Presse-Nachlese zum Oggersheim-Spiel, „Rücktritt“ von Dr. Mauch und erneut die Stadionfrage

Erst Anpfiff, dann Abpfiff für Mauch
Der Aufsichtsratsvorsitzende der Stuttgarter Kickers tritt zurück – nicht ganz freiwillig

STUTTGART. Die Stuttgarter Kicker kommen einfach nicht zur Ruhe. Sportlich sind sie in der Fußball-Regionalliga zwar wieder mehr auf Kurs, doch hinter den Kulissen kracht es ständig.

Von Joachim Klumpp

Die Stuttgarter Kickers haben am Freitagabend mit Ach und Krach dank Marco Tuccis Treffer (80.) gegen Oggersheim mit 1:0 gewonnen. Doch nach dem Schlusspfiff kam der Anpfiff und Abpfiff für den Aufsichtsratsvorsitzenden Christian Mauch. Ein weiteres Beispiel dafür, dass es in Degerloch viele Problemfelder gibt.

Thema Sport: Der Kickers-Trainer Stefan Minkwitz hatte vor der Partie gegen den Neuling FSV Oggersheim bereits geunkt, auch mal mit einem dreckigen 1:0 zufrieden sein zu müssen. Und genauso kam es, wobei das dreckig nach der Schlammschlacht im Gazi-Stadion gegen das Schlusslicht wörtlich zu nehmen war. Allerdings: wer meint, das Restprogramm sei nach zuletzt fünf Partien ohne Niederlagen ein Selbstläufer, für den war die Vorstellung eine Warnung zur rechten Zeit. Der Trainer verspricht: „Einen Auftritt in dieser Form wird es nicht mehr geben, dafür werde ich sorgen.“

Thema Einstellung: Die Mannschaft hatte am Freitag überhaupt nicht ins Spiel gefunden: „Wir haben weder den Gegner noch die Witterung angenommen“, sagte der Manager Joachim Cast. Da konnte es auch keine Entschuldigung sein, dass der Wintereinkauf und Antreiber Alexander Rosen trotz Spritzen passen musste. „Das Risiko, länger auszufallen, wäre zu groß gewesen“, sagte der Mittelfeldspieler. Und der Trainer fügte hinzu: „Man hat doch gemerkt, wie wichtig er für uns innerhalb kurzer Zeit geworden ist. Ein Führungsspieler eben.“ Und von dieser Sorte haben die Kickers nicht allzu viele.

Thema Torwart: Der Torwart David Yelldell ist Führungsspieler. Ohne seine Reflexe hätten die Kickers schon zur Pause zurückgelegen. Der Dank des Trainers galt Yelldell – und auch das Lob: „Das ist für mich kein Torwart für die zweite Liga – sondern für die erste“, sagte Minkwitz in Anspielung auf die Wechselabsichten des Schlussmanns im Sommer. Ob Hoffenheim nochmals seine Fühler ausstreckt, wo Yelldell sich allerdings auch mit der Rolle als Nummer zwei zufriedengeben müsste?

Thema Aufsichtsrat: Nach dem Spiel verkündete der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Mauch seinen Rücktritt, bleibt dem Gremium aber erhalten. Als Grund gab er „private Gründe“ an, die nicht darüber hinwegtäuschen können, dass der Orthopäde zu diesem Schritt gedrängt worden ist, nachdem er diverse Interna weitergetragen hatte. Als Nachfolger wurde nicht der sehr emotionale Stellvertreter Christian Dinkelacker gewählt, sondern einstimmig der Anwalt Rainer Lorz, der als besonnener Zeitgenosse gilt und zum Amtsantritt sagte: „Ich finde es wichtig, in diesen sportlich und wirtschaftlich schwierigen Zeiten noch enger zusammenzurücken und die Zusammenarbeit mit dem Präsidium zu intensivieren.“ Er will aber auch mehr kontrollieren, denn dass es einen abzuarbeitenden Anforderungskatalog an den Vorstand gibt, das bestreitet selbst der Präsident Dirk Eichelbaum nicht.

Thema Hauptversammlung: Aufgrund der veränderten personellen Verhältnisse (schließlich ist der Aufsichtsrat das einzige von den Mitgliedern gewählte Gremium des Vereins) rückt auch eine außerordentliche Mitgliederversammlung nach Ende der Spielzeit in den Fokus. Nicht nur Kreise des Aufsichtsrats forcieren eine entsprechende Einberufung, auch wenn das Präsidium diese Notwendigkeit zuletzt noch nicht zwingend sah. Eine Neuorientierung des Vereins scheint aber unumgänglich. Und zwar unabhängig davon, wie die Saison sportlich ausgeht. „So jedenfalls kann es nicht weitergehen“, sagt ein Funktionär.

Stuttgarter Zeitung

Zäher Kampf an allen Fronten
Kickers: Aufregung wegen des Stadions und Turbulenzen in der Führungsetage

Stuttgart – Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers kämpft weiter ums nackte Überleben. Neben dem chronischen Geldmangel gibt es weitere Baustellen im Verein.

Die Führungsetage

Die Turbulenzen reißen nicht ab. Der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Mauch erklärte am Freitag aus persönlichen Gründen seinen Rücktritt. Er bleibt dem Kontrollgremium erhalten, allerdings nur formal: „Herr Mauch lässt sein Mandat ruhen und übt es bis auf weiteres nicht aus“, erklärte Dirk Eichelbaum. Den Präsidenten traf die Entscheidung nicht unvorbereitet: „Nachfolger Rainer Lorz führt schon länger die Geschäfte des Aufsichtsrats.“ Dem neuen Chef ist Eichelbaum seit dem Studium der Rechtswissenschaften in Konstanz verbunden. Da passt Lorz“ Mitteilung ins Bild: „Ich finde es wichtig, noch enger zusammenzurücken und die Zusammenarbeit mit dem Präsidium zu intensivieren“, so der 45-jährige Anwalt.

Die Mannschaft

Es gibt Spiele, die nicht geeignet sind, den Reiz des Fußballs zu erklären. Es schüttete wie aus Kübeln, 80 Minuten lang war von den Kickers nichts zu sehen. Dann erzielte Marco Tucci den 1:0-Siegtreffer gegen Oggersheim. „Mit so einer Leistung haben wir in der dritten Liga nichts verloren. Wir hatten mehr Glück als Verstand“, gab Trainer Stefan Minkwitz zu. Doch selbst mit etwas Abstand war der Coach nicht bereit, zur Tagesordnung überzugehen. Am heutigen Montag wird er einigen Spielern in Einzelgesprächen die Meinung sagen. „Wer sich jetzt zurücklehnt, ist fehl am Platz“, ärgerte sich Minkwitz noch am Sonntag. Namen nennt er keine. Doch vor allem Mustafa Parmak und Angelo Vaccaro dürften sich angesprochen fühlen. Eine Suspendierung wie im Fall Bashiru Gambo wird es jedoch nicht geben. Minkwitz: „Ich weiß jedoch nicht, wie ich auf die mangelnde Einstellung reagiert hätte, wenn wir verloren hätten.“

Das Stadion

Bei den Kickers herrscht Aufregung: Am Freitag kam laut Eichelbaum die Mitteilung vom Sportamt, dass sich die Blauen nach einer Alternativ-Spielstätte umschauen sollen. „Die Stadt will unsere sportliche Entwicklung abwarten und versucht die Modernisierungsmaßnahmen um ein Jahr aufzuschieben“, sagt Eichelbaum. „Dann könnten wir nicht einmal in der vierten Liga im Gazistadion auf der Waldau spielen.“ Eine Ausnahmeregelung soll es nicht geben. Eichelbaum: „Einen Aufschub wird der DFB in Deutschlands reichster Großstadt nicht tolerieren.“ Der Kampf der Kickers geht weiter – an allen Fronten. Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

Ein Sieg, der Sorgen bereitet
 
Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers holt zwar in der Tabelle auf, lässt aber Kampf und Einsatz vermissen
 
Von Beate Wockenfuß

Stuttgart – Betretene Gesichter nach dem Schlusspfiff am Freitagabend im Gazi-Stadion. Zwar hatte Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers soeben den dritten Heimsieg in Folge eingefahren und damit den Abstand zu den Qualifikationsplätzen für die dritte Liga wieder auf drei Punkte verkürzt, doch die Art und Weise des glücklichen 1:0-Erfolgs gegen das abgeschlagene Tabellenschlusslicht FSV Ludwigshafen-Oggersheim sorgte für Entsetzen. Nach dem Aufwärtstrend der vergangenen Wochen war das unmotivierte, dürftige Spiel ein deutlicher Rückschritt der „Blauen“, die durch das späte Tor von Joker Marco Tucci (80.) einer totalen Blamage geradeso entkommen waren. Mit dieser Leistung dürfte es in den verbleibenden acht Spielen schwer werden, den Sprung in die dritte Liga noch zu schaffen.

Zu dem Zeitpunkt des Torjubels hatten einige Zuschauer ihre Plätze bereits enttäuscht verlassen. Der für Tucci ausgewechselte Stürmer Angelo Vaccaro zürnte auf der Bank, nachdem er sein Trikot wutentbrannt in die Ecke geworfen hatte. Die Szenerie erinnerte stark an die Heimspiele in der Hinrunde. Der peinlichen Einladung für den Papst durch das Präsidium ließ die Mannschaft auf dem Platz eine ebenso peinliche Vorstellung folgen. Ein Pflichtsieg sollte es werden. Doch stattdessen waren die Pfälzer über 90 Minuten die bessere Mannschaft, erspielten sich auch auf dem aufgeweichten Rasen eine Reihe von Chancen und waren den Gastgebern sowohl kämpferisch als auch spielerisch überlegen.

Kickers-Trainer Stefan Minkwitz war es nachher sichtlich unangenehm, dass sein Team die drei Punkte kassiert hat. Beim Abpfiff hatte er nur verständnislos den Kopf geschüttelt und entnervt abgewinkt. Mit versteinerter Miene saß er später in der Pressekonferenz. „Hut ab vor der Leistung des FSV“, zollte der Coach dem Gegner Respekt und ging mit seinen Spielern knallhart ins Gericht: „Das war kein Spiel, das war Scheiße, was sie da gekickt haben.“ In der Pause hatte er sie „zum Nachdenken“ fünf Minuten in der Kabine alleine gelassen.

Was allerdings keine Auswirkungen auf den Auftritt in der zweiten Hälfte hatte. „Ich habe mich bei David Yelldell bedankt – und nur beim ihm, dass er uns die drei Punkte gesichert hat“, sagte Minkwitz zu dem einzigen Stuttgarter in Normalform. Über die Einstellung der anderen war er dagegen stinksauer. „Einigen Herren geht es inzwischen wohl wieder zu gut“, schimpfte der Coach und kündigte für heute Klartext an. Das Training am Wochenende hatte er kurzerhand gestrichen. Denn: „Ich will die Gesichter erst mal nicht sehen.“ Auch Manager Joachim Cast will das Spiel nicht einfach so abhaken: „Da sind zu gravierende Dinge passiert. Über diese Einstellung wird noch zu reden sein.“

Doch zumindest einer strahlte über beide Ohren: Torschütze Marco Tucci, der fünf Minuten nach seiner Einwechslung mit seinem zweiten Saisontreffer für die Entscheidung gesorgt hatte. „Das war ein ganz wichtiges Tor für die Mannschaft und für den Verein“, freute sich der Stürmer und ergänzte mit sturem Blick auf die angestrebte Qualifikation: „Hauptsache drei Punkte.“

Eßlinger Zeitung

Presse zu 1. FC Heidenheim – Stuttgarter Kickers II (4:0)

Schlechter sieht es für die Stuttgarter Kickers II aus, die nach dem 0:4 (0:1) beim 1. FC Heidenheim wieder auf einem Abstiegsplatz stehen. Bis zum Heidenheimer 1:0 durch Ertac Seskir (43.) hielten die kleinen Blauen gut mit, in der zweiten Hälfte hatten die Gäste aber keine Chance mehr. Zudem fehlte in Franco Petruso, der beim 1:0 der Regionalligaelf am Freitag gegen den FSV Oggersheim die Rote Karte gesehen hatte, ein wichtiger Spieler. „Dieses Jahr ist das härteste für mich, es geht langsam an die Nerven“, sagte der Kickers-Trainer Björn Hinck. „In den nächsten Wochen müssen wir vor allem gegen die direkten Konkurrenten VfR Mannheim und SV Linx wieder gewinnen“, betont Hinck. Offenbar geht die schwierige Gesamtsituation der Kickers auch nicht spurlos am Nachwuchsteam vorbei. „Wenn alles wunderbar im Verein wäre, würde das auch meinem Team guttun“, sagte Hinck.

Stuttgarter Zeitung

Gar nicht gut lief es für die Stuttgarter Kickers II beim 0:4 in Heidenheim. Individuelle Fehler von Mike Baradel und Markus Ortlieb brachten die Blauen auf die Verliererstraße. Außerdem fehlten die Ideen von Franco Petruso im Spiel nach vorne. Der Mittelfeldakteur war wegen seiner Roten Karte am Freitag im Regionalligaspiel der ersten Mannschaft gegen Oggersheim gesperrt. Besonders ärgerlich am Ausfall des 19-Jährigen: Er sollte die Schlüsselfigur in der von Trainer Björn Hinck vorgenommenen Systemänderung sein. Im Training wurde an einer 4:3:3-Formation gefeilt – mit Petruso im zentralen Mittelfeld statt auf der rechten Außenbahn. Die Systemumstellung nahm Hinck dennoch vor. Ohne Petruso blieb sie ohne Erfolg.

Stuttgarter Nachrichten

Mit breiter Brust nach Bahlingen
Trainer Frank Schmidt lobt die Leistung des FCH beim 4:0 gegen die Stuttgarter Kickers
 
Vier Tore geschossen, keine einzige echte Chance des Gegners zugelassen und den Abstand zu Tabellenplatz fünf in der Oberliga um einen auf zwei Zähler vergrößert. Nach dem 4:0 gegen die Stuttgarter Kickers gab es von FCH-Trainer Frank Schmidt Lob für seine Mannschaft.
„Ich bin natürlich glücklich über den Sieg. Uns allen ist damit ein Stein vom Herzen gefallen“, meinte der FCH-Coach im Anschluss an die Partie.

Ganz maßgeblich für die Siegesfreude verantwortlich waren natürlich die vier Tore, die eigentlich alle zum „richtigen“ Zeitpunkt fielen. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn Seskir kurz vor der Halbzeit mit Klarer nicht den Doppelpass gespielt und das Leder nicht im Kickers-Kasten untergebracht hätte.

„Nach vier sieglosen Spielen wird jede weitere Minute ohne Tor zum Problem“, sagte Schmidt. Am Samstag gab es 43 dieser Problem-Minuten. Dann lief alles fast wie von selbst. „Nachdem wir uns am Anfang schwer getan haben, sind wir immer besser ins Spiel gekommen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann so agiert, wie wir es uns vorgestellt haben. Schnelles Spiel über die Außen hat zum Erfolg geführt“, so der FCH-Trainer in der Pressekonferenz.

Über das 2:0 und 3:0 konnte sich der Heidenheimer Trainer in mehrfacher Weise freuen: Weil die Tore von dem in den vergangenen Spielen beim Abschluss etwas glücklosen Alper Bagceci erzielt wurden und weil das Leder auf „geplante“ Art und Weise im Gäste-Gehäuse landete. „Zweimal flach ins lange Eck – was wir seit Wochen trainieren, haben wir nun umgesetzt“, lobte Schmidt.

Als „Plus“ sah der Coach der Heidenheimer auch seinen Defensiv-Verbund, besonders die Innenverteidiger hätten diesmal sehr gut agiert. Die FCH-Abwehr hatte keine nennenswerte Torchance zugelassen. Die Defensive der Gäste dagegen schon. Eine weitere führte zum 4:0 durch Alexander Raaf in der 86. Minute. „Wir waren nicht nur da nicht wach genug“, so das Fazit von Kickers-Trainer Björn Hinck. Seine Mannschaft sei der richtige Aufbaugegner gewesen, der es nicht geschafft habe, ohne Fehler zu spielen. Besonders in der zweiten Hälfte sei es nicht gelungen, die Räume eng zu machen und in die Zweikämpfe zu gehen. Der Sieg des FCH sei daher völlig verdient.

Mit dem Erfolg vom Samstag liegt der FCH weiter auf Platz vier in der Oberliga – mit 51 Punkten. Walldorf als Fünfter hat 49 Zähler, gefolgt von Villingen mit 48, Hoffenheim mit 47 und Crailsheim mit 46 Punkten. Es bleibt also weiterhin spannend. Am kommenden Wochenende geht es für die Heidenheimer Fußballer nach Bahlingen. Trainer Schmidt ist es vor der Aufgabe kein bisschen bange: „Wir haben wieder Fahrt aufgenommen und das richtige Ergebnis für Bahlingen erzielt. Wir reisen einen Tag früher an und haben so gute Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein. Aber das müssen wir auch.“

Zum Tabellen-13. fährt die Schmidt-Truppe also mit breiter Brust. Gut möglich, dass dann auch Cassio da Silva wieder im Mannschaftsbus mitfährt. Nach seinem Kiefer- und Jochbeinbruch hat er nicht nur mit Lauf-Einheiten begonnen, sondern trainiert auch schon wieder mit der Mannschaft – nur Kopfbälle sind für den ehrgeizigen Brasilianer noch tabu. „Er ist ein Fußball-Verrückter, den man bremsen muss. Aber es kann sein, dass er beim nächsten Spiel im Kader steht“, machte Schmidt den Fans für nächsten Samstag Hoffnung.
 
Pressehaus Heidenheim

Kickers II wieder auf Abstiegsplatz

Beim Aufstiegskandidaten 1. FC Heidenheim verloren die „kleinen“ Blauen heute deutlich mit 0:4. Da der VfR Mannheim zeitgleich den FC Nöttingen schlug, belegen die Kickers einen Abstiegsrang.Am kommenden Sonntag treffen die Kickers auf den Tabellenführer SC Freiburg II.
Die Kickers spielten mit:
Salz; Baradel, Schneider, Leist, Ivanusa, Sökler, Kovac (69. Rizzi), Gentner (76. Weber), Ortlieb, Parhizi (46. Bajrami), Stevanovic

Der Bankrott

Ich habe eine neue Leidenschaft: Ich tue nichts. Seitdem geht es mir gut. Ich kaufe zwei, drei Fußballmagazine und schaue nach, ob CFR Cluj noch mit drei Toren vor Steaua Bukarest die Tabelle der rumänischen Liga anführt. Beitar Jerusalem liegt in Israel klar vor Maccabi Netanja, da ist nichts mehr zu machen, und das sollte man wissen, bevor man die Frage klärt, ob Anorthosis vor Apoel Nikosia den Titel auf Zypern holen wird.

Die Kunst des Nichtstuns ist eine einmalige Gabe. Ich danke Gott dafür. Neulich noch habe ich mich mit der Frage auseinander gesetzt, ob der VfB die Mercedes-Benz-Arena braucht. Dieses Thema hat mir zu schaffen gemacht, aber auch geholfen, das Nichtstun zu entdecken.

Ich war drauf und dran, laut zu schreien: Ihr Unglückseligen, selbstverständlich braucht diese schöne Stadt ein richtiges Fußballstadion. Wie sonst soll es der VfB-Kunde in der Kurve aus sechs Kilometern Entfernung erkennen: Handelt es sich um den VfB-Manager Heldt oder den VfB-Spielmacher Bastürk, wenn einer von beiden auf Zehenspitzen Mike Hanke von Hannover 69 in den Bauchnabel beißt?

Sagen Sie mir nicht, es gebe kein Hannover 69, solange ich weiß, dass Modrica Maksima die Tabelle vor Celik Zenica in Bosnien-Herzegowina anführt. Ich weiß auch, was 69 bedeutet, ich habe als Nichtstuer gelernt, ins Zentrum menschlicher Lüste zu schauen: Seit Jahrzehnten besuche ich den Fußballplatz der Stuttgarter Kickers 1899, die einzige richtige Fußballarena der Stadt. Man hat Augenkontakt und danach die Gewissheit, dass Fußballfunktionäre vom Nichtstun leben.

Der Präsident der Kickers, er heißt Eichelbaum, hat dieser Tage per Brief den Papst zum Spiel eingeladen. Herr Eichelbaum hält dies für einen Gag. Er will die Kickers ins Gespräch bringen. Der Kickers-Präsident hält den Papstbrief für Öffentlichkeitsarbeit. Der Papstbrief ist die einzige Öffentlichkeitsarbeit, die der Kickers-Präsident in dieser Saison geleistet hat.

Herr Eichelbaum sollte keine Briefe an den Papst schreiben. Er sollte seinen Mentalcoach um eine Diagnose bitten. Wenn er das Ergebnis sieht, wird er nicht mehr den Papst um Hilfe bitten. Dann kann ihm nur noch der liebe Gott helfen.

Herr Eichelbaum ist hauptberuflich im Insolvenzgeschäft tätig. Ob er geistige Bankrotte bearbeitet, weiß ich nicht. Ich bin nicht der Papst. Am Freitag haben die Kickers gegen Oggersheim gespielt. Ich habe mein Nichtstun unterbrochen und bin hin. Der Papst war nicht da. Der Papst hatte mich zuvor angerufen. „Richten Sie Herrn Eichelbaum aus“, hat der Papst gesagt, „er möge den mentalen Offenbarungseid leisten, bevor er zur Hölle fährt.“ „Herr Papst“, habe ich gesagt, „Gott sei mit Ihnen.“

Die Kickers haben gewonnen.

Stuttgarter Nachrichten

Presse zu Stuttgarter Kickers – FSV Ludwigshafen-Oggersheim

1:0 – die Kickers im Glück

Der eingewechselte Marco Tucci rettet in einem schwachen Spiel gegen Oggersheim den Sieg

STUTTGART. Das beste am 1:0-Sieg der Stuttgarter Kickers in der Fußball-Regionalliga gegen Oggersheim sind die drei Punkte. „Es war ein unverdienter Sieg“, gab der Manager Cast zu – ehe der Verein den Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden Mauch bekannt gab.

Von Joachim Klumpp

Vor einer Woche beim Spiel in Sandhausen hatte der Kickers-Trainer Stefan Minkwitz eingestehen müssen, mit seinen Einwechslungen kein glückliches Händchen gehabt zu haben. Gestern war das ganz anders: Da brachte er Franco Petruso von der zweiten Mannschaft, dessen Distanzschuss der Oggersheimer Torwart nur abklatschen konnte – und in der darauf folgenden Szene der ebenfalls eingewechselte Marco Tucci zum 1:0-Siegtor einschoss. Da waren bereits 80 Minuten gespielt, und das Schlusslicht war die klar bessere Mannschaft, so dass selbst der Kickers-Manager Joachim Cast zugeben musste: „Der Sieg war unverdient.“

Doch letztendlich zählen nur die drei Punkte, welche die Kickers wieder näher an den zehnten Platz heranbringen. In der Verfassung von gestern allerdings wird es schwer, dieses Ziel zu erreichen, das weiß auch Stefan Minkwitz: „So können wir auf Dauer nicht bestehen“, sagte der Trainer, der in der Halbzeit in der Kabine laut wurde, mit bescheidenem Erfolg. Besser wurde es vor den 2865 Zuschauern nicht, die Kickers verloren nicht nur die spielerische Linie, sondern auch die meisten Zweikämpfe, was keineswegs nur an dem Ausfall des Mittelfeldmotors Alex Rosen gelegen haben kann. „Das Ganze ist eine Frage der Einstellung“, sagte Minkwitz später. „Aber anscheinend geht es einigen Herren schon wieder zu gut.“

Wen er damit gemeint hat? Auf jeden Fall Angelo Vaccaro, der seine Auswechslung auch noch mit einer abfälligen Geste kommentierte. Minkwitz: „Ich habe mich heute nur bei David Yelldell bedankt.“ In der Tat bewahrte der scheidende Schlussmann seine Mannschaft – wieder einmal – vor einem Rückstand, als er vor der Pause gleich drei hochkarätige Chancen der Gäste vereitelte. Cast: „Nach diesem Spiel können wir nicht zur Tagesordnung übergehen, da müssen einige Dinge angesprochen werden.“

Das taten die Verantwortlichen schon unmittelbar nach den 90 Minuten – mit personellen Konsequenzen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Mauch trat „aus persönlichen Gründen“ von seinem Amt zurück, nachdem es zuletzt offenkundig zu Differenzen zwischen ihm und dem Präsidium gekommen war. Der Orthopäde bleibt aber bis auf weiteres im Gremium, das nun von dem Anwalt Rainer Lorz geführt wird.

Ob damit im Umfeld des Vereins endlich die nötige Ruhe eintritt? Die gibt es am Wochenende zumindest auf dem Trainingsgelände der Kickers. Die Spieler bekamen trotz der schwachen Vorstellung frei. Begründung des Trainers Minkwitz: „Ich will die Gesichter jetzt zwei Tage nicht sehen – und am Montag wird Klartext geredet.“

Stuttgarter Kickers: Yelldell – Deigendesch, Wildersinn, Mann, Rapp (46. Steinle) – Parmak, Akcay (65. Petruso), Gambo, Cerci – Vaccaro (75. Tucci), Kacani.

Tor: Tucci (80.).

Rote Karte: Petruso (grobes Foulspiel, 89.).

Stuttgarter Zeitung

1:0 – Joker Tucci erlöst schwache Kickers

Äußerst glücklicher Sieg gegen Oggersheim dank überragendem Torwart Yelldell – Mauch tritt zurück

Stuttgart – Der Papst war nicht da, dafür öffnete Petrus die Schleusen. Und auf dem schlammigen Platz rutschte der schwache Regionalligist Stuttgarter Kickers beinahe aus: Gegen Schlusslicht FSV Oggersheim gab es am Freitag ein glückliches 1:0 (0:0).

VON JÜRGEN FREY

Auch ein nochmaliger Anruf der Kickers im Vatikan in Rom hatte nichts gebracht – Papst Benedikt XVI. schlug die Einladung der Blauen aus und kam nicht. Doch sind wir ehrlich: Er hat auch nichts verpasst.

Die Kickers spielten, als hätten sie im Kampf um einen Platz in der dritten Liga göttlichen Beistand bitter nötig. Das Team von Trainer Stefan Minkwitz blieb zwar im fünften Spiel in Folge ungeschlagen, agierte aber auf dem tiefen Rasen viel zu zerfahren. Statt Esprit gab es nur Stückwerk zu sehen. Ohne den verletzten Denker und Lenker Alexander Rosen (Oberschenkelverhärtung) lief so gut wie nichts zusammen. Außerdem mangelte es an der Einstellung. Minkwitz ging mit seinen Feldspielern hinterher hart ins Gericht: „Ich bin sprachlos über diese Leistung. Einigen Herren geht es wohl anscheinend wieder zu gut.“

Die Blauen kamen durch einen Freistoß von Mustafa Parmak zu ihrem ersten Torschuss. Er scheiterte aus 19 Metern an FSV-Torwart Assen Alexov. Da war schon eine Stunde gespielt, und kaum noch jemand dachte an diesem trüben Abend an eine Sternstunde der Kickers – bis Marco Tucci kam. Der eingewechselte Stürmer erzielte nach Vorarbeit von Parmak und Franco Petruso, der später mit Rot vom Platz flog, das 1:0-Siegtor (80.). „Der Trainer hat gesagt, ich soll ein Tor machen, also habe ich eines gemacht“, sagte der glückliche Tucci, „es war ein wichtiger Treffer – für die Mannschaft, aber auch für den ganzen Verein.“

Die drei Punkte gegen den abgeschlagenen Letzten hatten die Blauen neben Tucci vor allem ihrem Torhüter zu verdanken. David Yelldell zeigte in der 26. Minute zwei spektakuläre Paraden. Erst rettete er mit den Armen gegen Christoph Böcher, dann hielt er den Nachschuss von Mohammed Camara mit den Beinen. Und sechs Minuten später scheiterte auch noch der völlig frei stehende Thorsten Reiß am besten Kickers-Spieler. „Ich habe mich bei David bedankt. Nur bei ihm“, lobte Minkwitz seinen Keeper, der die Kickers nach der Saison verlassen wird. „Wenn er nur in die zweite Liga wechselt, dann habe ich keine Ahnung vom Fußball“, ergänzte Minkwitz.

Trotz des Erfolgs herrschte auf der Waldau Tristesse pur. Da passte es ins Bild, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Christian Mauch am Freitag aus persönlichen Gründen seinen Rücktritt erklärte. Nachfolger ist Rainer Lorz.

Stuttgarter Nachrichten

„Glück – und nichts anderes“

Schwache Stuttgarter Kickers gewinnen unverdient mit 1:0 gegen den FSV Ludwigshafen-Oggersheim

Stuttgart – Schlecht gespielt, unverdient gewonnen: Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers hat den FSV Ludwigshafen-Oggersheim gestern abend mit 1:0 (0:0) besiegt und bleibt damit im fünften Spiel in Folge ohne Niederlage.

Von Beate Wockenfuß

„Das war heute absolutes Glück – und nichts anderes“, war Kickers-Trainer Stefan Minkwitz angefressen. „So eine Leistung dürfen wir nicht wiederholen. Denn so können wir nicht bestehen.“Die Partie litt unter den widrigen äußeren Bedingungen. Starker Regen hatte den Platz schwer bespielbar gemacht. Minkwitz musste im Mittelfeld zwei Ausfälle kompensieren: Kapitän Oliver Stierle fehlte wegen einer Wadenverletzung, für ihn lief Ferhat Cerci auf. Zudem musste Alexander Rosen wegen einer Oberschenkelzerrung passen. Für ihn kam Mustafa Akcay zum Einsatz.Die Gastgeber brachten kaum etwas zustande. Das Tabellen-Schlusslicht aus Oggersheim erspielte sich die besseren Chancen, doch Kickers-Torwart David Yelldell, der zum Saisonende den Verein definitiv in Richtung zweite Liga verlassen wird, war gewohnt souverän. So vereitelte Yelldell in der 29. Minute eine Großchance der Gäste: Erst parierte er Grugur Rados‘ Schuss aus kurzer Distanz, dann klärte er auch vor dem nachsetzenden Mohammed Camara. Sechs Minuten später tauchte Thorsten Reiß plötzlich frei vor Yelldell auf, dieser wehrte aber den Schuss des Oggersheimers ab. In der Kickers-Offensive herrschte dagegen Windstille. Die Quittung für die enttäuschenden Stuttgarter: Buh-Rufe zur Halbzeit.Nach dem Seitenwechsel dasselbe Bild: Die Oggersheimer spielten engagierter und kombinierten, die Kickers zeigten dagegen eine schwache Leistung. Trotzdem fiel in der 80. Minute die Führung für die „Blauen“: Den Schuss von Franco Petruso faustete Alexov zwar weg, doch dann kam Parmak an den Ball und passte auf Marco Tucci. Der eben eingewechselte Stürmer musste nur noch einschieben. Die absolut unverdiente 1:0-Führung brachten die Stuttgarter über die Zeit.

Stuttgarter Kickers: Yelldell – Deigendesch, Wildersinn, Mann, Rapp (46. Steinle) – Parmak, Akcay (66. Petruso), Gambo, Cerci – Kacani, Vaccaro (75. Tucci).

FSV Ludwigshafen-Oggersheim: Alexov – Stiller, Berrafato, Hildebrandt, Böcher – Schlabach, Lapidakis, Ay, Reiß – Camara (79. Christ), Grugur Rados (72. Strohmann).

Schiedsrichter: Valentin (Taufkirchen).

Zuschauer: 2865.

Tore: 1:0 Tucci (80.).

Rote Karte: Petruso (89./grobes Foulspiel).

Gelbe Karten: Wildersinn, Parmak, Steinle / Lapidakis.

Beste Spieler: Yelldell / Reiß, Camara.

Eßlinger Zeitung

Professor Dr. Rainer Lorz neuer Aufsichtsratsvorsitzender

Nach der Partie der Kickers gegen den FSV Ludwigshafen-Oggersheim hat der bisherige Vorsitzende Dr. Christian Mauch bei einem Treffen des Aufsichtsrates seinen Rücktritt aus privaten Gründen bekannt gegeben, bleibt aber weiterhin Mitglied des Aufsichtsrates. Zu seinem Nachfolger wurde Professor Dr. Rainer Lorz bestimmt, der schon seit längerer Zeit diesem Kontrollgremium angehört. Stellvertreter bleibt Christian Dinkelacker.

Vorberichte Stuttgarter Kickers – FSV Ludwigshafen-Oggersheim

Yelldell kündigt Abschied an
Torhüter verlässt die Kickers

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers empfangen in der Fußball-Regionalliga heute (19 Uhr) das Schlusslicht aus Oggersheim. Vor dem Spiel wurde bekannt, dass der Torwart David Yelldell und der Verteidiger Julian Leist den Verein zum Saisonende verlassen.

Von Joachim Klumpp

An dem Torwart David Yelldell liegt es sicher nicht, dass die Stuttgarter Kickers um die Qualifikation für die künftige dritte Fußballliga bangen müssen. Der 26-Jährige ist die Zuverlässigkeit in Person und der große Rückhalt der Mannschaft. Aus diesem Grund muss er sich persönlich auch gar keine Gedanken um die Zukunft machen. Yelldell wird weder in der dritten noch vierten Liga spielen – sondern in der zweiten. „Es gibt verschiedene Anfragen und Angebote“, sagt sein Berater Uli Ferber, der deshalb bis zum Ende des Monats die Option ziehen wird, nach welcher der Schlussmann zu einer festgeschriebenen Ablöse (eine höhere fünfstellige Summe) den Club wechseln kann.

Der Kickers-Manager Joachim Cast wollte sich gestern zwar noch nicht offiziell dazu äußern, gab aber zu: „Es wäre überraschend, wenn es keine Interessenten für ihn gäbe.“ Yelldell, der 2005 nicht zuletzt wegen des Trainers Robin Dutt von den Blackburn Rovers zu den Kickers zurückkehrte, hat sich in den vergangenen drei Jahren zum vielleicht besten Regionalligaschlussmann im Süden entwickelt und wurde schon im Vorjahr mehrmals (unter anderem von Hoffenheim) beobachtet. „Sein Stellenwert in Mannschaft, Verein und Umfeld hat sich enorm gesteigert“, sagt Cast, so dass der nächste Schritt auf der Karriereleiter die logische Folge ist. „Sportlich ist das sicher ein herber Verlust“, betont der Trainer Stefan Minkwitz, „aber er ist nicht der erste und sicher auch nicht der letzte Spieler, der die Kickers verlässt.“

In der Tat. Denn gestern wurde auch bekannt, dass der junge Julian Leist seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird und zu 1860 München (vorzugsweise in die zweite Mannschaft) wechseln wird. „Das ist schade“, sagt Cast, „aber wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten alles unternommen, um ihn zu halten.“ Offensichtlich aber hatte sich der Innenverteidiger, der vor der Saison kurzfristig in den Profikader beordert wurde, mehr Einsätze in der ersten Mannschaft versprochen. Der Trainer Minkwitz bedauert den Entschluss des 20-Jährigen: „In meinen Augen ist das ein Schnellschuss.“

Leists Pech sei gewesen, dass er sich zur Beginn der Rückrunde in der zweiten Mannschaft eine Rote Karte eingehandelt habe und dann gesperrt war. „Und zuletzt hat er in der Oberliga nicht unbedingt die Leistung gebracht, die nötig ist, um sich aufzudrängen.“ Dennoch verlieren die Kickers wieder einmal ein talentiertes Eigengewächs, was für einen Verein, der auf den Nachwuchs setzt, bedauerlich ist. „Er wird aber weiter zum Kader gehören“, sagt Minkwitz mit Blick auf die restlichen neun Saisonspiele.

Das erste davon findet heute (19 Uhr) statt. Und alles andere als ein Sieg gegen das Schlusslicht Oggersheim wäre ein Rückschlag. Auch wenn neben Sascha Benda (Zerrung) die Kapitäne Jens Härter sowie Oliver Stierle ausfallen und Alexander Rosen (Oberschenkelprobleme) angeschlagen ist. Minkwitz: „Wir wollen trotzdem unsere Miniserie von vier Spielen ohne Niederlage ausbauen.“

Stuttgarter Zeitung

Leist geht – Papst zögert
Kickers warten weiter auf Antwort aus dem Vatikan

Stuttgart – Die Stuttgarter Kickers haben auf ihre göttliche Idee, den Papst zum Heimspiel gegen den FSV Oggersheim einzuladen, noch keine Antwort erhalten. Dafür steht vor der Partie am heutigen Freitag (19 Uhr/Gazistadion) fest: Verteidiger Julian Leist wechselt zum TSV 1860 München.

Leist geht nach München – und der Papst bleibt wahrscheinlich in Rom. Die Anzeichen verdichten sich, dass die Einladung für seine Heiligkeit etwas zu spät im Vatikan eintraf. Wie berichtet, hatte Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum Papst Benedikt XVI. höchstpersönlich per Brief auf die Waldau eingeladen. Die fixe Idee ist kein Witz, bleibt aber der Brüller der Woche und Gesprächsthema in der Stadt. Noch warten die Blauen gespannt auf eine Antwort. Auch auf Nachfrage unserer Zeitung hielt sich die vatikanische Pressestelle bedeckt: „Wir behalten uns vor zu antworten – oder auch nicht“, sagte ein Mitarbeiter.

Eine klare Ansage gab es für die Kickers dagegen von Julian Leist. Der 1,92 m große Abwehrspieler teilte dem Fußball-Regionalligisten seinen Wechsel zum TSV 1860 München mit. Der 20-Jährige, dem auch ein Angebot des SC Freiburg vorlag, unterschrieb bei den Löwen einen Zweijahresvertrag. „Bei den Kickers fehlen mir die sportlichen Perspektiven, zudem war das Angebot aus München sehr attraktiv“, sagte Leist, der bei 1860 zunächst für die zweite Mannschaft vorgesehen ist. „Mit der Option nach oben“, wie Leist betont.

In dem Verteidiger verlieren die Blauen einen Spieler mit sehr guten Perspektiven. Besonders ärgerlich: Da sein Vertrag am Saisonende ausläuft, geht er ablösefrei. Entsprechend enttäuscht reagierte Trainer Stefan Minkwitz: „Ich bin bedient. Wir hatten Julian ein konkretes Angebot gemacht, jetzt hat er uns vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Allerdings stand Leist in dieser Saison lediglich zehnmal im Regionalligakader, zum Einsatz kam er nur in der Oberligaelf.

Heute gegen Schlusslicht FSV Oggersheim wird Oliver Stierle wegen seiner Wadenverletzung nicht spielen können. Hinter dem Einsatz von Alexander Rosen (Oberschenkelprobleme) steht ein kleines Fragezeichen. Minkwitz: „Völlig egal, wer aufläuft, es gibt nichts anderes als drei Punkte.“ Mit oder ohne päpstlichen Beistand. Jürgen Frey

Stuttgarter Nachrichten

Minkwitz warnt vor dem Schlusslicht

Stuttgart (bw) – In der Fußball-Regionalliga empfangen die Stuttgarter Kickers heute (19 Uhr) den Tabellenletzten FSV Ludwigshafen-Oggersheim. Der VfB Stuttgart II ist bei den Sportfreunden Siegen zu Gast (19.30 Uhr).

Stuttgarter Kickers
„Es müssen drei Punkte her“, lautet die klare Ansage von Trainer Stefan Minkwitz. Acht Zähler haben die Kickers in den vergangenen vier Spielen geholt und damit ihre Aufholjagd für die Qualifikation zur dritten Liga gestartet. „Die Mini-Serie wollen wir jetzt ausbauen“, sagt der Coach, warnt aber davor, die abgeschlagenen Oggersheimer (9 Punkte) zu unterschätzen: „Sie werden Gas geben. Schließlich haben sie keinen Druck, da spielt es sich einfacher.“ Der wiedergenesene Moritz Steinle wird wohl wieder in die Startelf rücken. Der Einsatz von Oliver Stierle (Wadenverletzung) ist fraglich. Kapitän Jens Härter hat sich unterdessen wegen seiner anhaltenden Knieprobleme (Meniskus- und Knorpelschaden) zu einer Operation entschlossen. Für den Verteidiger, der Ende September vergangenen Jahres seinen letzten Einsatz für die Kickers hatte, ist die Saison damit wohl gelaufen.

So wollen sie spielen: Yelldell – Deigendesch, Mann, Rapp, Steinle – Parmak, Rosen, Gambo, Cerci – Kacani, Vaccaro.
 
Eßlinger Zeitung

FSV und SVS vor Auswärtsspielen

Oggersheim/Sandhausen. Der FSV Ludwigshafen-Oggersheim steht in der Fußball-Regionalliga Süd als Tabellenletzter auch deshalb so schlecht da, „weil wir in der bisherigen Runde nie zwei Mal mit derselben Mannschaft antreten konnten“, so Trainer Sascha Koch. Das ist auch vor dem Auswärtsspiel heute Abend, 19 Uhr, bei den Stuttgarter Kickers nicht anders: Wegen der fünften Gelben Karte fällt Tim Merritt aus,- für ihn wird Marco Lapidakis vor der Vierer-Abwehrkette mit Reiß, Berrafato, Hildebrandt und Böcher spielen. Einen Wechsel gibt es im Tor: Assen Aleksov ist wieder die Nummer eins, nachdem Russi Petkov zuletzt gegen Unterhaching zwei „haltbare“ Tore kassierte.

Mannheimer Morgen

Vorschau

Spielinfos:

Anstoß: 11.04.2008 19:00
Stadion: GAZI-Stadion auf der Waldau

Schiedsrichter: Valentin (Taufkirchen)
Assistenten: Schlott (Marktl), Waldkirch (Pfaffenweiler)

Stuttgarter Kickers: Der wiedergenesene Steinle könnte Wildersinn verdrängen. Die zuletzt angeschlagenen Gambo und Parmak spielen wohl, Stierle (Wade) eher nicht.

FSV LU-Oggersheim: Für Böcher (er ist angeschlagen), Merritt (Gelbsperre) und G. Rados kommen Rodighero, Haber und Strohmann.

Aufstellung

Stuttgarter Kickers
Yelldell – Deigendesch, Mann, Rapp, Steinle – Parmak, Rosen, Gambo, Cerci – Kacani, Vaccaro; Trainer: Minkwitz

FSV LU-Oggersheim
Alexov – Reiß, Berrafato, Hildebrandt, Rodighero – Haber – Schlabach, Homola, Ay – Strohmann, Camara; Trainer: Koch 

Kicker

Presse zum Pabst und zu angeblichen Liquiditätsproblemen

Doppelpass mit dem Papst
Der Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers sucht händeringend Hilfe, sogar im Vatikan

STUTTGART. Die drei Punkte gegen das Tabellenschlusslicht Oggersheim haben die Kickers (morgen, 19 Uhr) in der Fußball-Regionalliga fest eingeplant. In finanziellen Dingen fehlen feste Zusagen aber offensichtlich noch.

Von Joachim Klumpp

Die Stuttgarter Kickers haben das Heimspiel morgen gegen den FSV Oggersheim zum Namenstag ausgerufen. Sämtliche Zuschauer die den Vornamen eines Kickers-Spielers tragen, dürfen – nebst weiblicher Begleitung – die Partie gegen den Tabellenletzten gratis besuchen. In diesem Zusammenhang hatte der Marketingmann Martin Kurzka die Idee, auch den Papst Benedikt persönlich einzuladen, da der den gleichen Vornamen wie der Kickers-Spieler Deigendesch besitzt.

Solche eher amüsanten Episoden sind ansonsten derzeit Mangelware bei den Kickers. Der Regionalligist kämpft an allen Fronten ums Überleben – der sportliche Part gerät dabei manchmal sogar ins Hintertreffen. Das ist auch dem Aufsichtsrat nicht verborgen geblieben, der das Präsidium deshalb in die Pflicht nahm, seine Hausaufgaben zu machen. Gemeinsame Sitzungen sollen künftig in kürzeren Abständen stattfinden. Erste Konsequenz war am Dienstagabend ein Treffen beim Hauptsponsor Gazi, dessen Chef Eduardo Garcia nach den Worten des Kickers-Präsidenten Dirk Eichelbaum „jede mögliche Unterstützung zugesagt hat“. Zunächst soll es sich dabei eher um PR-Aktionen als um monetäre Zuwendungen handeln.

Dabei brauchen die Kickers neben Punkten derzeit vor allem eines: Geld. Auch wenn der Präsident sich dazu nicht explizit äußert, fehlt ein stattlicher Betrag – die Rede ist von 100 000 bis 200 000 Euro -, um die laufende Runde zu bestehen. Offensichtlich spekulieren die Kickers darauf, dass sie eine Fernsehrate des DFB von Mai vorziehen können, um liquide zu bleiben. Daneben gibt es kleine Erfolgserlebnisse wie die Vertragsverlängerung mit einem Top-90-Sponsor, so der im Präsidium fürs Marketing zuständige Hans-Jürgen Wetzel, der vom Aufsichtsrat besonders kritisiert worden ist.

Das Verhältnis des Kontrollgremiums zum Präsidium ist sehr angespannt, um es vorsichtig auszudrücken. Deshalb wird vom Aufsichtsrat auch die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung spätestens nach dem Saisonende erwogen, um die anstehenden Probleme – finanzieller, struktureller, aber auch personeller Art – zu lösen. Auf der Agenda stehen zum Beispiel noch die ausstehende Entlastung des alten (und aktuellen) Präsidiums sowie die Lex Kullen, die inzwischen bekanntlich gerichtlich entschieden werden soll, was nicht gerade zur Imageverbesserung der Kickers beiträgt. Der Präsident Eichelbaum sagt dazu: „Ich halte von einer vorgezogenen Mitgliederversammlung prinzipiell wenig.“ Der Jurist geht nach wie vor vom sportlichen Erfolg der Mannschaft aus – ein Abstieg in die künftige Regionalliga ist offiziell kein Thema.

Zumindest der gebürtige Bayer Benedikt Deigendesch scheint zusätzlich motiviert: „Als praktizierender Christ würde ich mich natürlich freuen, wenn mein Landsmann der Einladung folgen würde“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Vielleicht habe ich dann ja die göttliche Eingebung, um das Spiel zu entscheiden.“ Sein Trainer Stefan Minkwitz sieht die Dinge pragmatischer: „Es müssen drei Punkte her, egal wie.“

Restprogramm der Kickers: 11. April gegen Oggersheim, 19. April in Burghausen, 26. April gegen Aalen, 3. Mai in Reutlingen, 6. Mai gegen 1860 München II, 10. Mai in Frankfurt, 16. Mai gegen Unterhaching, 24. Mai gegen VfB II; 31. Mai in Elversberg.

Stuttgarter Zeitung

Kickers: Garcia signalsisiert Hilfe
Stuttgart (jüf) – Freudenfeste sind bei den Stuttgarter Kickers selten. Erst recht in diesen Tagen, in denen es hinter den Kulissen mal wieder mächtig kracht. Da wäre ein klarer Sieg am morgigen Freitag (19 Uhr/Gazistadion) gegen das abgeschlagene Regionalliga-Schlusslicht FSV Oggersheim ein schönes Signal – doch Trainer Stefan Minkwitz dämpft allzu hohe Erwartungen: „Wir wollen drei Punkte. Ein Freudenfest, ein 5:0 oder 6:0, darf man nicht erwarten.“

Immerhin verkündete Präsident Dirk Eichelbaum nach einem Gespräch mit Eduardo Garcia die frohe Botschaft, dass der Hauptsponsor für die kommenden schweren Wochen seine Hilfe zugesagt habe. „Die unterstützenden Maßnahmen sind noch zu definieren, es geht nicht nur um Geld“, sagte Eichelbaum. Zum Beispiel könnte es PR-Maßnahmen im Rahmen des Box-WM-Kampfes des von Garcia gesponserten Firat Arslan am 3. Mai in der Schleyerhalle geben. Garcia bestätigte das Gespräch mit den klammen Blauen, zu Details wollte er sich nicht äußern: „Ich bin den Kickers treu – mehr gibt es derzeit nicht zu sagen.“

Bedeckt hält sich auch Präsidiumsmitglied Hans-Jürgen Wetzel. Zu seinem möglichen Rücktritt wollte sich der stark in die Kritik geratene Marketingmann weiterhin nicht äußern. Die in Degerloch diskutierte Rückkehr von Dieter Wahl, Edgar Kurz und auch Michael Hofstetter in die Führungsetage der Blauen kommentierte Eichelbaum ausweichend: „Wir denken quer und weiter. Jeder, der ein Herz für die Kickers hat, ist jetzt gefordert.“

Stuttgarter Nachrichten

Kein Witz: Kickers bitten Papst zum Spiel
Göttliche Idee der Blauen vor Duell gegen Oggersheim sorgt für Fassungslosigkeit
 
Stuttgart – Wer vermutet, die Stuttgarter Kickers seien längst am Tiefpunkt angelangt, der irrt gewaltig. Es geht noch tiefer. Zum morgigen Spiel gegen FSV Oggersheim hat der Fußball-Regionaligist den Papst eingeladen. Stuttgart biegt sich vor Lachen.

VON JÜRGEN FREY

UND GUNTER BARNER

Präsident Dirk Eichelbaum höchstpersönlich hat den Pontifex per Brief auf die Waldau eingeladen. Ob seine Heiligkeit erscheinen wird, entscheidet sich wohl erst kurz vor Spielbeginn. Ganz im Ernst: Angeblich stammt die fixe Idee aus dem Fan-Arbeitskreis. Und das Bedauerliche daran ist: Durch den Brüller der Woche wird ein im Kern guter Einfall der Lächerlichkeit preisgegeben. Die Partie gegen das abgeschlagene Tabellenschlusslicht aus Oggersheim (Gazistadion, 19 Uhr) sollen alle Personen kostenlos verfolgen können, die den gleichen Vornamen wie einer der Kickers-Spieler haben. In Anlehnung an Verteidiger Benedikt Deigendesch entwickelten die Blauen dann die göttliche Idee, Papst Benedikt XVI eine persönliche Einladung zukommen zu lassen – die sie per Einschreiben an den Vatikan schickten. „Mein Gott, wie tief sinken wir noch?“, tönte es nach Bekanntwerden der unfassbaren Nachricht im Kickers-Fan-Forum. „Der Verein macht sich immer mehr zur größten Lachnummer“, schrieb ein anderer, und zu guter Letzt scherzte ein Sympathisant der Blauen: „Nichts gegen päpstlichen Beistand – so wie wir uns zurzeit präsentieren, kann uns höchstens eine göttliche Eingebung retten!“

Erst recht in diesen Tagen, in denen es hinter den Kulissen mal wieder kracht. Da wäre ein klarer Sieg am morgigen Freitag gegen den FSV Oggersheim ein schönes Signal – doch Trainer Stefan Minkwitz dämpft die Erwartungen: „Wir wollen drei Punkte. Ein Freudenfest, ein 5:0 oder 6:0, darf man nicht erwarten.“

Immerhin verkündete Präsident Dirk Eichelbaum die frohe Botschaft, dass Hauptsponsor Eduardo Garcia für die kommenden schweren Wochen seine Hilfe zugesagt habe. „Die unterstützenden Maßnahmen sind noch zu definieren, es geht nicht nur um Geld“, sagte Eichelbaum. Zum Beispiel könnte es PR-Maßnahmen im Rahmen des Box-WM-Kampfes des von Garcia gesponserten Firat Arslan am 3. Mai in der Schleyerhalle geben. Garcia bestätigte das Gespräch mit den Blauen, zu Details wollte er sich nicht äußern: „Ich bin den Kickers treu – mehr gibt es derzeit nicht zu sagen.“

Bedeckt hält sich auch Präsidiumsmitglied Hans-Jürgen Wetzel. Zu seinem möglichen Rücktritt wollte sich der in die Kritik geratene Marketingmann weiter nicht äußern. Die in Degerloch diskutierte Rückkehr von Dieter Wahl, Edgar Kurz und auch Michael Hofstetter in die Führungsetage der Blauen kommentierte Eichelbaum ausweichend: „Wir denken quer und weiter. Jeder, der ein Herz für die Kickers hat, ist gefordert.“

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