Wegen eines Streits um Pfusch am Bau ist die Bezirkssportanlage gesperrt

26. Februar 2007 in Kickers I, Kickers II, Nachwuchs, News, Verein

Die Blauen müssen bei den Roten kicken 
 
Degerloch. Der Profinachwuchs der Stuttgarter Kickers muss bis zum Ende der Spielsaison seine Heimspiele in Bad Cannstatt austragen. Die Bezirkssportanlage bleibt gesperrt. Grund ist ein Streit über angeblichen Pfusch am Bau.

Von Kathrin Thimme

Die Sportgelände des TV Plattenhardt, TV Bernhausen oder die Festwiese in Bad Cannstatt kennt Oliver Munz mittlerweile ziemlich gut. „Wir haben im letzten halben Jahr so ziemlich alle Bekanntschaften mit anderen Vereinen abgeklappert“, sagt er und lacht. Ein bitteres Lachen, denn lustig ist Munz nicht zu Mute. „Wir haben uns eben ein Stück weit mit der Situation abgefunden“, sagt er.

Munz ist Jugendleiter bei den Stuttgarter Kickers und als solcher neben der Amateurmannschaft auch für die U 17 der Oberliga und die A-Junioren-Mannschaft der Bundesliga verantwortlich. Seit dem Beginn der Spielsaison im Sommer vergangenen Jahres reist er mit seinen Mannschaften durch die Region Stuttgart, um die Heimspiele austragen zu können. Sie haben in vielen Spielstätten gekickt, nur nicht in ihrer eigenen, der Bezirkssportanlage auf der Waldau.

Auch für die Rückrunde müssen die Kickers weiterhin ihre Heimat verlassen, um ihre Heimspiele antreten zu können. Immerhin wurde ihnen mittlerweile eine feste Spielstätte zugeteilt: Die Festwiese in Bad Cannstatt. „Die liegt von unserer Geschäftsstelle besonders weit weg“, sagt Munz. Gerade für die Spiele der jungen Bundesligisten ist das ungünstig. Denn sollte der Platz einmal gesperrt sein, müssten sie auf den Kunstrasenplatz im ADM-Stadion auf der Waldau ausweichen. „Das ist aber nicht so einfach, denn der DFB schreibt vor, das Bundesligaspiele auf Naturrasen ausgetragen werden müssen“, sagt Munz. Nur eine von vielen Regeln, die der DFB bei Bundesliga-Spielen auferlegt. Für die Schiedsrichter muss immer eine extra Kabine mit einem zusätzlichen Raum für eventuelle Dopingkontrollen zur Verfügung stehen sowie ein Fax- und ein Kopiergerät. Nicht jeder Verein kann das bieten. „Die schreien dann auch nicht gleich hurra, wenn wir uns ankündigen“, sagt Munz.

Das Einhalten der Regularien ist aber nicht das einzige Problem, das die Kickers wegen des ständigen Ausweichens zu anderen Vereinen haben. „Für die Spieler ist es schwierig, sich immer auf eine andere Umgebung einzustellen“, sagt Munz, „gerade bei den Heimspielen nutzen sie sonst immer den Bonus.“ Und auch von Seiten der Fans gab es schon Beschwerden. „Vor allem in der Vorrunde, als wir immer woanders gespielt haben, konnten wir die Spiele oft nicht rechtzeitig ankündigen.“ Die Folge war, dass weniger Anhänger die Spieler angefeuert haben, als bei den Spielen auf der heimatlichen Bezirkssportanlage.

Auf der sollten die Kickers eigentlich schon längst wieder spielen können. Im Sommer 2006 wurde die Spielstätte gesperrt, weil für rund 40 000 Euro eine Drainage eingebaut wurde. Der Rasen war im Laufe der Jahre hart geworden, das Regenwasser konnte nicht mehr ablaufen. Spätestens im Dezember sollte der Platz wieder bespielbar sein. Doch das Ergebnis der Arbeit war keine Verbesserung, sondern die Unbespielbarkeit. „Die Gräben, die für die Drainage gezogen werden mussten, haben Kuhlen hinterlassen“, sagt Gerhard Brodbeck vom Sportamt. Das Garten- und Friedhofsamt nahm die Sportanlage mit diesen Mängeln nicht ab und streitet inzwischen mit der Firma, die nach Meinung der Stadt am Bau gepfuscht hat.

Den Vertrag mit dem Unternehmen hat die Stadt gekündigt. Wer die Mängel beheben soll, ist unklar – und damit auch wann. Klar ist nur, dass die Sportanlage bis zum Sommer gesperrt bleibt. „Unsere Rechtsanwälte sind derzeit mit diesem Thema beschäftigt“, sagt Walter Wagner vom Garten- und Friedhofsamt. Sollte die Firma sich weigern, die Fehler zu beheben, werden das Mitarbeiter des Sportamts übernehmen müssen.

Für Oliver Munz spielt es keine Rolle, wer die Spielstätte seiner Mannschaften wieder glättet. „Ich hoffe nur, dass es so bald wie möglich jemand macht“, sagt er. Denn auf den Heimbonus wolle niemand noch länger verzichten. Weder die Spieler noch die Fans.

Stuttgarter Zeitung

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.