StZ: Interview Der Kickers-Präsident: „Frischer Wind nützt uns allen“

Edgar Kurz spricht über mögliche neue Marketingmaßnahmen.

Die Stuttgarter Kickers stecken in einer ereignisreichen Woche. Am Dienstag fand die Mitgliederversammlung statt, morgen (14 Uhr) kommt der Spitzenreiter der Fußball-Regionalliga, der VfR Aalen, ins Gazi-Stadion. Der wiedergewählte Kickers-Präsident Edgar Kurz kann sich über Arbeit also nicht beklagen, die aber macht ihm zunehmend Spaß.

Herr Kurz, morgen empfangen die Stuttgarter Kickers den Mitabsteiger und Tabellenführer VfR Aalen. Wird man da nicht manchmal neidisch, wenn man sieht, dass beim Gegner Geld offenbar keine Rolle spielt?

Also Neid war bei mir noch nie in irgendeiner Form existent. Ich habe mich immer an den vorhandenen Möglichkeiten orientiert. Und unter den Rahmenbedingungen, die wir bei den Kickers haben, dürfen wir nicht neidisch sein, sondern müssen mit einer gewissen Gelassenheit an solche Spiele rangehen, die unsere junge, erfolgshungrige Mannschaft braucht, um sich weiterzuentwickeln. Auf der anderen Seite wäre es natürlich zu begrüßen, wenn auch wir Sponsoren hätten, die uns in die Lage versetzen, die zum Aufstieg notwendige Qualität zu erreichen.

Was wird denn schwieriger: die angestrebte sportliche oder die wirtschaftliche Konsolidierung?

Unser Ziel ist, dass wir uns dieses Jahr konsolidieren und sportlich stabilisieren und vor allem die Spieler, die wichtig sind, vertraglich binden können, was in vielen Fällen erfreulicherweise bereits gelungen ist. Der zweite Schritt kann nur sein, sich in der nächsten Saison weiter nach vorne zu orientieren, also das Sprungbrett zu schaffen, um im dritten Jahr wirklich nach oben zu wollen. Da haben wir verschiedene Dinge am Laufen, mit Leuten, die bereit sind, bei den Kickers ein Engagement einzugehen. Das ist noch nicht spruchreif, aber ich denke, dass wir die sportliche Seite dann leichter bewältigen können. Die finanzielle Seite drückt permanent. Ich habe bei der Hauptversammlung ja auch gesagt, ich bin froh, dass wir uns nicht beim Insolvenzverwalter treffen. Denn dieses Szenario ist bei den Kickers für die Zukunft nie gänzlich ausgeschlossen.

Unter Ihrem Vorgänger Dirk Eichelbaum war immer gerne von einem Investor die Rede. Davon hört man jetzt wenig.

Das will aber nichts heißen. Wir melden immer gerne erst den Vollzug.

Das Thema ist also nicht vom Tisch.

Nein, das gehört zu diesem in Angriff genommenen Engagement. Gut Ding will eben Weile haben.

Es macht den Anschein, als ob Ihnen die Arbeit, die zunächst mehr als Übergangslösung gedacht war, zunehmend Spaß macht. Oder täuscht der Eindruck?

Nein, der täuscht nicht. Was mich so stark beeinflusst, ist das Vertrauen, das uns entgegengebracht wird. Und das möchten wir rechtfertigen und zurückgeben. Die Aufgabe macht im Grunde deshalb Spaß, weil sie von vielen Kickers-Anhängern mitgetragen wird. Da hat man dann irgendwo die moralische Pflicht, dem nachzukommen, auch wenn ich mich eigentlich nicht für den idealen Präsidenten halte.

Warum denn das?

Weil ich der Meinung bin, dass der ideale Präsident mehr vor Ort sein müsste, um sich um Details zu kümmern. Ich bin kaum bei Auswärts- oder Jugendspielen, das schaffe ich zeitlich nicht. Und ich brauche einen Geschäftsführer wie Jens Zimmermann, der mir den Rücken freihält und viele Arbeiten abnimmt. Ich habe gesagt: Wenn man mich trotzdem will, in Ordnung, dann stelle ich mich dieser Aufgabe.

Immerhin hat das Präsidium jetzt Verstärkung durch Axel Kolberg von der Agentur Wire bekommen, für den Bereich Marketing. Was versprechen sich die Kickers davon?

Er ist jung, dynamisch, sogar ein bisschen unkonventionell, er hat pfiffige Ideen, kommt aus der Werbebranche, ist bereit zu kämpfen. Kurzum: frischer Wind nützt allen und querdenken kann kreativ sein. Es wird spannend. Herr Kolberg kann sich zum Beispiel vorstellen, eine Hauptversammlung nicht im SSB-Waldaupark, den er als Kathedrale bezeichnet, abzuhalten, sondern in der Diskothek Boa.

Trotzdem fehlt immer noch der gewünschte Sportfachmann im Präsidium.

Auch da werden die Gespräche fortgesetzt. Es handelt sich um einen jüngeren Sportler mit Kickers-Vergangenheit. Eine Entscheidung könnte in den nächsten beiden Wochen fallen.

Mit dem Trainer Dirk Schuster, den Sie maßgeblich mitinstalliert haben, hatten die Kickers jedenfalls ein glückliches Händchen. Besteht da nicht die Gefahr, dass er mal begehrter ist als vielleicht ein Spieler?

Sie haben vollkommen recht. Dirk Schuster ist für uns ein Glücksfall, wir aber auch für ihn. Er hat mit der immer noch sehr geschätzten Marke Stuttgarter Kickers die ihm von uns gebotene Chance, ins Rampenlicht zu kommen, erkannt und liefert eine seriöse und ehrliche Arbeit ab. Sollten irgendwann Begehrlichkeiten anderer Clubs entstehen, werden wir sicher eine einvernehmliche Lösung finden. Aber das sind Spekulationen, zunächst einmal muss die Tagesarbeit erledigt werden. Und als Team kann man Berge versetzen – das sieht man am Beispiel Kaiserslautern.

Dort ist ja Ihr Sohn Marco erfolgreich Trainer. Gibt es da auch ab und zu mal Tipps im sportlichen Bereich?

Eigentlich nicht. Er hat die Mannschaft ja noch nicht gesehen, mit einer Ausnahme, und dann gesagt: „Ich bin erstaunt, wie sich die Spieler einsetzen und was für eine Leidenschaft sie an den Tag legen.“ Viel mehr kann er von außen nicht tun.

Er könnte ja mal zu einem Freundschaftsspiel nach Degerloch kommen.

Ich werde am Montag zum Spiel gegen Bielefeld gehen – und danach dem Manager Stefan Kuntz den Vorschlag unterbreiten.

Gibt es ein Hauptziel für die Amtszeit von drei Jahren?

Ganz klar: eine Klasse höher zu kommen.

Die interne Konkurrenz, die Handballer der Kickers, sind auch noch viertklassig, wollen aber bis 2013 in der zweiten Liga spielen.

Man muss immer Ziele haben, und wir wünschen den Handballern im Club viel Erfolg bei der Umsetzung. Aber für uns ist das ein weiter Weg. Ich bin zwar der Überzeugung, dass die Kickers von der Historie und ihrem Namen in die zweite Liga gehören, habe aber nie gesagt, dass wir es auch schaffen – wenngleich ich mittelfristig die Hoffnung nicht aufgebe.

Das Gespräch führte Joachim Klumpp.

Stuttgarter Zeitung

ZUR PERSON

Edgar Kurz Der Heimatclub des 68-Jährigen ist der SV Sillenbuch, mit dem er als Trainer in die Bezirksliga aufgestiegen ist. Kurz ist Inhaber der Versicherungsagentur Rudolf und Hermann Schmid. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Präsident Kurz ist seit dem 15. Juli Präsident der Kickers und damit Nachfolger von Dirk Eichelbaum, zuvor war Hans Kullen im Amt (Juli 2003 bis März 2007), der den inzwischen verstorbenen Ehrenpräsidenten Axel Dünnwald-Metzler nach 24 Jahren abgelöst hatte. ump

Stuttgarter Zeitung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.