Der Teufel steckt im Detail

24. August 2007 in Kickers I, News, Regionalliga

Ausländer in der Regionalliga

STUTTGART. Wenn die Stuttgarter Kickers am Sonntag in der Fußball-Regionalliga bei Bayern München II antreten, müssen sie einen Gegenspieler nicht fürchten: Louis Ngwat-Mahop. Der Kameruner hat keine Spielerlaubnis mehr.

Von Joachim Klumpp

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: nach diesem Motto verfährt der Kickers-Manager Joachim Cast, wenn es um Neuverpflichtungen aus dem Ausland geht. Das heißt in der Praxis, die Spieler müssen Reisepass und Aufenthaltsstatus vorlegen; sonst könnte es zu einem bösen Erwachen kommen. Wie zuletzt – ausgerechnet beim FC Bayern München. Der hatte in der vergangenen Saison einen gewissen Louis Ngwat-Mahop im Aufgebot der zweiten Mannschaft, für die er im Vorjahr immerhin neun Treffer in der Regionalliga erzielte. Weshalb sein sonst so kritischer Trainer Hermann Gerland von einer „absoluten Granate“ sprach.

Doch nun ging der Schuss nach hinten los. Denn mitten in der Vorbereitung, als der Spieler mit dem erweiterten Profikader nach Hongkong reisen sollte, war plötzlich der (französische) Pass des Spielers unauffindbar. Lange Rede, kurzer Sinn: das eigentliche Dokument war gefälscht, wobei der Spielerberater die Aktion eingefädelt haben soll. Denn: ohne den Stempel Frankreichs, das bekanntlich zur EU gehört, hätte der 19-Jährige keine Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland bekommen – und damit auch keine Spielgenehmigung für die Regionalliga. Denn da gelten seit einigen Jahren verschärfte Bedingungen, was die Verpflichtung von Nicht-EU-Spielern anbelangt. Die dürfen problemlos nur in der ersten und zweiten Bundesliga verpflichtet werden, wie zuletzt etwa Georges Mandjeck vom VfB Stuttgart, der als Kameruner aber keine Spielpraxis in der zweiten (Regionalliga-)Mannschaft sammeln kann.

Warum darf dann zum Beispiel ein Bashiru Gambo für die Stuttgarter Kickers spielen, wird sich nun manch einer fragen. Keine Regel ohne Ausnahme. Der Ghanaer besitzt eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung, „weil er schon sehr lange in Deutschland spielt“, sagt Cast. Seine Karriere begann der 28-Jährige vor zehn Jahren bei Borussia Dortmund. Über diese (politische) Schiene ist ein Einsatz in der dritten Liga erlaubt. Ähnliches gilt für Spieler, die bereits in Profiligen waren und nach unten wechseln, oder auch für Fußballer, die über ihre privaten Beziehungen EU-Status genießen.

Aber auch da gilt es, die Augen offen zu halten. So war der Nigerianer Emmanuel Akwuegbu zwar mit einer Österreicherin verheiratet, konnte dafür aber keine offiziellen Papiere vorlegen, was einen Wechsel zu den Kickers im Sommer 2005 fast hätte platzen lassen. „Aber durch das gemeinsame Kind, bekam er dann seine Aufenthaltsgenehmigung“, erinnert sich Cast an den Stürmer, der inzwischen für den Ligakonkurrenten SV Sandhausen spielt.

Noch ein wenig anders liegt der Fall beim aktuellen Kickers-Torjäger Sokol Kacani, einem gebürtigen Albaner, der auch schon für die Junioren seines Landes im Einsatz war. Deswegen ist er auch kein Fußballdeutscher und fiel nicht unter die Quotenregelung der U-23-Spieler, von denen aktuell vier auf dem Spielbericht stehen müssen. Inzwischen ist Kacani mit einer Deutschen aus Hannover verheiratet, so dass auch hier eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung in Sicht ist.

Man sieht: der Teufel steckt im Detail. Und der macht auch vor dem großen FC Bayern nicht halt: „Vielleicht kontrolliert man bei dem auch nicht ganz so genau, weil man meint, dort läuft sowieso alles ganz professionell ab“, sagt Joachim Cast. Doch die Geschichte hätte ins Auge gehen können. Laut Statuten wären bei Einsatz eines nichtspielberechtigten Akteurs alle mit ihm errungenen Punkte abgezogen worden – und der FC Bayern aus der Regionalliga abgestiegen.

Der Rekordmeister hat inzwischen Selbstanzeige beim DFB erstattet, was er leichten Herzens tun konnte. Denn mit dem Stichtag 30. Juni gilt eine Saison juristisch als abgeschlossen. Pikanterie am Rande: der besagte Abflug nach Hongkong war am 29. Juni. Da bleibt ein G“schmäckle hängen. Und dem Spieler Louis Ngwat-Mahop nur die Hoffnung, dass ihn das interessierte Red Bull Salzburg verpflichtet – als Profikicker.

Stuttgarter Zeitung

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