Vorfreude mit Wermutstropfen

25. Juli 2008 in Kickers I, News

Die Stadionfrage beschäftigt die beiden Stuttgarter Fußball-Drittligisten mehr als ihnen lieb ist

STUTTGART. Die zwei Stuttgarter Vereine starten morgen (14 Uhr) in die neue dritte Liga – mit diversen Handicaps. Der VfB II muss gegen Offenbach ins Daimlerstadion ausweichen, die Kickers bangen in Burghausen um ihren Kapitän Alexander Rosen.

Von Joachim Klumpp

Wer hätte gedacht, dass der VfB Stuttgart einmal ganz wild darauf ist, im Gazi-Stadion des Konkurrenten unter dem Fernsehturm zu spielen. Doch daraus wird nichts. Zumindest nicht zum Auftakt der dritten Fußballliga morgen (14 Uhr) gegen Kickers Offenbach. Wegen fehlender Arrestzellen sowie anderer kleinerer Mängel bei den Sicherheitsauflagen hat die Polizei ihr Plazet für eine Spielgenehmigung bisher verweigert (die StZ berichtete). Womit die Mannschaft des Trainers Rainer Adrion gezwungenermaßen im Daimlerstadion antreten muss, was nicht nur zusätzliche Kosten (wegen deren Übernahme noch verhandelt werden muss) verursacht, sondern auch logistische Probleme, weil am Sonntag das UI-Cup-Spiel der Profis gegen die Russen aus Ramenskoje stattfindet.

Stichwort Profis: die spielen in Adrions Planungen stets eine Rolle, auch vor dem Saisonauftakt. Weil Christian Träsch, Sebastian Rudy sowie auch Matthias Morys noch bis heute mit dem Bundesligakader im Trainingslager sind, „gehe ich nicht davon aus, dass sie spielen“, sagt Adrion. Etwas anders sieht die Situation bei den Torhütern aus, wo in Alexander Stolz und Sven Ulreich gleich zwei Kandidaten oben beschäftigt sind.

Andererseits bestätigt der fließende Übergang, dass der VfB mit seiner Philosophie als Ausbildungbetrieb in den vergangenen Jahren stets richtig lag, was zweifellos ein Verdienst des Trainers ist. Der möchte auch künftig pro Saison mindestens ein bis zwei Spieler im eigenen Lager nach oben führen, derzeit stehen vor allem Sebastian Rudy und Manuel Fischer in der Warteschleife. Wobei die dritte Liga der ideale Boden für höhere Aufgaben ist. Deshalb hat der VfB auch alle Anstrengungen unternommen, sich dafür zu qualifizieren – was als Tabellendritter der Regionalliga vorbildlich gelungen ist. Es soll allerdings keiner glauben, dass es so weitergeht. Adrion: „Die Zeit, in der wir als Favorit ins Spiel gegangen sind, ist vorbei. Die Nordvereine sind von den Finanzen und der Infrastruktur her ganz anders aufgestellt.“ Das Ziel könne daher nur Klassenverbleib heißen.

Zumal der Trainer vorerst auch noch auf den Neuzugang Clemens Walch sowie den Wintertransfer Andreas Hindelang für zwei Wochen verzichten muss. Bis zum Heimspiel am 16. August gegen den Wuppertaler SV sollen beide wieder einsatzfähig sein. Was im übertragenen Sinne auch für das Gazi-Stadion gelten soll. Der Sportdirektor Jochen Schneider kann sich einen Seitenhieb auf die Stadt nicht verkneifen. „Die Verantwortlichen haben die baulichen und sicherheitstechnischen Standards wohl zeitlich unterschätzt.“ Was der VfB nun ausbaden muss.

Und die Kickers? Der Lokalrivale hofft, sein Heimdebüt morgen in einer Woche gegen Düsseldorf in Degerloch austragen zu können. „Wir sind optimistisch, dass bis dorthin alle Mängel beseitigt sind“, sagt der Manager Joachim Cast – zunächst steht aber erst einmal die Partie morgen bei Wacker Burghausen auf dem Programm. Mit einem Fragezeichen in der Aufstellung. Das steht hinter dem Kapitän Alexander Rosen, der sich eine Innenbanddehnung im Knie zugezogen hat. „Wenn er ausfällt, hätten wir ein Problem“, gibt der Trainer Stefan Minkwitz zu, zumal die Alternative Ralf Kettemann ebenso verletzt ausfällt wie Jörn Schmiedel und Franco Petruso. Möglicherweise würde dann Jens Härter ins Mittelfeld rücken, während sich Minkwitz im Sturm bereits auf das Duo Angelo Vaccaro/Michael Schürg festgelegt hat. Ob Sokol Kacani noch eine Alternative ist? Momentan steht der kurz vor der Vertragsunterzeichnung im Ausland.

Die haben zwei andere Kickers-Exspieler bereits hinter sich. Mustafa Akcay und Recep Yildiz unterschrieben gestern beim türkischen Erstligaaufsteiger Antalyaspor jeweils einen Dreijahresvertrag. Markus Ortlieb hat zwar noch einen Vertrag bei den Kickers, aber offensichtlich keine Chance in der ersten Mannschaft, obwohl dort zuletzt auf seiner Position als Innenverteidiger noch Alternativen gesucht wurden. „Er hat bei uns eine Zeit lang mittrainiert“, sagt Minkwitz, „sich aber nicht unbedingt aufgedrängt.“

Unabhängig von dem einen oder anderen kleineren Problem sagen aber beide Stuttgarter Trainer: „Wir freuen uns auf den Start.“

Quelle: Stuttgarter Zeitung

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.