambo nach der Pause gegenüber Kanyuk sicher ein paar Vorteile besitzt. Im Angriff dürften die beiden Neuen Vaccaro und Dundee gesetzt sein, auch wenn Bischoff und Kacani auf ihre Chance lauern. Nur hinten sind die Alternativen rar, zumal sich Marco Wildersinn mit seinem katastrophalen Fehler vor dem 0:1 nicht unbedingt als Alternative aufdrängte.

Während Steinle und Hartmann geschont wurden, fallen Mustafa Akcay und wohl auch Mustafa Parmak beim Derby aus. „Ich hoffe, dass ich in zwei Wochen wieder dabei bin“, sagt Parmak. Zum Heimspiel gegen Ingolstadt muss dann auch das Fangnetz auf der Gegengeraden (als Folgen des Becherwurfs im Pokal) im Gazistadion installiert sein. Preis: etwa 50 000 Euro. „Wir verhandeln noch mit der Stadt, ob sie sich an den Kosten beteiligt“, sagt der Manager Joachim Cast.

Stuttgarter Zeitung

Optimismus bei den Kickers
 
2:1-Sieg des Regionalligisten gegen den VfR Aalen zum Ende der Vorbereitung
 
Stuttgart – Ein guter Schluss ziert alles: Zum Ende der Vorbereitungsphase hat Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers Ligakonkurrent VfR Aalen 2:1 besiegt. Nicht nur deshalb blickt Trainer Robin Dutt der zweiten Saisonhälfte optimistisch entgegen.

VON STEFAN KLINGER

Als Robin Dutt am Samstag um 16.20 Uhr den Rasen des Gazistadions verließ, ging er mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck in die Kabine. Die Gelassenheit des Kickers-Trainers hatte dabei weniger mit dem Erfolg gegen den VfR Aalen zu tun. Vielmehr erfreuten ihn die vielen positiven Eindrücke aus den vergangenen Wochen. Denn nach der fünfwöchigen Vorbereitungsphase sieht Dutt sein Team gewappnet für den Auftakt am kommenden Samstag um 14.30 Uhr beim VfB Stuttgart II. „Wir müssen zwar noch zwei, drei kleinere Dinge verbessern, sind aber auf einem guten Weg“, sagte Dutt.

Die jüngsten Ergebnisse bestätigen diese Einschätzung. Seit Anfang Januar traten die Blauen zu Testspielen gegen Mannschaften an, die mindestens in der Oberliga spielen. Verloren haben sie davon keines – bis auf zwei Remis verließen die Kickers das Feld immer als Sieger. Noch viel wichtiger ist, dass sich die Neuzugänge Sean Dundee, Angelo Vaccaro und Thomas Weller gut ins Team einfügen. „Mit ihrem Auftreten bin ich zufrieden, zumal Weller und Vaccaro gegen Aalen getroffen haben“, sagt Dutt. Ganz sorgenfrei ist der Kickers-Coach dennoch nicht. Mustafa Akcay (Muskelfaserriss im Adduktorenbereich) steht am Samstag definitiv nicht zur Verfügung. Und hinter dem Einsatz von Mustafa Parmak (Achillessehnenprobleme) steht ein Fragezeichen.

Einiges zu klären gibt es derzeit auch für Manager Joachim Cast. Vor der Tribüne auf der Gegengeraden wird dieser Tage das vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach den Vorkommnissen im DFB-Pokalspiel gegen Berlin geforderte engmaschige Netz angebracht. Cast verhandelt mit Vertretern der Stadt Stuttgart, damit sich diese an den Kosten in Höhe von etwa 50 000 Euro beteiligt.

Stuttgarter Nachrichten