Presseartikel 14.04.2007

Unternehmen Wiedergutmachung geglückt

Stuttgarter Kickers gewinnen Lokalderby beim SSV Reutlingen mit großem kämpferischen Einsatz 1:0

Reutlingen – Die Fußballer von Regionalligist Stuttgarter Kickers haben die von Trainer Robin Dutt geforderte Trotzreaktion gezeigt. Sie gewannen das Lokalderby beim SSV Reutlingen mit 1:0 (1:0). Die Mannschaft hat im Kreuzeiche-Stadion auch für ihren scheidenden Coach gekämpft, dessen Ruf nach dem blamablen 0:3 zuletzt gegen die Sportfreunde Siegen auf dem Spiel stand.

Von Sigor Paesler

Als Manuel Hartmann in der Nachspielzeit der ersten Hälfte eine Flanke von Mustafa Parmak per Kopf zum 1:0-Siegtreffer verwertete, fiel eine riesige Last von den Schultern der Kickers – sowohl auf dem Spielfeld als auch auf der Bank, wo Dutt deutlich nervös agierte. Hartmann lief nach dem Tor sofort zu seinem Trainer, um den sich anschließend eine Traube bildete. „Da wäre jeder hingerannt, der heute getroffen hätte, wir sind eine Mannschaft“, sagte Kapitän Jens Härter. „Man hat den Spielern angemerkt, was sie hier vorhatten, sie hatten eine harte Woche hinter sich – das Herz war an der richtigen Stelle“, meinte Dutt.Ohne Angelo Vaccaro waren die Kickers nach ihrer 0:3-Heimpleite in das Unternehmen Wiedergutmachung gestartet. Der Stürmer musste auf der Bank Platz nehmen und wurde auch später nicht mehr berücksichtigt – offensichtlich eine Strafmaßnahme von Dutt. Dafür kehrte Sean Dundee nach seiner Verletzungspause in die Anfangsformation zurück. Als Sturmpartner erhielt Marco Tucci den Vorzug vor dem abwanderungswilligen Bastian Bischoff. Schon zu Beginn wurde deutlich, dass sich die Kickers die vermutlich lauten Worte ihres Trainers an Ostern zu Herzen genommen haben. In den ersten 20 Minuten waren die Gäste deutlich überlegen, spielten druckvoll nach vorn und setzten sich auch in den Zweikämpfen durch. Echte Chancen waren allerdings Mangelware. Zum Ende der ersten Hälfte, als die Gastgeber stärker wurden, gelang Hartmann das entscheidende Tor. In der zweiten Hälfte waren die Reutlinger spielbestimmend. Doch abgesehen von einem Lattenschuss von Ewald Beskid (49.) sprangen keine hochkarätigen Chancen heraus. „Ich bin gottfroh, wie das ausgegangen ist“, sagte Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum, der die Saison unbedingt mit Dutt zu Ende spielen möchte.

SSV Reutlingen: Langner – Scheuring, Aybar, Kirsch, Janic (88. Urban) – Rill (73. Sajaia), Waidmann, Demirkiran (82. Weigl), Unger – Beskid, Haas.

Stuttgarter Kickers: Yelldell – Benda, Wildersinn, Härter, Stierle – Hartmann – Parmak, Gambo (81. Kanyuk), Weller (73. Kanitz) – Tucci, Dundee (67. Yildiz).

Schiedsrichter: Palilla (Spaichingen).

Zuschauer: 5100.

Tore: Hartmann (45.+2).

Gelbe Karten: Waidmann / Härter, Wildersinn, Stierle.

Beste Spieler: Kirsch, Waidmann / Härter, Gambo, Stierle.

Esslinger Zeitung

1:0 – Kickers zeigen Charakter

Reutlingen – Die Spieler der Stuttgarter Kickers haben die richtige Reaktion auf die Kritik ihres Trainers Robin Dutt gezeigt. Am Freitag gewann der Fußball-Regionalligist das Derby beim SSV Reutlingen mit 1:0 (1:0). Den Treffer erzielte Manuel Hartmann.

VON JÜRGEN FREY

Wenn eine Mannschaft nach einem Sieg minutenlang vor den eigenen Fans feiert, muss es ein besonderer Erfolg gewesen sein. Doch für die Kickers geht es weder gegen den Abstieg noch um den Aufstieg – und dennoch war das 1:0 beim SSV Reutlingen mehr als nur ein Derby-Sieg. Die Blauen haben Charakter gezeigt.

„Wir haben die richtige Antwort gegeben“, sagte Mittelfeldspieler Mustafa Parmak zur heftigen Kritik von Trainer Robin Dutt nach der 0:3-Heimniederlage vergangene Woche gegen Siegen. „Die Mannschaft hatte eine harte Woche hinter sich“, sagte Dutt, der sein Team mit eisernem Schweigen strafte, „man hat gesehen, dass sie sich heute dafür belohnen will.“ Auch Manager Joachim Cast lobte: „Das Team hat Herz gezeigt.“ Und vor allem zwei der wichtigsten Tugenden im Fußball: Aggressivität und Willen. „Das war sehr diszipliniert und engagiert“, sagte Cast.

Eines allerdings fehlte dem Spiel der Kickers über weite Strecken der Partie: eine echte Torchance. Dass es dennoch zum Siegtreffer reichte, lag an Manuel Hartmann. Sekunden vor dem Halbzeitpfiff köpfte der Mittelfeldspieler nach Flanke von Parmak den entscheidenden Treffer.

Zu Beginn der Partie waren die Kickers zwar das bessere Team, doch je länger das Derby vor 5100 Zuschauern dauerte, desto ausgeglichener verlief es. In der zweiten Halbzeit legten die Reutlinger einen Gang zu, die beste Chance allerdings vergab Ewald Beskid, als er in der 50. Minute aus 17 Metern nur die Latte traf. Und auch in der Schlussphase scheiterte das Team von Peter Starzmann mit zwei Kopfballchancen. „Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen“, sagte der SSV-Trainer.

Stuttgarter Nachrichten

1:0 – Kickers zeigen Reaktion

Die Stuttgarter siegen in der Fußball-Regionalliga nach turbulenten Wochen beim SSV Reutlingen

REUTLINGEN. Nach zuletzt schwachen Leistungen haben die Stuttgarter Kickers die Kurve bekommen. „Die Mannschaft wollte sich heute belohnen“, sagte der Trainer Robin Dutt gestern nach dem 1:0-(1:0-)Sieg im Regionalliga-Derby beim SSV Reutlingen.

Von Joachim Klumpp

Wiedersehen macht Freude. Oder auch nicht. Während Hans Kullen das Gazistadion der Kickers zuletzt nicht mehr betreten hat, weil seine finanziellen Angelegenheiten nicht geregelt sind, ist der Expräsident der Stuttgarter ein regelmäßiger Gast im Kreuzeichestadion des SSV Reutlingen. So auch gestern Abend beim Regionalliga-Derby, das die Kickers vor 5100 Zuschauern mit 1:0 für sich entscheiden konnten. Und nach dem zuletzt blamablen Auftritt gegen Siegen sagte der Kickers-Manager Joachim Cast: „Das war die richtige Reaktion.“

Die zeigte sich zunächst in einem taktisch diszipliniertem Auftritt der Gäste. Die entscheidende Reaktion dauerte allerdings bis kurz vor der Pause, als der Kickers-Spieler Mustafa Parmak in den Strafraum flankte, wo Manuel Hartmann völlig unbedrängt und unhaltbar für Reutlingens Torhüter Marco Langner, der nach langer Zeit mal wieder den Vorzug gegenüber dem angeschlagenen Erol Sabanov bekam, einköpfen konnte. Ausgerechnet Hartmann hatte getroffen, der nach den turbulenten vergangenen Wochen gesagt hatte: „Wir als Team müssen jetzt auch mal dem Trainer etwas zurückgeben.“

Robin Dutt also, der den Verein zum Saisonende in Richtung Freiburg verlassen wird. Sein Nachfolger Peter Zeidler saß gestern ebenso auf der Tribüne wie Hoffenheims Ralf Rangnick, um sich ein Bild von seiner künftigen Mannschaft machen zu können. Herausragende Akteure sah er dabei nicht unbedingt, dafür einen Lattentreffer durch den SSV-Stürmer Ewald Beskid (49.), womit sich bereits andeutete, dass die Gastgeber nun mehr Druck machen wollten und mussten. Der neu formierte Kickers-Sturm mit Sean Dundee und Marco Tucci dagegen verpasste es nach dem Seitenwechsel, seine Konterchancen auszuspielen, dafür konnte sich ein Marco Wildersinn in der Innenverteidigung für eine Vertragsverlängerung empfehlen. „Er hat sich auch im Training voll reingehängt“, sagte Cast. Und Wildersinns Berater Ronny Zeller fügte hinzu: „Ich denke, die Chancen stehen mindestens fünfzig zu fünfzig, dass er bleibt.“

Dagegen ist der Abgang des Zeller-Schützlings Bastian Bischoff beschlossene Sache, nachdem man sich von den Kickers wegen eines Ultimatums unter Druck gesetzt gefühlt hat. Ob die Vertragssituation den Ausschlag gab, dass er gestern nicht zum Einsatz kam? „Nein, ich war zuletzt verletzt“, sagte Bischoff, der auch beim SSV Reutlingen im Gespräch ist, „und die anderen haben einfach besser trainiert.“ Und dieses Vertrauen auch gerechtfertigt. Dutt sagte nach dem Spiel: „Die Mannschaft wollte sich heute unbedingt belohnen.“ Und den Trainer auch.

Reutlingen: Langner – Scheuring, Aybar, Kirsch, Janic (86. Urban) – Rill (72. Sajaia), Waidmann, Demirkiran (81. Weigl), Unger – Beskid, Haas.

Kickers: Yelldell – Härter, Parmak, Wildersinn, Stierle – Benda, Weller (72. Kanitz), Gambo (79. Kanyuk), Hartmann – Dundee (67. Yildiz), Tucci.

Schiedsrichter: Palilla (Spaichingen).

Tor: 0:1 Hartmann (45.).

Stuttgarter Zeitung

Reutlingen – Stuttgart 0:1 – Starzmann trotz Niederlage guten Mutes: »Wenn wir so beherzt spielen, mache ich mir keine Sorgen.« Hartmann trifft kurz vor der Pause per Kopf

Ein Tor aus dem Nichts

VON MANFRED KRETSCHMER

REUTLINGEN. Einmal ist immer das erste Mal. »Ich habe mit Reutlingen noch nie ein Freitagsspiel verloren, das soll so bleiben«, sagte SSV-Trainer Peter Starzmann vor der Partie. 90 Spielminuten später war diese Serie gerissen. Vor der stattlichen Kulisse von 5 100 Zuschauern im Kreuzeiche-Stadion zogen die Nullfünfer im Fußball-Regionalliga-Derby gegen die Stuttgarter Kickers mit 0:1 (0:1) den Kürzeren. »Wir brauchen noch einige Punkte«, weiß Starzmann, dass der Klassenverbleib noch nicht in trockenen Tüchern ist, fügte aber kämpferisch hinzu: »Wenn wir so beherzt weiter spielen, mache ich mir keine Sorgen.«

Das Gegentor durften die Reutlinger aus mehreren Gründen in die Kategorie »unnötig und ärgerlich« einordnen. In der 45. Minute war’s – der Unparteiische schickte danach die Teams in die Pause -, als Manuel Hartmann nach einer Flanke von Mustafa Parmak per Kopfball traf. Unnötig war dieser Treffer, weil Parmak nicht energisch gestört wurde und Hartmann völlig frei zum Kopfball kam.

Ärgerlich war dieses Tor, weil wenige Augenblicke zuvor Schiedsrichter Giuseppe Palilla auf Freistoß für den SSV hätte entscheiden müssen. Ünal Demirkiran wurde in der Hälfte der Kickers freistoß-würdig attackiert, Palilla sah’s jedoch anders und ließ weiterspielen. Ärgerlich war dieser Treffer auch deshalb, weil es die erste klare Gelegenheit in dieser Partie überhaupt war. Reutlingens Abwehrrecke Ilker Aybar formulierte: »Es war ein Tor aus dem Nichts.«

Beskid bester Mann auf dem Platz

»Das war beeindruckend, wie sich unser Team nach der letzten schweren Woche präsentiert hat«, freute sich Kickers-Manager Joachim Cast über den ersten »Dreier« nach zuletzt nur einem Punkt aus drei Spielen. »Die Jungs haben ihr Herz in beide Hände genommen«, lobte der ehemalige Reutlinger Abwehrspieler. Stuttgarts Trainer Robin Dutt schlug in die gleiche Kerbe: »Man hat unseren Spielern angemerkt, dass sie etwas gutmachen wollten.«

In den ersten 20 Minuten traten die »Blauen« als die reifere und spielerisch stärkere Elf auf. Eine klare Einschussmöglichkeit hatten die Gäste allerdings nicht. Der SSV nahm Mitte der ersten Hälfte das Zepter in die Hand, Chancen sprangen jedoch ebenfalls keine heraus. Torgefahr kam nur einmal auf, als Markus Unger nach einem Zuspiel von Ewald Beskid zu lange zögerte und sich im Strafraum abdrängen ließ. Taktik war Trumpf in Durchgang eins, das Motto hieß auf beiden Seiten: Sicherheit zuerst. Im zweiten Spielabschnitt wurde es richtig bunt. Der ohne Oliver Otto (Wadenverletzung) angetretene SSV machte mächtig Dampf, zeigte sich enorm laufund kampfstark und zog einen Einbahnstraßenverkehr in Richtung Gäste-Gehäuse auf. Großes Pech hatte Beskid in der 50. Minute, als sein 16-Meter-Linksschuss an die Querlatte klatschte. Apropos Beskid: Der quirlige Angreifer, der zuletzt in Pirmasens krankheitsbedingt fehlte, war der beste Mann auf dem Platz und brachte die Kickers-Hintermannschaft immer wieder in Schwierigkeiten. Erst in der Endphase verließen den Ex- Freiburger die Kräfte.

In den Schlussminuten ließ Starzmann Harakiri spielen, warf Aybar in den Angriff und ließ mit Mann und Maus stürmen. Diese Maßnahme hätte beinahe in der dritten Nachspielminute Früchte getragen. Aber nur beinahe. Urban setzte fünf Meter vor dem Kasten völlig frei zum Kopfball-Torpedo an, doch David Yelldell war auf dem Posten. Es blieb beim 0:1. Am Freitag, dem 13., riss Starzmanns Serie. (GEA)

Reutlinger General-Anzeiger

Ein Herz für die Kickers

Mit dem Pausenpfiff kommt das Gegentor: SSV Reutlingen verliert Fußball-Regionalliga-Derby 0:1

REUTLINGEN (tzu). Fußball-Regionalligist SSV Reutlingen tritt weiter auf der Stelle: Gestern hat der SSV vor 5100 Zuschauern zuhause das Derby gegen die Stuttgarter Kickers mit 0:1 (0:1) verloren.

Als der Spaichinger Schiedsrichter Giuseppe Palilla abpfiff, fasste sich der bereits ausgewechselte Sean Dundee an die Brust und schlug mit der flachen Hand zweimal drauf: Herzflattern mit anschließender Erlösung stellte der Ex-Nationalspieler von den Stuttgarter Kickers szenisch dar. Gerade eben hatte der kurz zuvor eingewechselte Michael Urban die Riesenchance zum Ausgleich vergeben, als er einen Kopfball im Fünfmeterraum in die Arme von Stuttgarts Torhüter David Yelldell geköpft hatte. „Den hätte ich reinköpfen müssen oder annehmen, und den Torwart fragen, wo er ihn hin haben möchte“, sagte der Tübinger selbstkritisch.

Kickers-Manager Joachim Cast, der die letzten Minute stehend, brüllend und zeternd auf der Trainerbank verbracht hatte, war froh über Urbans Malheur und den 1:0-Sieg. „Die Mannschaft hat Herz gezeigt, sich als Team präsentiert“, sagt Cast, „das war beeindruckend.“

Forsch und wenig zimperlich gingen die Kickers in den Anfangsminuten zur Sache. Reutlingen stand sehr tief und spielte diszipliniert, nur Ünal Demirkiran versuchte ab und an, aber erfolglos, mit Tempodribblings oder Steilpässen Offensivakzente zu setzen. Da sich die Stuttgarter auch pedantisch bemühten, sich nicht aus ihrem taktischen Korsett zu befreien, erlebten die Torhüter – beim SSV stand wieder Marco Langner für den angeschlagenen Erol Sabanov im Tor – eine angenehme erste Hälfte.

Und doch passierte es: „Überraschend für alle“, wie der zuschauende Ex-Bundesliga-Trainer Ralf Rangnick sagte (siehe auch den „Anpfiff“). Demirkiran wurde nach einem Dribbling unsanft gestoppt, Palilla ließ weiterlaufen, Stuttgarts Mustafa Parmak flankte von der rechten Seite auf den freistehenden Manuel Hartmann, der zur Kickers-Führung einköpfte und den ganzen Tross auf der Ersatzbank umarmte. Und gar nicht mehr zurück auf den Platz musste, denn Palilla pfiff sofort zur Halbzeit. „Wir gehen zu zögernd auf den Flankengeber drauf“, kritisierte SSV-Innenverteidiger Ilker Aybar, „und in der Mitte sind wir dann in Unterzahl.“ Reutlingens Trainer Peter Starzmann ärgerte vielmehr, dass Referee Palilla die Aktion gegen Demirkiran nicht geahndet hatte: „Ein klares Foul. Wenn er das pfeift, gehen wir mit 0:0 in die Pause.“

Die 5100Zuschauer hatten nach dem Gegentor aber mehr Unterhaltung: Der SSV machte danach Druck, traute sich mehr nach vorne, das Spiel wurde lebhafter. Ewald Beskid zog nach feiner Einzelaktion (49.) ab – Latte. Nach Querpass von Sasa Janic (51.) verpasst Christian Haas nur knapp. Doch an den zähen und zweikampfstarken Kickers-Innenverteidiger Jens Härter und Marco Wildersinn, die schon nach einer halben Stunde jeweils Gelb gesehen hatten, kamen die Reutlinger selten vorbei. „Wir haben Torchancen im Rahmen des Normalen zugelassen“, sagte Stuttgarts Trainer Robin Dutt.

Peter Starzmann probierte gegen Ende noch einmal alles, wechselte den technisch versierten Mikheil Sajaia für den Angriff ein, brachte in Urban noch einen kopfballstarken Spieler. Was ja fast noch belohnt worden wäre. „Ein Unentschieden wäre verdient gewesen“, sagte Starzmann. SSV-Torhüter Marco Langner stapfte enttäuscht vom Platz, „weil wir heute die bessere Mannschaft waren“. Kickers-Coach Robin Dutt befand, dass bei seinem Team „das Herz an der richtigen Stelle war“. Nämlich dort, wo Sean Dundee mit der Hand drauf zeigte.

SSV Reutlingen: Langner – Scheuring, Aybar, Kirsch, Janic (85. Urban) – Rill (73. Sajaia), Waidmann, Demirkiran (80. Weigl), Unger – Haas, Beskid.

Stuttgarter Kickers: Yelldell – Benda, Wildersinn, Härter, Stierle – Parmak, Hartmann, Gambo (79. Kanyuk), Weller (73. Kanitz) – Dundee (64. Yildiz), Tucci.

Schwäbisches Tageblatt

SSV-I: Engagierter SSV wird nicht belohnt

Vor 5.100 Zuschauern unterlagen die Nullfünfer den Stuttgarter Kickers mit 0:1. Während Reutlingens Ewald Beskid nur die Latte traf, erzielte Manuel Hartmann den Siegtreffer für die Gäste. Ein glücklicher Sieg für die Stuttgarter Kickers.

[Alexander Thomys] – Nach der knappen 0:1-Heimniederlage der Nullfünfer bewerteten die Trainer das Geschehen auf dem Platz doch recht unterschiedlich. Während Kickers-Trainer Robin Dutt von einem „verdienten Sieg“ für sein Team sprach, sah SSV-Coach Peter Starzmann das ganze doch etwas anders. „Ein Unentschieden wäre aufgrund der zweiten Halbzeit auf jeden Fall verdient gewesen“, urteilte der Reutlinger Übungsleiter.

Die ersten Minuten des Derbys – das stattliche 5 100 Zuschauer sehen wollten – gehörten allerdings den Kickers. Die „Blauen“ begannen konzentrierter und kamen schon in der Anfangsphase zu drei Eckbällen. Doch die Reutlinger fanden im Anschluss besser ins Spiel, es entwickelte sich eine ausgeglichene Partie, die allerdings deutlich taktisch geprägt war. So sahen die Zuschauer nur wenige Strafraumszenen. Ärgerlich vor allem, dass die Reutlinger nicht aus der harten Gangart der Gäste Kapital schlagen konnten. Zahlreiche Freistöße nach Foulspielen der Kickers blieben ungenutzt. Dies kritisierte auch Trainer Starzmann: „Ünal Demirkiran wirkte bei den Standards im ersten Durchgang unglücklich.“

Kurz vor der Pause dann der Schock: Der Pfiff nach einem Foul an Demirkiran blieb aus, die Stuttgarter spielten zügig nach vorne und konnten ungestört flanken. Im Zentrum stand Manuel Hartmann völlig frei und köpfte zum 0:1 in die Maschen. „Da haben wir zu wenig Druck entwickelt und standen in der Abwehr zu unorganisiert“, erklärte SSV-Innenverteidiger Ilker Aybar. Und SSV-Torhüter Marco Langner – für den verletzten Erol Sabanov erstmals seit dem Darmstadt-Spiel wieder in der Startelf – ergänzte: „Wir müssen denen im Mittelfeld schon auf die Füße treten.“ Direkt im Anschluss an den Führungstreffer der Kickers pfiff Schiedsrichter Palilla aus Spaichingen die erste Halbzeit ab.

Beskid trifft die Latte

Im zweiten Durchgang dann ein völlig anderes Bild: Die SSVler drängten die Kickers-Elf in die Defensive und belagerten den Strafraum der „Blauen“ förmlich. Allerdings blieben zahlreiche gute Torchancen ungenutzt. Ewald Beskid traf aus aussichtsreicher Position kurz nach der Pause nur die Latte, nach einer Flanke von Sasa Janic flogen Manuel Waidmann, Andreas Rill und Christian Haas am Ball vorbei. Zu oft allerdings blieben Freistöße und Schusschancen ungenutzt – die SSVler verrannten sich teilweise im Strafraum der Gäste.

Das Bemühen konnte man niemanden im SSV-Dress absprechen, allerdings war die Chancenauswertung an diesem Tag indiskutabel. In der Schlussphase kamen die Kickers zu einigen Konterchancen, als die Kreuzeiche-Kicker am Ende „Harakiri“ (Starzmann) gespielt haben. Abwehrrecke Ilker Aybar rückte ins Sturmzentrum, zudem kam mit Michael Urban ein Kopfballstarker Akteur aufs Feld. Und dieser hatte auch die letzte große Ausgleichschance: Urban köpfte Sekunden vor dem Abpfiff frei aus kurzer Distanz direkt auf Kickers-Keeper Yelldell. So blieb es am Ende bei der 0:1-Niederlage der Nullfünfer – im SSV-Lager war man zwar aufgrund der Energieleistung im zweiten Durchgang versöhnt, aber auch enttäuscht. „Wir haben verdient gewonnen“, erklärte Kickers-Trainer Dutt. Die Chancenauswertung gab ihm an diesem Freitag-Abend Recht.

Stimmen zum Spiel

Peter Starzmann (SSV-Trainer): „Am Ende haben wir heute alles riskiert, Aybar rückte in den Sturm und wir hatten alle Kopfballspieler auf dem Platz. Urban hat die Topchance kurz vor Schluss, vielleicht hätte er den Ball auch annehmen und platzierter schießen können. Die Kickers kamen in der Schlussphase nochmals auf, als wir alles nach vorne warfen und viel riskierten. Leider hat es heute nicht gereicht, aber ich kann aufgrund der kämpferischen Leistung niemandem einen Vorwurf machen. Wir müssen zwar noch einige Punkte holen, aber wenn wir mit soviel Herzblut spielen wie heute im zweiten Durchgang, dann ist mir nicht bange. Bemerkenswert ist auch der 2:1-Sieg von Pirmasens bei den Bayern-Amateuren. Da sieht man mal wieviel die Profis ausmachen können.“ (Anmerkung der Redaktion: Die Bayern-Profis Ottl und Lell sah man am Mittwoch bereits in der Championsleague)

Robin Dutt (Trainer SVK): „Wir haben sehr gut ins Spiel gefunden, später war das Spiel sehr ausgeglichen. Das Tor hätte zu keinem besseren Zeitpunkt fallen können. Im zweiten Durchgang haben wir sehr diszipliniert gespielt und das nötige Herzblut gezeigt. Christian Haas – vor dem wir sehr viel Respekt haben – hatten wir glücklicher Weise sehr gut im Griff. Wir haben dem Druck standgehalten und daher verdient gewonnen.“

Ilker Abybar (SSV Reutlingen): „Als sich die Kickers hinten rein gestellt haben war es für uns natürlich sehr schwierig, zum Torerfolg zu kommen. Trotzdem hatten wir gute Chancen und hätten uns einen Punkt verdient. Wir wissen, dass nach Unten noch alles möglich ist und müssen bald wieder zu einem Erfolg kommen. Wir dürfen nicht noch Hinten rein fallen.“

Harald Prinz (SSV-Manager): „Das war ein blödes Gegentor vor der Pause und eine sehr bittere Niederlage. Trotzdem konnten wir nicht an die Leistung aus dem Siegen-Spiel anknüpfen, die Kickers waren einfach cleverer als wir. Positiv war, dass uns heute 5100 Anhänger unterstützt haben, ich hoffe, dass unsere Fans auch in den letzten Heimspielen so zahlreich erscheinen.“

Statistik zum Spiel

SSV Reutlingen 05:
Langner – Kirsch, Aybar, Scheuring – Waidmann, Unger, Rill (72. Sajaia), Janic (87. Urban) – Haas, Beskid, Demirkiran (81. Weigl)

Stuttgarter Kickers:
Yelldell, Stierle, Tucci – Härter, Wildersinn, Hartmann – Benda, Parmak, Weller (72. Kanitz), Gambo (79. Kanyuk) – Dundee (66. Yildiz)

Schiedsrichter:
Giuseppe Palilla (Spaichingen)

Assistenten:
Michael Emmer
Eduard Beitinger

Tore:
0:1 Manuel Hartmann (45.)

Gelbe Karten:
Jens Härter (29.)
Marco Wildersinn (32.)
Manuel Waidmann (58.)
Oliver Stierle (61.)

SSV-News.de (auch mit Bildern zum Spiel)

Kickers II spielen im GAZi-Stadion gegen den SC Freiburg II

Das Oberligaspiel der „kleinen“ Blauen am kommenden Samstag, 14. April 2007 gegen die U23-Mannschaft des SC Freiburg ist von der Festwiese in Bad Cannstatt nach Degerloch ins GAZi-Stadion auf der Waldau verlegt worden. Anpfiff gegen das Team von Gästetrainer Karsten Neitzel ist um 14:00 Uhr.
Die Kickers II waren zuletzt das Überraschungsteam der Oberliga und stürmten mit zehn Punkten aus den letzten vier Spielen auf den 7. Tabellenplatz vor.

Erfolgerlebnis!

Mit 1:0 gewannen die Stuttgarter Kickers im Derby beim SSV 05 Reutlingen. Manuel Hartmann sorgte quasi mit dem Halbzeitpfiff für das lang ersehnte Erfolgserlebnis der Blauen.

Die Blauen rangieren damit vorerst auf dem vierten Tabellenplatz. Nächstes Wochenende erwarten die Kickers den Tabellensiebzehnten FC Pirmasens. Im Hinspiel setze es die erste Saisonniederlage für die Kickers.
Die Kickers spielten mit:
Yelldell; Stierle, Härter, Wildersinn, Benda; Parmak, Hartmann, Gambo (79. Kanyuk), Weller (72. Kanitz); Tucci, Dundee (66. Yildiz)

Vorberichte: SSV Reutlingen – Stuttgarter Kickers – Teil II

„Gefahr einer Insolvenz sehe ich nicht“

Manager Joachim Cast von den Stuttgarter Kickers im TAGBLATT-Interview vor dem heutigen Derby in Reutlingen

STUTTGART. Turbulente Tage bei Fußball-Regionalligist Stuttgarter Kickers: Erst der Rücktritt von Präsident Hans Kullen, dann dessen Rückforderung seiner Darlehen in Höhe von rund 450000 Euro. Auch sportlich läuft es beim Tabellenfünften derzeit nicht gut: Nur einen Punkt haben die Kickers in den vergangenen drei Spielen geholt. „Diese Woche haben wir mit den Spielern Klartext gesprochen“, sagt Stuttgarts Manager Joachim Cast im TAGBLATT-Interview vor dem Spiel der Kickers beim SSV Reutlingen am heutigen Freitag (19 Uhr).
TAGBLATT: Herr Cast, was hat sich für Sie und Ihre Arbeit verändert, seit Hans Kullen nicht mehr Präsident der Kickers ist?

Joachim Cast: Ich stochere grundsätzlich nicht in der Vergangenheit herum. Auf jeden Fall hat Hans Kullen viel für den Verein geleistet. Auch ich selbst habe ihm viel zu verdanken, er hat mir schließlich den Job bei den Kickers verschafft. Wir haben jetzt in der neuen Konstellation die Kompetenzen und Aufgabengebiete klar verteilt und abgegrenzt, mehr gibt es hierzu nicht zu sagen.

Aber wenn Kullen mit seiner Rückforderung von 450000 Euro, die er den Kickers als Darlehen gegeben hat, durchkommt, dann droht dem Verein die Insolvenz, oder?

Fakt ist: Er hat dem Verein vor etwa vier Jahren ein Darlehen gegeben um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu gewährleisten. Durch die alljährlichen Rangrücktrittserklärungen, die im Rahmen der Lizenzierung von ihm und anderen Gläubigern gegeben wurden, hat der Verein das Problem quasi immer vor sich hergeschoben. Um den künftigen Ablauf kümmern sich nun die Juristen. Ich bin mir sicher, dass hier tragfähige Lösungen gefunden werden. Die Gefahr einer Insolvenz sehe ich daher nicht. Ich lasse mich aber dadurch auch nicht in meiner operativen und strategischen Arbeit beeinflussen und beschäftige mich jetzt, nachdem wir mit Peter Zeidler einen neuen Trainer verpflichtet haben, mit der Kaderplanung für die kommende Saison.

Was hat für Trainer Zeidler gesprochen?

Er kennt die Region, er kennt die Regionalliga als früherer Trainer in Aalen, er kennt die Kickers, er kommt aus der Region. Er hat beim 1. FC NürnbergII mit jungen Leuten gearbeitet und sie an die Bundesliga herangeführt. Ich schätze seine pädagogischen und psychologischen Fähigkeiten, gerade im Umgang mit jungen Leuten. Zudem hat er sich in den Gesprächen hervorragend präsentiert.

Bei der Kaderplanung hat der SSV Reutlingen mit den Kickers konkurriert um den U23-Spieler Bastian Bischoff…

…dessen Vertrag bei uns ausläuft. Er hatte seit vier Wochen ein verbessertes Angebot von uns. Das hat er gestern allerdings abgelehnt. Wir planen daher ohne ihn. Bischoff muss wissen, dass er vor zwei Jahren aus der Bezirksliga gekommen ist und bei uns die Aufstiegsmöglichkeit in die Regionalliga bekommen hat. Wir wollten finanziell aber nicht über das festgesetzte Limit hinausgehen. Der SSV hat allerdings in Absprache mit uns Kontakt zu Bischoff aufgenommen, das war alles korrekt.

Was kommt nächste Saison auf die Kickers zu?

Für uns ist es existenziell wichtig, dass wir uns für die eingleisige Dritte Liga qualifizieren. Wenn nicht, kann ich meinen Schlüssel abgeben, dann wird es die Kickers in dieser Form nicht mehr geben. Aber daran verschwende ich keinen Gedanken. Überdies geht es den meisten Regionalligisten so – auch der SSV Reutlingen hätte Probleme, wenn er sich nicht qualifiziert. Es wird das vielzitierte Hauen und Stechen um die Plätze geben, da werden vielleicht einige Klubs über ihre wirtschaftlichen Möglichkeiten hinaus investieren. Wir werden die nächste Saison trotz allem mit Augenmaß und solider Vereinsführung angehen.

Sie waren zwischen 1995 und 2001 beim SSV Reutlingen. Was sagen Sie zur Entwicklung Ihres Ex-Klubs?

Die sehe ich sehr positiv. Unter Peter Starzmann wird sehr solide und kontinuierlich gearbeitet. Tabellenplatz sechs ist die logische Folge. Auch wirtschaftlich scheint mittlerweile unter der Federführung von Klaus Weiss alles wieder in geregelten Bahnen zu verlaufen.

Die Kickers haben zuletzt zwei Mal zuhause verloren . Da wird sich die Begeisterung auf der Waldau in Grenzen halten, oder?

Die Fans sind schon schwer enttäuscht, vor allem beim 0:3 gegen Siegen vor einer Woche war die Leistung indiskutabel. Diese Woche haben wir mit den Spielern Klartext gesprochen, jetzt muss in Reutlingen die Reaktion der Mannschaft folgen. Beide Mannschaften brauchen aber noch Punkte, denn die Liga ist sehr eng zusammengerückt.

Fragen von Thomas de Marco

Schwäbisches Tageblatt

SSV: Heute Abend Lokalderby gegen die Kickers

Freitag, der 13., kann Trainer Peter Starzmann vom Fußball-Regionalligisten SSV Reutlingen vor dem Lokalderby heute Abend (19 Uhr) gegen die Stuttgarter Kickers nicht schrecken.

„Freitag ist mir der liebste Tag, da haben wir abends immer gepunktet seit ich Trainer in Reutlingen bin“, sagt er. Das wäre auch gegen die Kickers nicht schlecht, denn noch müssen die Reutlinger aufpassen, dass sie nach unten nicht noch in Gefahr geraten. „Wir sollten hellwach bleiben und unsere Hausaufgaben machen“, sagt Starzmann.

Fehlen wird heute Abend allerdings Abwehrspieler Volker Grimminger, dessen Knieverletzung vom Spiel in Pirmasens (1:1) am vergangenen Samstag sich als Innenbandabriss herausstellte: Er fällt vier Wochen aus. Gefährdet ist auch der Einsatz von Mittelfeldspieler Oliver Otto, der einen Schlag auf die Wade abbekommen hat. Bei den Stuttgarter Kickers hat sich der verletzte Ex-Bundesligaspieler Sean Dundee (Karlsruher SC und VfB Stuttgart) zurückgemeldet.

Starzmann rechnet mit bis zu 5000 Zuschauern heute Abend an der Kreuzeiche. „Der Vorverkauf hat in den vergangenen Tagen enorm angezogen“, sagt der SSV-Trainer, „das wird ein richtig schönes Derby.“ Angesagt hätte sich neben Trainer Ralf Rangnick vom Liga-Konkurrenten Hoffenheim unter anderem auch eine Delegation vom Bundesligisten Energie Cottbus auf Beobachtungstour.

Schwäbisches Tageblatt

SSV Reutlingen – Strömen heute 5 000 Zuschauer ins Kreuzeiche-Stadion? Trainer-Lob für Oliver Otto 
 
Peter Starzmann verspricht Tore 
 
VON MANFRED KRETSCHMER 
 
REUTLINGEN. SSV-Marketing-Manager Harald Prinz rechnet mit über 4 000 Zuschauern, Trainer Peter Starzmann hofft auf mehr als 5 000 Fans. Wenn sich heute ab 19 Uhr in der Fußball-Regionalliga Süd Reutlingen und die Stuttgarter Kickers gegenüberstehen, dürfte es im Kreuzeiche-Stadion vor Spannung knistern. Und einige Prominente der Fußball-Branche werden auf der Tribüne Platz nehmen: Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick hat sich ebenso angesagt wie zwei Spielbeobachter des Bundesligisten Energie Cottbus.

SSV Reutlingen kontra Stuttgarter Kickers – immer wenn dieses Derby angesagt ist, lässt sich Starzmann zu einer Prognose hinreißen. Vor dem Hinspiel verkündete er vollmundig, dass es auf gar keinen Fall ein 0:0 geben werde. Und wie endete das Spiel? 0:0. Diesmal sagt der Reutlinger Kommandogeber: »Es werden Tore fallen. Dieses Derby setzt bei beiden Mannschaften Kräfte frei.« Sein Gegenüber Robin Dutt von den Kickers meint dazu lapidar: »Ich hoffe für die Zuschauer, dass Tore fallen.«

Beim SSV wird es gegenüber dem vergangenen Samstag, als in Pirmasens ein 1:1-Remis heraussprang, mindestens eine Änderung geben. Thomas Scheuring rückt für den verletzten Volker Grimminger auf die rechte Seite in der Abwehr-Viererkette. Scheuring fehlte zuletzt krankheitsbedingt. Er muss aber heute ran, weil Starzmann auf dieser Position kaum Alternativen hat.

Angeschlagen sind bei den Hausherren Torhüter Erol Sabanov (Bänderdehnung im Knie) und Oliver Otto (starke Wadenprellung). Apropos Otto: Für Starzmann ist der 34-Jährige »unser konstantester Spieler im Jahr 2007«. Der defensive Mittelfeldspieler erlebt derzeit seinen zweiten Frühling.

Routinier hält Vortrag

Der Coach bat deshalb den ehemaligen Jugend-Nationalspieler um einen kleinen Vortrag vor seinen Mitspielern. Starzmann: »Er sollte der Mannschaft sagen, wie er unter der Woche lebt und was er am Spieltag macht, um sein körperliches und mentales Leistungsniveau abzurufen.« Der Coach möchte mit dieser Maßnahme die Eigenmotivation seiner Schützlinge weiter stärken.

Im Aufgebot der Stuttgarter Kickers steht heute ein Akteur, der möglicherweise nächste Runde das Reutlinger Trikot überstreift: Bastian Bischoff. Der 22-jährige Stürmer aus Bad Urach, der einst für den TSV Wittlingen in der Bezirksliga Alb spielte, wird die »Blauen« zum Saisonende definitiv verlassen. Eine Entscheidung pro SSV sei allerdings noch nicht gefallen, so Starzmann. (GEA)

Reutlinger General-Anzeiger

StZ: Das Doppelinterview mit den Managern J. Cast u. H. Prinz

„Die dritte Liga kommt zu früh“
 
DAS DOPPELINTERVIEW

Das Derby heute Abend in der Fußball-Regionalliga zwischen dem SSV Reutlingen und den Stuttgarter Kickers (19 Uhr, Kreuzeiche) wirft bereits einen Schatten auf die nächste Saison, in der es um die Qualifikation für die neue eingleisige dritte Liga geht. Matthias A. Schmid und Marko Schumacher haben den beiden Managern Harald Prinz (SSV) und Joachim Cast (Kickers) sechs Fragen dazu gestellt.

Im nächsten Jahr kämpfen Ihre Klubs um die Qualifikation für die neue eingleisige dritte Liga. Das erfordert auch einen höheren Etat. Sind die Sponsoren denn großzügiger als bisher?

Cast (Kickers): Bisher nicht. Wir planen wie dieses Jahr mit einem Etat von 2,4 Millionen Euro und werden uns damit im unteren Drittel bewegen. Natürlich hoffen wir, dass noch etwas dazukommt.

Prinz (SSV): Wie heißt es denn so schön: Geld schießt zwar keine Tore, Armut aber auch nicht. Die Unternehmer müssen natürlich mit ins Boot, sonst funktioniert es nicht. Das wissen alle.
Was erhoffen Sie sich eigentlich von der dritten Liga?

Cast (Kickers): Natürlich wird es für die Zuschauer am Anfang attraktiver. Allerdings gibt es zu viele Fragezeichen und zu viele Unwägbarkeiten. Die Konzeption der dritten Liga ist im Grundsatz zwar in Ordnung – sie kommt aber zu früh. Keiner weiß so genau, was einen erwartet, vor allem finanziell.

Prinz (SSV): Sportlich wird es auf jeden Fall attraktiver mit Mannschaften wie St. Pauli oder Düsseldorf. Auch finanziell dürfte es sich lohnen, die höheren Fernsehgelder würden uns auf jeden Fall gut tun. Auch erhoffen wir uns einen größeren Zuschauerzuspruch, vergleichbar mit den Zweitligazeiten.

Welche besonderen Auflagen müssen die Klubs dafür erfüllen?

Cast (Kickers): Das wissen wir noch nicht genau. Die Rede ist von höheren Anforderungen an die Infrastruktur wie Stadion und Geschäftsstelle.

Prinz (SSV): Dazu kann ich erst etwas sagen, wenn die Unterlagen Ende April von der Deutschen Fußball-Liga zurückkommen.

Welche infrastrukturellen Voraussetzungen vom Gegner hätten Sie gerne?

Cast (Kickers): Da fällt mir spontan die Haupttribüne des Reutlinger Kreuzeichestadions ein. Ausstattung, Komfort und Sicht sind bundesligatauglich. Die würde ich sofort nehmen.

Prinz (SSV): Ich bin noch zu frisch im Geschäft, um mich darüber äußern zu können. Aber die Kickers haben eine große Vergangenheit und einen umtriebigen Manager Joachim Cast.

Wie beurteilen Sie generell die Arbeit Ihres Gegners?

Cast (Kickers): Die Entwicklung ist äußerst positiv. Es ist sensationell, was dort in den vergangenen Jahren geleistet wurde. Wirtschaftlich hat man wieder eine solide Basis, und sportlich hat Peter Starzmann eine eingespielte, intakte Mannschaft auf die Beine gestellt.

Prinz (SSV): Hinter den Kickers liegen seit dem Rücktritt von Dünnwald-Metzler unruhige Zeiten. Doch der Verein hat sich wieder berappelt. Sie tun sich aber als Nummer zwei in der Stadt hinter dem großen VfB schwer, geeignete Sponsoren zu finden.

Abschließend Ihr Tipp zum Spiel?

Cast (Kickers): Ich tippe grundsätzlich nicht.

Prinz (SSV): Der SSV gewinnt mit 2:1.

Stuttgarter Zeitung

Kicker: Stuttgart: Der neue Kickers-Coach Zeidler

„Das Ziel ist klar formuliert“

Am 1. Juli tritt Peter Zeidler, der im Moment noch 1. FC Nürnberg II trainiert, bei den Stuttgarter Kickers die Nachfolge von Robin Dutt an, der zum SC Freiburg wechselt. Im kicker-Interview äußert sich der 44-Jährige über Ziele, Pläne und Visionen.
Peter Zeidler

kicker: Herr Zeidler, Sie wollten den Job bei den Kickers unbedingt. Warum?

Peter Zeidler: Die Kickers sind ein Traditionsverein, den ich schon lange beobachte. Die gesamte Konzeption, die in den Gesprächen dargelegt wurde, hat mich überzeugt. Der Verein ist mit der Oberligamannschaft und der hervorragenden Jugendarbeit sehr gut aufgestellt. Hier zu arbeiten, reizt mich sehr.

kicker: Im Umfeld gibt es immer wieder Unruhen, zuletzt durch den Rücktritt von Präsident Hans Kullen. Hat Sie das nicht abgeschreckt?

Zeidler: Ich kann mich nur zum neuen Präsidium äußern. Da habe ich sehr gute Gespräche geführt, die mich beeindruckt haben. Was mir wichtig ist: Es ist ein gutes Gefühl, in Joachim Cast einen kompetenten Manager im Verein zu wissen. Ich habe erlebt, wie es ist, wenn das nicht gegeben ist. Da sind einem die Hände gebunden.

kicker: Die Kickers sind finanziell nicht auf Rosen gebettet, dennoch wird die Qualifikation für die eingleisige Dritte Liga von Ihnen erwartet.

Zeidler: Das Ziel ist klar formuliert. Das schaffen wir, wenn wir fleißig arbeiten. Im finanziellen Bereich gehören wir in der kommenden Saison sicher nicht zu den Top-Teams. Deshalb ist mir wichtig, die Situation realistisch einzuschätzen. Mehr als die Qualifikation für die Dritte Liga ist zunächst nicht drin.

Interview: Sigor Paesler

Kicker

GEA: Hans Kullen – ein Mann der Taten

Fußball – Der ehemalige SSV-Präsident genießt seine Freizeit. Bei den Kickers 601 000 Euro Plus erwirtschaftet  
 
VON MANFRED KRETSCHMER 
 
REUTLINGEN. Hans Kullen ist mit sich im Reinen. »Am Freitag komme ich ins Kreuzeiche-Stadion und schaue mir das Regionalliga-Spiel zwischen Reutlingen und den Stuttgarter Kickers an«, sagt der 65-Jährige. Er lächelt. Und fügt hinzu: »Ich war zuletzt bei fast jedem SSV-Heimspiel dabei.« 

Hans Kullen hat mit den beiden schwäbischen Traditions-Klubs eine ganz besondere Beziehung. Beim SSV übernahm er während der Turbulenzen nach dem Zweitliga-Abstieg das Ruder und verewigte sich wenig später als »66-Tage-Präsident« in den Annalen. Kurze Zeit danach stieg der Versicherungskaufmann bei den Stuttgarter Kickers als Vereinschef ein. Dieses Amt legte er kürzlich nach dreieinhalb Jahren nieder.

»Verstehe nicht, dass man von mir erwartet, Geld zu verschenken«

Hans Kullen und die Stuttgarter Kickers – dieses Kapitel ist längst nicht geschlossen. Vor wenigen Tagen machte die Kunde die Runde, dass der in Reicheneck wohnende Hülbener von den Kickers Geld will. Er fordert die Rückzahlung seines Darlehens in Höhe von 437 000 Euro. Damit bringt er das neue Führungsgremium auf der Waldau mächtig ins Schwitzen. Denn dieses möchte den für die nächste Fußball-Regionalliga-Saison vorgesehenen Etat in Höhe von 2,4 Millionen Euro kräftig erhöhen. Der Aufsichtsrat um Ex-Nationalspieler Walter Kelsch plant eine Haushalts-Aufstockung um ein bis zwei Millionen Euro. Die Macher auf der Waldau sind deshalb alles andere als erfreut, demnächst ein Darlehen zurückzahlen zu müssen.

»Für mich ist es neu, dass es ein Verbrechen ist, wenn einer sein Geld zurück will. Ich verstehe nicht, weshalb man von mir erwartet, Geld zu verschenken«, formuliert Kullen. Wegen einer »Rang-rücktrittsvereinbarung« bis 30. Juni 2008 dürfte er die gesamte Summe erst in gut einem Jahr erhalten. Aber: Eine Zinsverzichtserklärung hat Kullen, im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, diesmal nicht unterschrieben. »Ich will meine Zinsen zum 30. Juni 2007 und das Darlehen spätestens in einem Jahr«, erklärt er unmissverständlich.

Weshalb hat Kullen die Brocken nach dreieinhalb Jahren als erster Mann der »Blauen« hingeworfen? Kurz vor seinem Rücktritt, so war zu hören, habe der Aufsichtsrat Kullen das Misstrauen ausgesprochen – er sei teamunfähig und habe wichtige Entscheidungen mit dem Kontrollgremium nicht abgestimmt.

Kullen wiederum erklärt, er habe schon vor geraumer Zeit seinen Ausstieg zum 30. Juni diesen Jahres angekündigt. »Auf finanziellem Gebiet hatte ich keine Unterstützung. Ich wollte nicht weiterhin den Alleinunterhalter spielen.«

Vor allem die Mitglieder des Aufsichtsrates hätten sich nicht genügend engagiert. Kullen machte übrigens nicht als einziger den Abflug – auch seine Präsidiumskollegen Dieter Wahl, Jürgen Köhn und Edgar Kurz zogen sich zurück. Mit seiner hemdsärmeligen Art eckte Kullen in der Kickers-Familie immer wieder an. Er ist nun mal ein Mann der offenen Worte, ein Mann der Taten. »Mein Motto heißt: Nicht nur reden, sondern tun«, so Kullen.

Und getan hat er sehr viel beim Ex-Bundesligisten. Seine Bilanz ist imposant. »Als ich kam, stand der Verein vor der Insolvenz; als ich ging, war ein Plus von 601 000 Euro da.«

»Ich wollte nicht weiterhin den Alleinunterhalter spielen«

Kullen erinnert sich, dass er vor seiner Wahl zum Kickers-Präsidenten geleimt worden war. »Man hat mir 21 000 Euro Miese versprochen.« In Wirklichkeit sei der Verein »total überschuldet« gewesen und zudem sportlich vor einem Scherbenhaufen gestanden. Kullen: »Die Stuttgarter Kickers wären 2003 in die Oberliga abgestiegen, sind aber letztlich drin geblieben, weil der SSV Reutlingen und Waldhof Mannheim keine Regionalliga-Lizenz erhielten.« Normalerweise hätte er sich damals gleich wieder verabschieden können von seinem neuen Amt. Doch Kullen nahm nach eigenen Angaben »mein Herz in beide Hände« und leitete die Konsolidierung ein. Sportlich ging’s aufwärts und auf wirtschaftlichem Sektor gelang ihm das Kunststück, in neun Monaten 1,2 Millionen Euro einzusparen.

Hans Kullen ist mit sich im Reinen. »Ich habe erhobenen Hauptes als Präsident der Kickers aufgehört«, verkündet er voller Stolz. In ein neues Amt drängt es ihn in diesen Tagen nicht. »Ich könnte schon längst wieder eines haben, wenn ich gewollt hätte. Ich genieße jetzt aber meine Freizeit.« Beispielsweise geht er als normaler Zuschauer ins Kreuzeiche-Stadion. Morgen Abend. Zum Derby zwischen dem SSV Reutlingen und den Stuttgarter Kickers. (GEA)

Reutlinger General-Anzeiger

Simsek und Ivanusa bleiben bei den Kickers II

Weiter auf Kontinuität setzen die Stuttgarter Kickers II: So wurden heute die Verträge mit den talentieren Spielern Gökhan Simsek und Marcel Ivanusa jeweils um ein Jahr bis 2008 verlängert. Beide Spieler sind jeweils 20 Jahre alt und spielen schon seit der Jugend bei den Kickers.
Weitere Vertragsverlängerungen im Team von Trainer Björn Hinck sollen in den nächsten Tage und Wochen erfolgen. 

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