Presse zu Stuttgarter Kickers – Karlsruher SC II (2:0)

Kickers sammeln Pluspunkte
Der Hauptsponsor Gazi zieht seine Option für die dritte Liga, aber manche Konfusion bleibt

STUTTGART. Die Stuttgarter Kickers haben in der Fußball-Regionalliga weiter Platz zehn im Visier. Vor allem dank Mustafa Parmak, der beim 2:0 gegen den Karlsruher SC II erneut der Matchwinner war. „Ich habe schließlich noch große Ziele“, sagt der 25-Jährige.

Von Joachim Klumpp

Die schwersten Minuten warteten auf Mustafa Parmak erst nach dem Schlusspfiff. Der Kickers-Spieler wurde zur Dopingprobe ausgelost. Und so etwas kann dauern. In diesem Fall rund eine Stunde lang. Dann schließlich hatte sie der 25-Jährige erfolgreich hinter sich gebracht. Genau wie das Spiel, in dem er – wie schon zuvor beim Heimsieg gegen Pfullendorf – zum Matchwinner avancierte. Zweimal zwei (Tore) macht in diesem Fall sechs (Punkte), welche die Kickers weiter in Blickrichtung zehnter Tabellenplatz schielen lassen. „Den Unterschied hat diesmal Mustafa Parmak ausgemacht“, sagte nicht nur der Kickers-Trainer Stefan Minkwitz, denn auch der Kollege Rainer Krieg meint: „So einen Knipser haben wir eben nicht.“

Dabei ist Parmak kein Stürmer, sondern offensiver und torgefährlicher Mittelfeldmann. Aber sein Potenzial hat er in dieser Saison lange nicht so abgerufen, wie es sich die Kickers gewünscht haben. Das hatte viele Gründe: physische, aber auch psychische. Ein schmaler Grat in diesem Fall. Natürlich gab es Verletzungen oder Zahnschmerzen, aber eben auch mentale Probleme. Als Talent galt Parmak bei den Kickers schon in der A-Jugend, doch Talent allein reicht nicht zum großen Durchbruch. Aber so langsam scheint es bei Parmak klick gemacht zu haben. In der Winterpause gab es viele Gespräche: mit dem Trainer, dem Manager, dem Berater, aber auch der Familie. „Meine Eltern haben großen Anteil am Aufschwung“, sagt Parmak, der inzwischen wieder zu Hause in Cannstatt wohnt. „Wenn er so weitermacht, wird er uns noch viel Freude bereiten“, sagt der Manager Joachim Cast – und fügt hinzu: „Die Frage ist dann, wie lange noch?“

Parmak hat das Potenzial für mehr, und er sagt: „Ich will sportlich noch was erreichen.“ Die zweite Liga, mindestens. Gegen eine festgeschriebene Ablöse (im unteren sechsstelligen Bereich) kann er vorzeitig aus seinem bis 2010 laufenden Vertrag. Als Vorbild dient dabei in gewisser Weise Manuel Hartmann. Der ist inzwischen beim Zweitligisten TuS Koblenz Stammspieler. „Wir telefonieren oft miteinander, und er gibt mir auch Tipps.“ Diese Unterstützung braucht Parmak, der nicht immer die richtigen Freunde hatte. Jetzt scheint er den Sprung geschafft zu haben, trainiert vor den Spielen sogar noch individuell auf dem ADM-Gelände. „Das zeigt doch seine professionelle Einstellung“, sagt der Trainer Stefan Minkwitz.

Die hat auch Bashiru Gambo an den Tag gelegt, der im defensiven Mittelfeld kämpferisch überzeugte, auch wenn die spielerische Komponente etwas zu kurz kam. Über die vollen 90 Minuten – im gesamten Team. Das ist auch dem kritischen Blick des Präsidiumsmitglieds Walter Kelsch nicht verborgen geblieben. „Natürlich freue ich mich über die drei Punkte“, sagte der Exnationalspieler, „aber wir müssen endlich mal lernen, ein Spiel gestalten zu können.“ Das klang alles andere als begeistert – und zeigt: intern liegt weiter einiges im Argen bei den Kickers.

Sportlich ist die neue dritte Liga bei drei Punkten Rückstand wieder in Reichweite. Aber sonst? Zwar hat der Hauptsponsor Garmo (Gazi) seine Option für die dritte Liga gezogen, allerdings nur zu leicht verbesserten Konditionen, die den Etat nicht entscheidend erhöhen. Und die bisher für nächste Saison veranschlagten gut drei Millionen Euro werden hinten und vorne nicht reichen, um konkurrenzfähig zu sein.

Also muss weiter gewirbelt werden. Schon zum Heimspiel gegen Oggersheim sollen die durchaus treuen Fans (3030 am Samstag) verstärkt mobilisiert werden. Wie? Die Antwort blieb das Präsidium schuldig. Dabei ist längst durchgesickert, dass die Zuschauer, die einen der Vornamen der Kickers-Spieler besitzen, freien Eintritt haben werden. Was die weiblichen Anhänger benachteiligt. Aber vielleicht kann man ja ein paar Ableitungen (Angela statt Angelo oder Alexandra statt Alexander) gelten lassen.

Kickers: Yelldell – Deigendesch, Wildersinn, Rapp, Steinle – Parmak, Rosen, Gambo (86. Yildiz), Stierle (78. Cerci) – Kacani (81. Tucci), Vaccaro.

Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach).

Tore: 1:0 Parmak (19.), 2:0 Parmak (90.).

Rote Karte: Brosinski (87./KSC).

Stuttgarter Zeitung

Parmak macht den Unterschied
Torgefährlicher Mittelfeldspieler steht für den Kickers-Aufschwung – Hauptsponsor verlängert

Stuttgart – Da waren es nur noch drei Punkte. Die Stuttgarter Kickers sind nach dem 2:0 gegen den Karlsruher SC II wieder auf Tuchfühlung zu Platz zehn. Der Aufschwung hat einen Namen: Mustafa Parmak. Von den letzten fünf Toren der Blauen erzielte der Mittelfeldspieler vier.

VON JÜRGEN FREY

Der Mann des Tages ließ sehr lange auf sich warten. Erst knapp zwei Stunden nach Spielende kam Mustafa Parmak aus den Katakomben hoch in den Vip-Raum. „Ich habe zwei Bierchen gebraucht, um pinkeln zu können“, sagte er mit einem Lächeln. Beim 25-Jährigen läuft es – nur nicht bei der Dopingkontrolle. Wie schon beim 2:0 gegen den SC Pfullendorf erzielte der Mittelfeldspieler beide Tore für die Blauen. Trainer Stefan Minkwitz sprach hinterher aus, was jeder im Gazistadion dachte: „Parmak hat heute wieder den Unterschied ausgemacht.“

Der torgefährliche Dribbler kompensierte gegen den KSC die spielerischen Schwächen der Mannschaft und die Ladehemmung der Stürmer im Alleingang. Sein Aufwärtstrend kommt nicht von ungefähr. Parmak ist nach zahlreichen Wehwehchen endlich wieder körperlich auf der Höhe. Entscheidend hinzu kommt: Minkwitz weiß wie kein anderer, wie er den Bruder Leichtfuß anzupacken hat. „Er kennt alle meine Macken“, räumt Parmak grinsend ein.

Der Mann mit den türkischen Wurzeln braucht viel Zuwendung und Pflege, die er seit einiger Zeit auch von seinem neuen Berater Michael Hofstetter bekommt, dem ehemaligen Kickers-Präsidiumsmitglied. „Ich will weiter oben spielen“, stellt Parmak klar – und gibt seinen Wandel in Sachen Einstellung offen zu: „Man wird älter und schaltet öfter den Kopf ein.“ Bis 2010 läuft sein Vertrag bei den Blauen. Wie bei allen Spielern – bis auf Bashiru Gambo und Gino Russo – gilt der Kontrakt nur für die dritte Liga. Angebote anderer Clubs habe er keine. Noch keine. Denn nicht nur Manager Joachim Cast ahnt: „Wenn er so weitermacht, werden wir viel Freude an ihm haben, fragt sich nur, wie lange noch.“ Es passt zum Aufschwung bei Parmak und den Kickers, dass Hauptsponsor Eduardo Garcia seinen Vertrag um ein Jahr verlängert hat – allerdings nur für die dritte Liga. „Mit etwas anderem befasse ich mich nicht“, sagt Garcia, der mit reichlich Unverständnis darauf reagierte, dass der Club die Botschaft der Vertragsverlängerung vor dem Spiel unter Verschluss hielt und erst am gestrigen Sonntag verkündete: „Am Freitag war schon alles klar, ich wollte die Mannschaft anspornen.“

Es ging auch ohne die Motivationsspritze gut. Dank eines Mannes: Mustafa Parmak.

Stuttgarter Nachrichten

Land in Sicht
 
Parmak schießt die Stuttgarter Kickers beim 2:0 gegen den KSC II zum zweiten Heimsieg – Platz zehn rückt näher
 
Stuttgart – Die Aufholjagd der Stuttgarter Kickers geht weiter. Dank eines Doppelpacks von Mustafa Parmak besiegte der Fußball-Regionalligist den Karlsruher SC II mit 2:0 (1:0). Damit gewannen die „Blauen“ ihr zweites Heimspiel in Folge und verkürzten den Abstand zum zehnten Platz auf drei Punkte.
 
Von Beate Wockenfuß

In den Katakomben des Gazi-Stadions gab es beim Blick auf die Tabelle glänzende Augen. Die Kickers haben mit ihrer Mini-Serie von sieben Punkten in drei Spielen Boden gut gemacht. Zwar blieben sie auf dem 15. Platz, doch der Abstand zu den Qualifikationsrängen ist erheblich geschrumpft. Die dritte Liga ist also wieder in Sichtweite gerückt. „Wer hätte das gedacht? Wir waren schon totgesagt, aber die Mannschaft zeigt, dass sie lebt“, frohlockte Manager Joachim Cast. Und auch Trainer Stefan Minkwitz lobte seine Schützlinge, zu denen der zuletzt verbannte Bashiru Gambo wieder gehörte: „Sie haben von der ersten Minute bis zum Schluss gefightet. Genauso sollte es sein.“Die Karlsruher waren vor allem in der ersten Hälfte spielerisch überlegen, hatten auch einige gute Chancen, doch die Kickers hielten mit kämpferischem Einsatz dagegen. Den entscheidenden Unterschied aber machte Mustafa Parmak. Wie schon beim ersten Heimsieg in dieser Saison vor Ostern gegen Pfullen­dorf (2:0) erzielte der Mittelfeldspieler beide Treffer für die Gastgeber und entschied damit das zweite Heimspiel in Folge im Alleingang. In der 19. Minute zog er zunächst halblinks aus gut 20 Metern eiskalt ab und traf in den Winkel zur 1:0-Führung. In der Nachspielzeit vollendete er ein sehenswertes Solo von der rechten Seite in den Strafraum mit einem Schuss ins lange Eck und sorgte damit für den Endstand. Die Erleichterung, dass der 25-Jährige zu alter Stärke zurückgefunden hat, war nicht nur beim erneuten Doppeltorschützen spürbar. „Ich bin froh, dass bei ihm der Knoten endlich geplatzt ist“, freute sich Cast. Der Wille sich durchzubeißen, sei zurück. „Wenn Mustafa Parmak so weiter macht, haben wir noch viel Freude mit ihm“, prophezeite der Manager. Und der neue Liebling der Fans, der nach dem Schlusspfiff lange vermisste Streicheleinheiten bekam, verriet glücklich strahlend sein Erfolgsgeheimnis: „Ich habe eine Stunde vor dem Spiel ein paar Minuten ganz alleine trainiert. Das werde ich ab jetzt immer tun.“ Und dann spurtete er mit neuem Selbstbewusstsein in die zweite Nachspielzeit zur Doping-Kontrolle. Im Sommer hatte der flinke Supertechniker seinen Vertrag bis 2010 verlängert. Schaffen die Kickers die Qualifikation, bleibt ihnen aber nicht nur Parmak erhalten. Wie der Verein gestern bekannt gab, hat Hauptsponsor Gazi den Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Wirksam wird er aber nur, wenn die „Blauen“ die dritte Liga erreichen.

Statistik
Stuttgarter Kickers: Yelldell – Deigendesch, Wildersinn, Rapp, Steinle – Parmak, Rosen, Gambo (86. Yildiz), Stierle (78. Cerci) – Kacani (81. Tucci), Vaccaro.

Karlsruher SC II: Unger – Abele (83. Akgün), Krebs, Langkamp, Reinhard – Brosinski, Barg, Heckenberger (55. Bergheim), Fischer – Stindl, Bieber (55. Fetsch).

Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach). Zuschauer: 3030.

Tore: 1:0 Parmak (19.), 2:0 Parmak (90.+2).

Gelbe Karten: Deigendesch, Vaccaro / Stindl, Langkamp.

Rote Karte: – / Brosinski (87. / grobes Foulspiel).

Beste Spieler: Parmak, Yelldell / Langkamp, Barg.
 
Eßlinger Zeitung

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