StZ: „Unser Budget ist derzeit ausgeschöpft“

23. Juni 2008 in Kickers I, News

Der Kickers-Manager Joachim Cast zu den finanziellen Möglichkeiten des Clubs, den Neuverpflichtungen und den Chancen eines Mesic-Transfers

Seit Samstag stehen die Spieler der Stuttgarter Kickers wieder im Training für die neue Saison, die in einem Monat beginnt. Auch wenn die Personalplanungen weitgehend abgeschlossen sind, sagt der Manager Joachim Cast im Gespräch mit Joachim Klumpp: „Wir müssen noch einige Hängepartien zu Ende bringen.“

Herr Cast, die Kickers haben am Samstag mit dem ersten Training auf die neue dritte Liga begonnen. Hat sich der Verein denn inzwischen bei Reutlingen und Siegen erkenntlich gezeigt, weil durch deren Erfolge in der alten Saison die Qualifikation überhaupt erst möglich geworden ist?

Nein, nein. Zumal in erster Linie jeder für sich selbst verantwortlich ist, wir haben die uns gebotene Chance genutzt – und deshalb die Qualifikation auch verdient.

Obwohl die Mannschaft im Jahr 2008 die viertbeste Bilanz aufwies, sind aktuell nur noch zehn Mann im Kader geblieben. Warum ist dieser Umbruch erfolgt?

Zunächst einmal gab es einige Spieler, die schon länger bei den Kickers waren und deren Entwicklung zuletzt stagnierte. Von daher ist eine Neuorientierung, wie zum Beispiel bei Mustafa Akcay oder Recep Yildiz, für beide Seiten sinnvoll. Einen Oliver Stierle hätten wir gerne behalten, aber bei einem Angebot von Bayern München kann man seine Entscheidung nachvollziehen. Insgesamt waren wir der Meinung, dass trotz des erfolgreichen Saisonabschlusses eine „Blutauffrischung“ dem Team insgesamt guttut und auch notwendig ist.

Nun hat der Club in David Yelldell nicht nur den Spieler der Saison abgegeben, sondern wahrscheinlich auch den besten Torwart der gesamten Liga. Sind Sie denn sicher, dass Manuel Salz – plus sein Stellvertreter – diese Lücke schließen kann?

Davon sind wir absolut überzeugt. Schließlich war es von Anfang an unser Plan, ihn zur Nummer eins zu machen, nachdem sich frühzeitig abgezeichnet hatte, dass uns David verlassen wird. Manuel Salz hat sich in den letzten Jahren super entwickelt. Sein Können hat er in jedem Training und bei den Oberligaeinsätzen bewiesen. Zudem soll der zweite Mann für Druck und einen fairen Wettbewerb sorgen. Generell ist es natürlich für jeden Torwart schwer, weil er an den Leistung von Yelldell gemessen wird.

Auch ein Alexander Rosen hat sich innerhalb kurzer Zeit zu einem absoluten Leistungsträger entwickelt. Sein Vertrag wurde gleich um drei Jahre verlängert. Ist das ein Zeichen dafür, dass er künftig auch Kapitän sein wird?

Das halte ich nicht für ausgeschlossen. Es gibt gewisse Tendenzen, aber noch keine Entscheidung. Letztendlich ist es Sache des Trainerteams, die Hierarchie in der Mannschaft festzulegen. Aber unbestritten ist, dass Alex Rosen innerhalb kurzer Zeit zu einem Führungsspieler geworden ist, nicht nur wegen seiner Leistung auf dem Platz, sondern auch seiner Außendarstellung. So einer hat uns gefehlt.

Bei den Stürmern wiederum waren gestandene Regionalligatorjäger wie Reutlingens Haas, Steegmann aus Aalen oder Blessin von den SF Siegen auf dem Markt. Warum wurde keiner von ihnen verpflichtet?

Die genannten Spieler, an denen wir teilweise auch interessiert waren, sind finanziell schlichtweg nicht machbar. Da muss man dann einfach sagen: viel Glück, woanders.

Also haben Sie sich für Michael Schürg entschieden. Was sprach für ihn?

Zunächst einmal wollte er unbedingt zu uns, obwohl er gute Angebote aus ganz Deutschland hatte. Zudem kommt er hier aus der Region, und mit solchen Spielern haben wir in der Vergangenheit die besten Erfahrungen gemacht, so dass das insgesamt eine optimale Konstellation war. Für mich ist er ein „kleiner Mesic“, auch von seiner Statur her.

Apropos Mesic: letzte Woche bei Ihrem Abstecher zur EM nach Wien haben Sie dessen Trainer Robin Dutt getroffen. Wurde da schon alles mit der Rückkehr klargemacht?

Das Problem ist nicht der SC Freiburg, von dort würden bei einem Wechsel sicher keine Steine in den Weg gelegt. Aber die Finanzierung des Spielers ist nur extern möglich, und da gibt es bisher noch keine positiven Signale. Zumal das Gehalt in einem vertretbarem Rahmen liegen muss. Unsere Vorstellung geht dahin, das über die Vertragslaufzeit zu regeln, jetzt müssen wir schauen, ob wir das mit vereinten Kräften hinbekommen.

Und wenn nicht?

Zunächst einmal ist unser Budget ausgeschöpft. Wir müssen also erst einmal schauen, dass wir einige Hängepartien mit Spielern, die noch einen Vertrag haben, erfolgreich zu Ende bringen. Bei Sven Sökler zeichnet sich eine Lösung ab, Markus Ortlieb dagegen wird zunächst ins Training der zweiten Mannschaft einsteigen, dann sieht man weiter. Saban Genisyürek haben wir nahegelegt, sich nach einem anderen Verein umzuschauen. Und dann muss man abwarten, was mit Mustafa Parmak passiert.

Wie weit sind die Verhandlungen mit Koblenz?

Es gibt zwar ein Interesse von Koblenz, aber kein konkretes finanzielles Angebot.

Also ist auch nicht ausgeschlossen, dass Parmak bleibt?

Ausgeschlossen ist gar nichts. Aber dazu müssten noch einige intensive Gespräche geführt und viele Kompromisse gefunden werden.

Und was tut sich auf der Geschäftsstelle? Sie haben dringend Entlastung angemahnt, die ja auch vom DFB gefordert wird.

Wir haben etliche Bewerbungen. Aber da machen wir keinen Schnellschuss, das muss passen. Und übergangsweise könnte ich das auch in Personalunion machen, aber auf Dauer genügt diese improvisierte Lösung natürlich nicht den professionellen Ansprüchen der dritten Liga.

Wobei jetzt, einen Monat vor Beginn, noch nicht mal der Spielplan steht, geschweige denn das angedachte Fernsehspiel. Haben Sie als Mitglied des DFB-Spielausschusses dafür Verständnis?

Ich kann aufgrund des engen Zeitrahmens bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, dass sich das verzögert. Aber ich habe auch immer gesagt: es wird eine gewisse Zeit dauern, bis sich alle in der neuen Liga zurechtfinden. Das gilt für den Verband genauso wie für die Vereine.

Stuttgarter Zeitung

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