StZ: Präsidiumsmitglied Dieter Wahl über die neue Zuversicht der Kickers

10. März 2009 in Kickers I, News, Verein

„Unser Wunsch wäre ein jährliches Derby“

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Stuttgarter CDU, Dieter Wahl, ist auch Präsidiumsmitglied beim Fußball-Drittligisten Stuttgarter Kickers und innerhalb des Vereins für das Marketing zuständig. In diesem Zusammenhang versucht der 60-Jährige den wirtschaftlichen Erfolg in Einklang mit dem sportlichen zu bringen, was nicht immer leicht ist. Joachim Klumpp hat sich mit Dieter Wahl über die dringlichsten Aufgaben unterhalten.

Herr Wahl, Sie haben sich in der vergangenen Woche mit der Aussage „Es ist Schluss mit dem Schönreden“ sportlich weit aus dem Fenster gelehnt. Würden Sie diese Aussage noch einmal so machen?

Ich bin nach wie vor überzeugt, dass es richtig war, dies kontrovers zu diskutieren. Natürlich bin ich froh, dass es mit dem 2:0-Sieg in Aue so funktioniert hat, sonst hätte ich mich wahrscheinlich warm anziehen müssen. Wobei wir das Ziel noch nicht erreicht haben, denn das sind vier Punkte aus zwei Spielen. Aber ich bin mit dem Trainer Edgar Schmitt einer Meinung: in der letzten Woche, verbunden mit dem Sieg am Samstag, ist ein Ruck durch den gesamten Verein gegangen.

Wird sich der Ruck denn auch auf die wirtschaftliche Seite des Clubs übertragen?

Wir müssen diesen Schwung nun auf die wirtschaftliche Seite übertragen. Und damit gleich am Mittwoch beginnen. Gegen Unterhaching haben wir erstmals einen sogenannten Sponsor of the Day – den Lesezirkel Springbrunnen – so dass morgen alle Frauen freien Eintritt haben. Die Aktion mit den Tagessponsoren wollen wir bei möglichst vielen Heimspielen mit weiteren Partnern fortsetzen.

Was springt da finanziell für die Stuttgarter Kickers heraus?

Das sind etwa drei Euro pro Zuschauer, bei 3000 Besuchern wären es also 9000 Euro Zusatzeinnahme pro Spiel. Deshalb hoffe ich, dass dieser Funke nun auch auf die Zuschauer überspringt.

Zum Spiel nach Aue ist der geplante Fanbus mangels Nachfrage gar nicht erst gefahren, das spricht nicht gerade für die Rückendeckung durch die Anhänger.

Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich gesagt, wir chartern den Bus auf Vereinskosten, um damit Solidarität zu bekunden.

Die Aktion Sponsor of the Day alleine reicht aber noch nicht aus, um die prognostizierten 300 000 Euro Defizit bis zum Saisonende zu decken.

Als weitere Maßnahme setzen wir natürlich auf das Benefizspiel am 25. März gegen den VfB Stuttgart, das den Auftakt zu unserem ADM-Gedenkjahr darstellt.

Und in dem Sie auf 7000 Besucher hoffen. Ist das nicht zu optimistisch geplant?

Da muss ich mich dann korrigieren. Wir sind immer von 6000 Zuschauern ausgegangen. Aber auch das ist natürlich ein ambitioniertes Ziel.

Das Spiel gegen den VfB stand ja schon lange im Raum, warum hat es erst jetzt mit der Realisierung geklappt?

Ich denke, entweder hat man zu vage darüber gesprochen oder es haben die Termine einfach nicht gepasst und, und, und. Aber als ich beim VfB-Präsidenten Erwin Staudt vergangenen Oktober angefragt habe, war der von Anfang an sehr interessiert. Ich denke, man kann mit ihm über vieles reden.

Auch über die dauerhafte Einrichtung eines solchen Derbys?

Es wäre natürlich unser Wunsch, dass jedes Jahr so ein Derby stattfindet, quasi als Saisonauftakt im Gazi-Stadion.

Wie steht es eigentlich um die Zusammenarbeit mit der Leonberger Agentur Event Marketing, um die es ruhig geworden ist?

Da hat sich auch null getan, leider, muss man sagen. Wir sind aber nach wie vor in Gesprächen und wollen da auch nicht auf Konfrontationskurs gehen. Nach dem jetzigen Stand der Dinge würde sich der Vertrag zum Saisonende zwar nicht verlängern, aber wir hoffen natürlich darauf, dass die Agentur uns noch ein oder zwei Werbepartner zuführt – wir sind dankbar für jeden. Wobei man sagen muss, dass der wirtschaftliche Erfolg ganz eng mit dem sportlichen zusammenhängt.

Würden Sie sagen, dass nach der Drittligaqualifikation die Euphorie zu groß war?

Ja, die Euphorie war zu groß. Denn mit dem Abpfiff in Elversberg hat bereits die Drittligasaison begonnen.

Hängen gewisse Defizite im Verein auch damit zusammen, dass die Kickers von der Infrastruktur her, zum Beispiel auf der Geschäftsstelle, einfach unterbesetzt sind?

Das spielt sicher eine Rolle, wenn ich nur sehe, was andere Clubs in der Liga in dieser Hinsicht für Möglichkeiten besitzen. Aber es wäre sicher falsch, wenn man jetzt sagen würde, wir bauen die Geschäftsstelle aus. Das ist nicht machbar, solange wir niemanden haben, der das mitfinanzieren würde.

Zumindest haben die Kickers den Werbeetat in dieser Saison gesteigert. Der Aufsichtsratschef Rainer Lorz hat auf der Hauptversammlung gesagt, man bräuchte in diesem Bereich normalerweise eine Verdoppelung der Einnahmen, um konkurrenzfähig zu sein. Ist das realistisch?

Nein, zumindest nicht, solange wir deutlich im Schatten eines VfB stehen. Da sind wir im Vergleich zu den Mitkonkurrenten einfach im Nachteil, weil die in ihrer Region ein Alleinstellungsmerkmal haben – und wir nicht. Dennoch sind wir auf einem guten Weg. Wir haben den Werbeetat um zehn Prozent gesteigert, und ich denke bis zum Saisonende sind wir bei 20 Prozent, aber das brauchen wir auch.

Haben Sie nicht die Befürchtung, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise Ihnen da einen Strich durch die Rechnung macht?

Das bereitet mir keine schlaflosen Nächte, weil wir bei unseren Sponsoren sehr breit aufgestellt sind, was uns nun zugutekommt. Die werden uns die Treue halten, wenn wir in der dritten Liga bleiben.

Und was passiert, wenn das nicht gelingt?

Daran denke ich heute nicht. Der Optimismus ist seit Samstag wieder größer geworden, auch wenn es noch ein Kampf auf Biegen und Brechen wird. Aber den werden wir gewinnen – genau wie im Vorjahr.

Stuttgarter Zeitung

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