Joachim Cast im Interview: Nur der Klassenverbleib zählt

3. Februar 2009 in Kickers I, News

Kickers-Manager Cast

Stuttgart – Die Stuttgarter Kickers starten am Donnerstag (19 Uhr) wieder in die dritte Liga – bei Fortuna Düsseldorf. Sportlich ist die Lage als Tabellenletzter angespannt. „Wir müssen nur nach uns selbst schauen und Platz 17 erreichen“, sagt der Manager Joachim Cast im Gespräch mit Joachim Klumpp.

Herr Cast, die Kickers haben die Generalprobe für die Liga 3:1 in Darmstadt gewonnen. Wie sehr wurde die Stimmung dadurch getrübt, dass parallel dazu Dynamo Dresden sein Nachholspiel gegen Aue ebenfalls mit 3:1 gewonnen hat?

Natürlich war das kein ideales Ergebnis. Aber über die Dinge, die man nicht selbst beeinflussen kann, sollte man sich nicht zu viele Gedanken machen – auch wenn wir jetzt sechs Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz haben.

Die Ausgangslage in der Winterpause erinnert ein wenig an die vergangene Saison, als es um die Qualifikation zur dritten Liga ging. Kann man das vergleichen?

Die Situation ist nicht hundertprozentig vergleichbar. Ich denke schon, dass es dieses Jahr etwas schwieriger wird, denn die Qualität in der dritten Liga ist auf jeden Fall höher als letzte Saison. Wobei wir damals fünf Teams überholen mussten, um auf den zehnten Platz zu kommen; dieses Mal sind es „nur“ drei.

Mit der Verpflichtung von Danny Galm aus Cottbus sind fünf neue Spieler hinzugekommen. Ist das nicht ein Eingeständnis, bei der Kaderplanung vor der Saison etwas zu blauäugig ans Werk gegangen zu sein?

Zunächst einmal war nicht geplant, dass so viele Spieler dazugeholt werden. Wobei die Verpflichtung von Simon Köpf oder Dirk Dittrich eine perspektivische Geschichte ist. In der Abwehr hatten wir schon geglaubt, dass wir aufgrund der Rückrunde in der Vorsaison gut aufgestellt sind, dem war unterm Strich nicht so – wie die 42 Gegentreffer zeigen. Daher die Verpflichtung von Torsten Traub. Und vorne haben wir einfach zu wenig Tore gemacht. Deswegen haben wir Danny Galm dazugeholt und mit Mustafa Parmak noch einen alten Bekannten.

Stichwort Parmak. Was gab den Ausschlag für die Rückholaktion, nachdem man sich im Sommer nicht ganz einvernehmlich getrennt hatte?

Wir haben jetzt eine besondere, eine prekäre Situation, in der einzig und allein der Klassenerhalt im Vordergrund steht. Und da bestand Einigkeit, dass Mustafa Parmak uns weiterhelfen wird, weil er ein Spieler ist, der den Unterschied ausmachen kann. Deswegen haben wir gesagt, wir räumen die Dinge aus, die vorgefallen sind. Die sportliche Chance ist größer als das Risiko, dass es Unruhe gibt.

Mit 14 Punkten hinken Sie dem Ziel von 17, 18 Zählern hinterher. Hat sich der Trainerwechsel von Stefan Minkwitz zu Edgar Schmitt dennoch bezahlt gemacht?

Von der Art und Weise wie wir – zumindest phasenweise – aufgetreten sind, auf jeden Fall. Aber natürlich sind die Punkte letztlich entscheidend – und da hinken wir in der Tat zwei, drei, vier Zähler hinterher. Aber wenn wir, von der Ordnung her, so weitermachen, werden wir unsere Punkte sicher holen.

Warum hat es bei Alexander Malchow so lange gedauert, bis er wieder als Co-Trainer eingestiegen ist?

Er war einfach sehr eng mit Stefan Minkwitz verbunden, auch emotional, so dass die Zeit nicht reif war, gleich im Anschluss weiterzumachen. Und natürlich war der mit entscheidende Punkt, dass der Cheftrainer Edgar Schmitt gesagt hat, wir starten noch einmal einen Versuch. Je mehr Leute in der schwierigen Situation mithelfen, umso besser.

Am Donnerstag geht es nach Düsseldorf. Wie wichtig ist es, auch ohne die gesperrten Orlando Smeekes und Bashiru Gambo gut aus den Startlöchern zu kommen?

Das ist immer wichtig. Und vielleicht ist gerade so ein Spiel, in dem wir krasser Außenseiter sind, besser als ein Heimspiel, in dem wir mehr unter Druck stehen. Was nicht heißt, dass wir locker und unbeschwert hinfahren können. Jedes Spiel zählt für uns.

Der Kickers-Kader ist mit 27 Mann relativ groß. Nicht zu groß, um vernünftig arbeiten zu können?

Wir haben uns dafür entschieden, weil es zu viele Fragezeichen gibt. Langzeitverletzte wie Schmiedel, Janic, Rapp, Petruso, Prediger, von Russo ganz zu schweigen; hinzu kommt, dass Dittrich und Köpf finanziell nicht groß ins Gewicht fallen.

Dennoch kostet jeder Spieler Geld. Ist der Etat gesichert?

Da müssen wir schon noch unsere Hausaufgaben machen. Es gibt eine gewisse Lücke, die wir Stück für Stück schließen müssen. Aber das ist jedes Jahr dasselbe, auch wenn man sich nicht gerne daran gewöhnt.

Mit den finanziellen Sorgen stehen die Kickers nicht alleine da. Unterhachings Präsident hat einen Brief an den DFB-Chef Theo Zwanziger geschrieben, in dem er eine „Pleiteliga“ befürchtet. Zu Recht?

Zunächst einmal ist die Medien- und speziell die Fernsehpräsenz sehr gut.

Aber TV-Präsenz ist nicht gleich TV-Geld, daran mangelt es ja offensichtlich?

Der DFB argumentiert eben, dass man vom Verhältnis her in keiner dritten Liga in Europa so viel bekommt. Auf der anderen Seite sagen wir: Wenn man sich bei den Anforderungen an der zweiten Liga orientiert, muss man das auch beim TV-Geld tun. Und das steht in einem krassen Missverhältnis. Nächste Woche steht nochmal eine Managertagung auf dem Programm, dann werden wir sehen, welche neuen Erkenntnisse es gibt, nachdem für die Regionalliga bereits ein Entgegenkommen signalisiert worden ist.

Wäre das Horrorszenario Abstieg in die Regionalliga das Aus für die Kickers?

Nein. Es wird hier auf jeden Fall weitergehen, in welcher Form, das muss man dann abwarten. Bei der Einreichung der Lizenzierungsunterlagen werden wir natürlich zweigleisig planen, da sind wir gerade dabei. Ab heute, nachdem die Transferperiode vorbei ist.

Was halten Sie von der Einschätzung des Präsidenten Dirk Eichelbaum, der gesagt hat: Wenn die Kickers am Ende unter den letzten drei sind, bedeute dies nicht automatisch den Abstieg?

Ich halte es für sehr schwierig, zu beurteilen, wie es bei anderen Clubs aussieht. Wir sollten nicht spekulieren, dass dort etwas schiefläuft. Das wäre anmaßend. Wir müssen nur nach uns selbst schauen und Platz 17 erreichen – dann kann uns alles andere egal sein.

Fragen von Joachim Klumpp

Stuttgarter Zeitung

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