Einst verkannt – jetzt gefeiert

23. Februar 2008 in Kickers I, News

Joshua Kennedy: Kurzes Intermezzo bei den Kickers – und Spaß beim KSC

Karlsruhe – Mit Stuttgart verbindet Joshua Kennedy überhaupt nichts mehr. Dabei hat der 25-jährige Australier, der in der Winterpause zum Schnäppchenpreis von 250 000 Euro vom 1. FC Nürnberg zum Karlsruher SC wechselte, vor ein paar Jahren auch schon für die Stuttgarter Kickers die Fußballschuhe geschnürt.

VON NILS B. BOHL

„Ich war dorthin ausgeliehen. Und dann kam auch gleich der Trainerwechsel zu Rainer Adrion, und der hat nicht mehr mit mir geplant“, erinnert sich Kennedy eher ungern an seine Stuttgarter Vergangenheit.

Doch obwohl die meisten seiner Mannschaftskollegen schon die ganze Woche über heiß auf das Derby gegen den VfB an diesem Samstag im Daimlerstadion (15.30 Uhr) sind, bleibt Karlsruhes neuer „Aussi“ gelassen und positioniert sich in der neutralen Zone. „Ich gehe vielleicht nicht mit der gleichen Einstellung ins Spiel wie meine Kollegen, die hier geboren sind. Aber letztendlich ist es doch auch nur ein Fußballspiel, bei dem es um drei Punkte geht“, sagt Kennedy, der seine Motivation aus einer anderen Quelle zieht: „Es ist doch schon ein Frage des Stolzes, den man als Fußballer hat. Man will doch kein Spiel gerne verlieren.“

Für den Australier war der Wechsel nach Baden bislang ein absoluter Glücksfall. In jedem seiner drei Spiele für die Blau-Weißen erzielte er einen Treffer, zwischendurch flog er noch schnell zum Nationalmannschaftseinsatz für Australien nach Melbourne. Dort schrieb er mit dem ersten Treffer für die Socceroos seit ihrem Umzug in die Asien-Zone des Weltverbandes Fifa Fußballgeschichte. „Man darf nicht denken, dass das immer so laufen wird. Ich weiß, irgendwann kommen die Tore nicht. Aber dann muss man die Geduld und die Konzentration haben, weiter dranzubleiben“, sagte Kennedy. Und er ist sich der Unterstützung durch KSC-Trainer Edmund Becker sicher: „Ich hatte immer das Gefühl, dass er hinter mir steht. Und das vom ersten Tag an bis heute“, sagt Kennedy. Die neuen Kollegen haben ihn ebenfalls nahtlos in ihre verschworene Gemeinschaft eingegliedert. „Alles, was ich vorher über den KSC gehört habe, hat sich tatsächlich bestätigt. Es gibt hier schon ein sehr starkes Mannschaftsgefüge“, erzählt der Australier. Dass auch er sich in den Dienst der Mannschaft stellen muss, empfindet Kennedy als selbstverständlich: „In Dresden habe ich schließlich fast zwei Jahre im zentralen Mittelfeld gespielt“, sagt er, „ich bin es gewohnt, mir auch mal die Bälle zu holen.“

Am Sonntag nach dem Derby wird Kennedy erst einmal Umzugskartons packen. Denn vergangene Woche hat er in Karlsruhe ein Domizil mit den Minimalanforderungen für Australier gefunden. „Es muss ein kleiner Garten vorhanden sein, damit man grillen kann. Und ein Platz für die Oma, wenn sie zu Besuch kommt“, verrät er. Zudem steht im Juni die Geburt des zweiten Kindes ins Haus. Aus diesem Grund war der Dreieinhalb-Jahres-Vertrag, den KSC-Manager Rolf Dohmen ihm angeboten hatte, auch von Anfang an Kennedys Favorit gegenüber den Offerten aus Cottbus und Israel. „Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, so lange in Karlsruhe zu bleiben“, sagt er – ohne damit eine Garantie für den KSC abzugeben. Kennedy: „Vielleicht schieße ich ja doch 20 Tore, dann kommt irgendjemand, und ich hätte gerade etwas Falsches gesagt.“

Stuttgarter Nachrichten

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