StN: Geld für Stürmer? „Mich hat keiner gefragt“

15. Februar 2008 in Kickers I, News, Verein

Kickers-Hauptsponsor richtet klare Worte ans Team und appelliert an den Zusammenhalt im Verein

Stuttgart – Eduardo Garcia hat dem Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers schon aus einigen finanziellen Engpässen geholfen. Vor den wichtigsten Wochen der Vereinsgeschichte appelliert der Hauptsponsor an den Zusammenhalt im Verein: ¸¸Der Qualifikation für die dritte Liga muss alles untergeordnet werden.“
Herr Garcia, welche Ihrer Sportsponsoring-Aktivitäten macht Ihnen derzeit am meisten Spaß?
Ganz klar die Zusammenarbeit mit dem Boxer Firat Arslan. Er ist ein toller Typ, ein Vorbild für die Jugend. Er steht für Integration, Fleiß, Ehrgeiz – und vor allem für sportlichen Erfolg.
Im Gegensatz zu den Kickers. Wissen Sie, wann es den letzten Regionalliga-Heimsieg gab?
Daran kann ich mich nicht erinnern.
Es war am 26. Mai 2007 gegen Hoffenheim.
Das ist sehr enttäuschend.
Zumal das Gazistadion auch den Namen Ihres Premiumproduktes trägt.
Wenn es nach wirtschaftlichen oder marketingpolitischen Gesichtspunkten ginge, dürfte ich die Kickers nicht unterstützen. Der nationale und internationale Werbewert lässt sich mit dem Einzelsponsoring eines Christoph Daum zum Beispiel nicht vergleichen. Aber die Blauen sind für mich eher ein Hobby – und als Degerlocher eben eine echte Herzensangelegenheit.
Die Ihnen zuletzt kaum Spaß bereitet haben dürfte.
Das stimmt. Ich bin sehr unzufrieden über die sportliche Entwicklung. Vor allem die Art und Weise, wie die Mannschaft zu Hause aufgetreten ist, war äußerst frustrierend. Nicht nur für mich, sondern für die ganze Region. Aber ich werde den Glauben an die Kickers nicht verlieren.
Woran liegt die Talfahrt Ihrer Meinung nach?
Dazu möchte ich mich nicht äußern. Die sportliche Analyse ist Sache des Vereins. Die Kickers-Verantwortlichen müssen ja auch nicht unsere Joghurts verkaufen.
Trotzdem haben Sie vor kurzem im Jugendhaus ein paar klare Worte an die Mannschaft gerichtet.
Richtig. Es war ein flammender Appell, dem einen und einzigen gemeinsamen Ziel alles unterzuordnen. Das gilt für alle. Für den Busfahrer genauso wie für den Kartenabreißer bis hin zu den Sponsoren. Ich habe den Spielern klargemacht: Völlig egal, ob man sich mag oder nicht, wir ziehen jetzt gemeinsam in den Krieg und wollen gemeinsam lebend zurückkommen.
So martialisch kennen wir Sie gar nicht.
Daran sehen Sie, wie ernst sich die Lage darstellt und wie wichtig es ist, das für die Existenz des Vereins so eminent wichtige Ziel zu erreichen: die Qualifikation für die dritte Liga.
Deshalb hätte der Mannschaft ein etablierter Stürmer gutgetan. Waren Sie nicht bereit, dafür Geld lockerzumachen?
Ehrlich gesagt, es hat mich niemand gefragt. Aber letztendlich haben Präsidium und Aufsichtsrat der Kickers entschieden, mit diesem Trainerteam und mit dieser Mannschaft ins Rennen zu gehen. Das sind alles erwachsene Leute, und deren Entscheidung akzeptiere ich.
Genauso wie die Personalie Jürgen Sundermann?
Wenn es der Sache dient.
Sie selbst hatten ursprünglich viel höhere Ziele mit den Kickers.
Absolut. Mein Anspruch war immer zumindest die zweite Liga. Dann hätten wir ganz andere Möglichkeiten – auch was zum Beispiel Kooperationen mit großen deutschen und türkischen Clubs angeht.
Derzeit droht eher der Absturz in die vierte Liga. Wie würde es danach mit dem Kickers weitergehen?
Das weiß ich nicht.
Könnte der Verein noch mit Ihrer Unterstützung rechnen?
An eine Nichtqualifikation für die dritte Liga möchte ich am liebsten gar nicht denken. Wenn es so weit käme, müsste man sicher über Strukturänderungen und einen Neuaufbau nachdenken. Auch ich müsste mein Engagement überdenken. Aber so weit wird es nicht kommen. Wir schaffen die Qualifikation.
Warum?
Weil die Mannschaft das nötige Potenzial hat, der Erfolg im ersten Spiel gegen den SC Pfullendorf (Anm. d. Red.: am 1. März) eine Initialzündung auslösen wird, alle zusammenrücken und ich es gewohnt bin, mich mit Siegern zu umgeben.
Herr Garcia, Sie unterstützen seit sechs Jahren die Stuttgarter Kickers!
Deshalb wird es höchste Zeit, dass die Blauen in die Erfolgsspur kommen.
Fragen von Jürgen Frey
Heute mit
Eduardo Garcia

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Zur Person 

Der gebürtige Stuttgarter, Sohn einer deutschen Mutter und eines spanischen Vaters, ist mit seinem Unternehmen Garmo AG Marktführer in Europa für hochwertige Milch- und Molkereiprodukte. Seit sechs Jahren fungiert der 57-Jährige als Hauptsponsor des Fußball-Regionalligisten Stuttgarter Kickers. Der Schriftzug seiner Premiummarke Gazi ziert die Trikots aller Kickers-Mannschaften. Insgesamt beläuft sich die Unterstützung Garcias pro Saison auf 400 000 Euro. Im Juli 2004 erwarb Garcia für eine Million Euro die Namensrechte am Waldaustadion – seitdem heißt die Arena Gazistadion. Die Laufzeit beträgt zehn Jahre. Die Million fließt zur Hälfte in fünf Jahresraten direkt an die Blauen zurück. Die restlichen 500 000 Euro werden zur Tilgung der Kickers-Schulden bei der Stadt Stuttgart verwendet. Neben den Kickers unterstützt die Garmo AG auch seit über 13 Jahren den Fußballtrainer Christoph Daum sowie mehrere Boxer, darunter den Weltmeister aus Süßen, Firat Arslan. jüf

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