Am Tag der Stadionentscheidung: Tendenz geht Richtung drittklassiger Renovierung

Gazi-Stadion wird wohl nicht für zweite Liga ausgebaut

Oberbürgermeister Schuster gegen Abriss der alten Haupttribüne – Endgültige Entscheidung heute im Gemeinderat

Der Gemeinderat wird voraussichtlich der von der Verwaltung vorgeschlagenen Modernisierung des Gazi-Stadions zustimmen. Damit würde die Veranstaltungsstätte nur drittligatauglich – und nicht zweitligareif, wie sich der Verein das gewünscht hatte.

Von Jörg Nauke

Der Oberbürgermeister Wolfgang Schuster hat gestern im Verwaltungsausschuss dafür plädiert, die Kirche im Dorf zu lassen. Seiner Ansicht nach genüge es zum gegenwärtigen Zeitpunkt, das Gazi-Stadion auf der Waldau für die neue 3. Bundesliga zu präparieren. Das koste immerhin auch schon 5,4 Millionen Euro, die derzeit im Haushalt gar nicht vorgesehen seien.

Den Wunsch des Vereins, das Stadion bereits jetzt für einen etwaigen Aufstieg in die 2. Bundesliga vorzubereiten, indem man die Haupttribüne nicht nur modernisiert, sondern gleich abreißt und völlig neu baut (eine Million Euro Mehrkosten), will der OB nicht erfüllen. Er sehe dafür auch keine Notwendigkeit, betonte Schuster. Die Kickers seien derzeit nicht in akuter Aufstiegsgefahr, man habe die Option, bei Topspielen ins Daimlerstadion zu wechseln.

Man dürfe auch nicht vergessen, so der OB, dass laut einem Vertrag mit den Anwohnern eine maximale Zuschauerkapazität von 12 000 erlaubt sei. Wenn künftig neben den Kickers auch noch die VfB-Amateure und die Scorpions im Stadion spielten, seien wegen der schlechten Parksituation „die Konflikte eh schon programmiert“.

Für eine Überraschung sorgte CDU-Sprecher Reinhold Uhl. Obwohl sich seine Fraktion intern für den Neubau der Haupttribüne ausgesprochen hat, erklärte er den Wunsch der Kickers für „unangemessen“. Auch er sieht den Verein derzeit nicht in der Lage, den Aufstieg in die zweite Liga zu schaffen. Uhl hat aber einen Kompromiss vorgeschlagen, der für die heutige Gemeinderatssitzung mehrheitsfähig erscheint. Die Tribüne abzureißen und steiler neu zu bauen, um künftig eine Erweiterung an den Rändern um die in der 2. Liga notwendigen 3000 Sitzplätze zu ermöglichen, wird abgelehnt. Er hält stattdessen am Umbau der Haupttribüne fest, damit die für die 3. Liga notwendigen 2000 Sitzplätze nachgewiesen werden, und er bringt einen Neubau der Gegentribüne ins Spiel, die heute ausschließlich Stehplätze hat und im Falle eines Aufstiegs als Sitz- und Stehplatztribüne neu entstehen könnte.

Natürlich müsste in der 2. Liga die geforderte Zuschauerkapazität von 12 000 erreicht werden. Normalerweise verlange der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sogar ein Fassungsvermögen von mindestens 15 000 Besuchern; wegen der angespannten Verkehrssituation auf der Waldau und der Ausweichmöglichkeit Daimlerstadion bei bedeutenden Spielen sei der DFB aber großzügig, sagte Bürgermeisterin Susanne Eisenmann. Es gebe eine Ausnahmegenehmigung, die man bei Bedarf reaktivieren wolle.

Grünen-Chef Werner Wölfle stellte fest, dass bereits die Finanzierung des minimalen Ausbaus mit Kosten von 5,4 Millionen Euro ein Kraftakt sei. Er sagte: „Uns reicht die von der Stadt vorgeschlagene Variante.“ Ob die Kickers das Zeug hätten, in die 2. Liga aufzusteigen, weiß im Rathaus keiner. Thomas Roth, Fachmann für die 3. Liga im Fußballfachblatt „Kicker Sportmagazin“, würde darauf derzeit aber auch „nicht wetten“. In Gesprächen mit Schiedsrichtern, die zuletzt sowohl in der alten Regionalliga Nord wie auch im Süden gepfiffen haben, habe er die Botschaft erhalten, im Norden würde der gepflegtere Ball gespielt. „Aber die gemeinsame 3. Liga ist neu. Da ist vieles möglich“, meinte der „Kicker“-Experte.

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Stuttgarter Zeitung

Gazistadion bleibt wohl weiter in der dritten Liga

Neuer Vorstoß der CDU: Über Zweitliga-Standard erst bei der Sanierung der Gegentribüne entscheiden

Das Gazistadion wird vermutlich nur für den Standard dritte Liga saniert und nicht für einen späteren Ausbau zur Spielstätte der zweiten Liga vorbereitet. Dennoch sollen Zweitligaspiele nicht für alle Ewigkeit unmöglich sein.

VON JOSEF SCHUNDER

Sport- und Verwaltungsausschuss traten am Mittwoch zur vorentscheidenden Partie um die Zukunft des Waldaustadions an. Das Spiel im Rathaus schleppte sich zunächst ohne Höhepunkte dahin. Mit dem Problem konfrontiert, welchen Weg man suchen soll, spielten die Stadträte jede Menge Querpässe. Sie setzten auf Verlängerung – und eine Entscheidung erst am heutigen Donnerstag im Gemeinderat. Bis Reinhold Uhl (CDU) einen Pass in die Tiefe wagte, der fast schon das Goldene Tor gebracht hätte.

Sein Vorschlag: Man solle die Ausbaufrage nicht auf die Haupttribüne verengen, die jetzt zur Baustelle werden soll. Die Frage, ob man das Stadion zweitligatauglich machen soll, könne auch noch entschieden werden, wenn die Kickers Zweitligaform hätten. In einiger Zeit müsse auch die Gegentribüne saniert werden. Dann könne man dort die Aufstockung der überdachten Sitzplätze von 2000 auf 3000 erwägen, die der DFB für den Zweitligabetrieb fordert.

Vage sind noch die finanziellen Folgen. Der Vorschlag der Verwaltung, das Stadion mit 2000 überdachten Sitz- und 10 000 Stehplätzen auszustatten und so für die dritte Liga fit zu machen, würde Kosten von 5,4 Millionen Euro nach sich ziehen, die Haupttribüne wäre aber nicht mehr erweiterbar. Wollte man sofort eine neue, steilere Haupttribüne bauen, die für die zweite Liga nachgerüstet werden könnte, wären 6,4 Millionen Euro fällig und später eine weitere Million. Eine neue Gegentribüne mit zusätzlichen Sitzplätzen würde vermutlich auch zwischen fünf und sechs Millionen Euro kosten. Zieht man die zwei Millionen ab, die der Zweitligastandard bei der Haupttribüne kosten würde, bleiben vier Millionen. Gut die Hälfte, schätzte Uhl, würde auch eine Sanierung der Gegentribüne mit den Stehplätzen kosten. Die Differenz wäre vielleicht überschaubar. Man müsse aber nicht gleich über den Zweitligastandard entscheiden.

Könnte man zusätzliche Sitzplätze für die zweite Liga nicht einfach auf der bestehenden Gegentribüne oder den West- und Osttribünen schaffen? Das sei praktisch ausgeschlossen, erklärte der Architekt. Denn tue man dies bei der heutigen Tribünengröße, gingen Stehplätze verloren. Man hätte dann zwar insgesamt 3000 Sitzplätze, aber nur noch 9000 Stehplätze – und damit sogar weniger, als für die dritte Liga verlangt werden. Uhl habe eine wichtige Anregung geliefert, lobte der OB. Werner Schüle, Mitglied des Sportausschusses, war auch zufrieden. Er mahnte aber eine Rasenheizung an. Die zählte bisher zu weiteren Extras, die den Zweitligastandard neben den vermehrten Sitzplätzen verteuern. Sie kostet 1,2 Millionen Euro, der Betrieb jährlich 80 000 Euro.

Schuster sagte, schon 5,4 Millionen Euro seien ein hoher Aufwand. Den Ausbau für die zweite Liga betrachtet er skeptisch. Konflikte wären schon programmiert, wenn im Drittligabetrieb häufig 12 000 Zuschauer kommen und die Straßen belasten würden. Zweitligaspiele mit vielen Zuschauern könnten auch in Cannstatt ausgetragen werden.

Derweil schauen sich die betroffenen Vereine bereits nach Ausweichspielorten für die Umbauzeit um. „Je nach Ausbauvariante müssen wir möglicherweise für ein paar Spiele in der Rückrunde ausweichen“, sagte Kickers-Präsident Dirk Eichelbaum. Als mögliche Alternativen nannte er das Daimlerstadion, das Kreuzeiche-Stadion in Reutlingen und das Waldstadion in Aalen.

Stuttgarter Nachrichten

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